Disclaimer: Ich erhebe keinerlei Ansprüche auf die hier verwendeten Death Note und Inuyasha Charaktere, lediglich auf die, die ich mir selbst ausgedacht habe.

Summary: Wegen Ryuk, landet Light in der Sengoku-Ära, die Zeit der kriegerischen Staaten. Ohne die Macht Kiras, in einer Welt, in der Menschen auf dem Speiseplan von Dämonen stehen, fühlt sich Light dazu gezwungen, sich dem gefürchtetsten unter ihnen, Sesshoumaru, anzuschließen.[Sesshoumaru x Light Yagami]

Vorsicht: Sexszene

Begriffe

Kokatsu: Ein Tisch, an dessen Unterseite ein Heizgerät befestigt ist. Die Tischplatte liegt auf einer Decke. Wird im Winter benutzt. Füße und Unterkörper sind schön warm, während man oben herum einen dicken Pullover oder Jacke braucht. Manche schlafen auch unter dem Tisch.

Kariginu: Inuyashas rotes Oberteil.

Mokomoko: Sesshōmarus weißes Fell


Die Musik verströmte wohlklingende, sanfte Klänge, die den Raum erfüllten und die Stimmung der Gäste anhob. Bedacht darauf, nicht überschwänglich zu wirken, spielte die Geisha das Shamisen mit großer Sorgfalt. Es war ihr anzusehen, dass sie ein Meister des Instrumentes war. Über einen langen Holzsteg spannten sich 3 Seiten, denen sie die schönsten Töne entlockte. Ihre Geisha-Schwester saß auf den Knien neben ihr und beugte sich über das Koto. Liebevoll glitten ihre Hände über die Seiten und zupften daran. Die Geisha, die das Shamisen spielte, öffnete ihren Mund und fing an zu singen. Im Takt der Musik bewegte sich eine weitere Geisha in der Mitte des Raumes. Langsam, mit gesenkten Augen und einem Lächeln auf den Lippen, drehte sie ihren Körper und hob den Fächer in ihrer Hand an. Ein Kamm, mit mehreren herabhängenden Blüten, glitzerte in ihrem kunstvoll hochgesteckten Haar. Ihr Gesicht war weiß gepudert und ihre Lippen schimmerten in einem leuchtenden Erdbeerrot.

Der seidene Kimono, in Blau und Weiß, mit einem Muster, das den Winter repräsentierte, schmiegte sich perfekt an ihren zierlichen Körper an. Viele Augen waren auf sie gerichtet, verfolgten ihren Tanz, der nur während der kalten Jahreszeit getanzt wurde. Ein Augenpaar blieb jedoch unbeeindruckt von der Aufführung. Statt den verführerischen Bewegungen der Geisha zu folgen, galt seine Aufmerksamkeit einer anderen Person im Raum. Sie befand sich rechts neben Sesshōmaru und war niemand geringeres als Light Yagami, der Gefährte seines Halbbruders.

Light griff nach dem Becher Sake, der vor wenigen Sekunden von einer Geisha aufgefüllt worden war und nahm einen kräftigen Schluck davon. Kurz brannte der Schnaps in seiner Kehle, dann bemerkte er die Wärme, die sich von seinem Bauch aus, im ganzen Körper ausbreitete. Er stellte den Becher an seinen Platz zurück und erwiderte Inuyashas Blick, der ihn schon den ganzen Abend über beobachtete.

Light beugte sich leicht nach vorne und schenkte Inuyasha ein bezauberndes Lächeln. Kaum bogen sich seine Mundwinkel nach oben und sein Gesicht strahlte Offenheit und Warmherzigkeit aus, runzelte Inuyasha die Stirn. Sein unschuldiger Gesichtsausdruck schien den Hanyō zu irritieren, denn er wandte sich plötzlich ab.

Zufrieden nahm Light seine Essstäbchen in die Hand und legte ein Stück Fisch in seine Reisschale. Während er aß, unterhielt sich Yōsuke lebhaft mit dem General. Light war froh, dass es Yōsuke war, der neben ihm saß und nicht Keisuke, obwohl der General, als direkter Vertreter von Sesshōmaru, das Recht darauf besaß. Light nahm einen weiteren Schluck vom Sake und ließ seinen Blick über die Gäste schweifen. Er kannte nicht alle Dämonen, die zu der Feier des Prinzen gekommen waren. Manche Gesichter waren ihm unbekannt. Doch er wusste, dass sie alle zum Inuclan gehörten, mit Ausnahme von Inuyasha, der es bevorzugte ein Einzelgänger zu sein.

»Yagami-san!« Yōsuke drehte sich ihm mit einem breiten Grinsen zu. »Was sagt Ihr zu Yashimaru-samas Schwert? Sobald er es gemeistert hat, wird er nicht mehr aufzuhalten sein.«

»Es scheint, in der Tat, ein sehr mächtiges Schwert zu sein.«

»Natürlich ist es das! Immerhin wurde es aus einem Fangzahn von Sesshōmaru-sama geschmiedet.« Yōsuke stieß mit Light an, dabei leerte der Dämon seinen Becher in einem Zug. Eine Geisha kam mit einem Krug vorbei und füllte ihre Becher wieder auf. »Jeder Yōkai wäre stolz ein Schwert von dem berühmten Schmied Tōtōsai zu besitzen.« Yōsuke seufzte. »Leider ist er sehr wählerisch mit seiner Kundschaft. Er schmiedet nicht für jeden.« Der Dämon beugte sich zu Light und flüsterte. »Ich habe gehört, dass er nur einwilligte für Yashimaru-sama ein Schwert zu schmieden, weil er der Erstgeborene und Erbe der westlichen Ländereien ist und weil er mit Inu no Taishō befreundet war.«

Inu no Taishō, der Vater von Sesshōmaru und Inuyasha. Light wusste, dass unter seiner Herrschaft der Westen mehr Macht erlangte als je zuvor. Nicht unbedingt verwunderlich, denn Inu no Taishō galt als ein Dämon, der das Spiel aus Macht und Politik bis ins kleinste Detail perfekt beherrschte. Um noch mehr über ihn herauszufinden, hatte Light sich mit alten Aufzeichnungen beschäftigt. Er wollte wissen, was für eine Persönlichkeit Sesshōmarus Vater besessen hatte? Was für ein Herrscher er gewesen war? Seine Stärken und Schwächen? Und was für eine Beziehung er zu seinem Sohn, Sesshōmaru, gehabt hatte?

