Kapitel 4-Wie geht man mit einer pubertierenden Tochter um?
Snape starrte seine Tochter nur aus seinen schwarzen Augen an. Er bekam noch mit, wie McGonagall Serena Flohpulver in die Hand drückt und diese aus dem Kamin verschwand. Dann sank er auf den nächstbesten Sessel. Er hatte es sich nicht so schwer vorgestellt mit seiner Tochter umzugehen. Gewissermaßen hatte er sich eine normale Schülerin vorgestellt und sie dann so behandelt, wie er mit seinen übrigen Schülern umging. Aber anscheinend war das nicht unbedingt die richtige Art und Weise gewesen. Wie sollte es nun erst werden, wenn Serena nach Hogwarts kam? Sie würde ihn zum Gespött der ganzen Schule machen! Und nicht nur das. Er ahnte jetzt schon, dass es schwer sein würde sie unter Kontrolle zu bringen.
McGonagall kam hinüber zu dem Professor. „Severus, Sie dürfen nicht so hart zu ihrer Tochter sein. Sie ist nicht einer ihrer Schüler und außerdem hat sie gerade ihre Mutter verloren. Sie hat den Verlust noch nicht verdaut." Anklagend schaute sie auf den Angesprochenen.
„Ich kann es eben nicht leiden, wenn sie meint, sie braucht keinen Respekt vor mir zu haben!" versuchte Snape sich zu verteidigen. Snape verteidigte sich, weil er wusste, dass er nicht ganz den richtigen Tonfall erwischt hatte. Aber er war viel zu stolz, um das zuzugeben.
„Versuchen Sie sie besser kennenzulernen und zu verstehen. Wenn das so weiter geht nächstes Schuljahr..." Die Schulleiterin ließ den Satz unbeendet und der Zaubertrankprofessor konnte sich nur zu gut ausmalen, was für Szenarien sich dann abspielen würden. „Sie wird die Sommerferien mit mir verbringen." Hoffe ich jedenfalls fügte er in seinen Gedanken hinzu.
„Na dann, viel Glück. Noch etwas Severus. Sie können sich gerne an mich wenden, falls es Probleme gibt. Sie müssen sie zwar selbst zur Vernunft bringen, aber vielleicht hilft es, wenn ich als eine außenstehende Person ein bisschen helfe."
„Danke, Minerva." Snape seufzte. Wahrscheinlich werde ich sogar auf dieses Angebot zurückgreifen müssen. Es gefiel ihm nicht, Hilfe von anderen Leuten anzunehmen, aber es war ihm auch klar, dass er nicht den blassesten Schimmer hatte mit einem pubertierenden Mädchen umzugehen. Noch dazu eine, die sich in den Kopf gesetzt hatte, ihren Vater zu hassen. Vielleicht sollte er in die Bibliothek und ein paar Bücher darüber suchen. Mach dich nicht lächerlich, Severus. Bücher über Erziehung… Obwohl, ich hab mir auch gedacht, das wird ein Kinderspiel. Snape erhob sich und wendete sich an McGonagall. „Guten Tag, Minerva." McGonagall nickte Snape kurz von ihrem Schreibtisch zu, an den sie sich wieder begeben hatte. Damit drehte der Lehrer sich um und schlug den Weg zu der Bibliothek ein. Da würde sich zu dieser Zeit kaum einer aufhalten und dann würde er eben die Hauselfen fragen, ob sie ihm etwas zu essen in seine Gemächer bringen konnten, wenn er schon das Mittagsessen verpasste.
Während Snape sich auf den Weg in die Bibliothek machte, war Serena schon aus dem Turm Madame Débauches gestürzt. Sie hatte sich auf ihr Bett geworfen und fing an, auf ihr Kissen einzuschlagen. Danach ließ sie sich einfach in die weiche Matratze sinken und fing an zu schluchzen. Diesmal war es nicht aus Trauer sondern aus Wut und Selbstmitleid. Wie, um Himmels Willen, sollte sie mit diesem Mann zusammenleben? Ja, sie hatte Snape noch als direkten, sturen Mann im Gedächtnis, aber doch nicht so streng, hart und unnachgiebig. Was hatte ihre Mutter nur an ihm gefunden? Das konnte ja noch heiter werden. Jetzt sollte sie auch noch die Sommerferien mit ihm verbringen. Wenigstens wusste sie das zu verhindern. Beauxbaton bot den Schülern in den Sommerferien einen Kurs zur Auffrischung des Gelernten. Doch der Kurs war nicht nur zu Akademischen Zwecken, sondern verfügte auch über freizeitliche Aktivitäten. Deshalb war der Kurs immer relativ schnell besetzt. Zum Glück hatte sie sich schon vor einigen Monaten angemeldet. So würde sie zumindest ein Teil der Sommerferien überbrücken können. Eigentlich wollten einige Freunde Serena's sie besuchen kommen, doch das konnte sie nun auch nicht machen. Dann würde sie eben noch zu Amélie gehen. Damit wäre auf jeden Fall schon ein Mal die Hälfte der Ferien verplant.
