Riley-Sarah 6 Jahre alt

Erkentnisse


„Ihr müsst es ihr erklären bevor sie morgen in die Schule geht. Du weißt, was als Erstes auf dem Lehrplan Steht", Sagte Sarah mit Nachdruck.

John kratzte sich am Hinterkopf, während Cameron traurig auf ihre Füße starrte.

„Warum hast Du ihr die Geschichte auch aufgetischt", fragte John seine Mutter.

„Ach jetzt bin ich wieder Schuld", entgegnete Sarah. „Es gibt für jede Entwicklungsstufe eines Kindes andere Möglichkeiten gewisse Dinge zur Sprache zu bringen. Jetzt ist einfach der Punkt gekommen, wo man ihr schonungslos die Wahrheit sagen muss, bevor es eine Fremde tut."

„Aber sie ist doch so glücklich damit die Tochter eines Engels zu sein", sagte Cameron leise."

John legte eine Hand auf Camerons Schulter. „Du bist ein Engel, Maschine oder nicht. Sie wird das verstehen."

Sarah umfasste Camerons Kinn mit der Hand und drehte ihren Kopf zu sich. „John hat Recht, sie wird es verstehen. Sie liebt Dich und sie hat in dem Punkt viel von ihrem Vater geerbt."

„Hoffentlich habt ihr Recht", sagte Cameron bedrückt. John nahm sie in die Arme. Cameron legte den Kopf an seine Schulter und war erstaunt, als Sarah ihre Arme ebenfalls um sie legte Insbesondere als sie einen Kuss von Sarah an der Seite ihres Kopfes spürte. So viel Zuneigung war sie von Sarah eigentlich nicht gewohnt.


Es kam wie es kommen musste. Gerade als sie es Riley-Sarah sagen wollten hatte es Alarm gegeben. Einer der kleineren Bunker war überrannt worden. Keine zivilen Opfer aber die 10 Soldaten waren tot. Bis zur Klärung der Lage hatte es bis in die Nacht hinein gedauert, so hatte es keine Möglichkeit für ein Gespräch zwischen Riley-Sarah und ihren Eltern mehr gegeben. Am Morgen war Riley-Sarah viel zu aufgeregt, um sich auf ein ernsthaftes Gespräch einzulassen.

So kam es, dass eine überaus nervöse Cameron Connor mit ihrer fast 7-jährigen Tochter an der Hand den Klassenraum betrat. Jeweils mindestens ein Elternteil stand an den Seiten des Raumes. Alle blickten auf Cameron und Riley-Sarah Nirgendwo schlug Cameron Ablehnung entgegen.

Cameron lächelte und nickte den Leuten zu. Trotzdem bemerkten die Leute, wie nervös sie war. Riley-Sarah suchte sich einen freien Platz. Die Kinder kannten sie, hatten aber keinen richtigen Draht zu ihr. Sie saß vor zwei älteren Jungen, die sich leise unterhielten. „Das ist doch die, die immer behauptet ihre Mommy wäre ein Engel." Der zweite Junge kicherte leise. „Eine von den Maschinen ist sie", fügte der Junge noch hinzu.

Riley-Sarah hatte die Unterhaltung genau gehört. Jetzt drehte sie sich herum und starrte die beiden Jungen wütend an, was diese sofort verstummen lies.

Cameron beobachtete ihre Tochter genau. Sie hatte mitbekommen über was die beiden Kinder gesprochen hatten.

„Guten Tag liebe Kinder und auch die Eltern begrüße ich. Mein Name ist Miss Windham. Ich bin die Lehrerin für die sechs bis acht-jährigen Schüler", sagte eine etwa 50 jährige Frau, die vor einer Schultafel Stand. Die nächsten zehn Minuten erklärte die Lehrerin ihren Schülern, was ihnen in etwa bevorstand.

Schließlich kam sie auf das erste Unterrichtsthema zu sprechen. Skynet.

Mit jedem Wort dass die Lehrerin zu dem Thema sagte wurde Cameron immer nervöser. Sie beobachtete genau Riley-Sarahs Reaktionen. Sie war erstaunt und gefesselt davon, wie ungerührt ihre Tochter die Lehrerin von Maschinen und nicht Monstern sprechen hörte, so dass sie fast nicht bemerkt hätte, dass sie Lehrerin sie direkt ansprach. „Colonel Connor, sie als quasi Expertin, könnten sie den Kindern ein paar Details zu Skynet und den Maschinen geben?"

Cameron starrte die Lehrerin an. Dann sah sie auf Riley-Sarah, die ihr mit regungsloser Mine zunickte. „Natürlich, warum nicht", sagte Cameron und ging nach Vorne.

