Kapitel 3
Am nächsten Morgen richtete sich Harry ungestüm im Bett auf, ein Albtraum hatte ihn geweckt. Mit zerzausten Haaren – noch mehr als sonst – saß er nun aufrecht da und blickte einen Moment lang ins Leere. Und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen; wieso war es ihm nicht schon gestern eingefallen? Er ging duschen und zog sich etwas an, packte den immer noch in sein Shirt gewickelten Stein und ohne einen Happen zu essen, schloss er die Tür hinter sich, ging zum Wagen und stieg ein. Er schnallte sich an und hielt kurz inne – dann fuhr er schließlich los, sein Weg führte ihn zu King's Cross.
Als er auf einem der Bahnsteige stand wurde ihm bewusst, dass er schon lange nicht mehr auf diese Weise in die Welt der Zauberer gelangt war. Er blickte gegen die backsteinerne Mauer, musste sich kurz überwinden und rannte los. Schließlich fand er sich auf Gleis 9 ¾ wieder. „Warum müssen Draco und Hermine nur gleich bei King's Cross wohnen?", dachte er (nicht zum ersten Mal, wie er sich eingestehen musste).
Harry ging ein paar Schritte und kam zu einem Hortensienstrauch (bestehend aus lauter Gartenhortensien), inmitten desselben sich jedoch einige dunkelviolette Blüten befanden, welche die meisten wahrscheinlich als ziemlich unpassend empfinden würden. Harry wusste nicht, um was für eine Hortensienart es sich bei diesen handelte, doch das war unwichtig. Er sprach laut und deutlich: „Hey, Hermine, Draco, ich bin's Harry!" Die violetten Blüten waren nichts anderes als eine magische Gegensprechanlage, die Hermine eingerichtet hatte; die Idee hatte sie sich in der Muggelwelt abgeguckt und sie dann auf die Zaubererwelt angewandt. Hermine war es auch, die darauf bestanden hatte, in ihrer Wohnung elektrischen Strom zu verwenden. Sie war nämlich der Ansicht, dass es viel komfortabler sei, lediglich einen Lichtschalter mit Magie umzulegen, statt dass man gezwungen ist, ganze Räume mit Licht auf magische Weise zu erhellen. Sie kannte sich ja in der Muggelwelt ausgezeichnet aus, da sie einen großen Teil ihrer Jugend dort verbracht hatte, und Hermine pflegte diese auch immer wieder zu verteidigen, indem sie die Errungenschaften der Muggelwissenschaftler lobte sowie ihren Einfallsreichtum zu bewundern wusste. Im Fuchsbau bei den Weasleys waren Hermine und Mr Weasley immer ein starkes Team, vor allem Hermine konnte schon viele Male mit ihren schlagkräftigen Argumenten die Runde von ihren Ansichten überzeugen. Sie wusste zwar, dass gerade Ron es manchmal auch einfach leid war weiterzudiskutieren, da er wusste, dass er sowieso nicht gewinnen würde, doch deshalb war sie nicht weniger stolz, und man konnte dann immer ein kaum merkliches amüsiertes Lächeln auf ihrem Gesicht ausmachen.
„Hi, Harry! Siehst gut aus!", sagte Draco und umarmte Harry, welcher schlagartig aus seinen Gedanken gerissen wurde. „Komm rein, bitte."
„Hi, Draco, wie geht es dir?"
„Och, ganz gut. Und dir? Steckst du schon in den Vorbereitungen fürs nächste Schuljahr?"
„Doch, ich kann nicht klagen. Ich habe gerade die Einladungen an die Neulinge verschickt. Und eigentlich hatte ich vor, noch heute die restlichen Einladungen und die Materiallisten zu verschicken, doch dann hatte ich gestern eine eigenartige Begegnung mit einem mir unbekannten magischen Artefakt."
„Was für ein Artefakt meinst du?", erklang es von der Treppe.
