Kapitel 4
„Sie arbeiten an der Schule meines Sohnes?", zischte Kearney, sprang von seinem Platz auf dem Kaffeetisch auf. Seine Hand hob sich, sein Finger zeigte auf ihn, sein Gesicht fleckig und rot vor Wut. Er wirkte auf sie fast so einschüchternd wie ein Mann mit Waffe – die Drohung, der Hass so offensichtlich in seinem Ton, so in seine Züge eingebrannt, dass sie die Worte, die als nächstes kamen, hätte erwarten sollen. „Warum würden sie jemanden wie Sie da arbeiten lassen?"
Sie trat ihn, bevor sie nachdenken konnte, grub den Absatz ihres Schuhs in sein Schienbein, ein Zischen kam über ihre Lippen, als Anspannung zurück in die Schultern ihres Geiselnehmers trat.
Sie zwang das „vielleicht, weil Menschen wie Sie sich weigern ihm die Hilfe zukommen zu lassen, die er braucht" in ihrer Brust zu sterben, wandte sich stattdessen an ihren Geiselnehmer, schenkte ihm ein halbherziges Lächeln, trotz der Angst, die ihre Eingeweide verknotete und ihren Atem stoßweise kommen ließ. „Ich weiß, er versteht das nicht, aber ich bin sicher, er lässt Sie erklären", sagte sie.
Wenn sie eindringlich genug war, verstand Kearney vielleicht endlich die Botschaft.
Es schien so, denn der Protest, den sie erwartet hatte, kam nicht. Stille erstreckte sich, bis ihr Geiselnehmer nickte, das Angebot annahm.
Sie deutete zu der Couch an ihrer Seite, zwang sich noch immer zu einem Lächeln, das hoffentlich beruhigend wirkte. „Warum setzen Sie sich nicht?", schlug sie vor, ihre Stimme leise und sicher, ruhig. Hoffentlich genug um alle ruhig zu halten, den Geiselnehmer davon abzuhalten zurück in die Serie von zusammenhanglosem Plappern zu verfallen, Kearney davon abzuhalten Beleidigungen zu zischen, die die ganze Situation verschlimmern würden.
Ihr Geiselnehmer setzte sich, sank in die Kissen, als würde das Gewicht auf seinen Schultern ihn dazu zwingen. Seine Waffe war noch immer in seiner Hand, noch immer entsichert, aber seine Finger klammerten sich nicht länger so fest darum, seine Hand wedelte nicht länger in der Luft, wie die Drohungen die zusammenhanglos über seine Lippen gekommen waren.
Er war still, endlich. Genug, dass sie sich von ihm wegdrehen konnte, Kearney deuten konnte, dass er sich zu ihr setzen sollte.
„Wie heißen Sie?", fragte sie ihren Geiselnehmer, nachdem Kearney sich auf den Kaffeetisch gesetzt hatte. „Es wird es einfacher machen Ihre Botschaft rüberzubringen, wenn wir Sie ein bisschen besser kennen."
Der Mann schluckte, murmelte seine Antwort. „Darrel."
„Okay, Darrel", sagte sie, „was wollen Sie Senator Kearney sagen? Er hört jetzt zu, oder?" Sie schaute ihn über ihre Schulter an, ihre Stirn mit einer Botschaft gerunzelt, die er schon wieder nicht zu verstehen schien.
„Warum sollte ich?"
Sie stieß ihren Ellbogen in seinen Arm. „Sie sind Politiker, richtig?", sagte sie, ließ die Falten in seiner Stirn tiefer werden. Das duh blieb unausgesprochen, als er nickend antwortete. „Also ist es Ihr Job, den Menschen zuzuhören, die Sie repräsentieren. Darrel hat eine Botschaft, die er gerne mit Ihnen teilen möchte. Hören Sie zu."
Kearney nickte endlich, noch immer ohne ein Wort, während sie beide ihre Aufmerksamkeit auf Darrel richteten.
„Fangen Sie an, er hört zu", forderte sie ihn auf.
Darrel beäugte Kearney für einen Moment, Kiefer angespannt, Finger für kurze Zeit fester um seine Waffe. Sie fühlte ihren Atem in ihrer Brust brennen, gefangen, bis sie sah, wie sich sein Griff lockerte, das kleine Nicken. Darrel drehte sich weg, nur für einen Moment, um auf die geschlossenen Vorhänge zu schauen, bevor er zurück zu Kearney schaute, blaue Augen aufmerksam auf den Senator gerichtet.
Sie fühlte, wie sich Kearneys Schultern anspannten, aber Mitgefühl für seine Sorgen war schwer aufzubringen, nach allem, was passiert war.
„Sie verstehen nicht", sagte Darrel.
