Kapitel 4
- Aus Kampf gelernt -
Sie wollte gerade ins Auto steigen als sie spürte wie ihr jemand ans Bein griff. Erschreckt sprang sie ein Stück zur Seite. Panik erfasste sie. Erst als sie genauer hinsah, erkannte sie Chris. Er saß ans Auto gelehnt, die Schulter in einem unmöglichen Winkel, Blut im Gesicht.
"Oh mein Gott, Chris! Carson! Erste Hilfe Pack, jemand hat Chris erwischt." sie kniete sich zu ihrem alten Freund.
Carson reagierte sofort, griff ins Handschuhfach und gab ihr das verlangte. Umständlich suchte sie sich etwas Verbandsmaterial, drückte es auf die Kopfwunde. Pure Angst machte sich in ihr breit. So viele Jahre war Chris ein Freund gewesen, hatte soviel Höhen und Tiefen mit ihm mitgemacht.
"Wer war das Chris?" sie tastete über seine Schulter.
Er stöhnte vor Schmerz auf. Ausgekugelt, da war sie sich sicher.
"Keine Ahnung. Drei Kleiderschränke. Sie meinten nur ich soll dich grüßen und du sollst es lassen sonst würden es Leute bereuen." er sah sie an.
"Der gehört in die Notaufnahme, nirgends anders hin. Halt mal kurz die Luft an.",
Carson packte ihn am unverletzten Arm, half ihm sich ins Auto zu setzen,
"Bleib bei Lora. Ich kümmere mich um Chris und hol dich dann."
Sie wollte etwas sagen, doch er reagierte nicht. Sie sah die grimmige Entschlossenheit in seinem Blick. Da konnte sie soviel reden wie sie wollte, er würde eh nicht auf sie hören.
"Sei vorsichtig, ja?" Sorge blieb in ihr.
"Vertrau mir Süße. Bleib bei Lora, ich hole dich." er stieg ein.
Stunden verstrichen und er tauchte nicht wieder auf. Lora brachte sie dann doch am frühen Morgen nach Hause.
"Melde dich wenn du von ihm ... wen haben wir denn da? Bisschen spät, was?" Lora funkelte Carson böse an als er zu ihnen kam.
Reichlich genervt lehnte sie sich an ihr Auto, die Arme vor der Brust verschränkt. Mia kannte diese Geste nur zu gut. Wenn man ihr jetzt widersprach, dann zog man unweigerlich den kürzeren. Lora mochte wie eine harmlose ältere Dame wirken, aber sie leitete seit vielen Jahren ein erfolgreiches Söldnerunternehmen, das mehr als skrupellos agierte wenn man sie ließ und der Preis stimmte.
"Bist du okay Mia? Chris hat ne ausgekugelte Schulter und 2 Schusswunden in der Brust. Keine Angst, er wird wieder. Aber du kennst ja das Spielchen wenn jemand mit Schusswunden in ner Notaufnahme auftaucht. Ich durfte mir ne Ausrede ausdenken um die Bullen ruhig zu stellen." knurrte er gereizt.
Sie wollte die beiden Streithähne nicht weiter provozieren. Das hatte keinen Wert.
"Ist gut Lora. Ich komme klar. Lass uns reingehen Carson." sie legte den Arm sanft um ihn, spürte sein Zittern.
Carson kannte Lora genau so gut wie sie. Sie und Emile waren starke Konkurrenten und er war mit ihr schon einmal einander geraten. Es war recht blutig ausgegangen.
Sie schlief an ihn geschmiegt, hielt ihn in ihren Armen. Sie war mehr als müde gewesen als sie wieder zurück waren. Das hatte er ihr deutlich angesehen. An Schlaf war für ihn nicht zu denken. Zuviel geisterte ihm im Kopf herum. Er sah sie an, ging ihr durchs Haar. Im Schlaf huschte ihr ein Lächeln über die Lippen. Wieder sah er auf die Uhr. Es war 10 Uhr. Er gab es auf Schlafen zu können und löste sich vorsichtig von ihr, wollte sie nicht wecken. Unwillig murmelte, sie etwas, drehte sich um und schlief weiter. Lächelnd deckte er wieder zu. Er stand auf, zog sich an und ging in die Küche. Von hier hatte man einen wunderbaren Blick über die Stadt vom Balkon, der liebevoll dekoriert war. Grünpflanzen, ein Tisch mit 2 Stühlen und eine Sonnenliege. Er setzte sich auf einen der Stühle, die hier standen. Ein kühler Wind kam auf. Sein ganzes bisheriges Leben hatte sie auf den Kopf gestellt. Er war bereit neu mit ihr anzufangen, irgendwo, weit weg von all dem. Aber gleichzeitig hatte er Zweifel das er das war, was sie verdient hatte. Das sie sich mit ihm abgab grenzte schon an ein Wunder. Sie kannte ihn und seine Vergangenheit, wusste was er getan hatte. Sie hatte jemand besseren als ihn verdient.
