„Edge, du hättest mit Gangrel nicht in diesem Ton reden dürfen. Er war immer für euch da und wird es auch weiterhin sein."
„Aber wäre er nicht aufgetaucht, dann wäre das alles nicht passiert."
„Es war nicht Onkel Grels Schuld, ich bin Schuld. Ich habe mir gewünscht, dass er da ist und als er da war, wollte ich zu ihm rennen und ihn bitten Daddy zu helfen." Christian schaute Schuldbewusst zu Boden.
„Keiner von euch hat Schuld. Schuld hat euer Vater selber. Was musste er euch denn auch mit auf die Jagd mitnehmen."
Etwa eine Woche später war die Beerdigung. Gangrel hatten sie seit diesem Tag nicht mehr gesehen.
- Viele Jahre später in Toronto –
„Christian warte, doch Christian reagierte gar nicht auf das Rufen seines Bruders. „Bitte Chris bleib hier." Edge rief verzweifelt nach seinem Bruder und rannte ihm hinterher, um ihn aufzuhalten. Aber Christian war einfach schneller und verschwand in der Dunkelheit. Da Edge ihn aus den Augen verloren hatte, kehrte er nach Hause zurück, in der Hoffnung, dass sein Bruder schon dort wäre. Er machte sich solche Vorwürfe wegen des Streites, den sie hatten und dass er ihn hatte einfach weglaufen lassen. Und das auch noch in einer Gegend, in der es nur so von Vampiren wimmelte. „Oh Christian, warum habe ich dich nicht festgehalten. Hoffentlich passiert dir nichts. Ich könnte es mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustoßen würde." Edge ließ sich auf das Sofa fallen und schlief ein.
In der Zwischenzeit hatte Christian sein Tempo verringert und registrierte erst jetzt, wo er sich befand. Erschrocken schaut er sich um und lief immer tiefer in das Vampirgebiet hinein. Verzweifelt schaute er sich nach einem Weg aus diesem gebiet heraus um. Wie lange er nun schon durch die Straßen lief, wusste er schon nicht mehr, als er sich erschöpft auf eine Bank niederließ und seinen Kopf auf seiner Hände stützte. Was er nicht bemerkte, was die Tatsache, dass er nicht alleine war. Der er die zweite Person nicht bemerkt, ließ er seinen Tränen freien Lauf. Die zweite Person setzte sich neben ihn und legte einen Arm um seine Schultern. In diesem Moment erschrak Christian und wich zurück.
„Bitte nicht, ich wollte nicht in euer Gebiet eindringen.", sagte er, während sein Gegenüber ihm fest in die Auge schaute.
„Keine Angst, ich werde dir nichts tun. Aber ich glaube nicht, dass du hier in der Kälte übernachten möchtest." Christian wusste nicht, was er sagen sollte und ließ sich deshalb einfach mitziehen.
„Du hast keine Ahnung, wer ich bin oder?"
„Sollte ich Sie kennen?"
„Eigentlich solltest du mich kennen. Und das förmliche lassen wir mal auch fein stecken. Und jetzt komm mit Christian."
„Aber woher...?" aber noch bevor er weiterfragen konnte, legte Gangrel ihm einen Finger auf den Mund.
„Lass uns woanders weiterreden, hier ist es zu gefährlich für mich." Gangrel zog Christian in die Dunkelheit.
„Du bist ein Vampir oder nicht?", wollte Christian wissen.
„Ja verdammt, ich bin ein Vampir. Aber jetzt lass uns verschwinden. Es sind zu viele Jäger unterwegs. Ich kann dir aber nicht helfen, wenn mich die Jäger erwischen."
„Wenn du schon meinen Namen weißt, weißt du doch bestimmt auch, mit wem du es zu tun hast."
„Ja mit dem kleine Bruder des „großen Jägers". Aber jetzt kommt endlich." Christian war sich nicht mehr so sicher, ob er Gangrel vertrauen sollte. Doch Gangrel ließ nicht locker und zog ihn einfach hinter sich her.
Nach etwa eine viertel Stunde gelangten sie endlich bei einer alten Ruine an. Gangrel und Christian begaben sich in einen dunklen Keller.
„Hier sind wir sicher.", sagte Gangrel und zündete ein paar Kerzen an.
„Du bist hier sicher, wolltest du sage. Ob ich hier sicher bin, wage ich noch zu bezweifeln."
„Wenn du angst hast, dass hier noch mehr von meiner Sorte auftauchen könnten, kann ich dir beruhigen."
„Wieso, willst du mich etwa noch schnell beißen, bevor jemand kommt?"