Die meisten Dokumente erzählten von Schlachten, die Inu no Taishō gegen den Drachenclan im Norden und dem Katzenclan im Süden gefochten hatte. Er las sich durch Handelsverträge, Friedensverträge, politische Abkommen, Übereinkünfte mit verschiedenen Menschengruppen, die den Schutz des Schlosses erbaten und diesen auch im Austausch von Waren erhielten. Es gab Unmengen an Aufzeichnungen, sodass Light jeden Tag bis spät in die Nacht hineinlas.

Doch am Schluss, war es der Flohdämon, Myōga, gewesen, der ihm die restlichen Puzzleteile überreichte. Durch seine Worte und Andeutungen sah Light endlich das ganze Bild. Er verstand das Familiendrama, das ins Rollen gekommen war, als sich Inu no Taishō für eine Menschenhime entschieden hatte. All diese Informationen halfen ihm nicht nur dabei Sesshōmarus Vater kennenzulernen, sondern auch Sesshōmaru selbst besser zu verstehen. Und genau darum war es ihm von Anfang an gegangen. Wie der Vater, so der Sohn. Light wusste aus eigener Erfahrung wie viel Wahres an diesem Spruch dran sein konnte.

Sesshōmarus kalter Blick bohrte sich in den Kommandant der Schlosswache. »Eure Aufgabe ist es das Schloss zu bewachen und nicht dem Tratsch der Angestellten zu lauschen.«

Yōsukes Adamsapfel erzitterte und der Dämon schluckte hart. Er rutschte mit dem Kissen nach hinten und verbeugte sich so tief, dass er mit der Stirn den Boden berührte. »Gomen nasai! [Verzeihung] Sesshōmaru-sama! Es wird nicht mehr vorkommen.«

Sesshōmaru bedachte Yōsuke mit einem weiteren Blick, in dem jegliche Emotionen fehlten.

Als Yōsuke das sah, verbeugte er sich hastig noch drei weitere Male. Während Yōsuke sich entschuldigte, nahm Light den Becher zwischen die Finger und ließ den Sake darin kreisen. »Hat Yōsuke-san recht? Stimmt das Gerücht dennoch.« Light sprach mit gesenkter Stimme, er wollte nicht, dass jeder Dämon mithörte.

»Es ist ein Gerücht«, kam es knapp von Sesshōmaru. Es war ihm anzumerken, dass der Daiyōkai nicht gewillt war, über dieses Thema zu sprechen.

Ein Gerücht – manche Gerüchte besaßen ein Fünkchen Wahrheit. Der Großteil, so wusste Light, war jedoch totaler Humbug. Über ihn selbst kursierten haarsträubende Geschichten im Schloss – die eine ausgefallener als die andere; Er wäre ein Dämon, der sich in der Haut eines Menschen versteckte. Eine andere besagte; Er wäre in seinem Vorleben ein Dämon gewesen, der Sesshōmaru besonders nahe gestanden hätte, der aber bei einem Überfall ums Leben gekommen war. Wiedergeboren, im Körper eines Menschen, fand ihn Sesshōmaru in einem kleinen Dorf in den Bergen, wo er ihn sofort erkannte und zurück zum Schloss brachte. Ganz einig waren sich die Angestellten bei diesem Gerücht nicht. In einer Version war er ein Krieger, in der anderen die heimliche Geliebte von Sesshōmaru. Light konnte bei alldem nur den Kopf schütteln. Es schien, als unterschieden sich Dämonen, bei Klatsch und Tratsch, nicht von den Menschen.

Trotzdem blieb das Gefühl zurück, dass an Yōsukes Worten nicht alles falsch war, dass dieses Gerücht zu jenen gehörten, die einen Kern Wahrheit besaßen.

Light lauschte der Musik. Die Geisha tanzte immer noch. Sie hatte den Fächer durch einen blauen Schirm aus Bambus ausgetauscht. Diesen schwang sie seitlich an ihrem Körper vorbei, machte kleine, schnelle Schritte nach vorne und sank plötzlich in die Knie. Dort verweilte sie mehrere Sekunden – ihr Gesicht und Körper hinter dem Schirm versteckt. Dann, langsam, entfaltete sie ihren zusammengekrümmten Körper und richtete sich zu voller Größe auf. Light kannte diese Choreografie. Sie wurde unverändert auch in seiner Zeit getanzt. Die gekrümmte Haltung verkörperte eine Blumenknospe, die in einem Winterschlaf verfallen war. Mit dem Beginn des Frühlings erwachte sie wieder und wuchs empor, um leuchtender und schöner denn je zu erblühen.

Der kühle Ton presste gegen weiche Lippen und wieder bahnte sich Sake seinen Rachen hinunter. Mittlerweile schwitze Light in seiner Kleidung. Der Sake erwärmte ihn so sehr, dass er schon das Gefühl hatte, ihm würden Schweißperlen den Rücken hinunterlaufen. Kaum leerte er seinen Becher, wurde er auch schon wieder gefüllt.

Je weiter der Abend voranschritt, desto ausgelassener wurde die Stimmung im Raum. Der tanzenden Geisha schenkte man kaum noch Beachtung, stattdessen wurden die Gespräche immer lauter, bis sie die Musik der Geishas völlig in den Hintergrund drängten und sie kaum noch zu hören war.

Light fühlte sich, als säße er direkt neben einem großen Feuer, dessen Hitze über seine Haut leckte, durch seine Poren in sein Inneres drang und sich in seinem Bauch zu einer heißen glühenden Kugel ballte.

