4. Kapitel
Der glockenhelle Klang, der sich ihrer Kehle entrang, als er sie berührte, ließ seinen Mut wachsen. Sollte es möglich sein, dass sie seine Nähe herbeisehnte?
Mit der Vorsicht eines Diebes in der Nacht, stahl seine Hand sich zu ihrem Gesäß und berührte an jener Stelle den Stoff ihres Rockes, um die eigene Phantasie auf das weiße Fleisch darunter zu besinnen. Sein Kuss nahm an Heftigkeit zu, während sein Herz ihm schier aus der Brust springen wollte.
Von Übermut gepackt, machte er sich daran, den Stoff ihres Rockes empor zu schieben, als sie sich plötzlich von ihm löste und einen Schritt zurückwich.
Ihre Wangen waren gerötet, der Blick glasig und die braunen Locken umwogten ihr Gesicht wie die stürmische See in Wellen übers Land spült.
Ihr Blick war unstet, ebenso wie ihre Stimme.
"Mein Herr, verzeiht, doch scheint es mir, als sei mein Gegenfeuer nicht in der Lage, das Eure zu bekämpfen. Viel mehr scheint es sich mit dem Euren verbündet zu haben, und mich ebenfalls zu verschlingen."
"Was wäre so schlimm daran?", brachte er mühsam über die Lippen.
"Ich...", sie schüttelte den Kopf, ehe sie erneut zu Sprechen begann: "Ihr spracht von Ausschweifungen jeglicher Art, die Euch zuteil wurden. Glaubt Ihr vielleicht, dass ich so bin wie die Dirnen, die Ihr zu eurer Beute zähltet? Genügt Euch nicht ein Kuss, der Euch beweisen sollte, dass Ihr mir nicht gleichgültig seid? Eure Hand unter meinem Rock entwürdigt mich! Ich bin keines der Flittchen, die Ihr gewohnt seid, mit Eurer Lust zu besudeln!"
Das Herz, das eben noch so laut in seiner Brust getönt hatte, schien vollends verstummt zu sein. Mitten im Kern seines Wesens schienen die Lust, die sie ihm vorwarf, mit der Verzweiflung, die er durch ihr Verhalten verspürte, miteinander zu ringen und um die Vorherrschaft zu kämpfen. Das Endergebnis war ein flaues Gefühl der Scham und Wut gleichermaßen.
"Vergebt mir MyLady. Ich sah mich ermutigt, was zweifelsohne mein Verschulden war. Denn was immer ihr mir auch für Anzeichen gegeben habt, eines weiß ich mit Sicherheit - dass es mir nicht zustand. Verzeiht, dass ich Euch auf eine Art berührte, die Euch beleidigte. Vergebt mir...vergebt mir...", damit wandte er sich ab, verließ den Raum und kehrte in die Kammer zurück, in der seine Bettstatt stand. Mit dem Rücken legte er sich darauf nieder und versuchte an nichts zu denken, als an das Rauschen in seinen Ohren, das ihm anzeigte, was für ein Tor er war, weil er sich Hoffnungen gemacht hatte, diesen Engel seiner letzten lebenden Tage anrühren zu dürfen. Einen Engel durfte man nicht berühren, denn sie hatte vollkommen recht gesprochen - er würde sie besudeln, wie er alles in seinem Leben ins Schlechte gekehrt hatte.
Es dauerte geraume Zeit, doch seine Atmung verlangsamte sich schließlich, bis er in den Schlaf hinüberdämmerte, obwohl es erst auf Mittag zuging. So erlebte er nicht mit, wie besagter Engel den Raum betrat, neben ihm niederkniete und flüsterte: "Ihr seid es nicht, der um Verzeihung flehen muss...ich habe Euch verletzt, doch es wäre zu früh...Ihr werdet gehen, wenn Ihr mich die Eure nennen konntet. Ich hätte Euch am liebsten so nah bei mir gespürt, wie ein Mann einer Frau nahe sein kann. Doch ich darf es nicht, zu Eurer eigenen Sicherheit. So lange Ihr um mich kämpft...so lange euer Körper Euch diktiert, um den meinen buhlen zu müssen, so lange werdet Ihr bei mir bleiben. Ich brauche Euch, Severus. Für meinen Plan und...ich...brauche euch." Leise erhob sie sich wieder und ließ den schlafenden Mann allein.