„Hallo, Hermine!", sagte Harry erfreut.
„Harry", sagte Hermine freudig erregt. Sie gaben sich Küsschen und Harry gab auch dem Baby auf Hermines Arm einen Kuss auf die Stirn.
„Du bist ja schon wieder doppelt so groß wie letztes Mal, du kleiner Wonneproppen!" Harry lächelte.
„Sie mal, Angus, da ist dein Onkel Harry!"
Der Kleine machte ganz große Augen und schlang seine kleinen Finger um Harrys Zeigefinger und zog ihn zu sich. Dann nahm er ihn in den Mund und sog daran wie an einem Schnuller.
„Süß, der Kleine...", schwärmte Harry.
„Entschuldige, Harry, was war dein Anliegen?" Draco runzelte die Stirn. „Komm, wir setzen uns hin. Schatz, würdest du uns eine Tasse Tee bringen?"
Hermine gab Draco Angus auf den Arm und verschwand in der Küche.
„Nun, gestern als ich auf dem Nachhauseweg war, erkannte ich am Himmel plötzlich einen hellen Punkt, welcher dann allerdings immer größer wurde. Dann bemerkte ich, dass dieses Licht, tatsächlich immer näher kam und ging in seine Richtung, woraufhin ich es dann, als es auf einer Grünfläche vor einem der Häuser in der St Thomas's Road auftraf und ich sah, dass es eine Art Stein ist, in mein Sweatshirt einwickelte und es mit nach Hause nahm. Und heute Morgen, kam mir erst der Gedanke, dass ich dich und Hermine zurate ziehen könnte. Vielleicht wisst ihr, was es für ein Stein ist. Was seine Herkunft ist und was er bewirkt oder vielmehr, auf welche Weise er seine Wirkung entfaltet."
Harry packte den Stein aus dem darum herumgewickelten Sweatshirt und legte ihn auf den Tisch vor ihnen. „Hier, das ist er. Siehst du, wie das Licht, das er von sich gibt, leicht pulsiert? Mich dünkt, es hat eine leicht hypnotiche Wirkung, auch wenn ich nicht glaube, dass darin seine Kraft liegt. Was meinst du?"
„Ich habe stante pede keine Erklärung für den Stein. Es ist mir auch ein Rätsel, woher er kommen könnte und vor allem, weswegen sollte – angenommen jemand wollte ihn los werden – dieser Jemand den Stein ausgerechnet nach London zu den Muggeln schicken. Vielleicht war es auch ein Versehen. Warten wir auf Hermine, sie weiß vielleicht mehr."
Als Hermine aus der Küche kam und ihnen allen Tee servierte, erzählte Harry auch ihr noch einmal, wie der Stein seinen Weg zu ihm gefunden hatte.
„Wie findest du den Tee?", fragte Hermine Harry.
„Er schmeckt gut, aber ich kann den Geschmack gar nicht einordnen. Worum handelt es sich?"
„Es ist Trollmoschus", antwortete Draco. „Seit sie Angus zur Welt gebracht hat, trinkt sie ständig nur noch Trollmoschustee. Ich hoffe, es ist nur eine Phase." Draco verdrehte die Augen und sah Hermine mit einem neckischen Grinsen an.
Hermine blickte ihrem Mann tief in die Augen. Dann wandte sie sich Harry zu. „Der Stein gab ein bläuliches Licht von sich, sagst du?" Hermine legte ihre Stirn in Falten und dachte angestrengt nach. „Ich glaube, ich habe schon einmal davon gelesen. Accio ‚Zaubersteine und ihre Verbreitung im 16. Jahrhundert'!"
