Weiter geht's – die nächsten drei Kapitelchen!
An amarganth: Leider hast Du Deine E-mail-Adresse nicht angegeben, darum bedanke ich mich hier für Dein nettes Review – schön dass es Dir gefallen hat – viel Spaß weiterhin.
Kapitel 4 – RacheAm nächsten Morgen, kurz vor neun, war Tamara auf dem Weg in den Kerker.
In ihrem Bauch machte sich ein etwas mulmiges Gefühl breit.
Sie hatte verschlafen, und es nicht mal geschafft, eine Tasse Kaffee zu sich zu nehmen, geschweige denn, etwas zu essen.
Obendrein würde sie Snape gleich ohne die von ihm geforderte schriftliche Abhandlung gegenübertreten müssen. Auch auf die Rezepturen der beiden Tränke, die sie heute herstellen würde, hatte sie sich nicht vorbereitet.
Das alles lag daran, dass sie gestern sehr lang in der Wanne liegen geblieben, und – anstatt eines Abendessens – noch eine ganze Menge Wein zu sich genommen hatte.
Danach war sie einfach nicht mehr fähig gewesen, einen halbwegs klaren Gedanken zu fassen.
Sie hatte es lediglich noch geschafft, Snapes Heilsalbe auf die geschundenen Stellen ihres Körpers aufzutragen, die einen angenehm kühlenden Effekt hatte, und die Schmerzen nahezu zum Verschwinden gebracht hatte.
Anschließend hatte sie sich ins Bett gelegt, mit dem festen Vorsatz, nur ein kleines Bisschen zu schlafen, und sich dann an ihre Hausaufgaben zu machen.
Um Viertel vor neun am nächsten Morgen war sie wieder aufgewacht – soviel zu festen Vorsätzen.
Snape würde sie sicher niedermachen!
Nach ihrer gestrigen Vorstellung war er vermutlich ohnehin alles Andere als gut auf sie zu sprechen.
Punkt Neun schlich sie ins Zaubertränkeklassenzimmer und setzte sich vorsichtig auf ihren Platz.
Snape, der hinter seinem Pult stand, und schon wieder in irgendeinem dicken Buch las, ignorierte sie.
„Guten Morgen, Professor Snape", sagte Tamara höflich. „Ich habe die Türe heute schon geschlossen, Sir... leise, Sir!"
Snape sah noch eine ganze Weile in das Buch bevor er den Kopf hob.
„Wollen sie damit etwa andeuten, sie wären tatsächlich lernfähig, Miss Ogareff?", sagte er skeptisch.
„Ich bin sogar ganz sicher, das ich das bin..., Sir", sagte Tamara.
„Wir werden sehen...", murmelte Snape.
Er kam auf sie zu und streckte ihr die offene Hand auffordernd entgegen.
„Wollen sie mit mir tanzen, Professor?", sagte Tamara grinsend. „Ich fürchte, ich bin etwas unpässlich – bin gestern gestürzt, so ein bis fünfhundert mal."
„Ihren Aufsatz!", schnarrte Snape ungehalten.
„Oh..., ich fürchte es gibt da ein kleines Problem, Professor", sagte Tamara etwas kleinlaut, „es ist nämlich so..."
Snapes Augenbrauen wanderten in die Höhe.
„Na ja, ...ich wollte ihn ja schreiben, ehrlich, aber...", fuhr Tamara fort.
„Sie haben es aber dann doch unterlassen...?", schlug Snape vor.
„Ja! Es tut mir leid...", seufzte Tamara.
„Kann es sein, Miss Ogareff, dass sie die ganze Sache hier nicht ernst nehmen", sagte Snape leise und gefährlich ruhig, „und ich meine Zeit hier nur verplempere mit einer, nicht nur unfähigen, sondern auch noch impertinenten, überheblichen und eingebildeten Pseudoschülerin, die meint, es nicht nötig zu haben, sich nach den Anweisungen ihres Lehrers zu richten?"
„Nein – ich versichere ihnen, dass es nicht so ist", sagte Tamara schnell. „Ich bin mir durchaus nicht zu schade, mich danach zu richten, bitte glauben sie mir – aber gestern war ich einfach nicht mehr fähig, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Ich war fix und fertig. Sie haben mich geschafft..., Sir."
„Sie waren immerhin noch fähig, mich in ihre Badewanne einzuladen", sagte Snape mit zusammengekniffenen Augen, „da müsste es doch für das bisschen Hausaufgaben locker gereicht haben."
„Wären sie meiner Einladung nachgekommen, hätten sie gesehen, dass ich zu gar nichts mehr imstande war", sagte Tamara verschmitzt lächelnd.
„Sie haben sich also auch nicht auf die beiden Tränke vorbereitet?", sagte Snape streng.
