Kapitel 4
Fawkes saß ziemlich erschrocken auf seiner Stange. Dieses Wesen in Menschengestalt hatte ihm ohne irgendeinen Zauberspruch einen solch mächtigen Zauber entgegen geworfen, dass es den Phönix vermutlich zerfetzt hätte, wäre er nicht ausgewichen.
Erst nachdem er sich ein wenig gefangen hatte, erinnerte er sich auch an das andere Biest. Eine Bestie der Schatten… Fawkes wunderte sich, was für ein Wesen die Kontrolle über einen Dämon hatte.
Dumbledore hingegen hob verwundert die Augenbrauen. Fawkes war wirklich sehr schnell und sehr verstört zurückgekehrt. Er war eine ganze Weile in einem apathischen Zustand und begann sich erst jetzt langsam wieder zu sammeln. Der alte Zauberer schüttelte kurz den Kopf und rollte ein altes Pergament aus um mehr Informationen über diese eigenartigen Beben zu finden.
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In der Zwischenzeit streckte Sharra sich auf seinem neuen Bett aus.
Noch an diesem Morgen hatte er den ‚Kessel' verlassen und sich eine neue Bleibe gesucht.
Sein neues Domizil war ein anderes Wirtshaus mitten in der Nokturngasse. Na wenn schon.
So was konnte ihn nur Recht sein. Hier kannten die Gäste den Begriff ‚Privatsphäre' und seltene Haustiere waren ebenso willkommen wie gutzahlende Kundschaft.
Einen Haken hatte das allerdings schon.
Er wusste ganz genau, dass dort, wo sich lichtscheues Gesindel rum trieb, auch eine Menge illegaler Sachen geschahen.
Pech.
Für Menschen.
Als Höllendämon war Sharra in der Lage, Gedanken zu lesen und sein Eigentum auch richtig zu schützen.
Sein Blick schweifte durch sein Zimmer.
Es war zwar nur unwesentlich größer als das im ‚Kessel', war aber auch weitaus luxuriöser eingerichtet. Ein kleiner Verdienst seines guten (und falschen!) Trinkgelds.
Meo lag vor dem Kamin auf dem weichen Vorleger und schien ein Nickerchen zu halten.
Das Phönixei lag in einem kleinen Nest auf der Kommode. Dunkle Energie floss um es herum und schützten es während der Phönix auf den Schlupf wartete.
Der Höllendämon verschränkte seine Arme hinter seinem Kopf und schloss die Augen.
Er brauchte eigentlich nicht schlafen- nicht einmal essen oder gar atmen- aber er döste gerne wenn gerade nichts bevorstand.
Der Brief steckte noch vergessen in der Jackentasche, die Jacke selbst über der Stuhllehne platziert.
Morgen war ja auch noch ein Tag, dachte sich der Dämon, als er endgültig wegnickte.
Er bekam nicht mit, dass das schwarze Ei erste Risse aufwies.
-o-
Sharra erwachte erst wieder, als er spürte, wie Etwas versuchte, telepathischen Kontakt aufzunehmen.
Ohne die Augen zu öffnen knurrte er: „Meo. Wenn du das bist, hör sofort auf damit."
Der Pantherdämon zuckte zusammen.
„Meister, ich wars nicht", maunzte er, „Es scheint als hättet Ihr gerade einen neuen Diener bekommen."
Mit einem kleinen Seufzer öffnete Sharra die Augen.
Scharfes Grün traf Eisiges Silber.
Ein paar Augen mit schwarzer Lederhaut und Pupille und Silberner Iris.
Sie gehörten zu einem etwa 1.50 Meter (im Sitzen!) hohen Vogel mit pechschwarzen und silbernen Federn und einem langend Schweif.
Er senkte den Kopf.
„Es ist mir eine Ehre, in Eurer Anwesenheit geschlüpft zu sein."
Sharra betrachtete den Phönix genauer. Hinter ihm lag auf der Kommode die Eierschale.
„Mhm. Du bist nun also ‚mein' Phönix?"
„Solange Ihr meine Dienste benötigt werde ich Euch zur Seite stehen", kam die Antwort des Todesphönix.
Sharra nickte. „Wie ist dein Name?"