So versuchte Serena irgendwie die Sommerferien zu verplanen, damit sie NICHT zu ihrem Vater musste. Leider viel ihr für die letzte Woche nichts mehr ein.
Mit diesen Gedanken hatte sie sich auch ablenken können von dem gerade Erlebten und sie war wieder etwas ruhiger geworden. Nun griff sie zu Papier, um ihrem Vater zu schreiben, dass sie leider sehr viel zu tun hatte in den Ferien. Danach lief sie zur Eulerei und schickte den Brief ab.
Der Zaubertrankprofessor stöberte nun schon seit einer Stunde in den verschiedensten Büchern und Ratgebern. In vielen stand „Man sollte Verständnis und Kompromissbereitschaft zeigen." oder auch „ Ständige Diskussionen und Verbote machen alles noch schlimmer." Die Worte Verständnis oder Kompromiss waren für Snape natürlich neu. Der Traenkemeister pochte auf seine Regeln. Doch auch dazu hatte ein Ratgeber einen klugen Tipp „Teenager brauchen feste Regeln, doch muss man diese begründen und vorher mit dem Teenager diskutieren."
Als Snape nun auf seine Uhr blickte, merkte er, dass er fast schon zu spät für seine nächste Stunde war. Er würde die Drittklässler haben. Bei dem Gedanken daran schnaubte er. Diese Klasse war einer der faulsten, aber es gab durchaus einige sehr begabte Schueler. Der Zaubertrankprofessor erhob sich und eilte mit schnellen Schritten in die Kerker. Zum Glück war er nur eine Minute zu spät, denn er konnte Unpünktlichkeit nicht leiden und so wollte er auch ein Vorbild sein. Als die Klasse den in schwarzen Roben gekleideten Mann sah, verstummte sie automatisch. Snape machte sich daran sich vor der Klasse aufzubauen und die Aufgabe zu erklären. Davor sammelte er die Hausaufgaben ein, damit er sie während des Unterrichtes korrigieren konnte. Ab und zu ging er durch die Reihen, um festzustellen, wie die Schueler vorankamen. Der Trank war relativ schwer für diesen Jahrgang, doch schienen einige auf dem richtigen Weg zu sein. In dieser Klasse waren auch Luis, Phin und Jay, die natürlich wieder die Köpfe zusammengesteckt hatten und tuschelten. Natürlich hatten sie von dem neusten gehört. Eine Beauxbaton-Schülerin in Hogwarts. Es gab die haarsträubendsten Begründungen und natürlich hatten auch diese drei sich eine Begründung überlegt oder schienen diese im Zaubertrankunterricht diskutieren zu wollen. Mit wehenden Roben baute sich Snape vor den Dreien auf „Weasley, Spinnet, Gregory! Das hier ist kein Kaffeklatsch! 10 Punkte Abzug für Gryffindor für jeden von euch! Und vergesst nicht, heute 6 Uhr!"
Nach dieser Stunde hatte Snape frei. Er beschloss Mr Filch aufzusuchen, damit der ihm sein Gästezimmer etwas ausbauen konnte. Das sollte von nun an Serenas Zimmer werden. Danach setzt er sich mit einem guten Buch in seinen Armstuhl.
Am Abend bekam er einige Berichte über Serena von Professor McGonagall ausgehändigt und auch einen Brief von Serena. Darin berichtete sie ihm, dass sie keine Zeit hätte in den Ferien zu ihm zu kommen, außer der letzten Woche, in denen sie noch in die Winkelgasse müsste. Snape bekam bei diesem Brief schon wieder Wut, doch auch er musste zugeben, dass er ganz froh war, sich nicht die ganzen Ferien mit ihr herumzuschlagen. Eine Woche musste genügen, um sie zur Vernunft zu bringen und sie mit seinen Regeln vertraut zu machen.
Dann widmete er sich den Berichten. Der neuste war vom letzten Trimester.
Serena Snape
Verwandlungen: O
Geschichte der Zauberei: P
Pflege Magischer Geschöpfe: E
Zaubertränke: P
Kräuterkunde: E
Zauberkünste: E
Verteidigung gegen die Dunklen Künste: A
Astronomie: P
Bemerkung:
Serena Snape ist begabt, doch fehlt es ihr an dem nötigen Fleiß und Sorgfalt. Es kommt öfters vor, dass ihr Hausaufgaben unerledigt oder auf einem schlechten Niveau bleiben. Dazu ist sie gerne nachts aus dem Bett und wurde schon einmal betrunken wiedergefunden. Serena ist Vertrauensschülerin und hat diese Pflichten mit hohem Standard erfüllt.
Mit gerunzelter Stirn überflog Snape diesen Bericht. Hatte Yvette nie auf den Fortschritt Serenas geachtet? Vor allem die Bemerkung machte Snape Sorgen. Das mit den Hausaufgaben und dem Umherwandern würde sich bei ihm ändern müssen. Noch etwas bereitete ihm Unmut. Serena hatte ein „mangelhaft" in Zaubertränke. Dabei war sie die Tochter des Zaubertraenkeprofessors!
Zerbrech dir jetzt nicht den Kopf darüber, Severus. So stand der Professor aus und machte sich auf den Weg zum Abendbrot.