„Nein – das einzige, das ich noch getan habe war, mich mit ihrem Wundermittel einzuschmieren. Und das hat gedauert! Sie glauben gar nicht, wo ich überall lädiert bin", fügte sie mit einem vorwurfsvollen Blick hinzu.
„Ich tendiere zu der Meinung, dass sie das durchaus verdient haben", sagte Snape kühl.
„Wenn das so ist, danke ich ihnen ganz besonders für die Salbe", sagte Tamara. „Das war wirklich sehr fürsorglich von ihnen."
Snape sah sie skeptisch an.
„Warum haben sie das eigentlich getan?", fragte Tamara neugierig.
„Nur zur Vorbeugung", sagte Snape samtig. „Heute Nachmittag machen wir weiter mit Verteidigung, und ich möchte vermeiden, das sie jedes Mal vor Schmerzen schreien, wenn sie umfallen."
Tamara wurde etwas blass bei der Vorstellung, dass der heutige Nachmittag ähnlich wie der gestrige enden könnte.
„So, Miss Ogareff, sie stecken jetzt ihre Nase in die Bücher", sagte Snape. „Ich bin um Elf wieder hier - dann will ich ihre Zusammenfassung auf meinem Pult liegen sehen, und ich erwarte, dass sie die beiden Rezepturen auswendig können. Anschließend werden sie dann die zwei Tränke herstellen - und wenn sie sich dabei ein bisschen beeilen, haben sie möglicherweise sogar noch Zeit, ein kleines Päuschen einzulegen, bevor es um zwei Uhr mit Verteidigung weitergeht."
„Alles klar!", sagte Tamara seufzend. „Aber dürfte ich sie vielleicht noch um etwas bitten, Sir?"
„Nämlich?", sagte Snape unwirsch.
„Ich hatte keine Zeit zu frühstücken, Sir, könnte ich vielleicht...", sagte Tamara vorsichtig.
„Ist das mein Problem?", blaffte Snape sie an.
„Bitte, bitte, Sir..., ich flehe sie an, Sir!", säuselte Tamara. „Außerdem fällt verhungern lassen unter Folter, und das dürfen sie laut Vertrag nicht", fügte sie aufsässig hinzu.
Ein Blick in Snapes Augen zeigte ihr, dass es eventuell keine so gute Idee gewesen war, ihn an diesen Vertrag zu erinnern.
„Na schön, dann essen sie was!", bellte er. „Aber wenn sie es wagen sollten, mir meinen Unterrichtsraum vollzukrümeln, dann lasse ich sie hier putzen, völlig unmagisch, auf den Knien herumrutschend."
„Ich verspreche feierlich, nur völlig unkrümelige Sachen zu mir zu nehmen, Sir", flötete Tamara.
Nach einem letzten grimmigen Blick auf seine Schülerin rauschte Snape hinaus.
Als er knapp zwei Stunden später den Raum wieder betrat, scheuchte er Tamara sofort zum Zutatenschrank, und befahl ihr, den ersten der beiden Tränke zuzubereiten.
Er selbst vertiefte sich in ihre schriftliche Arbeit, die er auf seinem Pult vorfand.
Darum entging es scheinbar auch seiner Aufmerksamkeit, dass Tamara, bei der Auswahl der Trankzutaten, anstatt der passierten Lurchleber, eine andere Flasche erwischt hatte.
Er sah erst in dem Moment hoch, als sie die tiefrote, zähe Flüssigkeit dem Trank zufügte, was ein verdächtig zischendes Geräusch verursachte.
„Was zum Teufel...", fauchte er zornig.
Er sprang auf und stürzte zu dem Kessel.
„WEG DA!", schrie er und riss Tamara am Arm unsanft zurück.
Trotzdem Snape das Feuer unter dem Kessel sofort löschte, und versuchte mit diversen Zaubersprüchen Schlimmeres zu verhindern, schien der Trank eine unheimliche Eigendynamik zu entwickeln.
Der Kessel begann bedrohlich zu vibrieren. Ein seltsam blubberndes Geräusch, das immer lauter zu werden schien, erfüllte den Raum, begleitet von einer Wolke übel riechenden Qualms, der sich langsam ausbreitete.
Kurz darauf trat das brodelnde Gebräu über den Rand des Kessels, und lief unaufhaltsam auf den Schülertisch und von dort auf den Boden.
Entsetzt starrte Tamara auf die Bescherung, die sie angerichtet hatte.
Nach einer Weile schien das Ganze glücklicherweise doch zum Stillstand zu kommen.
Snape richtete seinen Zauberstab auf die glibberige, rotbraune Masse, woraufhin das meiste davon verschwand, allerdings wie es schien nicht rückstandslos. Ein dünner Film zog sich zunächst wie Kaugummi, und blieb dann schließlich mit einem schnalzenden Geräusch auf Kessel, Tisch und Boden kleben.