Kearney antwortete nicht, die Stille wurde schwer mit der Erwartung, was Darrel als nächstes sagen würde. Bis ein langer Moment vorüberging und statt zu sitzen und zu warten, sprach er stotternd. „W-Was verstehe ich nicht?"
„Warum es so wichtig ist."
Diesmal gab es keine Pause, keine ausgedehnte Stille, die ihre Eingeweide verknoteten, während sie zusah, wie der Mann an ihrer Seite und der Mann, der die Macht hatte sie beide zu töten, sich anstarrten. Das Baby trat auch, Anzeichen von Leben unter der Hand, die sie auf ihren Bauch gelegt hatte.
Genug um ihren Atem ruhig zu halten, während sie zuhörte.
„W-Warum was so wichtig ist, D-Darrel?"
Sie sah zu, wie Darrels Hand von seiner Waffe rutschte, beide Handflächen sich auf seine Knie legten, als er sich nach vorn beugte, sein Blick noch immer auf Kearneys gerichtet. „Sie verstehen nicht, wie wichtig es ist, dass Menschen wie ich Hilfe bekommen."
„Ihr habt nichts?", zischte Ryan.
Castle zuckte bei seinem Ton zusammen, die Verzweiflung, gefärbt mit Wut, sickerte hinein. Es war Beweis genug, dass Dinge nicht nach irgendeinem Plan verliefen, dass Ryan seine Emotionen so offen kommunizierte, andere NYPD Mitarbeiter anzischte, wie Beckett es täte, wenn die Dinge andersherum lägen.
Der Leiter der Kriminaltechniker schüttelte seinen Kopf. Seine Laune war gedämpft, seit dem Moment, in dem er zu Castle und Ryan kam, aber sie verdunkelte sich gerade, als würde die Bestätigung das verfestigen, es in Stein meißeln als eine der wenigen Optionen, bis Kate und Kearney frei und Burgess in Handschellen war.
Oder… die Alternative, über die Castle sich nicht nachdenken ließ.
Er blinzelte, sein Blick fokussierte sich, als Ryan eine Hand hob um über seinen Nasenrücken zu reiben. Eine Grimasse zog an seinen Mundwinkeln, an den Gesichtszügen von jedem am Tatort, und Castle zwang sich dazu wegzuschauen, seinen Blick auf die Straße hinter Kearneys offenen Toren zu richten, während er der Unterhaltung zwischen Ryan und dem anderen Mann lauschte.
„Was erwarten Sie, was ich mit nichts tue?", fragte Ryan.
„Ich weiß es nicht", kam die Antwort. „Was ich weiß ist, dass dies ein altes Haus ist, und dass Ihre Geiseln nicht in der Nähe von irgendwelchen Eingängen sind, die wir anzapfen können. Also, ohne in das Haus reinzugehen, was uns verboten wurde, haben meine Leute keine Information für Sie, außer, dass sie nicht nah genug an den Eingängen sind um Geräusche aufzunehmen."
Castle schluckte sein Seufzen hinunter, zwang sich dazu nicht wütend auf Ryan zu werden, , dass er sie so lange auf eine Spur hat warten lassen, die nicht gekommen war. Stattdessen schaute er zu, wie ein Auto auf der Straße vorbeifuhr, und ein zweites am Tor anhielt, auf den Tatort zukam. Obwohl die Einfahrt lang war, der Himmel dunkel, während der Abend voranschritt, erkannte er das Auto als Espositos, fand das kleinste Bisschen Hoffnung in seiner Brust.
„Geht nicht rein", sprach Ryan hinter ihm. „Hört weiter an den Eingängen zu, für den Fall, dass sie sich bewegen. Wir folgen einer anderen Spur und informieren Sie, wenn wir etwas brauchen, okay?"
Es gab ein Summen, und dann drehte Ryan sich und schaute in die gleiche Richtung wie Castle. Aus seinem Augenwinkel konnte Castle sehen, wie seine Lippen sich öffneten, er stellte sich vor, dass eine Entschuldigung für das Fehlen von Fortschritt auf seinen Lippen lag, aber kein Wort wurde gesprochen. Sie beide beobachteten, wie Espo aus seinem Auto stieg, einen Ordner in seiner Hand und ein hoffnungsvolles Kräuseln auf seinen Lippen.
„Ich habe alles, was wir über Burgess wissen!", erklärte er, seine Stimme dröhnte über die Geräusche um ihn herum.
Er reichte Ryan den Ordner, der ihn schnell durchblätterte, sein Blick landete auf einer Seite, die Burgess' letzte psychologische Einschätzung enthielt, kurz bevor er an der Schule eingestellt wurde. Castle warf einen Blick darauf, überflog die Worte, die sein Beschäftigungsverzeichnis erklärten, seine Vorgeschichte vom Installieren von Sicherheitssystemen und dass der Mann mit Panik und Depressionen kämpfte, aber zu der Zeit nicht als Gefahr für sich oder andere eingestuft wurde.