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Von außen betrachtet sah die Kate ebenso unscheinbar aus, wie von innen. Eine kleine Hütte mitten im Walde, wie sie überall auf der Welt zu finden ist.
Snape sah fragend zu der jungen Frau, die sich mit ihrem Zauberstabe an einem Holzstamm zu schaffen machte.
"Feuerholz", erklärte sie knapp.
In den letzten beiden Tagen hatten sie nur die wichtigsten Worte miteinander gewechselt. Zudem waren ihre Blicke sich kaum begegnet. Fürderhin wagte keiner von beiden auf eine Änderung dessen zu hoffen.
Auch jetzt nahm er wortlos das zerteilte Holz und schichtete es auf seinen Armen.
"Wir werden jagen müssen", sagte Hermine und verzog für einen Augenblick das Gesicht.
"Überlasst das nur mir", erwiderte er und wandte sich ab, um das Holz ins Innere der Kate zu tragen. "Ich kann dies auch übernehmen", erwiderte sie und augenblicklich erkannte sie, dass sie ihn mit ihren Worten nur hatte aufhalten wollen, da sie seine Nähe inzwischen kaum noch entbehren wollte. Und wahrlich, er hielt inne und wandte sich zu ihr um. Seine Augen trafen auf die ihren und seit Tagen gewährte sie sich selbst, endlich darin zu versinken. Seine Stimme jedoch ließ sie unsanft in die Wirklichkeit zurückkehren.
"Das Töten ist mein Metier. Ich habe gelernt, auf mannigfaltige Art das Leben zu nehmen...egal ob Tier oder Mensch. Ihr seht also, es ist nicht nötig, dass Ihr Euch zum Mörder einer unschuldigen Kreatur macht."
Als er nun fortging - zurück in ihre bescheidene Behausung zwar nur, doch fort von ihr - war es umso ärger für sie, ihn entbehren zu müssen, denn wo tröstende Arme ihn umfassen müssten, da schenkte sie ihm nur Nichtbeachtung seiner verletzten Seele. Und doch hätte er tröstende Arme von sich gestoßen, dessen war sie gewiss. Seit sie ihn abgewiesen hatte, hatte er sich ihr auf nicht mehr als drei Schritt genähert.
Hermine seufzte und wischte sich eilends eine Träne aus dem Augenwinkel. Nur ein paar Tage noch, und ihr Plan war so weit gediehen, dass sie ihm davon erzählen konnte. Sie wollte erst alles beisammen habe, was sie benötigen würden, bevor sie ihm Hoffnungen machte. Wollte er diese Hoffnungen überhaupt?
Nie war sie ihm so nah gewesen, und doch war er ihr so fremd. Sein Geständnis hatte sie weit tiefer berührt, als sie es offenbart hatte. Immer noch verwendete sie geraume Zeit darauf, ihre Gedanken um diesen Mann kreisen zu lassen, der sein Innerstes vor ihr ausgebreitet hatte, und scheinbar nun die Hoffnung in sich trug, dass durch diesen Umstand nichts in ihm zurückblieb, um das es schade wäre, wenn er dem Tod endgültig ins Aug blicken musste.
Stets wenn sie seine scheinbar harten Augen sah, hinter denen der Kummer beinahe so heiß loderte, wie die Lust, die er so tapfer zurückhielt, spürte sie das unbändige Verlangen, sein Antlitz in beide Hände zu nehmen, und jede Stelle mit einem Kuss zu versehen. Sie war sich der Blicke bewusst, mit denen er ihren Körper erforschte, und den er eilends senkte, wenn sie sich zu ihm umwandte. Zu ihrem Erstaunen schien der Anblick ihres Gesäßes ihn schier um den Verstand zu bringen, und so war es alles andere als ein eigenwilliger Zufall, dass sie ihm dieses Vergnügen bot, wann immer sich dazu Gelegenheit bot. Sie wusste nicht, was geschah, wenn sie es zu weit trieb..doch ihre harschen Worte hatten ihn so weit von ihr geschoben, dass es müßig war, sich insgeheim zu fragen, ob er einen erneuten Vorstoß wagen würde.
