Langer Fall, schnelles Ende" - Kapitel 4

„So war das nicht gemeint!", versuchte Septima zurück zu rudern. Merlin, war das peinlich! Das Blut rauschte ihr in den Ohren.

Rolanda grinste nur breit, als würde sie Septima diesen Satz nicht abnehmen.

Schweigen machte sich zwischen ihnen breit. Rolanda sah sich im Kerker um und lachte, als sie den scheinbar betrunkenen Horace mit Aurora und Black reden sah. Auch Septima sah ihnen für einen Moment zu. Ohne Vorwarnung legte Aurora ihren Arm um Blacks Rücken und küsste ihn auf seine Wangen.

Septima drehte sich erschrocken zu Rolanda. Ihr Gesicht errötete, denn sie hatte das Gefühl, die beiden bei etwas Intimen beobachtet zu haben.

Rolanda lächelte sie schief an und fuhr sich durch ihre kurzen Haare.

„Du bist wirklich süß", murmelte sie.

Septima errötete noch mehr. „Ach was", versuchte sie das Gesagte herunterzuspielen. Ihr fiel auf, dass Rolandas Blick zwischen ihren Augen und ihrem Mund hin und her wanderte.

Im Kerker hatte sich noch mehr dicker Rauch gebildet und Septima bekam das Gefühl, der Rauch niste sich in ihrem Kopf ein. Sie fühlte sich seltsam leicht und das Denken fiel ihr schwer. Ihr Blick schweifte, ohne dass sie ihn kontrollieren konnte, zu Rolandas weit ausgeschnittenem Dekolleté und bei dem Anblick wurde ihr noch wärmer.

Schnell sprang Septima auf. „Bitte entschuldige mich!", rief sie und versuchte ein Lächeln. „Mir ist gerade eingefallen, dass... ich zur Toilette muss!"

Schnellen Schrittes eilte sie aus dem Kerker und rempelte dabei Aurora an. Verwunderung spiegelte sich in Auroras fast schwarzen Augen, aber Septima wich ihrem Blick aus. Sie wollte das nicht. Diese Nähe zu den ihr fremden Menschen machte ihr Angst.

Als Septima die Tür der Toilette hinter sich geschlossen hatte, machte sich Erleichterung in ihr breit. Die Stille hier tat ihr gut und die kalte Luft kühlte ihre erhitzten Wangen. Sie ging zum Waschbecken und benetzte ihr Gesicht mit Wasser.

Was war das für eine Welt, die ihr trotz ihrer vielen Jahre auf Hogwarts verborgen geblieben war? Rolanda und Aurora wirkten heimisch in der Welt der Vergnügung und Risiken. Ihr machte sie Angst.

Gerade als sie sich abtrocknete, öffnete sich hinter ihr die Tür. Rauch und Gelächter drang herein und mit ihnen Rolanda, die die Tür schnell wieder hinter sich schloss.

Rolanda näherte sich Septima.

„Äh -", stotterte Septima, deren Herz sofort schneller zu schlagen begann.

Rolanda fasste nach ihrem Arm und strich federleicht aufwärts. Wie von selbst stellten sich Septimas Härchen auf. Rolanda streichelte ihre Wange und beugte sich dann zu ihr hinüber. Sie sahen sich in die Augen und in Septimas Bauch begann ein kleines Orchester Trommelwirbel zu schlagen. Gleich würde es passieren! Die Panik trieb ihren Herzschlag gnadenlos immer weiter an.

Ohne Zögern presste Rolanda ihre Lippen auf Septimas. Wie von selbst öffnete Septima ihre Lippen und schmeckte den süßen, alkoholischen Geschmack der Bowle. Als sich ihre Zungen zum ersten Mal berührten, durchfuhr es Septima heiß. Drängend presste sich Rolanda gegen ihren Körper. Wie Nadelstiche durchfuhren sie die Berührungen - noch nie hatte sie einen Frauenkörper so nah gespürt. Es fühlte sich so anders an als ein Männerkörper! So bittersüß, viel tiefer, weicher, richtig und falsch zugleich. Septima konnte nicht anders als an Rolandas Seite bis zur Höhe ihrer Brüste entlangzustreichen und sie durch den Stoff hindurch zu berühren. Rolanda stöhnte leicht auf.

