Kapitel 4: Der Drache brüllt

"Liebe Marjory,

Ich hoffe, du und Kasmeer seid wohlauf. Ich hätte euch gerne in Götterfels besucht, wenn ich nicht so beschäftigt gewesen wäre. In meinem letzten Brief habe ich dir ja bereits von unserem Aufklärungstrupp berichtet. Vielen Dank, dass du mir Kriegsmeister Kento empfohlen habt. Er machte einen guten Eindruck auf mich. Die Gruppe ist heute morgen bei Sonnaufgang aufgebrochen. Wenn alles gut verlief, müssten sie schon längst den Eisklamm-Sund hinter sich gelassen haben. Ich bete zu den Geistern, dass sie alle die Reise gut überstehen. Glaub mir, ich habe keine Zweifel, dass sie die brenzlichsten Situationen meistern werden, aber auf manche Dinge kann man nicht vorbereitet sein. Du weißt, wie das ist, schließlich ist es uns schon allzu oft so ergangen. Genau wie der Klinge des Schicksals und jeder anderen Abenteurer-Gruppe auf Tyria. Nur ist meine Sorge diesmal umso größer, denn meine Tochter hat darauf bestanden, mit zu gehen. Sie ist jung und hat ihren eigenen Kopf. So wie Kinder nun mal sind. Du weißt, was es bedeutet, ein Mitglied der Familie zu verlieren. Mögen eure Götter Belinda schützen. Wo auch immer in den Nebeln sie sich befindet, sie wäre stolz auf dich. Und ihr Opfer hat uns dem Sieg einen Stück näher gebracht. Hoffentlich werden wir den nächsten Sieg mit weniger erringen können. Ich habe zu wenig Zeit mit meiner Tochter verbracht, als dass ich ihr Opfer verkraften würde. Vielleicht habe ich schon zu viele Tote in diesem Krieg gesehen, oder ich werde so langsam einfach alt. Aber ich will dir nicht nur mit meinen Sorgen auf die Nerven gehen. Ich habe auch Neuigkeiten von Taimi erhalten! Ihr geht es gut und sie ist fleißig wie immer. Sie arbeitet gerade mit Zoijja zusammen an einem geheimen Projekt. Wenn ich ihr Asura-Kauderwelsch richtig verstanden habe, handelt es sich dabei um "

"Denngar!"
Der Norn drehte den Kopf in Richtung Tür, in der Eir stand. Sie sah besorgt aus.
"Denngar, du musst sofort kommen!"
"Was ist los, Eir?" Denngar legte die Feder beiseite und entfernte sich von seinem Schreibtisch.
"Eine Löwengardistin kam zu mir. Sie faselte etwas von einer Svanir-Armee in den Wanderer-Hügeln. Dann ist sie zusammengebrochen."
"Eine Svanir-Armee?" Er war sich nicht sicher, ob er sie richtig verstanden hatte. "Eine Armee in den Wanderer-Hügeln? Aber... das kann ich mir nicht vorstellen. Meinst du..."
"Ich habe ein ganz schlechtes Gefühl. Ich glaube, sie hat die Wahrheit gesagt. Wir sollten zu ihr gehen. Ich habe sie so gut verarztet wir ich nur konnte, aber ihr Zustand verschlechtert sich." Sie ging näher auf Denngar zu. "Wenn das wahr ist, ist Hoelbrak in Gefahr!"
"Dein Gefühl täuscht dich nur selten, Eir. Gehen wir. Ich will selbst hören, was sie zu sagen hat."

Sie machten sich auf zu Eirs Hütte, in der Garm bereits auf sie wartete. Er bewachte das Bett, in dem eine Norn lag und vor Schmerz stöhnte. Denngar beugte sich über sie und beäugte ihr Gesicht. Es war kreidebleich und die Adern waren deutlich sichtbar. Ihre Augen waren glasig und das Weiß in ihnen bläulich verfärbt.
"Beim Wolf, Ihr armes Ding. So etwas habe ich noch nie gesehen. Eine Art Gift?." Die Norn verzog das Gesicht vor Schmerz.
"Ich... ich wurde angegriffen. Ein... Svanir... er hat mich mit dem Dolch erwischt. Es brannte fürchterlich, aber ich musste weiter. Ich..."
Sie schrie vor Schmerz und fing an, sich unter Krämpfen zu winden. Denngar hielt sie mit all seinen Kräften fest, aber er hatte dennoch große Mühe, ihren Körper zu fixieren.
Als sie wieder ruhiger wurde, fuhr sie mit schwacher Stimme fort.
"Die Eisbrut hat den Norden verwüstet. Klippheim... ist gefallen."
Eir riss die Augen auf, als sie diese Worte hörte. "Klippheim? Oh nein..."
"Dort sammeln sich die Svanir. Hunderte. Sie werden Hoelbrak angreifen. Sie... sie haben bereits die Freistatt verwüstet. Unter ihnen ist auch ein mächtiger Mesmer."
"Habt Ihr es mit eigenen Augen gesehen? Seid Ihr Euch ganz sicher?" harkte Denngar nach. Er sah der Gardistin tief in die Augen. "Ja." antwortete sie.
"Ich glaube Euch... Dann ist Jormags Verderbnis näher als je zuvor." Denngar holte Tief luft und sah zu Eir, die noch immer schockiert war.
Die Botin fuhr fort, aber es klang mehr nach einem Röcheln als nach einem Satz. "Ihr müsst Weißbär warnen! Die Svanir -"
Dann schrie sie wieder vor Schmerz. Es war ein unerträglicher Anblick, wie ein Tier in der Falle, das sich windet, obwohl es kein Entkommen gab.
Denngar wollte ihr helfen, aber er wusste, dass jede Hilfe zu spät kam. Schließlich erlag sie ihren Wunden. Es herrschte wieder Stille.
Denngar legte seine Hand auf den Hals der Norn. Ihr Herz war verstummt. Aber ihr Körper war bereits eiskalt und starr, als wäre sie schon länger tot. Schweren Herzens seufzte er und fuhr mit der Hand über ihre trüben Augen, um ihre Lider zu schließen. "Mögen die Geister der Wildnis Euch zur Ruhe betten, Schwester." flüsterte er.
"Wir müssen Weißbär unverzüglich warnen." sagte er und schaute Eir an, die immer noch auf den Boden starrte. "Eir, alles in Ordnung?"
Er ging hinüber und legte seinen Hände auf ihre Schultern. "Ja, es ist nur... Ich muss es Braham sagen."
Denngar hatte ganz vergessen, dass sein Freund Braham in Klippheim aufgewachsen war. "Der Arme... soll ich es ihm sagen? Vielleicht fällt es mir leichter -"
"Nein, Denngar. Ich weiß das zu schätzen, aber ich bin seine Mutter. Wenn es ihm jemand sagen sollte, dann ich." beschloss Eir. "Du musst Knut Weißbär warnen. Ich komme nach, so schnell ich kann. Er muss dir einfach Glauben schenken."
"Ich versuche es. Ich hoffe nur, ich kann ihn überzeugen, bevor es zu spät ist."
Es dauerte einen Moment, bis Eir wieder ihren Mut fand.
"Selbst wenn er nicht auf uns hört, kämpfen wir und erledigen so viele Svanir, wie wir nur können. Solange wir stehen, wird Hoelbrak nicht fallen." sagte sie entschlossen.
"Da ist die Eir, die ich sehen wollte!" lachte Denngar und umarmte seine alte Freundin. "Zwei Drachen haben nicht gereicht, uns zu töten, was soll uns eine Armee von Schergen dann schon groß kümmern?"
Aber der plötzliche Anschwung von Mut wurde von Garms Knurren unterbrochen.
"Was ist los, Junge?" fragte Eir und versuchte, ihren Wolf zu beruhigen. Denngar legte seine Hand instinktiv an den Griff seiner Axt und lies seinen Blick durch die Hütte schweifen.
Das Bett war leer.
Der Anblick, der sich Denngar bot, war schaurig: Die eben verstorbene Gardistin stand vor ihm, mit leeren, blau leuchtenden Augen, die ihm entgegenblickten. Aber anders als die untoten Diener Zhaitans hatte sie keine gekrümmte Haltung, sondern ihre Glieder waren starr wie Eis. Sie ähnelte der Eisbrut, aber wirkte wie eine leere, gefrorene Hülle.
Als sie ihre blauen Lippen aufriss, stieß die Kreatur einen heiseren Schrei aus, der wie klirrendes Eis klang. Doch sie kam nur einen Schritt weit, bevor Denngar ihren Kopf von den Schultern trennte. Die verdorbene Kreatur sank – nun endgültig leblos – zu Boden.
"Wolf, steh uns bei..." Denngar starrte eine Weile auf die Kreatur, die eben noch eine Norn war.
"Ein Gift, das Lebewesen in Eisbrut verwandelt? Wie ist das möglich?" flüsterte Eir voller Entsetzen. "Normalerweiße werden sie durch Magie oder von Jormag direkt verdorben. Aber das?"
"Sie hat einen Dolch erwähnt... Weißt du noch von dem Drachenblut-Schwert, von dem ich dir erzählt habe? Vielleicht war das nicht die einzige Waffe, die die Zwerge geschmiedet haben. Beten wir, dass sie diese Waffe nicht gegen uns einsetzen werden!" sagte Denngar, während ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken lief.
"Ich gehe sofort zu Weißbär. Wolf gib, dass er mir zuhört!"
Denngar verabschiedete sich und rannte zur Großen Halle.
"Geister, beschützt uns..." flüsterte Eir, während sie die steinernen Statuen in ihrem Haus anstarrte.