Snape schwang weiter murmelnd den Zauberstab, woraufhin ein großer, gefüllter Eimer auf dem Tisch erschien.
Als Tamara sich strecke, um einen vorsichtigen Blick auf den Inhalt zu werfen, klatschten ein Putzlumpen und eine Bürste hinein, und sie wurde von oben bis unten nass gespritzt.
Danach marschierte Snape zu einem der Schränke und kehrte mit einem Paar dicker, langer Lederhandschuhe zurück, die er vor Tamara auf den Tisch warf.
„PUTZEN!", schnauzte er sie an.
„Kann man das nicht doch mit Zaubern wegmachen?", fragte Tamara angewidert.
„SIE werden diese Sauerei beseitigen!", knurrte Snape. „Vielleicht trägt das dazu bei, dass sie beim nächsten Mal genau hinschauen, was sie aus dem Schrank nehmen."
„Es tut mir wirklich leid...", sagte Tamara zerknirscht. „Aber immerhin hat das Zeug gar nicht gekrümelt."
„Putzen sie endlich!", sagte Snape barsch.
„Bitte – das ist gemein – wenn's doch auch anders geht", sagte Tamara, und warf ihm einen trotzigen Blick zu.
„Gemein wäre, wenn ich sie ohne Handschuhe putzen ließe", sagte Snape mit einem drohenden Unterton. „Sie können gerne einmal ausprobieren, wie das Gebräu auf ihre bloße Haut wirkt."
Resigniert schnappte sich Tamara die Handschuhe und machte sich an die Arbeit.
Der Trank erwies sich als äußerst hartnäckig.
Fluchend schrubbte sie mit der Bürste an den Rückständen herum, wogegen ihre, noch von gestern geschundene Muskulatur heftig rebellierte.
Snape war zu seinem Pult zurückgekehrt, wo er sich vordergründig wieder mit dem Aufsatz beschäftigte. Tatsächlich war er jedoch hauptsächlich in den Anblick seiner auf dem Boden herumkriechenden Schülerin versunken, der ihn mit großer Genugtuung erfüllte.
Außerdem kam er nicht umhin, bei dieser Gelegenheit festzustellen, dass sie ein äußerst wohlproportioniertes Hinterteil vorzuweisen hatte.
Er gratulierte sich still und vergnügt zu der genialen Idee, das eingedickte Feuersalamanderblut unauffällig vor die Lurchleber gestellt zu haben.
Nachdem sie mit dem Putzen endlich fertig war, begann Tamara noch einmal von Vorne, mit der Herstellung des Trankes.
Snape schenkte ihr während der ganzen Prozedur keine Beachtung. Erst als sie fertig war, kam er, das Ergebnis zu begutachten, an dem er natürlich wieder einiges auszusetzen hatte.
Nachdem er etwas herumgemäkelt hatte, ließ er sich jedoch zu der Bemerkung herab, dass der Trank mit viel gutem Willen gerade noch als ausreichend zu bezeichnen war.
„Da bin ich aber wirklich froh, dass sie mir so wohlwollend gegenüberstehen", sagte Tamara ironisch.
„Sie sollten sich das Blabla sparen, Miss Ogareff, und mit der nächsten Rezeptur beginnen", schnarrte Snape.
Während sie den zweiten Trank herstellte, verfolgte Snape eine neue Taktik – er stellte sich direkt vor den Tisch, und ließ sie keine Sekunde aus den Augen.
Und fast an jedem der Arbeitsschritte die sie ausführte, hatte er etwas auszusetzen:
„Sie haben sich eben verzählt, Miss Ogareff!"
„Da steht fein schaben, und nicht grob hacken, Miss Ogareff!"
„Rühren sie bloß nicht wieder verkehrt herum, Miss Ogareff!"
„Wenn sie die Wurzel nicht ein bisschen schneller schneiden, sitzen sie morgen noch da, Miss Ogareff!"
„Sie müssen zuerst die Misteln beigeben, und dann die gehackten Schnecken, Miss Ogareff - können sie nicht lesen?
„Sie sollen die Tollkirschen nur zerdrücken, und nicht völlig zermatschen, Miss Ogareff!"
Während er sie fortwährend kritisierte, blieb seine Stimme gleichmäßig gelangweilt, als wolle er damit ausdrücken, dass es ohnehin sinnlos war, ihr etwas beibringen zu wollen.
Tamara biss die Zähne zusammen, und bemühte sich, trotz aufsteigender Wut, ihre Arbeit ordentlich zu tun.