"Grübel nicht soviel." sie setzte sich zu ihm, stellte ihm eine Tasse Kaffee hin.
Wie lange hatte er hier so in Gedanken gesessen? Er sah auf die Uhr. Seit einer Stunde. War ihm gar nicht so lange vor gekommen. Sie trug eine Trainingshose und ein einfaches T-Shirt. Der Wind zerzauste ihr das offene Haar.
"Du hättest was besseres als mich verdient, weisst du das?" platzte ihm sein letzter Gedanke raus.
"Ich will aber dich. Wir sind beide nicht perfekt, aber ... ich liebe dich und das zählt." sie stellte die Tasse zur Seite, nahm seine Hand.
"Ich hab ja schon einiges durch was Frauen angeht. Von Durchgeknallt bis zur Stalkerin, aber jemanden wie dich hab ich hatte ich noch nie an meiner Seite." er lächelte.
Sie sagte nichts, küsste ihn nur und setzte sich dann mit ihrem Kaffee auf die Liege und ließ den Blick über New Yorks Skyline schweifen. Stumm sah er sie an. Ähnlichkeit mit Emile hat sie gar nicht. Weder vom Aussehen noch vom Charakter. Er dachte an sein Gespräch mit Sam vom Abend. Sie hatte alles aufgeben müssen als man erfahren hatte wer ihr Vater war. Eine CIA Agentin mit einem Terroristen als Vater, was für ein Widerspruch. Sein Vater war ein Trinker gewesen, ein Schläger unter dem er und seine Mutter mehr als gelitten hatten. Vielleicht war er deshalb zuerst zur Army gegangen um dann doch als Söldner zu enden. Um von dem allen weg zu kommen nach dem sein Vater in den Knast kam als er seine Mutter tot geprügelt hatte. Als er wieder raus kam, da hatte er gewartet. Ein Auftrag in der Nähe seiner Heimat. Niemand hatte einen weiteren Toten als verdächtig erachtet...
"Carson? Alles in Ordnung? Du zitterst ohne Ende." riss sie ihn erneut aus seinen Gedanken, kam zu ihm, setzte sich auf seinen Schoß.
"Ja, alles in Ordnung. Unangenehme Erinnerungen." er nahm sie in seine Arme.
"Spielen da deine Narben eine Rolle? Ich habe einige bemerkt. Entschuldige wenn ich so direkt frage. Ich will dir nicht zu nah treten." sie lehnte sich an ihn.
"Du kannst mir gar nicht zu nah treten. Dir würde ich alles erzählen wenn du die richtigen Fragen stellst." begann er.
Es war das erste Mal das er über seine Kindheit sprach, über das war er erlebt hatte, wie er überlebt hatte. Er war nicht stolz darauf, er war nur froh es endlich jemandem erzählen zu können. Sie blieb ruhig auf seinem Schoß sitzen, hörte ihm zu, unterbrach ihn nicht.
"Ich weiss, keine gute Ausrede." beendete er seine Erzählung.
"Dein Leben Carson, ist keine Ausrede." lächelte sie, küsste ihn zärtlich.
Er drückte sie sanft an sich, spürte ihre Wärme, hörte ihren ruhigen Herzschlag. Am liebsten hätte er sie ewig so in den Armen gehalten. Ihr Telefon klingelte.
"Lass mich kurz hoch, ich muss dran gehen. Ich erwarte einen Anruf von einem Lieferanten." sie wand sich aus seinen Armen und ging hinein.
Wieder einen Moment allein mit seinen Gedanken. Er hörte wie sie ans Telefon ging, kurze schnelle Sätze. Dann legte sie scheinbar auf. Stille. Er hörte leise Schluchzer. Sein Herz schlug heftig. Er drehte sich um, sah zu ihr. Sie stand in der Küche, starrte mit Tränen in den Augen das Telefon an.