„Die Menschen gaben mir dereinst den Namen ‚Schattenschwinge'." Als er das kurze Lachen seines neuen Herren hörte, fügte er hinzu: „Aber mein Dämonenname ist Aestor."
„Gut. Aestor" Der silberhaarige Mann stand auf, ging zu seiner Jacke und holte den Brief heraus.
„Bring diesen Brief zu Albus Dumbledore, Direktor von Hogwarts. Er besitzt selber einen Phönix des Feuers."
Er ging zum Bett zurück. „Lass dir am besten von Meo das wichtigste erklären."
Mit einem kleinen Grinsen legte er sich zurück auf das Bett, die Arme hinter dem Kopf.
Oh ja. Das Gesicht dieses Dumbledores würde er nur zu gerne sehen.
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Die Lehrer saßen zusammen in einem großen Raum.
„Unfassbar", wiederholte McGonagall. „Die haben echt diese Keilschriftenkunde durchgedrückt?"
„Es scheint so", murmelte Snape, „Aber von größerer Wichtigkeit ist, dass mir einige Inhaltsstoffe für meine Tränke abhanden gekommen sind."
„Was für Stoffe?", fragte Professor Trelawney in ihrer typischen hochgezogenen Stimme.
„Nötig für den Vielsaft-Trank", murrte der Dunkelhaarige Lehrer, „Ich bin sicher dass Potter und seine Freunde dahinter stecken."
Moody zuckte mit den Schultern. „Möglich, aber vielleicht-" Er hielt jäh inne. „Sein Schatten…", murmelte er, sein Finger auf den Schatten von Dumbledore gerichtet.
Die Anwesenden wirbelten herum und erkannten was gemeint war.
Der Schatten des Direktors war unnatürlich in die Länge gezogen und schwarzer Nebel waberte aus ihm hervor.
Noch bevor irgendeiner seinen Zauberstab gezückt hatte, hörten sie einen lauten, langgezogenen, schrillen Schrei als ein riesiger, schwarz-silberner Vogel aus dem Schatten hervor schoss und sich auf dem noch leeren Stuhl des Keilschriftenlehrers niederließ.
Seine kalten, silbernen Augen ruhten auf Dumbledore als er einen Brief fallen ließ. Mit einem weiteren Aufkreischen verschwand das Wesen wieder in dunklem Nebel.
„Das… war ein Todesphönix…", stammelte Professor Sprout.
„Mehr noch", erklärte Professor Dumbledore als er den Brief aufhob, „Dieses Wesen war ein Botenvogel."
Stille machte sich im Raum breit als Dumbledore den Brief las.
In sauberen schwarzen Lettern stand dort geschrieben, dass das genannte Datum perfekt sei und dass man sich dann treffen könne.
„Unterzeichnet… Altaїr… Sharra", murmelte der Direktor.
Snape hörte das Gemurmel.
„Unser neuer Lehrkollege kann tatsächlich einen Todesphönix kontrollieren?"
Er grunzte kurz und setzte sich wieder gerade hin.
„Egal", knurrte er, „Was gibt es über diese Beben zu berichten? Sie stören permanent den Unterricht."
Die Lehrer wandten sich wieder dem aktuellen Thema zu, auch wenn sie noch immer blass und verstört waren.
Dumbledore hingegen schien sich nicht am Gespräch zu beteiligen.
Er dachte angestrengt nach.
Die Größe eines Phönix hing direkt von der Stärke des Besitzers ab.
Fawkes war der größte Phönix weit und breit, aber nur weil Dumbledore ein wirklich mächtiger Zauberer war.
Aber dieser Todesphönix war geradezu gigantisch. Seine Flügel allein hätten einem Riesen von der Stirn zu seinen Zehen reichen können, seine Gesamtlänge war vergleichbar mit der eines Hippogreifen.
Einige Stockwerke weiter oben schien Fawkes erleichtert und gleichzeitig entsetzt zu sein.
Er war zwar glücklich, einen Artgenossen gefunden zu haben.
Andererseits erkannte er in diesem Phönix das Ei, das er bei der, als silberhaarigen Mann getarnten, Bestie gesehen hatte.
Und allein die Vorstellung, dass dieses Wesen demnächst nach Hogwarts kommen sollte, ließ ihn schaudern.