"Ich muss sofort mit Weißbär reden!" rief Denngar, als er die Tore in der Großen Halle erreichte, die zu Knut Weißbärs Quartieren führte.
Er stieß die Tür auf, bevor die Wache des Wolfsrudels, die an der Tür stand, reagieren konnte.
"He, wartet - " rief der Norn ihm hinterher, aber kam zum Entschluss, dass es keinen Sinn hatte, Denngar aufzuhalten. Er war einer der wenigen, die es sich erlauben konnten.
Er rannte die Stufen hinauf, und als er oben angekommen war, hielt er nicht einmal inne, um zu verschnaufen.
"Knut! Knut, Ihr müsst sofort alle warnen! Hoelbrak ist in Gefahr!"
Der alte Norn stand von seinem Thron auf und musterte Denngar streng. "Die Svanir haben Klippheim überrannt! Sie versammeln eine Armee in den Wanderer-Hügeln! Sie - "
"Denngar Thorson! Eins nach dem andern! Ihr kommt hier reingeplatzt und erzählt mir, eine Svanir-Armee stehe vor unserer Tür!" brummte Weißbär.
"Wenn Ihr es nicht wärt, hätte ich Euch längst eigenhändig aus meiner Halle geprügelt! Jetzt erzählt mir noch einmal langsam, was Sache ist!" sagte der alte Norn und wies Denngar an, sich zu beruhigen.
"Verzeiht mir, Knut, aber Ihr müsst mir glauben! Die Svanir haben über Nacht das Tal der Einsamkeit erobert. Die Löwengarde hat einen Boten geschickt, sie sagte, es seien hunderte gewesen." erklärte Denngar, zwar etwas leiser, aber nicht weniger ernst als zuvor. Knut blickte ihn ungläubig an.
"Hunderte? Über Nacht? Das ist doch völliger Quatsch! Bringt den Boten her, damit ich mir selbst diesen Schwachsinn anhören kann!"
"Sie ist tot. Vergiftet von den Svanir. Hört zu, Ihr müsst es glauben, wenn ich es Euch doch sage! Das, womit wir es hier zu tun haben, ist weitaus mehr als nur ein paar Svanir.
Es muss ein mächtiger Leutnant von Jormag sein. Sie haben sogar bereits die Doppelsporn-Freistatt überrannt!"
"Wie kann das alles passiert sein, ohne dass uns unsere Späher davon berichtet haben? Irgendjemand muss doch etwas bemerkt haben! Das ist doch unmöglich!" knurrte Weißbär.
"Sie müssen die Späher abgefangen haben. Die Botin erwähnte einen Mesmer. Er hat vielleicht einen Schleier errichtet und uns so an der Nase herumgeführt. Mein Aufklärungstrupp muss die Löwengarde gewarnt haben. Die Botin hat es gerade so geschafft, nach Hoelbrak zu kommen, aber sie... starb an dem Gift. Das schlimmste ist, es war vielleicht kein Gift, sondern eine uralte Waffe..."
Knut sah Denngar direkt in die Augen. "Sagt mir, Denngar. Denkt Ihr wirklich, das war mehr als nur Halluzination? Dieses Gift – oder was auch immer - könnte sie genau so gut in den Wahnsinns getrieben. Glaubt ihr davon auch nur ein Wort?" fragte der Norn. Denngar nickte.
"Ja, ich glaube ihr. Jedes Wort. Und ich flehe Euch bei allen Geistern der Wildnis an, es auch zu glauben. Wenn wir uns nicht vorbereiten, wird Hoelbrak den nächsten Morgen nicht erleben."
Knut ballte die Faust und atmete tief ein und aus, während er Denngar weiter in die Augen sah.
Schließlich lies er sich zurück in seinen Thron niedersenken.
"Skarti! Ruf das Wolfsrudel zusammen! Wenn die Svanir kommen, werden wir jeden einzelnen von ihnen zurückschlagen. Sie werden es bereuen, Hoelbrak angegriffen zu haben."
"Mit Vergnügen, Vater! Hoffentlich bekommen wir endlich mal einen richtigen Kampf!" sagte Skarti und verließ den Raum.
"Wisst Ihr, wenn Ihr es nicht wärt, würde ich hoffen, das Ihr recht habt und nicht nur unsere Zeit verschwendet. Aber jetzt hoffe ich, dass Ihr Euch irrt, Denngar." seufzte Knut.
"Das würde ich auch gerne hoffen." antwortete Denngar betrübt.
"Sagt mir eines, Denngar. Schon seit Jahren plagt mich diese Frage. Haben wir zu lange gewartet? Hätten wir schon vor Jahrzehnten gegen Jormag ziehen sollen?" fragte Weißbär.
Denngar musste lange nachdenken und beäugte die Ketten, an denen Jormags Zahn hing. "Ich weiß nicht, ob wir alleine diesen Kampf je hätten gewinnen können.
Diese Nacht wird wohl entscheiden, ob unsere Zeit endlich gekommen ist." antwortete Denngar.
"Gut gesprochen. Wir werden bereit sein."
Denngar neigte den Kopf zum Abschied und ging zur Tür. "Denngar!" rief Knut. "Wenn Ihr recht habt, dann hat ganz Hoelbrak Euch das Leben zu verdanken."
"Dankt nicht mir, sondern den Geistern, wenn wir gewonnen haben."

"Was ist los, warum ist hier so ein Aufruhr?" fragte Denngar, als er die Bewohner Hoelbraks sah, die panisch durch die Stadt irrten und das Wolfsrudel, das versuchte, sie zu beruhigen und ihnen anwies, zurück in ihre Häuser zu gehen. Er ging auf Eir und Braham zu, die vor der Großen Halle standen und auf ihn gewartet hatten.
"Die Svanir in den Adern des Drachen haben irgendetwas vor. Sie haben den Eingang zu den Höhlen versperrt. Kurz darauf ist Panik ausgebrochen, und zu allem Überfluss ist das Asura-Portal asugefallen!" erklärte Eir besorgt.
"Was?! Verdammt, dann hatten sie das alles geplant! Ich habe es schon immer gesagt, diese Svanir hier in Hoelbrak zu dulden war ein Fehler! Ich wette, sie haben das Portal sabotiert, damit wir keine Verstärkung rufen können." stellte Denngar zornig fest.
"Diese verdammten, hinterlistigen Dreckskerle!" brüllte Braham. Die Nachricht über den Fall von Klippheim hatten ihn in Rage versetzt. "Ich werde jeden einzelnen von denen in den Boden stampfen! Wolf sei mein Zeuge, keiner von ihnen wird den nächsten Morgen erleben! Ich- "
"Braham! Bitte, beruhige dich. Ich verstehe deine Wut, aber sie kann dich leicht blind machen. Dein Bein ist noch immer nicht ganz verheilt!" sagte Eir und versuchte, ihren Sohn zu beruhigen.
"Na und? Ich kann trotzdem kämpfen, und das werden diese Svanir zu spüren bekommen! Erst töten sie meine Freunde, und jetzt wollen sie unsere Heimat angreifen? Für jeden Norn, den sie getötet haben, werde ich zehn von ihnen abschlachten!" zischte er und lief in Richtung der Höhlen, in der sich die Svanir verschanzt hatten.
"Braham! Braham, warte!" rief ihm Eir hinterher und ging auf ihn zu, aber als sie ihre Hand auf seine Schulter legte, schüttelte er sie wütend ab und rannte weiter.
"Er wird noch eine Dummheit begehen, so wie ich ihn kenne." seufzte Eir.
"Nicht, wenn ich es verhindern kann. Ich will mit eigenen Augen sehen, was die Svair dort tun. Du bleibst hier und hilfst dem Wolfsrudel, die Leute unter Kontrolle zu bringen. Verschanzt Euch in der Großen Halle, die Keller sind gut geschützt und groß genug für alle. Jeder, der kämpfen will, soll sich dazu bereit machen. Hoelbrak fällt nur über meine Leiche." sprach Denngar zu Eir, bevor er Braham folgte. Die Norn seufzte und sah ihnen nach. "Möge der Wolf euch beide schützen. Komm, Garm, wir haben nicht viel Zeit."

"Jormag! Erhöre deine Diener, und gib ihnen die Macht, alles in ihrem Weg zu unterwerfen! Gib uns deine Gaben, und lass uns die falschen Geister zerschmettern!
Diese unterwerfen sich dir, um deine Macht zu verbreiten! Hoelbrak wird geläutert!"
Der Schamane trat in die Mitte des Kreises an das Totem aus Eis, das vor Magie zu beben schien. Der Drachenkopf an dessen Spitze erwachte, und seine Augen glühten, als das lebendig gewordene Totem einen eisigen Atem verspie, der die Svanir um das Totem herum gänzlich einhüllte. Ihre geqäulten Schreie hallten durch die Höhle, bis der kalte Nebel sie gänzlich unterdrückte und Fleisch zu Eis wurde. Der Nebel lichtete sich und offenbarte das Ergebnis des Rituals. Ein dutzend Krieger, von der Verderbnis des Eisdrachen durchdrungen. Der Schamane in ihrer Mitte lachte. „Ja, seht nur, meine Brüder, welche Macht Euch der Drache verleiht! Ihr wurdet auserwählt, Jormag zu dienen und die falschen Geister und jene, die sie verehren, auszumerzen! Sein Champion wird bald mit einer Armee hier eintreffen, und dann werden wir ihnen zeigen, dass sie sich nicht mehr verstecken können. Sie werden sich uns anschließen, oder sterben!"

Denngar und Braham kamen an dem Eingang der Höhlen an, aber der Eingang war mit einer massiven Eiswand versiegelt. Braham prügelte wie in Raserei auf sie ein, aber es wurde schnell ersichtlich, dass er mit seinem Streibkolben nichts ausrichten konnte.
"Braham, das bringt doch nichts. Spar dir deine Kräfte, bis wir einen Weg da durch gefunden haben." riet ihm Denngar, und legte seine Hand auf Brahams Schulter. Er schien sich doch langsam wieder zu beruhigen, was aber vielleicht auch daran lag, dass ihm die Kraft dazu fehlte.
"Du hast recht, Boss. Wenn Marjy oder Kas hier wären, hätten sie bestimmt einen Weg hier durch gefunden. Aber ich bin völlig machtlos. Ich konnte nicht einmal Klippheim beschützen, wie soll dann Hoelbrak verteidigen?" sagte der Wächter niedergeschlagen und warf seinen Streitkolben auf den Boden.
"Hey, Braham, sag nicht so was. Die Eisbrut hat Klippheim über Nacht und im Verborgenen angegriffen. Ich weiß, du machst dir Vorwürfe, aber dich trifft keine Schuld. Dieses mal sind wir vorbereitet. Du kannst sie alle rächen, aber dich darf der Hass dabei nicht blind machen. Hör auf deine Mutter, die kämpft schon einige Zeit länger als du." sagte Denngar und stupste Braham beim letzten Satz mit dem Ellbogen in die Seite, nachdem er Brahams Waffe aufgehoben hatte und ihm entgegen hielt.
"Du verbringst viel zu viel Zeit mit ihr." sagte er und nahm seinen Streitkolben dankbar an.
"Naja, sie hat mich damals nach der Großen Jagd ausgebildet. Ich habe viel von ihr gelernt."
"Das haben wir vermutlich beide. Aber leider gehörte dazu nicht, wie man durch eine magische Eisbarriere kommt."
"Überlass das mir. Ich hab da so eine Idee." sagte Denngar grinsend. "Halt lieber etwas Abstand."
"Was hast du vor?"
"Wart's ab."
Denngar ging einige Meter zurück, als wolle er Anlauf nehmen. Als er genug Distanz hatte, schloss er die Augen und holte tief Luft, fast so, als würde er meditieren.
Braham sah sich das Ganze mit fragendem Blick an. "Willst du die Mauer etwa wegpusten?"
Die Antwort erhielt er schnell, denn der ohnehin schon stattliche Norn bäumte sich nun auf und gewann sowohl an Höhe als auch Breite, während er sich in ein Wesen verwandelte, das aussah wie eine Mischung aus Mann und Bär. Denngar brüllte, und Braham, der freudig überrascht war, brachte sich schnell außer Reichweite. Dann stürmte der tiergewordene Norn mit wahnsinniger Geschwindigkeit auf die Mauer zu. Er brach hindurch wie ein rasender Dolyak durch eine Holztür.
Braham jubelte. "Haha, Kabumm! Nicht schlecht, Boss, nicht schlecht!"
Denngar verwandelte sich wieder zurück und rieb sich den Kopf. "Uff, das Eis war härter als erwartet. Ich sag dem Wolfsrudel Bescheid. Bleib hier, und falls du doch vorrennst, pass wenigstens auf, dass du dabei den Kopf nicht verlierst."
"Ich warte hier und halte die Stellung." sagte Braham und stellte sich entschlossen vor den Eingang.
"Danke, Braham. Ich wusste schon immer, dass du vernünftiger bist, als du aussiehst." sagte Denngar.
"He!" rief Braham ihm nach, aber er ging bereits mit hämischem Grinsen im Gesicht weg. "Dieser alte... Naja, immerhin hat er die Höhle aufbekommen."

Eir versuchte, die panischen Männer und Frauen zu beruhigen, die durch Hoelbrak rannten. "Die Geister haben uns verlassen! Was sollen wir tun?" brüllte ein älterer Norn.
"Beruhigt Euch doch! Die Geister haben uns nicht verlassen, das ist Unsinn. Geht zur Großen Halle oder kämpft, aber schreit hier nicht rum wie ein irrer alter Narr." sprach Eir dem Mann zu.
"Ihr nennt mich einen alten Narren, Eir Stegalkin? Ihr habt schon einmal im Kampf gegen die Drachen versagt, warum sollte es dieses Mal einen anderen Lauf nehmen?" brüllte er zornig. Eir hatte große Mühe, dem alten Norn keinen Schlag ins Gesicht zu verpassen.
"Was ist los mit Euch? Warum wendet Ihr Euch gegen uns und nicht gegen die Svanir? Wollt Ihr tatenlos warten, bis sie Euch abschlachten, oder wollt Ihr Eure Heimat verteidigen? Sprecht!"
"Ich..." Der Norn blinzelte und drehte den Kopf, als wäre er aus einem Traum erwacht. "Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ihr habt recht, ich war ein Narr. Die Svanir können aufgehalten werden. Und ich werde kämpfen, so sehr diese alten Knochen es erlauben!" rief er.
"Danke, mein Freund. Helft mir und dem Wolfsrudel, die anderen in der Großen Halle unterzubringen!" bat ihn Eir. Der Norn nickte und machte sich auf, ihrem Wunsch nachzugehen.
"Eir, alles in Ordnung?" fragte Denngar, der gerade zu Eir stieß. "Die Leute verhalten sich seltsam." bemerkte er.
"Ja, das gefällt mir nicht. Sie scheinen irgendwie... Bei den Geistern, glaubst du -" sie hielt den Atem an, als hätte sie eine schockierende Erkenntnis gemacht.
"Was?" fragte Denngar.
"Die Svanir. Vielleicht haben sie die Leute irgendwie verzaubert. Das würde erklären, warum es so plötzlich angefangen hat." erklärte Eir. "Wir müssen sie aufhalten!"
"Braham haltet drüben die Stellung. Ich wollte ein paar Leute vom Wolfsrudel als Verstärkung mitnehmen, aber anscheinend habt ihr hier alle Hand voll zu tun."
"Was? Du hast meinen Sohn allein bei den Svanir gelassen, die gerade irgendein Ritual wirken?!"
"Es geht ihm gut, keine Sorge. Er wartet vor dem Höhleneingang. Ich mache mich sofort wieder auf den Weg." sagte Denngar und wollte gerade aufbrechen, als Eir ihn an der Schulter packte. "Passt auf Euch auf. Garm kommt mit Euch, nur zur Sicherheit."
"Alles klar, dann sollten wir keine Probleme haben. Komm, Junge!" Garm wedelte aufgeregt mit dem Schweif und rannte dem Norn freudig hinterher.

