4.Kapitel

Wiedersehen mit Freunden

Sie gingen, gemeinsam mit Professor McGonagall, zu einem der umfunktionierten Klassenzimmer.

Der Raum wirkte gemütlich und lud zum Ausruhen ein.

Professor Sprout saß auf einem gemütlichen Sessel neben der Tür. Sie schien zu schlafen, doch als die Tür aufging sprang sie mit gezücktem Zauberstab auf. „Nur die Ruhe, meine Liebe," sprach Professor McGonagall leise, „ich bringe ihnen nur Ginny Weasley. Ihr Bruder und Miss Granger schlafen sicher schon. Haben wir ein Bett für Ginny in deren Nähe?" Professor Sprout ließ den Zauberstab sinken, „Miss Granger, Mr. Weasley und Mr. Longbottom sind noch wach. Sie sitzen dort am Fenster. Ich dachte, es würde niemanden stören, wenn ich ihnen gestatte, auf Nachricht von Mr. Potter und Miss Weasley zu warten." Professor McGonagal nickte, Mrs. Weasley küsste ihre Tochter auf die Wange, Fred lächelte ihr noch mal zu und die Drei verließen den Raum.

Professor Sprout drückte Ginny einen Becher mit einer warmen Flüssigkeit in die Hand. Ginny schaute sie fragend an.

„Das ist nur ein kleiner Stärkungstrank, er soll ihre finsteren Erinnerungen ein wenig verdrängen. Ich habe versucht, ihn so schmecken zu lassen wie Butterbier." Sie lächelte Ginny freundlich an, „Ihre Mitschüler waren der Meinung, dass es mir ganz gut gelungen wäre."

Die kalten Hände an den warmen Becher gedrückt, bahnte sich Ginny den Weg zu Ihrem Bruder und den Freunden. Alle drei schienen ganz in Gedanken versunken und bemerkten Ginny erst, als sie direkt neben ihnen stand.

Ron sprang auf und nahm seine Schwester in den Arm. Es kam ihnen beiden passend vor in diesem Augenblick, auch wenn sie sonst nicht so herzlich miteinander umgingen, wie Bruder und Schwester es eben taten.

Hermine legte Ginny eine Hand auf den Arm und Neville versuchte ihr ein Lächeln zu schenken, das aber etwas gequält wirkte.

„Wo ist Harry?", fragte Hermine leise.

„Er ist in der Großen Halle, es geht ihm nicht gut, aber der Heiler sagte, dass er es schaffen würde."

Tränen liefen Ginny übers Gesicht und ein Schluchzen drang aus Ihrer Kehle.

„Ist er verletzt worden, als er dich gesucht hat?" wollte Ron wissen.

„Nein, wir vermuten, dass es ein Fluch von Voldemort gewesen ist. Ein sehr alter Fluch wohl, der seine Wirkung erst nach und nach entfaltet und dem Verfluchten dann starke Schmerzen bereitet. Angeblich hat Harry das Gefühl, oder bekommt es erst, ich weiß nicht, dass seine Eingeweide in Flammenstehen und er von innen verbrennt."

Hermine schlug die Hände vors Gesicht und versuchte einen spitzen Schrei zu unterdrücken. Ron war auch noch das letzte bisschen Farbe aus dem Gesicht entwichen.

„Deshalb ging es ihm auch noch relativ gut, als wir uns nach der Schlacht fanden." sagte Hermine, nachdem sie sich wieder gefangen hatte, „ Ginny, du solltest den Trank wirklich zu dir nehmen. Er hilft wirklich und schmeckt sogar."

Ginny trank einige Schlucke und sah dann wieder zu den andere. „Wer ist... ich meine, unsere Freunde? Sie sind doch alle wohl auf?"

Neville schluckte und schüttelte langsam den Kopf. „Nicht alle, Ginny. Luna wurde von Bellatrix Lestrange getötet."

Ginnys Hände begannen zu zittern, aber sie nickte nur und sagte kein Wort.

„Seamus, Lavender, Parvati, Colin und Dennis Creevey, Hannah Abbott und Justin Finch-Fletchley haben wir schon gesehen. Die Creevey Brüder waren bei uns und haben erzählt, dass sie Cho Chang und Susan Bones gesehen hätten. aber viele sind noch auf den Krankenstationen.", berichtete Ron.

„Wir haben uns überlegt, dass wir mit Hilfe unserer DA-Münzen morgen versuchen könnten alle DA Mitglieder zusammenzutrommeln. Einige haben sie vielleicht bei sich und denen die wir sehen können wir so Bescheid sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob es vorbei ist. Wir müssen uns gegenseitig motivieren und einander Mut machen. Viele haben sicher ihre Freunde oder sogar Verwandte verloren, wenn sie nicht sogar zusehen mussten wie jemand getötet wurde. Denen müssen wir unbedingt helfen. Wir dürfen nicht zulassen, dass ausgerechnet jetzt jemand alleine bleibt."

Hermine sah zu Neville und sah wie er zustimmend nickte.

Ginny kuschelte sich gemütlich in einen Sessel und schlang eine weiche Decke um sich. Nachdem sie etwas von dem Trank getrunken hatte, fühlte sie sich ein wenig besser, obwohl es vermutlich auch daran lag, dass sie nun mit ihren Freunden zusammen saß und an diesem behaglichem Raum.

„Wir sollten nicht nur den DA-Leuten von dem Treffen erzählen, sondern jedem der kommen möchte. Viele, grad die Jüngeren und diejenigen, die noch keinen rechten Anschluss finden konnten, werden froh sein, nicht allein sein zu müssen.", warf Neville ein.

Ginny, Ron und Hermine nickten einstimmig.

Langsam wurden sie schläfrig und jeder sehnte sich nach ein paar Stunden heilendem Vergessens in einem tiefen Schlaf.