Ich habe leider nicht so viel Rückmeldung bekommen, wie ich mir erhofft hatte. Dafür bekommt ihr von mir jetzt ein extralanges Kapitel mit Edward inklusive ;)
Ich würde mich wirklich über jedes review freuen, selbst wenn es nur aus einem Wort besteht ;-)
4. Dicht
EdwardPOV
Nach meinen Sozialstunden – oder eher nach den Stunden mit Bella – war ich voll fertig. Deshalb ging ich erstmal in eine Stammkneipe, um ordentlich ein draufzuhauen.
Da ich Stammgast im Stoned war, musste ich mich nicht erstmal mit jemandem dazu verabreden. Die meisten coolen Typen und auch ein paar heiße Tussis kannte ich dort schon und die anderen würde ich schnell kennen lernen. Vor allem sobald der Alkohol unsere Zungen etwas lockerte.
Kaum war ich in dem kleinen, verrauchten Kabuff angekommen und hatte meinen Alkohol bestellt, konnte ich schon die erste süße Schnecke ausmachen, die sich mir näherte.
Ich liebte solche Abende. Der Alkohol floss, die Weiber schmissen sich an mich heran und wenn ich in der Nacht noch bei Bewusstsein war, konnte ich mit einigen der Frauen nach Hause fahren und mich dort weiter Vergnügen.
Mein Vater hatte glücklicherweise schon lange begriffen, dass ich mir von ihm nichts sagen ließ. Der Mann hatte auch einfach kein Rückrad. Dieser Schlappschwanz hatte noch nie irgendetwas in seinem Leben gut gemacht, seinen Job mal ausgenommen. Scheiß Workaholic.
Doch dieser Abend war anders. Obwohl ich massenhaft blondierte Frauen mit mordsgeilen Titten vor meinen Augen hatte, konnte ich nur ein Gesicht sehen:
Braune, große Augen, wunderschöne, elegante Brauen, eine süße kleine Stupsnase, volle und – dem Aussehen nach – weiche, warme Lippen und das alles umrahmt von leicht gelocktem, braunem Haar.
Bella ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Und ich sah nicht nur ihr Gesicht. Ich hörte auch ihr Lachen, spürte die Wärme ihrer Berührung und war umhüllt von ihrem Duft nach Freesien.
Ich war geschockt von meinen Gedanken, meinen Gefühlen. So hatte ich noch nie auf eine Frau reagiert. Bisher hatte mein einziger Dialog mit Frauen eigentlich aus lüsternen Blicken mit anschließendem Gerammel bestanden. Und ich hatte es genossen. Lust kannte ich. Lust war schön. Mit Lust konnte ich umgehen.
Aber dieses neue Gefühl war mir unheimlich. Weil es neu war. Weil es so unkontrollierbar war.
Und dann wurde ich sauer. Zuerst auf Bella, dann auf mich. Ich wollte es nicht zulassen, dass diese Frau mir den Kopf verdreht. Ich war doch Edward. Cool, stark, entschlossen, mutig und nicht zuletzt ein verdammter Weiberheld.
So kam ich zu einem Entschluss: Ich würde Bella dazu bringen, mit mir zu schlafen. Dann würde diese sentimentale und verwirrende Phase endlich vorbei sein.
Und so trank ich. Immer mehr.
Ich trank so viel, dass ich am nächsten morgen noch nicht mal wusste, wie ich nach Hause gekommen war. Geschweige denn, warum ich eine gebrochene Nase hatte…
BellaPOV
Jakob zögerte nicht lange und sagte direkt was Sache war:
„Ich wurde zusammengeschlagen."
Ich saß zunächst wie versteinert da. Dann sickerten die Worte langsam in mein Gehirn und mir entfuhr ein Aufschrei.
Jakob grinste. Ich wusste, dass er es liebte wenn ich mich so mädchenhaft verhielt.
Das war schon immer so gewesen.
Es gefiel ihm auch immer, wenn er mich trösten konnte, wenn ich mal wieder eine schlechte Phase durchmachte. Ich glaube, dadurch fühlte er sich stärker. Und es fiel ihm leichter, zu mir zu kommen, wenn es ihm mal schlechter ging.
Als ich mich wieder etwas beruhigt hatte, fragte ich ihn, wie es dazu gekommen war.
JakobPOV – Rückblick
Ich hatte noch eine Bandprobe gehabt. Meine Bandmitglieder, Paul, Lea und Sam, waren schon nach Hause gefahren, während ich noch vor unserem Partykeller, den wir für unsere Proben benutzten, auf meinen Bus wartete.
Die Probe war richtig gut gelaufen. Wir hatten ein paar neue Stücke ausprobiert und alles war auf Anhieb beinahe perfekt gelaufen.
Wir spielten hauptsächlich Rock und Punk, aber der ein oder andere Pop-Song war auch manchmal dabei.
Schlagzeug war mein Instrument. Ich liebte es. Immer wenn ich mich auf meinen abgewetzten Lederhocker setzte und die Schläger in die Hand nahm, verlor ich mich und tauchte in eine neue Welt ein. Der Rhythmus war in meinem Blut, in jedem Muskel, jeder Zelle meines Körpers.
Vielleicht hätte ich Sams Angebot annehmen sollen.
Er war mit dem Wohnwagen gekommen, in dem wir einige unserer Instrumente aufhoben. Da er und die anderen beiden in dieselbe Richtung mussten, waren die drei zusammen gefahren.
