Hogwarts
Als die ersten Menschen erkannten, welche Person ihnen da gerade entgegen kam, machte sich Entsetzen breit. Harry hatte sich also wirklich ausgeliefert. Hermine konnte nicht glauben, was sie da sah und sank vor Verzweiflung auf ihre Knie. Sie weinte Tränen des Frusts und der Hilflosigkeit, während Ron neben ihr nichts als Hass und Wut verspürte. Diese Emotionen waren aber keineswegs gegen Harry gerichtet, sondern gegen Voldemort, der seinen besten Freund dazu getrieben hat, sie für das Wohl anderer zu opfern.
Neville, der ein paar Meter neben den beiden stand, stand der Schock ins Gesicht geschrieben. Nie hätte er gedacht, dass Harry wirklich gehen würde. Er zwang sich, klar zu denken und erinnerte sich an das, worum Harry ihn zuvor gebeten hatte. Er musste die Schlange töten. Es musste wirklich wichtig sein, es zu tun, sonst hätte Harry sich nicht doppelt abgesichert indem er es Ron, Hermine und ihm sagte. Sein Blick fokussierte die Schlange und er überlegte, wie er an sie herankommen könnte.
Mr. und Mrs. Weasley standen mit Ginny, George und Percy mittig der Gruppe. Sie alle waren sprachlos und wussten nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollten. Mrs. Weasley suchte Harry mit ihren Augen nach Verletzungen ab, aber fand keine, die nicht schon vorher da gewesen waren. Traurigkeit machte sich in ihr breit. Er war noch unverletzt, bis jetzt…
Das Bild von Harry, der gefesselt vor Lord Voldemort stand versetzte Mr. Weasley einen Schlag in die Magengrube. Er hatte das Gefühl, als würde er bald noch eines seiner Kinder verlieren. Denn auch wenn Harry nicht direkt zur Familie gehörte ist er ihm im Laufe der Jahre sehr ans Herz gewachsen.
Neben ihm standen Ginny und George. Ginny war furchtbar sauer auf Harry. Reichte es ihm denn nicht, dass schon so viele gestorben waren? Wollte er ihnen wirklich antun, noch einen geliebten Menschen zu verlieren?
Percys Gesichtsausdruck war unlesbar passiv. Was sich Harry wohl davon versprochen hat, zu Voldemort zu gehen? Ihm musste klar sein, dass das seinen Tod bedeutete. Ob er irgendeinen Plan hatte, dessen Bestandteil seine eigene Auslieferung war? Er wusste es nicht.
Den aber vielleicht verzweifeltsten Ausdruck hatte aber wohl die Person, von der Harry es am wenigsten erwartet hätte: Professor McGonagall. Als sie Harry sah, spiegelte sich Schmerz und Verzweiflung auf ihrem Gesicht, so hatte Harry sie noch nie gesehen.
Sie tat ihm leid, sie alle taten ihm leid. Sie hätten es nicht sehen sollen, nicht sehen sollen, wie Harry getötet werden würde.
Nach einem Moment der Stille ergriff Voldemort das Wort und sofort lagen alle Blicke auf ihm: „Ich habe euren starken Helden, den Jungen, der überlebt hat. Nach seinem Tod sollte keiner von euch noch Zweifel daran haben, dass Potter mich nie besiegen konnte, und ihr könnt es auch nicht."
„Ihr dachtet wirklich, dass so ein Schwächling wie Potter mich hätte besiegen können? Ich demonstriere euch, wer von uns beiden der Stärkere ist! CRUCIO!"
Harry fühlte sich, als würden ihn tausende von Messerklingen gleichzeitig von innern heraus zerfleischen. Es war ein Schmerz, wie nur der Cruciatus-Fluch ihn verursachen konnte. Er musste diesen Fluch schon zuvor über sich ergehen lassen, aber jetzt, in einem Moment in dem Voldemort so siegessicher und triumphierend war, war der Schmerz noch viel intensiver als jeder Schmerz, den er zuvor erdulden musste. Er wünschte sich, dass es aufhörte, es musste aufhören. Er würde es nicht länger ertragen. Er schrie sich seine Seele aus dem Leib in der Hoffnung, dass Voldemort damit aufhören würde.
Beim Klang seiner schmerzverzerrten Stimme brach Ron nach vorne und wollte irgendetwas tun, um ihn aufzuhalten. Ginny hatte den selben Gedanken, wurde aber von ihrem Vater mit festgehalten. Athur Weasley wollte verhindern, dass man seinen Kindern etwas antat.
Als Bellatrix bermekte, dass jemand versuchte zu ihnen zu kommen, errichtete sie eine unsichtbare Wand, die es den anderen unmöglich machte näher zu kommen. Ron wurde von dieser schmerzhaft zurück und zu Boden geworfen. Nun machte sich auch ihn ihm Verzweiflung breit, als er seinen Freund so sehen musste. Alles war Hermine tat, war ihr Gesicht schluchzend ihn ihren Händen zu begraben.
„AUFHÖREN!", rief Mrs. Weasley mit purer Verzweiflung in der Stimme. Zur Überraschung aller, hörte Voldemort tatsächlich auf und richtete seinen Blick auf Molly Weasley.
