Mir ist gerade aufgefallen das ich gar keinen disclaimer geschrieben habe...

Also: Mir nix, Rowling alles!

P.S. Mir ist aufgefallen, dass die Kapitel ziemlich kurz sind...aber ich habe echt ein Problem, die Geschichte irgendwie sinnvoll zu teilen, also bitte verzeiht mir.


Am Dienstag war die Beerdigung. Es war eine schöne Feier in kleinen Kreis. Trotzdem war Neville froh, als es endlich vorbei war. Genauso wie er froh gewesen war, als er nicht alleine mit ansehen musste, wie der Sarg in die kalte Erde hinabglitt. Severus war bei ihm gewesen, genauso wie Harry. Sie hatten kein Wort miteinander gesprochen, sich nicht einmal angesehen. Aber als beide sahen wie schlecht es ihm ging, hatten sie ihn ohne ein Wort in die Mitte genommen. Irgendwann hatte Severus ihm einen Arm um die Schultern gelegt und er war froh um den Trost gewesen, den der Mann ihm so bereitwillig gab. Das einzige Problem war nur, dass Harry bei dieser Geste wie zurückgeschlagen abgerückt war.

Er hatte es versucht sich nicht anmerken zu lassen, aber der starre Gesichtsausdruck sprach Bände. Es machte Neville noch trauriger, dass Harry einfach nicht akzeptieren konnte, dass Severus anders war, als sie immer geglaubt hatten.

Am Sonntag war er erst am Abend in den Gryffindorturm zurück gekehrt und hatte mit glänzenden Augen seinen beiden Freunden von seinem Tag erzählt. Hermine hatte sich gefreut und auch Harry hatte zugehört und gelächelt. Aber es war kein echtes Lächeln gewesen und seitdem war er mürrisch und schnappte selbst bei den kleinsten Gelegenheiten los. Neville wusste nicht so recht, ob es wirklich nur daran lag, dass Harry Snape nicht mochte. Denn er gab sich wirklich mühe sich für seinen Freund zu freuen, dass sah man deutlich.

„Willst du wirklich heute Nachmittag zum Unterricht?", fragte Harry als sie nach der Beerdigung wieder in Hogwarts beim Essen waren.

„McGonagall sagte es ist okey, wenn du erst morgen wieder kommst."

„Nein, ist wohl besser so. Dann hab ich ein wenig Ablenkung", schüttelte Neville den Kopf.

„Sie an, wer ist denn da aus seinem Schneckenhaus gekrochen?", kam eine höhnische Stimme hinter ihnen.

„Longbottom, die Heulsuse ist wieder auferstanden."

„Halt die Klappe, Malfoy", knurrte Harry und stand auf. Der blonde Junge stand mit seinen Kumpeln Crabbe und Goyle vor ihnen und grinste.

„Ach komm schon, Potter. Es geht hier um ne alte Frau. War doch klar, dass sie bald das zeitliche segnet. Wieso der Aufstand?"

Neville war leichenblass geworden und erhob sich jetzt ebenfalls.

„Aber naja, so ist das halt", fuhr Malfoy unbeirrt fort „hast du dir eigentlich schon mal Gedanken gemacht, warum alle um dich herum sterben, Longbottom?"

Das war sogar für Malfoy echt tief. Neville sah aus, als wolle er sich auf den blonden Jungen stürzen, aber urplötzlich sackte er in sich zusammen und rannte aus der Halle.

„Neville", rief Harry und wollte ihm hinterher.

„Ach lass ihn, Potter. Der ist es nicht wert!"

Harry schloss einmal kurz die Augen, schüttelte den Kopf und seufzte. Dann drehte er sich in einer schnellen Bewegung um und donnerte Malfoy seine Faust mit aller Kraft in das Frettchen Gesicht. Crabbe und Goyle waren viel zu langsam um zu reagieren, als ihr Chef nach hinten geworfen wurde und mitten auf dem Gryffindortisch landete. Ein paar Mädchen schrien um sie herum auf, während die Jungen grinsten und Harry anfeuerten. Der war Malfoy nach gesprungen und packte ihn jetzt vorn am Kragen.

„Du hast keine Ahnung wovon du redest, du verwöhntes Balg", zischte er ihm ins Ohr, sodass nur Malfoy ihn hören konnte.

„Es war vielleicht nur seine Großmutter, aber für ihn war es der einzige Mensch den er hat. Du weißt nicht was es heißt Jemanden zu verlieren, zu leiden und allein zu sein. Und weißt du was? Das wünsche ich nicht einmal dir!"

