4. Das Leben auf der anderen Seite


Zeitrahmen: Frühjahr 2019, während meines Gegenstücks zur 7. Staffel von „Arrow", das aber sehr anders ist als das Originals (siehe „Finale Crisis" für Details), dieser One-Shot setzt außerdem „Crisis on Earth-X" und den One-Shot „Alles wird wieder gut" aus „Geschichten von Erde-X" fort.

Zusätzliche Warnings: Sexismus, Propaganda

Zusätzliche Pairings: Erw. von vergangenen Dinah/Quentin


Von seinem Vater hatte Tommy gelernt wie wichtig minutiöse Planung war. Er hatte sich Zeit genommen, einen vagen Plan formuliert, und diesen dann weiter entwickelt. Und dann hatte er sich daran gemacht seinen Plan umzusetzen. Nicht alles war glatt gegangen, aber genug um ihn dorthin kommen zu lassen, wo er sich nun befand.

Drei Wochen waren seit seinem Ausbruch aus dem Argus-Spezialgefängnis vergangen. Er hatte von seiner Zelle aus solange alles beobachtet, bis er sich darüber im Klaren war, welcher Wachmann der Schwachstelle im System darstellte. Von dort an war es ein Kinderspiel gewesen zu entkommen.

Einfacher als das, was danach kam. In StarLabs einzubrechen war eine Sache (Sicherheitsvorkehrungen waren wirklich nicht deren Stärke, und außerdem war er schon einmal dort gewesen). Dann musste er nur noch das finden, was er suchte. Und er fand es sogar. Diese verrückte Erde-1ler besaßen tatsächlich Vorrichtungen zum Universumspringen in Miniaturform.

Er setzte darauf, dass die Leute in StarLabs zum Schluss kommen würden, dass er nach Hause zurückkehren wollte, wenn sie herausfanden, was passiert war. Niemand würde herausfinden, was er wirklich plante. Nun, zumindest fast niemand.

Natürlich führte ihn sein erster Weg tatsächlich nach Hause. Ein Teil von ihm hatte immer gehofft, dass es eine Lüge gewesen war, das, was der falsche Oliver ihm erzählt hatte. Dass der Führer und der General wohlauf waren, zu Hause auf ihrer eignen Erde glücklich zusammen lebten und gemeinsam herrschten. Doch es stellte sich heraus, dass es wahr war. Sie waren tot. Und das war noch nicht einmal das Schlimmste.

Seine Heimat hatte sich bis ins Unkenntliche verändert. Es hatte einen Coup gegeben, und die Rebellen herrschten nun. Es schien nur wenige verbleibende Widerstandskämpfer zu geben, und sie zu finden war alles andere als leicht.

Tommy spielte nur kurz mit dem Gedanken seinen Vater zu suchen, letztlich verwarf er die Idee so schnell wie sie ihm gekommen war wieder. Diese Welt hier hatte ihm nichts mehr zu bieten bzw. er holte sich das, was sie zu bieten hatte, und verschwand dann damit zurück nach Erde-1. Oliver Queen, der Betrüger, würde nicht wissen, wie ihm geschah, so viel war sicher.

Wieder zurück auf Erde-1 ging er sich erst einmal einen Kaffee mit gestohlenen Geld besorgen. Und erwies sich dabei als großzügig.

„Es ist nicht, dass ich dir für eine Hilfe nicht dankbar bin, Tommy. Aber ich war schon mal hier, und diese Erde hat nicht viel zu bieten", merkte Dinah Lance an und nippte an ihrem Kaffeebecher, „Ach, Kaffee, ich hatte ewig keinen mehr."

„Das ist also diese andere Erde, von der ich bereits so viel gehört habe", meinte die Frau neben ihr mit frostiger Stimme, ohne ihr eigenes Getränk, das vor ihr stand, anzurühren, „Sieht nicht sehr beeindruckend aus."

„Ich habe euch nicht aus der Güte meines Herzens heraus befreit. Ich habe euch gerettet, weil ich eure Hilfe brauche. Ich will den Oliver Queen von dieser Erde töten, und ihr sollte mir dabei helfen", erklärte Tommy den beiden Frauen, die ihm gegenüber im Kaffeehaus saßen.