„Sind sie auch wirklich sicher, das es Lurchleber ist, die sie da zufügen, Miss Ogareff?", sagte Snape, als sie die Zutat dem Trank beifügte – und es war definitiv Lurchleber.
„Sie nerven, Professor Snape!", platzte Tamara heraus.
„Geben sie mir keinen Grund, etwas zu bemängeln, und ich werde es lassen, Miss Ogareff", sagte Snape gleichmütig.
„Und noch was – könnten sie mit dem ewigen Miss-Getue aufhören? Das geht mir tierisch auf den Geist!", schnaubte Tamara.
„Wie würden sie denn gerne angesprochen werden, Gnädigste?", sagte Snape ölig.
„Sagen sie einfach Tamara! Oder würde sie das überfordern, Professor Snape, Sir?", sagte Tamara giftig.
„Das wäre nicht angemessen – schließlich sind sie meine Schülerin", sagte Snape. „Ihre früheren Lehrer haben sie doch sicher auch nicht beim Vornamen genannt – oder ist das so üblich in den Schulen von... eher unterentwickelten Ländern?"
„Der Lehrer, der mich zuletzt in Zaubertränke unterrichtete, nannte mich immer mein Täubchen – wollen sie das auch tun?", sagte Tamara treuherzig.
„Ich kann keine Gemeinsamkeiten, zwischen ihnen und einem Täubchen erkennen – passender wäre Tarantelchen, das hat zudem gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Namen?", sagte Snape trocken.
„Wow – sie haben ja tatsächlich so was ähnliches wie Humor", sagte Tamara anerkennend.
„Ich schätze, ich werde weiter bei Miss Ogareff bleiben", meinte Snape.
„Ich mache ihnen einen Vorschlag, Professor", sagte Tamara, „wenn es mir gelingt, sie im Verteidigungsunterricht auch einmal umzupusten, nennen sie mich dafür beim Vornamen."
Snape warf ihr einen skeptischen Blick zu.
„Trauen sie sich etwa nicht?", stichelte Tamara.
„Na schön, damit sie aufhören, zu nölen – nachdem dieser Fall äußerst unwahrscheinlich ist, stimme ich zu", sagte Snape schließlich herablassend.
„Und wenn ich es ein zweites mal schaffe, sie umzunieten, darf ich sie beim Vornamen nennen!", rief Tamara übermütig.
„Ja, in Ordnung – träumen sie weiter!", sagte Snape kopfschüttelnd. „Und jetzt sehen sie zu, dass sie fertig werden – Verteidigung geht gleich los!"
Einige Stunden später, lag Tamara schon wieder völlig fertig in ihrer Badewanne.
Snape hatte sie aber dieses mal nicht nur mit Flüchen drangsaliert, sondern ihr auch ein paar Fragen zu speziellen Verteidigungsmaßnamen, gegen alle möglichen magischen Geschöpfe gestellt, die sie scheinbar zu seiner Zufriedenheit beantwortet hatte. Erstaunlicherweise hatte er nicht herumgemeckert, wie vorher, im Zaubertrankunterricht.
Er hatte ihr auch ein paar Tipps gegeben, um ihre Reaktionsfähigkeit zu steigern, was aber bisher noch keine Früchte trug - sie landete nach wie vor bei jedem Duell früher oder später unsanft auf dem Boden.
Trotz der Vorsorge durch Snapes Balsam, war das heute wesentlich schmerzhafter verlaufen als gestern. Wenn das so weiter ging, würde sie am Ende der Woche nur noch kriechen können.
Und natürlich war es ihr nicht gelungen – nicht einmal annähernd – ihren Lehrer wie geplant bei einem Duell wegzuputzen.
Missmutig und ächzend stieg Tamara aus der Wanne.
Sie hatte diesmal wohlweislich keinen Alkohol zu sich genommen, denn es lag noch jede Menge Arbeit vor ihr.
Snape hatte ihr wieder Vorbereitungen für Zaubertränke, und auch noch eine ziemlich umfangreiche schriftliche Arbeit in Verteidigung aufgebrummt.
Es war schon fast Mitternacht, als sie schließlich die Feder aus der Hand legte und müde zu ihrem Bett wankte.
Die nächsten Tage verliefen relativ ereignislos.
Tamara achtete darauf, immer pünktlich zu sein, sie machte ihre Hausaufgaben, versuchte Snapes hohen Anforderungen im Bezug auf die Akribie bei der Zaubertrankherstellung zu entsprechen, strengte sich mordsmäßig an, um ihre Kenntnisse in Verteidigung zu vertiefen und übte fleißig, um ihre Reflexe zu schulen.
In all diesen Punkten hatte sie – ihrem Empfinden nach auch schon leichte Fortschritte gemacht – aber nichts desto trotz behandelte sie Snape immer noch mit der gleichen Geringschätzung wie zuvor.