Malfoy sah ihn konfus an, doch das währte nur so lange, bis Harry die Faust hob und ihm noch einmal auf die Nase traf. Er spürte das Knacken unter seinen Finger und Blut spritze. Dann ließ er von ihm ab und stürzte in Richtung Tür.

„Potter", peitschte die Stimme seiner Hauslehrerin hinter ihm her. Sofort war es totenstill in der Halle, nur unterbrochen von dem jämmerlichen Wimmern, das von Malfoy ausging, der immer noch auf dem Tisch lag und sich die Nase hielt.

„Leider keine Zeit, Professor", rief Harry nur über die Schulter und war verschwunden. Er wusste, dass McGonagall jetzt wahrscheinlich Rauch aus den Ohren kam, doch das war ihm egal. Das zweite Mal in ein paar Tagen suchte er seinen Freund. Diesmal brauchte er jedoch nur um zwei Ecken biegen und sah Neville, der schneeweiß im Gesicht auf einer Treppe saß. Er setzte sich daneben.

„Malfoy ist ein Arsch, wehe du hörst auf ihn!"

Neville versuchte zu kichern, aber es gelang ihm nicht wirklich. Keiner der Beiden sah den Schatten, der Harry gefolgt war und jetzt hinter der Ecke stehen blieb.

„Komm schon, Nev, lass dich von dem Idioten nicht unterkriegen", versuchte Harry es weiter „er hat keine Ahnung wovon er redet."

„Aber er hat recht, oder?", sagte Neville leise und kratze mit dem Schuh über den Boden. „Alle um mich herum sterben oder es passiert... schlimmeres."

Harry sah ihn entgeistert an und schlug ihm dann einmal fest auf dem Arm.

„Aua", beschwerte sich Neville und sah ihn empört an. Harry wirkte ernster, als Neville ihn je erlebt hatte.

„Sag so etwas nie wieder, hörst du? Denn es stimmt nicht! Niemand kann etwas dafür, wenn so etwas geschieht. Am allerwenigsten du! Es ist nicht deine Schuld, Nev!"

Neville nickte langsam, sah aber immer noch traurig aus.

„Immerhin", fuhr Harry fort „hast du noch mich. Ich bin wie Unkraut, mich wirst du nicht los!"

Jetzt gluckste der Braunhaarige tatsächlich. Harry sah ihn von der Seite her an und seufzte dann.

„Und du hast Snape. Hast du jemals davon gehört, dass Vampire so schnell sterben?"

„Neville"

Der Schatten hatte sich aus der Ecke gelöst und vor ihnen stand Snape. Er hatte nur Augen für den größeren der beiden Jungen. Harry schluckte einmal und senkte den Blick.

„Mr Potter, deine Hauslehrerin sucht dich", sagte Snape tonlos und ohne ihn anzusehen.

„Hätte ich drauf wetten können", murmelte Harry. Er wandte sich noch einmal zu Neville.

„Okey?"

„Okey!", sagte Neville und sah dankbar zu ihm hoch. Harry nickte und stand auf. Als er gerade um die Ecke biegen wollte, sah er noch einmal zurück. Snape hatte sich neben Nev gesetzt und zog ihn jetzt zu sich heran. Noch nie hatte er seinen Lehrer so mitfühlend und geduldig erlebt, wie jetzt, als er Neville in den Armen hatte. Er blieb stehen und beobachtete sie eine Weile. Bis Snapes schwarze Augen sich plötzlich in seine bohrten. Als hätte er etwas Verbotenes beobachtete, machte er auf den Absatz kehrt und rannte den Weg zurück.

Am Eingang der großen Halle stand McGonagall mit dünnen Lippen und vor die Brust gekreuzten Armen. Als sie ihn sah hoben sich ihre Augenbrauen. Er seufzte und ging mit gesenktem Kopf zu ihr.

„Folge mir, Potter", sagte sie kalt und ohne darauf zu achten, ob er es tat, ging sie mit schnellen Schritten voran. Sobald sie die erste Treppe hoch waren, wusste er, dass sie nicht in ihr Büro gingen. Na toll, konnte der Tag noch ein wenig ätzender werden? Er hatte aufgehört zu zählen, wie häufig er schon in Dumbledores Büro zitiert worden war. Der Wasserspeier sprang wie gewohnt zur Seite und enthüllte die Treppe dahinter.

