Erebor 3022: Warhammers – Gefahr für Durins Sohn

Von summerald – übersetzt aus dem Englischen von jessie152


Disclaimer: ''Der Hobbit'' und ''Der Herr der Ringe'' als auch sämtliche Figuren darin sind Eigentum von Tolkien Estate und Wingnut Films. Diese Geschichten dienen ausschließlich der Unterhaltung und weder der Autor noch der Übersetzer profitieren in irgendeiner Weise davon oder erheben irgendwelche Ansprüche auf ''Der Hobbit'' oder ''Der Herr der Ringe''.


Kapitel 4

Skirfir, junger Leutnant der Prinzenwache, fuhr mit einem Schreck aus seinem Dämmerschlaf hoch. Um ihn herum war es beinahe völlig dunkel. Er verfluchte sich dafür, dass er eingenickt war. Er streckte die Hand nach Kíli aus und versicherte sich, dass der Prinz nahe bei ihm war und ruhte. Dann legte er sich wieder still neben ihn. Der Prinz hatte aufgehört zu zittern; er lag völlig reglos da.

Ob das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen war… Skirfir wusste es nicht.

Und dann bemerkte er, was ihn offensichtlich geweckt hatte.

Spinnen zischten gleich vor der Höhle, in der sie festsaßen. Es klang wie raue, knapp hervorgestoßene Warnrufe. Skirfirs Herz raste, als er vorsichtig aus der engen Öffnung der Höhle spähte. Der Mond stand noch hoch am Himmel und warf ein bleiches Licht auf die Welt draußen.

Da! Schatten. Lange, trippelnde Beine. Zwei gigantisch Spinnen… nein, vielleicht vier, oder gar fünf. Sie waren sehr agil, liefen aufgeregt vor und zurück. Erst nur zwei, dann eine dritte. Sie zogen sich zurück, dann rannte eine zur Seite.

Sie beobachten den Wald, erkannte er.

Er drehte sich zu seinem Prinz um. Es war gerade genug Licht, um zu erkennen, dass er mit weit aufgerissenen Augen zusammengekauert auf der Seite lag.

Mahal.

''Kíli?'' flüsterte er.

Keine Reaktion. Kíli starrte nur ins Leere.

''Mein Herr, seid ihr wach?'' Skirfir schüttelte ihn behutsam mit einer Hand, und versuchte, irgendeine Antwort zu erhalten.

''Feuer…'' murmelte Kíli.

Skirfir sah bestürzt nach draußen. Da waren Spinnen, ja. Doch er konnte keinen Rauch riechen. Nirgends sah er ein orange-rotes Glühen.

Er sah wieder Kíli an.

''Ich habe sie einst niedergestreckt…'' stammelte Kíli kaum hörbar.

Oh nein. Er hat Fieberträume, erkannte Skirfir. Ihm wurde flau im Magen.

"… in Angst… und Schrecken..." Kílis Stimme versagte.

Skirfir rieb Kíli den Arm und machte leise, beruhigende Geräusche. Die Worte seines Prinzen ergaben für ihn keinen Sinn. Doch wer konnte schon wissen, was für Alpträume die Söhne aus Durins Geschlecht heimsuchten!

Ein weiteres Kreischen einer Spinne, und dann Kriegsschreie. Skirfir fuhr ruckartig herum und lauschte angestrengt. Goblins! Kein Zweifel. Leises Heulen, Rufe, Pöbeleien und Aufforderungen zum Kampf… all das schallte vom Wald herüber. Skirfir sah sich in der kleinen Höhle um. Die drei Raben, die bei ihnen ausgeharrt und geschlafen hatten, waren hellwach und hatten die Köpfe gehoben. Einer erhob sich aus seiner Schlafposition, flog auf und schoss aus der Höhle. Die anderen beiden folgten lautlos.

Waffen. Was steht mir zur Verfügung? Skirfir hatte alle seine Pfeile verschossen und seinen Bogen benutzt, um die Beißzangen einer Spinne abzufangen. Der Bogen war weg.

Alles was er jetzt noch hatte, war sein langes Messer, zwei Wurfpfeile… und Kílis Schwert.

