Neville brachte Severus am folgenden Wochenende nach Toadstool Keep. Sie inspizierten die Gewächshäuser und die Felder, die über viele Jahre brach gelegen hatten. Es gab außerdem leere Scheunen und Ställe, in denen Nevilles Urgroßvater Renn-Granier gehalten hatte. Severus wies darauf hin, dass sie dort Vieh halten konnten, falls sie sich für Käseproduktion oder Rinderhaltung entschieden. Einige kleinere Reparaturen waren nötig, aber der größte Teil schien von solider Substanz.
Nachdem sie die Gebäude überprüft hatten, wollte Severus das Haus von innen sehen. Neville sah am Haus, das einem Gutshaus ähnelte, hinauf und schaute nervös auf seine Taschenuhr. „Vielleicht sollten wir zurückkehren. Wir können das Haus nächstes Mal ansehen."
Severus schien Nevilles Unbehagen nicht zu bemerken. „Nein. Ehe ich den endgültigen Verkauf von Spinners End unterschreibe, möchte ich sicherstellen, dass ich einen Ort habe, wo ich wohnen kann. Lassen Sie uns jetzt schauen, solange wir hier sind. Sie haben hier jahrelang nicht gewohnt. Das Haus könnte mit Doxys oder sonstwas verseucht sein."
Neville sah am Haus hinauf, holte tief Luft und ließ sie mit einem Seufzer wieder ab. „Okay, Severus, gehen wir schauen."
Sie traten durch die Hintertür ein, die in die Küche führte. Neville wurde von einer Belegschaft von vier Hauselfen herzlich begrüßt. Einer davon war noch faltiger und älter als Potters Elf Kreacher. Er war offensichtlich der Chefelf, verbeugte sich tief und begrüßte Neville mit Respekt. „Willkommen daheim, junger Herr. Wir hatten Sie nicht erwartet, Sir. Sonst hätten wir einen Mittagsimbiss vorbereitet und Ihre Räume gelüftet. Wir werden uns für unsere Nachlässigkeit bestrafen."
Neville zog den alten Elfen aus seiner Verbeugung hoch. Severus war sich nicht ganz sicher, ob er ohne Hilfe hätte aufstehen können. Er konnte die Knochen der Kreatur knirschen hören, als Neville ihm half, sich aufzurichten. „Es gibt ganz sicher keine Bestrafung unter meiner Aufsicht, Griswold. Und wir bleiben nicht über Nacht, es ist also nicht nötig, die Schlafzimmer zu lüften. Aber ein leichtes Mittagessen im Solarium nehmen wir gerne. Dies ist mein Freud und Geschäftspartner, Professor … äh, das heißt … Mr Snape. Er wird in nächster Zeit hierbleiben. Du könntest eine Suite für ihn richten lassen, bitte."
„Sehr gut, junger Sir. Gibt es eine Suite, die Sie bevorzugen?"
„Äh ... nein, aber eine, die weit vom Ostflügel entfernt ist, wäre am besten, denke ich. Eine der Gästesuiten in Onkel Alfies Flügel. Ich denke, Onkel Leos Räume wären eine gute Wahl."
„Sehr gut, Sir." Griswold wandte sich um zu Severus. „Ihre Räume werden bereit sein, wann immer sie es wünschen, Mr. Snape, Sir."
Er nickte und antwortete, „Danke, Griswold. Ich werde innerhalb von einer oder zwei Wochen zum Einzug bereit sein."
Neville wandte sich um und ging voraus. „Kommen Sie, Severus, ich zeige Ihnen die Lage der Räume im Parterre, damit Sie sich zurechtfinden."
Während er Neville folgte, konnte Severus sich über den Ort, an dem der Junge aufgewachsen war, nur wundern. Er hatte nie wirklich über Nevilles Hintergrund nachgedacht, aber nach dem Gelände und der Größe des Hauses zu urteilen, musste das Longbottom-Vermögen einmal ähnlich groß wie das der Malfoys gewesen sein. Alles war jedoch jetzt vom Flair vornehmer Armut umhüllt. Neville führte ihn durch verschiedene Salons, ein Wohnzimmer, ein Esszimmer, ein Frühstückszimmer, einen Ballsaal, ein Solarium, eine Bibliothek, einen Hobbyraum und zwei verschiedene Arbeitszimmer. Neville schlug vor, jeder könne eines davon als persönliches Arbeitszimmer nutzen.
