Der Spion, der aus dem Keller kam oder Da Voldie und seine Haberer


Leitln, es gfreit mi, wann's eich genauso guat gfoit wia mia. Vü Spaß no.
Nach einem langen echauffierenden Tag, der damit zugebracht wurde, die Fratzen vor den ebenso ungesunden wie unrühmlichen Konsequenzen ihrer eigenen Inkompetenz zu bewahren – Schüler-in-die-Pfanne-hauen ist ja ganz normal, aber seelenruhig ihrer Selbstdestruktion zusehen macht sich nicht ganz so gut im Lebenslauf – bleibt Severus Snape wieder einmal ein gemütlicher Abend mit Krimi und Whisky verwehrt – na ja, Krimi kann's schon werden bei dem Abendprogramm, nur der Whisky wird's wohl nicht werden, wäre ja schließlich fatal, als Spion ‚blunz'nfett' alle Neuigkeiten brühwarm auszuplaudern, das führt höchsten zur unschönen Verkürzung der Lebensspanne und das will ja wohl keiner. Der Grund für den ruinierten Abend liegt nämlich darin, dass der Obermachatschek der Dunklen Seite zum Palawer in sein Stammbeisl eingeladen hat und Fernbleiben von solchen gesellschaftlichen Großereignissen ebenfalls zu einer Reduktion der Lebenserwartung führen kann.

Beim Betreten des Beisls schlägt einem eine von Rauch und anderen Geruchskomponenten, die der Zaubertrankmeister gar nicht erst näher identifizieren will, geschwängerte Luft entgegen, die selbst Longbottoms größte Meisterleistungen der Pyrotechnik wie Lufterfrischung wirken lässt.

Mit dem Bierkrügl in der Hand in bester Stammtischmanier steht seine Bösartigkeit in Person und setzt gerade zu einem rhetorischen Gustostückerl an: ‚Leitln, Brüadaln und Schwestan! Hurcht's ma zua. S'muass wos g'scheh'n, des is' ka Zuastand! A wann's de Wappla im Miniterium ned passt, es gibt nur an Schef in den Nebbochantenstaat und des bin I!'

Der große Vorteil des Stands der Schefität der Dunklen Seite liegt eindeutig darin, dass man sich nicht vom Korsett der Hochsprache gefangen nehmen lassen muss, während die Aristokraten einem aber trotzdem an den Lippen hängen. Zustimmendes Nicken zu dem inhaltlosen Schwachsinn geht durch die Bänke.

‚Bravissimo!', ergeht sich Bellatrix Lestrange in Enthusiamus und fügt mit hysterisch-verführerischer Stimme hinzu: ‚Der Capo is' a ächte Cornifere.'

Mit seidiger, nur leicht von Sarkasmus triefender Stimme – sich bereits so früh am Abend einen Cruciatus einzufangen würde seine ohnehin schon gedämpfte Laune kaum anheben – wirft Severus ein: ‚Trixi, Schatzi. Du meinst wohl Koryphäe, ich glaube kaum, dass er so bald anfängt, Nadeln zu sprießen.'

Rot angelaufen vor brodelnder Wut, sehr zu seinem Amüsement, faucht sie zurück: ‚Den Oberlehrer konnst' bei deine Rabenbrat'ln in da Schui spü'n …'

‚Mein Darco-Burli ist kein Rabenbrat'l, Bella, und überhaupt ist deine Ausdrucksweise eine Schande für unsere gute alt-aristokratische Familie', fällt ihr die von Mutterliebe wie stets geblendete Narcissa Malfoy ins Wort.

‚Kusch. Mia san hier ned im Kindergarten oder im Parlament!', dröhnt Voldemorts Stimme durch den Raum.

‚Ihr habt's g'hört, Madl'n, seid's stad, sonst spüt's Granada.', raunt ich Snape zu, unterstütz wird er dabei unerwarteter Weise von Lucius Malfoy, der sich kurz über das gut gepflegte Haar streicht und dann flüstert: ‚Severus hat recht. Außerdem ist dieser Stress mit Cruciatus und so Gift für meine Haarwurzeln.' ‚Na, Lucius. Spielen wir heute wieder den Hecht im Sumpf der Aristokratie?' zischt der Zaubertränkmeister verschlagen. ‚Du hast es notwendig, Märchenprinz.' Seiner Retourkutsche kommt Narcissa zuvor, die beiden deutet, den Mund zu halten, wenn ihnen ihr Leben lieb ist.