Er erteilte ihr zu den von ihm festgesetzten Zeiten Unterricht – aber ansonsten behandelte er sie wie Luft.
Er aß nie mit ihr gemeinsam, und wechselt so gut wie nie ein privates Wort mit ihr.
Als er ihr am Samstag Mittag, nach dem Unterricht mitteilte, das er sie erst am Montag morgen wieder zu sehen wünsche, platzte Tamara der Kragen.
„Was habe ich ihnen eigentlich getan, Professor Snape?", fauchte sie. „Können sie mich nicht wie einen Menschen behandeln?"
„Wo käme ich da hin, wenn ich jetzt auch schon Schüler wie Menschen behandeln würde?", entgegnete Snape, und ließ sie stehen, ohne eine Antwort abzuwarten.
Den Rest des Tages bekam sie ihn nicht mehr zu Gesicht.
Weil es draußen regnete, und sie nichts unternehmen konnte, machte sie ihre Hausaufgaben und verbrachte den Nachmittag in der Bibliothek, um Bücher über Verteidigungsstrategien zu wälzen.
Sie war mehr denn je entschlossen, ihm seine ablehnende Haltung heimzuzahlen.
Abends saß sie alleine in der großen Halle beim Essen.
Da sie danach noch keine Lust hatte, gleich in ihr Quartier zurück zu gehen, beschloss sie, einen Spaziergang durch das Schloss zu machen.
Sie durchstreifte die Gänge, und gelangte auf ihrer Tour nach längerer Zeit schließlich auch zum Astronomieturm.
Nachdem der Regen endlich aufgehört hatte, ging sie hinaus, trat an die Brüstung, und genoss den Ausblick und die frische, kühle Nachtluft.
Als sie sich nach einer Weile umdrehte, um wieder hinein zu gehen, traf sie fast der Schlag.
Im Schatten einer Mauer wenige Meter von ihr entfernt, stand eine schwarzgekleidete Gestalt, und beobachtete sie.
„Verdammt, Snape, sie haben mich zu Tode erschreckt!", schnappte sie.
„Hat leider nicht funktioniert, so wie's aussieht!", kam die Antwort aus dem Dunkel.
„Wieso stehen sie hier rum!", fauchte Tamara.
„Die Frage ist vielmehr - was haben sie hier zu suchen?", sagte Snape.
„Ich bin nur spazieren gegangen", verteidigte sich Tamara.
„Dann spazieren sie jetzt am besten wieder hinein, Miss Ogareff", sagte er scharf.
„Wieso sind sie immer so unfreundlich zu mir?", sagte Tamara aufgebracht.
„Weil es keinen Grund gibt, freundlich zu sein", sagte Snape.
„Mögen sie mich nicht?", fragte Tamara.
„Nein!", sagte Snape grob.
„Warum nicht?", fragte Tamara gereizt.
„Das habe ich ihnen schon am ersten Tag erklärt", sagte Snape ausweichend.
„Ja, klar – weil ich ein Eindringling in ihrem achtwöchigen Einsamkeitstrip bin – aber ich bin nun mal hier!", sagte Tamara hartnäckig. „Warum machen sie nicht das Beste daraus?"
„Das tue ich bereits, Miss Ogareff", sagte Snape kühl.
„Wollen sie damit sagen, sie halten die Art, wie sie mit mir umgehen für normal?", fragte Tamara ungläubig.
„Durchaus!", sagte Snape knapp.
„Haben sie eigentlich schon mal was von Gastfreundschaft gehört?", fauchte Tamara.
„Sie sind kein Gast – sie sind eine Schülerin!", sagte Snape geringschätzig.
„Wenn sie mich unterrichten bin ich eine Schülerin – drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags – ansonsten bin ich sehr wohl ein Gast!", schnaubte Tamara empört.
„Das ist Auslegungssache!", sagte Snape.
„Sie werden dem Ruf, der ihnen vorauseilt wirklich gerecht - ungenießbar und überheblich!", fauchte Tamara.
„Sie können den ganzen Zirkus jederzeit beenden, wenn sie damit nicht zurechtkommen", schlug Snape vor.
„Das könnte ihnen so passen!", zischte Tamara. „So leicht lasse ich mich nicht vergraulen – ich bin schon mit schlimmeren als ihnen fertiggeworden."
„Das wage ich zu bezweifeln", sagte Snape belustigt.
„Ich werde es ihnen beweisen, warten sie es ab", sagte Tamara mit Nachdruck. „Und dass ich mich außerhalb des Unterrichts wie eine Schülerin von ihnen behandeln lasse, können sie sich abschminken!"
„Was wollen sie denn dagegen tun?", fragte Snape grinsend.