Er schaute zurück zu dem Haus. Die Dinge hatten sich seitdem offensichtlich geändert.
„Habt ihr irgendwas?", fragte Esposito, als Ryan den Ordner zuklappte und ihn auf den vorübergehenden Arbeitsplatz legte, den sie aufgebaut hatten. Da lag ein Handy, das nicht berührt wurde, seit sie angekommen waren und keine Antwort erhalten hatten, ein Computer, den Ryan benutzt hatte, um Espositos E-Mails mit Informationen zu Burgess und seinen Handydaten zu öffnen, und ein Stapel Taschenlampen, die uniformierte Beamte sich abholten, während die Nacht dunkler wurde.
„Nein", sagte Ryan. „Nichts außer das."
„Aber es könnte genug sein", sagte Esposito, seine Stimme mit so viel Hoffnung durchsetzt, wie jeder aufbringen konnte.
Castle fand, es war genug, um das gleiche in seiner Brust anzuzünden, dass seine Augen über die scharfen Kanten von Kearneys Haus glitten, überzeugt davon, dass er sich nicht daran erinnern würde, ohne auch das größte Bedauern zu verspüren, das er je kannte.
„Jetzt, da wir wissen, wer er ist, könnte es einfacher sein zu verhandeln", fuhr Espo fort. „Oder ihn wenigstens davon zu überzeugen, ans Telefon zu gehen."
Ryan nickte. Castle sah zu, wie er nach dem Handy griff, Kearneys Festnetznummer eingab, die auf dem Post-It-Zettel stand, den er in einem Versuch sich abzulenken auf den Tisch geklebt hatte.
Es klingelte. Einmal, zweimal, dreimal. Und weitere drei Mal, bis eine Aufnahme von Kearneys Stimme durch die Leitung klang, und ein Piep in der fast stillen Nachtluft erklang.
Beamte hatten sich um sie versammelt, eine Menge, die mit angehaltenem Atem zuhörte, während Ryan sprach.
„Hallo. Hier spricht Detective Ryan. Das NYPD hat eine Nachricht für Sie, Darrel."
Ihr Atem hatte gestockt, als das Telefon zu klingeln anfing. Neben ihr hatte Kearney sich erneut angespannt, seine Augen wanderten durch den Raum, dorthin, wo das Festnetztelefon auf einem Beistelltisch stand, grün blinkte, als der Anruf kam. Aber Darrel hatte es keines Blickes gewürdigt, so wie beim ersten Mal, als seine Wut noch in seinen Augen brannte und seine Hand noch fest um seine Waffe lag.
Sie hörte zu, es juckte in ihren Fingern abzunehmen und die, da war sie sicher, Stimme eines ihrer Teammitglieder zu hören. Aber sie legten sich stattdessen um den Stoff ihres Shirts, ihr Blick auf das Telefon gerichtet, bis es aufhörte zu klingeln und ein Piepen ertönte.
Ryans Stimme kam als nächstes, ruhig und sicher, während er sich vorstellte, während er Darrels Namen nannte.
Das war der Moment, in dem Darrel Interesse zeigte, seine Schultern spannten sich an, und seine Finger griffen wieder nach der Waffe. Sein Blick senkte sich von Kearney, seine Erklärung über seine Meinung zu psychischen Erkrankungen verstummte, während sie alle zuhörten.
„Wir wissen, dass Sie Probleme haben. Wir wissen, wie wichtig es ist, dass Senator Kearney Ihre Botschaft hört. Aber das ist nicht die Art das zu tun, Darrel", hörte sie Ryan sagen. „Wenn Sie ans Telefon gehen und mit uns reden, können wir einen Deal vereinbaren. Wir können Ihnen die Hilfe besorgen, die Sie brauchen und –"
„Nein!"
Es gab einen Knall, die Couch wurde zurückgeschoben, als Darrel auf seine Füße sprang. Seine Hände zitterten, Augen blitzen, während er das Telefon anstarrte, seine Waffe direkt auf ihre Brust richtete, während Ryans Stimme weiterhin den Raum erfüllte, der Detective nicht wusste, welchen Schaden er anrichtete. Nicht wusste, dass alle Gelassenheit, die sie erreicht hatten, sofort verschwunden war. Kearney verschluckte sich an nichts, bedeckte sein Gesicht mit seinen Händen. Darrel schaute umher, als würden die Wände näherkommen, drohte zu schießen, wenn die Cops reinkamen, als könnte Ryan ihn hören.
