Anmerkung: Erstmal ein herzliches Hallo an alle Leser, die ich bisher für meine kleine Fanfiction begeistern konnte. Bisher habe ich 7 Kapitel fertig geschrieben und die komplette Story fertig durchgeplant. Schon jetzt ist absehbar, dass es noch viele viele weitere Kapitel werden. Ich hoffe sehr, dass es euch bisher gefällt! Im Moment plane ich mindestens 1x pro Woche ein Update, als Updatetag lege ich mal den Freitag fest. Falls es mit dem Schreiben gut läuft, gibt es aber auch mal ein Bonuskapitelchen. So wie heute! Also frohen Sonntag euch allen und einen guten Start in die neue Woche!
4. Kapitel:
Die Zeit bis zum nächsten Abend hin war der Doktor wie ausgewechselt. Wo vor Kurzem noch schlechte Laune herrschte, pfiff er nun munter vor sich her, während er verschiedene Bauteile untersuchte, die TARDIS-Koralle pflegte oder den Staubsauger in seine Einzelteile zerlegte – letzteres sehr zu Rose' Leidwesen. Doch der Doktor versicherte ihr glaubhaft, dass er so die perfekten Teile für den Bau einer Transmutationsschleife gewonnen hätte und so ließ Rose ihn gewähren, als er sich voller Eifer als nächstes auf en Toaster stürzte.
Pünktlich um 20.50 Uhr standen sie schließlich vor der großen Eingangstür des Trillenium-Towers und Rose blickte nachdenklich die verglaste Fassade nach oben. Diese schlängelte sich wie eine große, sich verjüngende Wendeltreppe gen Himmel.
„Dieser Gelegenheitsmacher weiß auf jeden Fall, wie man Eindruck schindet," stellte sie gut gelaunt fest und drückte die Hand des Doktors.
„Die Zitadelle der Timelords ragte viermal so hoch in den Himmel," gab der Doktor unbeeindruckt zurück und rieb sich die Hände. „Was soll's. Wenn er nur halb so beeindruckend ist, wie er vorgibt, dann wird es sicher interessant."
Mit diesen Worten setzte er sich in Bewegung und zog Rose zielstrebig durch die sich öffnende Glastür ins Innere des Turmes. Sie gelangten in eine riesige, mit Marmor verkleidete Eingangshalle, deren Wände und Boden zusätzlich mit glänzenden goldenen Ornamenten durchzogen waren. Von der Mitte der über 20 Meter hohen Decke ragte ein riesiger, kristallener Kronleuchter, welcher mit hunderten golden funkelnden Lichtern den Raum erhellte.
Kaum hatten die beiden die Eingangstür durchschritten, traten von links und rechts zwei finster dreinblickende Herren in schwarzen Anzügen herbei und stellten sich ihnen in den Weg.
„Der Zutritt des Trillenium Towers ist Besuchern nicht gestattet." sagte der Linke von beiden streng und betrachtete missfällig Rose pinke Lederjacke und die eng geschnittene schwarze Lederhose. Der Doktor ließ sich davon nicht aus der Fassung bringen sondern streckte beiden fröhlich die Hand entgegen. „Dann ist es ja gut, dass wir keine Besucher sind. Ich bin der Doktor und das ist Rose Tyler. Wir werden erwartet."
Sofort veränderte sich die Haltung der beiden und sie traten ehrerbietig zur Seite. „Selbstverständlich. Entschuldigen Sie. Bitte hier entlang, Sir." sagte der eine und Rose beobachtete, wie er sich dabei nervös sie Hände an seiner Hose abwischte. „Nehmen sie den Aufzug in den obersten Stock. Der hohe Herr erwartet Sie bereits."
„Vielen Dank, Greg." erwiderte der Doktor freundlich und der Mann blickte ihm nervös entgegen.