Er genoss im Stillen und sie war sich gewiss, dass er nachts im Traume unruhig ihren Namen rief. Er hatte es die vergangenen Nächte getan und sie fragte sich mit klopfendem Herzen, ob es wohl ebenso bereits geschehen war, bevor sie so viel Zeit miteinander verbracht hatten. Doch ihn danach zu befragen wäre vergebens gewesen, denn offensichtlich erinnerte er sich auch jetzt nicht an sein Rufen, wenn er des Morgens erwachte.
Und so hatten sie in der Früh beisammen gesessen, jeder eine Tasse des wohlriechenden Kaffees fest umklammert, und scheinbar lediglich den eigenen Gedanken nachhängend. Und doch dachte sie an ihn - und er an sie.
Als das Feuer am selbigen Abend im Kamin loderte und das Knacken der hölzernen Scheite das einzige Geräusch in dem kleinen Raume war, in dem sie beisammen saßen und ihren eigenen Atem stets sorgsam still entweichen ließen, damit er dem anderen keinen Aufschluss über die innersten Regungen ihrer jeweiligen Körper gebe, da brach Snape schließlich die Stille, als sei es ihm nicht länger möglich, zu schweigen.
"Es ist nicht Rechtens, dass ich hier bei Euch verweile. Gleich bei Morgengrauen werde ich aufbrechen. Ich tue Euch dies lediglich kund, damit Ihr nicht befürchten müsst, man hätte mich verschleppt und Ihr müsstet um Euer eignes Leben bangen - drum sage ich es Euch, anstelle eines Briefes, der ebensogut eine Fälschung sein könnte."
Ein Funken stob aus dem Kamin und landete auf dem hölzernen Boden. Snape erhob sich rasch und zertrat mit dem Fuße die gefährliche Glut.
Als er Hermines Blick auffing, loderte er ebenso wie der helle Feuerschein, doch ihre Stimme klang wie kalte Asche.
"Dann wollt Ihr meine Hoffnung so rasch und nachhaltig zerstören, wie Ihr dieser Glut den Gar aus macht?"
"Sie werden mich niemals finden, das schwöre ich Euch. Ich werde Euch, und Menschen Eures Blutes, nicht verraten, indem ich mich dem Lord stelle. Ich werde fortgehen..."
"Wohin?"
"Das ist nicht von Belang."
"Das erwidert Ihr stets, wenn Ihr mir ausweichen möchtet. Sagt es mir, ich bitt Euch. Wohin gedenkt ihr zu gehen?"
"Kein Wort mehr!", begehrte er mit einem male ungewöhnlich laut auf, seit sie beisammen waren. In der Tat brachte es sie dazu, verschreckt zusammen zu zucken.
Als er begriff, was er angerichtet hatte, verließ er wuterfüllt die Kate, indem er mürrisch knurrte: "Begeht nicht die Torheit, mir zu folgen. Nicht jetzt...nicht morgen...niemals!"
Die alte Tür schlug ins Schloss, so gut eine windschiefe Tür es vermochte, und ihr Quietschen klang einmal mehr wie der Schrei eines verletzten Tieres.
Dann folgte Stille.
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Die Glut im Kamin verlosch schon, als er endlich zurückkehrte.
Die verräterische Tür kündete von seiner Wiederkehr, die gewiss nur von kurzer Dauer wäre, da der Sonnenaufgang bereits nahte.
Es gab nicht vieles, was er mitzunehmen gedachte, denn seine Reise würde schon rasch beendet sein. So schlich er durch den dunklen Raum und sah sich um, ob er ein wenig als Wegzehrung finden würde, darauf bedacht, dass es etwas sei, das Hermine ohne Problem entbehren konnte.
Er wägte gerade ab, ob er sich zum Diebe machte, wenn er eine der Flaschen mitnahm, in die man Wasser füllen konnte, ohne dass es je wieder ausging - was zweifellos einem Zauber zu verdanken war - als Hände seine Körpermitte wie aus dem Nichts umfassten.
Zum Kampf bereit, wandte er sich um und sah sich Hermine gegenüber, die ihn eilends wieder freigegeben hatte und sich nun duckte, um einem Angriff seinerseits zu entgehen.
Heftig atmend ließ er den rasch gezückten Zauberstab sinken und fuhr sie an: "Wollt Ihr so leichtfertig mit Eurem Leben spielen?"