'DABUM!', machte sein Herz. Leise stieß er die Luft aus.

'DABUM!'

Die Musik hörte sich mit einem Mal zäh und blechern an, als käme sie von einer Schallplatte, die einen Sprung hatte. Die Stimmen mischten sich zu einem Brei, der bei Light einen stechenden Schmerz im Kopf hinterließ. Am Schlimmsten waren seine Gedanken, die ihm so gar nicht mehr folgten, die es lieber bevorzugten ihn mit lächerlichen Fantasien zu tyrannisieren.

Er bemerkte ein Augenpaar auf sich, das ihn regelrecht durchlöcherte. Es war Inuyasha. Natürlich, dachte Light, wer sonst würde ihn so unhöflich anstarren? Der Hanyō erhob sich von seinem Platz und kam auf ihn zu.

»Inuyasha«, grüßte Light mit herablassender Stimme. »Habe ich etwas im Gesicht oder warum starrst du mich die ganze Zeit an?«

»Keh!« Inuyasha verschränkte die Arme. »Ich muss mit dir reden, Yagami ... alleine«, fügte er hinzu, als er Sesshōmarus fragenden Blick spürte. »Das darf ich wohl doch noch, oder?«

»Tu was du nicht lassen kannst, Inuyasha«, antwortete Sesshōmaru.

Neugierig erhob sich Light und folgte Inuyasha aus dem Raum. Was hatte Inuyasha ihm so dringendes zu sagen?

»Mate[Warte], Inuyasha-san«, Yōsuke rief ihnen hinterher. »Ich hoffe, du bringst Yagama-san bald wieder zurück, schließlich sind wir Trinkpartner.«

»Baka![Idiot!]«, antwortete Inuyasha.

Light folgte Inuyasha in einen spärlich erleuchteten Flur. Kleine Flammen flackerten in Papierlampions und tauchten die Umgebung in ein warmes Orange. Inuyasha hielt an einem roten Pfeiler an, auf dem Schriftzeichen eingraviert waren, die von der Weisheit eines Dämons erzählten, der sein ganzes Leben auf Wanderschaft verbracht hatte. Der Hanyō lehnte sich mit grimmigem Gesicht dagegen und steckte seine Hände in die Ärmel.

»Also, was willst du von mir?« Light hielt sich am Geländer fest und ließ sich von der kühlen Luft streicheln. Es tat ihm gut, den warmen Raum verlassen zu haben und hier draußen frische Luft zu schnappen. Er konnte fast schon sehen, wie seine Haut dampfte, wie die weißen Schwaden ihn einhüllten … doch plötzlich änderte sich das Bild und seine Fantasie nahm neue Züge an. Ein muskulöser Körper drückte ihn gegen das Geländer, Hände hielten ihn fest, ein tiefes Knurren brachte sein Herz zum Beben. Heißer Atem – überall! An seinem Hals, auf seiner Brust, tiefer immer tiefer bis ...«

»Yagami! Hast du mir gerade zugehört?« Inuyasha fuchtelte mit der Hand vor Lights Gesicht.

Light blinzelte. Wieso hatte er solche Fantasien? Kamen sie vom Alkohol? Er fuhr sich über die Schläfe, Inuyasha biss sich derweil verärgert auf die Unterlippe.

»Tz! Baka! Du hast mir überhaupt nicht zugehört.«

»Inuyasha«, sagte Light, als er wieder klar denken konnte – so klar, wie es ihm in seinem momentanen Zustand möglich war. »Du siehst ich bin nicht in Bestform. Ich wäre dir dankbar, wenn du es noch einmal wiederholen könntest.«

»Keh! Meinetwegen. Ich habe gesagt, dass du ein Idiot bist, Yagami.«

»Das war nicht zu überhören. Was hast du davor gesagt?«

Inuyasha neigte den Kopf leicht zur Seite. »Im Grunde genau dasselbe.«

Lights Gesicht verdüsterte sich, während ein lautes Seufzen über seine Lippen trat. Ungeduldig klopfte er mit den Fingern gegen das Holz. »Wenn du mir sonst nichts mitzuteilen hast, dann kann ich ja wieder gehen.«

»Weißt du, Yagami, irgendwie ist es immer dasselbe.« Inuyasha sah Light direkt in die Augen.

Sie erinnerten Light stark an Sesshōmarus, beide besaßen sie dasselbe Bernstein, nur das Sesshōmarus Augen einen Hauch dunkler schimmerten.

»Je schlauer eine Person, desto weniger weiß sie über ihre eigenen Gefühle Bescheid. Bei dir spielt sich immer alles hier ab.« Inuyasha tippte sich gegen den Kopf. »Seit unserem Gespräch heute Morgen habe ich mir Gedanken gemacht. Ich habe mir überlegt, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, dass Gefährtenmal meines Bruders wieder loszuwerden … Und siehe da, mir ist sogar eine Idee gekommen.«

»Eine Idee?« Light stieß sich vom Holzgeländer ab und trat vor Inuyasha. »Was weißt du?«

»Was ich weiß?« Inuyasha schob seine Hände tiefer in die Ärmel seines roten Kariginu. »Ich weiß, dass du nichts dagegen hättest, wenn Sesshōmaru mit dir schlafen würde. Den ganzen Abend winselst du ihn schon an.« Er zog seinen rechten Mundwinkel spöttisch nach oben. »Glaub mir, du willst das Gefährtenmal nicht loshaben.«

»Was sagst du da?« Light hatte es die Sprache verschlagen. Inuyasha unterstellte Light, er würde Sesshōmaru anwinseln, wie ein Hund? Ohne, dass er es aufhalten konnte, formte sich erneut ein Bild vor seinen Augen. Er sah sich selbst, in einem Hundekostüm, mit aufgerichteten Ohren aus Plüsch. Schwanzwedelnd, kniete er vor Sesshōmaru und rieb sein Gesicht an dessen ausgestreckter Hand. Fiepende Töne brachen über seine Lippen. Er wollte ―.

