Reise durch die Zeit , Teil 2

Als Zayl wieder etwas sehen konnte, blickte er sich erstaunt um. Das, was er sah, konnte man nur als Paradies bezeichnen, denn dort musste er zwangsläufig gelandet sein.

„Komm, die Erzengel erwarten dich bereits.", meinte der junge Mann, der ihn bei Merlin angeholt hatte und ging, ohne darauf zu warten, das Zayl ihm folgte, auf einen Torbogen zu. Um den Engel, denn als solchen konnte man ihn nun identifizieren, nicht aus den Augen zu verlieren, folgte er ihm schnell, wollte er sich schließlich nicht verlaufen.

Direkt vor dem Torbogen blieb der Ältere stehen und blickte Zayl an. „Bevor wir durch dieses Tor treten, ein paar Regeln. Du sprichst da drin nur, wenn du ausdrücklich dazu aufgefordert wirst, verstanden? Ich werde nicht dulden, das du den Erzengel nicht den nötigen Respekt entgegen bringst, den sie verdienen. Und sei ja höflich." Zayl nickte leicht, zum Zeichen, das er den Anderen verstanden hatte und folgte ihm danach in die Halle, die sich hinter dem Tor verborgen hatte, wo er sich, so hoffte er, unauffällig umsah. Hier war alles in weiß gehalten und die Schritte hallten in der weiten Halle wieder. Ein krasser Gegensatz zu dem Bereich vor der Halle, wo alle nur erdenklichen Blumen geblüht hatten.

Er war so mit der Begutachtung des Raumes beschäftigt, das er die anwesenden Engel völlig ignorierte, unabsichtlich versteht sich.

Erst, als er ein Räuspern hörte, blickte er zu den Engeln, die um einen Tisch herum saßen und wurde leicht rot, murmelte eine Entschuldigung. Das war ihm doch ziemlich peinlich. Die hatte er vollkommen vergessen.

„Schön, das du uns auch Beachtung schenkst.", meinte eine ruhige Stimme, die etwas belustigt klang. „Wie du dir sicher denken kannst, sind wie alle Erzengel. Ganz rechts sitzt Michael. Er ist der Führer der Heerscharen, neben ihm sitz unser Denker, Gabriel. Zu meiner Linken sitzt unser Heiler Raphael und ich bin Uriel. Du bist hier, weil du lernen musst, mit deiner Magie umzugehen und es wird nicht deine letzte Etappe sein, Zayl. Wenn du irgendwelche Fragen hast, dann frage ruhig, hier reißt dir keiner dafür den Kopf ab, auch, wenn einige Engel das glauben wollen."

Wieder der amüsierte Unterton und ein leichtes Grinsen auf allen Gesichtern. Hier gefiel es Zayl, ganz ohne Zweifel. Diese Erzengel waren ihm sehr sympathisch.

„Ähm…ja, wie wird die Ausbildung hier ablaufen? Und was werde ich alles lernen? Und wie viel Zeit werde ich bei Euch verbringen?", sprudelten die Fragen nur so aus ihm heraus, was zumindest Raphael zum Lachen brachte.

„Ganz ruhig, nicht so schnell. Du hast mehr als genug Zeit, die Magie, die wir dich lehren werden, zu meistern. Es handelt sich dabei um göttliche Magie und einiges mehr. Von Uriel wirst du den Umgang mit dem himmlischen Feuer erlernen, Michael und Gabriel zeigen dir, wie du mit Schwertern kämpfen kannst und von mir lernst du die heilende Magie. Das ist besonders wichtig, du musst genau aufpassen, denn eine falsche Handbewegung und der ganze Zauber geht daneben und kann verheerende Folgen mit sich bringen.", meinte Raphael ruhig. „Doch nun ruh dich aus, wir wecken dich, wenn es Essen gibt. Danach solltest du noch ein wenig meditieren und Morgen beginnt dein eigentlicher Unterricht."