Es grenzte an ein Sakrileg, auch nur darüber nachzudenken, es zu benutzen. Doch der Prinz war in keinster Weise in der Verfassung, es selbst zu führen. Kílis eigene Worte hallten in Skirfirs Erinnerung wider. Jungs, wenn die Chancen mehr als schlecht stehen, benutzt alles, was ihr in die Finger kriegen könnt…Skirfir war auch nicht annähernd der Schwertmeister, der Kíli war.

Doch er beherrschte die Grundlagen des Schwungholens und Zustechens: Axt oder Schwert — ganz egal.

Skirfir rappelte sich hoch, hob das Schwert auf und wog es in der Hand. Er schwang es sogar in ein paar schnellen Drehungen, um ein Gefühl für die Balance zu gewinnen.

Obwohl, er hatte das noch nie in einem richtigen Kampf probiert. Nur ein Schwertmeister konnte so etwas in einer Schlacht ausführen — es war eine Frage von Schwung, Schnelligkeit und Erfahrung.

Ein Schwert-Neuling wie er würde das Ding wahrscheinlich einfach fallen lassen.

Doch er fühlte ganz genau, warum der Prinz diese Waffe bevorzugte und immer an ihr festgehalten hatte. Zweischneidig, breite Spitze; es hatte ein Gewicht und eine Balance, wie Skirfir sie noch bei keiner anderen Klinge je zuvor bemerkt hatte.

Mein Onkel hat es geschmiedet, hatte Kíli mal erzählt. Thorin verstand sich auf die Kunst des Schwertschmiedens wie kein anderer, den ich je getroffen habe.

Und plötzlich gaben die Spinnen Ruhe.

Skirfir sah auf.

Kaltes Grauen breitete sich in seinen Eingeweiden aus.

Goblins grölten draußen auf der Lichtung, und das erschreckend nahe!

Ehe sich Skirfir auch nur versah, schlitterten sie in die kleine Höhle hinab und eine Fontaine aus aufgewirbelter Erde traf ihn. In gebückter Angriffshaltung traten sie ihm entgegen und bedrohten ihn. Ein Schwung mit dem Schwert, ein Schwall von Goblinblut, und die Klinge flog ihm aus der Hand und landete irgendwo auf der Erde.

Blitzschnell griff er nach den Wurfpfeilen und schleuderte einen tief in den Hals eines Goblins, der andere bohrte sich in ein Schulterblatt.

Doch dann waren sie über ihm, pressten ihm die Arme fest an den Seiten und hoben ihn einfach hoch.

Kíli…! Einer von ihnen hatte den Prinzen gepackt.

Skirfir wurde herumgestoßen, erst nach links, dann nach rechts und schließlich an den Haaren aus der Höhle gezerrt. Mit einem Brüllen richtete er sich auf, zog sein Messer, stach zu und zwang den Goblin, der ihn gepackt hatte, ihn loszulassen und sich zurückzuziehen.

Skirfir schlug um sich und hieb auf seine Widersacher ein. Er traf noch mindestens fünf- oder sechsmal. Goblins kreischten und umringten ihn. Skirfir sah auf eine Wand aus auf ihn gerichteten Speerspitzen.

''Schluss damit, du stinkender, mickriger Zwerg!'' Die Stimme eines Goblins.

Skirfir fuhr herum.

''Oder der hier kriegt seine dreckige Kehle aufgeschlitzt.'' Ein verkrümmter Goblin hatte Kíli ebenfalls aus der Höhle gezerrt und hielt ihn fest, ein Messer gegen seine Kehle gepresst. Die widerliche Kreatur knirschte mit den Zähnen und grinste höhnisch.

Skirfir blieb keine Wahl. Er hob die Hände. Einer riss ihm sein langes Messer aus der Hand und warf es zur Seite.

Er wurde wieder bei den Armen gehalten, so dass er sich nicht rühren konnte.

''Bisschen besoffen, dieser hier, he?'' Die Goblins lachten über Kíli, der ganz klar unfähig war, alleine zu stehen.

''Das war das Werk des Verborgenen…'' Es gab eine Menge hämisches Glucksen und zustimmendes Nicken. Einer spuckte auf Kíli, und die widerliche Masse blieb an seinem Mantel kleben.