Als die beiden zurück zu den Adern des Drachen kamen, sah Denngar Braham vor dem Eingang knien. "Braham! Alles in Ordnung?" rief er voller Sorge. Braham stand auf und drehte sich um. "Eisbrut." sagte er. Er trat einen Schritt zur Seite. Vor ihm lagen die Leichen zweier verdorbener Norn. "Nur die zwei. Drinnen warten bestimmt mehr. Wolf weiß, wie viele das wohl sind."
"Keine Sorge, wir haben Garm." versicherte ihm Denngar. Garm bellte und knurrte in die Höhle.
"Ha, worauf warten wir dann? Nach dir, Garm!" rief Braham. Der schwarze Wolf stürmte vor und die beiden Norn rannten ihm mit gezückten Waffen hinterher.
"Eir glaubt, die Svanir haben eine Art Ritual gewirkt, um die Leute in Panik zu versetzen. Wir sollten mit allem rechnen." erklärte Denngar.
"Ein Ritual? Was meinst du, wie lange sie die ganze Sache hier schon geplant haben?"
"Ich habe keine Ahnung, aber wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich sie schon längst aus Hoelbrak geworfen. Ich hatte wohl doch recht, aber jetzt ist es zu spät."
"Naja, du weißt ja, wie es heißt: Kenne deinen Feind." sagte Braham. Denngar blickte in fragend an.
"Wo hast du denn den Spruch her?"
"Hat Kasmeer irgendwann mal gesagt. Vermutlich irgendein Menschen-Sprichwort."
"Ah. Warte, ich glaube, Garm hat unserem Feind entdeckt." Garm blieb stehen und knurrte leise. Denngar und Braham schlichen vorsichtig zu ihm und sahen, was im Zentrum der Höhle vor sich ging. Die Svanir, die bereits alle in Eisbrut verwandelt wurden, standen im Kreis um das riesige Totem in der Mitte der Höhle. Der Schamane der Svanir, der als einziger noch nicht völlig verwandelt war, stand auf einer Anhöhe über dem Kreis und wirkte einen Zauber. Dann traten zwei der Eisbrut-Krieger am Rand zur Seite, um einen Norn in die Mitte des Kreises durchzulassen. Denngars Augen weiteten sich, als er den Mann erkannte. "Beim Wolf, das kann nicht sein... das ist Alvarr."
"Wer?" fragte Braham. "Denngar, warte!"
Denngar trat mit gezückten Äxten in die Höhle. "Alvarr!" brülte er. Der Norn drehte sich um.
"Alvarr, was in Wolfs Namen ist in Euch gefahren?"
Alvarr zeigte wütend mit dem Finger auf Denngar. "Ihr! Ihr habt meine Söhne in den Tod geschickt! Ihr habt sie getötet!" schrie er.
"Wie kommt Ihr darauf, dass sie tot sind?"
"Der Wolf hat es mir gezeigt. Ihr und Euer verdammter Pakt! Ihr habt meine Kinder getötet! Wenn die Geister sie nicht schützen konnten, wie sollen sie dann Hoelbrak schützen?
Ich schließe mich dem Drachen an. Das, oder der Tod."
"Ihr... ein Schamane des Wolfs, von Euch hätte ich das zuletzt erwartet, Alvarr. Hört Euch doch selbst einmal zu, Ihr klingt wie sie, wie der Feind!" rief Denngar und zeigte auf den Schamanen der Svanir, der sich das Spektakel genüsslich ansah. "Wie konntet Ihr uns alle verraten? Wenn Ihr noch bei Sinnen seid, dann bitte ich Euch, flieht. Ich will Euch nicht weh tun müssen."
"Ihr nennt mich von Sinnen? Ihr würdet doch keine Sekunde zögern, mich niederzustrecken, nur weil ich die Wahrheit erkannt und mich mit meinem Schicksal abgefunden habe!
Nein, ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich schließe mich Jormag an, und wenn ich dabei meine Söhne rächen kann, dann umso besser!"
Denngar blickte den ergrauten Norn mit einer Mischung aus Mitleid und Wut an. Er konnte nicht sagen, ob er vom Zauber der Svanir geblendet oder tatsächlich freiwillig übergelaufen war. Aber bei einem war er sich sicher: Seine Söhne waren nicht tot. Das war nur eine List der Svanir.
"Alvarr, seid Ihr bereit, Jormags Gunst entgegen zu nehmen?" fragte ihn der Svanir-Schamane.
"Ja, das bin ich. Es tut mir Leid, Denngar... Es tut mir Leid, dass Ihr auf der falschen Seite steht."
"Braham! Jetzt!"
Denngar hatte erwartet, dass Braham zu ihm stoßen würde, allerdings fehlte von ihm und Garm jede Spur. Er befürchtete das Schlimmste, aber dann stürzte sich ein haariges Monster auf einen der Eisbrut-Norn neben ihm. Es war Braham, in Wolfsgestalt, und Garm folgte ihm. Denngar nutzte das Überraschungsmoment und stürmte auf Alvarr zu.
Er traf ihn wie ein Rammbock und schleuderte ihn auf den harten Boden. Das Eis unter dem Norn ächzte und bekam Risse, als er zu Boden ging.
Der Svanir-Schamane leitete den Angriff ein und schleuderte einen Eisspeer nach Denngar, während zwei der verderbten Krieger auf ihn zukamen. Er duckte sich unter dem Speer weg und rammte seine Axt von unten nach oben durch den ersten Angreifer. Den Schlag des zweiten blockte er mit der anderen Axt ab und gab ihm eine Kopfnuss, bevor er ihm den Bauch aufschlitzte. Braham hatte seinen ersten Gegner aus heiterem Himmel erwischt und zu Fall gebracht, aber nun wurde er von drei weiteren umzingelt. Er lies ein markerschütterndes Gebrüll los, woraufhin der erste bereits die Flucht ergriff. Er sprang auf den nächsten zu und riss ihn dank seiner Größe sofort von den Füßen. Mit seinen Klauen zerfleischte er ihn, während Garm ihm den Rücken deckte und den übrigen Gegner anfiel. Braham Verwandlung ließ allmählig nach und weitere Eisbrut kam auf ihn zu, während Denngar damit beschäftigt war, den Angriffen des Schamanen auszuweichen. Braham, nun wieder in ursprünglicher Gestalt, kämpfte Seite an Seite mit Garm gegen die verdorbenen Norn, aber es waren ziemlich viele, und als Braham zwei der Angreifer erledigte, fiel ihm ein weitere in die Flanke. Denngar sah, wie der Norn auf den ungedeckten Wächter zugestürmt kam. Er schleuderte eine seiner Äxte dem Angreifer in den Rücken, bevor er die andere einem weiterem Angreifer in den Schädel trieb. Denngar wollte nun zu Braham eilen und unterwegs seine Axt aufsammeln, da hatte er den Schamanen aber eine Sekunde zu lange aus den Augen gelassen. Er schleuderte einen Hagel aus Eisscherben auf Denngar, der den Angriff nicht kommen sah. Denngars Sicht verschwamm, als ihn das Eis mitten ins Gesicht traf und blutige Schrammen hinterließ. Er hielt sich die Hand vor sein blutendes Gesicht, und die Wut kochte in ihm. Er war kurz davor, die verbleibende Axt nach dem Schamanen zu werfen, als dieser plötzlich in einem gleisenden Nebel verschwand. Denngar ächzte, denn sein ganzes Gesicht brannte fürchterlich, aber er griff trotzdem nach seiner Axt, was ihm ob seiner verschwommenne Sicht schwer fiel. Sie hatten die letzten Eisbrut-Norn besiegt, aber der Schamane war noch immer am Leben. Er tauchte hinter dem immernoch am Boden liegende Alvarr auf und zerrte ihn in die Höhe.
"Es ist noch nicht vorbei. Alvarr, nehmt da Geschenk des Drachen an!" rief er und warf den Norn gegen das Totem. Augenblicklich war Alvarr wieder bei vollem Bewusstsein, und schrie. Unsagbare Schmerzen durchfuhren seinen Körper, während die Magie des Schamanen ihn an das Totem band.
"Wir müssen ihn aufhalten!" rief Braham und stürmte auf den Svanir zu. Er rannte ihm mit erhobenem Streitkolben entgegen, aber kurz bevor er bei ihm war wurde er wie von einem Orkan von den Füßen geholt und schlitterte über den Eisboden. Ächzend rappelte er sich auf. "Er schirmt sich ab!" rief er.
Denngar sah den wirbelnden Wind, der um den Schamanen herum entstand. "Braham, du musst das Totem irgendwie zerstören! Ich lenke ihn ab!"
"Wie soll ich das Ding kaputt machen?" fragte Braham.
"Draufkloppen!"
"Achso, alles klar!"
Braham nahm seinen Streitkolben fest in die Hand und rief den Geist des Wolfes an. Der Kolben und sein Schild fingen an zu glühen und machten den Norn stärker. Er nahm einen langen Atemzug und schlug mit all seinen Kräften gegen das Eistotem. Ohne sichtbare Wirkung. "Ach, komm schon!" rief er und prügelte weiter auf das Totem ein. Denngar trat an den wirbelnden Schild des Schamanen heran und suchte einen Weg hindurch, während Garm auf der anderen Seite durch sein Knurren und Geheul den Schamanen irgendwie aus der Ruhe zu bringen. Alles half nichts, und Alvarrs Schreie hallten weiter durch die Höhle. Denngar nahm all seinen Mut zusammen und konzentrierte sich auf jeden Schritt, den er tat, und trat in den Nebel. Langsam aber sicher kam er näher. Der Schamane schrie vor Zorn und formte seinen Schild zu einem Angriff um, in dem er ihn zu einer riesigen Flut ballte, die über den Krieger herabzustürzen drohte. Doch im letzten Moment schirmte Braham seinen Gefährten mit einer Kuppel aus Wächtermagie ab, an der die Welle zerbrach wie an einem Felsen im Meer. Der Schamane riss die Augen vor Schreck weit auf, und setzte bereits zu einem verzweifelten Angriff an, aber dieses mal war Denngar schneller. Er sprang mit gekreuztem Armen auf den Schamanen zu. Bevor der Schamane wusste, wie ihm geschah, rollte sein Kopf von seinen Schultern und fiel auf den eisigen, nun blutbenetzten Boden. Die Macht des Totems gab nach, und nun konnte auch Braham die letzten Schläge landen, um das Gebilde zu zerschmettern. Mit einem Geräusch, das wie der verzerrte Schrei eines Drachen klang, zerbrach das Totem und der Drachenkopf an dessen Spitzen fiel klirrend zu Boden, wo er zerschellte.
Denngar eilte zu Alvarr, der mit dem Kopf nach unten auf dem Boden vor den Überresten des Totems lag. "Alvarr!" Denngar eilte zu ihm und half ihm auf, aber der alte Mann war zu schwach, um zu stehen, also sank er mit dem Rücken zum Totem nieder. "Du... hattest Recht, Denngar." keuchte er.
"Halt durch, Alvarr, wir holen dich hier raus!" antwortete Denngar. "Braham!"
"Nein, mein Kind. Für mich ist es zu spät. Ich gehe in die Nebel, zu unseren Ahnen, wenn die Geister mich noch immer haben wollen, nach dem, was ich getan habe."
"Die Svanir haben dich verhext, Alvarr, es war nicht deine Schuld!"
"Vielleicht, aber ich hätte nie den Glauben an Wolf verlieren dürfen. Ich war zu blind, um ihre List zu durchschauen... Brinjolf, Gunnar..."
"Deine Söhne sind noch am Leben, Alvarr. Und sie werden auch wieder zurückkehren."
"Ich weiß. Wolf hat es mir gezeigt. Sie werden es schaffen. Geh jetzt, mein Freund. Jormag... darf nicht gewinnen! Versprich mir, dass ihr ihn aufhaltet!"
Denngar nahm Alvarrs Hand. "Ich schwöre es dir, bei den Geistern."
"Geht jetzt... Hoelbrak braucht euch."
Der alte Norn tat seine letzten Atemzüge und dachte dabei an seine Söhne. Dann, als sein Herz zu schlagen aufhörte, ging er in die Nebel, von Garms Geheul begleitet.
Der schwarze Wolf trottete traurig hinter Denngar und Braham her, die die Höhle verließen, die nunmehr nichts als ein weiterer Friedhof war.
Draußen wartete bereits Eir auf sie, die Braham um den Hals fiel. "Geht es euch gut?"
"Mutter, alles in Ordnung. Wir sind wohlauf." versicherte er ihr.
"Ich wünschte, der alte Alvarr hätte es ebenfalls geschafft." erwiderte Denngar betrübt.
"Der Wolfs-Schamane? Oh nein... Das werden sie büßen."
"Was ist mit den Leuten, sind sie in Sicherheit?" fragte Denngar.
"So ziemlich. Wir habe alle, die nicht kämpfen können, in die Keller unter der Große Halle gebracht. Leider... gab es Ausschreitungen. Ein paar griffen das Wolfsrudel an, wir haben versucht, was wir konnten, aber..." Eir wurde vom lauten Geräusch eines Horns unterbrochen. "Das Signalhorn. Das heißt..."
"Es beginnt. Die Svanir greifen an!" stellte Denngar fest.