„Sie kennen meinen Namen, Sir? Ich meine, verzeihen Sie, Sir. Selbstverständlich tun sie das." Er verbeugte sich und trat eilig einen Schritt zurück, als sich die Türen des Lifts öffneten. Der Doktor zog Rose an der Hand mit sich in den Fahrstuhl, bevor sich die Türen mit einem eleganten Pling hinter ihnen wieder schlossen. Rose grinste. Dieses Mal hatte auch sie den aufgestickten Namen auf der Innenseite des Kragens entdeckt. Nach so langer Zeit mit dem Doktor schnappte man unweigerlich die eine oder andere Sache auf.
„Interessant." meinte der Doktor mit blitzenden Augen. „Ich frage mich, was unser Gastgeber seinem Personal über mich erzählt hat. Ganz offensichtlich erwartet er einen Timelord. Aber warum? Was weiß er über mich? Oder besser, was glaubt er zu wissen?"
„Und das gefällt dir nicht?" fragte Rose.
„Ganz im Gegenteil," antwortete der Doktor und klatschte in die Hände. „Es gefällt mir sogar sehr."
Der Lift brachte sie geräuschlos die 108 Etagen nach oben in das oberste Stockwerk. Dort öffneten sich die Türen mit einem weiteren Pling und der Doktor trat von Rose gefolgt in einen großen, vollverglasten Raum, welcher zu 3 Seiten hin einen atemberaubenden Blick auf die Stadt gestattete. Vor der Fensterfront geradezu saß hinter einem schweren Eichenschreibtisch ein Mann, der etwa in Pete's Alter war. Er wirkte jedoch etwas stämmiger und hatte dunkelblondes, schütteres Haar, welches er zu einer Seite über seinen Kopf hinweggekämmt hatte.
„Ahja, der Doktor und Miss Rose Tyler. Treten Sie näher. Ich habe Sie schon erwartet." sagte der Mann betont höflich und deutete auf zwei mit rotem Samt bezogene Sessel ihm gegenüber. Der Doktor kam dem sofort mit federnden Schritten nach und warf sich schwungvoll auf den linken der beiden Sessel, wo er es sich sogleich gemütlich machte. Rose tat es ihm ohne zu zögern gleich und sah sich neugierig im Raum um. Der Boden unter ihren Füßen war mit einem weichen, dicken Perserteppich ausgelegt, der ein Vermögen gekostet haben musste. Doch bis auf den Schreibtisch und ihre Stühle waren im Raum sonst keine weiteren Möbelstücke zu sehen. Sehr eigenwillig.
„Sie sind also der Gelegenheitsmacher." begann Rose unbekümmert. „Eigenwilliger Name…"
„Ich fand ihn passend, Miss Tyler. Denn das ist es, was ich tue. Ich schaffe Gelegenheiten. Doch ich bin kein Wohltäter, verstehen Sie das nicht falsch." Der Mann legte beide Hände mit den Handflächen aneinander und führte die Fingerspitzen an sein Kinn. Dann musterte er sie mit beinahe raubtierhaftem Blick.
„Nun, Doktor. Ich habe schon viel von ihnen gehört. Ihr Ruf eilt ihnen voraus. Wie kommt es, dass Sie so ganz ohne TARDIS hier auf der Erde festsitzen?" fragte er in geschäftsmäßigem aber kühlen Tonfall.
„Ah, sehen Sie…" begann der Doktor im Plauderton „das ist es, was mich neugierig macht. Woher haben Sie diese Informationen? Denn ich war bisher der Meinung, mich hier sehr bedeckt gehalten zu haben."
Der Mann schmunzelte. „Ist das so? Denn ich kann mich an zahlreiche Besuche von Ihnen auf der Erde erinnern. Nicht zuletzt diese unerfreuliche Sache mit den Cybermen. Doch kommen wir zurück zu ihrer TARDIS. Meine Quellen berichteten mir, dass Sie vermutlich versuchen, eine Neue zu bauen. Haben die Timelords sie wieder ins Exil geschickt?" Der Gelegenheitsmacher zwinkerte dem Doktor verschwörerisch zu, doch Rose drehte sich der Kopf. Mehrere Besuche des Doktors? Exil? Was hatte das alles zu bedeuten? Falls dem Doktor ähnliche Fragen durch den Kopf spukten, so ließ er es sich nicht anmerken. Er lächelte weiterhin freundlich und kratzte sich spielerisch mit dem rechten Zeigefinger am Kinn. Dann musterte erden Gelegenheitsmacher mir schräg gelegtem Kopf.