Zayl nickte leicht, das er verstanden hatte, war aber überrascht, das Gabriel ihn persönlich in ein freies Zimmer brachte, in welchem er von jetzt an wohnen würde. Natürlich sah er sich das Zimmer, nachdem der schwarzhaarige Erzengel gegangen war, erst mal neugierig um. Das Zimmer war sehr hell eingeräumt, die Wände waren in einem sanften Beigeton gestrichen, die Möbel, bestehen aus Kleiderschrank, Bett, Schreibtisch und Kommode waren in hellem Holz, er vermutete, das es sich dabei um Buche handelte. Sofa und Sessel, falls er mal besuch bekommen sollte, waren ebenfalls in einem Beigeton. Das Bild wurde durch einen weichen, flauschigen Teppich abgerundet, der die Farbe von frischem Gras hatte, und im ganzen Raum verteilt war. Im Großen und Ganzen einfach nur gemütlich. Besonders angenehm war, das er ein eigenes Bad hatte, wie er erstaunt feststellte.

Aber nun wollte er sich erst mal ausruhen, sowie es Raphael ihm geraten hatte. Denn er glaubte ihm, dass es ihm gut tun würde.

Am Abend kam dann Michael vorbei, um ihn zum Essen zu holen, welches schweigend hinter sich gebracht wurde, da die Engel wohl nicht sehr gesprächig waren.

Der nächste Morgen begann für Zayl, seiner Meinung nach, viel zu früh. Aber Raphael war unerbittlich.

„Guten Morgen, das Frühstück wartet auf dich, ebenso dein Stundenplan. Ich habe dir Sachen hergebracht, die du bitte anziehen wirst. Ich warte draußen auf dich."

„Morgen….", murmelte Zayl, schnappte sich noch im Halbschlaf seine neuen Sachen, schlurfte ins Bad, zog sich, nach einer schnellen Dusche an und ging dann, mit noch nassen Haaren, zusammen mit dem Heiler zum Frühstück. In dem Raum angekommen, erschall ein dreifaches „Guten Morgen.", welches er gähnend erwiderte, was die drei Anwesenden zum Schmunzeln brachte. Schnell setzte er sich und begann, genau wie die Erzengel, mit dem Frühstück. Wie nebenbei schob Michael ihm einen Plan zu, auf welchen er kurz schielte, keuchte dann erschrocken auf. Das Sollte sein Stundenplan sein????

„Das ist nicht euer Ernst!!", keuchte er noch immer entsetzt, las sich den Plan noch mal durch.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~Stundenplan~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

4:00 Uhr aufstehen

4:30 Uhr Lauftraining

5:45 Uhr duschen

6:00 Uhr Frühstück

7:00 Uhr Stablose Magie (Theorie)

8:15 Uhr Heilzauber (Theorie)

10:20 Uhr Pause

10:40 Uhr Engelsmagie (Theorie) [AnA: göttliche Magie]

12:30 Uhr Mittagessen

13:40 Uhr Stablose Magie (Praxis)

15:40 Uhr Pause

16:00 Uhr Heilen/Kräuterkunde (Praxis)

18:00 Uhr Abendessen

19:10 Uhr Engelsmagie (Praxis)