Von dem Austausch bekommt der Dunkle Lord zum Glück nichts mit, da er gerade damit beschäftigt ist seinen momentanen Frust in einem Glas Wein zu ersäufen, das ihm der unlängst zum Kammerdiener aufgestiegene Wurmschwanz kredenzt hat. Wenn er so weiter bechert, dann haben wir vielleicht noch gute Aussichten, dass er an Leberzirrhose stirbt, bevor wir unseren Auserwählten bemühen müssen.

Ähnliche Gedanken nur mit unterschiedlichem Zielobjekt scheinen auch Voldemort durch den Kopf zu gehen, als er lautstark erklärt:

‚Tschechan, habern und kümmern si an Tinev. So wünsch' I ma meine Feind'.'

‚Wenn sich euer Pestilenz nach Hogwarts bemühen wollen, ich bin sicher 90 der Schülerpopulation erfüllen diese Bedingung, ebenso wie 100 des Beschäftigtenstabs des Zaubereiministeriums', kommt die trockene Antwort des Zaubertrankmeisters.

Der Dunkle Lord grinst süffisant, was einige Anwesende als Auffordeung zum Mitlachen betrachten, auch wenn sie den Scherz ohne genauere Erklärung und wahrscheinlich auch mit dieser nicht wirklich verstehen. In diese Riege fallen Crabby und Goyle, 2 Gustostückerln der Todesserkollektion, die selbst bei kumulierter Denkleistung den IQ eines durchschnittlichen Ziegelsteins nicht übertreffen würden, aber das verlangt ja auch keiner von ihnen.

Unter dem Tisch windet sich Nagini. Das überdimensionierte, vorzugsweise Menschen fressende Reptil ist äußert irritiert, dass es heute statt mit seiner Lieblingsspeise mit Schnitzel vorlieb nehmen muss – die Ministeriumsbeamten sind zwar auch nicht fettärmer, aber wenigstens BSE-frei. Zutiefst verärgert schlägt sie ihre Fänge in das erste bewegliche Objekt, das ihr vor die Schnauze kommt: Lucius Malfoys Raulederstiefel, als dieser in ganz und gar unaristokratischer art und Weise seine Füße unter den Tisch streckt.

Mit großem Amüsement beobachtet Voldemort, wie die Farbe aus dem Gesicht seines allzeit bleichen Anhängers weicht. Nach einem kurzen Kampf zwischen Sadismus und Vernunft, kommt er zu dem Schluss, dass es nicht sehr vorteilhaft wäre, seine Truppen und Geldgeber vollends auszurotten, bevor er die Machtposition erreicht hat, wo er sie nicht mehr braucht. Schließlich bellt er den Befehl: ‚Snape, gib eam des Trankl!'

‚Natürlich, eure Lordschaft! Wir können doch nicht zulassen, dass die Anzahl der denkfähigen Personen in unserem Kreis unter die in Dumbledores Orden zum Stöhnen fällt', erklärt dieser mit seidiger Stimme und fährt etwas leiser an Malfoy gewandt fort: ‚Des g'schiecht da recht. Was benimmst' di a wia Prolo, wann'sd überhaupt nix davo vastehst. Obe mit dem Gegengift, dann geht's da glei bessa.'

Sobald er sich wieder halbwegs erfangen hat, knurrt der zurecht als Englands größter Snob betitelte Zauberer zurück: ‚Deine süffisanten Kommentare können mir gestohlen bleiben. Das waren echte Hippogreiflederstiefel.'

Unbeeindruckt knurrt Snape zurück: ‚Na dann lässt du halt Macnair wieder anderer Leute Haustiere umbringen.'