"Wollt Ihr es mit dem Euren?", parierte sie just im selben Augenblick, da er zu ende gesprochen hatte.
Er schüttelte ärgerlich mit dem Kopfe, doch sie fuhr mutig fort: "Wenn der Lord Euch nicht zu fassen bekommen soll, so gibt es nur einen Weg für Euch, nicht wahr? Ihr wollt mir nicht sagen, wohin er Euch führt, und doch weiß ich es. Ich werdet diesen Weg nicht gehen, Ihr verdammter Tor!"
"Wagt es nicht! Haltet den Mund, bevor ich Euch dazu erziehe!"
"Ihr habt es all die Zeit über nicht geschafft, mich zum Schweigen zu bringen...warum glaubt Ihr, dass es Euch gerade heute gelingen wird?"
"Weil ich nichts zu verlieren habe, Ihr Närrin!", schrie er sie an.
"Nichts, außer meiner Achtung", "und die verliert Ihr, wenn Ihr Euch dem Tode überantwortet - kampflos und vorschnell", setzte sie dann rasch nach, verzweifelt, weil sie erkennen musste, dass ihr Plan nicht aufging.
"Ihr werdet sicher sein - das ist das Einzige was zählt. Kümmert Euch nicht um den Rest. Wenn ich fort bin, wird der letzte Teil der Seele mit mir gehen, und die Macht Voldemorts wird niemals zu einem Höhepunkt gelangen, wie er ihn herbeisehnt. Das ist alles, was Ihr wissen müsst. Und nun geht schlafen, der Morgen dämmert gerade erst heran."
"Es ist niemals zu früh, einen anderen Menschen zu retten", erwiderte Hermine fest.
"Ich bedarf Eurer Rettung nicht! Ihr seid ein halsstarriges Kind, das glaubt, wenn es die Augen schließt, ist es für den Rest der Welt verborgen. Glaubt Ihr etwa wirklich, dass wir uns hier noch lange verbergen können, ohne dass man die Spur zu uns aufnimmt?"
"Lange genug, um den Gegenschlag zu planen."
"Ihr wollt kämpfen? Seid Ihr von allen guten Geistern verlassen? Ich werde das nicht zulassen!"
"Ihr werdet mich davon nicht abhalten können. Und ich benötige Euch dazu...und deshalb werdet Ihr nicht gehen!"
Hermine war ihm gefolgt, als er auf die Tür zuschritt, und nun war es ihre Hand, die das windschiefe Holz energisch zudrückte, als er die Tür gerade öffnen wollte.
Gefährlich klang seine Stimme nun, obwohl sie nur ein Flüstern war.
"Macht mir den Weg frei, oder Ihr werdet es bereuen, törichtes Frauenzimmer!"
Ihre Antwort bestand aus einem einzigen Wort: "Nein!"
Er packte sie und wollte sie zur Seite schleudern, doch sie packte ebenfalls seinen Kragen und hielt sich wie eine Ertrinkende daran fest.
Für einen Moment entstand ein Kampfgetümmel, das jedoch von einer solchen Unausgewogenheit war, dass sie schon bald von ihm in eine Ecke gedrückt wurde, mit einer Macht, die ihr für einen Moment den Atem raubte.
Ebenfalls schwer atmend, ließ er von ihr ab und hastete zur Tür. Dort angekommen verharrte er nochmals, den besorgten Blick auf sie gerichtet, um wohl den Schaden in sein Gedächtnis zu brennen, den er der jungen Frau angetan hatte. Sie schmeckte Blut auf ihrer Lippe, war sich jedoch sicher, dass es daherrührte, weil sie sich auf selbige gebissen hatte, als er sie packte, um nicht zu schreien.
Er kam scheinbar zu dem Schluss, dass sie weitestgehend unverletzt sei und öffnete die Tür nun endlich, um hinauszustürzen. Im selben Augenblick traf ihn etwas wie ein Schlag und er vernahm das Wort Stupor von Hermine, bevor er kraftlos auf der Türschwelle niedersank.
tbc
Ursprünglich hatte das nur ein One-Shot werden sollen...wie ihr seht, ist mir das nicht so ganz gelungen...ich bräuchte dann auch noch ca. 2 Kapitel, um das Ganze zu Ende zu bringen...ist das okay für euch?