„Den Doppelgänger des Führers töten? Warum sollten wir das tun?", empörte sich Dinah.

„Weil er es ist, der Oliver ermordet hat", klärte sie Tommy auf. Damit hatte er sie am Haken, das wusste er. Dinah hatte Oliver geliebt wie einen Sohn, sie würde seinen Tod rächen wollen. Hatte sie sich deswegen nicht erst zum Meta-Menschen gemacht? Als die Invasion begonnen hatte, war Dinah noch ein ganz normaler Mensch gewesen, doch nun führten die Verzeichnisse von General Schotts Argus-Gefängnissen sie als „Siren-X", als Meta-Menschen mit Schallkräften. Tommy konnte sich lebhaft vorstellen, was sie zu diesem Schritt veranlasst hatte – ihr Wunsch nach Rache.

Der Alpha war ihm also sicher, doch die Beta-Frau war der schwierigere Fall. „Und warum sollte ich euch bei diesen Unterfangen helfen?", fragte sie, als ob sie seinen Gedanken bestätigen wollte, „Meinen Zustand habe ich erst der da-" Sie nickte in Dinahs Richtung. „- zu verdanken. Außerdem hat sie versucht mich umzubringen."

Von dieser Vorgeschichte hatte Tommy keine Ahnung gehabt, aber er war entschlossen sich davon nicht aufhalten zu lassen. Sein Plan war zu wichtig um sich von kleinlichen Fehden ins Boxhorn jagen zu lassen. „Und trotzdem haben dich die Rebellen eingesperrt", stellte er kühl fest.

„Sie haben in meiner vergangenen Forschung eine Bedrohung gesehen, viel mehr noch als in meinen neuen Kräften", meinte Dr. Caitlin Snow schulterzuckend, „Und wer nicht auf ihrer Seite steht, der ist gegen sie. So denken sie nun mal. Unschuldige Zuseher gibt es für sie nicht."

Im Stillen konnte Tommy nicht anders als zu denken, dass Dr. Snow wohl kaum eine unschuldige Zuseherin in ihrem Konflikt gewesen war, noch dazu, wenn sie für Dinahs Metakräfte verantwortlich war. Und sie war die geistige Erbin von Eobard Thawne, der auf Nimmerwiedersehen verschwunden war. Jeder Rebell mit ein bisschen Hirn würde sie einsperren, und General Schott hatte leider mehr als nur ein bisschen Hirn gehabt, ansonsten hätten sie ihn und seine lästigen Rebellen schon lange vor der geplanten Invasion ausgemerzt gehabt. Aber sobald klar geworden war, dass ihr Gegner Toymans Sohn war, hatte sich niemand mehr darüber gewundert, dass die Rebellen sich nicht ausmerzen ließen.

Zum Glück konnten er und die Seinen ihnen auf dieser Erde hier nicht lästig werden.

„Ich bin mir sicher, dass Dinah den Mordversuch an Ihnen bereut, Dr. Snow", meinte Tommy und sah die ältere Frau bedeutungsvoll an. Sie brauchten den zweiten Meta, ob es ihnen gefiel oder nicht. Dinah verdrehte kurz die Augen in seine Richtung und erklärte dann: „Er hat recht. Ich hatte lange Monate Zeit um über meine Taten nachzudenken, und ich bereue, was ich getan habe." Sie setzte einen ernsthaften Gesichtsausdruck auf. „Es war nur in der Hitze des Gefechts, dass ich mich nicht mehr unter Kontrolle hatte", sagte sie dann zu Dr. Snow, „In mir war diese unkontrollierbare Wut, und meine Verwandlung hat dazu geführt, dass ich nicht mehr klar denken konnte. Sie kennen das doch sicher – die Desorientierung, der Schmerz, der Zorn. Und als Alpha hatte ich mich einfach nicht mehr unter Kontrolle. Es tut mir wirklich leid. Sie hatten es nicht verdient angegriffen zu werden."

Der weibliche Beta hörte sich das alles mit unbewegter Miene an. Dann meinte sie: „Nun gut. Ich bin bereit ihre Entschuldigung anzunehmen, aber ich verstehe immer noch nicht, warum ich mich mit dem Führer dieser Erde anlegen sollte."