„Ich sage es wirklich nicht gern, aber ich fürchte, Sie verwechseln mich. Was auch immer ihre Quellen berichtet haben – und ich bin mir sicher sie haben gründliche Arbeit geleistet – ist leider falsch. Denn sehr zu meinem Glück" er schenkte Rose einen kurzen Seitenblick „bin ich kein Timelord."
Der Gelegenheitsmacher hob zweifelnd die Augenbraue. Dann wurde seine Miene unleserlich und er hielt für einen Moment starr inne. „Hm, interessant!" murmelte er nach mehreren Augenblicken und musterte den Doktor mit faszinierender Miene. „Sehr interessant. Mir scheint es, sie sagen sie Wahrheit. Sie sein tatsächlich kein Timelord, zumindest nicht vollständig. Was sind sie Doktor? Denn ein Mensch sind sie auch nicht."
Der Doktor rieb sich scheinbar verlegen den Hinterkopf und lächelte schief. „Ach wissen Sie, lange Geschichte. Die simpelste Erklärung ist wohl, dass ich eine biologische Metakrise aus einem Menschen und dem Doktor bin. Das Beste aus beidem, sozusagen. Und daher leider ohne TARDIS, denn die wollte der Andere bedauerlicherweise behalten."
"Faszinierend!" sagte der Gelegenheitsmacher und klatschte in die Hände. „Eine biologische Metakrise. Ich gebe zu, das eröffnet ganz andere Möglichkeiten!"
Bei diesen Worten verengten sich die Augen des Doktors für einen kurzen Moment zu schmalen Schlitzen, bevor er wieder eine unbekümmerte Miene aufsetzte. „Wo wir schon bei faszinierenden Geschöpfen sind," unterbrach Rose die beiden „zu welcher Rasse gehören sie eigentlich? Denn eins kann ich sicher sagen, ein Mensch sind Sie nicht," behauptete Rose und sah ihr Gegenüber mit erhobenem Kinn an. Der Gelegenheitsmacher schmunzelte.
„Genauso wenig wie Sie, Miss Tyler. Doch das macht unsere kleine Zusammenkunft hier doch umso spannender, finden Sie nicht? " Er zwinkerte ihr zu. „Aber unterhalten Sie mich, woran haben Sie es erkannt?"
„Der Armreif an ihrem rechten Handgelenk ist ein Wahrnehmungsfilter. Er überdeckt ihr äußeres Erscheinungsbild mit einem Äußeren ihrer Wahl – was wohl kaum notwendig wäre, falls Sie ein Mensch wären. Ich habe die Dinger oft genug bei Torchwood gesehen, um einen zu erkennen." antwortete Rose in geschäftsmäßigem Tonfall. „Außerdem irren Sie sich, was mich betrifft. Ich bin ein Mensch."
Der Gelegenheitsmacher musterte sie mit hochgezogener Augenbraue, dann wurde sein Blick wieder starr und seine Augen glasig. Dieses Mal dauerte seine Analyse wesentlich länger als beim Doktor und Rose nutzte die Gelegenheit, um diesem einen fragenden Blick zuzuwerfen. Doch der Doktor zuckte nur mit den Achseln. „Faszinierend. Höchst faszinierend!" stieß der untersetzte Mann schließlich hervor und betrachtete Rose beinahe ehrfurchtsvoll.
„Was ist faszinierend?" fragte Rose streng. „Und jetzt sagen sie nicht meine Unterwäsche. Denn ich schwöre ihnen, meine Antwort darauf wird ihnen nicht gefallen." Doch der Gelegenheitsmacher ging nicht darauf ein sondern sagte stattdessen: „Sie glauben tatsächlich ein Mensch zu sein. Doch das sind Sie nicht. Ich kann nicht einmal genau sagen, was sie sind. Denn ein Geschöpf wie Sie ist mir noch nie begegnet. Und das ist mir noch nie passiert."
