Disclaimer: Hetalia Axis Powers und seine Charaktere gehört mir nicht sondern Himaruya-san. Ich leihe sie mir nur aus und verspreche, sie nachher wieder ins Regal zurück zu setzen.
Die hier genannten historischen Personen und Örtlichkeiten gehören mir noch viel weniger und die Verwendung der Namen geschieht nicht in der Absicht respektlos zu erscheinen. Genannte Personen und Orte sind mir nicht persönlich bekannt und jede Beschreibung hat mit den Tatsachen nichts zu tun, obwohl es die Möglichkeit gibt, dass meine Worte gelegentlich leicht an der Wahrheit entlang schrammen. Das geschieht dann allerdings mehr aus Versehen.
Mit anderen Worten: ich habe zwar Nachforschungen angestellt, aber nur sehr nachlässig. Darum, liebe Leser, nehmt meine Worte nicht unbesehen für bare Münze und fangt auf keinen Fall auf ihrer Basis einen Streit mit eurem Geschichtslehrer an.
4 Die Welt ist eine Bühne
Alfred holte aus seinem großen Umschlag einen kleineren in normaler Größe, der anscheinend das fragliche Bild enthielt. „Ludwig, dies hier kann ich dir zurück geben. Tut mir leid, dass es nicht eher ging, aber die Geheimdienstleutchen wollten es erst nicht rausrücken. Es stammt aus eurem Haus in Berlin."
„Aber das wurde doch ausgebombt und war abgebrannt."
„Ja, dies hier war ganz geschickt unter die Steine geraten und war vor den Flammen geschützt." Er schob den Umschlag über den Tisch und Beilschmidt zog das Bild heraus und erstarrte einen Augenblick. „Danke", sagte er dann leise.
„Klar Mann! Das ist schließlich deines."
Adenauer machte einen langen Hals, konnte aber keinen klaren Blick bekommen. Ungeduldig sagte er: „Wollten Sie mir das Bild nicht auch zeigen?"
Beilschmidt zuckte zusammen, ließ das Bild auf den Tisch fallen. „Ja, natürlich." Er schob es zu dem Kanzler hin.
Adenauer beobachtete aufmerksam seine aufgewühlte Reaktion bevor er sich dem Bild zuwandte. Er sah wie erwartet die beiden Gesichter der Beilschmidt Brüder, beide saßen auf einem Sofa und trugen Uniformen aus der Zeit des deutschen Kaiserreiches. Ludwig sah ernst drein, Gilbert zeigte ein selbstsicheres Grinsen. Das Bild wirkte alt. Es war in Sepiafarben gedruckt und der Karton selbst war vergilbt, eine Ecke war angesengt, eine andere geknickt, es gab Druckspuren von Sandkörnern und abgeschabte Stellen. Er drehte das Bild um in der Hoffnung auf Hinweise auf den Fotografen und fand eine schwungvolle Handschrift in schwarzer Tinte. Genau genommen sogar zwei Handschriften, die Namenszüge Ludwig Beilschmidt und Gilbert Beilschmidt nebeneinander, anscheinend von den entsprechenden Personen geschrieben. Darunter stand in Ludwigs Schrift: 1881, zehn Jahre Deutsches Kaiserreich.
Adenauer starrte die Handschrift an. Wenn man ein solches Bild fälschen wollte, musste man ein vergilbtes, altes Stück Karton auftreiben, das Foto im alten Stil darauf drucken und alles herrichten, damit es aussah, wie ein Bombenschaden, kein Problem bis dahin. Aufwendig, aber machbar. Aber warum sollte jemand so etwas tun? Wo steckte da der Sinn? Und was hätte es für einen Sinn, sollte es trotz allem echt sein? Etwas derartiges wäre doch nach ihm bekannten Regeln der Wissenschaft völlig unmöglich. Kein Mensch lebt ohne dem Alterungsprozess unterworfen zu sein. Übernatürliche Wesen gibt es nur in Büchern. Gottes Engel und die Teufel der Hölle wandeln nicht auf Erden, sie waren eine Allegorie.
Aber warum kam ihm Ludwig Beilschmidts Unterschrift bekannt vor. Er hatte diesen Schriftzug irgendwo schon gesehen, mehr als einmal.
Er beschloss den Rauswurf noch eine Weile zu verschieben und reichte das Bild zurück.
„Herr Jones, ich glaube Ihnen Ihre Geschichte immer noch nicht. Und ich weiß eigentlich nicht, was Sie genau von mir wollen oder wer Sie eigentlich sind. Sie sind Vertreter Ihrer jeweiligen Regierungen, nicht wahr? Wenn ich Ihre Worte richtig deute, behaupten Sie, dem amerikanischen Präsidenten ziemlich nahe zu stehen."