Light riss sich aus der Fantasie und rieb sich die Augen. Hitze stieg in ihm auf. Sie wanderte von seinem Bauch nach unten, zwischen die Lenden, wo sich sein Glied anfing zu regen. Verlegen wandte sich Light ab und blickte über die Dächer in die Nacht hinein. »Dir ist wohl der Alkohol zu Kopf gestiegen?«

Inuyasha brummte. »Du bist doch derjenige, der den ganzen Abend trinkt.« Eine kurze Pause der Stille breitete sich zwischen ihnen beiden aus, dann meinte Inuyasha: »Da du es nicht selber riechen kannst, sage ich es dir jetzt. Laut deinem Geruch, Yagami, willst du meinen Bruder. Der Geruch, den du seit Stunden ausströmst, spricht eindeutig für sich. Jeder Yōkai im Raum weiß es, der einzige, der es nicht begreift, bist du.« Kurz hielt er inne, dann fuhr er fort. »Ich werde dir mit dem Gefährtenmal nicht helfen. Mein Rat an dich – akzeptier es und zwar hier.« Er tippte gegen Lights Stirn und grinste den Menschen an, der ihn anstarrte, als hätte er einen Wahnsinnigen vor sich.

»So ein Unsinn!«, sagte Light genervt.

Inuyasha konnte bei so viel Sturheit nur verächtlich Schnauben. »Keh! Du hast wirklich keine Ahnung wie es um deine Gefühle steht, Yagami. Ich gebe zu, ich wusste es bis heute Abend auch nicht, aber dein Geruch erklärt so einiges.« Inuyasha zuckte mit den Schultern. »Du bist ein Submissive. Ich hätte dich eigentlich für dominant gehalten, immerhin hast du einige Alphaeigenschaften. Du hast sogar einiges mit Sesshōmaru gemeinsam. Tja, aber es scheint so, dass du es dann doch lieber magst, von jemanden stärkeren geführt zu werden.«

Was zur Hölle redete Inuyasha da? In seinem Kopf schwirrte es. Submissive, dominant, Alpha? Ich ein Submissive, dachte Light. Was für ein totaler Schwachsinn war das? Plötzlich erinnerte er sich an etwas, was vor langer Zeit passiert war. Sayu hatte ihm damals begeistert von einem Yaoimanga erzählt. Durch sie wusste er, dass es in diesen Geschichten immer einen Seme und einen Uke gab. Wie erbärmlich die Vorstellung doch war. Er war kein Submissive und bestimmt kein Uke. Am liebsten hätte Light auf den Boden gespuckt, um seine Verachtung zum Ausdruck zu bringen, doch es entsprach nicht seinem Charakter und so stieß er ein kurzes verärgertes Zischen aus.

»Lass uns zurückgehen. Ich habe genug von deinen lächerlichen Märchen.«

»Es war ja klar, dass dir das nicht bekommt.« Inuyasha fiel in Gleichschritt neben Light. »Mir ist jetzt klar, warum Sesshōmaru dich zum Gefährten genommen hat. Submissive, aber dennoch das Verhalten eines Anführers. Der perfekte Gefährte für einen Daiyōkai.«

»Sei still!« Light beschleunigte sein Tempo und hängte Inuyasha ab. Er folgte den Lärm und stand schon bald vor der Schiebetüre, hinter der die Feier stattfand. Bevor er sie öffnen konnte, glitt sie von Innen auf und eine Geisha bat ihn herein. Kaum betrat er den Raum, entdeckte ihn Yōsuke, der mit einem dümmlichen Grinsen auf dem Gesicht, den Sakekrug in seine Richtung schwenkte.

Inuyasha trat nicht hinter ihm ein. Wahrscheinlich hatte er sich zurückgezogen. Light wusste, dass der Hanyō sich wohler unter Menschen fühlte als Dämonen. Light steuerte auf seinen Platz zu, bisher hatte er es vermieden in Sesshōmarus Richtung zu blicken. Aus gutem Grund, wie er bald feststellen musste, denn kaum trafen seine Augen auf flüssiges Bernstein, kaum verfingen sie sich darin, brach ein Gefühlsfeuerwerk in seinem Körper aus, das seine Knie weich werden ließ, so dass er auf das Kissen fiel, als wäre er ein Klotz Holz.

Was war nur los mit ihm? Wieso reagierte er so? War das vielleicht doch der Alkohol? Light runzelte die Stirn. Er wusste, dass er selbst unter starken Alkoholeinfluss sich beherrschen konnte. Es musste etwas anderes sein. Hatte Inuyasha vielleicht doch recht? Light musste es herausfinden.

Ihm fiel die Reisschale auf, die immer noch halbvoll vor ihm stand. Er nahm die Essstäbchen zwischen die Finger und wollte mit ihnen nach dem Wasserspinat greifen, als sich eine warme Hand auf seinen Rücken legte. Als hätte er ein Hochspannungskabel berührt, raste Strom durch seinen ganzen Körper, in alle Richtungen und Ecken; Zehenspitzen, Fingerkuppen, seine Wirbelsäule auf und ab – nichts blieb verschont. Mit einem überraschten Stöhnen fielen ihm die Essstäbchen aus der Hand. Das Holz rollte über den Tisch und kam klirrend auf dem Boden auf.

Es wurde still im Raum. Man beugte sich nach vorne, um ihn besser sehen zu können. Light entschuldigte sich für sein Missgeschick, dann bückte er sich, um die Essstäbchen wieder aufzuheben. Eine Hand umschlängelte sein Handgelenk und stoppte ihn in seiner Bewegung. Verwundert drehte sich Light der Person zu. Sesshōmaru, dachte er, bevor seine Gedanken ein jähes Ende fanden.