„Mia?" er blieb sitzen, wusste nicht so recht wie er reagieren sollte.
„Chris ist tot. Er hat es nicht geschafft. Er hat innere Blutungen bekommen. Sie haben es zu spät bemerkt, konnten nichts mehr tun." blass sah sie ihn an.
Er sagte nichts, stand auf, ging zu ihr. Sanft nahm er ihr das Telefon aus der Hand, legte es auf den Tisch und zog sie in seine Arme. Mehr konnte er jetzt nicht für sie tun. Vertrauensvoll schmiegte sie sich an ihn, suchte seinen Nähe, seinen Trost. Er hielt sie einfach. Manchmal war es besser zu schweigen und einfach da zu sein.
Sie konnte nicht länger ihre Kneipe geschlossen lassen. Ihre Einnahmen würden sonst zu sehr einbrechen. Und sie musste so weiter machen wie bisher, wenn sie Sam helfen wollte. Auch Carson machte weiter wie bisher. Als er wieder zur JBA fuhr machte sie sich Sorgen, aber ihnen blieb keine andere Wahl. Emile würde denken, das er mit Sam zusammen auf einem Auftrag gewesen war, dafür hatte letzterer gesorgt. Zumindest hatte Sam ihr das versprochen als er am Abend bei ihr gewesen war. Seufzend schob sie ihre düsteren Gedanken zur Seite. Sie musste arbeiten, hatte keine Zeit für solche Dinge.
„Wieder fleißig wie ein Bienchen, was meine Kleine?" Lora kam in ihre Kneipe, die um diese Uhrzeit noch recht leer war.
Mario saß mit ein paar seiner Leute an einem Tisch, spielte Karten. Ein paar Söldner aus Loras Unternehmen waren auch da, verhandelten scheinbar mit ein paar Auftraggebern.
„Du kennst mich doch Lora. Ohne Moos nichts los." lachend legte sie das Geschirrtuch zur Seite, umarmte ihre Ziehmutter.
„Ich hab für dich telefoniert. Andre und Harun sind auch mit dabei wenn du Hilfe brauchst. Ein Wort Mädchen, und wir machen das für dich." sie setzte sich, legte die Handtasche auf den Thresen.
Andre,... Loras ehemaliger Verlobter, Franzose. Ein großes Tier im Waffenhandel in Chicago. Mit dem Mann war nicht zu spaßen. Harun, der Killer mit den eiskalten blauen Augen... Mörder, Auftragskiller, Säuberung, egal was man wollte, er hatte die Mittel um das sauber über die Bühne zu bringen. Andre wie auch Harun kannten Mia, waren mit ihr befreundet gewesen. Seit Jahren hatte sie nichts mehr von ihnen gehört, sah nur hin und wieder einen von ihren Leuten in ihrer Kneipe.
„Du fährst ja die ganz schweren Geschütze auf. Die Beiden löschen einen Landstrich aus wenn ich nur pieps sage." lachte sie kopfschüttelnd.
„Das ist Emile. Und mit Emile spaße ich nicht. Der macht dich fertig bevor du bis 2 zählst, wen du mal soweit kommst. Wie siehts eigentlich mit deinen Schießkünsten aus? Noch gut oder biste schon gut eingerostet?" sie griff in ihre Handtasche, legte eine 9mm Baretta auf den Thresen.
Mia packte die Waffe, entsicherte sie, entnahm geübt das Magazin, schaute auf den Ladestand, rammte es wieder hinein, lud durch und legte auf Loras Schädel an. Die wehrte ihren gespielten Angriff nicht ab, wusste genau, das Mia ihr niemals etwas tun würde.
„Bamm. Noch Fragen?" sie sicherte die Waffe, ließ sie am Finger baumeln und wollte sie Lora zurück geben.
„Behalt sie. Ich schenke sie dir meine Kleine. So, und nun hätte ich gerne einen Whiskey on the Rocks." sie stand auf und ging zu Mario.
Mia nahm die Waffe, sah sie an. Ein wunderschönes Stück, gepflegt. Sie kramte in der Schublade unter der Kasse, nahm das alte Holster und machte es an ihren Gürtel, weit im Rücken. Das Magazin war voll, das hatte sie gesehen. Wie lange hatte sie keine Waffe mehr gehabt? Jahre. Lora wollte das sie sicher war, machte sich Sorgen, das hatte sie deutlich bemerkt. Mia spielte mit dem Feuer, und wenn sie nicht aufpasste war es auch für die das letzte Mal. Sie steckte die Waffe ein und arbeitete weiter.