Tatsächlich stürmten die ersten Svanir das Tor im Osten, das in die Wanderer-Hügel führte. Das Wolfsrudel bestand nur aus wenigen tapferen Männer und Frauen, aber sie waren gut ausgebildet und konnte die Svanir recht lange beschäftigen, aber die Tore gaben nach und es dauerte nur wenige Minuten, bis die Svanir durchbrachen und die Wachen überranten. Denngar, Eir und Braham waren bereits zur Stelle und traten den Angreifern entgegen.
Wenig später trafen Knut Weißbär und seine Leibwächter mit einer beachtlichen Menge Freiwilliger, die ihre Heimat verteidigen wollten, ein.
"Du sollst verdammt sein, Denngar, dass du Recht bewahrt hast. Aber sie müssen mehr als nur ein paar Svanir aufbringen, um uns in die Knie zu zwingen!" rief Weißbär.
"Unterschätzt sie nicht. Das war noch längst nicht alles, was sie uns entgegenwerfen!" antwortete Denngar. Tatsächlich war dies nur ein kleiner Bruchteil der Svanir-Armee, die die Tore durchbrochen hatten. Dann folgte die geballte Streitmacht, die durch das offene Tor stürmte.
"Sie kommen! Angriff!" brüllte Knut und die Norn stürmten voran, den Svanir entgegen.
Die Fronten prallten auf einander: Auf beiden Seiten krachten Schwerter auf Schwerter, Hämmer auf Schilde, Metall auf Fleisch. Aus den hinteren Reihen flogen Pfeile, Blitze und Feuerbälle, auf Seiten der Svanir riesige Eisscherben und gefrorene Kristalle. Überall fielen die Kämpfer reihenweise, auch wenn die Norn von Hoelbrak die Überhand hatten. Denngar kämpfte an vorderster Front, und seine Anwesenheit erfüllte die anderen Kämpfer bereits mit Respekt und Kampfeslust. Überall wo seine Äxte niederprallten, blieb nur Tod zurück. Er koordinierte zudem die anderen Kämpfer ein wenig, und dank ihrer disziplinierten Formation konnten die Svanir kein Land gewinnen. Braham nutzte seine Wächter-Fähigkeiten zum Schutz der Kämpfer, die nicht sehr schlachterprobt waren, von denen es unter den Norn zum Glück nur eine Hand voll gab. Auch er fällte die Svanir, die ihm entgegenkamen. Eir hatte auf ihren Schützling stets ein Auge, und trotzdem fielen durch ihre Pfeile vermutlich die meisten Angreifer. Garm sorgte dafür, dass seiner Herrin dabei kein Svanir zu nahe kam.
"Drängt sie zurück! Gebt nicht nach!" brüllte Knut Weißbär, der trotz seines Alters noch immer ein beeindruckender Kämpfer war und es locker mit mehreren Svanir gleichzeitig aufnehmen konnte. Der östliche Rand von Hoelbrak verwandelte sich in ein blutüberströmtes Schlachtfeld, und langsam lichteten sich die Reihen der Svanir, und das, obwohl sie den Norn von Hoelbrak zahlenmäßig um das doppelte überlegen waren. Aber der Kampfgeist der Norn war so stark wie nie zuvor. Sie würden ihre Heimat um jeden Preis verteidigen.
Gegen die Svanir, gegen die Eisbrut, gegen Jormag selbst. Aber auch auf der Seite des Drachen gab es mächtige Kämpfer.

"Sie sind überraschend gut organisiert. Anscheinend wurden sie doch gewarnt." stellte der Mesmer fest. "Ich dachte, ich hätte dir befohlen, jeden in den Wanderer-Hügeln abzufangen, Hadvar." Der Svanir namens Hadvar fiel auf die Knie. "Meister, ich... ich habe es versucht, aber sie konnte fliehen! Ich habe sie erwischt, ich schwöre es bei Jorma-"
Der Mesmer packte ihn am Hals. "Du wagst es, den Namen unseres Herrn in den Dreck zu ziehen, du Wurm? Dein Fehler hat ihnen Zeit verschafft. Das wird nicht noch einmal passieren. Gib mir den Dolch. Du bist dieses Artefaktes nicht mehr würdig." sagte der Mesmer. Jedes seiner Worte schnitt durch den Verstand des Svanir. Völlig verängstigt und mit zittrigen Händen überreichte er dem Mesmer die eisige Klinge. Dieser musterte den Dolch. Seine Mundwinkel verzogen sich zu einem abgrundtief bösen Grinsen. Er nahm den Dolch und rammte ihn dem Svanir zwischen die Rippen. "Ich gebe dir eine zweite Chance. Du wirst durch die Macht von Jormag geläutert, um deinen Fehler wieder gut zu machen."
Hadvar verwandelte sich, duch die Magie des Mesmers unterstützt, in eine abscheuliche Eisbrut-Bestie. "Geh zu Surt. Sag ihm, die Zeit ist reif."
Der Norn antwortete mit tiefer, verzerrter Stimme. "Ja, Meister."
Der korrumpierte Hadvar ging zu dem Riesen, der ungeduldig seinen über drei Meter langen Zweihänder mit einer der Hütten vor Hoelbrak bekannt machte. Er hatte in den gesamten Wanderer-Hügeln eine Schneise des Todes und der Zerstörung hinterlassen, und vor Hoelbrak würde er gewiss nicht Halt machen. Zornig starrte er Hadvar an. Dieser näherte sich völlig gleichgültig und überbrachte ihm die Nachricht. "Die Zeit ist reif. Der Meister will - "
"Endlich! Geh mir aus dem Weg, Winzling. Hoelbrak gehört mir. Ich werde jeden unter meinen Füßen zerquetschen, der sich mir in den Weg stellt."
Surt nahm die verbleibenden Svanir mit sich und marschierte mit tierischer Mordlust in den Augen auf Hoelbraks Tore zu.
"ICH BIN SURT, DER ZERSTÖRER! ERZITTERT VOR MIR!" brüllte der Riese aus vollen Lungen, und seine Worte hallten durch die Zittergipfel. Die Norn von Hoelbrak hielten den Atem an. "Was bei den Nebeln..." Die Antwort bekam Weißbär schnell. Zwischen den restlichen Truppen der Svanir, etwa dreißig Mann, kam der Riese auf sie zu. Denngar vergewisserte sich, dass es ein Norn und kein Jotun war. Keiner hatte je einen größeren Norn gesehen, und umso beunruhigender war es, dass dieser Norn der Feind war. Er kam in schnellen, riesigen Schritten auf sie zu.
"Weißt du nach, was Marjory mal gesagt hat?" fragte Denngar Braham. "Je größer sie sind, desto tiefer fallen sie. Oder so ähnlich."
Braham lachte. "Wir haben schon weitaus größere als den da zu Fall gebracht."
"Macht Euch bereit! Wir halten Stand, und bald werden wir diese Schlacht gewonnen haben!" rief Knut Weißbär. Eir konnte spüren, dass er trotz der tapferen Worte Angst hatte.
Genau wie sie. Die ersten Svanir durchschritten die Tore, oder das, was von ihnen übrig war. Kaum hatten sie den ersten Fuß in die Stadt gesetzt, wurden sie von den Bogenschützen attackiert. Die, die den Pfeilhagel überlebten, wurden von den Frontkämpfern aufgehalten. Alle, außer Surt. Eir zielte auf den nackten Oberkörper des Riesen, mitten in sein Herz. Der Pfeil schoss exakt auf sein Ziel zu, und weichte keinen Zentimeter ab. Doch er prallte einfach ab. Er prallte ab wie an einer Steinmauer, obwohl der Norn nicht einmal den Hauch einer Rüstung trug. Er lachte nur. "Ist das alles, was Ihr könnt, Eir Stegalkin? Ich kämpfe nicht gegen ein schwaches Weib wie Euch. Bringt mir Eure besten Krieger!" brüllte Surt und holte mit seinem Zweihänder aus. Als die Waffe zuschlug, fegte sie Norn und Svanir gleichermaßen weg. Wie von einem Orkan wurden die Kämpfer durch die Luft geschleudert.
"Schwächlinge! ICH WILL EINEN KAMPF!"
Eir hörte große Schritte hinter sich. Sie wirbelte herum, aber es war einer ihrer Verbündeten. "Ihr wollt einen Kampf? Dann sucht Euch einen Gegner auf Augenhöhe!" rief der Jotun.
"Thrulnn?" Denngar erkannte Thrulnn den Verlorenenen, der Jotun, der in Hoelbrak lebte.
"Ich verteidige meine Heimat und meine Freunde. Kommt, ich zeige Euch, wie ein wahrer Jötunn kämpft!" brüllte er und hieb mit der Faust nach Surt. Die verbliebenen Norn beobachteten gebannt den Kampf der beiden Giganten. Sie waren sich nicht sicher, ob sie in das Duell eingreifen sollten. Aber es machte keinen Unterschied, was sie taten, denn obwohl Surt der letzte Kämpfer der Drachendiener zu sein schien, ging der Plan der Svanir auf. In der Hitze des Gefechts schlich sich Jormags Champion in die Stadt, mitten auf den Platz der Macht. Hier, tausende Meter über dem Herz der Zittergipfel, thronte eine Feuerschale, deren Licht die Bilder der Geister der Wildnis durch Scheiben aus dickem Eis in den Himmel projizierte. Ein Symbol für die Verbundenheit der Norn mit den Geisten. Der Mesmer starrte mit purer Verachtung auf diesen Platz der Macht. Schon bald würden sie erkennen, dass der Drache der einzig wahre "Geist der Wildnis" war. Der ultimative Jäger.
Thrulnn und Surt bekämpften sich weiter an den Toren von Hoelbrak, und obwohl sie sich der Größe nach ebenbürtig waren, wurde schnell klar, dass der Geschichtenerzähler der alten Riesenrasse der unterlegenere Kämpfer war. Denngar und Braham machten sich bereit, den Jotun mit allen Kräften zu unterstützen, aber trotz seiner vielen Wunden war sein Kampfgeist noch nicht gebrochen.
"Ihr seid stark, aber Euer Geist ist schwach. Wenn Ihr Norn nicht gegeneinander kämpfen würdet, könntet Ihr eines Tages vielleicht Eure alte Größe wiedererlangen!"
"Ha, seht Euch nur an. Ihr redet von alter Größe, doch seid nichts weiter als ein Wurm, der Rest einer alten Rasse, die sich schon lange dem Drachen hätte beugen sollen!" brüllte Surt und schwang seinen Zweihänder in weiten Kreisen vor sich. Der Jotun bekam einige Treffer ab, aber stand noch immer felsenfest.
"Jormag hat Euch vielleicht stark gemacht, aber was ist Stärke, ohne eigenen Willen? Früher oder später braucht Euch der Drache nicht mehr, und was tut Ihr dann?"
"Dann werde ich herrschen!" brüllte Surt und ging erneut auf den Jotun los. Dieses mal hätte er ihn zerpflückt, wenn Braham den Jotun nicht geschützt hätte. Surt war das egal. Er hatte seinen Spaß. "Ihr könnt ihm helfen, so viel Ihr wollt! Früher oder später werdet Ihr Euch alle mir, Surt, beugen!"
"Das werden wir sehen." drohte Denngar. Er hatte einen Plan. "Ein wahrer Krieger kann es mit einem Jotun UND einem Norn gleichzeitig aufnehmen, meint Ihr nicht auch?"
"Ich kann es mit allem aufnehmen. Kommt her und sterbt, wenn Ihr so bereitwillig den Tod sucht!"
"Mit Vergnügen..." Denngar zückte seine beiden Äxte und rannte auf den Riesen zu. Er lief direkt an Braham vorbei, der ihn mit seiner Magie unterstützte. "Jetzt!" rief Denngar.
Eir spannte ihren Bogen und schoss einen Pfeil in Surts Gesicht. Der Pfeil schrammte dicht an seinem gehörten Helm vorbei, aber es war Absicht. Durch den Pfeil abgelenkt hatte der Riese Denngar aus den Augen gelassen, der sich mit den Füßen vom Boden abstieß und auf ihn zusprang. Mit einem Kriegsschrei lies er seine Äxte auf Surt niedergehen und erwischte ihn voll am Gesicht. Der Riese fiel mit einem zornigen Brüllen rückwärts zu Boden. Die Erde bebte unter seinem Gewicht, als er aufprallte und seinen Helm dabei verlor. Denngar kniete noch immer auf seinem Oberkörper und verhinderte, dass der Riese aufstehen konnte. Denn im nächsten Moment verwandelte sich Denngar wieder in seine Wolfsgestalt und lies seine klauenbepackten Pranken auf Surts Gesicht niederfahren. Thrulnn half Denngar, indem er die Beine des Riesen festhielt, um ihn am Aufstehen zu hindern.