Severus stand am Fuß der Treppe, sah hinauf und fragte, „Meine Räume befinden sich im ersten Stock?"
Neville sah zögernd hinauf und nickte. „Ich denke, wir können schnell gucken gehen. Sicher bekommt Griswold einen Schlaganfall, wenn Sie sie sehen, ehe sie geputzt sind, aber lassen Sie uns hinaufgehen."
Am oberen Ende der Treppe gab es drei Flügel, einen geradeaus, und jeweils einen nach jeder Seite. Neville führte ihn in den Westflügel. „Dies war der Flügel meines Onkels Alfie. Sie können jede der Suiten bewohnen, aber wahrscheinlich werden sie Alfies Räume nicht haben wollen. Sie stinken nach Zigarrenrauch. Eine schmutzige Angewohnheit, wie Oma zu sagen pflegte. Auch wenn sie zahllose Male gereinigt wurden, konnte Griswold den gottserbärmlichen Gestank nie erfolgreich entfernen. Es ärgert ihn ohne Ende."
Neville wählte eine Tür, öffnete sie langsam und sah sich um, bevor er Severus hineinließ, fast, als ob er erwartete, jemanden drinnen vorzufinden. „Ich dachte, diese Suite wäre für Sie passend. Sie haben ein großes Wohnzimmer mit einer schönen Terrasse vor diesen Glastüren. Ihr Bad ist hier entlang und das Schlafzimmer dort. Ändern und ergänzen Sie ruhig, oder fragen Sie die Hauselfen nach allem, was Sie eventuell brauchen."
Überrascht sah Severus, welche Räume Neville für ihn passend fand. Er hatte etwas in Grün und Silber erwartet, oder vielleicht verschiedene Schwarzschattierugen. Überraschenderweise war der Raum stattdessen hell und luftig mit sandsteinfarbenen Wänden und Akzenten in Seeblau und Terracotta. Er fand ihn beruhigend.
Neville öffnete eine Tür am anderen Ende des Raums. „Ich dachte besonders daran, dass Sie dies schätzen würden. Sie könnten es als Privatlabor nutzen. Es gibt im Keller sogar ein voll ausgestattetes Zaubertränkelabor, denn mein Onkel Leo war ein Brauer. Dies waren seine Räume, und er nutzte das Labor für kleine Zaubertrankmengen und zum Forschen.
„Die Räume sind prima, Neville. Sie sind sogar viel schöner als meine Lehrerswohnung in Hogwarts war."
„Gut, ich freue mich, dass sie Ihnen gefallen. Nun, gehen wir wieder hinunter. Griswold und Pippi haben wahrscheinlich das Mittagessen fertig."
Neville streckte den Kopf hinaus in den Flur und spähte nach beiden Seiten, ehe er die Tür weit öffnete und Severus zurück nach unten drängte.
Severus zog ein paar Wochen später in The Keep ein. Wie versprochen waren die Räume gelüftet, gründlich gesäubert und für ihn bereit. Die Hauselfen schienen entzückt zu sein, ständig jemanden im Haus zu haben, den sie bedienen konnten, und sie waren vernarrt in ihn. Er setzte ihnen eine Grenze, als es um sein Brauzubehör ging und bestand darauf, alle Sachen für sein Privatlabor selbst auszupacken.
