Kapitel 3
Seitdem hatte er ein paar Mal darüber nachgedacht, Sirius' Rat zu suchen. Oder ihm wenigstens zu erzählen, was passiert war. Das Ding war nur: Es war nicht wirklich etwas passiert. Er war in dieses Striplokal gegangen, um es mit der Kellnerin zu machen, Lily war da gewesen, sie hatten geredet, er war gegangen... Darum hatte er gedacht, vielleicht gab es etwas bezüglich Hestia, über das er reden wollte? Aber was?
Es war nichts vorgefallen, er hatte Moody gesagt, dass sie nicht für den Dienst zugelassen werden sollte und seitdem hatte Moody auch keine weiteren Trainingsstunden angesetzt, er hatte sie also nicht mehr gesehen. Marlene hatte versucht, mit ihm darüber zu reden, ob er nicht ein gutes Wort für Hestia einlegen könnte, weil es der offenbar gerade wirklich schlecht ging, aber dem hatte James sich aus Prinzip entzogen.
Dabei ging es um Integrität!
Sein Wort zählte, also musste er die Wahrheit sagen.
Nun, jedenfalls hatte er also überlegt, ob er mit Sirius über irgendetwas reden sollte oder wollte, aber war nicht schlüssig geworden, wie er ihm irgendetwas hätte erklären sollen und hatte es dementsprechend unterlassen, ein Gespräch zu beginnnen, welches dann nur in Gestammle und Schweigen enden würde. Aber eigentlich wusste er, dass er mit ihm reden wollte, es war eher das 'Wie', das ihn unschlüssig zögern ließ.
„Schneller, schneller, schneller, schneller!", rief er der Klasse gerade ungeduldig zu, während er sie durch den Hyde Park hetzte. „Ich bin doch der älteste hier, wieso bin ich so viel schneller als ihr?", spornte er sie an. Die einzige, die mit ihm mithalten konnte (wie immer), war Lily. Sie lief, so sah das für ihn aus, locker neben ihm her, mied aber seinen Blick, seid er sie das letzte Mal in diesem blöden Striplokal aufgesucht hatte. Stöhnend blieb er stehen und wartete, bis seine Schüler ihn eingeholt hatten, was länger dauerte, als es eigentlich sollte. Seine Schüler waren nicht so weit, wie sie normalerweise sein sollten. „Wir versuchen das anders.", maulte er unbefriedigt über diese Erkenntnis.
„Wir können nicht mehr, wir laufen schon über zwei Stunden!", stöhnte Gideon dazwischen.
„Schweigen Sie!", ermahnte er ihn. „Sie können nicht mehr, Sie haben Ihre Grenzen erreicht sagen Sie? Ein Auror muss weiter machen, auch wenn er nicht weiß, wie, mehr leisten, auch wenn er keine Kraft mehr hat, überleben, auch wenn er keinen Sinn mehr darin sieht, verstanden?", fügte er hinzu. „Wir gehen das anders an und tun etwas für den Teamgeist.", fügte er dann hinzu.
„Oh je...", hörte er irgendwo, ignorierte das aber.
„Uh – Evans und ich laufen vor, ich bin der Todesser – sie meine Geisel.", sagte er schließlich, sodass Lily stöhnte. „Sie bleiben hier stehen, aber wenn ich blaue Funken hier hin schicke, kommen Sie hinterher und befreien Evans. Wenn Sie uns nicht einholen, dann wissen Sie, was ihr blüht!", sein Blick fiel auf Lily, die ihre Augen verdrehte und schnaubte.
„Wieso ich?", fragte sie.
„Weil Sie schon mithalten.", erwiderte er einfach. „Also los.", er bedeutete ihr, ihm zu folgen und sie liefen gemeinsam los. Zuerst schwiegen sie, aber das war ihm sehr unangenehm, also seufzte er schließlich, auf der Suche, nach einem guten Gesprächsthema. „Ich wollte noch einmal fragen, was du gemeint hast.", stellte er fest.
„Was meinst du?"
„'Männer wie ich'. Was ist mit mir?", fragte er sie, da wurde sie rot.
„Ich weiß nicht mehr, was ich damit gemeint habe.", log sie. Er schnaubte.
„Ich bin Auror, du kannst mich nicht anlügen.", erinnerte er sie. „Sag schon, ich verurteile dich nicht. Ich bin eh aus Stein, deine Meinung prallt vollkommen an mir ab.", nachdem er das gesagt hatte, schickte er blaue Funken nach hinten und warf einen Blick zu den anderen Schülern, um zu schauen, ob sie folgten. „Sprich dich aus, Evans, sonst prügle ich die Wahrheit auch aus dir heraus, denk' nicht, ich würde das nicht tun!", warnte er sie.