Becketts Atem ging schwer, aber sie legte ihre Hände trotzdem flach auf den Tisch, zwang sich auf ihre Füße.
„Was ist los, Darrel?", fragte sie.
Als er sich zu ihr umdrehte, war sein Blick wild, landete nie auf ihrem Gesicht, so zitternd wie sein Griff um seine Waffe. „Er versteht es nicht. Er versteht es nicht", sagte er, seine Stimme verzweifelt und mit jedem Wort zitternd.
„Was versteht Detective Ryan nicht?"
Darrel schaute sie an, nur für eine Sekunde, bevor er seinen Blick auf die Falten der Vorhänge hinter ihm richtete. „Er – Es geht nicht nur um mich. Es ist – er ist es." Die Waffe zielte auf Kearney, blieb dort für einen Moment, bis Darrels zitternde Hand sie wieder wegführte. „Menschen brauchen Hilfe. Menschen brauchen Hilfe. Und er – er muss zuhören. Er muss es wissen. Er muss es verstehen. Niemand versteht es. Niemand versteht es."
„Ich tue es."
Die Worte waren draußen, bevor sie sie aufhalten konnte, aber sie stoppten Darrels Hand. Sein Blick fiel zu ihr, und sie dachte, für einen Moment, dass es vielleicht nicht schlecht war.
„Sie können nicht", zischte er. „Sie können nicht. Sie –"
„Ich bin ein Cop", beendete sie für ihn, nicht sicher, ob er das hatte sagen wollen. „Aber ich habe PTBS. Wissen Sie, was das ist? Posttraumatische Belastungsstörung."
Darrel nickte, die Antwort ruckartig aber da, zwang mehr Worte aus ihrer Brust, bevor ihr Verstand sie formulieren konnte.
„Vor sechs Jahren wurde mir in die Brust geschossen", erzählte sie ihm. „Und seitdem habe ich PTBS. Monatelang danach waren alle meine Träume Albträume. Ich konnte nicht schlafen. Aber aufwachen war nicht besser. Alles war beängstigend. Stimmen in meinem Kopf sagten mir, dass es so war. Alles würde mich verletzen, richtig? Nichts war in Ordnung. Wissen Sie, wie das ist?"
Tränen rannen aus seinen Augenwinkeln, befleckten seine Wangen mit feuchten Streifen, die ihn menschlicher wirken ließen als sie ihn je gesehen hatte. Viel verletzlicher als sie sich einen Mann mit einer Waffe auf sie gerichtet je hätte vorstellen können.
„Es ist grausam, oder? Es ist so grausam, man fragt sich, ob es das überhaupt wert ist. Wenn alles so angsteinflößend ist, ist das Leben es überhaupt wert gelebt zu werden, richtig?"
Er nickte. „Ich kann nicht – es ist nicht –", würgte er.
„Ich weiß", flüsterte sie. „Und ich weiß noch etwas. Ich weiß, was es heißt Hilfe zu brauchen, Darrel. Ich weiß es. Und ich weiß, es gibt so viele andere Menschen da draußen, die auch Hilfe brauchen. Und ich weiß, dass Kearney es nicht versteht, aber es muss es, denn es sind Menschen wie er, nicht Menschen wie Sie und ich, die diese Entscheidung treffen."
Er hustete, ein erstickter Schluchzer entkam seiner Brust, als er nickte, verzweifelt und eilig. „Es ist nicht fair. Er versteht es nicht."
„Ich weiß, dass er es nicht versteht", sagte sie. „Ich weiß auch, dass ich Glück hatte. Ich bin ein Cop, stimmt's? Also geben sie Menschen wie mir Hilfe. Sie helfen mir, weil sie denken, ich verdiene es mehr, aber sie vergessen dabei die Menschen wie Sie. Sie vergessen so viele Menschen, die genauso Hilfe brauchen, die sie mehr brauchen. Und das ist falsch, Darrel. Ist es. Ich weiß es."
Er nickte wieder, nur ein konstantes Auf und Ab seines Kopfes. Die Waffe noch immer zitternd in seiner Hand. „Ist es. Ist es. Ist es."
„Und jetzt, da er Ihre Botschaft gehört hat, bin ich sicher, dass Kearney es auch versteht." Sie holte Luft, drehte sich zu dem Mann, der noch immer auf dem Kaffeetisch saß, Knöchel weiß, wie sie sich um die Kante klammerten. „Stimmt's Kearney?"
Sie brauchte nur das. Er musste nur zustimmen, damit Darrel dachte, er verstehe und sie könnte ihm die Waffe abnehmen, sie beide retten. Sie könnte –
„Es ist was anderes", sagte Kearney. „Sie sind ein Cop."
Sie fühlte etwas in sich zusammenbrechen.
Und ein Schuss löste sich.