Am liebsten wäre er einfach umgedreht und hätte sich in sein Bett verkrochen. Das war einfach nicht fair. Malfoy fing die ganze Scheiße an, Neville knuddelte mit Snape und er hatte eine Sitzung mit dem idiotischen, alten Mann.

Besagter wusste scheinbar schon was passiert war, denn er stand mit hinter dem Rücken verschränkten Armen da und sah ihnen ernst entgegen. Immerhin war sein dämliches Funkeln verschwunden.

„Mr Potter", begrüßte er ihn und deutete auf einen Stuhl. Harry blieb vor dem Schreibtisch stehen und verschränkte die Arme ebenfalls vor der Brust. Dumbledore seufzte, beließ es aber dabei.

„Bereit zu erklären, wie es zu der Auseinandersetzung mit dem jungen Mr Malfoy kam?"

Harry zuckte mit den Achseln.

„Der junge Mr Malfoy war wie immer ein Arschloch. Er hat gekriegt, was er verdient hat."

„Potter", knurrte McGonagall neben ihm, doch Dumbledore warf ihr einen Blick zu und wandte sich jetzt völlig zu Harry.

„Und wieso hat er das verdient?", fragte er ruhig nach. Harry verdrehte die Augen.

„Hab ich gerade gesagt, weil er ein Arschloch ist. Hören Sie Schulleiter, wir beide wissen wie das hier endet. Können Sie mir nicht einfach mein Nachsitzen geben und dann ist gut?"

McGonagall schien kurz davor die Nerven zu verlieren. Dumbledore dagegen bekam nur einen traurigen Ausdruck in den Augen und schüttelte den Kopf.

„Nein, es ist nicht gut, mein Junge"

„Mein Junge am Arsch", brüllte Harry jetzt los. Er hatte das Gefühl, wenn er noch einen Moment länger hier stehen musste, würde er zerreißen.

„Harry", donnerte Dumbledore. Einen kurzen Moment war Harry wie zurück geschlagen. Es war das erste Mal, dass der Schulleiter in seiner Gegenwart die Stimme erhob.

„Schön! Dann lassen Sie es halt", schrie er ihn an und wollte aus der Tür stürmen. Sie verschloss sich, als er nur Zentimeter von ihr entfernt war. Wütend rüttelte er am Türknopf, doch da ließ sich nichts machen.

„Ehrlich Schulleiter?", wandte er sich um. Die beiden Lehrer sahen ihn nur stumm an. „Wollen Sie mich jetzt hier einschließen, bis ich meine Taten bereue, oder was? Ich bereue sie aber nicht! Malfoy ist ein Hurensohn, fertig. Also bestrafen Sie mich oder lassen Sie es bleiben."

„Sprache, Harry", tadelte Dumbledore. Dem reichte es jetzt. Was bildete dieser silberhaarige Dummkopf sich eigentlich ein? Wieder wandte er sich zur Tür, doch diesmal ließ er seiner Magie freie Bahn. Ein lauter Knall ertönte und in der massiven Holztür war nur noch ein schwarzes Loch. Als der Rauch sich legte, war Harry verschwunden.

„Das war mal ein Abgang", sagte Dumbledore und setzte sich hinter seinen Schreibtisch.

„Und jetzt?", fragte McGonagall scharf. „Das kannst du ihm nicht durchgehen lassen."

„Und was soll ich deiner Meinung nach tun, meine Liebe?", fragte er jetzt leicht gereizt. „Ihn übers Knie legen?"

„Ja, genau das!"

„Du weißt ja gar nicht, wie gern ich das tun würde. Leider ist mir das nicht möglich, solange mir seine Erziehungsberechtigten keine Erlaubnis geben."

„Als ob seine Tante das machen würde. So wie er sich hier aufführt, wird er dafür zu Hause noch gelobt", sagte McGonagall missbilligend. Sie hatte damals gewusst, dass nichts Gutes bei diesen Muggeln heraus kommen konnte. Sie hatten ihn genau zu dem verhätschelten Prinzen gemacht, den Dumbledore nie wollte.

„Jeder Andere Schüler wäre für den Stunt eben von der Schule geflogen", fuhr sie fort.

„Willst du, dass ich ihn raus schmeiße?", fragte Dumbledore leise. McGonagalls Gesicht fiel sofort.

„Nein, natürlich nicht."