Sie stöhnte beherzt, bevor sie nachgab, aber als er das frustrierte Geräusch hörte, wusste er schon, dass er eine Antwort erhalten würde, also ließ er ihr die Zeit, die sie brauchte und wartete einfach gespannt. „Ich meinte damit, dass du mir gefallen hast und dass das Dinge immer nur kompliziert macht.", stellte sie also jetzt klar, woraufhin er sie schockiert von der Seite ansah. „Und Merlin, ich hatte Recht. Stell dir vor, wir hätten es miteinander gemacht und am nächsten Tag wären wir uns im Unterricht wieder begegnet.", fuhr sie dann rechtfertigend fort, dabei sah sie starr geradeaus. „Was für ein Desaster."
„Was – wirklich?", fragte er zur Sicherheit noch einmal nach.
„Wirklich.", erwiderte sie schulterzuckend. „Komm schon, du gefällst vielen Frauen, Mindy ist ohne zu zögern mit dir mit gegangen.", er runzelte die Stirn. „Die Kellnerin?", schnaubte sie abfällig.
„Aber das ich dir gefallen würde, darauf wäre ich nie gekommen!", erwiderte er. „Du bist, seit wir uns kennen, immer nur abweisend und biestig gewesen.", fügte er zu seiner Verteidigung hinzu.
„Weil du mein Lehrer bist, du sollst mir nicht gefallen. Und – uh – und es ist logisch, dass ein One-Night-Stand mit dir mir nur Kummer bringen würde.", er stöhnte und fuhr über sein Gesicht um sich zu sammeln.
„Ich weiß.", sagte er schließlich nur, weil er wusste, dass sie recht hatte. Auch wenn ihm das nicht gefiel. „Sind die anderen schon näher gekommen?", fragte er sie, da warf sie einen Blick zurück.
„Nein, wir haben sie abgehängt.", antwortete sie. Er verdrehte seine Augen.
„Nicht einmal waschechte Drohungen nützen.", schnaubte er.
„Was meinst du?"
„Damit meine ich: Sie wissen, was dir blüht, aber das ist ihnen egal. Sie machen erst einmal eine Pause.", maulte er hinterher. Sie wurde ein wenig rot. „Ihr habt alle keine Ahnung, wie das ist, wenn man hinterher nur noch bedauern kann.", sie warf ihm einen forschenden Blick zu.
„Sie wissen, dass du mir nichts tun wirst.", erwiderte sie. „Das hier ist nur das Training."
„Was wäre, wenn es das nicht wäre?", seufzte er bitter.
„Ich – uhm – ich wollte mich entschuldigen.", meinte sie jetzt plötzlich kleinlaut. „Ich schätze es stand mir nicht zu, danach zu fragen, was passiert ist.", er zuckte mit seinen Schultern.
„Es ist weniger ein Geheimnis.", tat er das ab.
„Nun, von uns wusste es keiner und – und Fabian kannte auch nicht die ganze Geschichte.", stellte sie fest.
„Aber nicht, weil es ein Geheimnis ist, sondern weil ich nicht besonders viel darüber rede.", erklärte er ihr. „Als Auror kann man sich keinen wunden Punkt leisten, verstehst du, Evans? Es macht keinen Sinn, darüber zu jammern und zu klagen, was mir passiert ist.", er zuckte mit seinen Schultern.
„Es ist dir also egal?", fragte sie ungläubig.
„'Egal' ist sicher das falsche Wort.", seufzte er. „Ich habe damit abgeschlossen. Sie wird nie mehr zu mir zurück kommen, meidet mich seit zwei Jahren und versteckt sich vor mir, wenn wir im selben Geschäft einkaufen. Es gibt auch keinen Grund für mich, weiterhin Gefühle für sie zu hegen. Das macht mich erpressbar.", sie nickte.
„Du bist der geborene Auror.", meinte sie, worauf er nur schief grinsen konnte. „Plagen dich Schuldgefühle?"
„Wieso meinst du?"
„Moody hat gesagt, du warst auf dem Einsatz dabei.", er verdrehte seine Augen. So ein Plappermaul, hatte ihnen einfach brühwarm die ganze Geschichte erzählt! „So, wie ich dich einschätzen würde, müsstest du doch – ich meine – irgendwie muss dich das doch beeinflussen...", abermals zuckte er mit seinen Schultern.
„Ich war nicht schnell genug, weißt du? Sie hatten sie geschockt und ich hätte Zeit gehabt, meine Freundin zu retten, aber ich war nicht schnell genug.", sie musterte ihn von der Seite und blieb jetzt stehen, dabei griff sie an sein Handgelenk, sodass auch er inne hielt und sich zu ihr drehte.
„Ist das wahr oder ist das der Vorwurf, den du dir machst?", fragte sie schwer atmend.
„Meiner Meinung nach ist das wahr.", sagte er. „Moody sagt, wäre ich schneller gewesen, dann dürfte ich kein Mensch sein. Ich meine – uh – ich erinnere mich daran, als wäre es gestern, ich war wirklich schnell, ich habe sie sogar ein oder zwei Mal zu fassen gekriegt, aber am Ende... Aber am Ende war es einfach zu knapp. Ich habe es nicht geschafft.", warum er ihr das erzählte, das konnte er gar nicht genau sagen, denn eigentlich war das seine Privatsache und er hatte die detaillierte Version nur Sirius im Vollsuff erzählt. Sie musterte ihn traurig, da zuckte er wieder mit seinen Schultern. „Also: Ich war nicht schnell genug.", beschloss er noch einmal.