''Rühr' in nicht an!'' Skirfir trat dem Goblin, der ihn festhielt, mit Wucht auf den Fuß, warf sich nach vorne und bahnte sich mit den Schultern den Weg fort von seinem Widersacher. Er duckte sich unter einem weiteren weg, der ihn erneut packen wollte, und rannte zu Kíli. Er schleuderte den verkrümmten Goblin mit einem gewaltigen Schlag zur Seite und schützte seinen schwankenden Prinzen. Er brachte sie beide mit dem Rücken zu der steinernen Wand. Skirfir rang nach Atem. ''Hände weg von ihm!'' schrie er.

Wutentbrannt blickte er auf die Goblins und hob die Hände in einer abwehrenden Haltung.

Es waren leicht über hundert.

Die Lage war aussichtslos.

Skirfir sah, wie ein riesiger, fetter Goblin auf ihn zukam und sich vor im aufbaute. Er musste dem Kopf in den Nacken legen, um sein widerliches, zerfurchtes Gesicht zu sehen, seinen ekelhaften, bösartigen Blick…seinen Ellenbogen… seinen erhobenen Arm, bereit, eine Rückhand auszuteilen.

Und dann wurde alles schwarz.


Frau Nÿr, angehende Heilerin, hatte am Vortag erfahren, dass ihr Zukünftiger, Prinz Kíli, vermisst wurde. Riesige Spinnen waren auf den Westlichen Hängen des Berges gesichtet worden. Niemand wusste genau, was vorgefallen war.

Doch Nÿr wusste eines mit Sicherheit: Kíli war nicht zu Hause.

Weder war er zum Lager oder in den Berg zurückgekehrt noch hatte er ihr einen weiteren Raben geschickt. Doch wenn Kíli auch nur die geringste Möglichkeit gehabt hätte, dann hätte er ihr eine Nachricht zukommen lassen. Das konnte nur eines bedeuten: er war nicht in der Lage, eine Raben zu rufen. Ob er es absichtlich nicht tat, um seinen oder den Standort der Kadetten nicht zu verraten, oder ob Schlimmeres passiert war, keiner konnte es sagen.

Dass die beiden großen Warnungen, die er geschickt hatte, das schlimmste Code-Wort enthielten, das es gab, bereitete ihr Anlass zur Sorge.

Doch alleine in ihren Gemächern zu hocken, ausgehöhlt und wie betäubt von bösen Ahnungen, und dabei auf die riesigen Sturmtüren des Annex zu starren, die fest verschlossen waren… das brachte niemanden etwas. Sie hatte bereits viele Jahre, bevor sie ihren Zukünftigen, den Prinzen, getroffen hatte, begonnen, als Heilerin zu lernen. An den Pflichten, die damit verbunden waren, wollte sie jetzt festhalten.

Also begab sie sich noch vor Sonnenaufgang in die Krankenhalle, entsprechend gekleidet und bereit, sich mit den anderen Lehrlingen ins Feld zu begeben.

Bis der oberste Stabsarzt sie aus den Reihen holte und sie beiseite zog.

''Ich würde in den Kerker geworfen, wenn ich zuließe, dass Ihr auch nur einen Fuß vor den Berg setzt,'' knurrte er barsch. ''Eure Aufgabe ist hier. Und, um die Wahrheit zu sagen, Eure Fähigkeiten gehen über die bloße Suche und Triage * im Feld inzwischen weit hinaus.''

Nÿr konnte ihn nur entgeistert anstarren. ''Aber Meister Andri…''

''Ihr werdet Euch im Aufnahmelager auf der Westlichen Terrasse melden.'' Er führte sie zu einer Karte, die an der Wand angebracht war. ''Súna hat dort die Aufsicht. Ihr werdet ihre rechte Hand sein und erlernen, wie man das macht. Eure Aufgabe ist es, die Verletzten aufzunehmen so wie sie ankommen, Euch einen Überblick zu verschaffen und sie hier herauf bringen zu lassen. Einige der Verwundeten werden an Ort und Stelle behandelt werden müssen, und das werdet ihr machen. Versorgt sie soweit, dass sie hierher gebracht werden können. Wenn wir mit der Anzahl der Verletzten nicht mehr fertig werden sollten, weiten wir die Krankenstation in die Große Halle auf der fünften Ebene aus.''