„Gut. Dann gebe ihm zwei Wochen Nachsitzen, oder so etwas. Wenn alles nicht hilft, werde ich mit der Familie Dursley über ihn reden müssen."

McGonagall nickte und fing an die zerstörte Tür zu reparieren.

„Ist dir aufgefallen das er mich nur noch Schulleiter nennt?", fragte Dumbledore nach ein paar Minuten Schweigen. Sie stockte, bevor sie nickte.

„Ja und man könnte meinen, er sagt es als Beleidigung."

Dumbledore seufzte diesmal sehr schwer und wandte den Blick hinaus auf den Schlossgrund.

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„Du hast WAS gemacht?", fragte Hermine ungläubig. Neville war noch nicht zurück, wahrscheinlich verbrachte er mal wieder seine Zeit bei Snape. Harry wedelte ungeduldig mit der Hand durch die Luft.

„Hab ich dir doch gerade erzählt."

„Du hast Dumbledores Tür in die Luft gesprengt?"

„Ja"

Hermine starrte ihn an, als hätte er eine Spinne auf der Nase sitzen.

„Hey komm, zwei Wochen Nachsitzen bei Filch reichen mir, jetzt musst du mich nicht auch noch vorwurfsvoll angucken", beschwerte er sich ein bisschen beleidigt, dass sie sich verhielt wie eine Mini McGonagall. Hermines Augen blitzen gefährlich.

„Zwei Wochen Nachsitzen? Sie hätten dich raus schmeißen sollen!"

„Oh ja, vielen Dank auch", schnappte Harry jetzt zurück „Ich dachte wir wären Freunde. Aber anscheinend kannst du es nicht erwarten bis ich fliegen."

Hermine stand auf und stemmte die Hände in die Hüften.

„Oh keine Sorge, Harry Potter. Das schaffst du noch ganz allein!"

Damit stürmte sie weg von ihm. Harry spürte das alle Augen im Gemeinschaftsraum auf ihn gerichtet waren und ging in die andere Richtung davon. Wie gern hätte er Malfoy jetzt noch eine rein gehauen.

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Die stürmischen Herbstwinde hatten Hogwarts jetzt vollkommen erreicht. Trotzdem saß Harry draußen am See, an ihrem Lieblingsstein und starrte auf die aufgewühlte Wasseroberfläche. Selbst der Riesenkraken hatte sich in die Tiefe verzogen. Er zog die Knie etwas enger und schlang seine Arme darum. Sein Nachsitzen für den Ausraster im Schulleiterbüro war vorbei. Dafür hatte er direkt mehr dran gehangen bekommen, weil er zwei Klatscher im Pokalzimmer hatte losgelassen. Dabei war es nicht seine Schuld gewesen. Nun gut, das mit dem Klatscher schon, aber nicht das er dabei erwischt wurde.

Immerhin hatte er es allein durchziehen müssen. Seine Freunde, mit denen er durch Dick und dünn gegangen war, ließen ihm jetzt im Stich. Hermine meckerte nur noch unentwegt und Neville verbrachte immer mehr Zeit unten im Kerker bei der schleimigen Fledermaus. Die Sache mit dem Klatscher war schon vor langer Zeit geplant, aber als es so weit war, hatte Neville einen Rückzieher gemacht.

„Severus häutet mich, wenn wir erwischt werden", war sein einziger Kommentar gewesen.

„Und seit wann ist dir Severus wichtiger als ich?", hatte er nur zurück gebrüllt. Neville war davon etwas zurück geschlagen gewesen, war aber trotzdem verschwunden. Wenn er Wache gestanden hätte, wäre Flitwick nie auf die Idee gekommen in den Pokalraum zu gehen und ihn auf frischer Tat zu erwischen.

Wütend schlug Harry einmal in den kalten Boden neben sich. Er fühlte sich wie eine Bogensehne, die bei jeder kleinsten Berührung zersprang. Und jetzt saß er hier alleine, weil seine bescheuerten Verwandten ihm den Hogsmeade Wisch nicht unterschrieben hatten. Er wollte trotzdem gehen, aber Hermine hatte ihm nur gesagt, sie würde es sofort McGonagall erzählen, wenn er auftauchte. Das Mädchen war wirklich unglaublich. Aber das schlimmste war, dass Neville nur stumm dazu genickt hatte, bevor sie beide gegangen waren. Und das ausgerechnet heute, wo er unbedingt eine Ablenkung brauchte.