„Wie hat sie überlebt?", fragte sie schließlich.
„Nun, sie hatten meine Freundin, richtig? Ich habe überall nach ihr gesucht, alle geheimen Missionen auffliegen lassen und jedes Nest, von dem wir wussten gesprengt, auf der Suche nach ihr, die waren alle ziemlich sauer auf mich. Aber schließlich habe ich sie gefunden. Mit dem großartigen Erfolg, dass sie mich nicht mehr ansehen wollte und mich dann verlassen hat", sie seufzte bedauernd.
„Und die Todesser?", fragte sie tonlos. Er räusperte sich.
„Sind geflohen.", antwortete er steinern, da nickte sie verstehend.
„Hast sie umgebracht, huh?", mutmaßte sie. Einen Moment zögerte er, eigentlich wollte er es nicht vor ihr zugeben, aber dann nickte er schließlich. Sie reagierte ganz anders darauf, als er gedacht hätte.
Ihr Körper schoss vor und sie küsste ihn.
Warum wusste er nicht, wirklich nicht. Das ergab alles keinen Sinn (um nicht zu sagen: Typisch Weiber!), aber sie küsste ihn heftig auf den Mund und fasste dabei an sein Gesicht. Im ersten Moment ermahnte er sich, dass er das nicht zulassen durfte, weil sie seine Schülerin war und weil sie ja eben noch gesagt hatte, dass ein One-Night-Stand mit ihm ihr nur Kummer bereiten würde und weil er dem nur zustimmen konnte. Aber der Trieb, sie zurück zu küssen war irgendwie sehr viel stärker. Nachdem er sich also zuerst ermahnt hatte, erwiderte er den Kuss schließlich und brachte sie gegen einen Baum.
Und dann knutschten sie einen langen Augenblick, mit Haare anfassen und Stöhnen und heftigem aneinander Reiben, er hatte schon seit langem nicht mehr so mit jemandem geknutscht (sicher nicht mit seinen ständig wechselnden Bettbekanntschaften). Merlin, konnte die küssen! „...vielleicht sind sie hier lang?", hörte er aber plötzlich, da löste er sich von ihr und starrte sie kurz überrascht an, sie errötete.
„Greif mich an.", verlangte er.
„Was?"
„Greif mich an, sonst greife ich dich an!", warnte er sie wieder, aber es war offensichtlich, dass sie noch nicht verarbeiten konnte, was passiert war oder was er sagte. Jedenfalls holte er aus und ohrfeigte sie, so heftig, dass sie zur Seite flog. Sie stöhnte überrascht, fasste sich aber dann und griff ihn endlich an.
Als die anderen um die Ecke kamen, da rollten sie gerade auf dem Boden herum, im ersten Moment musste es lustig aussehen, aber dann bemerkten die anderen, dass Lily geradezu panisch schluchzte und er immer wieder versuchte, sie unter sich zu begraben, während sie nicht die Kraft aufbringen konnte, ihn davon abzuhalten. Da sie nicht sofort reagierten, zog er an ihrem Shirt, bis er Stoff reißen hörte, da griff Benjy endlich ein und trennte die beiden ziemlich gewaltsam mit Gideon's Hilfe. James reagierte sofort im Gegensatz zu ihnen sofort und sprang auf.
„Sie sind spät!", ermahnte er seine Gruppe aufgebracht. „Wo waren Sie so lange?", die anderen sahen betreten zu Lily, die noch einmal schniefte und sich zittrig von Gideon aufhelfen ließ.
„W – wir haben Sie verloren.", flüsterte er betreten.
„Gut gemacht!", sagte er sarkastisch. „Wenn ich ein Todesser wäre, dürftet ihr jetzt Evans' Eltern aufsuchen und ihnen den bewichsten Leichnahm ihrer Tochter übergeben, ich hätte genug Zeit gehabt!", auf seine Aussage seufzte Benjy mit einem schuldigen Blick zu Lily, also trat James jetzt zu ihr, die immer noch ziemlich verstört wirkte, zog seinen Zauberstab und sein Taschentuch und feuchtete es an. „Hey, tut mir Leid, Evans, das war fester, als geplant.", entschuldigte er sich dieses eine Mal.
„Ich habe nicht aufgepasst.", maulte sie nur.
„Nein, nein, der geht auf mich, das hier ist ein Training, kein Grund, Ihnen den Kopf ab zu reißen.", darauf reagierte sie kaum, sondern ließ nur zu, dass er das feuchte Taschentuch auf den roten Abdruck legte. „Zur Strafe dürfen Sie alle noch acht – uh – neun Runden laufen, ich will, dass Sie begreifen, dass das hier das Training ist – aber da draußen wartet die richtige Welt und ich meine das alles hier wirklich ernst! Ich schrecke nicht davor zurück, Sie spüren zu lassen, was da draußen passiert. Das kommt noch früh genug auf Sie zu!", fuhr er den Rest der Truppe an.