Doch als Surt in der Zwickmühle zu stecken schien, ertönte ein ohrenbetäubender Knall aus der Mitte von Hoelbrak. "Was bei den Geister... Der Platz der Macht!" rief Eir, die wie betäubt in Richtung des Platzes starrte. Der Mesmer hatte sein Werk vollendet, und das Eis um die Feuerschale herum war in tausend Stücke gesprengt worden. Die fünf Lichter am Himmel, die Wolf, Rabe, Bärin, Schneeleopardin und den Zahn von Jormag in der Großen Halle zeigten, verschwanden plötzlich spurlos. Und in der Mitte stieg das Antlitz des Drachen aus einer blauen Flamme auf, das Emblem der Svanir, und nahm ihren Platz ein. Bevor die Norn begriffen, was geschehen war, spürten sie, wie sie innerlich schwächer wurden, als wäre ein Teil von ihnen verloren gegangen. Auch Denngar verwandelte sich sofort ohne jede Kontrolle zurück, und rang nach Luft, denn er wusste nicht, was geschehen war und war wie benommen. In diesem Moment befreite sich Surt und packte Denngar am Hals. Er hätte ihn mit einer Handumdrehung das Genick brechen können, aber er wirbelte ihn durch die Luft und warf ihn voller Hass zur Seite, als wäre er ein lästiges Insekt. Der Norn landete regungslos auf dem Boden. "Boss!" rief Braham und eilte zu ihm. Surt bebte vor Wut und ging auf den verwundeten Jotun zu, der ihn gerade noch an den Beinen festhielt. "Der Drache obsiegt immer. Das hätten Eure Vorfahren schon lange erkennen sollen."
Surts Klinge schnitt an der Brust des Jotun entlang. Er fiel zur Seite und stützte sich mit der Hand auf dem Boden ab, während er die andere auf seiner blutenden Brust hatte. Er wusste, dass sein Leben verwirkt war. Surt hob sein Schwert und holte weit aus. Er sah den Jotun mit verächtlichem Blick an. "So groß, und doch so schwach."
Er lies sein Schwert niederschnellen und trennte dem Jotun den Kopf von den Schultern. Der letzte Geschichtenerzähler der Jotun war tot.
Eir, Braham, Denngar, Knut, seine Söhne und ein paar Norn aus dem Wolfsrudel waren die letzten verbleibenden Kämpfer, die nun Surt gegenüber standen. Der Riese war kaum verwundet, wenn überhaupt hatte ihn das nur noch tosender und damit umso gefährlicher gemacht. Selbst als Braham Denngar wieder auf die Beine half, schien die Lage aussichtslos. Aber ein Ende ohne Kampf wäre für keinen Norn ein würdiges Ende. Also fassten sie ihren Mut, und nahmen es noch einmal mit vereinten Kräften mit dem "Zerstörer" auf. Da dieser nun vor Wut wie wild um sich schlug, aber dabei seine Zielsicherheit zu wünschen übrig lies, konnten die Norn nahezu jedem seiner Hiebe ausweichen und umkreisten ihn. Sie griffen vereinzelt an, aber blieben stets auf Abstand. Ihre Koordination war ihr Schlüssel zum Erfolg, auch wenn es ein langer Kampf werden würde. Aber als Surt langsam müde zu werden schien, und die Norn sich in Sicherheit wogen, wendete sich abermals das Blatt. Sie hatten den Platz der Macht außer Augen gelassen, und damit das Ritual des Mesmers. Und als sie merkten, was vom Platz auf sie zukam, war es schon zu spät, denn der Feind schlug zuerst zu.
Durch Knut Weißbärs Seite bohrte sich eine eisige Spitze.
Eir drehte sich zu Knut um, nachdem sie seinen Schmerzenschrei hörte, und sah, wie die verdorbene Kreatur hinter ihm den Norn blutrünstig mit leuchtend blauen Augen anstarrte. Augenblicklich rammte Knut sein Schwert durch den Hals der Eisbrut-Bestie, aber seine Wunde blutete heftig. "Knut, bei den Geistern, wir müssen dich in die Große Halle bringen!" rief Eir. "Nein! Wenn ich sterbe, dann im Kampf! Wir müssen uns um die Eisbrut... ARGH!" stöhne Knut. Er konnte kaum stehen, und Eir drängte weiter, während sie ihn stützte.
"Wir müssen uns ohnehin zurückziehen und auf Verstärkung warten! Wenn wir uns jetzt nicht in der Halle verschanzen, sterben wir alle!"
Knut seufzte. Er verzerrte das Gesicht vor Schmerz. "Ich weiß, dass du wiedermal recht hast, Eir Stegalkin. Aber wer soll sie aufhalten?"
"Ich." sagte Denngar entschlossen. "Ich bleibe und halte sie zurück, während ihr euch zurückzieht!"
Braham und Knuts Söhne Sigfast und Skarti versuchten, Surt abzulenken, während die übrigen Norn die Schar der Eisbrut in Schach hielten, die aus einigen Portalen am Platz der Macht stürmte. "Ich bleibe auch. Braham und ich - "
"Nein, Eir. Ihr beiden bringt Knut zur Halle. Ihr müsst dort ausharren, bis Verstärkung eintrifft!"
"Was, wenn nicht?" fragte Eir und blickte Denngar voller Sorge in die Augen.
"Dann beten wir zu den Geistern, dass ein Wunder geschieht. Schnell, geht!"
"Nein, nicht einmal du hast eine Chance allein! Du-"
"Eir. Bring die Leute in Sicherheit, sofort! Du musst mir vertrauen, ein letztes Mal!"
"Denngar..."
"Ich verdanke dir so vieles, Eir. Jetzt ist die Zeit, mich zu revanchieren. Pass auf die andern auf. Los, geht jetzt, noch eine Chance bekommt ihr nicht!"

Denngar rannte los und stürmte auf die Eisbrut zu. Er versuchte, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, während das Wolfsrudel sich langsam in Richtung der Großen Halle zurückzog. Eir, die noch immer Tränen in den Augen hatte, schleppte den verwundeten Weißbär weiter, während sie immer zu Denngar hinüber sah, der nun alleine gegen die Eisbrut kämpfte. Braham und Knuts Söhne kämpften noch immer mit Surt, zogen ihn aber auch immer weiter mit nach hinten. Als sie kurz vor der Großen Halle waren, nutzte Braham seine gesamte Kraft, um Surt durch einen Wall aus Wächtermagie aufzuhalten. Es funktionierte, und die drei Norn konnten in die Große Halle fliehen, während Surt wie in Rage auf den Wall einschlug, was ihm aber nichts nützte. Er kam nicht vorbei.
Denngar sah sich von der Eisbrut umzingelt, nicht in der Lage, zur Bestie zu werden, was ihm in diesem Kampf vielleicht das Leben hätte retten können. Er dachte zurück an die Klaueninsel. Die Schlacht, bei der er das erste Mal mit der Armee Zhaitans zusammenstieß. Als seine Mentorin bei der Abtei, seine Freundin Sieran, ihr Leben gab. Aber diesmal nicht. Kein Drachendiener würde ihn in die Knie zwingen, bevor seine Freunde, seine Heimat, nicht in Sicherheit waren, egal wie. Hieb für Hieb fällte er die Eisbrut, aber es kamen immer und immer mehr durch die Nebelportale der Svanir nach. Es waren zu viele, als das ein Norn allein sie hätte aufhalten können. Aber Denngar kämpfte weiter, denn es stand zu viel auf dem Spiel. Die Zeit schien still zu stehen, und es hätten genau so gut Minuten als auch Stunden sein können, in denen er die Eisbrut zurückhielt, während Surt ergebnislos nach einem Weg in die Halle suchte. Doch irgendwann war selbst der größte Krieger unterlegen, und Denngar spürte, wie seine Kraft schwand. Er konnte sie nicht mehr lange zurückhalten. Jormag durfte nicht gewinnen. Wenn Hoelbrak heute fiel, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Zittergipfel und schließlich ganz Tyria folgen würden. Das Adrenalin hielt den Schmerz in seinem Körper zurück, während er die nächste Welle in Stücke schlug. Der Wall, den Braham errichtet hatte, wurde schwächer. Surt merkte, wie er einfach hindurch gehen konnte. Nun stand nichts zwischen ihm und Hoelbrak. Nicht mehr lange, und er hätte gewonnen.