Tommy grinste ironisch. „Weil er hier kein Führer ist. Er ist nichts weiter als ein gewöhnlicher Verbrecher, und er hat für das, was er getan hat, den Tod verdient. Ihr könnt euch im Moment vielleicht nicht an den Rebellen unserer Erde rächen, doch ihr könnt euch an dem Mann rächen, der es ihnen erst ermöglicht hat euch einzusperren."

Dr. Snow schien darüber nachzudenken. Dann meinte sie: „Nun gut. Wie fangen wir an?"

Das war es gewesen, was Tommy hatte hören wollen. Er leerte seinen Kaffeebecher und sagte dann: „Gut, dass ihr fragt. Den Anfang macht eine eiskalte Überraschung."


Ein paar Politiker zu kidnappen und mit dem Tod zu bedrohen war für Dr. Snow scheinbar nichts Neues. Laut ihrer Akte war das ungefähr das Einfallsreichste gewesen, das sie mit ihren Kräften jemals angestellt hatte. Es ging auf Tommy Anregung zurück damit anzufangen ihre Geiseln Stück für Stück zu vereisen, beginnend mit nicht-lebenswichtigen Teilen.

„Die Kleine hat ja doch was drauf, wenn sie möchte", stelle Dinah belustigt fest, als Dr. Snow mit offensichtlicher Freude den vereisten kleinen Finger der Vizebürgermeisterin von Star City abbrach.

„Also bereust du es tatsächlich versucht zu haben sie umzubringen?", wunderte sich Tommy.

„Mach dich nicht lächerlich!", tadelte ihn Dinah, „Das war alles nur Show. Diese feige Sau hätte damals sterben sollen. Sie hatte nur Glück, dass ihr Meta-Kräfte sie lange genug runtergekühlt hatten, bis die Rettung eintraf. Aber zumindest dürfte sie Gehirnschäden davon getragen haben, also war nicht alles umsonst."

Dinah war herzerwärmend wie immer. Wenn er sie so ansah, dann musste er sich gar nicht erst fragen, woher Laurel ihre Lebenseinstellung gehabt hatte. „Da fällt mir übrigens ein, dass ich dich vorwarnen sollte. Die haben hier nicht nur eine von ihrer Sorte und einen Oliver, es könnte auch sein, dass du auf Doppelgänger deines Mannes und deiner Tochter triffst. Die Laurel hier ist Staatsanwältin, und ihr Vater Bürgermeister. Erinnere dich nur daran, dass sie nur so aussehen wie die Menschen, die du gekannt hast, sie aber nicht sind", merkte Tommy an.

„Bürgermeister, also. Ja? Nun, zumindest ein Quentin Lance, der Ehrgeiz besitzt, scheint im Multiversum zu existieren", erwiderte Dinah, „Keine Sorge, ich weiß, worauf ich mich eingelassen habe. Du musst mich nicht babysitten, Tommy."

Ich hoffe nur, dass das auch wahr ist, dachte der Beta und hörte dann zu, wie Dr. Snow einen erneuten Verhandlungsversuch der Polizei ablehnte.

Und dann landete eine Rauchbombe (oder besser gesagt ein Rauchpfeil) im Zimmer, und Tommy und Dinah aktivierten ihre Gesichtsmasken. Genau wie Dr. Snow.

„Wie ich sehe, bist du wirklich nicht Caitlin. Oder Killer Frost, was das angeht!" Green Arrow tauchten mitten in den Rauchschwaden auf. Vermutlich sollte dieser Auftritt imposant wirken, aber auf Tommy wirkte er nur lächerlich. Gegen den echten Oliver hatte dieser Betrüger nichts zu bieten.

„Du darfst mich Dr. Snow nennen!", erklärte der Meta und schoss Eis auf Green Arrow ab. Dieser war auf diesen Angriff offensichtlich vorbereitet, und an seiner rechten Hand erschien eine Art Hitzeschild, wie aus dem Nichts. „Freut mich sehr Ihre Bekanntschaft zu machen, Doktor!", witzelte er.

