3. Kapitel

Eisige Stimmung

Laute Stimmen weckten Harry auf, er blinzelte ein paar Mal und schloss dann wieder die Augen. Sein Schädel brummte, bei jedem Atemzug durchfuhr ihn ein stechender Schmerz und seine Zunge lag wie ein pelziges Tier in seinem Mund. Dem Geschmack nach war es ein totes, pelziges Tier.

Er versuchte sich aufzurichten, doch es blieb bei dem Versuch und Harry sank schwer atmend wieder in die Kissen zurück. Sein linkes Knie pochte unangenehm.

Er hatte keine Ahnung was passiert war. „Vielleicht musste ich gegen einen Troll kämpfen und habe verloren.", dachte er bei sich. Als er sich mit einer Hand durch die Haare fuhr fühlte er eingetrocknetes Blut und eine große Beule. „Auf jeden Fall hat mir jemand den Schädel eingeschlagen."

Leise öffnete sich die Zimmertür und ein zerknautscht wirkender Ron schlich sich ins Zimmer.

„Alter, siehst du scheiße aus!", Ron ließ sich auf das Bett fallen, bei der leichten Erschütterung, die dadurch entstand, keuchte Harry auf.

„Wie geht's dir denn, Mann? Sah ja echt übel aus, wie du da so gelegen hast."

„Was war denn los? Und wer brüllt denn da unten so?", Harry Stimme war heiser.

„Ach, Mum, Hermine und Ginny brüllen um die Wette. Ginny musste ja allen erzählen was passiert ist und nun machen sie jeden rund, der ihnen in die Quere kommt. Mum hat sogar schon einen Heuler zu Charlie geschickt, damit er bloß nicht wieder auf die dumme Idee kommt, George und Fred Feuerwhisky zu schicken.", Ron schüttelte ungläubig den Kopf.

„Feuerwhisky?", krächzte Harry und legte sich eine Hand über die Augen, da ihn das grelle Sonnenlicht blendete.

„Mann, du hast ja nen richtigen Filmriss! Klar, Feuerwhisky, was meinst du warum es dir so dreckig geht. Naja, nicht nur wegen dem Whisky, aber schon auch!"

„Ich kann mich an nichts erinnern. Haben wir uns mit irgendjemandem geprügelt?"

Ron lachte auf und Harry zuckte zusammen und hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten. Diese Kopfschmerzen.

„Hätten wir uns mal bloß geprügelt, dann würden die da unten jetzt nicht so ein Theater machen. Nein, wir haben eben getrunken und sind dann geflogen. Alle nur leicht angeschwipst natürlich, aber der Wind muss irgendwie blöd gestanden haben, du bist nämlich ganz ohne Grund vom Besen gefallen. Wir mussten Bill holen, na ja und dann hat Ginny dich wieder zusammengeflickt." Ron runzelte die Stirn und betrachtete Harry einen Moment lang nachdenklich. „Aber so gut scheint sie es noch nicht zu können, bei Madam Pomfrey ging das irgendwie schneller. Ist ja nicht so, als wärst du das erste Mal von Besen gefl..."

Als die Tür aufgeschlagen wurde, verstummte Ron.

„Sieh zu, dass du zur Arbeit kommst, Ronald Weasley!", brüllte Molly und stürmte mit finsterer Mine in den Raum. Dicht gefolgt von Ginny, Fleur und Hermine.

Harry stöhnte auf, „Müssen denn alle hier so einen Radau machen?", dachte er still bei sich.

„Raus hier!", brummte Harry.

„Oh Freundchen, das könnte dir so passen.", keifte Ginny zurück.

Mollys Gesichtsausdruck wurde jedoch ein wenig weicher, als sie Harry so da liegen sah.

„Harry, tut dir irgendetwas weh?", wollte sie wissen.

„Wenn Voldemort mir doch nur diesen miesen Fluch noch verraten hätte, bevor sie ihn erledigt haben, dann würde ich ..."

„Ginny!", keifte Molly und Harry verzog wieder das Gesicht. „Hatten die immer schon alle diese fiesen, schrillen Stimmen?"

„Also, Harry, was fehlt dir?", wollte nun Hermine wissen.

„Wenn ihr mich in Ruhe lassen würdet, dann würde mir gar nichts fehlen!", entgegnete Harry bissig.

Ginny hatte unterdessen die Bettdecke zurück geschlagen und Fleur wurde grün im Gesicht und stolperte in Richtung Tür.

„Oh immel, mir wird schlescht!"

Harry wurde zornig. "Sehe ich so mies aus, oder was?!"