Von ihm unbemerkt, waren noch zwei Menschen bei diesem Hundewetter draußen. Severus und Minerva, dick eingepackt in ihren Mänteln, waren ebenfalls auf dem Weg nach Hogsmeade. Sie hatten zwar keine Aufsicht, aber die zwei alten Freunde beschlossen, dass ein Spaziergang ihnen beide gut tun würde.

„Wie läuft es mit Neville?", fragte Minerva, gerade als sie aus dem Schlossportal liefen. Ein Lächeln umspielte Severus Mundwinkel, dass das Herz der Verwandlungslehrerin vor Freude hüpfen ließ. Severus würde es nie zugeben, aber er hatte sich verändert, seit er den Jungen aufgenommen hatte. Er war zu ihr zwar nie so grantig, wie zu den Anderen, aber trotzdem war er viel offener geworden.

„Gut", antwortete er „aber das ist wohl nicht mein Verdienst. Er ist ein wunderbarer Junge, Minerva! Manchmal noch ein wenig zu sehr in sich selbst gekehrt, aber ich denke er kommt langsam aus sich raus."

„Probleme?", hackte Minerva grinsend nach. Sie wusste, dass Neville manchmal ein ganz schöner Satansbraten sein konnte.

„Nicht wirklich. Er hat eine ziemlich große Klappe, aber ich habe meine Methoden. Nein, Sorgen macht mir eher etwas anderes."

„Augustas Tod."

„Damit scheint er ganz gut zurecht zu kommen. Wir haben viel darüber geredet, aber... wusstest du, dass er seine Eltern immer nur einmal im Jahr gesehen hat? Immer zu Weihnachten."

Minerva zuckte mit den Schultern.

„Augusta wollte ihn wahrscheinlich nur beschützen. Ich stelle es mir nicht gerade toll vor, von seinen eigenen Eltern wie ein Fremder behandelt zu werden."

„Nein, wahrlich nicht. Aber Neville braucht das. Ich war am Wochenende mit ihm da."

Überrascht sah Minerva ihn an. Sie hatte nichts davon gewusst.

„Tut mir leid, dass ich dir nicht gesagt habe, dass ich einen deiner Löwen entführe, aber es hat sich spontan ergeben. Augusta versuchte wohl das Thema so weit weg von ihm wie möglich zu halten. Außer mit Mr Potter und Miss Granger hat er nie mit Jemanden über das Schicksal seiner Eltern geredet."

„Wo wir gerade bei Potter sind", seufzte Minerva und zeigte auf eine kleine Gestalt in Ufernähe. Severus kniff die Augen zusammen und tatsächlich saß da Potter im Schneidersitz und warf kleine Steine ins Wasser. Er wollte schon einen bösen Kommentar über den Jungen abgeben, als er dessen Gesicht sah. Potter war immer starrköpfig und arrogant, genauso wie sein Vater. Aber noch nie hatte er so verloren ausgesehen wie in diesem Moment, wo er sich unbeobachtet fühlte. Minerva ging in seine Richtung.

„Mr Potter", sagte sie seufzend. Severus hörte wie frustriert sie klang. Kein Wunder. Hinter keinem ihrer Löwen war sie so hinterher, allerdings verhielt sich auch keiner sonst wie ein Berserker. Potter zuckte zusammen und sprang auf.

„Wieso sind Sie nicht beim Nachsitzen?", fragte seine Hauslehrerin und machte sich wieder mal auf einen seiner Wutanfälle gefasst. Stattdessen blinzelte der Bengel einmal verwirrt, bevor er zum Schloss blickte.

„Oh Stimmt...Schuldigung, Professor."

Damit wandte er sich um und schlurfte in Richtung Eingangshalle. Minerva stand wie erstarrt da, bevor sie sich mit offenem Mund zu Severus umwandte.

„Hat er sich gerade entschuldigt?", fragte sie ungläubig. Severus Miene war undurchdringlich, als er dem Jungen hinterher sah.

„Minerva, welches Datum haben wir heute?"

„Halloween, also den 31. Oktober."

„Exakt."

„Oh", sagte sie und ihre Miene wurde etwas weicher. „Scheinbar ist Neville nicht der Einzige, der mit dem Schicksal seiner Eltern nicht zurecht kommt."

Severus nickte zustimmend und sie setzten ihren Weg runter ins Dorf fort. Allerdings konnte er nicht umhin sich zu fragen, ob Potter eigentlich irgendjemanden zum reden hatte.

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