Ich schreibe nur aus Spaß an der Freud' und bedanke mich bei J.K. Rowling für das Ausleihen der Charaktere.
Kapitel vier
Brendas Begleiter schien sich auszukennen, er schob sie den engen Flur entlang in eine enge Küche. Der Schwarze folgte ihnen.
„Setzt euch", sagte er und deutete auf vier ramponierte Holzstühle um den Küchentisch, während er sich gleichzeitig in eine graue Sweatjacke wand.
„Tee?"
Brenda nickte automatisch, ihr Begleiter, der auch jetzt seinen Umhang samt Kapuze nicht abgelegt hatte, machte eine verneinende Geste. Der Schwarze setzte einen Wasserkocher in Betrieb, nahm zwei Tassen von dem Abtropfgestell auf der Spüle und holte eine Packung Teebeutel aus dem Schrank. Während er sich der Teebereitung widmete, sprach niemand ein Wort. Brenda sah sich verstohlen in der Küche um. Billige Sperrholzschränke, dem Aussehen nach gut und gerne dreißig Jahre alt, schmutzige Geschirrstapel im Spülbecken, Chaos und Krümel auf der Arbeitsplatte…
„Bitte."
Ein Becher mit ausgebleichtem blauem Blümchenmuster wurde vor sie hingestellt und der Gastgeber setzte sich.
„So…" sagte er auffordernd.
„Das ist Brenda Wilston, Sängerin in Covent Garden, vielleicht hast du schon von ihr gehört."
Der Schwarze schüttelte den Kopf und kniff die Augen zusammen.
„Sie ist ein Muggel!"
„Nein, Kingsley, sie ist eine Hexe."
Brendas Blick fuhr hoch und bohrte sich in den Schatten der Kapuze. Hatte er vorhin wirklich ihre Gedanken gelesen?
Der Schwarze sah sie fragend an. Sie zog eine Grimasse.
„Nicht praktizierend", sagte sie lapidar.
„In der Musikwelt ist sie ziemlich berühmt, Kingsley, leider hat sie die Dummheit begangen, den Wünschen des Dunklen Lords nicht nachzukommen und jetzt muss sie untertauchen. Das kann sie erst mal nur hier. Ihr habt doch immer noch irgendwo ein Bett frei, soviel ich weiß."
Der Schwarze fuhr sich mit der Hand nachdenklich über seinen kahlen Schädel.
„Ja, aber…verdammt…das wird nicht leicht… sie weiß doch offenbar nichts, ist quasi ein Muggel... wie soll ich es den anderen erklären?"
Der Mann im schwarzen Umhang zuckte mit den Schultern.
„Du findest schon einen Weg."
„Und überhaupt…eine Sängerin, was sollen wir damit anfangen …wenn sie Ärztin wäre oder Krankenschwester oder Köchin…irgendetwas nützliches…"
Brenda merkte, wie die Wut in ihr aufstieg. Wieso unterhielten die beiden sich über sie, als wäre sie nicht anwesend? Irgendetwas Nützliches! Pah!
„Ich kann kochen, ohne dass die Küche dabei völlig versifft", mischte sie sich ärgerlich ein und machte eine vielsagende Handbewegung, die den Geschirrberg auf der Spüle, den verkrusteten Herd und die Ansammlung von Baked Beans Dosen auf dem Regal neben dem Kühlschrank miteinschloss, „außerdem habe ich mal eine Ausbildung als Krankenschwester angefangen. Meine Eltern bestanden darauf, falls das mit dem Singen nicht klappen würde."
Der Schwarze lächelte entschuldigend und schüttelte den Kopf.
„Tut mir leid, Brenda, komm wieder runter. Es war unhöflich von mir, aber wir hatten bisher noch nie jemanden aus der Muggelwelt hier. Ich bin übrigens Kingsley. Weißt du überhaupt, worum es geht?"
Brenda nickte zögernd.
„Ich habe sie kurz informiert", kam es gleichzeitig von dem Kapuzenmann. „Versuche es wenigstens, bis sich eine andere sichere Bleibe für sie findet. Sie ist vielleicht der erste Flüchtling aus der Muggelwelt, den ich euch bringe, aber bestimmt nicht der letzte."
Kingsley rieb sich nachdenklich die Nase und seufzte.
„Ja, da magst du leider recht haben. Du-weißt-schon-wer und seine Bande benehmen sich, als gehöre ihnen ganz England…"
„…was de facto auch der Fall ist…"
„…und wir haben keinerlei Handhabe gegen sie. Wir können uns nur versteckt halten und abwarten…"
„Dann hätten wir das also geklärt. Ich muss gehen, man darf mich nicht.."
Der Mann im schwarzen Umhang stand auf und zuckte gleichzeitig heftig zusammen.
„Verdammt! Er ruft mich," zischte er.
„Pass auf dich auf", sagte Kingsley und seine Stimme klang besorgt.
Die Kapuze machte eine unbekümmerte Bewegung und dann war der Mann verschwunden.
Brenda und Kingsley sahen sich über den Küchentisch hinweg an. Verlegenheit machte sich breit, Brenda war sich plötzlich ihres zerzausten Äußeren peinlich bewusst, außerdem fühlte sie sich hundemüde. Kingsley fuhr sich mit der Hand heftig über den kahlen Schädel.
„Gut, also, Brenda. Am besten zeige ich dir jetzt, wo du schlafen kannst und morgen sehen wir weiter. Komm mit."
Er ging in den Flur und stieg die enge Treppe hinauf. Brenda folgte ihm.
„Das Bad", sagte er und deutete auf eine Tür zu seiner rechten. Dann öffnete er eine weitere gegenüber dem Ende der Treppe.
„Du hast Glück, ein Zimmer für dich alleine."
Er knipste das Licht an und Brenda warf einen Blick durch die Tür. Zimmer war eindeutig übertrieben. Es handelte sich wohl eher um eine Besenkammer, in die gerade mal eine schmale Matratze so hineinpasste, dass man noch seitlich daran vorbeigehen und die Tür des Wandschranks an ihrem Fußende öffnen konnte. Sonst hatte in dem ‚Zimmer' nichts mehr Platz.
„Fühl dich wie zu Hause. Bettzeug, Handtücher und Zahnbürsten findest du im Wandschrank im Flur. Gute Nacht", sagte Kingsley und gähnte herzhaft. Dann ging er die Treppe wieder hinunter. Brenda überschritt die Schwelle ihrer neuen Behausung und schloss die Tür hinter sich.