Witze reißen. Wie primitiv. Oliver hatte es immer besser gewusst, als so etwas auch nur zu versuchen. Aber dieser falsche Oliver war eben in jederlei Hinsicht falsch, ein Alpha, ein Witzbold, jemand, der Grün trug. Ob ihm schon mal jemand gesagt hat, dass das nicht seine Farbe ist?

„Ihr könnt raus kommen. Die T-Spheres haben euch schon lange entdeckt!", verkündete der Green Arrow.

Das war wohl ihr Stichwort. Tommy und Dinah traten kampfbereit um die Ecke.

„Du", stellte Green Arrow fest, als Tommy seine Maske abschaltete, „Ich hätte wissen müssen, dass du dahinter steckst. Du bist zurück nach Erde-X gegangen und hast deine Kampfgefährten befreit, wie ich sehe."

„Eigentlich habe ich mir extra dir zu Ehren neue Kampfgefährten gesucht", korrigierte Tommy ihn, „Willst du es ihm zeigen, meine Liebe?"

Dinahs Maske deaktivierte sich, und er konnte Green Arrow nach Luft schnappen sehen. „Dinah", stellte er fest.

„Und du siehst so aus wie der Führer, aber Tommy hat recht: Das gleiche Gesicht, das ist auch schon alles", meinte Siren-X, „Jemand flüstert in sein Ohr, Tommy, mein Lieber, wir kriegen gleich Gesellschaft."

Tommy hoffte nur, dass Dinah das mit dem gleichen Gesicht auch wirklich so sah, als er die Person erkannte, die Green Arrow zu Hilfe kam. Es war Laurel Lance in Leder, und sie wirkte nicht erfreut Dinah und Tommy zu sehen. „Doppelgänger", stellte sie fest, „Sonst nichts."

„Meine Rede", bestätigte Dinah, „Ich kann es hören, Kind. Der Schall fließt durch dich hindurch wie auch durch mich. Aber ich kann auch hören, dass du gegen mich eine Amateurin bist."

„Das werden wir ja sehen!", meinte Laurel Lance und schrie ihre Nicht-Mutter an. Diese ließ sich davon nicht beeindrucke und schrie zurück. Tommy stellte verärgert fest, dass Green Arrow so wie er auch einen Schallschutz in den Ohren trug. Dr. Snow stand ebenfalls noch im Gegensatz zu ihren Geiseln. Die Vizebürgermeisterin stürzte auf ihre vereiste Hand, die zerbrach. „Ups", meinte Dr. Snow, „Aber keine Sorge, auf meiner Welt gibt es die besten Prothesen." Dann nickte sie in Richtung der beiden Banshees. „Eisschichten vor allen empfindlichen Körperöffnungen. Sie wirken als Schalldämpfer. Zweimal falle ich nie auf denselben Trick herein. Sei so gut und schlag ihm das dumme Schild von der Hand, damit ich ihn töten kann."

Tommy nahm das als Signal um den Green Arrow anzugreifen. Nach ein paar ausgetauschten Schlägen versuchte Dr. Snow ihn von Hinten zu vereisen, doch der falsche Oliver schien Augen im Hinterkopf zu haben. Oder es war Alpha-Instinkt.

„Der Empfänger in seinem Ohr, Tommy!", rief ihm Dinah zu, als sie für einige Sekunden ihren Kampf mit ihrer Nicht-Tochter unterbrach. Seltsamer Weise reagierte keiner außer ihm darauf. Hatte sie das auf einer Frequenz gesagt, die nur er hören konnte?

Egal, er hatte sie verstanden. Als nächstes konzentrierte er sich auf Olivers Ohr.

„Sein linkes Ohr, nicht sein rechtes!", wies ihn Dinah an.

Auch gut. Tommy wechselte die Taktik und bohrte Oliver einen seiner eigenen Pfeile in seine linke Ohrmuschel. Der Green Arrow ging fluchend auf die Knie, und diesmal hätte Dr. Snow ihn fast erwischt, doch dann kam noch ein Kerl an. Jemand mit Hockeymaske und Ganzkörper-Panzer. Diesen hier kannte Tommy vom Überwachungsmaterial von Erde-1. War das nicht einer von Falsch-Olivers-Verliererbande?

