Disclaimer: Siehe erstes Kapitel.
Danke für die Reviews! Ist das mit dem Auge verständlich für euch? Mir tut Lara sehr leid… auf sie kommt noch vieles zu… Naja, ihr werdet es ja sehen grins!
Viel Spaß mit dem neuen Chapter!
Euer
Laragirl
Chapter Four:
Lara erwachte mit einem schmerzendem Kopf und Nacken inmitten Fremder. Erst nach einer Minute nahm sie wahr, dass sie gefesselt war und sich unter etlichen schwarzbekleideten Kriegern befand, die alle in einem Mindestabstand von zwei Metern neben ihr saßen oder lagen. Mit einiger Anstrengung gelang es ihr sich aufzurichten und ihre Umgebung besser zu überblicken. Diese Gegend war ihr völlig unbekannt, das konnte sie sogar trotz der Dunkelheit erkennen. Die Männer rund um sie saßen in Gruppen um viele Lagerfeuer, die auf der weiten Ebene entzündet worden waren. Es wehte ein sanfter, eiskalter Wind und sie fröstelte leicht. Ein riesiger Mann stand plötzlich vor ihr und ließ ihre Umgebung noch finsterer werden. Er beugte sich zu ihr herunter, legte eine dicke Decke über sie und nahm neben ihr Platz. „Wie ich sehe sind sie wieder wach. Wie geht's ihnen, Miss Croft?" Sie musterte den Anführer der Krieger mit einem abschätzenden Blick und erwiderte: „Mir ist kalt, ich spüre meine Glieder nicht mehr weil ich wie ein Paket verschnürt bin und ich bin von Massenmördern umgeben, die nicht einmal den Grips einer Fliege haben."
„Ich weiß überhaupt nicht was sie haben. Ihnen scheint es doch ganz gut zu gehen. Immerhin ist ihr Mundwerk wieder ziemlich locker. Macht es ihnen eigentlich Spaß sich unbeliebt zu machen?"
„Die Gesellschaft spielt eine große Rolle dabei."
Er hob eine Augenbraue und meinte in bedrohlichem Ton: „Ich warne sie, Miss Croft. An ihrer Stelle würde ich nicht so unverschämt sein. Sie befinden sich nicht gerade in einer optimalen Lage um zynisch zu werden."
Lara lächelte bloß abfällig. „Das ist lediglich Ansichtssache. Manche würden denken, dass es die optimale Lage ist. Außerdem, wovor genau wollen sie mich denn warnen? Sie haben anscheinend mehr Angst vor mir, als ich vor ihnen."
In den Augen des Anführers blitzte es gefährlich. „Was genau meinen sie?"
„Nun ja, sehen sie, warum sonst sollten sich ihre Männer in einem Mindestabstand von zwei Metern um mich setzten?"
Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ach das. Bilden sie sich bloß nicht zuviel ein. Ich will nur keine weiteren Risiken eingehen. Dieses Mal entkommen sie mir nicht mehr, denn hier gibt es weit und breit keine Klippe von der sie springen können."
1:0 für den Großen.
„Dann kann ich ja beruhigt sein. Ich wäre schließlich untröstlich, wenn ein Kotzbrocken wie sie von seinem Herrchen geköpft werden würde." Der Anführer holte aus und versetzte ihr einen kräftigen Schlag ins Gesicht. „Ich habe sie gewarnt, Miss Croft. Ich habe keine Hemmungen Frauen wie sie zu schlagen, also reizen sie mich nicht zu sehr." Ärgerlich spuckte sie das Blut in ihrem Mund aus und meinte: „Da wir uns nun schon so gut kennen..." Sie machte einen Hüftschwung und schlug ihm mit ihren gefesselten Beinen in den Bauch.
1:1, Gleichstand.
„...wäre es nett ihren Namen zu erfahren um sie nicht mit einen meiner eigenen Namen rufen zu müssen."
Der Riese wischte ärgerlich den Staub, den ihre Füße auf seiner Kleidung hinterlassen hatten, weg und versetzte ihr mit der selben Bewegung einen weiteren Schlag ins Gesicht. „So. Schreiben sie sich das hinter die Ohren – mit mir legt man sich nicht an." Mit einer Kopfbewegung fügte er hinzu: „Commander Bradek. Offizier ersten Ranges. Ich wünsche ihnen noch eine angenehme Nacht, Miss Croft." Er erhob und entfernte sich.