„Was ist mit mir?", fragte sie ihn unsicher, da seufzte er.
„Gideon trägt Sie auf dem Rücken.", beschloss er schließlich, sodass Gideon ihm einen bösen Blick zu warf, trotzdem gehorchte er und ging auf seine Knie, damit Lily auf seinen Rücken klettern konnte.
Den Rest der Stunde hatte er Lily weitgehend gemieden, im Hinterkopf den festen Plan geformt, sofort zu Sirius zu marschieren und mit ihm darüber zu reden, was passiert war und seine Klasse noch einmal ordentlich zu Schnecke gemacht, bevor er sie entlassen hatte. Merlin, er fühlte sich schrecklich. Evans hatte ihn geküsst! Und viel schlimmer noch: Er hatte es zugelassen. Ja, er hatte sogar mitgemacht! Wenn das jemand heraus fand – wenn Moody das heraus fand, dann musste er sie vom Unterricht suspendieren und ihn vom Dienst, dann durfte er Zuhause bleiben und gegen seine Wand starren, bis der Tod ihn holen kam!
Nach dem Unterricht suchte er also Sirius' Schreibtisch auf und tatsächlich saß der dort und grübelte über einem Pergament. „Hey.", grüßte er ihn kleinlaut.
„Mh.", kam aber nur zurück.
„Alles klar?"
„Mh.", James verdrehte seine Augen. „Irgendwie ergibt das keinen Sinn mehr, aber okay.", murmelte er dann, ehe er den Fetzen zur Seite legte. „Was gibt's?", fragte er dann. James zuckte mit seinen Schultern.
„Nichts, worüber ich hier und jetzt mit dir reden könnte. Hast du Lust auf Chinesisch?", fragte er.
„Du meinst, du willst das Ministerium für die Pause verlassen?", hakte sein bester Freund überrascht nach.
„Unbedingt.", seufzte er.
„Okay...", machte der rätselnd. „Uh – kommt noch jemand?"
„Nein, ich wäre lieber alleine.", erwiderte er. „Meiner Meinung nach ist es nicht klug, weiterhin mit meinen Schülern zu essen, nur, dass du es weißt.", darauf runzelte Sirius seine Stirn.
„Du meinst Evans."
„Ich meine Evans.", bestätigte er ebenso leise, wie er das bei Sirius bemerkt hatte. „Können wir also gehen?", Sirius seufzte, da wusste er bereits, dass er ihn abweisen würde.
„Sieh, ich stecke hier gerade fest. Vielleicht können wir heute Abend ausgehen und darüber reden?", schlug er vor, woraufhin er sofort nickte. Mist, er hatte gehofft, wenn er keine Zeit hatte, darüber nachzudenken, was er sagen wollte, würde es ihm vielleicht nicht schwer fallen, es Sirius zu erzählen...
„Soll ich dir was vom Chinesen mitbringen?", fragte er aber dann eher fürsorglich und sein bester Freund, der sich schon wieder seinem Fetzen zugewandt hatte, runzelte konzentriert die Stirn.
„Das übliche, wenn es geht.", er nickte und klopfte Sirius abschließend auf die Schulter, dann drehte er sich, um etwas Essbares zu organisieren. „Hey – James!", er drehte sich wieder zu ihm um. „Ich verspreche, wir können heute Abend darüber reden, okay? Wenn ich einen Kopf dafür habe!", darauf nickte James.
„Ja, ich weiß.", beteuerte er ihm beiläufig und machte sich auf den Weg. Aber noch ehe er die Tür erreicht hatte, hielt er inne.
Hestia's Schreibtisch war leer geräumt. Sie war fort. Einen Moment zuckten seine Mundwinkel nach unten und ihm traten Tränen in die Augen. Er hatte bis zum Schluss gehofft, wenn sie wieder kam, dann hätten sie vielleicht eine Chance. Natürlich war das Unsinn gewesen, gewusst hatte er es, aber trotzdem, die Hoffnung war da gewesen. Die leise Hoffnung, dass sie ihn irgendwann wieder ansehen wollte oder zuließ, dass er sie wieder in seine Arme nahm, um sie zu trösten.
Hätte er sie doch nur ein einziges Mal mehr in seinen Armen gehalten. Er wünschte sich, er hätte sie öfter geküsst. Er wünschte sich, er hätte ihr häufiger gesagt, wie viel sie ihm bedeutete. Er wünschte sich, er hätte ihr ständig Blumen geschenkt. Natürlich wusste er, dass das alles nichts genützt hätte, aber es war schade um die verschwendete Zuneigung, die er nicht in dem Maße ausgedrückt hatte, wie er es hätte sollen.
Jetzt, da es endgültig vorbei war, war sowieso nur noch Bedauern in ihm, dass er sie verloren hatte...