„Nein will ich nicht. Aber meine Leute wissen, dass sie hier nicht so einfach reinkommen dürfen. Zumal ich ihnen auch verboten habe, die Opfer in unserem Versteck zu beißen."
„Ist ja schön und gut, aber wenn hier jemand will, dass ich ihm vertraue, sollte er mir wenigstens sagen, was er von mir will."
„Ich weiß nicht, warum du vor deinem Bruder weggerannt bist, aber ich kenne dich gut genug, um zu wissen oder zu erahnen, dass er etwas getan hat, was dir nicht gefällt."
„Bloß weil er ein großer Jäger ist, muss ich es auch unbedingt sein. Ich habe aber einfach keine Lust, die ganze Zeit hinter irgendwelchen Typen hinterher zu rennen, bloß um ihnen dann einen Pflock in den Körper zu rammen."
„Das ist nun mal halt das Schicksal eines Jägers."
„Das klingt je gerade Wegs, als würde es euch Spaß machen, von uns gejagt zu werden."
„Manchmal schon. Aber wieder zu dir. Bist du dir sicher, dass es nur das Slayen ist, was dich nervt? Oder ist da noch etwas mehr?"
„Was sagt dir, dass da noch was ist?"
„Weil ich dich scheinbar besser kenne, als du dich selber kennst. Andere Vampire würden dir jetzt sagen, dass sie so etwas spüren. Also was nervt dich an deinem Bruder?"
„Egal was ich mache, er ist nie richtig zufrieden damit. Ständig findet er etwas zu nörgeln. Aber wenn ich ihn dann mal anmache, weil er mal wieder nicht pünktlich zu einer Verabredung auftaucht, bekomme ich zu hören, dass ich kein Recht habe mich darüber aufzuregen. Und außerdem ist er der Meinung, dass es mich nicht zu interessieren hat, was er die ganze Zeit macht."
„Aber wenn du mal etwas machen willst, musst du ihm Bescheid geben."
„Nicht nur das, er besteht jedes mal darauf mitzukommen. Was mache ich hier eigentlich. Ich erzähle ausgerechnet einem Vampir meine Probleme."
„Mich stört es nicht. Wie gesagt, ich scheine dich besser zu kennen, als du dich selber kennst. Was hältst du davon, für uns Vampire etwas im Lager der Slayer zu spionieren?"
„Und wie bitte stellst du dir das vor? Wie bitte soll ich mit euch kommunizieren und ihre Pläne verraten?"
„Das lass mal meine Sorge sein. Wenn du es tatsächlich tun würdest, wäre es sehr nett, wenn du versuchen könntest herauszubekommen, ob etwas dran ist, dass sie einen großen Schlag gegen uns planen."
„Und wenn es so ist, was bitte soll ich dagegen tun?"
„Du musst es mir nur sagen, damit ich meine Leute warnen kann."
„Dann solltet ihr euch ganz schnell ein neues Versteck suchen."
„Wieso?"
„Es macht in unseren Reihen die Runde, dass jemand euer Versteck kennt und das sie in einer der nächsten Nächte herkommen wollen." Plötzlich klopfte es beharrlich an der Tür.
„Gangrel ich bin es Jack."
„Versteck dich, er muss dich nicht sehen." Gangrel wartete einen Moment, bevor er Jack herein bat.
„Was gibt es denn so dringendes?"
„Wir sollten uns ein neues Versteck suchen. Die Slayer rücken immer näher. Sie haben zehn unserer Leute erwischt."
„Und sie müssten reichlich dumm sein, wenn sie sich nicht denken könnten, dass unser Versteck ziemlich in der Nähe sein muss. Schnapp dir alle die du finden kannst, wir treffen uns dann in der alten Ruine am Stadtrand. Ich habe noch etwas zu erledigen." Nachdem Jack gegangen war, wandte sich Gangrel wieder an Christian.
„Deine Warnung kam leider etwas spät. Ich glaube Edge vertraut dir nicht alles an. Ich finde es etwas merkwürdig, dass er seinem eigenen Bruder nicht zu hundert Prozent vertraut. Es tut mir leid und ich entschuldige mich schon mal Voraus, für das was ich jetzt tun muss. Aber irgendwie will ich ja heil hier rauskommen. Ich verspreche dir nur, dass ich dir nichts tun werde. Ich werde die nur als Freifahrtsschein benutzen müssen. Sie haben die Wahl mich gehen zu lassen oder dich zu verlieren. Und so wie ich deinen Bruder vorhin erlebt habe, wird er es vorziehen mich gehen zu lassen, als Gefahr zu laufen, dich zu verlieren.