Heiß, glühend, feurig, verlangend und vieles mehr. Lippen pressten sich gegen seine und zogen ihn hinab an einen Ort, wo Light Yagami und seine Vergangenheit, keine Rolle mehr spielten. Selbst der Raum, in dem er sich befand, all die Gäste, nichts schien mehr real zu sein. Auf der Welle der Leidenschaft, glitten seine Hände durch langes weißes Haar und zogen den Kopf noch dichter an sich. Ein Knurren, tief, wild und ungebändigt drang an sein Ohr. Seine Härchen stellten sich auf, als ihm ein wohliger Schauer den Rücken hinunterlief. Light wollte mehr.

Sesshōmaru zog sich schließlich von ihm zurück und Light sah ihm sprachlos nach. Sein Verstand fing wieder an zu arbeiten. Sofort erhitzten sich seine Wangen. Er blickte in die Runde und sah Jaken mit weit geöffneten Mund und Augen, die ihm drohten aus dem Kopf zu fallen. Seltsamerweise war Jaken der einzige Dämon, dem der Schock ins Gesicht geschrieben war.

Wieso hatte ihn Sesshoumaru vor allen Anwesenden geküsst? War das Gefährtenmal nicht Beweis genug, dass er dem Dämon gehörte oder ging es um einen anderen Beweis? Ging es um die Worte, die er im Politikzimmer zu ihm gesagt hatte "Dein Verstand mag mich verabscheuen, aber dein Körper, dein Herz, singt zu mir ."

»Auf Sesshōmaru-sama und Yagami-sama!« Ein Dämon, von mittelgroßer Statur, schlank mit spitz zulaufendem Gesicht, war aufgestanden und hob seinen Becher Sake in die Höhe.

»Auf Sesshōmaru-sama und Yagami-sama«, stimmten die anderen mit ein. Selbst Keisukes Stimme mischte sich dem Chor bei.

Light war froh, als sich das Fest dem Ende zu neigte und er sich entfernen konnte, ohne unhöflich zu wirken. Er lief zu seinem Zimmer, holte neue Kleidung und folgte dem Flur, der ihn zum Badehaus brachte. Eine Eule schwang sich vom Ast und flog in die Dunkelheit hinein. Zwischen ihren Krallen hing eine tote Maus. Er betrat den Vorraum, wo er sich auszog, schnell abwusch und schließlich ins heiße Wasser stieg. Weitere Türen trennten mehrere Räume ab, in denen die Becken unterschiedlicher Temperatur waren. Light hatte sich für das Außenbecken entschieden, da er hoffte, die kalte Luft würde seinen Kopf abkühlen. Er schwamm durch das Wasser und setzte sich auf eine Erhöhung.

Mittlerweile war es besonders kalt. Sein Atem kondensierte und hinterließ kleine Dampfwolken. Tief hängend, schoben sich graue Riesen am Himmel entlang und sperrten das Licht aus. Ein Wind folgte, der nach Schnee roch. Schnee von den Bergen, die seit mehreren Tagen unter einer weißen Decke schliefen. Light fuhr sich mit dem Zeigefinger über die Lippen. Der Gedanke an den Kuss war so frisch, als wäre er erst wenige Sekunden alt. Sesshōmaru hatte sich nach dem Kuss normal verhalten. Light seufzte und ließ sich ins Wasser sinken, bis sein Kinn von Wärme umspült wurde. Der Kuss hatte ein brennendes Verlangen auf mehr zurückgelassen. Eine kleine Flamme loderte in ihm, still wartend, von neuem entfacht zu werden. Er konnte es nicht länger leugnen. Sein Körper reagierte auf den Daiyōkai.

Reiß dich zusammen, raunte er sich selbst an. Er war Light Yagami. Seit wann ließ er sich von seinen Emotionen beherrschen. Ob der Alkohol schuld daran war oder nicht, das hätte alles nicht passieren dürfen. Er schlug mit der flachen Hand auf das Wasser und dann gegen einen Stein, der mit vielen anderen eine Insel bildete.

»Ah!«

Schmerz durchzuckte seine Hand. Eine rote Flüssigkeit sammelte sich in seiner Handfläche und tropfte in dicken Perlen nach unten. Wie die Jahresringe eines Baumes, rollten kleine Wellen kreisförmig übers Wasser. Er hatte sich geschnitten. Light untersuchte den Stein und stellte dabei fest, dass er aus dem Meer stammte. Überreste von scharfkantigen Muscheln bedeckten ihn, die vor vielen Jahren, vielleicht auch vor hunderten Jahren, an ihm Schutz gesucht hatten, um nicht von den starken Meeresströmungen fortgerissen zu werden.

Light schwamm zum Ausgang, trat in den Vorraum und wusch seine blutende Hand mit kaltem Wasser ab. Der Schnitt war nicht länger als 1cm, doch schien er tief zu sein. Ein Stück der Muschel steckte immer noch darin. Mit verzerrtem Gesicht und unter dem Licht eines Lampions, zog er ihn heraus. Erneut reinigte er die Wunde, dann band er ein Stück Stoff mehrmals darum, zurrte es mit einem Knoten fest und schlüpfte in seine frische Kleidung. Er verließ das Badehaus und lief den Gang zurück zu seinem Zimmer. Schnellen Schrittes eilte er über die Holzdielen, während seine nassen Haare eisig auf seiner Kopfhaut lagen und ihn frösteln ließen. Er spürte, wie die Temperatur um ein weiteres Grad gefallen war. Es würde bald schneien. Lange konnte es nicht mehr dauern. Light lief um eine Ecke, der Flur spaltete sich in zwei weitere Gänge, von denen der linke zu seinem Zimmer und zu einem warmen Bett führte.

Die Winter in Japan, ohne Heizung oder einem Kokatsu, waren äußerst ungemütlich. Den Dämonen machten die kalten Temperaturen und der viele Schnee nichts aus. Light hingegen musste aufpassen, dass er sich in dem Schloss nicht erkältete. Keiner der Räume wurde beheizt. Auf Nachfragen, hatte er Felle bekommen, die ihn wenigstens nachts warm hielten.