„Doktor, übernehmen Sie Wild Pig", wies er seine Verbündete an.

„Wild Dog", informierte ihn der neuangekommene Kämpfer.

„Wie auch immer." Tommy interessierte das herzlich wenig. Er hatte ein anderes Ziel: Er wollte und musste Oliver Queen töten. Und mit dem Versuch das zu erreichen, machte er nun weiter. „Ich war ja so enttäuscht, dass wir nicht den Bürgermeister selbst erwischt haben. Wenn ich gewusst hätte, dass er gerade Urlaub macht, hätte ich meinen Angriff um eine Woche verschoben", erklärte er seinem Gegner. Dieser reagierte nicht, aber Tommy würde ihn schon noch klein kriegen.

„Natürlich habe ich für so einen Fall vorgesorgt. Briefbomben sind so schmutzig, aber sie tun ihren Job. Vielleicht erwischt es ihn ja nicht, aber wenn ihr hier sterbt, dann wird ihn und die anderen keiner vorwarnen. Wem habe ich noch was geschickt? Ach ja, lass mich nachdenken, deiner Schwester und ihren Omega, zu dir nach Hause selbstverständlich, zu den Diggles, aber da mach ich mir keine Hoffnungen - Argus-Schutz und all das. Diese Polizistin aus deinem Team. Und den Erfinder deiner T-Spheres nicht zu vergessen. Und dann gibt es noch ein paar spezielle Lieferungen nach Central City. Oh, und an Laurel Lances Büro in der Staatsanwaltschaft. Da sie hier ist, schätze ich, dass es einen ihrer Untergebenen erwischen wird. So eine Verschwendung, aber jede Anstellung birgt ein gewisses Risiko, nicht wahr?"

„Seit meine Identität publik wurde, bist du nicht der erste Irre, der meine Freunde und Familie bedroht!", entgegnete der Green Arrow unbeeindruckt.

„Mhm, nein, ich schätze nicht. Aber hab ich erwähnt, dass ich diese Bomben mit einer kryptonischen Legierung getarnt habe, die man nur entdecken kann, wenn man davon weiß?", meinte Tommy daraufhin nachdenklich.

Sein Gegner erstarrte für eine Millisekunde. Mehr brauchte Tommy auch nicht.


Die Frau mit Laurels Gesicht war für wahr keine Anfängerin, doch zugleich war sie auch nur halb so gut wie Dinah, wenn überhaupt. Ihr erster Eindruck hatte sie nicht getäuscht – der andere Alpha hatte seine Kräfte nicht einmal ansatzweise so gut unter Kontrolle wie Dinah - mehr noch, sie schien nicht einmal zu wissen, wozu sie eigentlich fähig war. Und merkte nicht einmal wie Dinah Tommy Nachrichten und Tips zukommen ließ. Allerdings war sie beharrlich, das musste man ihr lassen.

Sie versuchte nun schon zum dritten Mal Dinah eine tödliche Schallsequenz ins Ohr zu hauchen, natürlich ohne Erfolg, auch deswegen, weil Dinah ihre Gegnerin nicht einmal annähernd so nahe an sich heran kommen ließ, dass sie an ihr Ohr kommen könnte. Vielleicht war es an der Zeit den Spieß umzudrehen – keine Zurückhaltung mehr.

„Wenn du denkst, die Tatsache, dass du wie meine tote Tochter aussiehst, würde mich daran hindern dich zu vernichten, dann irrst du dich", knurrte sie der falschen Laurel entgegen.

„Und wenn du denkst, die Tatsache, dass du wie meine tote Mutter aussiehst, würde mich dazu bringen dir Gnade zu gewähren, dann irrst du dich", gab die andere zurück.

So ist das also. Dieses Detail hatte Tommy ihr gegenüber nicht erwähnt. Aber es spielte auch keine Rolle, nicht wahr? Nicht wirklich.

Ihre Gegnerin schien zu bemerken, dass sie irritiert war. Sie wirkte nachdenklich, als sie sagte: „Ich war einst wie du. Ich war ebenfalls ein Flüchtling von einer anderen Welt, der hier gestrandet ist und nicht mehr zurück nach Hause konnte und wollte. Ich habe gelernt hier zu leben. Wenn du willst, dann kann ich dir beibringe wie."