„Dem gegenwärtigen Präsidenten, seinem Vorgänger und dessen Vorgängern bis zurück zu George Washington!" Jones grinste schelmisch. „Und die beiden Herren hier stehen in gleichen Positionen zu ihren jeweiligen Regierungen, und das sogar eine ganze Weile länger als ich. Und wir möchten nun also Ludwig Beilschmidt Ihnen nahe bringen."
„Sehen Sie, und an der Stelle verlieren Sie Ihre Glaubwürdigkeit völlig! Sehen Sie, was ich meine?"
„Ja, ich sehe es, natürlich. Trotzdem, es ist, wie es ist." Er breitete die bisherigen Bilder auf dem Tisch aus, mit Ausnahme von Ludwigs eigenem Bild, das er wieder in den Umschlag gesteckt hatte. Dann legte Jones noch eines aus seinem großen Umschlag dazu, ein Gemälde zweier junger Frauen, die beisammen saßen.
„Ich will hier ganz kurz ausholen. Kennen Sie dieses Gemälde, Herr Adenauer?"
„Aber ja, Italia und Germania von Friedrich Overbeck aus dem Jahre 1828. Ich hab eine Replik davon sogar zu Hause hängen, in meinem Arbeitszimmer."
„Tatsächlich? Sie mögen Italien?"
„Aber ja. Ich meine, wer nicht? Besonders Nord Italien. Die Leute sind nett, das Klima ist angenehm, die Landschaft ist schön, die Kunst und Architektur bewundernswert. Allerdings sind die diplomatischen Beziehungen derzeit stark angeschlagen, aber das gibt sich hoffentlich bald wieder. Worauf wollten Sie denn nun hinaus, Herr Jones?"
Es entging ihm nicht, dass drei seiner Besucher zwischen dem vierten und ihm selbst hin und her sahen, wobei der Engländer recht ernst blieb, der Franzose verhalten lächelte und nur der Amerikaner breit grinste. Schließlich sagte er: „Wenn wir Sie davon überzeugen können, die Lage zu akzeptieren, werden Sie beide großartig miteinander auskommen, da bin ich sicher!"
Ludwig Beilschmidt erlaubte sich ein leises Seufzen, aber abgesehen davon war sein Gesicht wieder völlig ausdruckslos.
Jones fuhr fort: „Wir haben es hier mit einer Darstellung von Ländern als Personen zu tun. Das ist kein Einzelfall, es gibt noch viel mehr ähnliche Darstellungen, Gemälde, Statue, auch von Britannia und Gaule." Er winkte zu seinen Begleitern direkt neben ihm hin. Dann sah er Beilschmidt direkt an. „Aber ich fand dieses Bild besonders niedlich. Die beiden hier könnten Schwestern von euch beiden sein. Ich finde, diese Italia sieht Feliciano wirklich ähnlich."
Er bekam von Beilschmidt keine Reaktion dazu, aber Adenauers Gedankengänge kamen kurz ins Stolpern. Jones wollte doch nicht etwa behaupten ...
„Herr Adenauer, wir kommen hier auf den Kern der ganzen Sache, der sicherlich schwer zu glauben ist. Denn personifizierte Nationen gibt es tatsächlich. Allerdings anders als in der europäischen Kunst dargestellt, sind es meistens, nicht immer, aber in der Mehrheit Männer. Wir sind Nationen." Er wies mit einer Hand der Reihe nach auf die Anwesenden und sich. „England, beziehungsweise Groß Britannien, ich bin die Vereinigten Staaten von Amerika, Republik Frankreich und auch wenn Sie es nicht auf Anhieb glauben mögen, der Mann da gehört jetzt mit gutem Grund Ihnen, Ihr Deutschland."
Adenauer verlor selten wirklich die Fassung. Nach allem, was ihm bisher widerfahren war, glaubte er von sich alles, was noch kommen sollte, ohne ein Wimpernzucken hinnehmen zu können. Aber in diesem Moment schlug er beide Hände vor das Gesicht und klare Gedankengänge setzten für den Moment aus. Aber er erholte sich schnell.
„Die wollen mich veralbern, hier!" war der erste Satz, den er kurz darauf klar denken konnte. Er senkte die Hände wieder und rechnete damit in grinsende Gesichter zu sehen, weil ihnen ihr Streich geglückt war. Aber Kirkland blickte ernst wie immer, Jones und Bonnefoy wirkten eher gespannt als amüsiert. Sein Blick blieb wieder einmal an Beilschmidt hängen, der immer noch versuchte sich keine Regung ansehen zu lassen, aber das glückte nicht völlig. Er wirkte – ja wie – abwartend? Verhalten hoffnungsvoll?
Dazu kam, dass dieses Druckgefühl im Nacken, das er seit Beginn des Gespräches hatte, noch zunahm und sich auf den Kopf und in die Schultern auszubreiten schien.
„Im Moment versuche ich mich zu entscheiden, ob mir Ihre kleine Geschichte hier anfängt Spaß zu machen, oder ob ich Sie alle hinaus werfen soll."