Aber dann war ein Geräusch in der Ferne zu hören. Das Geräusch von Maschinen. Flugmaschinen. Denngar spürte, wie ihn ein Gefühl der Erleichterung überkam. Der Pakt.
Die Schlacht war noch nicht vorbei. Mit neuer Kraft entledigte Denngar sich der Eisbrut und verschaffte sich Zeit, um Surt zu verfolgen, der an den Toren der Großen Halle stand.
Braham und die andern Norn hatte sie verbarrikadiert, während Eir sich um den verwundeten Weißbär kümmerte. Sie hörten das Poltern an der Tür und das Geräusch von sich verbiegendem Holz. Sie ahnten bereits das Schlimmste. Denngar war gefallen. Die Drachendiener waren siegreich.
Zumindest fast, denn die Norn bereiteten sich auf ihr letztes Gefecht vor. Sie ahnten nicht, dass sich das Blatt doch noch zu ihren Gunsten gewendet hatte. Die Helikopter landeten an den Toren von Hoelbrak, wo die Schlacht ihre Spuren hinterlassen hatte. Dena und Razor stiegen aus und bahnten sich mit einer großen Truppe Paktsoldaten einen Weg zum Platz der Macht, von dem die Eisbrut kam, die sich trotz Denngars Bemühungen in fast ganz Hoelbrak verteilt hatte. Die wenigen verbleibenden Norn vom Wolfsrudel stämmten sich mit vereinter Kraft gegen das Tor, von dem nicht mehr fiel übrig war. Surt hörte plötzlich auf, anzugreifen, und senkte seine Waffe. Er nahm Anlauf und stürmte brüllend auf das Tor zu. Mit einem lauten Knall wurde es aus den Angel geschleudert und begrub einige der Norn unter sich. Surt ging mit langsamen Schritten die Treppe hinunter, hinab zur Haupthalle, in der Eir, Garm, Braham, Weißbär und dessen Söhne standen.
"Da seid Ihr. Die letzten Kämpfer von Hoelbrak. Ein erbärmlicher Haufen. Kommt schon. Fallt vor mir auf die Knie, dann mache ich es vielleicht kurz!"
"Wir beugen uns weder dem Drachen, noch seinen Lakaien!" rief ihm Braham entgegen.
"Natürlich nicht. Ihr seid stur. Euch erwartet nur der Tod. Genau wie Eurem 'legendären' Denngar!"
Dieser Worte trafen Braham hart. Aber Eir war sich nicht sicher, ob sie stimmten. Irgendetwas sagte Ihr, dass Denngar nicht tot war. Sie wusste nicht, warum, oder ob ihre Gefühle sie täuschten, aber sie konnte es einfach nicht glauben. "Wir werden ihn rächen." sagte Braham, traurig und zornig zugleich.
Aber dann trat noch jemand oben an die Stufen heran. "Das müsst ihr nicht. Noch nicht."
"Denngar!" rief Braham voller Glück. Eir seufzte vor Erleichterung. Sie wusste es.
"Der Pakt ist hier. Es ist vorbei. Kommt, Surt. Nur Ihr und ich. Möge der bessere gewinnen." Surt sah Denngar entgeistert an und fing an, so laut zu lachen, dass die Halle bebte.
"Ihr sucht den Tod förmlich. Na gut, dann werden sie eben zusehen, wie ich Euch breche!" Surt wartete, bis Denngar die Treppen hinabgeschritten war, und ging direkt auf ihn zu.
Er sah im direkt in die Augen. "Euer Jotun-Freund konnte mich nicht töten. Ihr alle zusammen konntet mich nicht töten. Warum glaubt Ihr, dass Ihr das könnt?"
"Weil ich weiß, dass selbst die Altdrachen sterben können. Ihr haltet Euch für unsterblich, aber das seid Ihr nicht. Ihr werdet sterben, eines Tages. Ob durch meine Hand oder nicht, Ihr werdet sterben. Genau wie Jormag. Es ist alles nur eine Frage der Zeit."
"Eine lausige Antwort. Eure Zeit ist vorbei. Unsere hat gerade erst begonnen."
Surt holte zum Angriff aus. Denngar blockte ihn mit seinen Äxten ab und drehte sich zur Seite, um dem nächsten Schlag ebenfalls zu entgehen. Er manövrierte den Riesen aus und rammte ihm die Axt in die Wade. Die Haut des Riesen war robust wie Stein, aber er hatte bereits Narben davon getragen. Und es würden mehr werden. Hieb um Hieb landete Denngar einen Treffer, während der Riese ihn nur selten traf. Denngar nutzte den Raum der gesamten Halle aus, und so bewegten sich die Kämpfer immer näher auf die anderen Norn zu, die um Jormags Zahn herum standen. Eir brachte Weißbär in Sicherheit und schleppte ihn mühsam die Treppen in seine Gemächer über der Halle hoch. Denngar wies Braham und das Wolfsrudel an, dem Pakt draußen zu helfen, während er sich mit Surt duellierte. "Du bist wahnsinnig! Wie helfen dir gegen diesen -"
"Nein, ich will dass ihr dem Pakt helft!" rief er und wich abermals dem riesigen Zweihänder aus. "Sofort!" Denngar wollte nicht, dass noch mehr seiner Freunde zu Schaden kommen, und obwohl Surt scheinbar auf ihn fixiert war, hätte ein Eingreifen von Braham und den anderen das vielleicht ändern können. Vielleicht war es auch eine Frage der Ehre, dass Denngar allein gegen den Champion der Svanir bestehen wollte, nachdem er ihn zum Zweikampf herausforderte.
Aber Surts Frage war berechtigt gewesen. Wenn Thrulnn ihm unterlegen war, warum sollte dann Denngar Erfolg haben? Und mit den Zweifeln kam die Unsicherheit, die Denngar im Kampf ereilte. Denn obwohl er Surt immer wieder erwischte, hatte er ihm kaum zugesetzt. Dieser Norn, wenn er überhaupt einer war, war verdammt hart im nehmen. Und auch im austeilen, wie Denngar auf die harte Tour lernte, als er einen seiner Angriffe nicht kommen sah. Die Klinge riss ihn von den Füßen und hätte ihn diagonal entzweit, wenn er keine Rüstung getragen hätte. Er landete polternd auf ein paar Schemeln und Tischen, die unter ihm zusammenbrachen. "Ahaha! IHR habt also Zhaitan und Mordremoth getötet? Wohl kaum. Ihr habt anderen die Arbeit überlassen, während Ihr Euch im Ruhm gesonnt habt! Ihr seid kein Krieger, Ihr seid eine Witzfigur!" spottete Surt.
"Spotte über mich, soviel du willst!" sagte Denngar, während er sich unter dem Holz aufrappelte. "Am Ende wirst du sehen, was für ein Krieger ich bin. Ich habe die Drachen nicht eigenhändig besiegt, aber dich bringe ich zu Fall!" brüllte er und stürmte auf Surt los. Er duckte sich unter seinem Zweihänder weg und rannt zwischen seinen Beinen hindurch. Dann, als der Riese sich nach ihm umdrehte und erneut das Großschwert nach ihm schwang, sprang Denngar wie vorhin mit erhobenen Äxten auf ihn zu. Nur diesmal hatte Surt die Aktion kommen sehen, und so packte er den Norn in der Luft am Hals. Er lies dabei seine Äxte fallen und stämmte sich nun unbewaffnet gegen den Griff des Riesen. Eir sah, nachdem sie Weißbär sicher untergebracht hatte, von oben das Geschehen, und versuchte, Denngar zu helfen, aber sie konnte von ihrer Position aus den Riesen nicht unter Beschuss nehmen. Denngar suchte verzweifelt nach einem Plan, aber ihm blieb nicht viel Zeit. Er sah sich in der Halle um, bis sein Blick, der langsam aber sicher zu schwinden drohte, bei Eir oben auf Weißbärs Speicher hängen blieb. Sie zählt auf mich. Sie alle zählen auf mich.
Denngar nahm seine verbleibende Kraft zusammen und rammte seinen mit Stacheln übersähten Panzerhandschuh in Surts Unterarm. Dessen Haut war hart, aber Denngar presste immer stärker und sah Surt direkt in die Augen. Es war nun ein Test der Stärke, wer von beiden dem Schmerz eher nachgeben würde. Surt bemühte sich, Denngar die Luft aus den Lungen zu pressen, aber der Norn hatte erstaunliche Reserven. Uns langsam aber sicher fing Surts Unterarm an zu bluten. Das Metall bohrte sich in sein Fleisch, und schließlich ließ er den Norn los und hielt sich unter höllischen Schmerzen die Hand. Das Blut rannte in Strömen an seinem Arm und seiner Hand herab und landete auf dem Boden, auf dem Denngar kniete und nach Atem rangte. Er blutet genau wie jeder Norn. Denngar stand auf und nahm seine Äxte in die Hand, die diese sofort in eisigen Nebel hüllten. Er hatte mit diesen Waffen schon unzählige Drachendiener in die Knie gezwungen, und nun war Surt an der Reihe. Er lies wie in Raserei einen Schauer an Hieben auf den Riesen niedergehen, der mit seinem Zweihänder parierte, aber Denngar lies ein Schlag auf den nächsten folgen, wie ein Gewitter, dass auf den Riesen niederprallte. Er gewann an Boden und drängte ihn immer weiter in Richtung der Treppe, ohne dass er dies gewollt hatte. Aber nun hatte Eir eine klares Schussfeld und feuerte ihre Pfeile auf Surt. Dieser wurde direkt in das Schulterblatt getroffen, und diesmal saß der Treffer. Er schrie auf und riss den Pfeil heraus. Zornentbrannt beförderte er Denngar mit einem Tritt auf den Boden, der selbst durch den Pfeil abgelenkt wurde. "Ich hätte wissen müssen, dass Ihr Euer Wort nicht haltet. Allein seid Ihr schwach. Ihr beide. Dafür werdet Ihr leiden!" knurrte Surt. Denngar rappelte sich auf und machte sich zum nächsten Angriff bereit, aber der Riese kam auf ihn zugesprescht. Denngar sah ihn, wie er direkt auf ihn zukam. Er hätte dem Angriff ausweichen sollen, aber er war das Risiko eingegangen, einen Konterversuch einzuleiten. Ein fataler Fehler. Surt rammte ihn, anstatt ihn mit der Waffe anzugreifen, mit seinem Körper und Denngar wurde nach hinten geschleudert, bis er mit dem Kopf an den spitzen Zahn von Jormag prallte.
Der Schmerz war unerträglich, und er konnte kaum aufstehen. Sein Kopf blutete, dort wo er am Zahn aufgeschlagen war, und er kämpfte, um nicht das Bewusstsein zu verlieren. Er war geschlagen. "Denngar!" schrie Eir, die ihn nicht mehr sehen konnte, da der Zahn ihr die Sicht versperrte. Sie konnte nur Surt sehen, der triumphierend auf Denngar zuging.
"Ihr wusstet, dass Ihr keine Chance hattet. Eure Arroganz wird nun Euer Untergang sein. Der große Kommandeur des Paktes, zu meinen Füßen. Jormag wird zufrieden sein. Und ich werde über all das hier herrschen, nachdem ich Euren lächerlichen Pakt auseinandergenommen habe. Und jetzt, sterbt."
Denngar kniete auf dem Boden, und stützte sich mit all seiner verbleibender Kraft ab. Es durfte so nicht zu Ende gehen. Er sah verschwommen die Umrisse der Klinge, die der Riese an sein Gesicht hielt. Er hebte den Kopf, und sah, wie Surt ausholte, mit einem blutrünstigen und selbstsicheren Lachen auf den Lippen. Es war vorbei. Er hatte versagt.
Aber vielleicht konnte der Pakt wenigstens Hoelbrak noch retten. Für ihn würde es zu spät sein. Und dann, bevor alles schwarz wurde, sah er das Großschwert, das auf ihn zuschnellte, und spürte, wie sie in sein Fleisch schnitt.
Und das Heulen des Wolfs, der seinen Tod beweinte.