21:10 Uhr Pause

21:20 Uhr Okklumentik/ Legilimentik

23:30 Uhr Nachtruhe

~~~~~~~~~~~~~~~Stundenplan Ende~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Die vier Engel beobachteten amüsiert, wie Zayl mit jedem Wort, das er las, blasser wurde.

„Wollt ihr mich umbringen oder was??? Das ist mörderisch!!!", brachte Zayl noch immer geschockt heraus.

„Nein, das wollen wir nicht, keine Sorge. Und so schlimm ist der Plan auch wieder nicht. Du hast wesendlich mehr Freizeit, bzw. Zeit, zum Schlafen, als die Anderen, also hör auf zu mosern, ja?", meinte Uriel, der sich angegriffen fühlte, da er den Plan erstellt hatte. Als Zayl das bemerkte, entschuldigte er sich sofort und der Rest des Frühstücks verlief schweigend.

Und so begann sein Unterricht bei den Engeln. Oft genug kam es vor, das Zayl alles hinschmeißen wollte, da er einiges nicht zu meistern schien, doch seine vier Lehrer bauten ihn immer wieder auf und machten ihm Mut. Es sei schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen, sagte Michael immer, was Zayl regelmäßig zum Lachen brachte, da es irgendwie komisch war, so was zu hören, wenn man sich im Himmel aufhielt.

Fast zwei Jahre verbrachte er bei seinen Freunden, denn das waren sie mit der Zeit geworden. Und in der Zeit hatte der viel Spaß, denn sie gestalteten den Unterricht fast immer lustig.

Dann, eines morgens, riefen ihn die Vier zu sich.

„Es ist soweit Zayl. Wir bringen dich nun in den Tempel der Magie. Danach kommt jemand, der dich abholen wird, um deine Ausbildung fortzusetzen. Wie lange du noch lernst, wissen wir nicht, doch auch diese Zeit wirst du meistern, hab nur vertrauen in dich und deine Fähigkeiten.", gab Uriel kund. „Wir alle hoffen, das du uns dennoch mal besuchen kommst, wenn du die Zeit dazu hast. Wir werden dich nämlich sehr vermissen."

Zayl nickte leicht und lächelte. „Darauf könnt ihr euch verlassen. Ich würde es auch gar nicht lange ohne euch aushalten, immerhin seid ihr meine Freunde."

„Da das nun geklärt ist, bringt Raphael dich zum Tempel und erklärt dir dort, was du tun musst. Danach kehrt er hierher zurück. Deine letzte Aufgabe wird sein, allein hierher zurück zu kommen, wenn du dort alles erledigt hast."

Wieder ein Nicken des Jüngsten in der Runde und er verschwand mit Raphael.

Keine Minute später standen sie in der Vorhalle eines Tempels.

„Komm Zayl, es ist nicht weit bis zum Kristall. Und bevor du fragst, dieser Kristall durchleuchtet deine Charaktereigenschaften. Je nachdem, wie viele du hast, werden sich entsprechend viele Türen für dich öffnen, die du, eine nach der Anderen öffnen wirst. Was du in den verschiedenen Räumen machen musst, wirst du dann erfahren, da dass bei jedem unterschiedlich ist.", meinte der Erzengel ruhig. Zayl hatte ihm, während der Erklärung aufmerksam zugehört. Dann waren sie bei dem Kristall angekommen.

„Wir sehen uns dann später Zayl. Viel Glück.", sagte Raphael lächelnd und verschwand. Zayl konnte ihn noch nicht einmal fragen, wie er die Fähigkeit des Kristalls aktivieren konnte. So blieb ihm nichts anderes übrig, als alles mögliche zu versuchen, angefangen mit Zauberei, was nicht funktionierte. Völlig frustriert, da er schon gut eine Stunde Zauber auf den Kristall ausgesprochen hatte, nahm er den Kristall und betrachtete ihn genauer, als dieser zu leuchten begann. Erschrocken wollte er ihn wieder loslassen, doch es ging nicht. Es war, als wäre der Kristall an seiner Hand festgeklebt worden. Und zu allem Überfluss setzten jetzt auch noch Kopfschmerzen ein, so, als wenn jemand mit aller Macht in seinen Kopf eindringen wollte.

Das Ganze dauerte nur ein paar Minuten, die Zayl wie Stunden vorkamen, dann ebbte der Schmerz wieder ab und eine Stimme erklang.