Wütend spuckte sie ihm weiteres Blut hinterher und schrie ihm nach: „Es hat mich auch sehr gefreut. Unser Gespräch war wirklich sehr unterhaltsam!" Doch Commander Bradek reagierte überhaupt nicht und ging ungerührt weiter. Wütend auf ihn, ihre gesamte Situation und auf sich selbst ließ sie sich wieder auf den harten Boden zurückfallen und schlief entmutigt ein.
Laras Füße taten bereits ungemein weh. Der lange Fußmarsch dauerte nun schon den halben Tag. Für den Marsch hatte man ihre Fußfesseln abgenommen um schneller vorwärts zu kommen. Doch es gab trotzdem kein Entkommen, denn sie ging inmitten berittenen Krieger, mit Maschinengewehren in den Händen, die auf sie gerichtet waren und sie nicht eine Sekunde lang aus den Augen ließen. Die Pferde dazu zu bringen, zu scheuen wäre auch keine besonders gute Idee gewesen, denn sie Chancen tot getrampelt zu werden waren so hoch, dass sie sogar Kopfschmerzen bekam, wenn sie nur versuchte sich diese auszurechnen. Von Chase hatte sie noch immer nichts gesehen, doch sie war sich sicher, dass er auf einem der Wagen war, die die Krieger aus dem letzten Dorf durch das sie gekommen waren, geliehen hatten.
Ein weiterer Grund dass sie nicht einfach verschwinden konnte war Chase. Sie konnte ihn jetzt nicht mehr im Stich lassen. Er war der einzige Überlebende von ihren und den Freunden ihres Vaters. Tränen der Wut stiegen in ihr auf und sie konnte sie nicht alle zurückhalten. Sie senkte den Kopf, sodass niemand die Träne bemerkte, die ihr an der Wange hinunter rann. Wenn sie doch nur ihre Waffen hätte. Sie würde jetzt so gerne alle Krieger in ihrer Umgebung über den Haufen schießen. Doch es brachte nichts und es würde auch nichts bringen, denn Chase und sich selbst half sie damit bestimmt nicht. Wenn sie doch nur wüsste, warum sie noch am Leben war. Das Auge hatte sie doch zerstört. Was wollten diese Ungeheuer noch von ihr?
„Miss Croft, warum so betrübt? Es ist doch ein solch herrlicher Tag." Bradek hatte sich zurückfallen lassen und ritt nun neben ihr. Sie drehte ihren Kopf weg um zu vermeiden, dass er ihre Tränen sah, obwohl er es vermutlich sowieso schon gemerkt hatte. Mit einer verstohlen Bewegung wischte sie sich das letzte Nass aus ihrem Gesicht und strich sich mit der selben Bewegung die Haarsträhnen aus diesem. Mit gewohnt sarkastischem Ton erwiderte sie: „Warum sollte ich betrübt sein? Wie sie schon sagten, es ist doch ein solch herrlicher Tag. Meine Füße fallen mir bald ab, ich bin umgeben von faulen Idioten und die Sonne scheint noch nicht begriffen zu haben, dass sie wärmen sollte, selbst wenn es schon Spätherbst ist."
Mit einem eleganten Schwung, den sie dem Koloss gar nicht zugetraut hatte, schwang der Anführer sich aus dem Sattel und ging, sein Pferd führend, neben ihr her. „Wenn es nur das ist, was sie stört. Gegen das Wetter kann ich nichts unternehmen, ihre Bemerkungen überhöre ich mittlerweile und gehen kann ich sehr wohl, wie sie ja sehen."
„Respekt. Wo haben sie denn das gelernt? Diese faszinierende Technik müssen sie mir unbedingt beibringen. Ich fürchte mit meinen schmerzenden Füßen werde ich das nie schaffen."
„Es ist zwar wie immer nett ihren Spötteleien zuzuhören, doch ich hatte gehofft mit ihnen ein normales Gespräch führen zu können. Doch wenn sie dazu nicht im Stande sind..." Er schwang sich wieder auf sein Pferd und wollte ihm gerade die Sporen geben, als Lara ihn aufhielt. „Nein, bitte gehen sie nicht. Ich hätte da ein paar Fragen an sie."
„Die Tür ist zu. Vielleicht können sie mir beim Nachtlager ein paar Fragen stellen, doch jetzt entschuldigen sie mich." Er gab seinem Pferd die Sporen und ritt wieder zurück an die Spitze. Ihre Füße schmerzten immer mehr und die Druckstellen der Fesseln schien sie sogar jetzt noch zu spüren. Sie ließ sich einfach auf die Knie fallen, was ihr aber auch nichts brachte, denn ein Krieger, der hinter ihr ritt, zerrte sie wieder grob auf die Füße.
Was war das bloß für eine Welt?