Er deutete auf einen zweiten Lageplan, der zeigte, wo sich die Große Halle befand. Von dort verfolgte er auf dem Pergament den kürzesten Weg zur Westlichen Terrasse und klopfte dann mit dem Zeigefinger auf die Position des Aufnahmelagers. ''Das ist Euer Posten.'' Er zeigte ihr den weitläufigen Eingangsbereich gleich hinter den befestigten Türen. ''Zweite Triage, Behandlungsbereich, Leichenhalle.''

Sie blinzelte ungläubig, als sie auf Letztere blickte.

Der oberste Stabsarzt senkte die Stimme. ''In einer tatsächlichen Kampfsituation überleben viele den Weg zurück nicht. Ihr müsst sie dort behalten — wir werden hier nur Platz für die Lebenden haben.''


Prinz Fjalar, König Fílis ältester Sohn, Kadett und einer derjenigen, der mit den Raben sprechen konnte, meldete sich bei dem ehrwürdigen, alten Dori auf der Plattform, die für diese Aufgabe vorgesehen war, lange vor Sonnenaufgang zum Dienst. Er trug eine Art von hölzerner Falle unter dem Arm.

''Was in Mahals Namen hast Du denn da, Junge?'' fragte Dori. Penibel wie immer blickte er skeptisch auf die eigenartige Kiste und zog die Augenbrauen hoch.

''Eine Vogelkiste, mein Herr,'' antwortete Fjalar. ''Für den Fall, dass wir noch irgendwelche weiteren überanstrengte Raben bekommen. Ich habe letzte Nacht Herrn Balins Aufzeichnungen über den Umgang mir Raben gelesen. Wir haben vor einiger Zeit eine gebundene Ausgabe in seiner Bibliothek gefunden.''

Jetzt blickte Dori doch interessiert auf. Sein Neffe Náriss, der hinter ihm stand, ebenfalls.

Also fuhr Fjalar fort. ''Er erwähnt in seinen Aufzeichnungen verschlossene Kisten als Behandlung für völlig verausgabte Vögel. Das und ganz leicht mit Honig gesüßtes Wasser, in das er ein klein wenig Salz gemischt wird.'' Fjalar hielt ein Fläschchen hoch. Dann stellte er die Kiste an die innere Wand, unweit der Stelle, wo er am Vortag Huq gefunden hatte, völlig erschöpft und im Sterben liegend.

Er zeigte den anderen Zwergen die drei aufklappbaren Deckel der Kiste und das Nistmaterial, was er zur Polsterung in jedes Abteil hineingesteckt hatte. Außerdem die Luftlöcher, die er in die Seiten gebohrt hatte.

''Erschöpfter Vogel…rasch hier hineinsetzen und den Deckel schließen, damit er etwas Ruhe und Frieden findet,'' erklärte Fjalar.

Náriss lehnte sich vor, um die Kiste näher zu betrachten und nickte zustimmend.

''Und dann flößt man ihm etwas von dem gesalzenen Honigwasser ein…'' Fjalar zeigte das Kupferröhrchen, dass er sich von Nÿr geborgt hatte. ''Man tunkt das Röhrchen in das Wasser, hält das Ende mit dem Daumen zu und tröpfelt dem Raben etwas von der Flüssigkeit in den Schnabel.''

Dori nickte und klopfte ihm anerkennend auf den Rücken. ''Sehr gut. Gute Idee, mein Junge. Wenn das funktioniert, werde ich dich bitten, weitere Kisten für den Rabenberg und die anderen Ausgucke zu bauen. Aber du weißt ja sicher…'' er richtete seine alten Augen fest auf Fjalar. ''… dass wir immer ein paar von ihnen verlieren. So ist es nun mal in der Natur.''

Fjalar nickte. Doch im Gedenken an Huq fühlte er, dass er trotzdem irgendetwas tun musste.

''Dann rauf mit dir auf die Plattform,'' rief Dori, machte sich wieder an die Arbeit und winkte Fjalar und Náriss, ihm nach oben zu folgen. Der Himmel verwandelte sich vom nächtlichen Schwarz zum tiefen Indigo des sich ankündigenden Tages. Schon bald würden die Raben erwachen.