Sie ließ von Septimas Lippen ab und widmete sich stattdessen ihrem Hals. Sie saugte und küsste, knabberte kurz und schmerzhaft, küsste die Stelle wieder sanft. Septima holte zischend Atem, griff Rolanda an der Schulter, musste sich festhalten, weil ihre Beine unter den Berührungen weich wurden. Was war das? Wo war sie? Und wer war sie überhaupt?

Wieder küsste Rolanda sie, fuhr mit ihrer Zunge über Septimas Lippen und flüsterte ihr dann ins Ohr: „Ich weiß, dass du mich genauso willst, wie ich dich! Du würdest es morgen bereuen, wenn du jetzt nicht mit mir kommst..." Sie grinste anzüglich.

Erschrocken zuckte Septima zurück und brachte Abstand zwischen sie beide. Einen Moment war sie wie erstarrt und versuchte sich darüber klar zu werden was sie gerade tat und was Rolanda da sagte. Auf einen Schlag lief sie knallrot an und stolperte rückwärts.

„Ich - ich hab noch nie, - tut mir Leid. Ich kann nicht!", stotterte sie und flüchtete.

Als Septima erwachte, konnte sie sich nicht entscheiden, was schlimmer war: ihre Kopfschmerzen oder der Gedanke an Rolanda. Rolanda. Oh Merlin, was war geschehen? Rolanda hatte sie geküsst! Und sie hatte zurück geküsst... Und ihre Brüste, ihre weichen- das Bild von Rolandas weit ausgeschnittenem T-Shirt und dem Ansatz ihrer Brüsten darin erschien vor ihrem inneren Auge.

Septima schüttelte ihren Kopf, verdrängte alle Gedanken an Rolanda und rappelte sich mühsam aus dem Bett hoch. Merlin sei Dank war endlich Wochenende; das Ausschlafen hatte sie gebraucht.

Schnell schlüpfte sie in einen Umhang. Sie wollte gerade ins Badezimmer um einen Trank gegen diese höllischen Kopfschmerzen zu nehmen, als sie zu ihrem Erstaunen einen Brief auf ihrem Tisch fand.

Neugierig nahm sie ihn zur Hand und erkannte Enigmas Schrift. Ihre Briefpartnerin hatte anscheinend den Eulenweg aufgegeben. Klar, wenn man wusste, wo die andere wohnte, ging es mit einem Zauber oder Hauselfen natürlich einfacher. Nur gemein, dass die Unbekannte damit einen Wissensvorsprung hatte.

Schnell riss sie den Umschlag auf und las: „Treffen um Mitternacht auf dem Astronomieturm. Enigma."

Aufgeregt und mehrmals kurz davor wieder umzudrehen, schlich Septima durch die dunklen Gänge von Hogwarts. Sie kam sich wie ein Teenager vor, der nachts durch das Schloss zog auf der Suche nach dem Zimmer dieser einen Person und gleichzeitig so voller Angst davor, dort anzukommen und abgewiesen zu werden.

'Aber diesmal ist es anders', sprach sie sich selbst Mut zu. 'Du bist älter, du hast mehr erlebt. Du bist Lehrerin und darfst durchs Schloss ziehen. Nur mal kurz schauen, vielleicht ist ja auch niemand da...'

Mit diesen und ähnlichen Gedanken schaffte sie es schließlich, sich zusammenzunehmen und sich auf den Turm zu begeben. Aber er war leer. Enttäuscht ließ Septima ihren Atem, den sie beim Betreten der Plattform vor Aufregung angehalten hatte, entweichen. Niemand da, sie hätte es wissen müssen. Dabei hatte sie so gehofft -

Traurig und auch etwas verschämt ging sie die paar Schritte bis zum Geländer der Plattform und stützte sich mit den Ellenbogen darauf.

Vielleicht war es besser so. Eigentlich war sie doch auch erleichtert. Nach dem letzten Abend wäre alles andere wohl zu viel für ihre Nerven gewesen. Soviel sexuelle Spannung hatte sie schon seit Jahren nicht mehr gespürt. Ach was, noch nie in ihrem Leben! Septima kam sich vor wie ein einziges Hormonbündel.

