Zwar ein wunderschönes Kapitel von Leila heute, aber ich möchte trotzdem gleich hier ein riesiges Dankeschön für die Reviewer dalassen, denen ich nicht persönlich antworten kann, weil sie keinen Account besitzen - *knuddel* Vielen Dank! Und natürlich auch nochmal all jenen, denen ich antworten konnte ;) - Liebe Grüße und viel Spaß heute! - Mia
Und außerdem geht ein riesiger Dank auch an unsere Beta-Maus Mystery *knutsch* Dankeschön Süße, du bist die beste Spürnase, die man sich wünschen kann!
Seelenlos Teil 4
Wumm – alle Gedanken in seinem Schädel explodierten in einer Welle aus gleißendem Schmerz, vor der selbst ein instinktiv hochgerissener Arm nicht hatte schützen können. Noch halb in der Drehung taumelte er zurück. Ein warmes Rinnsal über den Augen ließ seine Welt in blutiges Rot absacken und alles kippte hin und her, während es sich schlingernd um sich selbst drehte.
„Was-...?" Doch weiter kam Sam nicht, denn seine Knie konnten das Gewicht seines plötzlich herabrutschenden Mageninhaltes nicht mehr halten. Alles bewegte sich, oben war unten und Dunkelheit wurde zu einem blitzenden Meer aus grellen Farben, die einem die Netzhäute versenkten. Und mittendrin war – Dean, die Hand noch halb im Wurf gehoben, das Gesicht eine Maske aus purer Überraschung.
Sam konnte es nicht fassen; Dean hatte ihn wie ein Mädchen niedergeschlagen. Mit einem verfluchten KNÜPPEL!
Doch die 'Komik' der Situation ging unter, genau wie Sam, der nur Bruchteile später merkte, dass er die dürftig gefrorene Uferlinie bereits zu weit übertreten hatte. Die Eisfläche gab nach und er stand mitten darauf - ein Fehler, der tödlich enden konnte und etwas, das John ihnen schon als Kinder eingebläut hatte.
Babum. Babum.
Sam versank mit dem Gedanken an das zornige Gesicht seines Vaters, ein Abbild davon auf seinem eigenen, zusammen mit dem wütenden Gedanken an seinen Bruder, bis eiskaltes Wasser jeden Hauch davon wegwischte.
Babum.
~sss~
Als Sam das nächste Mal die Augen öffnete, blickte er in einen sanft leuchtenden, milchigen Spiegel aus Eis, der in der Schwärze zu schweben schien.
Jeder Schmerz in seinem Kopf, jeder wütende Gedanke und alles andere dazu, waren zu einem schwachen Pochen geworden, dessen Ränder allmählich mit dem Frost des Winters zuwucherten.
Beinahe erleichtert ließ er die nasse Schwerelosigkeit von sich Besitz ergreifen und tastete mit langsamen Bewegungen an dem blinden Spiegel vor seinem Gesicht, der so wunderbar kühl war – er löschte etwas von dem Feuer in ihm.
Alles wurde langsamer, jede Bewegung zu einem nicht gewollten Kampf und Sams Augenlider begannen sich flackernd zu schließen.
Mit einem Mal war alles leichter, beinahe unwirklich und jeder Schritt dem Vergessen entgegen brachte ein Stück Befreiung und Stille.
Bab-… um
Das wütende Organ in seiner Brust beruhigte sich, schlug langsamer. Tastende Finger lösten sich vom falschen Glas und glitten hinab in die Schwärze des Wassers, zusammen mit einem schnell erkaltenden Körper.
Bab-...
Alles versank, wurde so dunkel wie der Schatten, der sich drohend wie eine Unwetterwolke über ihm auf die weiße Fläche schob. Bis zu dem Augenblick, als Sam einen Ruck spürte, sich das flüssige Eis um ihn herum bewegte und die frische Nachtluft das Wasser auf seiner Haut zu kleinen Perlen aus Frost formte. Der blinde Spiegel zerschnitt seine aufgeschürfte Haut bei seinem Weg zurück durch die Oberfläche.
Eisiger Wind fegte über die Ebene des Sees, beinahe ein Tuscheln und eine Warnung. Sam versuchte zu verstehen, aber Krach - laute Worte - und immer wieder sein Name versteckten weiterhin die geflüsterten Geheimnisse.
Eine Hand packte fester zu, wischte das stechende Gefühl auf seiner Gesichtshaut für einen Augenblick zu Seite.
„Sam!"
Deans zerschlagene Gestalt tauchte irgendwo vor ihm auf – wann hatte er die Augen geöffnet? Sam konnte sich nicht daran erinnern.
„Hm ..."
„SAM!"
Dunkle Flecken tanzten um sie herum und plötzlich wusste Sam, was fehlte. Ein tiefer Atemzug und Luft fand ihren Weg zurück in seine Lunge. Die Handfläche an seiner Wange brachte ihn schließlich wieder voll zu sich und die Wärme der anderen Haut sickerte in gieriges, frostiges Fleisch.
„Sammy?"
Alle Antwort war Husten und Würgen.
„Verdammt, Sam!"
Der hörte Angst, Sorge und Wut in der Stimme seines Bruders.
Eine zweite Hand griff zu, schüttelte die Schwerelosigkeit ab und holte ihn zurück, genau wie das Gefühl tausender kleiner Nadelstiche am Körper.
Sams Blick schärfte sich, durchbohrte grüne Augen nur Zentimeter von sich entfernt.
„Dean, was-...?"
Doch wie zu oft wurde er mit keiner Silbe bedacht und spürte stattdessen, wie er schwerfällig aus dem Wasser gezogen wurde – Zentimeter für Zentimeter. Spitze Eissplitter zerschnitten seine Haut, zerschmolzen feige und vermischten sich mit dem schlierigen Rot ihrer Tat.
Sam blieb einfach liegen. Mit der Luft und dem Sauerstoff kamen auch Erinnerungen, Bilder, Worte und der Zorn.
Die ganze Welt war sauer auf ihn? Hasste, was immer er tat? Fein, er war wütend auf das ganze beschissene UNIVERSUM! Das Leben war eben verdammt nochmal nicht fair, genauso wie der Tod, die Hölle oder der Himmel – alles eine einzige Lüge.
Er hörte Dean reden, ohne seine Worte wirklich zu verstehen, stattdessen rauschte sein eigener Herzschlag wie ein Donnergrollen in seinen Ohren.
Das ist nicht mein Bruder. Gestern wollte ich ihn im Schlaf töten. - Immer und immer wieder.
Zum ersten Mal seit viel zu langer Zeit, spürte Sam so etwas wie Müdigkeit und Erschöpfung in sich, er fühlte sie...
Die Finger zur Faust geballt, gab er einfach nach, ließ das Feuer in ihm wüten und schloss die Augen.
