DIE KATAKOMBEN
13:05:23 ARS , Geonosis, irgendwo unterhalb der Droidenfabrik (ca. 60 Klicks südwestlich der Petranaki-Arena), 0025 CcT
Wenn du nicht mehr weiter weisst, dann gehe zurück zum Ausgangspunkt!
Der Ausgangspunkt war in diesem Fall das Schiff von Miss Padmé … Das Problem war nur, dass sich dieses Schiff im Abluftschacht einer Droidenfabrik befand, und diese wiederum ...
Sand knirschte in C-3PO's rechtem Kniegelenk und entsprechend widerwillig lief er hinter R2-D2 her. Dem kleinen Astromechdroiden war es gelungen einen der Truppentransporter kurz zu schliessen, mit dem man ihn zuvor, zusammen mit einer Einheit Kampfdroiden durch den nicht enden wollenden Stollen von der Fabrik zu Arena verfrachtet hatte. Doch nachdem dieses Vehikel nun kurz vor seinem Ziel aus unerfindlichen Gründen plötzlich stehen geblieben war, war ihnen nichts anderes übriggeblieben, als das letzte Streckenstück zu Fuss in Angriff zu nehmen.
„Das ist alles deine Schuld, du hast den Transporter unsachgemäss bedient, und darum ist er kaputt gegangen", beschwerte sich der Protokolldroide.
R2 pfiff dementierend.
„Moment, ich habe schliesslich nichts angefasst, das warst du, mit deinem klobigen Interface!"
Ein erneutes Pfeifen war die Antwort.
„Wenn du meinst …"
Der kleine Droide bog urplötzlich nach links, in einen vom Hauptstollen wegführenden Seitengang, ab.
„Wo willst du denn jetzt schon wieder hin? Zur Fabrik geht es da lang, du einfältiger, kleiner Nietenbolzen, das hier ist der falsche Weg!" C-3PO sah sich mit Unbehagen um. Sie waren in einem Tunnelsystem gelandet, in dem alle paar Meter irgendwelche Gänge abzweigten. Das reinste Labyrinth! „Wir werden uns hier unten deinetwegen noch verlaufen."
R2 gab ein besserwisserisches Tuten von sich.
„Abkürzung? Das ist wohl eher ein Umweg, würde ich meinen."
Der kleine Astromechdroide machte keinerlei Anstalten die Einwände seines Begleiters auch nur zu prüfen. Stattdessen rollte er einfach leise vor sich hin trillernd weiter. Er schien jeglicher Logik zum Trotze genau zu wissen, wo er hinwollte, und wo er in diesen dunklen Katakomben wann abbiegen musste.
Vor ihnen waren nun wieder entfernte Blasterschüsse und das eigentümliche Wimmern geonosianischer Schallkarabiner zu hören. Diese Geräusche rührten offenbar von kleineren und grösseren Scharmützeln her, welche sich republikanische Spezialeinheiten mit feindlichen Truppen lieferten. Dem Protokolldroiden behagte die Tatsache, dass sie von den Kampfgeräuschen nicht wegliefen, sondern ihnen folgten, überhaupt nicht, auch wenn sie einen gewissen Abstand dazu einhielten. Er hatte in den letzten Tagen mehr als genug Aufregung erlebt und ihn gelüstete nicht im Geringsten nach weiteren Abenteuern. Allein schon die Tatsache, dass er einem Astromechdroiden mit einem zweifellos durchgeschmorten Speicherchip hinterher spazierte, liess ihn im Innersten seiner Schaltkreise erahnen, dass sie demnächst in die nächste Katastrophe stolpern würden. Wäre er doch bloss auf Tatooine geblieben!
Inzwischen war ihr Weg immer mehr gesäumt von Toten, grösstenteils bestehend aus Geonosianern, welchen man hier unten, auf offensichtlich recht unschöne Art und Weise, den Garaus gemacht hatte. Selbst ihre Eier und Larven waren nicht verschont geblieben. Eine nicht geringe Anzahl von zu Schrott verarbeiteten Kampfdroiden unterschiedlichster Bauart rundete den Gesamteindruck in schauriger Weise ab. Für ein organisches Wesen mochte der Anblick eines zerstörten Droiden nichts sonderlich Erschütterndes darstellen. Einem sensiblen, auf Kontaktfreude programmierten Protokolldroiden hingegen, vereiste es bei der Betrachtung von so viel teilweise immer noch funkenschlagenden „Mülls" beinahe dem Motivator.