Als er sich an diesem Abend ins Bett legte, war er ziemlich erschöpft und schlief praktisch ein, ehe sein Kopf das Kissen berührte. Mitten in der Nacht wachte er auf und hätte schwören können, dass eine Gestalt an Fußende seines Bettes stand, aber sobald er seinen Zauberstab vom Nachttisch ergriffen und sich mit einem Lumos umgewandt hatte, war da nichts mehr. Ihm war so unbehaglich zumute, dass er aufstand und den Raum durchsuchte, aber natürlich fand er niemanden. Er schob es auf seine Übermüdung und stieg wieder zurück ins Bett. Severus lag sehr lange wach, ehe er wieder einschlief. Im letzten Moment, ehe der Schlaf ihn überkam, hätte er schwören können zu hören, wie der Türknauf klapperte, die Türangeln quietschten, und die Tür mit einem „Klick" fest ins Schloss fiel.
Als der Morgen graute, überzeugte Severus sich selbst davon, dass er geträumt hatte. Er fühlte sich überhaupt nicht ausgeruht. Sein Rücken war verkrampft, und seine Beine schmerzten vom vielen Heben all der Kartons und vom Hinaufreichen auf die Regalfächer, um Dinge wegzuräumen. Er beschloss, ein leichter Schmerztrank und eine schöne, heiße Dusche seien genau das Richtige, um seine schmerzenden Muskeln zu entspannen. Er hatte gerade begonnen, sich wieder halbwegs menschlich zu fühlen, und summte einen alten Beatles Song, während er sich einseifte. Er machte besonders gründliche Arbeit an seinem besten Stück und war gerade dabei, sich an die Eier zu greifen, als …
Die Tür der Dusche flog mit einem lauten Schlag auf. „Severus Snape! Was tun Sie hier drin?"
„Zur Hölle! Verflixt nochmal, Augusta! Sie sind doch tot!" Severus schnappte den Waschlappen und versuchte hektisch, aber ohne Erfolg, seine intimen Teile damit zu bedecken.
„Ich bin tot, Sie Idiot! Erkennen Sie keinen Geist, wenn Sie einen sehen, Junge?" höhnte die Witwe, während sie in all ihrer geisterhaften Pracht da stand. Noch immer in formale Roben gekleidet, mit kompletten Accessoires samt roter Lederhandtasche und Geier-geschmücktem Hut. „Was machen Sie hier?" forderte sie erneut Auskunft.
Severus stellte verärgert die Dusche ab, und da sie seine Intimsphäre nicht respektieren zu wollen schien, trat er hinaus und griff sich ein Handtuch vom Regal. „Offensichtlich dusche ich gerade und hole mir einen runter. Wonach sieht es denn aus, was ich tue, Sie alter Drachen?" antwortete er sarkastisch.
„Werden Sie mal nicht schnippisch mit mir, junger Mann", sagte sie. „Ich will wissen, was Sie hier tun, in meinem Haus."
„Nun, technisch ist es nicht mehr Ihr Haus, nicht wahr, Augusta? Denn Sie sind … TOT! Es gehört jetzt Neville, nicht wahr?"
„Apropos Neville, wo ist er? Was haben Sie mit ihm gemacht?"
„Mit ihm gemacht? Ich habe gar nichts mit ihm gemacht, Sie verrückte Harpyie. Er ist in Hogwarts und unterrichtet, genau, wie er sollte. Ich bin jedoch hier in der Keep, auf seine Einladung hin. Da wir nun Partner sind …"
Plötzlich zogen sich die Augen der alten Dame zusammen, und sie betrachtete Severus genau. „Oh meine Güte, sind Sie … ist er … sind Sie beide ...? Snape, Sie Bastard! Haben Sie was mit meinem Enkel?"
„Was!" brüllte Snape. „Absolut nicht. Das ist überhaupt nicht, was ich meine!"
„Nun, Sie scheinen sich hier häuslich niedergelassen zu haben. Woher soll ich wissen, dass Sie ihn nicht mit einem Imperius belegt haben, uns seine Erbschaft zu stehlen oder sonstwas?" fragte sie misstrauisch.
„Oh, um Merlins Willen!" Severus stolzierte aus dem Bad zum Kamin in seinem Wohnzimmer. Er nahm das Gefäß vom Sims, warf eine gute Prise Flohpulver in den Kamin und rief, „Longbottom! Bewegen Sie Ihren Hintern hierher. SOFORT!"