Rose schwirrte der Kopf und sie warf einen weiteren Blick in Richtung des Doktors. Doch dieser blickte konzentriert in Richtung des Gelegenheitsmachers. „Aber genug davon," meinte ihr Gastgeber schließlich und klatschte gut gelaunt in die Hände. „Denn schließlich habe ich Sie aus einem ganz bestimmten Grund hierher eingeladen." Die Art, mit welcher er das letzte Wort betonte, gefiel ihr nicht. Doch sie sagte nichts. „Wie mein Name schon sagt, biete ich Leuten gerne Gelegenheiten – in ihrem Fall Material zum Bau ihrer TARDIS. Im Gegenzug sammele ich Gefälligkeiten, welche ich zu gegebener Zeit gern einfordere."
„Gefälligkeiten? Welche Art von Gefälligkeiten?" fragte Rose skeptisch, da der Doktor für den Moment seine Stimme verloren zu haben schien und stattdessen immer noch starr auf die Brust des Gelegenheitsmachers blickte.
„Nun, im Falle menschlicher Klienten handelt es sich häufig um Informationen verschiedenster Art, aber auch um Komponenten verschiedenster Herkunft. Seltener bitte ich Sie, verschiedene Handlungen für mich auszuführen. Dies ist eher den nicht menschlichen Klienten vorbehalten."
Rose nickte und fragte schließlich: „Was für Handlungen? Sie reden nicht von Mord, oder?"
Der Gelegenheitsmacher lachte. „Oh nein, Miss Rose. Nicht solche Art von Gefälligkeiten. Sie müssen verstehen, ich bin Geschäftsmann und kein Herrscher. Also keine Sorge. Ich bin mir sicher, dass zwei so außerordentliche Geschöpfe wie Sie äußerst nützlich sein werden, vor allem, wenn sie erst wieder im Besitz einer TARDIS sind. Also? Was sagen Sie?"
„Nein." erklang die feste Stimme des Doktors, während er sein Gegenüber mit seinem Blick durchbohrte.
„Nun, das kommt überraschend. Vielleicht brauchen Sie zunächst auch erst etwas Bedenkzeit, um so einen Vorschlag zu überdenken. Es ist immerhin nicht so, als ob Sie viele Alternativen hätten. Bauteile für eine TARDIS findet man schließlich nicht auf der Straße!" erwiderte der Gelegenheitsmacher in hochmütigem Tonfall. „Ich schlage vor, wir treffen uns hier in einer Woche wieder. Vielleicht haben Sie bis dahin ja Ihre Meinung geändert."
„Nein" erwiderte der Doktor nur und erhob sich ruckartig von seinem Stuhl. Dann hielt er Rose auffordernd seine Hand hin und sagte: „Rose, wir gehen."
Kaum hatte Rose seine Hand ergriffen, zog er sie ohne sich bei ihrem Gastgeber zu verabschieden in Richtung der Fahrstühle. Rose blickte unsicher auf den Gelegenheitsmacher zurück, welcher sie nachdenklich mit gefalteten Händen von seinem Schreibtisch aus beobachtete. Sie warf ihm einen entschuldigenden Blick zu, bevor der Fahrstuhl mit einem Pling seine Ankunft ankündigte. Kaum hatten die Türen sich geöffnet, zog der Doktor sie mit festem Griff hinein. Wortlos stellte er sich mit verschränkten Armen an die Rückwand des Fahrstuhls und blickte mit versteinerter Miene vor sich hin. Rose hingegen schwirrte der Kopf. Statt Antworten zu liefern, hatte dieser Besuch nur noch mehr Fragen in ihrem Kopf aufgeworfen. Sie hoffte sehr, dass der Doktor ein paar Antworten für sie hatte. Wenn nicht, würde sie ihm den Hals umdrehen.