Der Mond schien hell in dieser Nacht und erleuchtete auf schaurige Art die Ländereien von Hogwarts. Septima genoss die Aussicht und dachte gerade, dass sie wohl besser wieder zurück in ihr Zimmer gehen sollte, als plötzlich alles dunkel wurde.

„Hey, was soll das?!", zischte Septima verärgert, als ein Zauber ihr die Sicht nahm. Wie ein Tuch legte er sich über ihre Augen und drückte sie zu.

Septimas Hand zuckte zu ihrem Zauberstaub, doch sie wurde sanft aber bestimmt festgehalten. „Lassen Sie mich los!", knurrte Septima, diesmal etwas lauter und versuchte, sich von der fremden Person loszumachen.

„Sch, ruhig, ich bin es.", flüsterte eine raue Frauenstimme ihr ins Ohr. „Enigma."

Schlagartig hörte Septima auf sich zu wehren.

Enigma! Die Hexe, die sie allein mit ihren Briefen bezaubert hatte, Enigma mit den schönen, heißen Worten.

„Warum darf ich dich nicht sehen?", flüsterte sie und drehte sich, als Enigma ihre Hände losgelassen hatte, in die Richtung, in der sie die Unbekannte vermutete.

„Ist besser so."

Septima zerfurchte ihre Stirn. Warum sollte es besser so sein? Was hatte Enigma zu verbergen? Doch ihre Angst, dass Enigma gleich wieder verschwunden sein könnte, wenn sie den Zauber löste, ließ sie still halten.

Das Geräusch eines Atemzuges ließ Septima ihren Kopf in die Richtung drehen, in der Enigma stehen musste. Sie konnte sie riechen. Mit einem tiefen Atemzug sog sie den Duft ein. Herb, bitter mit einer winzigen Nuance von - ja von was? Lavendel? Sie hörte wie Enigma schluckte. Sie musste ihr ganz nahe sein, Septima bildete sich sogar ein, ihre Wärme zu spüren.

„Darf ich dich küssen?", fragte Enigma ganz leise.

Für einen kurzen Moment fragte sich Septima, ob sie sich verhört hatte. Aber ohne weiter darüber nachzudenken nickte sie und wartete ab.

Zwei sanfte Hände berührten ihre Wangen, streichelten ihre Haut und dann berührten sie zögernd warme Lippen. Weiche, süße Lippen, die nach den ersten, unendlich aufregenden Sekunden fester und entschlossener wurden, sich auf die ihren drückten und ihr ein magisches Kribbeln in den Bauch zauberten.

Septima konnte nicht anders, sie musste sie berühren, musste ihr zeigen, wie sehr sie...- ja was eigentlich? Verliebt in sie war? Lust auf sie hatte? Sie, die kleine Septima, immer zu schüchtern, immer vorsichtig? Und auch am letzten Abend mit viel zu viel Angst. Aber jetzt -

Enigma löste ihren Kuss. Septima spürte förmlich, wie die Andere sie mit einem Blick durchschaute.

„Was?", fragte Enigma scharf. Septima hatte nicht das Gefühl, als wäre Enigma ärgerlich. Sie hatte eher das Gefühl, Enigma verstellte ihre Stimme absichtlich.

Deswegen antwortete sie leise und mit roten Wangen, den blinden Blick in die vermutete Richtung gewandt: „Enigma, warum darf ich dich nicht sehen? Was soll das denn werden?"

„Erst mal nur ein Kuss", murmelte Enigma und Septima bildete sich ein, ein Lächeln aus ihrem Tonfall herausgehört zu haben, „dann sehen wir weiter."

Doch Septima wollte nicht abwarten, sie wollte endlich sehen, wer Enigma war.

Wieder berührten Enigmas Lippen die ihren und ohne den Kuss zu unterbrechen versuchte Septima mit dem Zauberstab in ihrer rechten Hand ungesagt den Zauber, der ihre Augen bedeckte, zu lösen.

Aber anscheinend hatte Enigma mit etwas Ähnlichem gerechnet.

Als Septima wieder sehen konnte, hatte Enigma sich bereits umgedreht und eilte vom Turm. Sie trug einen schwarzen Umhang, dessen Kapuze ihren Kopf bedeckte.

Enttäuscht sackte Septima in sich zusammen und kehrte nach einigen Minuten in ihr Zimmer zurück.

„Gut gemacht", murmelte sie sich selbst ironisch zu.