Draußen auf dem Platz der Macht war der Pakt damit beschäftigt, die Eisbrut zurückzudrängen, und die Portale zu schließen. Braham und das Wolfsrudel kamen aus der Großen Halle herbei, und Razor und Dena freuten sich, dass ihnen ein alter Verbündeter half. "Schön Euch zu sehen, Braham!" sagte Dena, die ihre Klinge aus Schädel eines Eisbrut-Trolls zog.
"Gleichfalls, Kommandantin. Wärt Ihr nur früher gekommen, aber dem Wolf sei Dank, dass Ihr überhaupt hier seid."
"Ich hatte schon befürchtet, Denngar würde uns nichts mehr übrig lassen!" lachte der Charr. "Wo ist der alte Haudrauf überhaupt? Es steht ja wohl außer Frage, dass er noch lebt!"
"In der Halle. Er kümmert sich um den Großen. Die Svanir haben einen Champion, der uns ordentlich zugesetzt hat. Wir sollten ein paar Leute reinschicken, nur um sicher zu gehen!"
"Ach, der kommt schon klar. Sobald wir fertig sind, gehen wie sofort hin und gratulieren ihm. Oder helfen ihm, falls er doch länger braucht. Ein Svanir allein kann ihm nichts anhaben, Champion hin oder her." meinte Razor. Braham war skeptisch. Aber er sah, wie Razors und Denas Leute aller Hand zu tun hatten, um die Portale dicht zu machen.
"Ich bin mir nicht mal sicher, wie sie die Portale hier beschwören konnten! Die Svanir hier in Hoelbrak haben irgendwein Ritual gewirkt, bevor sie angriffen. Aber wir haben sie erledigt." erklärte Braham. "Moment, Svanir in Hoelbrak? Sie waren schon vor der Schlacht hier?" fragte Dena.
"Ja, in den Höhlen, den Adern des Drachen. Wir haben sie hier geduldet, um mehr über sie und ihre Verbindung zu Jormag zu lernen. Glaube ich."
"Eine bescheuerte Idee. Ich will nicht unsensibel sein, aber in die Zitadelle hätten wir keine Leute von der Flammen-Legion lebendig reingelassen. Und außerdem haben wir in solchen Fällen eine Armee." meinte Razor schroff.
"He, ihr Charr seid auch nicht gerade perfekt." erwiderte Dena. "Außerdem haben wir dafür den Pakt. Alleine hat niemand eine Chance, uns Asura vielleicht ausgeschlossen."
"Pah, ihr würdet euch doch ins nächste Loch unter der Erde verkriechen, wenn ihr allein wärt!"
"Vorsicht, oder ich werf dich durch so ein Nebelportal, bevor wir es hinter dir versiegeln!"
"Weniger reden, mehr kämpfen!" forderte Braham, der sich ins Getümmel gestürzt hatte.
"Wo er recht hat, hat er recht. Komm, Kurzbein, ich brauch ein paar Eiswürfel für meinen Whiskey nacher!"
Dena lies ihre Wut an der Eisbrut aus, während Razor diesmal wieder am Boden kämpfte und gegen kleinere Ziele als die Klaue. Mit Braham und dem Wolfsrudel an ihrer Seite gelang es ihnen schnell, die Portale zu schließen. "Gut, das hätten wir, jetzt auf zur Großen Halle!"
Brahams Ruf ging in einem furchtbar lauten Geheul unter, das klang, als würden hundert Wölfe auf einmal heulen, gefolgt von einem gequälten Schrei.
"Es kam aus der Halle!" stellte Braham fest.
"Ich hoffe, das war nicht Denngar, sondern sein Gegner." meinte Razor. Er klang besorgt.
"Los, gehen wir!" forderte Braham sie auf. Aber schon als er den ersten Schritt machte, flammte hinter ihm die Feuerschale auf, und die blaue Farbe durch das Ritual des Mesmers wurde wieder orange. Das Bild des Drachen verblasste und an dessen Stelle traten die Geister der Wildnis, allen voran der Wolf.

Surt schrie, als er wie von Geisterhand durch die Halle geschleudert wurde. Als er Denngar den Todeststoß geben wollte und die Klinge ihn berührte, wurde er von einem grellen Licht geblendet. Auf das Heulen, das ihm durch die Ohren drang, folgte ein Brüllen, das ihn einfach wegschleuderte. Die Halle bebte, und als der Riese wieder zu Sinnen kam, sah er den riesigen Wolf, der mit hell leuchtenden Augen und geiferndem Maul auf ihn zu lief. Es war Denngar. Die Geister... sie sind zurückgekehrt. Sie haben mich gerettet. Ich danke dir, Wolf.
Der Schnitt in seiner nun fellbedeckten Schultern kümmerte ihn nicht mehr, jeglicher Schmerz war unterdrückt. Er fühlte sich mit dem Wolf verbunden wie nie zuvor. Er war der Wolf. Der Wolf war nun mit Surt auf einer Augenhöhe, nur, dass er sogar noch furchteinflößender war. Er konnte spüren, wie Surt das erste Mal Angst bekam, als die haarige Bestie immer näher kam. Er war nun das Raubtier, und Surt seine Beute. Und mit einem weiteren Brüllen sprang sie auf die Beute zu. Surt hatte große Mühe, den Wolf abzuschütteln, der ihn an den Schultern packte, und seine Zähne in seinem Hals versenken wollte, aber es gelang ihm mit Müh und Not. Er keuchte, denn Denngar hatte in dieser Gestalt ungeheure Kräfte, die selbst die des Riesen überstiegen. Aber Surt kämpfte weiter, und wirbelte mit seinem Zweihänder, um sich den Nornwolf vom Leib zu halten. Denngars Reflexe waren schnell wie noch nie, und er konnte trotz seiner Größe jedem Hieb einfach so ausweichen. Er griff mit seinen gewaltigen Klauen Surt an und hinterlies blutige Schrammen an seinem Oberkörper, dem er bisher kaum einen Kratzer zugefügt hatte. Der Riese schnaufte, aber verhinderte weiter, dass Denngar ihn packen konnte, während er sich immer weiter nach hinten zurückzog, abermals in Richtung von Jormags Zahn. Eir beobachtete den Kampf wie angewurzelt, nachdem sie die Hoffnung aufgegeben und Denngar für tot gehalten hatte. Als sie sah, wie dieser Wolf gegen Surt kämpfte, konnte auch sie spüren, wie ihre Stärke und ihr Wille zurückkehrten. Sie konnte Surt aus ihrer Position nicht angreifen, aber das war gar nicht nötig, denn Denngar drängte ihn immer weiter zurück. Surt stand nun mit dem Rücken zum Fangzahn der Schlange und hatte immer weniger Raum, um sein Großschwert zu schwingen. Denngar ergriff die Chance und schlug ihm mit der Pranke die Waffe aus den Händen. Dann lies er seine Klauen auf Surt niedergehen. Jeder Schlag war wie tausend Peitschenhiebe, die dem Riesen durch das Gesicht schlugen. Er schrie auf vor Schmerz. "Nein! Jormag! Hilf deinem Champion!" brüllte er.
Der Nornwolf öffnete sein Maul. "Der Drache wird dir nicht helfen. Diesmal siegen die Geister!"
"Nein, niemals! Ich bin Surt, der Zerstörer! Kein falscher Geist wird mich töten!"
Surt griff nach den Armen des Wolfs und trat nach ihm. Denngar versuchte weiter, auf Surt einzuschlagen, aber er schaffte es nicht, und Surt stieß ihn von sich. Nun war er es, der auf Denngar einschlug, und seine Fäuste trafen genau so hart wie sein Zweihänder. Aber Denngar ignorierte den Schmerz. Dennoch wusste er nicht, wie er dem Riesen beikommen konnte. Egal, wie sehr er es versuchte, er konnte ihn nicht bezwingen. Selbst mit der Kraft der Geister war Surt immernoch ein mächtiger Gegner, nach all den Stunden, die in der Schlacht vergangen waren. Wo blieb der Pakt?

Tatsächlich versuchte der Pakt, zur Großen Halle zu kommen, aber irgendetwas hinderte Dena, Razor und Braham daran. Sie standen vor einer unsichtbaren Wand.
"Verdammt, was ist das wieder? Irgendein dämlicher Zauber?" knurrte der Charr.
"Ich habe keine Ahnung! Ich habe vorhin verhindert, dass die Eisbrut in die Halle kommt, aber das hier sieht nicht nach Wächtermagie aus. Vielleicht..." Braham dachte nach.
"Ein Mesmer?" fragte Dena. Braham nickte.
"Natürlich, der Mesmer. Meine Mutter erwähnte, dass ein Schleier über den Wanderer-Hügeln lag, weshalb niemand überhaupt bemerkt hat, dass die Svanir da waren!" erklärte er.
"Das muss aber ein ganz schön mächtiger Mesmer sein, wenn er so ein Ding abzieht." meinte Dena.
"Aber das heist doch, er muss noch hier in Hoelbrak sein! Oder?" fragte Razor.
"Ich habe keine Ahnung. Ich weiß auch nicht, wie wir da durchkommen." antwortet der Wächter.
"Sprengen?"
"Ich glaube kaum, dass das so einfach wird. Auch wenn mir Eure Denkweise gefällt."

Noch immer rang Denngar in seiner Wolfsgestalt mit dem Champion der Svanir. Er schien wirklich nicht müde zu werden, und Denngar wusste nicht, wie lange er in dieser Form durchhalten würde. Dann sah er Eir, die noch immer ganz oben über der Halle stand, und ab und zu auf Surt schoss, auch wenn ihr langsam die Pfeile ausgingen.
Und wo Eir war, da war auch Garm.
Garm. Ich habe einen Plan.
Der schwarze Wolf spitzte die Ohren. Auf eine Weise, die Denngar selbst nicht verstand, konnte er mit Eirs Begleiter kommunizieren. Der Geist des Wolfs verband die beiden miteinander. Garm stupste Eir mit der Schnauze an, als wollte er ihr etwas mitteilen. "Was ist, Junge?"
Er bellte und blickte auf die schweren Eisenketten, an denen der Zahn des Drachen hing.
"Was ist da? Garm, was willst du mir sagen?" fragte Eir. Garm versuchte weiterhin, sie auf die Ketten aufmerksam zu machen.
"Die Ketten? Sollen wir den Svanir etwa in Ketten legen?" Garm schüttelte sich, um ihr zu zeigen, dass dies wohl nicht Teil von Denngars Plan war.
"Der Zahn... Aber..." Garm bellte. Er beugte seinen Kopf nach vorne und machte eine Geste, die wie ein Heulen aussah. Oder wie ein Wolf, der etwas mit seinem Maul nach oben zerrt.
"Ich soll... den Zahn nach oben ziehen? Was... Natürlich, ich verstehe! Die Ketten hängen nahe genug, um sie zu greifen. Aber wie soll ein Norn allein das schaffen, der Zahn ist doch viel zu schwer!" sagte Eir. Garm setzte sich und starrte ihr direkt in die Augen. Die Geister sind bei dir.
Eir nickte. Sie schloss die Augen, und holte tief Luft. Im nächsten Moment verwandelte sie sich in die Gestalt der Bärin. Denngar hörte ihr Brüllen, und wusste, dass sie seinen Plan verstanden hatte. Er versuchte, Surt immer näher in Richtung des Zahns zu bringen, aber er gewann kaum an Boden.
Eir griff die Ketten mit ihrer Bärenpranke und stämmte sich gegen das Geländer, um mit aller Kraft den Zahn nach oben zu ziehen. Er schien sich trotz ihrer Stärke keinen Zentimeter zu rühren. Keuchend lies sie die Ketten los. "Ich schaffe das nicht! Garm, das wird nichts!"
Vertraue deiner Stärke, Eir. Du kannst es schaffen.
"Ja. Ich kann es. Ich muss es." Sie griff erneut nach den Ketten und zog mit aller Kraft daran. Sie zog und zog, und dann, endlich, bewegte sich der Zahn von seinem Sockel. Sie hievte die Ketten nach oben und zog den Zahn weiter und weiter, Meter für Meter. Denngar lockte Surt näher an den Sockel heran, und der Riese ahnte noch nichts von seinem Vorhaben. Er schnappte sich seinen Zweihänder und stürmte auf den Wolf zu. Er donnerte sein Großschwert auf seinen Gegner nieder, in einem völligen Blutrausch und drängte ihn immer weiter nach hinten. Genau wo dieser ihn haben wollte. Eir hatte den Zahn fast die Hälfte der Höhe der Großen Halle hochgezogen, als Denngar Surt wieder angriff. Surts Schwert schnitt durch das dichte Fell und die Haut darunter, aber die Bestie war nahezu immun gegen jegliche Treffer. Und als er den letzten Schlag verfehlte, verpasste Denngar ihm einen Hieb, dass er ins Straucheln geriet. Der Moment war gekommen.
Denngar holte ihn von den Füßen, so dass der Riese quer über dem Podest lag. "JETZT!" brüllte Denngar. Eir lies die Ketten los. Der Zahn schnellte mit rasender Geschwindigkeit nach unten. Surt versuchte, aufzustehen, aber dann blickte er nach oben und sah den Fangzahn von Jormag.
Das letzte, was Surt von sich gab, war ein fürchterlicher Schrei, als er von dem Zahn aufgespießt wurde, und die gesamte Halle erbebte, als der Zahn aufschlug. Die Balken, an denen die Ketten befestigt waren, bogen sich gefährlich weit nach unten und brachen fast auseinander. Eir dachte für einen Moment, die Halle würde über ihnen einstürzen, aber wie durch ein Wunder hielt das Holz Stand. Und Surt, der Riese, der Zerstörer, Champion der Svanir, lag mitten in der Halle, getötet vom Zahn seines Meisters. Und daneben lag Denngar, wieder in Norngestalt. Es war vorüber.