„Du kannst nun die Räume betreten junger Freund, doch sei gewarnt. Betrete niemals mehr als einen Raum am Tag, da es sonst gefährlich werden könnte, es sei denn, du wirst dazu direkt aufgefordert."

Zayl zuckte doch etwas erschreckt zusammen, blickte sich dann mit großen Augen um. Er hatte gar nicht bemerkt, das Türen erschienen waren. Allerdings nahm er die Warnung sehr ernst, blickte sich um, welche Tür er denn zuerst öffnen sollte, entschied sich dann aber für die Tür, die ihm am nächsten war. Trotz seiner Neugier doch etwas unsicher, öffnete er die Tür und blieb verwundert stehen. Hier war eine Lichtung zu sehen, mit ein paar Tieren. Bei genauerem Hinsehen erkannte er einen schwarz-silbernen Phönix und einen schwarzen Nebelparder. Doch das dritte Tier war nicht zu erkennen, verbarg es sich doch noch hinter einem Nebel verborgen war.

„Du befindest dich hier im Raum der Begegnung. Die Tiere, die du hier gefunden hast, werden deine Vertrauten sein und dich auf deinem Weg von nun an immer begleiten.", ertönte eine melodische Stimme, die definitiv zu einer Frau gehörte. „Dieser Raum zeigt dir, welche Tiere am Besten zu deinem Charakter passen. Der Phönix, den du siehst, ist ein Todesphönix. Allerdings, und vergiss das nicht, steht dieser Phönix auch für das Leben. Er passt gut zu dir, da du bereit bist zu töten, aber auch das Leben schützen willst. Der Nebelparder steht für Schnelligkeit und Intelligenz, sowie Freundschaft und Treue. Das dritte Tier zeigt sich dir erst, wenn du bereit dafür bist. Nun geh. Hier findest du nichts mehr, was dir helfen wird. Der nächste Raum erwartet dich, da hier nichts anstrengendes passiert ist.", erklärte die Stimme, ehe sie verschwand und Zayl kurz darauf eine angenehme Wärme spürte, als sich die Tiere an ihn banden.

Glücklich verließ er den Raum, ging zum Nächsten, da er die Erlaubnis dafür bekommen hatte. Dort bekam er seine erste Waffe, nachdem er eine Kampfprüfung abgelegt hatte, die sage und schreibe 30 Minuten gedauert hatte. Danach war Zayl nicht mehr in der Lage, noch weitere Räume zu betreten, so verschob er das auf den nächsten Tag.

Insgesamt vier Tage verbrachte er in diesem Tempel, in welchen er noch ein paar Waffen, Bücher und einen neuen Zauberstab bekam. Am Meisten freute er sich allerdings über seine Tiere und das Buch der Magie. Doch nun musste er zurück zu den Erzengeln. Gedacht, getan. Es dauerte nicht lange und er befand sich wieder bei seinen vier Freunden, die ihn lächelnd begrüßten. „Du hast deine Abschlussprüfung bestanden Zayl. Aber deine Ausbildung ist noch nicht vorbei. Wir werden dir noch zeigen, wie du mit deinen neuen Waffen umgehen kannst.", begrüßte ihn Michael, nachdem alle ihn einmal umarmt hatte. So verbrachte er noch vier Monate bei seinen Freunden.

Als die vier Monate sich dem Ende neigten, wurde er von Michael sehr…unsanft geweckt.

„Aufstehen!!!", schrie der blonde Erzengel und Zayl saß kerzengrade im Bett.

„Was'n los?", brachte er noch müde hervor.

„Du hast es wirklich vergessen??? Heut ist dein letzter Tag bei uns und den wollen wir alle in Ruhe mit dir verbringen."

Der Tag verging wie im Flug und war der bisher schönste Tag in seinem Leben und am Abend kehrte er, wenn auch etwas betrübt, weil er seine Freunde verlassen musste, zu Merlin zurück.

So lief es dann auch bei den Dämonen, Drachen und Vampiren ab, auch, wenn er dort völlig andere Sachen lernte.

Bis auf einen Unterschied. Die Vampire, zu denen er ging, waren seine Familie. Dort kam es zum Kampf mit dem letzten Clanführer, den er, ohne ihn zu töten, besiegte und nun dort das Sagen hatte. Und jeder respektierte ihn.

Doch nun hieß es endgültig Abschied nehmen von Merlin, denn er musste zurück in seine Zeit. Und so brach er, nach 12 Jahren Ausbildung auf, um in seine Zeit zurück zu kehren, in welcher nur vier Monate vergangen waren.