Nun.
Sie war fort. Es war vorbei. Er seufzte, dann räusperte er sich und verließ das Büro, obwohl er sehr wohl bemerkte, dass ihn alle angesehen hatten, ignorierte er das so gut es ging und machte sich auf den Weg, Sirius etwas anständiges zu Essen zu besorgen.
Sie saßen in James' kleinem Zimmerchen vor dem Muggel-TV und guckten Fußball, beide ein Bier in der Hand und eher betreten, als ausgelassen. Sirius schien zu ahnen, dass James nicht zum feiern zumute war, vermutlich hatte auch er gesehen, wie er vor Hestia's Schreibtisch gestanden hatte, aber noch nicht angesprochen, ob er darüber reden wollte. James selber war sich mittlerweile unsicher, was er ansprechen wollte. Normalerweise teilte er so ziemlich alles mit seinem besten Freund (von ihn beiden war James eher die Plaudertasche), aber plötzlich wusste er nicht mehr, wie er anfangen sollte. Oder wo. Oder mit was...
„Darf ich dir eine Frage stellen?", fragte Sirius aber schließlich, woraufhin ihm ein aufgebrachte Schnauben entwich.
„Was soll das denn bedeuten?", fragte er ihn vorwurfsvoll, woraufhin er sich räusperte.
„Ich meine das nicht böse, aber ich weiß, dass die ganze Situation auf der Arbeit dich gerade sehr belastet und ich möchte dich nicht noch zusätzlich belasten.", er seufzte.
„Frag' nicht so blöde Sachen, Sirius, wenn ich dir auf irgendetwas nicht antworten möchte, dann tue ich das auch nicht!", maulte er nur, sodass er sich erneut räusperte und zur ursprünglichen Frage ansetzte.
„Frank hat gesagt, dass Evans in dem Stripclub getanzt hat, auf seinem Junggesellenabschied.", äußerte er sich sehr bedacht. „Und dass du sie angesehen hast, als wäre sie die Erlösung allen Übels und dein Glück bei ihr versuchen wolltest.", erklärte er ihm.
„Ich habe es nicht mit ihr gemacht.", antwortete er sofort ungeduldig auf die nicht gestellte Frage.
„Oh.", machte Sirius. „Okay, das ist gut.", stellte er fest. „Ich wollte nur fragen, du weißt schon, ich will nicht, dass du in Schwierigkeiten steckst, vor allem, wenn es auf der Arbeit belastend genug für dich ist.", murmelte er ganz verlegen, da ächzte James.
Ihm ging es so schlecht. Nicht nur, weil Hestia weg war oder weil Lily ihn geküsst hatte oder weil er mittlerweile so ziemlich jeden seiner Freunde verprügelt hatte – sondern weil er sich nicht mehr äußern konnte! Er konnte Sirius nicht einmal sein Herz ausschütten, weil er nicht in Worte fassen konnte, was ihn bedrückte! Er konnte reden und mürrische Antworten oder Anweisungen geben, aber sobald es darum ging, seine Gefühle zu äußern, blieben ihm die Worte im Hals stecken... „Du wirkst ziemlich unglücklich neuerdings.", flüsterte Sirius jetzt nur noch.
„Mh.", machte er gequält.
„Möchtest du reden?"
„Ich möchte schon, aber – uh – ich – ich – ich kann nicht.", gab er zu, dabei füllten sich seine Augen unvorhergesehen mit Tränen. Mann. Er wollte nicht so nah am Wasser gebaut sein, er wollte der starke Auror, der Held sein, den alle in ihm sahen und mit dem Moody sich immer rühmte.
„Okay.", kam es wieder auf berühmte Sirius-Art. „Du weißt, dass du könntest, oder? Ich meine, ehe ich dich verrate, würde ich lieber sterben, bei mir ist jedes Geheimnis verschlossen. ...oder du könntest es mir erzählen und mein Gedächtnis löschen, du weißt, dass dieses Angebot jederzeit steht.", erinnerte er ihn.
Das hatten sie schon öfter gemacht. James hatte mal einen ganzen, hysterischen Anfall aus Sirius' Gedächtnis gelöscht, ganz kurz, nachdem Hestia ihn verlassen hatte. „Weiß ich.", würgte er hervor. „Es geht – uhm – es – es geht mehr um...", so stotterte er hinterher und als er bemerkte, wie er stammelte, da verließ ihn der Mut und er verstummte.
„Dir fehlen die Worte.", stellte Sirius betreten fest. Das kannten sie auch schon. Vor besagtem hysterischen Anfall hatte James nämlich vier Tage dasselbe Problem gehabt. Gestottert und keine Worte gefunden, um auszudrücken, was er sagen wollte. Seiner Meinung nach lag das daran, dass sie während ihrer Ausbildung gelernt hatten, ihre Gefühle tief in ihrem Inneren einzusperren und niemals an die Oberfläche kommen zu lassen. Und weil er ein guter Auror sein wollte, hatte James sich das sehr zu Herzen genommen, alle Emotionen, die ihn beeinträchtigen würden, aussortiert und tief, tief, tief in seinem Inneren vergraben, damit sie ihn eben nicht beeinträchtigen konnten.