Harry war wie betäubt vom Schmerz, der nur sehr langsam abklang. Mit aller Kraft drehte er seinen Kopf zur Seite um zu sehen, wem die Stimme gehörte, die gerade so verzweifelt geschrien hatte. Zu seiner Verwunderung war es Mrs. Weasley, die tapfer Voldemorts Blick standhielt und erneut sprach: „Lassen sie Harry sofort in Ruhe!" Diese Sorge in ihrer Stimme rührte Harry sehr, doch ihm war klar, dass alles was sie damit bezwecken konnte nur gefährlich für sie werden würde.
„Ach, wie rührend…", sagte Voldemort in einem höhnischen Ton. „Und was, wenn ich nicht aufhöre?"
Mit dem, was danach passierte, hätte Harry niemals gerechnet. Sie hob ihren Zauberstab und griff Voldemort direkt an. Die zuvor beschworene Wand verhinderte zwar, dass der Zauber bis zu ihm vordrang, aber es gab einen lauten Knall, als der Fluch auf sie traf und sich erst ein paar Meter hinter der Mauer auflöste. Man hörte ein leises Lachen von Voldemort. Er drehte sich wieder um und Molly gab es auf, noch einmal zu veruchen, Harry zu helfen.
Der Schmerz traf Harry unvorbereitet, Voldemort hatte den Cruziatus-Fluch nonverbal gewirkt. Noch schlimmer als zuvor brannte jede Faser in ihm, jeder einzelte Nerv in seinem Körper schien sich vor Schmerzen zu krümmen und seine Schmerzenschreie hallten von den alten Gemäuern, die sie umgaben, wider. Er wünschte sich nichts sehnlicher, als das er es endlich tun würde, dass er seinen Schmerz endlich beenden würde, doch das bereitete Voldemort nicht genug Vergnügen. Dieser wollte vor allen, denen Harry etwas bedeutete, seine Macht demonstrieren. Nicht zuletz wollte er damit wahrscheinlich auch jegliche letzte Zweifel seiner Todesser auslöschen.
Harry wusste nicht, wie lange es dauerte, bis Voldemort endlich aufhörte, aber er konnte kurz davor noch einen Blick auf die Menschen ihm gegenüber erhaschen: Die meisten Leute sahen mit zusammengekniffenen Augen zu Boden, aber in einem kurzen Moment, der ihm wie eine Ewigkeit vorkam, trafen sich seine Auge mit denen von Mrs. Weasley. In beiden Augenpaaren spiegelte sich Schmerz wider. In Harrys körperlicher und in Molly Weasleys emotionaler Schmerz, beim Anblick von Harrys Folter. Harry hatte, trotz all der Schmerzen, einen entschuldigenden Gesichtsaudruck für Mrs. Weasley über. Er wollte nicht, dass sie alle das mitansehen mussten. Diese Geste brachte sie entgültig zum weinen.
Als es endlich aufhörte, war alles still, man hörte nur Harrys verzweifeltes nach Luft schnappen beim Versuch, wieder einen normalen Atemrythmus zu bekommen. So richtig wollte ihm das allerdings nicht gelingen und so saugte er ruckartig Luft in seine Lungen ein und stieß sie in unregelmäßigen Abständen wieder aus. Völlig überwältigt von diesen körperlichen Strapatzen blieb ihm nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass etwas passierte, dass Voldemort handelte. Der Geist von Harrys Mutter kam zu ihm und legte ihre Hand, unsichtbar für alle anderen, auf seinen Kopf und strich vorsichtig über seine Haare. „Du bist so tapfer, Harry…"
„Der berühmte Harry Potter liegt nun, jämmerlich nach Luft ringend, vor euch. Ihr könnt nun selbst sehen, dass er nie dazu in der Lage war, mich zu besiegen.", sagte Voldemort stolz und triumphierend.
„Steh auf Potter, ich will, dass du mir in die Augen siehst."
Selbst wenn Harry gewollt hätte, er war viel zu schwach, um sich aufzurichten. Im nächsten Moment zwang Voldemort ihn mit Magie schmerzhaft in eine stehende Position. Fast hätte er das Gleichgewicht verloren und wäre zu Boden gefallen, doch er fing sich selbst gerade noch rechtzeitig. Er hatte schon genug Schmach ertragen.
Niemand sagte etwas, alle warteten voller Angst darauf, was als nächstes geschehen würden.
Voldemort wandte sich nun ein letztes Mal direkt an Harry: „Und jetzt stirbst du, Harry Potter." Harry schloss seine Augen, er konnte nicht zusehen, wie es passierte. Er konnte die Verzweiflung in den den Augen derer nicht ertragen, die ihn als unsichtbare Schatten begleiteteten.
„AVADA KEDAVRA!"
Ohrenbetäubende Schreie waren zu hören als Harrys Körper dumpf am Boden aufprallte. Einige brachen weinend zusammen, als sie den Knall hörten der entstand, als der Fluch Harrys Körper traf. Andere starrten Harrys Leiche geschockt an. Voldemort hatte ihn wirklich getötet, ihre letzte Hoffnung war fort, sie hatte sich einfach freiwillig ausgeliefert…
Voldemort taumelte benommen zurück und musste von seinen Anhängern gestützt werden, bis er wieder aufrecht stand. „DU!", schrie er Narcissa Malfoy, Dracos Mutter, an. „SIEH NACH; OB ER TOT IST!"
Narcissa tat wie man ihr befahl und näherte sich langsam Harrys leblosen Körper. Sie fasste ihm an die Brust und versuchte, einen Herzschlag ausfindig zu machen. Nach ein paar Momenten drehte sie sich zu Voldemort und sagte kühl: „Tot."