Offenbar war der andere Alpha also doch bereit ihr Gnade zu gewähren. Und wenn Dinah ehrlich war, dann war das gar kein so schlechtes Angebot. Sie hatte zu Hause nichts mehr. Der Kampf war verloren, alle ihre Verbündeten waren tot oder auf der Flucht. Das Reich war zerschlagen. Irgendwo anders neu anzufangen hörte sich verlockend an.

Allerdings war Dinah niemand, der einfach aufgab und den Schwanz einzog. Jahrelang hatte sie für ihre Sache eintreten wollen und das auf Grund ihrer Position nicht gekonnt. Nun, wo endlich dazu in der Lage war, würde sie nicht einfach aufgeben, weil das die angenehmere Variante war. So war sie nicht gestrickt. Oh, nein, das war sie nicht.

„Danke, aber ich verzichte", erwiderte sie und bemerkte dann, dass sie einen neuen Gegner dazu bekommen hatten. Nun, das würde auch nichts ändern. Und er war mit Dr. Snow beschäftigt, also…

„Oliver!", rief die falsche Laurel in diesem Moment, und Dinah sah, dass Tommy gerade dabei war diesen Kampf zu beenden – für immer. Er hatte den Mann in Grün auf die Knie gezwungen und hielt sein Genick umklammert. „Sehr gut, bring es zu Ende", sagte Dinah auf der Frequenz, die nur er hören konnte.

Nicht-Laurel warf ihr einen irritierten Blick zu. „Wie machst du das nur?", wollte sie wissen.

„Das wüsstest du wohl gerne", meinte Dinah trocken, „Es gibt so vieles, das du über deine Kräfte noch nicht weißt, Kind. Ich könnte es dich lehren, aber ich denke nicht, dass ich das tun werde."

„Wage es nicht ihm was zu tun, Freak!", drohte der Neuankömmling Tommy und wurde zur Belohnung von Dr. Snow mit Eis attackiert.

„Ich muss zugeben, es enttäuscht mich etwas, dass du es mir so einfach machst", stellte Tommy fest und umklammerte das Genick seines Gegners fester. Dinah dachte schon, es wäre vorbei, doch in diesem Moment sprang eine kleine schwebende Kugel in sein Gesicht und besprühte ihn mit Irgendetwas. Er stolperte zurück, was seinem Gegner ermöglichte sich aus seinem Griff zu befreien.

Dinah wollte zu den beiden eilen um Tommy zu unterstützen, doch Nicht-Laurel trat ihr in den Rücken, was sie überraschte und zu Boden warf. Sie warf einen wütenden Blich auf die andere Frau, die schulterzuckend meinte: „Auch ich kann leise sein, wenn ich möchte."

Dinah sammelte all ihre Kräfte zusammen und schrie ihr dann mitten ins Gesicht.

In diesem Moment kam ein weiterer Kämpfer an. Es war ein großer männlicher Omega mit einer Haut so dunkel wie sein Kostüm, und er roch nach Omega. „Missgeburt!", schleuderte Dinah ihm entgegen.

„Wie charmant", erwiderte er und warf ihr eine Hand voll Schwebebälle entgegen, die irgendetwas um sie herum versprühten. Dinah konnte spüren, was es bewirkte, und das machte sie wütend. Vor wenigen Momenten waren sie noch dabei gewesen diesen Kampf zu gewinnen, doch jetzt sah es mit einem Mal sehr anders aus. Weitere fliegende Bälle griffen Dr. Snow an und hinderten sie daran Eis zu fabrizieren. Sie fluchte wütend, und Dinah griff nach ihrer Schusswaffe. Sie war nicht unbewaffnet zu diesem Kampf aufgebrochen.

„Achtung, Pistole!", rief der gepanzerte Mann mit der Maske, als er sie erblickte.