Light bog ab und knallte gegen etwas Hartes. Er verlor das Gleichgewicht und war dabei zu stürzen, als ein Arm sich um seine Taille legte und ihn in eine aufrechte Position zog. Weißes Haar fiel ihm ins Gesicht. Silbrig, glänzend streifte es über seine Wangen und kitzelte ihn. Light rieb sich die Backen und sah in das Gesicht von Sesshōmaru, der ihn stumm, aber mit großem Interesse musterte.

»Oyasumi-nasai[Gute Nacht]«, sagte Light und löste sich aus dem Griff des Daiyōkais. Er machte mehrere Schritte, bevor Sesshōmarus Stimme ihn aufhielt.

»Ich habe dich nicht entlassen.«

Light verzog den Mund. »Es war eine lange Nacht. Ich bin müde.«

»Du wirst den fehlenden Schlaf verschmerzen können.«

Light, der mit dem Rücken zu Sesshōmaru stand, drehte sich um und hätte am liebsten eine beißende Bemerkung von sich gegeben. Er hielt sich jedoch zurück, denn er wusste, es wäre sinnlos und würde Sesshōmaru nur unnötig verärgern.

»Komm zu mir, Gefährte.« Außer seinen Lippen, bewegte sich Sesshōmaru nicht, fast als wäre er zu einer Steinsäule erstarrt. Seine Augen klebten auf Light, während er geduldig wartete.

Light kämpfte gegen seine Gefühle an, die schon den ganzen Abend verrückt spielten. Bei der tiefen, vor Macht sprühenden Stimme, wuchs die kleine lodernde Flamme in seinem Inneren zu neuer Stärke und ließ sein Herz schneller schlagen.

»Komm zu mir, Light«, sagte Sesshōmaru abermals und streckte ihm die Hand entgegen.

Light schluckte. Etwas züngelte über seine Haut, wanderte seinen Nacken hinauf, seine Arme hinunter und strich ihm über die Brust. Sesshōmarus Yōki wirbelte um ihn, hüllte ihn ein, in einer nach oben geöffneten Spirale. Überrascht machte Light einen Schritt zurück.

Es war nicht das erste Mal, dass er Sesshōmarus Yōki spürte. Light besaß zwar keine spirituellen Fähigkeiten, wie bei einer Miko oder einem Mönch, aber das war auch nicht nötig. Wenn Sesshōmaru es wollte, dann konnte selbst Light sein Yōki wahrnehmen.

Light stützte sich hilfesuchend an einem Holzpfeiler ab. Das Yōki setzte ihm zu. »Hört auf!« krächzte er. Sein Mund war unangenehm trocken, ein bitterer Geschmack breitete sich darin aus.

Sesshōmaru Hand zeigte immer noch einladend in seine Richtung.

Durch seine Ponysträhnen starrte Light auf die offene Handfläche. »Ich werde Eure Hand nicht nehmen.« Light ließ den Pfeiler los und taumelte schwer atmend den Gang entlang. Das Yōki verlangsamte sein Tempo und betäubte seine Sinne. Noch nie war er Sesshōmarus Yōki so lange ausgesetzt gewesen. Wieso wollte er ihn schwächen?

Light sackte zu Boden. Er hätte noch weiterlaufen können, doch er würde dieses Spiel nicht länger mitspielen. Schritte kamen auf ihn zu und hielten hinter ihm an. Eine Hand legte sich auf seinen Kopf, fuhr durch seine braunen Haare, packte ein Haarbüschel und zog kräftig daran. Lights Kopf kippte schmerzlich in den Nacken. Mit feurigen Augen und Wut verzerrten Gesicht erwiderte er Sesshōmarus gelassene Miene. »Was soll das? Denkt Ihr, Ihr kommt mit Gewalt weiter?«

Plötzlich verschwamm Sesshōmaru. Alles ging so schnell. Light hörte eine Türe öffnen, dann stand er schwankend in einem Zimmer, konnte sich aber nicht erinnern, wie er hier her gekommen war. Die Welt drehte sich wieder in einem normalen Tempo und Light atmete erleichtert auf, was leider nicht lange anhielt. Ein Stoß in den Rücken und er landete auf einem Futonbett. Dort wirbelte er herum und sah verachtungsvoll zu Sesshōmaru auf. »Wollt Ihr mich jetzt auch noch vergewaltigen, Euren Gefährten!«

Sesshōmarus warf Light einen scharfen Blick zu. »Verwechsle mich nicht mit diesen niederen Kreaturen. Ich, Sesshōmaru, würde niemals so tief sinken, dass ich mich gegen den Willen meines Gefährten mit ihm vereine.«

Sesshōmaru befahl sein Yōki zurück und Light fühlte sich gleich besser, trotzdem runzelte er die Stirn, als er die Worte des Daiyōkais hörte. »Wieso sind wir dann hier?« Light stand auf. »Ich habe nicht vor mit Euch zu schla ―« Seine Stimme brach ab, als ein erneuter Stoß ihn auf das Bett beförderte.

»Du bist hier, Gefährte, weil es Zeit wird, dass du deine Lektion lernst.« Sesshōmaru stand neben dem Futon und sah auf Light hinab, der sich aufrappelte, nur um kurz darauf mit dem Gesicht in den Bettlacken zu landen.

»Bleib liegen. Das ist ein Befehl.«

»Vergisst es!«, knurrte Light und drückte seine Hände links und rechts in den Futon. Mit aller Kraft stemmte er sich auf, gegen Sesshōmarus Hand, die zwischen den Schulterblättern auf seinem Rücken lag. Für einen kurzen Moment dachte Light, er könnte es schaffen, er schaffte es sogar auf alle Viere, doch dann, er wusste nicht einmal wie es passierte, lag er plötzlich auf dem Rücken und Sesshōmaru kauerte über ihm.