„Nein, Harry, du stinkst!", klärte Ginny ihn mit gereizter Stimme auf.

„Zick mich nicht so an!", knurrte Harry und warf ihr einen finsteren Blick zu.

„Am liebsten würde ich dich verfluchen, bis du nicht mehr weißt wo oben und unten ist, du...du..."

„Jetzt ist aber mal Schluß!", ging Molly dazwischen. „Harry, du wirst dich jetzt mal ein bisschen zusammenreißen und du, Ginny, hörst mit diesem Gekeife auf. Das hält ja keiner aus!"

Ginny machte ein beleidigtes Gesicht und wickelte grob die Bandage ab, mit der sie in der Nacht Harrys Knie verbunden hatte. Es war noch immer stark geschwollen.

„Kannst du es beugen?", fragte sie Harry kühl.

Harry biss die Zähne zusammen und versuchte sein Bein zu bewegen.

„Oh, verdammt...", er rang nach Luft. „Nein, kann ich nicht!"

„Dein Arm, wie fühlt der sich an?"

„Nur wie ein bisschen Muskelkater.", keuchte Harry und legte sich wieder eine Hand vor die Augen. In seinem Kopf drehte sich alles.

„Ist dir schlecht?"

„Ja!"

„Gut so!"

„Ginny!"

„Was?"

„Reiß dich zusammen! Er ist ernsthaft verletzt!", wies Mrs. Weasley ihre Tochter zurecht.

„Ja, weil er sich benimmt, als hätte man ihm auch noch das letzte bisschen Verstand geraubt!"

Molly seufzte. „So kannst du jedenfalls nicht zur Arbeit gehen, Harry. Ich werde eine Eule schicken."

Harry nickte dankbar. Er hörte wie mindestens zwei Leute den Raum verließen.

Jemand nahm vorsichtig seine Hand und als er langsam die Augen öffnete, erkannte er Hermine.

„Sind sie weg?", flüsterte Harry matt.

„Ja, Ginny will einen erfahreneren Heiler aus dem St. Mungos herbestellen, damit er sich dein Bein ansieht.", sagte Hermine und legte eine Hand an Harrys Wange.

„Warum müsst ihr Jungs nur immer so einen Mist machen?"

Harry zuckte mit den Schultern und versuchte sich ein wenig bequemer hinzulegen.

„Hast du große Schmerzen?"

„Ich krieg kaum Luft, Hermine. Mein Rücken tut so weh. Mein Schädel brummt, aber das ist wohl normal. Kannst du mal gucken ob wir noch was zu trinken hier oben haben? Wasser meine ich!"

„Hier ist nichts mehr. Ich bin gleich wieder da."

Harry dämmerte in einen leichten Schlaf, während Hermine die Küche betrat.

„Musst du eigentlich so unfreundlich sein, Ginny? Was hat er denn Schlimmes gemacht? Sie haben getrunken und wurden leichtsinnig, na und? Das ist doch normal. Jeden Abend sitzt Harry hier und wartet brav auf dich, nie fragt er, warum du so viele Überstunden machst und kaum noch Zeit mit ihm verbringst. Du weißt gar nicht was du an ihm hast!", Hermines Augen funkelten vor Wut.

„Was soll das denn, Hermine? Er hätte sich im Suff fast umgebracht, jetzt jammert er rum. Und was hat das überhaupt damit zu tun, dass ich soviel Arbeiten muss?", Ginny funkelte sie böse an.

„Arbeiten, ja? Wenn das so ist...", mit diesen Worten drehte sich Hermine um und ging wieder zu Harry. Sie füllte etwas von dem Wasser in ein Glas und nahm an der Bettkante platz. Sanft strich sie Harry eine Haarsträhne aus der Stirn.

„Worüber habt ihr gestritten?", wollte er wissen.

„Ach, nichts, Harry. Sie soll nur nicht so böse mit dir sein.", verstohlen wischte Hermine sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

„Gibt es irgendetwas, das ich wissen sollte?", Harrys Stimme war nur ein Flüstern und er hatte den Kopf von Hermine abgewandt.

„Nein, Harry, es ist alles in Ordnung. Möchtest du was trinken?"

Er nickte und nahm Hermine das Glas ab, doch er trank nicht.

„Ich liebe sie mehr als alles andere auf der Welt, Mine. Wenn es etwas gäbe, was ich wissen müsste, dann würdest du es mir doch sagen, oder?"

Hermine nickte nur, stand auf und ging aus dem Zimmer.

Harry stellte das Glas weg, ohne etwas getrunken zu haben und rollte sich auf die Seite, die Decke über den Kopf gezogen.