Als sie endlich ihr Lager aufschlugen, war Lara viel zu müde und zu hungrig, als dass sie sich Fluchtpläne einfallen ließ. Die feuchtkalte Nacht war wieder über sie hereingebrochen und kein einziger Stern war zu sehen. Erschöpft konnte sie sich endlich auf die Knie sinken lassen und es sich auf einem Stück Erde so bequem machen wie es mit gefesseltem Oberkörper eben ging. In Gedanken stöhnend lehnte sie sich gegen eine Kiste, die hinter ihr stehen gelassen wurde. Sie beachtete das spitze, herausstehende Holz, das ihr in den Rücken stach, nicht und genoss die Pause für ihre schmerzenden Füße. Halbwegs entspannt schloss sie die Augen und ließ ihre Gedanken schweifen. In ihrer Nähe wurde ein Feuer entzündet und sie hörte wie ein Kessel mit Wasser gefüllt wurde. Trotz der trügerischen Stille roch sie die Anspannung förmlich. Vor ihren geschlossenen Augenliedern zogen Bilder aus ihrer Vergangenheit vorbei. Der Flugzeugabsturz über dem Himalajagebirge, ihre toten Eltern, ihr toter Verlobter, die in den Sitzen festgeschnallt waren. Das brennende Flugzeug. Die bitteren Stunden alleine, schwer verwundet, zwischen Leben und Tod schwebend, zwei Wochen übermenschlicher Anstrengung bis sie endlich Zuflucht in Tokakeriby gefunden hatte. Ihr erschüttertes Weltbild nach diesem Ereignis, die Abwendung der englischen High Society, die vielen Reisen und Abenteuer...
„Miss Croft. Was wollten sie fragen?" Überrumpelt öffnete sie die Augen. Ein Blick in die seinen verriet ihr, dass Bradek sie nicht schon zum ersten Mal ansprach.
„Ich..."
„Nun gut. Dann fange ich eben an. Wie geht es ihnen?"
Spöttisch sah sie dem Riesen in die Augen. „Ich denke nicht, dass sie das wissen wollen."
Völlig unbeeindruckt meinte er: „Sie sind genauso unkooperativ wie ihre verstorbenen Freunde." Sie atmete einmal kurz, aber heftig aus, holte dann mit den ungefesselten Füßen aus und versetzte ihrem Gegenüber einen sauberen Schlag in den Magen. Wütend sprang sie auf die Füße und vollführte, trotz der gefesselten Arme einen perfekten Dreh-Sprung-Kick. Sie stieß einen aufgebrachten Kampfschrei aus und wollte sich auf diesen schmierigen Macho stürzen, doch sie wurde von zwei heranstürmenden Muskelpaketen zurückgehalten.
In ihrer grenzenlosen Wut warf sie die beiden, wild um sich schlagend, um und machte einen erneuten Versuch den Anführer anzugreifen. Doch sie kam nicht mehr dazu, denn ein halbes Dutzend Krieger stürzte sich auf sie und drückten sie grob, mit dem Gesicht nach unten, zu Boden.
Noch immer aufgebracht versuchte sie etwas anderes als die taufeuchte Erde und den Schmutz, der auf dieser lag, einzuatmen. Als sie dachte, sie müsse ersticken, riss ein Krieger ihren Kopf brutal an den langen Haaren in die Höhe und schlug ihr ins Gesicht. Sie bäumte sich auf, doch schon wurde sie von drei Muskelpaketen erneut niedergedrückt und bekam von zweien die Füße gefesselt.
Wieder rang sie um Luft und wurde zum zweiten Mal, kurz bevor sie erstickte und ihre Fußfesseln festgezerrt waren, an den Haaren zurückgerissen. Auf einen Wink des selbstgefälligen ließen die Männer von ihr ab.
Prustend spuckte sie den Dreck aus, machte eine Rolle rückwärts und lehnte sich wieder gegen die Kiste. Die spitzen Holzstücke stachen ihr wieder in den Rücken, doch auch diesmal ignorierte sie es, denn sie war noch immer viel zu aufgebracht als Schmerz zu empfinden. Die folgende Reaktion auf ihre offensichtliche Beweglichkeit war, dass drei der Männer sofort wieder auf sie losgingen und ihre Fesseln noch enger zerrten und neue um den gesamten Oberkörper hinzufügten. Nach einer erneuten Ohrfeige wehrte sie sich nicht mehr und ließ alles über sich ergehen.
Als die treuen Schoßhündchen des Commanders (sie ist wirklich nicht sehr gut auf ihn zu sprechen...fg) von ihr abließen, warf sie sich mit einer Kopfbewegung die Strähne aus dem Gesicht und achtete nicht weiter auf den pochenden Schmerz in ihrem gesamten Körper, den ihre verdammt engen Fesseln verursachten.