„Mh.", quälte er sich ab.
„Ich weiß zwar, dass du das nicht so lustig findest, aber würde es dir helfen, zu singen?", fragte Sirius ihn zögerlich, woraufhin er stöhnte. Na super! Jetzt sollte er über seine Probleme singen! „Ich meine nur, damit du nicht stotterst.", verteidigte er seinen Vorschlag.
„Mh.", machte er unzufrieden, dann lehnte er sich gegen die Couchlehne und fuhr über sein Gesicht. Vielleicht war das aber die einzige Möglichkeit, wie er sich momentan mitteilen konnte? Und er hatte es dringend nötig, er merkte, dass er gleich an seinen Worten ersticken würde, es würgte ihn, wenn er sprechen wollte... Also warum nicht? Er hatte das schon einmal gemacht.
Es dauerte eine ganze Weile, bis er so weit war, aber Sirius war geduldig. Sie kannten sich eben schon lange und als James das erste Mal Probleme dieser Art gehabt hatte, da hatte er sich ziemlich hartnäckig daran gesetzt, eine Lösung für die Sprachbarriere zu finden. Er benutzte meistens dieselbe Melodie in der Sirius und er immer die Schulhymne gesungen hatten, etwas langsames, ruhiges, eher unheilvolles. Schwanensee. „Lily Evans hat mich neulich geküsst.", summte er also schließlich aufgeregt. Aufgeregt darüber, wie Sirius reagieren würde und – ganz ehrlich – immer noch aufgeregt darüber, dass sie ihn geküsst hatte. Ein waschechter Kuss, mit anfassen und Zunge, so blöd das auch klang...
Sirius reagierte glücklicherweise so, wie er es halb erwartet hatte. Im ersten Moment gar nicht, dann realisierte er, was James ihm da gerade gesagt hatte und letztendlich starrte er ihn fassungslos an. „Was?"
„Mh.", brachte er wieder nur hervor, dieses Mal ein bisschen bestätigend.
„Aber wann? Und wieso?", er zuckte mit seinen Schultern.
„B – beim – beim Training.", stammelte er.
„Erzähl mir, was passiert ist.", er ächzte ein bisschen, sich sehr wohl darüber im klaren, dass Sirius solche Sachen extrem eng sah und er eigentlich nicht unschuldig an dem Kuss gewesen war (er hatte ihn zumindest immerhin erwidert, statt sie zu ermahnen oder zu melden), aber dann holte er tief Luft.
„Ich war der Todesser, sie war meine Geisel-", begann er in 'Hänschen Klein, ging allein', um Sirius wenigstens ein bisschen zum Lachen zu bringen, woraufhin der auch tatsächlich gluckste. „-und als wir alleine war'n, hat sie mich geküsst.", sein bester Freund verdrehte seine Augen schmunzelnd über ihn.
„Aber wieso?", darauf konnte er nur kopfschüttelnd mit seinen Schultern zucken. „Weiber. Das ergibt doch alles keinen Sinn! Sie tut doch immer so, als wärst du die Pest!", wieder zuckte er mit seinen Schultern.
„Sie hat vorher gesagt, dass sie mich eigentlich mag, als sie mich im Striplokal sah, da fand sie mich scharf.", sang er jetzt in 'Singing in the Rain', woraufhin Sirius richtig lachen musste.
„James, hör auf damit, das ist nicht lustig!", ermahnte er ihn amüsiert. „Sie ist deine Schülerin, das weißt du doch! Ihr geratet noch richtig in Schwierigkeiten, wenn heraus käme, dass du etwas mit ihr hättest...", fügte er etwas ernster hinzu.
„Wei – weiß ich.", seufzte er.
„Hat sie sich noch zu dem Kuss geäußert?", er schüttelte seinen Kopf. „Uh – du – du hast sie abgewiesen, richtig? Ich meine, du weißt, dass du sie melden musst, wenn sie dir zu nah getreten ist, du hast ihr gesagt, dass das nicht geht, richtig?", einen Augenblick musterte James Sirius von der Seite, dann schüttelte er beschämt seinen Kopf.
„V – vie – vielleicht hab' ich mi – mi – mitge – gemacht.", stammelte er verlegen.
Er sah sehr wohl, wie Sirius diesen Satz in ein großes Puzzle einsetzte, aber egal, was er aus dem Gesamtbild letztendlich schloss, er behielt es vorerst für sich. „Also mal so für's Protokoll: Magst du sie?", fragte er schließlich nur. Vor dieser Frage hatte er sich am meisten gefürchtet, so wurde ihm nun klar. Unsicher zuckte er mit seinen Schultern, schüttelte aber dann zögerlich seinen Kopf. Ob das eine Lüge war oder nicht, konnte er selber nicht genau sagen und Sirius (das merkte er ihm an) erst recht nicht, also nahm sein bester Freund es einfach hin und seufzte. „Du kennst sie kaum, huh?", darauf nickte er sofort. „Aber sie ist ziemlich hübsch und ziemlich klug, laut Moody.", er zuckte wieder mit seinen Schultern. „Und du knabberst immer noch daran, dass Hestia dich verlassen hat.", seine Schultern sanken ein wenig herab, aber er schüttelte danach endlich seinen Kopf.