R2-D2 hielt sehr plötzlich an einer Wegkreuzung an und liess unschlüssig seinen Kuppelkopf rotieren.
C-3PO prallte unsanft gegen ihn. „Pass doch auf, du kleiner, dilettantischer Lötkolben, du!"
Der „Lötkolben" ging nicht darauf ein und entschied sich schliesslich für den Gang ganz links.
„Du könntest mich wenigstens vorwarnen, bevor du anhältst, es hätte etwas an mir kaputt gehen können!"
Der Astromechdroide tutete keck.
„Wer hat dich eigentlich mit soviel Frechheit programmiert?"
Die Antwort auf diese Frage war einem Geräusch, das einem spitzbübischen Kichern ziemlich nahe kam. Dann beschleunigte der Astromech und rollte fast doppelt so schnell davon wie zuvor.
„So warte doch!", jammerte der Protokolldroide und eilte hinterher.
Der Chronometer in seinem Verbo-Gehirn wies ihn gerade darauf hin, dass er nun schon seit insgesamt drei Stunden, elf Minuten und achtundzwanzig Sekunden mit seinem tonnenförmigen Kameraden unterwegs war, als ebendieser aus Neue brüsk stoppte.
Vor ihnen tat sich ein riesiger Hangar auf. C-3PO erkannte sofort die verchromte Silhouette der nabooanischen Yacht, die funkelnd wie ein Juwel zwischen den anderen Schiffen stand. Eigentlich hatte er den kleinen Droiden für sein erneutes, überraschendes Anhalten tadeln wollen, doch er liess es diesmal bei einem reichlich verblüfften „Du hattest recht", bewenden.
Der Astromechdroide trillerte Beifall heischend.
„Sei doch nicht immer so selbstgefällig!"
Von der gegenüberliegenden Seite des glitzernden Sternenschiffes erklang unverhofft ein schwaches, weit entferntes „Hu?"
R2-D2 begann aufgeregt zu tuten.
„Welcher R4?"
Der Astromech piepte nachdrücklich.
„Wie… kennen?", wollte C-3PO irritiert wissen. „Mit jemandem ein paar Binary-Grussfloskeln über einen Langstreckensender ausgetauscht zu haben, würde ich nicht gerade als kennen bezeichnen!"
Doch R2-D2 war nicht mehr zu halten. Er rollte eilig los, hinaus in den Hangar, auf die Yacht von Miss Padmé zu. C-3PO schickte sich gerade an, ihm zu folgen, als etwas Grosses von rechts angerannt kam und buchstäblich über den kleinen Astromechdroiden stolperte. Es war eine über zwei Meter hohe Droiden-Monstrosität - ein Modell, das C-3PO noch nie gesehen hatte. Es war unlogischer weise mit einem Umhang bekleidet, und das eigenwillige Kopfdesign erinnerte ihn sehr an die Mumu-Masken der Kaleesh. Das ganze Erscheinungsbild war überaus unästhetisch, und schien einzig und allein darauf ausgelegt worden zu sein, einzuschüchtern.
„Blöde Blechbüchse!" knurrte die Monstrosität, rappelte sich auf und versetzte R2-D2 einen derart heftigen Fusstritt, dass dieser mehrere Meter weit durch die Luft flog.
„Uiiiiiiiii!", protestierte der kleine Droide kreischend, bevor er laut klappernd auf den Boden aufprallte und noch ein ganzes Stück weit über diesen schlitterte, bis die Landestütze eines Sternen-Jägers seiner rasanten Fahrt ein jähes Ende bereitete.
„Also ich muss doch sehr bitten …" setzte C-3PO an, der die heftige Reaktion dieses Riesen für komplett übertrieben hielt, doch das Wort blieb ihm buchstäblich im Sprachprozessor stecken, als sich der Droide zu ihm umdrehte. C-3PO hätte vor Schreck beinahe sämtliche Hydraulik-Flüssigkeit verloren. Dieser Droide hatte gelbe, organische Augen mit senkrecht geschlitzten Pupillen und mit eben diesen Augen starrte er den Protokolldroiden gerade mehr als ausgesprochen finster an.
Ein Cyborg!
Ein dumpfes, blechernes Knurren grollte C-3PO aus dem Vokabulator des Cyborgs entgegen und er war sich sicher, dass ihn dieser mit einem Hieb zu einem Klumpen Altmetall verarbeiten würde. Sein Chronometer begann vorsorglich schon einmal die Nanosekunden bis zur Komplett-Verschrottung zu zählen. Doch der Cyborg überlegte es sich plötzlich anders und sprintete trotz seiner Grösse überraschend schnell davon, in Richtung eines eher unscheinbaren Starfighters.