„So ähnlich reagierte der Friedrich Ebert damals auch", sagte Beilschmidt. „Er sagte: wer seid ihr beiden überhaupt? Ich glaube euch kein Wort! Raus!"
Bonnefoy warf ein: „Solche drastischen Wechsel im Regierungssystem sind natürlich immer ein Problem, wie bei dir damals nach dem ersten großen Krieg und dem Ende der Kaiserzeit. Wenn dabei sozusagen der ganze Personalstab wechselt. Dieses: Ich glaube dir kein Wort, raus hier habe ich auch schon erlebt. Noch schlimmer ist eigentlich nur, wenn jemand dich doch erkennt und die unfreundlichen Worte spricht: 'Ich kenne ihn, er bewegte sich im Dunstkreis der alten Herrscher. Verhaftet den Kerl und mach schon mal jemand die Guilloutine fertig für morgen früh!'"
„Vielen Dank für deine hilfreichen Worte." murmelte Beilschmidt.
Bonnefoy lächelte charmant. „Luis, wir sind hier, weil wir dir helfen wollen."
Er seufzte wieder leise. „Ich weiß. Entschuldige bitte, ich möchte nicht undankbar erscheinen. Ich weiß, wie viel ihr mir in den letzten Jahren geholfen habt. Aber könnten wir bitte beim Thema bleiben?"
„Aber natürlich. Pardonez moi." So beruhigend wie möglich. Bonnefoy sprach mit Beilschmidt, als hätte er es mit jemandem zu tun, der am Rande eines Nervenzusammenbruches stand und tatsächlich glaubte Adenauer in seinen letzten Worten eine deutliche Spur von Nervosität gehört zu haben. Er sah sich noch einmal um. Kirkland blickte verhalten wütend in Richtung Bonnefoy, der weiterhin, wie schon die ganze Zeit, jovial gelassen schien. Er lächelte milde. Jones verfolgte den Wortwechsel mit fröhlichem Interesse, anscheinend unempfänglich für die unterliegenden Spannungen.
Adenauer war sich immer noch nicht darüber im klaren, wie er die Situation einordnen sollte. Die Geschichte war natürlich gelogen. Sie konnte einfach nicht wahr sein. Aber diese Herren mussten begnadete Schauspieler sein, wenn sie das ganze so überzeugend darstellen konnten, noch dazu improvisiert, ohne auch nur eine Sekunde aus der Rolle zu fallen.
„Um also beim Thema zu bleiben", fing Adenauer an. „Ich kann Ihnen einfach nicht glauben, was Sie mir hier erzählen wollen! Wenn Sie die erwähnten Nationen darstellen" an dieser Stelle versuchte Jones etwas zu sagen, wurde aber von Kirkland davon abgehalten, der ihm einfach den Mund zu hielt - „dann soll wohl Ihr Bruder Gilbert womöglich ..."
„Preußen." Beilschmidt nickte. „Gilbert Beilschmidt ist Preußen."
„... Preußen sein." beendete Adenauer seinen Satz.
A/N Ausgebombt und abgebrannt war nach dem Krieg für Großstadtbewohner ein geläufiges Schicksal.
Das Gemälde von Overbeck: ja, ich habe es getan, ich hab mein Avatarbild in der Geschichte hier benutzt. Es ist von 1828, das Copyright ist sowas von abgelaufen, har har.
Adenauer hatte sich irgendwann einen kleinen Fabel für Italien zugelegt. Diese Tatsache ließ mir keine Ruhe. Das Ergebnis seht ihr oben. ;)
Friedrich Ebert übernahm nach dem ersten Weltkrieg die Regierungsgeschäfte. Die politische Situation war schon während des Krieges mehr als unruhig gewesen. Nach der Niederlage musste sich der Kaiser nach Holland absetzen, der Wechsel vom Kaiserreich zur Republik lief nicht wirklich geordnet. Dazu kamen die Forderungen der Siegermächte. (Die Verhandlungen und die Unterzeichnung der abschließenden Verträge hatten in Versailles stattgefunden, weil Frankreich nachtragend war.) Die Parteien in Deutschland waren zerstritten und zahlreich, denn es gab keine 5 % Hürde für den Einzug in ein Parlament, Minderheitenregierungen waren die Regel und komplette Kabinettswechsel gab es öfter, als sich wahrscheinlich die meisten Leute eine neue Zahnbürste kaufen: es waren 20 in den 14 Jahren. Als die Weltwirtschaftskriese dazu kam, die Arbeitslosenzahlen innerhalb weniger Jahre von 1 Mio auf 6 Mio stiegen und die Reparationszahlungen stockten, kam Frankreich mal wieder rüber, besetzte das Ruhrgebiet und wollte wohl nachschauen, wo denn das Geld bliebe.
Die junge Demokratie (die mal wieder unter schwarz rot gold lief) hatte ihre Ideale, aber widerstreitende Kräfte von innen und der Druck von außen hat ihr dann leider den Rest gegeben.