Und heute Morgen waren sie viel früher in der Luft, als gewöhnlich.

Die ersten drei Raben brachten Nachrichten, die ganz klar noch vom Vortag waren. Kadetten auf dem Marsch zurück zum Berg. Doch Fjalar wusste bereits, dass seine Kameraden während der Nacht eingetroffen waren. Weitere Gerüchte über Spinnen am Nordufer des Waldflusses, in der Nähe des Grünwaldes. Alle Botschaften wurden ordnungsgemäß notiert.

Als weitere Raben auftauchten, wurden sie nach Westen geschickt.

Und dann kam Corax.

Er rief wie wild und so laut er konnte, als er heran raste. Fjalar hob seinen Arm und sein gefiederter Freund klammerte sich so fest mit den Krallen hinein, dass es trotz des dicken Handschuhs weh tat.

''Dori!'' rief Fjalar erschrocken und betrachtete den Raben eingehend. ''Er hat Blut auf dem Gefieder!'' ''Erzähl' mir, was du weißt,'' drängte er. ''Guter Vogel, du bist der Beste,'' beruhigte er ihn.

Corax' Augen waren weit aufgerissen, Fjalar hatte ihn noch nie so aufgeregt gesehen.

''Goblins… Goblins und Spinnen,'' sprach der Rabe. ''Rabenprinz… Rabenprinz…''

''Was ist mit Rabenprinz?'' Fjalar sah Dori an, der einer Wache ein Zeichen gab. Die Wache nickte und eilte davon.

''Gooooblins in der Nacht, Spinnen halfen ihnen!'' Corax nickte aufgeregt mit dem Kopf. ''Felsspitzen… Felsspitzen… Steine mit Eidechsen.''

''Die Felsspitzen sind eine bekannte Felsformation, '' sagte Náriss. ''Etwas südlich von da, wo das Lager der Kadetten war. ''Wie viele Goblins, Corax?''

''Viele, viele, viele, viele… Rabenprinz.''

Und als Fjalar aufsah, stand sein Vater vor ihm, den Blick scharf auf den Raben gerichtet.

''Was hat Rabenprinz gemacht?'' verlangte der König in Befehlston zu wissen.

Corax duckte sich. ''Konnte nicht stehen, konnte nicht stehen… Fiebertraum.''

Der König sagte kein Wort.

''Was ist mit ihm passiert?'' fragte Fjalar.

Corax schauderte. ''Nicht gesehen. Viele Goblins. Warfen Steine. Töteten Aukuk.''

''Weibchen,'' sagte sein Vater. ''Aukuk ist eines der Rabenweibchen.''

''Wir haben uns versteckt, versteeeeckt!'' Corax schüttelte sich. ''Fliege zurück… jetzt.''

''Oh, Aule,'' hörten sie Doris Stimme. ''Mahal, Jungs…''

Fjalar und der König fuhren beide herum und sahen, wie sich Dori an die Brust griff und ohnmächtig nach hinten umsank, direkt in die Arme seines Neffen.


Fíli hatte dafür gesorgt, dass Dori in die Krankenhalle geschafft wurde, und hatte dann satteln lassen. Es dauerte bis zum Nachmittag, die Felsspitzen zu erreichen. Jetzt stieg er von seinem kleinen Rohan-Pferd, zog seine Schwerter und suchte die Lichtung am Fuße der Gesteinsformation nach Zeichen eines Kampfes ab.

Der Tag war sonnig und warm. Eine leichte Brise wehte von Süden. Er konnte den Gestank der Spinnen riechen, aber sonst rührte sich nichts.

Dass an diesem Ort etwas Schlimmes passiert war, war jedoch offensichtlich, auch wenn es jetzt schon Stunden her war. Die Wachen schwärmten aus und sicherten die Umgebung. Goblins wären bei Sonnenaufgang geflohen, um sich zu verbergen, sie vermieden generell die Tagesstunden, und das ganz besonders an so einem hellen, sonnigen Tag wie diesem.

Doch Fíli blieb höchst aufmerksam und suchte den Boden nach Fußabdrücken und Blutspuren ab. Er sah die Stellen, wo das Gras niedergedrückt war, und auch jene, wo es unberührt schien. Es gab keine Leichen.