Die Schlacht war gewonnen.

"Denngar! Ihr Geister! Geht es dir gut?" Eir war die Stufen so schnell heruntergerannt, wie sie nur konnte und kniete sich über Denngar. "Denngar, bitte sag doch was!" rief sie und beugte sich über sein Gesicht. Er schlug die Augen auf. "Wir haben es geschafft, Eir..." flüsterte er.
Eir schlang ihre Arme um Denngar und umarmte ihn so fest sie konnte. Sie hatte Tränen in den Augen. "Ich hatte solche Angst um dich. Und um Braham. Ich... ich..."
"Eir, es ist vorbei. Wir sind am Leben, und die Geister haben zu uns gesprochen. Nach all den Jahren habe sie uns ein Zeichen geschickt. Wir haben Jormag gezeigt, dass wir keine Angst haben."
"Ich bin nur froh, dass wir noch leben. Alles andere ist mir egal. Du hast es geschafft."
"Wir. Das war uns allen zu verdanken. Dir, Garm, dem Wolfsrudel, Braham, dem Pakt..."
"Spiel deine Rolle nicht herunter, Denngar. Du warst bereit dich für uns zu opfern. Und bei den Nebeln, wäre es so weit gekommen..."
"Schon klar, du hättest mich vermisst." sagte der Norn grinsend. Eir lachte. "Ja, das hätte ich..."
Sie sah ihm direkt in die Augen.
"Denngar! Eir! Wolf, es geht Euch gut! Ich wusste es!" keuchte Braham, der gerade von draußen in die Halle gerannt war. "Ich... ähm... stör ich grade, oder..."
"Sollen wir später wieder kommen?" fragte Razor, der mit Dena und dem Wolfsrudel hinter Braham eintraf.
Eir und Denngar sahen sie ratlos an. "Äh, also... nein, wieso?"
"Ach, gar nichts." sagte Braham grinsend. Dena und Razor kicherten hinter seinem Rücken. Denngar glaubte, dass er leicht rot wurde, aber vielleicht lag das auch an dem ganzen Blut in seinem Gesicht. "Du blutest ja überall! Bärin, deine Schulter..." bemerkte Eir.
"Ach, das wird wieder. Gibt schlimmeres."
Knuts Sohn Skarti sah sich in der Halle um. "Wo ist Vater? Ist er..."
"Oh, Knut! Er ist oben, in seinen Gemächern! Er war verwundet, aber stabil. Wir sollten nach ihm sehen." antwortet Eir.
"Gut, dann lass uns gehen." sagte Denngar, der gerade aufstehen wollte.
"Nein, du bleibst hier. Braham bringt dich - "
"Eir, ich kann laufen."
"Ja, aber - "
"Wenn du mich weiter umarmst wird sie auch nicht besser."
"Was? Oh, ja, tut mir leid." sagte Eir und lies Denngar los. Sie standen beide auf.
"Ah, Mist!" Denngar fasste sich an die Schulter.
"Was hab ich dir gesagt?" seufzte Eir.
"Komm, sehen wir nach Weißbär."

"Skarti! Sigfast! Ihr Geister, danke, ihr lebt!" sagte Knut, der auf seinem Bett lag. Die beiden Söhne gingen zu ihm und umarmten ihn. "Ah, vorsicht..." sagte er und fasste sich an den Verband an seiner Seite. "Verdammt, was habt Ihr da unten gemacht? Ich dachte, die Halle fällt auseinander!" bellte Knut. "Aber es ist wenigstens vorbei. Sagt mir, dass es vorbei ist!"
"Das ist es, Knut. Wir haben gesiegt." bestätigte Denngar. Knut seufzte erleichtert. "Wir haben guten Männer und Frauen verloren, aber wir haben gesiegt. Das haben wir euch beiden zu verdanken, Eir Stegalkin und Denngar Thorson. Hättet ihr mich nicht überzeugt..."
"Das haben wir dem Pakt zu verdanken. Ohne ihn, und meine beiden Freunde, wären wir jetzt alle tot. Und natürlich haben auch die Geister der Wildnis uns geholfen."
"Ja, ich habe es gespürt. Nach all den Jahren, helfen sie uns endlich einmal wieder..." Knut versuchte, sich aufrecht hinzusetzen, aber es gelang ihm nur unter Schmerzen.
"Verdammt, ich werde langsam alt... über hundert Jahre sind selbst für einen Norn zu viel. Dieser Tag hat gezeigt, dass es Zeit wird, zu handeln. Aber nicht mit mir an der Spitze."
"Knut, was soll das heisen? Hoelbrak braucht dich!" entgegnete Eir.
"Einen alten, verwundeten Greis? Nein, Eir... Ich habe lange nachgedacht, zu lange. Ich hätte das schon viel früher tun sollen. Die Norn brauchen einen starken Anführer. Jemand, der sie in die Fernen Zittergipfel führt, und zurückholt, was Jormag uns genommen hat! Jemanden wie dich!"
Eir erstarrte vor Überraschung. "Was, ich? Das kann nicht dein Ernst sein, Knut."
"Oh doch, das ist es. Du hast neben Denngar mehr Erfahrung über die Drachen als wir alle zusammen. Und du bist eine starke Anführerin. Und du wohnst schon lange hier in Hoelbrak."
"Knut, ich kann keine Ländereien führen, schon gar nicht Hoelbrak!"
"Warum nicht? Beim Hintern der Bärin, du bist dazu bestens geeignet, Frau!" sagte Knut genervt. "Und es ist nicht so, als wäre das hier Götterfels! Gut, wenn du es nicht machen willst, dann macht es Denngar."
Denngar lehnte höflich ab. "Tut mir Leid, aber ich bin noch immer Kommandeur des Paktes. Und ich bin viel zu oft unterwegs, als dass ich diese Verantwortung übernehmen könnte. Ich stimme dir zu, Eir wäre perfekt."
"Du... Du weißt nicht, ob – ich..." Eir seufzte. "Vielleicht. Ich kann es versuchen. Ich kenne die meisten hier in Hoelbrak schon lange. Auf mich werden sie hören. Na gut, ich nehme an!"
Knut nickte zufrieden. "So sei es! Eir Stegalkin, du bist nun die neue Hüterin von Hoelbrak!" Braham, Denngar und Knuts Söhne jubelten Eir zu. Sie selbst war noch immer unentschlossen. Denngar legte seinen Arm um ihre Schulter. "Du kriegst das hin. Glaub mir. Wir schaffen das."

Die Bürger von Hoelbrak fanden sich allmählich wieder in der Großen Halle zusammen. Die, die sich in den Kellern eingeschlossen hatten, waren anfangs verängstigt, aber glücklich, dass die Schlacht gewonnne war. Auch wenn einige ihre gefallenen Freunde und Familienmitglieder betrauerten. Das Wolfsrudel räumte mit der Hilfe der Pakt-Soldaten die Siedlung auf und bereitete die Bestattung der Gefallenen vor. Viele Hütten waren schwer beschädigt, aber alles in allem hatte Hoelbrak die Schlacht gut überstanden. Und über dem Platz der Macht leuchteten die Abbilder der Geister heller als je zuvor, und zwar von ganz alleine, ohne das Licht der Feuerschale. Und über der Großen Halle war das Bild von Jormags Fangzahn zu sehen. Ein Symbol, dass der Drache besiegt werden konnte. Genau wie sein Champion, Surt, dessen Leichnam noch immer in der Großen Halle unter dem Zahn der Schlange lag.
"Was für ein Brocken. Mann Denngar, du hast wieder mal eine Sauerei angerichtet." lachte Razor.
"Ha, könnte man so sagen... Wären die Geister nicht gewesen, wäre ich die Leiche in der Halle."
"Ach, ihr Norn und Eure Geister. Alles nur Teil der..." erwiderte Dena.
"Komm schon, Kurzbein. Sei einmal still mit deiner Alchemie."
"Hmm... du hast recht, Fellknäul. Tut mir leid, Denngar. Wir sind froh, dass wir rechtzeitig kamen."
"Oh ja, das bin ich auch. Ihr habt uns alle gerettet, meine Freunde. Aber woher wusstet ihr..."
"Deine Schützlinge. Sie haben den Schleier gelüftet und die Löwengarde informiert. Dann haben sie mit uns die Klaue im Eisklammsund erledigt. Und dann kamen wir her so schnell wir konnten."
"Wartet, ihr habt die Klaue erledigt? Zusammen mit meinem Trupp?" fragte Denngar nach.
"Ja, die Jungs und Mädels haben sich verdammt gut geschlagen. Die sind fast so gut wie wir." lachte Razor. "Und den alten Raegar kenn ich sogar noch."
Denngar erfüllte die Nachricht mit Stolz. Seine Gedanken waren bei Ysmir. Und seiner Tochter. Er hoffte, sie machte sich nicht zu viele Sorgen. Aber er war glücklich.
Er würde sie wieder sehen.
"Was ist denn los, Denngar? Du siehst aus, als würdest du gleich vor Freude heulen!"
"Oh, ich musste an Aela denken. Meine Tochter... " Er seufzte.
"Glaub mir, sie schaffen das. Deine Tochter kommt ganz nach dir. Nicht wahr, Fellknäul?"
"Stimmt, Kurzbein." lachte der Charr. "Nur den Bauch hast du ihr zum Glück nicht vererbt!"
"Was soll das denn heisen? Und was sollen diese bescheuerten Spitznamen?" fragte Denngar.
"Ach, du kennst uns doch. Und er hat recht, du hast zugenommen. Vielleicht sollten wir dich ab jetzt Dickwanst nennen!" kicherte Dena.
"Ja, genau!" stimmte ihr Razor zu.
"Dickwanst? Beim Wolf. Da treff ich euch mal wieder, und schon macht ihr euch über mich lustig!"
"Na gut, dann eben wieder Frostbirne." schlug Razor vor.
"Wisst ihr was, Dickwanst find ich eigentlich ganz in Ordnung."

"Hüterin von Hoelbrak. Glückwunsch, Mutter. Das hast du dir verdient." sagte Braham.
"Meinst du? Ich bin keine Frau, die Kämpfe und Bierräte organisiert und Pflichten übernimmt. Ich bin lieber alleine, oder unter Freunden. In der Wildnis, auf der Jagd..."
"Das gehört alles dazu. Es ist ja nicht so, als müsstest du ganz Hoelbrak leiten. Wir Norn sind ja eh nicht so. Aber eine starke Anführerin ist wichtig, nach dem, was geschehen ist. Wir müssen uns wehren können. Und ich würde mir niemanden lieber an der Spitze wünschen."
"Danke, Braham. Ich bin froh, dass du bei mir bist. Manchmal frage ich mich, was gewesen wäre, wenn Denngar uns nie wieder zusammengebracht hätte. Oder es zumindest versucht hätte."
"Ich frage mich, was gewesen wäre, wenn er nie Kommandeur geworden wäre."
"Das will ich mir gar nicht ausmahlen. Aber es ist gut, zu wissen, dass er da ist."
"Oh ja. Wir drei, und Garm. Jormag kann sich auf was gefasst machen."
"Ha, das kann er. Das kann er."

Bald. Unsere Zeit wird kommen.