Im selben Moment stürmten zwei schwer gepanzerte Soldaten durch ein weiteres Tor in den Hangar. Ihre grauen Rüstungen waren vom Kampf bereits schwer gezeichnet und sie eröffneten ohne Umschweife das Feuer.
„O je, o je, nicht schon wieder!" jammerte C-3PO und zog sich eilig zurück in den Gang, aus dem er zuvor gekommen war. R2-D2 lag derweil zappelnd auf dem Rücken und versuchte, sich wieder aufzurichten, während blaue Plasmaentladungen über ihn hinweg zischten.
Obwohl kaum einer der Blastertreffer sein Ziel verfehlte, kletterte der Cyborg mit unbeirrter Behändigkeit ins Cockpit des Fighters und zündete die Ionentriebwerke. Das Schiff erhob sich in die Luft, noch während sich die Kanzel über dem Piloten schloss. Unerschütterlich steuerte es auf die sich öffnende Iris in der Hangar-Decke zu, die ihm den Weg in den Nachthimmel freigab und war bereits binnen Sekunden verschwunden.
C-3POs Audio-Sensoren blätterten derweil immer noch eilig durch die einzelnen Frequenzen, bis er schliesslich auf das Komlink-Signal der Soldaten stiess, über welches sich diese untereinander verständigten.
„… Fast erwischt, Fierfek nochmal!", ärgerte sich der eine von ihnen.
Das Gehirn des Protokolldroiden konnte das Wort Fierfek der huttischen Sprache zuordnen und sein Ethik-Prozessor teilte ihm mit, dass es in diesem Kontext ganz offensichtlich als Unflätigkeit Verwendung fand – Wie unfein!
„Gamma-Leader an Kommando-Zentrum: Da versucht sich jemand in einem Belbullab-22 Starfighter abzusetzen", teilte der andere Soldat fast gleichzeitig seiner Basis, mit der er offenbar ebenfalls im Kontakt stand, mit. „Haltet mit allem, was ihr habt, drauf! Pustet das Ding vom Himmel – Der Flug ist nicht autorisiert, abschiessen. Ich wiederhole: Abschiessen!"
„Ich hab' bestimmt vier Treffer gelandet, das hat dieses Ding nicht mal gekitzelt! Osik, was war das?"
„Sah aus wie ein überdimensionaler Schlacht-Droide. Was weiss ich … war vermutlich irgend so ein Prototyp ... Jedenfalls war's verdammt gut gepanzert …" Der Soldat unterbrach sich plötzlich, dennR2-D2 hatte es inzwischen geschafft, sich wieder in die Senkrechte zu manövrieren und kam eilig und reichlich kleinlaut piepsend zu C-3PO zurückgerollt, womit er natürlich sofort Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte.
„Keine Bewegung, Droide!", befahl einer der beiden Soldaten, diesmal durch den Aussenlautsprecher seines Helmes.
R2-D2 kam augenblicklich zum Stillstand.
Nach ein paar Sekunden tauchten die zwei Soldaten direkt vor C-3POs Versteck auf. Die Blaster im Anschlag auf den Astromechdroiden gerichtet, der nicht einmal mehr den leisesten Mucks von sich zu geben wagte.
„Da ist ja noch einer! Du da, keine Bewegung, verstanden?"
C-3POs Fotorezeptoren starrten unversehens in eine Blaster-Mündung. Man hatte ihn entdeckt! Rasch hob er die Hände über den Kopf. „Bitte, nicht schiessen", flehte er.
„Habe ich was von Hände hoch gesagt?" fragte es hinter der Blaster-Mündung.
„Nein, nein, das war ein Versehen! Bitte, bitte, nicht schiessen" jammerte der Droide, vor Aufregung einem Kurzschluss nahe.
„Reg dich ab. Wie ist deine Kennung?"
„Ich bin C-3PO, Roboter-Mensch Kontakter, sehr erfr…"
Der Soldat winkte gelangweilt ab und meinte stattdessen: „Check mal den Astromech, Gonzo."
„R2-D2. Positiv, wir haben sie - Und das Schiff!"
„Gamma-Leader, an Kommando-Zentrum; wir sind da etwas überraschend über die beiden vermissten Droiden und diese H-Type Nubian-Yacht gestolpert. Erbitten weitere Instruktionen."