Auch mich hätte er mitgenommen. Aber ich wollte ihm keine Umstände machen. Zumal ja eigentlich ein Bus fahren sollte.
So dachte ich jedenfalls.
Doch nun stand ich da und wartete. Und fluchte.
Es wurde kühl und ich hatte mir keine Jacke mitgenommen. Um mich ein bisschen aufzuwärmen lief ich hin und her. Mehrmals schaute ich auf den Fahrplan auf der Haltestelle, um mich zu vergewissern, dass der Bus auch tatsächlich fuhr.
Nach einer Viertelstunde hatte ich genug. Also machte ich mich zu Fuß auf den Weg nach Hause. Es würde mich zwar mindestens eine Stunde kosten, aber das war besser, als vergeblich auf den Bus zu warten.
Also lief ich. Zunächst immer an der Hauptstrasse entlang. Der Probenraum lag etwas außerhalb der Stadt, sonst könnten wir uns die Miete auch gar nicht leisten.
Nach einer Weile kam ich dann endlich am Stadtrand an. Es war inzwischen wirklich dunkel geworden und ich wollte möglichst schnell nach Hause.
Also nahm ich eine Abkürzung. Sie führte durch mehrere Verwinkelte Gassen, durch einen Park und an einem Friedhof vorbei.
Vom Friedhof aus hörte ich Stimmen. Wieder ein paar besoffene Machos, die sich cooler fühlten, wenn sie mit ihren ach so ängstlichen Freundinnen einen mutigen Spaziergang zu den Toten machten.
Ich wäre vorbei gelaufen. Aber plötzlich hörte ich mehr als nur Stimmen. Es waren dumpfe Geräusche zu hören. Ein Klirren. Ein Schlagen. Stein auf Stein. Metall auf Stein.
Also ging ich näher, um zu sehen, was dort ablief. Und ich traute meinen Augen nicht: diese Schweine demolierten den jüdischen Friedhof!
Ich überlegte, was ich tun sollte. Ich konnte nicht einfach so weiter gehen. Allerdings bildete ich mir auch nicht ein, gegen mehrere Jungs auf einmal anzukommen. Selbst wenn sie angetrunken waren. Und wer weiß, welche Waffen die bei sich hatten.
Ein Handy hatte ich nicht dabei. Ein Risiko wollte ich nicht eingehen. Also blieb mir nur eins: bei der nächsten Wohnung klingeln und die Polizei rufen.
So leise es ging machte ich mich auf den Weg. Doch ich war leider nicht leise genug.
In der Dunkelheit hatte ich einen Ast übersehen, stieß mit voller Wucht dagegen und heulte auf.
Das war Beule Nummer eins an diesem Abend.
Beule Nummer zwei folgte einige Minuten – oder waren es Sekunden? – später.
Sie hatten mich gehört, so viel war mir bewusst. Und sie kamen auf mich zu, auch das bemerkte ich.
Also rannte ich los. In die nächste Gasse. Ich wusste, ich würde ihnen entkommen. Sie waren betrunken… und wahrscheinlich auch nüchtern nicht schneller als ich.
Ich rannte um die nächste Ecke und war erleichtert, als ich hörte wie die Schritte hinter mir immer entfernter klangen.
Doch die Erleichterung hielt nicht lange an. Denn im Schein der Straßenlaternen konnte ich schon bald erkennen, dass ich mich in einer Sackgasse befand.
Ich drehte mich um. Schwer atmend. Dann versuchte ich meine Umgebung genauer auszumachen.
Die Häuser schienen verlassen. Die Fenster waren teilweise zerschlagen. Hier schien keiner mehr zu wohnen. Und wenn jemand hier lebte, wollte ich demjenigen auch nicht gerne begegnen.
Bevor ich weiter planen konnte, kamen sie auch schon um die Ecke gerannt. Schwer keuchend, doch - so weit ich es erkennen konnte – lange nicht so besoffen und schwankend, wie ich zuvor angenommen hatte.
Auf ihren Gesichtern konnte ich keinen Suff ausmachen. Nein, diese Jungs waren Schläger im nüchternen Zustand. Und sie würden sich einen Spaß mit mir erlauben.
Bella rührte sich nicht. Es war wirklich niedlich, wie sie sich um mich sorgte. Doch ich wollte nicht, dass sie Angst um mich hatte. Mir ging es schließlich gut.
„Es ist schon gut, Bella. Es ist ja nichts passiert."
Ich versuchte beruhigend auf sie einzureden. Doch ohne Erfolg…
„Gut?!!! Du wurdest eben fast von brutalen Schlägertypen erschlagen und du meinst, es geht dir gut? O Gott Jakob, du könntest tot sein! Sie haben dich einfach auf der Strasse liegen lassen!"
„Sie wollten mich ja gar nicht umbringen, Bella. Nur ein wenig schlägern."
„Als ob mich das beruhigt!" schnaubte sie.
„Wirklich, solche Typen tun nur so, als wären sie die harten Männer. Aber letztendlich wollen sie sich nur ein bisschen stärker fühlen. Sie waren wirklich nicht so gefährlich, wie du es hier darstellst."
Sie gab nur ein kurzes ‚pfft" zur Antwort. Dann kuschelte sie sich so fest an mich, als wollte sie mich nie wieder loslassen.