Sie fühlte sich wie ein gut verschnürtes Paket. Ein gut abgeschnürtes Paket. „Sieht so aus als hätte ich einen Schwachpunkt getroffen..." – das war die einzige, gelassene Bemerkung des Anführers. Er saß noch immer genau so ruhig da wie vorhin, als wäre nichts geschehen. Lara spürte wie eine neue Welle Wut in ihr aufstieg. Wie konnte dieser verdammte Mistkerl einfach nur so ruhig und kalt sein?
„Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas bei ihnen möglich ist. Wie man sich doch irren kann..." Er schüttelte den Kopf, als ob er darüber redete, dass ihm der falsche Suppenwürfel in die Sauce gefallen war. Ihre auflodernde Wut unterdrückend erwiderte sie: „Reden sie nur weiter und ich werde ihnen ihren Schwachpunkt zeigen."
„Wie nett doch immer diese Gespräche mit ihnen sind, Miss Croft, doch wenn sie nichts Vernünftiges herausbringen, wende ich mich eben wichtigeren Dingen zu." Er tat, als ob er aufstehen wollte, wurde aber von Laras, ziemlich ruhig klingender, Stimme aufgehalten. „Nun gut. Gehen sie, doch bevor sie das tun beantworten sie mir noch eine Frage." Bradek blickte sie fragend an.
„In welchem Wagen ist Chase?"
Nicht im mindesten überrascht meinte er: „Ich habe mich bereits gefragt, wann sie endlich mit dieser Frage herausrücken. Chase, so sagten sie doch, beteuerte dass sie nichts für ihn empfinden und wir sie erst gar nicht suchen sollten. Tja, ich schätze wohl, dass ich recht hatte."
Sie ging auf diese Antwort erst gar nicht ein. „Nun..."
„Selbst wenn ich es ihnen sagen würde, würde es ihnen nichts bringen, denn sie werden so wie so nicht in einem Wagen fahren, geschweige denn in seinem Wagen."
„Ach ja, und warum nicht? Haben sie etwa Angst, dass wir auf unseren besten Freund böse werden würden, wenn wir zusammen sind? Das würden wir doch niemals tun", meinte Lara mit von Sarkasmus nur so triefender Stimme.
Bradek lachte bloß kurz. „So ungefähr. Sie sind uns einfach etwas zu sarkastisch und rebellisch."
„Das heißt also, dass ich Carver nur sehen kann, wenn ich ein ganz braves Mädchen bin." Sie lächelte abfällig und warf sich eine weitere Strähne aus dem Gesicht.
„Korrekt. Nur keine falsche Scheu, sie brauchen doch Chase nicht mit Nachnamen anreden, wo er ihnen doch so viel bedeutet." Diesmal grinste Bradek abfällig.
Lara verdrehte die Augen. „Sie haben wirklich nichts verstanden. Er hat mir einmal etwas bedeutet. Jetzt ist er lediglich der Letzte von meinen Begleitern."
„Wie sie meinen, Miss Croft. Schließlich müssen sie es ja wissen."
Sie hob die Augenbrauen und meinte: „Und wenn ich verspreche ein braves Mädchen zu sein, darf ich ihn dann sehen?"
„Denken sie wirklich, dass sie das hinkriegen? Ich bezweifle es. Sie müssten sich enorm anstrengen. Sie dürften uns in keinerlei Weise behindern, schlagen, oder ihre zynischen Kommentare auf uns loslassen. Im Grunde dürfen sie nichts tun, dass zeigt, das sie sich uns wiedersetzen."
„Wenn sie das beruhigt. Ich meine... Sie haben mein Ehrenwort."
Bradek hob eine Augenbraue, schüttelte den Kopf und meinte: „Was Liebe alles bewirken kann..."
Lara wollte gerade zu einer bissigen Antwort ansetzen, als ihr bewusst wurde, dass das bloß eine Prüfung war, biss sich dann auf die Lippe und schwieg.
„Wie ich sehe können sie wirklich auf eine sarkastische Bemerkung verzichten. Nun gut, versuchen wir es. Doch, Miss Croft, seien sie sich bewusst, dass sie jederzeit bestraft werden können und sich in unsrer Gewalt befinden. Ich werde sie sobald wir morgen aufbrechen zu Carver bringen." Sie nickte und er verschwand aus ihrem Blickfeld.
Na... Wie hat es euch gefallen? Reviewt! Wie gefällt euch Bradek? Wir sehen uns im nächsten Chapter.