„Oh - ich bin sehr einfallsreich, wenn es darum geht, meinen Kopf durchzusetzen – lassen sie sich einfach überraschen", meinte Tamara lässig.
Snape trat aus der dunklen Ecke einen Schritt auf sie zu.
„Bleibt abzuwarten, wer hier wen überrascht", sagte er, und verschwand nach einem letzten undefinierbaren Blick auf seine Widersacherin im Inneren des Schlosses.
Leise fluchend ging auch Tamara wieder hinein, und machte sich auf den Weg zu ihren Räumen.
Sie hatte genau im Kopf, welchen Weg sie nehmen musste, doch jedes Mal, wenn sie eine Treppe betrat schwenkte diese in eine andere Richtung, und setzte sie an einer völlig anderen Stelle als geplant wieder ab.
Nach zwanzig Minuten hatte sie völlig die Orientierung verloren, und war sich obendrein sicher, dass Snape hier die Finger im Spiel hatte.
Es kam auch sonst schon mal vor, dass eine Treppe die Richtung änderte, aber in dieser Häufigkeit war das Phänomen bislang noch nie aufgetreten.
Nach einer Stunde hatte sie es schließlich geschafft, im richtigen Stockwerk des richtigen Flügels zu landen.
Kurzfristig dachte sie daran, zu Snape in den Kerker zu gehen, und ihn zur Rede zu stellen, aber vermutlich würde sie dafür wieder eine Stunde brauchen, und nach einer erneuten Wanderung durch das Schloss stand ihr absolut nicht der Sinn.
Also setzte sie diesen Punkt gedanklich auf die Liste, der Dinge, für die sie sich bei Snape rächen wollte, und kehrte in ihre Wohnung zurück.
Als Snape am nächsten Morgen flotten Schrittes aus seinen Privaträumen trat, landete er umgehend und äußerst unsanft auf dem Allerwertesten.
Der Boden des Korridors hatte sich in eine spiegelglatte Eisfläche verwandelt.
Heftig fluchend sah Snape zu, das er wieder auf die Beine kam.
Das würde er diesem verwünschten Weib heimzahlen.
Tamara hatte am Morgen erleichtert festgestellt, dass die Treppen wieder normal zu funktionieren schienen.
Sie war sehr früh aufgewacht, und hatte in der Hoffnung, dass Snape sich noch in seinen Räumen aufhielt eine geniale Idee, die ihr in der vergangenen Nacht gekommen war in die Tat umgesetzt.
Sie hätte sich nur zu gern am Ende des Flurs postiert, um mitzuerleben, wie Snape mit dem Eis zurecht kam, aber das war ihr dann doch etwas zu gefährlich erschienen.
Statt dessen hatte sie nach einem ausgiebigen Frühstück beschlossen, das herrliche Wetter auszunutzen und zum See hinunter zu gehen um zu schwimmen.
Bei strahlendem Sonnenschein machte sie sich wenig später auf den Weg.
Am See angekommen, hielt sie Ausschau nach einem ganz bestimmten Platz, den ihr Dumbledore beschrieben hatte.
Schon nach kurzer Zeit fand sie ihn – es war eine Stelle direkt am Wasser, an der drei Trauerweiden so nah beieinander standen, dass das Ufer von den herabhängenden Zweigen völlig verdeckt war.
Tamara zog die Schuhe aus, schlüpfte aus dem leichten Sommerkleid und aus ihrer Unterwäsche, und versteckte alles zusammen mit dem Handtuch, das sie mitgebracht hatte, in einem Gebüsch.
Danach watete sie ein kleines Stück in den See hinein, und begann nach wenigen Metern zu schwimmen.
Sie schwamm in gerader Linie auf einen markanten Baum am weit entfernten, gegenüberliegenden Ufer zu, und zählte dabei die Schwimmzüge.
...hundertvierunddreißig, hundertfünfunddreißig, hundertsechsunddreißig... beim hundertsiebenunddreißigsten Schwimmzug erschien vor ihr wie aus dem Nichts eine kleine Insel, mit ein paar Bäumen und einem hübschen sandigen Uferstreifen.
Tamara ging an Land und streckte sich wohlig im warmen Sand aus.
Sie überließ sich der angenehmen Wärme der Sonnenstrahlen auf ihrem Körper und dem beruhigenden Geräusch der sanft plätschernden Wellen.
Kurze Zeit später war sie eingeschlafen.
Als sie erwachte, stand die Sonne hoch am Himmel und brannte mittlerweile ziemlich heiß auf sie herab.
Noch benommen vom Schlaf, beschloss sie, zur Abkühlung vorerst in den Schatten der Bäume zu flüchten.
Sie ging ein paar Schritte ins Innere der kleinen Insel hinein, bis sie einen geeigneten Baum gefunden hatte, der genügend Schatten spendete.