Sesshōmarus Augen nahmen einen sonderbaren Schimmer an, fast so, als ob er etwas erwartend entgegenblickte. Was es war, wusste Light nicht. Vielleicht war es seine Faust, denn als Sesshōmaru ihm seine nassen Haarsträhnen aus dem Gesicht wischte, schlug er sie ihm ins Gesicht. Blitzschnell schloss sich eine Hand um seine Knöchel und stoppte seinen Angriff.

»Ist dir eine Verletzung nicht genug? Du wirst dir nur unnötig selbst schaden.« Sesshōmaru betrachtete Lights Hand mit dem provisorischen Verband. Er löste den Knoten, der Stoff fiel zu Boden und entblößte die Wunde darunter, die immer noch blutete, wenn auch schwächer. Seine Zunge leckte über die Handfläche und säuberte den Schnitt.

»Ugh!« Light stöhnte in das Kissen. »Ich dachte, das würde nur bei Yashimaru funktionieren«, sagte er leise.

Sesshōmaru wickelte den Stoff wieder um die Wunde. »Die Wunde muss auf natürlichen Weg heilen, aber ich kann sie mit meinem Speichel desinfizieren. Ihr Menschen seid so fragil. Selbst ein kleiner Schnitt wie dieser, kann euch dahinraffen.«

»Ich hätte mich darum gekümmert.«

»Als dein Gefährte, ist es meine Aufgabe, mich um dein Wohl zu kümmern.«

Trotz dass es kalt war im Raum, erwärmte sich Lights Körper. Er ignorierte das sonderbare Gefühl und schob es beiseite. »Ihr müsstet Euch selbst zuhören. Wie könnt Ihr so etwas sagen, während Ihr mich festhaltet. Lasst mich los, Sesshōmaru.« Light vergaß mit Absicht das sama. Der Daiyōkai konnte nicht mit ihm umgehen wie er wollte und erwarten, dass Light ihm immer noch den gleichen Respekt entgegenbrachte. »Lasst mich los!«, zischte Light und fing an sich zu winden. Er schlug Sesshōmaru sein Knie in den Bauch und versuchte sich unter dem kräftigen Körper hervorzuziehen.

Sesshōmaru packte Lights Hände und drückte sie gegen die Tatamimatte, auf der der Futon ausgebreitet lag. Sein Mokomoko hob Lights Kopf an, der durch seine wilden Bewegungen über den Tatamirand hinausgerutscht war und auf dem harten Holzboden lag. Weich bettete man ihn, weich wie Schafswolle und genauso wärmend.

»Geb dich mir hin«, flüsterte Sesshōmaru mit leicht nach oben zeigendem Mundwinkel.

Light hielt in seiner Bewegung inne. Sesshōmaru war amüsiert. Er fand es doch tatsächlich lustig. Light schnaubte frustriert durch die Nase. »Niemals! Als würde ich mich Euch so einfach hingeben.«

»Ich kann mich erinnern, dass du es schon mehrmals getan hast.«

»Da war ich noch nicht Euer Gefährte!«, spie Light.

Lippen pressten gegen Lights, der seine Augen aufriss und versuchte seinen Kopf wegzudrehen. Es gelang ihm schließlich, jedoch zu spät, der Kuss hatte seine Wirkung erreicht. Nicht nur schlug sein Herz wie verrückt, sondern auch weiter unten regte sich etwas. Sein Glied war mit einem Zucken erwacht. Halb aufgerichtet wartete es darauf, dass der Daiyōkai mit seinen Verführungskünsten fortfuhr.

»Ergeb dich«, flüsterte Sesshōmaru erneut. Ein heißer Atem hauchte von Lights Ohr zu seinem Schlüsselbein hinab. »Lass los.«

Light drückte seinen Rücken durch, während sich seine Zehen krümmten. »Nein!«

Sesshōmaru löste Lights Obi und entblößte seine Brust. Mit seiner Zunge umkreiste er Lights Brustwarzen und saugte an ihnen.

»Hn! Verdammt!«, stöhnte Light. »Ich ergebe mich niemanden. Merkt Euch das, Sesshou― ahhh!«

Sesshōmaru hatte leicht in Lights Brustwarze gebissen und ihm einen Schrei entlockt. »Du wirst dich mir ergeben, denn das entspricht deiner wahren Natur.« Mit einem Knurren zog er Lights Kimono über die Schultern nach unten. »Seit Wochen sagt mir dein Geruch, nach was es dir verlangt, nach was du dich sehnst.«

»Uff!« machte Light, als ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und er sich auf dem Bauch wiederfand. Das Gewicht des Daiyōkais legte sich auf seinen Körper und verhinderte, dass er sich befreien konnte. Hustend, tauchte er aus Mokomoko auf, in das ihn Sesshōmaru drückte. Die Haare des Daiyōkais versperrten ihm seine Sicht. Wie ein Wasserfall fielen sie neben seinem Kopf zu Boden, sammelten sich dort und erinnerten an einen zugefrorenen See im Winter.

»Was wollt Ihr erreichen Sesshōmaru? Ihr erreicht nur, dass ich Euch verachte.« Light neigte seinen Kopf zur Seite und schielte nach oben in Sesshōmarus Gesicht. Statt zu antworten fuhr die Zunge des Daiyōkais zwischen seinen Schulterblättern die Wirbelsäule hinab. Light biss sich auf die Lippen, dennoch entkam ihm ein leises Stöhnen, als ein wohliger Schauer sich auf seinem Rücken ausbreitete. »Hört auf!«, sagte er mit Panik in der Stimme. Wie lange konnte er sich noch wehren? Seine anfängliche Wut verpuffte wie Tropfen auf heißem Sand.

»Sesshōmaru!«, versuchte Light zu dem Daiyōkai durchzudringen. Wieder bekam er keine Antwort, jedenfalls nicht die Antwort, die er sich erhofft hatte.

Finger legten sich um sein Kinn und drehten es. Ein Daumen strich sanft über seine Lippen, dann löste ihn ein Mund ab, der ihn in einen hitzigen Kuss verwickelte. Forsch, besitzergreifend und dominierend schlüpfte die Zunge zwischen seine Lippen hindurch und eroberte jeden Winkel in seinem Mund.