''Hier drüben!''

Fíli überquerte mit raschen Schritten die Lichtung und ging zu dreien seine Hauptleute. Einer hatte Kílis Schwert gefunden, allerdings ohne Scheide. Fíli nahm das zur Kenntnis, ging aber weiter.

''Sie ist verwundet, aber nicht tot,'' die drei zeigten in eine große Höhle. ''Eine Spinne.''

Drinnen konnte Fíli jede Menge Spinnweben erkennen. Einige waren wahllos verteilt, andere bildeten dicke Klumpen. Er kannte diese Arte von Gespinst.

''Viel davon ist zerschnitten worden,'' stellte er fest und blickte nach oben. Er zeigte auf eine dicke Masse von Spinnweben am Boden, die wohl herabgefallen war. ''Und da steckt jemand drin.''

Die Wachen standen kampfbereit, Fíli steckte seine Schwerter weg und zog sein Jagdmesser. Er bückte sich, zerschnitt das Gespinst, und zum Vorschein kam ein junges Gesicht, grün und blau geschlagen.

''Skirfir!'' rief er, als er Kílis jungen Protegé erkannte. ''Er lebt!'' verkündete er erleichtert den Umstehenden. ''Aber man hat ihn übel zugerichtet.'' Fili zerschnitt die restlichen Spinnweben und säuberte das Gesicht des jungen Leutnants.

''Skirf, Junge,'' Fíli richtete ihn halb auf und versuchte, ihn zu wecken. Skirfir krümmte sich nur zusammen, schlang seine Arme um sich selbst und schloss die Augen.

Fílli erkannte diesen Ausdruck auf Skirfirs jungem Gesicht ganz genau. Scham und Niederlage. Mahal, er hatte das auch schon durchgemacht.

''Wo ist er, mein Junge?'' Fíli übergab sein Messer zum Reinigen an eine der Wachen, dann legte er beide Arme um Skirfir, hob ihn an und drehte sein Gesicht in die frische Brise, damit er durchatmen konnte.

Schließlich sprach Skirfir und verzog dann das Gesicht. ''Wirwareneingekreist, dann…'' Seine Worte waren undeutlich, er lallte beinahe. Er konnte gerade mal leicht den Kopf schütteln. ''Kíli ist zu krank. Fieber. Er kann nicht kämpfen. ''Vergebt mir, ich…'' Der Junge sah völlig fertig aus, beschämt, als ob er in den Boden sinken wollte.

Fíli zog ihn behutsam an sich und umarmte ihn in gemeinsamer Verzweiflung. ''Mahal, Junge. Du warst hier ganz alleine. Das müssen hier über hundert Goblins gewesen sein.'' Er erkannte die Anzeichen, sie waren überall zu sehen. ''Aber hier ist kein Blut. Wenn ich richtig vermute, dann haben sie ihn irgendwo hin mitgenommen.'' Fíli dachte einen Moment darüber nach.

''Wir werden eine Nachricht erhalten… Forderungen. Sie werden irgendetwas wollen. Gold, Zugeständnisse. Was auch immer. Das spielt überhaupt keine Rolle. Was immer sie verlangen, ich werde es ihnen geben.'' Er drückte den Jungen fest an sich und fühlte im Stillen mit ihm. Schließlich wich die Anspannung aus Skirfirs hochgezogenen Schultern.

''Sehen wir zu, dass wir dich wieder auf die Beine kriegen,'' sagte Fíli zu ihm. ''Ich werde deine Hilfe brauchen, um Kíli zurück zu holen.''

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Kurze Erklärung:

* Triage: Für den Fall, das Wort ist Euch nicht bekannt: Unter Triage versteht man die Sichtung von Verletzten im Feld. Dabei werden sie nach Schwere ihrer Verletzungen sortiert, damit sich die Ärzte auf Jene konzentrieren können, die noch zu retten sind.


AN.: Lasst uns alle für Kíli die Daumen drücken, denn das sieht nicht gut aus. Ich hoffe ihr haltet es bis nächste Woche aus und die kleine Verspätung diese Woche hat nicht zu sehr an euren Nerven gezerrt. Ich hatte einen etwas aufregenden Tag.

Bis nächste Woche, Summer & Jessie.

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