„Das reicht für Heute", verkündete Tommy und hielt sich Green Arrow mit Wurfsternen vom Hals. Dann sprang er hinüber zu ihnen, landete neben Dinah, und verkündete: „Zeit zu gehen." Dinah nickte, schoss auf die Bälle und die stehenden Männer um sie zurückzuhalten, und hakte sich dann bei Tommy unter, der einen Enterhacken aus seinem Armband hervorschoss, der sich am nächstbesten Gebäude verhakte, und dann mit ihr im Arm davonsegelte.

Dinah lauschte. Die Kugeln hatten ihr zwar die Fähigkeit genommen Hochfrequenzen zu erzeugen, doch nicht ihren Gehörsinn beeinflusst. Sie konnte ihre Gegner diskutieren hören und auch, dass sie Dr. Snow zur Aufgabe zwangen, doch sie verfolgten sie nicht. Sie redeten über Bomben, die angeblich unterwegs zu ihnen allen waren, und über die verletzten Geiseln.

„Sie verfolgen uns nicht", erklärte sie Tommy.

„Das macht nichts", meinte dieser, „Wir werden noch früh genug Gelegenheit bekommen uns mit ihnen auseinanderzusetzen. Das hier war erst der Anfang, ich habe erfahren, was ich erfahren wollte."

„Tatsächlich?", wunderte sich Dinah. Sie schwangen einige Gebäude weiter und landeten dann bei ihren Fluchtfahrzeugen. Drei Motorräder erwarteten sie, doch nur zwei würden davon fahren.

„Was ist mit Dr. Snow?", wollte sie wissen.

Tommy zuckte die Schultern. „Ein verschmerzbarer Verlust. Wenn sich die Gelegenheit bieten sollte, dann holen wir sie raus, wenn nicht … wir kommen auch ohne sie klar. Mein Bluff hat mir gesagt, was ich wissen wollte – sein Deal mit der Regierung schützt den falschen Oliver Queen und seine Lieben nicht so gut, wie er es sich wünschen würde. Und kryptonische Technologie kennen sie hier auch nicht. Und ich habe auch erfahren, wer ihm besonders am Herzen liegt. Er denkt vielleicht, er hätte seine Mimik unter Kontrolle, aber ich kenne dieses Gesicht sehr genau, und ich habe Verhörtaktiken von der Liga gelernt. Dieser Mann kann nichts vor mir verbergen", erklärte er, „Nun da ich seine Schwachstellen kenne, geht es erst so richtig los."

Dinah sollte eigentlich darüber verärgert sein, dass ihre ganze Mission nicht das gewesen war, als das Tommy es dargestellt hatte, doch in Wahrheit war sie beeindruckt. Tommy erwies sich als größerer Planer als erwartet. Offensichtlich war sie doch nicht allein. Es gab immer noch einen, der mit ihr für ihre Ideale kämpfen würde.

„Wo wir gerade bei Schwächen sind, ich habe interessante Informationen über diese Version meiner Tochter, auf die wir gerade getroffen sind, erhalten, die wir zuvor noch nicht hatten", sagte sie dann, „Es ist nicht alles mit ihr so, wie es scheint." Dann erzählte sie ihm alles und fragte sich zugleich, wie sie das gegen diese Laurel und den Oliver Queen dieser Welt verwenden würden. Und was ihr nächster Schritt in diesem Krieg sein würde.

Denn es war ein Krieg. Ob diese Erde und ihre Bewohner es wussten oder nicht. Erde-X hatte ihnen gerade eben zum zweiten Mal den Krieg erklärt, und diesmal würden sie nicht verlieren, denn diesmal war Siren-X an vorderster Front mit dabei. Und Tommy, so schien es, war um einiges zielorientierter als es der verstorbene Führer gewesen war. Da es niemanden mehr gab, der ihn von seinem Ziel ablenkte, musste er nur noch daran denken dieses zu erreichen. Und er würde es erreichen.

Oliver Queen würde gar nicht wissen, wie ihm geschah.


Fin.


A/N: Das ist also der Beginn der nächsten Phase des Konflikts mit Erde-X. Tommy kehrt in „Finale Crisis" zurück, was aus Siren-X und Dr. Snow wurde, werdet ihr noch im Verlauf dieser Fic erfahren.

Das nächste Mal: Wie Ray und Mick an ihre Kinder kamen.

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