Moss war nicht wohl als er die JBA wieder betrat. Sam hatte zwar alles getan um die Zeit zu erklären die er nicht da war, aber wer wusste schon ob Emile irgendetwas vermutete oder gar wusste. Die Vorhalle war ruhig, kaum jemand zu sehen und wer ihn sah reagierte wie immer. Wenigstens etwas. Er ging in die Sicherheitszentrale.
„Kommst du auch mal wieder? Dachte schon dich hat es zerlegt." Jason stand auf.
Scheinbar hatte er seinen Job übernommen solange er weg gewesen war.
„Entweder man macht's ordentlich oder lässt es bleiben. Hau ab. Bist von meinem Job erlöst." knurrte er.
„Will ich gar nicht haben. Viel zu stressig. Berichte sind fertig und raus an Emile. Wenn er mir den Kopf abreißen will weiss er wo er mich findet. Und Moss,... gut das du wieder da bist." Jason ging.
Moss schluckte schwer. Bisher hatte keiner seiner Leute gesagt das es gut war, das er zurück war. Das letzte Mal als er auf einer von Emiles Missionen war, hatte er es fast nicht überlebt. Da ging eher ein, schade das er nicht verreckt ist, um. Was war diesmal anders? Er setzte sich vor seinen Computer, startete die Überwachung auf seinen LogIn- Namen.
„Das nächste Mal sag selbst Bescheid wenn du mit Sam mit gehst." Emiles Stimme hinter ihm ließ ihn zusammen fahren.
„Verdammt, erschreck mich nicht so." seufzte er, überspielte seinen Schreck.
„Ihr wart zumindest erfolgreich. Mia?" die Schärfe bei der Frage ließ sich nicht überhören.
„Was soll mit ihr sein? Ich lass sie in Ruhe, wie du wolltest." er wich Emiles Blick aus.
„Denk an meine Worte Moss." Emile verließ die Sicherheitszentrale.
Er wartete bis sein Chef aus Hörweite war.
„Du dämliches Arschloch. Wenn du aus dem Weg bist,..." knurrte er in sich hinein.
„Sag das nicht zu laut.",
Sam kam leise zu ihm,
„Mia macht ihre Bar wieder auf und du bist hier. Gut zu wissen."
Moss lehnte sich zurück. Es war gut zu wissen das jemand hier war, mit dem er offen sprechen konnte ohne Sorge haben zu müssen, das Mia in Gefahr geriet.
„Weiter machen wie bisher, wie du gesagt hast. Wir warten. Was brauchst du Sam?" er lachte leise.
Es war ihm klar. Wenn der Agent bei ihm auftauchte, dann brauchte er Hilfe.
„Zugang, untere Ebenen. Daten von Emiles Rechner. Kannst du was machen?" er gab ihm einen USB Stick.
„Gib mir ein paar Minuten. Ich gebe dir Zugang und …. scheiße... die Daten musst du dir selber besorgen. Emiles Rechner ist im Netzwerk gesperrt. Ich kümmere mich um Emile. Du hast 2 Stunden." er griff zu seinem Handy.
Er tat es nicht gern, aber irgendwie musste er Sam Zeit verschaffen. Und das Thema Mia noch einmal mit ihm durchkauen würde ihm diese Zeit verschaffen. Er stellte sich darauf ein wieder einstecken zu müssen, aber das war es wert.
Es war spät geworden, ihre Kunden waren mehr als froh das sie wieder geöffnet hatte. Hier war der Dreh- und Angelpunkt für so viele Geschäfte. Mario war der letzte der ging, aber nicht ohne ihr einen Blumenstrauß und ein großes Trinkgeld da zu lassen. Lächelnd roch sie an den pinken Rosen. Mario kannte sie eben gut, wusste wie er sie aufheitern konnte.
Es war 4 Uhr morgens als Moss zu ihr in die Kneipe kam. Glücklich ihn zu sehen, achtete sie auf nichts weiteres, schaute sich nicht um. Ein fataler Fehler.
„Carson!" sie kam zu ihm um die Theke herum, nahm ihn in ihre Arme.