Sie setzte sich in das hohe Gras, das hier wuchs und lehnte sich mit dem Rücken an den Stamm.
Sie bedauerte, ihren Zauberstab nicht mitgenommen zu haben - denn sie bekam langsam ein wenig Durst – aber wo hätte sie den Stab unter diesen Umständen auch hinstecken sollen?
Noch ein wenig vor sich hindösend erinnerte sie sich lächelnd an die Begeisterung, mit der Dumbledore ihr von diesem kleinen Paradies berichtet hatte, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass das Plätschern der Wellen lauter geworden war.
Neugierig reckte sie den Hals, um über die hohen Grashalme hinwegsehen zu können, und konnte gerade noch einen überraschten Laut unterdrücken.
Am Ufer des Sees stieg gerade der Meister der Zaubertränke höchstpersönlich aus dem Wasser.
Tamara reckte den Kopf noch ein bisschen höher.
Auch er hatte scheinbar auf das Tragen von Badebekleidung verzichtet, es sei denn, da käme noch ein sehr knappes Höschen zum Vorschein.
Die nächsten ein, zwei Schritte würden es ans Tageslicht bringen.
Nichts!
Heute war definitiv ihr Glückstag!
Und der Anblick, den ihr sonst so zugeknöpfter Lehrer hier bot, war absolut nicht zu verachten.
Tamara saß völlig unbeweglich, um ihn ja nicht auf sich aufmerksam zu machen.
Snape ließ sich in den Sand fallen – zum Glück ein paar Meter neben der Stelle, an der sie gelegen war, sonst hätte er womöglich noch ihre Fußspuren entdeckt – und streckte sich entspannt aus.
Eine ganze Weile genoss Tamara lediglich die Aussicht, bis sie schließlich doch zum Angriff überging.
So leise sie konnte, erhob sie sich und schlich langsam auf Snape zu.
Als sie am Rande der grasbewachsenen Fläche angekommen war, wo der sandige Abschnitt begann, hatte Snape noch immer nichts von ihrer Anwesenheit bemerkt, obwohl sie nur noch circa zwei Meter von ihm trennten.
Er hatte die Augen geschlossen, und lag völlig gelöst im warmen Sand.
Für einen kurzen Moment machte sich so etwas wie ein schlechtes Gewissen bei Tamara breit, dass sie ihn ohne sein Wissen in dieser intimen Situation beobachtete, aber als ihr wieder bewusst wurde, wie mies er sie die letzten Tage behandelt hatte, verflüchtigte sich dieser Rechtschaffenheitsanfall sehr schnell.
Langsam ging sie mit einigem Abstand an ihm vorbei und ließ sich mit äußerster Vorsicht ein paar Schritte von ihm entfernt, auf gleicher Höhe im Sand nieder.
Sie machte es sich im Schneidersitz bequem und räusperte sich dann dezent.
Snape fuhr augenblicklich herum, wie von der Tarantel gestochen, und rollte sich auf den Bauch - was auch kein uninteressanter Anblick war – bevor er eilig eine sitzende Stellung einnahm, welche die entscheidenden Stellen verdeckte.
Völlig entgeistert starrte er sie an.
„Hi, Professor!", sagte Tamara lieblich.
„Was zum Teufel tun sie hier?", sagte Snape tonlos und mit gefährlichem Blick.
„Das gleiche wie sie vermutlich – mit dem Unterschied, dass ich zuerst hier war", sagte Tamara.
„Woher wissen sie überhaupt...? ...Natürlich! Dumbledore!", knurrte Snape. „Das ist wirklich das Letzte!"
„Nehmen sie's nicht so tragisch – ich schau' ihnen schon nichts weg", sagte Tamara fröhlich.
„Sie verschwinden jetzt – und zwar sofort!", fauchte Snape.
„Nein!", sagte Tamara knapp.
„Wenn sie nicht auf der Stelle...", begann Snape zornig.
„Was tun sie dann?", sagte Tamara rebellisch. „Ersäufen sie mich im See? Graben sie mich im Sand ein? Oder haben sie etwa ihren Zauberstab dabei – das wäre genial, ich habe nämlich Durst."
Snape warf ihr einen jener berüchtigten Blicke zu, die seine Schüler so fürchteten.
„Schauen sie mich doch nicht so an", sagte Tamara vorwurfsvoll, „so... eisig", fügte sie grinsend hinzu. „Was mir gerade einfällt - war's eigentlich kühl im Kerker, heute morgen?"
„Und sie sind gut heimgekommen, gestern Nacht?", fragte Snape bissig.
„Ach – ich bin noch ein bisschen länger spazieren gegangen als geplant", sagte Tamara, lehnte sich seufzend zurück in den Sand, und streckte die Arme über dem Kopf aus.