„Es ist vorbei.", sagte er, glücklicherweise ohne großes Stocken. „Keiner von uns beiden ist – ist – ist schuld. Es ist einfach so.", fügte er unglücklich hinzu.
„Dann hast du Angst?", schlug Sirius vor. „Ich meine, eine Freundin zu haben, birgt für dich das Horror-Szenario, dass du dich in sie verlieben und sie irgendwann wieder verlieren könntest.", erinnerte er ihn, woraufhin James stöhnte.
Das lag gut im Bereich des Möglichen. Er wollte keine Angst haben, aber vielleicht hing es damit irgendwie zusammen... „Mh.", machte er nur missmutig, dann nahm er einen Schluck Bier. „Sie ist ohnehin meine Schülerin.", summte er in tiefem Bass, dann lehnte er sich stöhnend zurück und schloss seine Augen. „Verbotenes Terrain."
„Also wieso hast du zurück geküsst?", hakte Sirius nach, woraufhin er mit seinen Schultern zuckte. „Was glaubst du, passiert von hier an? Ich meine, wenn sie dich einmal küsst, dann wird sie dich wieder küssen wollen. Bisher sind sie jedenfalls alle irgendwann zurück gekommen, um mehr von dir zu haben.", er zuckte abermals mit seinen Schultern, antwortete aber nicht. Einen Augenblick schwiegen sie, dann seufzte Sirius abgrundtief und drehte sich ganz direkt zu ihm. „Und du willst sicher nicht über Hestia singen?", hakte er nach, woraufhin er stöhnte.
„Nein.", wies er ihn ab. „Hes und ich, das ist vorbei. Aus den Augen, auf dem Sinn.", sang er jetzt wieder in 'Schwanensee', sodass Sirius seinen Arm tätschelte.
„Wenn sich diese Meinung ändert, sag Bescheid, okay?", er nickte. „Also... Wenn dich sonst nichts mehr bedrückt, worüber du sprechen wollen würdest, dann beenden wir die Sitzung und gucken weiter Fußball?", schlug er vor, da nickte James.
„Willst du mehr Bier?", fragte er.
„Auf jeden Fall, ja."
Er schloss seinen Spind, da merkte er erst, dass jemand hinter ihm stand. Innerhalb von Sekunden zog er seinen Zauberstab, aber es war nur Lily. Überrascht hob er seine Augenbrauen an. „Was tust du hier?", fragte er.
„Ich – uhm...", sie schluckte. „Ich wollte mit dir reden. Über – über neulich.", daraufhin konnte er nur seufzen, in Gedanken dabei, wie er Sirius von dem Kuss hatte vorsingen müssen.
„Ich würde es bevorzugen, neulich einfach zu vergessen.", sie wurde ganz rot, als er das sagte, sodass er erneut seufzte. „Ich schätze, das kam ein bisschen gemeiner, als es geplant war.", murmelte er verlegen.
„Nein.", flüsterte sie zurück, aber er sah, dass ihre Augen feucht geworden waren. „Nein, nein, ich verstehe. Ich meinte auch eher nur: Ich wollte mich entschuldigen.", stammelte sie ein wenig. „Ihnen passiert das bestimmt ständig, richtig?"
„Was?", fragte er zurück.
„Dass sich Ihre Schülerinnen in Sie verknallen. Ich meine, wie ich schon sagte, Sie sind ein toller Typ und kleine Mädchen sehen in Ihnen den Held des Jahrhunderts, also... Das ist bestimmt ein häufiges Problem.", stöhnte sie verlegen, dabei knetete sie ihre Hände manisch. „Also – also sehen Sie, Mr Potter, es tut mir Leid, dass ich Sie geküsst habe. Ich weiß gar nicht mehr, was in mich gefahren ist, dass ich es überhaupt getan habe, ich dachte einfach – keine Ahnung. Es war der Moment, aber jetzt ist der Moment vorbei und ich bin nur wieder die halbnackte Tänzerin aus dem Stripclub, die Sie mal angeguckt haben.", so sprudelte es aus ihr heraus. Er griff jetzt nach ihrer Hand.
„Lily, bitte beruhige dich, ich habe das gerade nicht so gemeint, wie das heraus kam.", seufzte er.
„Sie müssen sich nicht rechtfertigen.", wich sie wieder aus und entzog sich ihm. „Es tut mir so Leid, ich habe mich echt zum Affen gemacht.", murmelte sie verlegen hinterher.