„Wir sind nicht allein." flüsterte er ihr zu, erwiderte ihre Umarmung aber.
Erschreckt sah sie hinter ihn, bemerkte das Emile dabei war. Ihr Herz schlug wie wild, Panik machte sich in ihr breit.
„Emile, ..." begann sie, wollte sich von Carson lösen, doch er hielt sie weiter in seinen Armen.
„Dein Freund,...",
begann Emile und ging durch ihre Bar,
„er hat stundenlang auf mich eingeredet. Selbst als ich ihm die Waffe an den Schädel gehalten habe. Er war bereit sein Leben für dich zu opfern. Lieber wollte er sterben als ohne dich zu leben. Ich habe den Fehler gemacht deine Mutter zu verlassen und sie starb bevor ich sie um Verzeihung bitten konnte. Vielleicht war es ein Fehler alles von dir fern zu halten. Du bist meine Tochter und kein Kind mehr. Zeit dich los zu lassen. Ich steh euch nicht weiter im Weg. Tu ihr einfach nicht weh Moss. Ich schwöre dir, vergießt sie eine Träne wegen dir, dann bist du tot."
Mia konnte nicht glauben was sie da hörte. Einfach so? Emile ließ es einfach zu das ein Mann sie bekam? Wo war der Harken? Er tat nie etwas ohne Hintergrund.
„Emile, das tust du doch nicht umsonst. Was willst du?" sie schmiegte sich an Carsons vertrauten Körper, spürte das er zitterte.
Nicht nur sie hatte Sorge, ihm ging es nicht anders. Er verheimlichte ihr etwas. Da war sie sich sicher.
„Moss wird einen Auftrag noch für mich erledigen, dann lass ich ihn gehen. Die Sprenganschlag ist vorbereitet. Eure einzige Chance. Wenn ihr aus der Reihe tanzt, dann erledige ich euch beide. 2 Wochen, dann geht das alles über die Bühne. Keine Spielchen Mia." er ging.
Wie betäubt hörte sie das die Bartür sich schloss. Ein letzter Auftrag. Der Anschlag,... den Anschlag auf die New Yorker, auf Ellis Island. Seit Monaten wusste sie davon, hatte sich mehrfach mit Emile deshalb heftig gestritten.
„Warum?" ihr stiegen die Tränen in die Augen als sie Carsons Blick suchte.
Ihm ging es mit seiner „Lösung" alles andere als gut, das sah sie ihm deutlich an.
„Ich habe Sam Zeit verschafft, mehr als genug und... es hat sich ergeben. Wir haben 2 Wochen, 2 Wochen in denen wir uns nicht verstecken müssen. Ich beschaffe Sam alle Infos die er braucht. Mia, wir müssen mitspielen so lange es nötig ist. Du hast auch Verstärkung. Lora hat mich angerufen." er hielt sie an sich.
„Ellis Island Anschlag? Was machen wir wenn wir das durch ziehen müssen? Sam wird sein Angebot zurück nehmen. Die hast einen Haufen Morde, Folterungen, Entführungen und noch mehr auf dem Konto, das ich hier nicht erwähnen will. Mir tut das weh. Ziehst du das durch und Sam erwischt dich, dann bist du tot Carson. Tot! Er wird dich ausschalten." sie drückte ihn von sich, setzte sich auf einen der Barhocker hinter ihr.
Ihr drehte sich alles. Der Plan war so perfekt gewesen und jetzt... Trümmer, Zeitdruck und Angst.
„Ich weiss ich habe Fehler gemacht..." begann er.
„Du nennst das Fehler? Das Blut an deinen Händen nennst du Fehler? Du hast dein Leben versaut. Und jetzt wirfst du deine letzte Chance weg auf ein neues Leben." sie war so wütend.
Umsonst, alles umsonst. Sie wollte alles hinschmeißen. Was hatte er da getan?
„Mia! Es reicht. Ich tue das für dich. Ich will bei dir sein ohne fünfmal nachschauen zu müssen ob uns Emiles Schatten im Nacken hängen. Verdammt,... ich liebe dich. Mia, bitte... bitte..." er kam zu ihr, nahm sie wieder in seine Arme, küsste sie zärtlich.
„Carson..." sie liebte diesen Mann so sehr das es weh tat.