Hastig drehte Snape sich weg.
„Probleme, Professor?", fragte Tamara amüsiert.
„Übertreiben sie es nicht, Miss Ogareff, ich warne sie", knurrte Snape.
„Na schön – dann gehe ich halt, wenn sie das unbedingt wollen", sagte Tamara.
Sie erhob sich, ging die paar Schritte zu Snape hinüber, und blieb direkt neben ihm stehen.
Ihr Schoß war nur ein paar Handbreit von seinem Kopf entfernt, und genau in Augenhöhe.
Snape schnaubte entrüstet und blickte stur geradeaus.
„Mache ich sie etwa nervös?", fragte Tamara.
„Verschwinden sie endlich!", sagte Snape gepresst.
„Wissen sie, was mir gerade durch den Kopf geht...?", sagte Tamara nachdenklich.
„Nein – aber es steht wohl zu befürchten, dass sie mir das gleich mitteilen werden", sagte Snape gereizt.
„Wir sind doch zwei erwachsene Menschen", sagte Tamara, „und beide ungebunden, und so wie's aussieht, werden wir die ganzen Ferien zusammen verbringen – da spräche doch eigentlich nichts dagegen, wenn wir ..., na ja,...ein bisschen Spaß miteinander hätten – sie wissen schon, was ich meine..."
Snape wollte ihr einen ungläubig-entsetzten Blick zuwerfen, blieb aber bereits im Ansatz bei ihrem dunklen, gelockten Schamhaar hängen, woraufhin er die Augen sofort wieder abwandte.
„Sind sie zu lange in der Sonne gelegen, Miss Ogareff?", sagte er statt dessen giftig.
„Nein – ich bin nur zulange bei keinem Mann mehr gelegen", erklärte Tamara.
„Und da kommen sie ausgerechnet auf mich?", sagte Snape zweifelnd.
„Die Auswahl ist nicht sehr groß hier, im Moment, oder?", sagte Tamara ironisch. „Aber selbst wenn ich die Wahl hätte, würde das nichts ändern."
Snape rutschte unbehaglich ein wenig von ihr weg.
„Gehen sie jetzt!", sagte er finster.
„Also gut!", sagte Tamara und ging drei Schritte in Richtung See, bevor sie sich wieder umwandte. „Schade ist das aber schon – der Sand ist so schön warm und weich...", fuhr sie mit einschmeichelnder Stimme fort.
„Verschwinden Sie!", fauchte Snape.
„Wenn sie mir versprechen, heute Abend mit mir zu essen, bin ich so gut wie weg", sagte Tamara lächelnd.
„Ich verspreche es", sagte Snape völlig entnervt, „wenn sie sich beeilen, wäre ich sogar bereit, es zu schwören!"
„Schön – ich freue mich schon! Um acht in der Halle? Oder sollen wir lieber bei mir dinieren?", sagte Tamara.
„Um acht in der Halle!", sagte Snape mit zusammengebissenen Zähnen.
„O.k.!", sagte Tamara, drehte sich um und ging wieder auf das Wasser zu.
Spürbar erleichtert sah Snape ihr nach, wobei er nicht umhin kam, ihre Rückseite äußerst appetitlich zu finden.
Sein verräterischer Körper allerdings hatte schon lägst festgestellt, das die Nähe dieser schönen, nackten Frau etwas völlig anderes als eine Belästigung darstellte - was er umgehend anhand einer beachtlichen Erektion unter Beweiß gestellt hatte, die Snape seit geraumer Zeit krampfhaft zu verbergen suchte.
Zum Glück verließ dieses verrückte Weib nun endlich die Insel, zudem er auch schon nahe daran war, sich einen Sonnenbrand zu holen.
Sie stand schon bis zu den Knien im Wasser, als sie sich nochmals umdrehte.
Snape seufzte gequält.
„Eine Frage noch, Professor", rief Tamara.
„WAS?", knurrte Snape.
„Sie stehen schon auf Frauen, oder?", fragte Tamara.
Snape sah sie entgeistert an, bevor er zornig die Augen verengte.
„Aber ja doch! Wie können sie es wagen, mir etwas anderes zu unterstellen!", blaffte er sie an.
„War ja nur eine Frage", sagte Tamara achselzuckend und watete weiter ins Wasser.
Kurz darauf begann sie zu schwimmen, und bald war ihr Kopf nur noch als kleiner dunkler Fleck in der Ferne zu sehen.
Befreit stand Snape auf und verschwand zwischen den Bäumen, einerseits um endlich aus der sengenden Sonne in den kühlenden Schatten zu kommen, andererseits um einem anderen, genauso dringenden, körperlichen Bedürfnis Folge zu leisten...