Walden Macnaire lässt sich mit einem Wort beschreiben: Schlächter, das ist sein Beruf, seine Berufung, seine Bestimmung. Unglücklicherweise hat der Henker des Ministeriums, der ironischerweise in der Liga des Hauptkonkurrenten mitspielt, es nie zu Großem damit gebracht. Der Grund dafür, dass dies nicht profitabler für ihn ist, liegt darin, dass er keinerlei ökonomische Phantasie besitzt und er nie die Weiterverarbeitung seiner Produkte in Erwägung gezogen hat, denn um die Wurscht geht es schließlich nicht nur am Würschtelstand und in gewissen Kreisen (nicht nur bei den Neandertalern) kommt Pelz und Leder nie ganz aus der Mode.

Als man also in lauschiger Runde über Mord und Totschlag plaudert, fühlen sich manche zu physischer Demonstration animiert, die wahren Meister darin sind die Geschwister Carrow, 2 weitere Exemplare im Gruselkabinett seiner selbsternannten Lordschaft, die sich gegenseitig mit Flüchen bewerfen, ohne mit der Wimper zu zucken. Wie jemand mit Namen Amycus sich so unfreundlich benehmen kann, hat Severus noch nie verstanden, aber ‚nomen non semper est omen' und das ist das perfekte Gegenbeispiel. Das zugehörige Schwesterherz rundet das ‚Duo fatale' in adäquatem Maße ab. Bei kombinierter Zauberkraft können diese beiden das Zerstörungspotential eines übellaunigen Hornschwanzes mit Zahnschmerzen erreichen.

Plötzlich dröhnt eine laute Stimme vom Hof herein: ‚Hier spricht Auror Alastor Moody. Im Namen des Ministeriums für Zauberei habt ihr 30 Sekunden Zeit, die Zauberstäbe zu zerbrechen und euch zu ergeben. Die Hände an die Wand und Füße in die Höh'!'

Alle Anwesenden sind in momentaner Verblüffung erstarrt, bis das Geräusch von splitterndem Holz sie simultan auf die Füße springen lässt – ein Anblick, der jedem Gymnastiktrainer Tränen der Freude in die Augen getrieben hätte. Doch die blutgierige Kampfeslaune hat man ganz umsonst aktiviert, da es gar nicht die Tür von diesem Beisl ist, die man soeben mit ‚reducto' zu Zahnstochern verarbeitet hat. Bei solchen Verbündeten, die nicht einmal die Handschriften ihrer Informanten lesen können, braucht man keine Feinde mehr, um einem das Grab zu schaufeln.

Des Düsteren finsterer Blick streift über die Häupter seiner Lieben, bis er auf Severus Snape verweilt.

‚Konnst ma des 'leicht erklär'n, du Blitzkneissa vom Dienst?'

Seine nie von Heldenmut geplagte Kollegenschaft bemüht sich sofort redlich den Abstand zum Giftmischer in minimaler Zeit zu maximieren, ohne zu viel Aufsehen zu erregen. Snape hingegen setzt sein verschlagenstes Lächeln auf, als er in gespielt unschuldiger Manier zurückfragt: ‚Wieso? Welches von Moodys Worten habt Ihr denn nicht verstanden, Ihro Grausamkeit?'

‚Vorsicht, Severus! I konn a gonz anders.' Als ob ich das nicht wüsste.

‚Nun, dem Anschein nach hat das Ministerium einen Tipp bekommen, von einem Informanten, der nicht zu der Intelligenzleistung im Stande war, die Adresse richtig zu weiterzugeben, was mich ja wohl vom Kreis der üblichen Verdächtigen ausschließt.'

‚Oder nicht leserlich genug geschrieben hat. Für deine Klaue zum Beispiel bräuchte man schon einen Stein von Rosette', giftet Lucius Malfoy.

‚Reine Verleumdung', ist Snapes kühle Antwort.

‚Kruzitürk'n, jetz' reicht's ma mit eichare Sticheleien, den Fusel könnt' ma bestenfalls zum Salatmarinier'n nehmen und mit dem Ministerium-Rambo mit da magisch'n Scheanglprothes'n vageht an'm eh de Gaudi. De Sitzung is gschloss'n fia heit. Haut's eich über'd Heisa!'


Erklärung: Amycus - amicus,-i m. (lat.) Freund

Übersetzungen werden nur noch auf Anfrage geliefert, da inzwischen wohl eh keiner mehr weiterliest, der des Wienerischen nicht mächtig ist.