Sie gab auf, Tränen liefen ihr über die Wangen. Die Gefahr ihn für immer zu verlieren stand im Raum.
„Nicht weinen. Süße, bitte." lachte er leise, strich ihr die Tränen aus dem Gesicht.
„Sag noch einmal bitte und ich schreie." lachte sie.
Er schlief noch als sie wieder aufstand. Leise ging sie in die Küche, machte Frühstück. Die Ruhe war mehr als beruhigend. So konnte sie vergessen, verdrängen. Sie hatte Carsons Akte von Sam bekommen. Morde, Totschlag, Entführungen, schwere Folter und Körperverletzungen. Alles Anklagepunkte die ihr klar gewesen waren. Die Vergewaltigung die ihm vorgeworfen wurde, die machte ihr zu schaffen. Sie musste mit ihm darüber reden, wollte die Wahrheit. Sie traute ihm nicht zu, das er so etwas tuen würde. So oft wie sie mit ihm geschlafen hatte... Er war zärtlich und liebevoll gewesen. Keine Spur von Gewalt. Leise machte sie das Radio an, blätterte durch die Zeitung. Sie hörte wie er aufstand und ins Bad ging. Unfreiwillig musste sie lachen. Das hatte etwas so … normales.
„Was hast du?" etwas verwirrt kam er zu ihr.
„Das ist so … normal." lachte sie weiter.
„Ich geh duschen, wenn dir das nicht zu normal ist." neckte er sie.
„Kann ich erst mit dir reden?" fragte sie, nahm die Chance an.
Er sah auf die Akte auf dem Tisch, schien zu ahnen was sie wollte. Seufzend setzte er sich zu ihr.
„Was willst du wissen? Ich verheimliche dir nichts, da kannst du dir sicher sein." er legte die Hand auf ihre.
Es kostete sie unendliche Überwindung ihn danach zu fragen.
„Die Vergewaltigung. Was ist daran wahr?" sie sah ihn an.
„Das war während meiner Zeit bei den Marines. Wir waren in einer Bar. Da waren ein paar Mädels, die haben mit uns rum geflirtet.",
es fiel ihm schwer,
„Die Kleine war nett, aber... viel zu jung. Ich bin früher gegangen als die anderen. Alle waren betrunken. Ich will nicht bestreiten das sie vergewaltigt worden ist, aber nicht von mir. Vielleicht war ich der Einzige, an den sie sich im nüchternen Zustand erinnern konnte. Ich schwöre dir Mia, ich habe sie nicht angefasst. Du kennst mich. Es gibt nicht viel was mir schwer fällt, aber mich auf eine Frau einzulassen... Du hast es mir leicht gemacht."
Stille. Keiner sagte ein Wort. So viel Ehrlichkeit hatte sie nicht erwartet. Unruhig rutschte sie auf ihren Stuhl hin und her.
„Ich habe es nie leicht gehabt und später war ich selber schuld, hab es selber versaut. Als ich bei Emile angefangen habe und er mir von dir erzählte... ich habs ihm nicht geglaubt. Aber... als ich dich das erste Mal sah... Du bist das einzig wirklich Gute das mir jemals passiert ist und ich bereue nicht einen Tag mit dir." er strich sanft über ihren Handrücken.
„Carson..." sie konnte nicht glauben das er plötzlich wie ein offenes Buch für sie war.
„Ich will etwas ändern. Ich will irgendwo neu anfangen, mit dir. Ich will einmal etwas richtig machen. Nur ein einziges Mal. Ich werde Emiles Spielchen mitspielen solange es sein muss. Ich werde den Anschlag nicht durch ziehen. Egal was passiert. Aber... ich brauche dich, schaffe das nicht allein. Vertrau mir Mia." ein Flehen in seiner Stimme.
„Ich bin doch da du Idiot. Ich wäre nirgends lieber als an deiner Seite." sie lächelte verlegen.
So viel Liebe und Vertrauen in sie. Der letzte Fels in der Brandung für ihn.
„Bevor ich jetzt auch noch sentimental werde, gehe ich jetzt duschen. Ich liebe dich wirklich Süße." er gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange, ging dann ins Bad.
Sie blickte noch einmal auf die Akte. So viel Dunkelheit in seinem Leben. Eine zweite Chance,... eine Letzte... Sie nahm sie und legte sie in den Schrank. Wenn das alles verschwand... dann hatten sie es geschafft.