„Hör auf dich zu entschuldigen und-"
„Aber keine Sorge, ich schäme mich genug, um tot umzufallen, ich schätze, ich warte noch, bis Sie weg sind, weil sonst würden Sie am Ende in Schwierigkeiten geraten, aber gleich dann, vielleicht um die Ecke-"
„Hör mir doch bitte wenigstens zu, Lily!", maulte er jetzt. „Merlin! Ich meinte das nicht so!", ermahnte er sie dann. Sie knetete erneut ihre Hände und mied im ersten Moment seinen Blick, dann jedoch stöhnte sie und suchte Augenkontakt.
„Was haben Sie dann gemeint?"
„Ich meinte, dass das unmöglich ist. Du bist meine Schülerin.", gab er schließlich zu. „Und ich komme mit Gepäck. Es nützt nichts, über neulich zu reden, weil es nichts ändert.", sie starrte ihn an, offenbar unsicher, was sie dazu sagen sollte.
„Sie meinen-"
„Du wirst Auror, Lily.", unterbrach er sie wieder. „Es ist gefährlich, irgendeine Art von Gefühlen zuzulassen, denn das macht dich schwach. Das macht dich erpressbar. Du musst lernen, alles einzuschließen.", fügte er hinzu. „Und ich meine alles!", betonte er noch einmal, aber statt sie damit endlich zu beruhigen, konnte er förmlich auf ihrer Stirn sehen, dass sie nur ungeduldig wurde.
„Ist es das, was du getan hast, als du die Todesser umgebracht hast, die deiner Freundin weh getan haben?", fragte sie aufgebracht. Ihm wurde plötzlich klar, was sie dazu bewegt hatte, ihn zu küssen. Wenn er so darüber nachdachte, war es sogar logisch.
Bisher hatte er ihr gegenüber nur den Auror heraus hängen lassen, oftmals sogar den Lehrer und die einzige Emotion, die sie überhaupt von ihm gesehen hatte, war Wut. Wut auf die Todesser, Wut auf die Schüler, Wut auf seine Kollegen, Wut auf Moody und sie und Gideon und alle anderen in seinem Umfeld, wie er sie teilweise angeschrien hatte, seine Freunde vermöbelt hatte, bis die ins Krankenzimmer zu Tim mussten oder seine Schüler bestraft hatte, wenn die ihm nicht schnell genug waren. Und als er zugegeben hatte, dass er die beiden Männer, die Hestia weh getan hatten, aus Zuneigung zu ihr umgebracht hatte, da hatte er vor ihr zugegeben, dass er auch andere Gefühle hatte, außer Wut.
Und, Merlin, er wusste nicht warum, aber das hatte sie bewegt. Das hatte ihr gefallen. Die Vorstellung, dass er auch Zuneigung empfinden konnte, hatte sie dazu gebracht, ihn zu küssen, weil sie ihn toll fand. Einen Moment ertappte er sich bei dem Gedanken, dass er sie gerne geküsst hätte, dass das mächtig Eindruck geschunden hätte, denn das wäre der perfekte Moment gewesen, um eine Frau zu küssen.
In jedem Film hätte der Held die Frau jetzt geküsst.
Aber dann wurde ihm klar, dass das alles nur noch schlimmer gemacht hätte. Hier würde so schnell niemand kommen und sie unterbrechen, was bedeutete, dass sie potentiell gegen den Spind landen würden. Und wenn er sich erst einmal an ihr erleichtert hatte (Merlin, er hätte solche Lust darauf gehabt), dann wäre er wieder ihr Lehrer und sie seine Schülerin gewesen. Wenn Moody davon Wind bekam, dann durfte er seine Sachen zusammen packen und gehen. Außerdem hatte er weitaus wichtigere Verpflichtungen und konnte seine Verantwortung nicht einfach hinten anstellen, nur, weil er gerade Lust auf sie hatte. Er seufzte.
„Sieh mal, das darf niemand wissen, okay? Solche Sachen – solche Informationen bringen einen da draußen um. Und Selbstjustiz wird nicht geduldet. Gefühle machen dich erpressbar. Gefühle machen dich schwach. Du musst lernen, sie zu ignorieren.", belehrte er sie.
Lily sah ihn einen Moment nur an, musterte ihn von oben bis unten und räusperte sich dann. „Du hast Recht.", flüsterte sie. „Es tut mir ehrlich Leid, ich hätte dich nicht küssen sollen.", er seufzte erneut.
„Selbst wenn mir alles egal wäre, Lily, ich glaube nicht mehr an Beziehungen.", erklärte er ihr zögerlich. „Das ist die Wahrheit. Ich glaube nicht daran, dass zu zweit alles besser ist, als alleine. Zu zweit zu sein bedeutet nur, dass es schwieriger wird, wieder allein zu sein.", sie nickte verstehend und irgendwie hatte er das Gefühl, dass sie verstand, was er damit meinte. „Geh jetzt und zieh' dich um, ich sehe dich in der Halle.", wies er sie dann an und drehte ihr den Rücken zu. Als er sich wieder umdrehte, da war sie fort.