Light keuchte atemlos, während ihre Zungen miteinander tanzten, während sie sich liebkosten, als hätten sie sich vermisst. Er bemerkte, wie sein rationaler Verstand die weiße Flagge schwenkte und sich verabschiedete. Es kümmerte ihn nicht, u sehr war er schon gefangen in den atemberaubenden Gefühlen, die als Vulkan an die Oberfläche brachen und seine Haut in Flammen setzten.

Er wollte den Daiyōkai. Light wollte Sesshōmaru.

Sesshōmaru verstärkte den Kuss, dann löste er sich von dem jungen Mann, der schwer keuchend, mit laut klopfendem Herzen, unter ihm lag. Er zog den süßlich, vor Erregung schmeckenden Geruch genüsslich in die Nase und schloss halb die Augen.

Light dreht sich um, als Sesshōmaru seine Arme freigab und betrachtete mit glasigen Augen das makellose Gesicht des Daiyōkais. Schwach erkannte er die zwei magentafarbenen Streifen, die über jede seiner Wangen liefen. Er hob seine Hand und malte sie mit seinen Fingerspitzen nach, dann verhakte er seine Finger im Nacken des Daiyōkais und zog sich an ihm hoch in eine sitzende Position. Light drückte seine Lippen gegen Sesshōmarus und küsste ihn. Er nippte an der Unterlippe, dann küsste er den Hals hinab. Als er die gleiche Stelle erreichte, an der sich sein eigenes Gefährtenmal befand, biss er kurzerhand zu und hörte ein überraschtes Stöhnen von Sesshōmaru.

Mit einem triumphierend Lächeln ließ er von ihm ab und starrte plötzlich ins Leere. Ein unerwarteter Wind blies ihm ins Gesicht. Wo war Sesshōmaru? Kalte Luft strömte durch die offen stehende Tür und richtete seine Brustwarzen schmerzlich auf. Schnell kleidete er sich an. Sein Glied, das hart angeschwollen war, erschlaffte. Light stand auf und nahm die Umrisse von Sesshōmaru in einer Ecke war. In dem schwachen Licht wirkten seine weißen Haare und Kleidung gespenstisch, als wäre er nicht aus Fleisch und Blut, sondern ein Wesen aus der Anderswelt. »Ihr habt also mit mir gespielt«, sagte Light in nüchternen Tonfall.

»Ich gebe dir eine Wahl«, erwiderte Sesshōmaru. »Du weißt, wo meine Gemächer sind. Es liegt an dir, ob ich dich dort heute Nacht wiedertreffe.« Sesshōmaru trat ins Licht und verließ das Zimmer.

»Mate, Sesshōmaru!« Dieser Mistkerl. Er ließ ihn hier einfach zurück. Kurzerhand rannte Light ihm hinterher und holte ihn in einen der Gänge ein. So spät in der Nacht, war es ruhig im Schloss. In der Ferne hörte er schwach Geräusche. Jemand unterhielt sich – vermutlich einer der Wachen. Light war nicht zimperlich. Er packte Sesshōmaru vorne am Kimono und drückte den Daiyōkai gegen die nächste Wand.

»Ihr werdet nicht so einfach davonlaufen. Ihr werdet beenden was ihr angefangen habt und zwar Hier und Jetzt!« Schon fast knurrte er ihn an.

»Immer für eine Überraschung bereit«, sagte Sesshōmaru, der unbeeindruckt von Lights aggressiven Verhalten war. Sein Mund tauchte neben dem Ohr des Menschen auf. »Mit Vergnügen, Light.«

»Was?« Light konnte nicht einmal mehr einen klaren Gedanken fassen, da landetete er auf Mokomoko, das seinen Sturz abfing. Sesshōmaru stand über ihm und fing an sich seiner Kleidung zu entledigen.

»Hier?« Light sah sich im Gang um. Jemand könnte sie sehen.

»Hier und Jetzt«, wiederholte Sesshōmaru Lights eigene Worte.

»So war das nicht gemeint.«

»Es spielt keine Rolle.«

Es war anders. Dieses Mal war es anders. Noch nie hatte Light so viel gespürt, noch nie hatte er so empfindlich auf die Berührungen des Daiyōkais reagiert. Sesshōmaru hatte die völlige Kontrolle über ihn und Light genoss es. Er genoss es sich fallen lassen zu können, wissend, dass der Daiyōkai stark genug war ihn aufzufangen. Nackt rieben ihre Körper gegeneinander. Während Sesshōmaru sich in tiefen Stößen in ihm bewegte, krümmte Light seinen Rücken zu einem Hohlkreuz durch.«

»Hn! Ah!« Lights Atem wurde flacher, sein Brustkorb hob und senkte sich in schnellen Zügen. Wärme staute sich in seinem Bauch an und schwoll zu einem reißenden Fluss, der ihn jeden Moment mitreißen würde. »Sesshōmaru«, flüsterte Light. »Sesshōmaru, ich ...« Light bäumte sich auf und krallte sich unter Stöhnen an Mokomoko fest, dann kam er. Die Anspannung entlud sich so plötzlich, dass sein Blick sich trübte und er für einen kurzen Augenblick alles verschwommen wahrnahm.

Sesshōmaru kam kurz nach ihm. Der Daiyōkai hielt an und verweilte in der Position für mehrere Sekunden, dann legte er sich auf Light ab und umarmte ihn.

Light seufzte, als er die kräftigen Arme um sich spürte. Er war so entspannt, dass er einschlief.

Sesshōmaru zog sich aus Light zurück und griff nach seinem Kimono und Haori. Er befestigte seine Rüstung, während Mokomoko sich um Light wickelte und ihn vor der Kälte schützte. Sesshōmaru nahm beide in die Arme und lief mit ihnen zu seinen Gemächern. Er betrat sie über die Terrasse, auf der er kurz stehen blieb und die weißen Flocken betrachtete, die vereinzelt vom Himmel fielen.

Es schneite.