Es dauerte knapp fünf Sekunden, bis ein dickes, in altem braunem Leder eingebundenes Buch zum Fenster hereingeflogen kam. Hermine schlug das Buch auf einer der hinteren Seiten auf, wo sich ein Stichwortverzeichnis befand. Ihr Finger wanderte über das alte Papier und blieb beim Eintrag „Blaue Steine" einen Augenblick verweilen. Am Ende der entsprechenden Zeilen gab es Verweise auf verschiedene Seiten. Hermine schlug Seite vierhundertachtzehn auf und überflog den Eintrag, blätterte wieder zurück zum Stichwortverzeichnis, schlug anschließend Seite fünfhundertzweiundfünfzig auf und überflog abermals den Eintrag, welcher sich über die nächsten drei Seiten fortsetzte.
„Dein Stein könnte womöglich der Stein sein, der hier beschrieben ist. Es wird sehr viel von seiner Geschichte erzählt, zum Beispiel, dass der berühmte Zaubererschachweltmeister Montague Knightley ihn als letzter Zauberer je gesehen haben soll; weiter, dass er seine dreizehn Meistertitel nur mithilfe der Steine gewinnen konnte."
„Der Steine?", fragte Draco.
„Ja."
„Das heißt, es gibt anscheinend mehr als diesen einen Stein", mutmaßte Harry.
„Exakt", antwortete Hermine, „es existieren deren drei. Oder besser sie existierten. Laut diesem Buch, existiert keiner der drei Steine noch und falls doch, sind sie nach dem Tot Knighleys nie mehr irgendwo in der Geschichte in Erscheinung getreten."
„Und wie funktionieren die Steine?", fragte Harry.
„Und was bewirken sie?", wollte Draco wissen.
„Niemand hat je herausgefunden, wie die Steine eingesetzt werden müssen, damit sie ihre Macht entfalten können. Es heißt, ein Zauberer oder eine Hexe, die im Besitz eines Steines sei, finde selbst heraus, wie er ihn verwenden müsse. Von ihrer Wirkung steht hier nichts."
„Und, Harry, dann führ uns doch mal was vor!", verlangte Draco und lachte.
„Hmm...", machte Harry und legte seinen Zeigefinger auf die Unterlippe.
„Moment mal!", sagte Hermine. „Hier steht, jeder der Steine habe eine andere Farbe. Es seien dies blau, rot und grün. Knighley habe jeweils einen grünen Stein bei sich getragen – als Glücksbringer, wie er versicherte, doch man vermutet, wie bereits gesagt, dass er nur auf diese Weise dreizehn Mal Zaubererschachweltmeister werden konnte." Hermine blickte auf. „Das ist alles."
„Und dafür brauchten die drei Seiten?", fragte Draco.
„Offensichtlich", sagte Hermine, „aber sehr vieles davon sind Spekulationen oder unwichtige Details. Eine halbe Seite beschreibt allein das Aussehen der Steine."
„Ich glaube, es lässt sich in der Bibliothek in Hogwarts sicherlich noch etwas finden. Ich werde dort noch einige Nachforschungen anstellen. Aber erst, nachdem ich die Einladungen für die höheren Klassen verschickt habe, versteht sich." Harry wickelte dein Stein wieder ein, bedeutete den beiden anderen ihn zu entschuldigen und stand auf.
„Wo wir gerade dabei sind: vielen Dank, dass du mir die Aufgabe abgenommen hast, die Einladungen zu verschicken!", sagte Hermine. „Ich bin im Augenblick wirklich froh, kann ich bis am ersten September meine Aufgaben als stellvertretende Schulleiterin von dir erledigen lassen."
„Ach, keine Ursache, das mache ich doch gerne, schließlich soll doch der Schulleiter auch mal etwas zu tun haben und nicht nur faul in der Sonne liegen..." Harry lachte und zwinkerte ihr zu. Er ging Richtung Haustür, umarmte dann Draco freundschaftlich und verabschiedete sich von ihnen. „Wir sehen uns am ersten September. Ich freue mich schon, dich endlich offiziell im Lehrerkollegium zu begrüßen, Draco! Macht's gut!" Er winkte den dreien zu und schloss die Tür hinter sich.
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Euer Ezechiel