Cameron sah einen Augenblick zu Boden, um sich einen Anfang zurecht zu legen. Als sie aufblickte sah sie in die Gesichter der Kinder. „Nun, wie einige von Euch sicherlich wissen bin ich kein Mensch. Allerdings bin ich auch nicht nur eine Maschine, wie ihr an meiner Tochter sehen könnt.

Riley-Sarahs Mine hatte sich verfinstert. Cameron wusste allerdings nicht, dass Riley-Sarah lediglich auf die bissigen Kommentare der beiden Achtjährigen hinter ihr reagierte sondern bezog das auf ihre Ausführungen. „Ursprünglich hatte Skynet mich erschaffen, um John Connor zu töten. Durch meine Empfindungen war es mir aber möglich, meine Programmierung zu überwinden und mich John Connor anzuschließen, der mich dann kurze Zeit später aus der Zukunft in die Vergangenheit geschickt hat, um sein jüngeres Selbst zu beschützen."

Riley-Sarah hatte ihrer Mommy aufmerksam zugehört. Allerdings hörte sie auch ständig die Bemerkungen der Jungs hinter sich. Als ihre Mommy das Thema Zeitreise zur Sprache brachte, hörte sie nur Worte wie „Unsinn" und „totaler Quatsch" von hinten. Langsam ballte sie die Fäuste unter dem Tisch und biss die Zähne zusammen.

Camerons Stimmung sank immer mehr als sie das versteinerte Gesicht ihrer Tochter beobachtete.

„Sehen sie unten drunter auch so aus, wie die Maschine auf dem Bild?" Rief ein Mädchen dazwischen, rutschte aber sofort in ihrem Stuhl zusammen als Camerons Blick auf sie fiel.

Cameron sah sich das Bild an der Wand einen Augenblick an. Dann blickte sie wieder auf das Mädchen und lächelte vorsichtig. „Im Grunde genommen ja. Allerdings bin ich kleiner und Mein Endoskelett ist viel widerstandsfähiger als das des T600. Außerdem glänzt mein Endoskelett silbern und ist nicht dunkel und matt, wie das des T600."

Als Riley-Sarah das Wort „Hässlich" von Hinten hörte und in den Gesichtern ihrer Mitschüler teilweise Ablehnung erblickte sprang sie auf. „Und Deine Augen strahlen blau wie die eines Engels!" Rief sie in den Raum.

Cameron war erstarrt als als ihre Tochter aufsprang, sie erwartete förmlich eine verletzende Bemerkung. Um so glücklicher war sie, als ihre kleine Tochter sie verteidigte.

Riley-Sarah spürte förmlich die Blicke, die ihr zugeworfen wurden. Sie sah in den Gesichtern der Mädchen teilweise so etwas wie Bewunderung, während die Jungs eher skeptisch dreinschauten. „Wahrscheinlich haben sie sie irgendwo gefunden", sagte einer der Beiden Jungs hinter ihr. „Connor benutzt sie nur als Alibi es mit einer von den Maschinen treiben zu dürfen", ergänzte der Andere. Riley Sarah stand einen Moment wie erstarrt. Dann fuhr sie herum. Sie ergriff den einen Jungen mit einer Hand an seiner Jacke, riss ihn aus dem Stuhl und schleuderte ihn zur Wand an der Seite. Dann ergriff sie den zweiten Jungen, der gut einen Kopf größer und mindestens 10 Kilo schwerer war als sie mit beiden Händen an den Jackenaufschlägen, riss ihn ebenfalls aus dem Stuhl und zog ihn einfach über den Tisch.

Sekundenlang war es totenstill in dem Raum. Selbst die Eltern der beiden Brüder waren so erschrocken, dass sie sich nicht rührten. Riley-Sarah starrte auf das Gesicht nur wenige Zentimeter vor ihr, in dem sich nun Angst und Horror wiederspiegelten. Schließlich sah sie zur Seite auf den zweiten Jungen, der sich beim Aufprall auf die Wand die Nase blutig geschlagen hatte und sie jetzt ebenfalls verängstigt anstarte.

Dann plötzlich setzte Riley-Sarah den verängstigten Jungen vor sich ab und drehte den Kopf zu ihrer Mommy. „Dass Du nicht wirklich ein Engel bist weiß ich schon längst, ich bin ja nicht dumm und wenn das da", sie deutete auf das Bild an der Wand, „keine Monster sind", nun starrte sie einen Augenblick auf ihre Hände und dann auf die beiden Jungs, „vielleicht bin ich dann das Monster."

Cameron brauchte zwei volle Sekunden, um zu verarbeiteten was ihre geliebte Tochter gerade gesagt hatte. „Riley-Sarah, ich........".

Riley-Sarahs Gesicht hatte sich verzerrt. Dann lief sie schnell aus dem Raum.


Alle starrten Cameron an. Die wollte Riley-Sarah hinterher, musste sich aber erst um die beiden Jungs kümmern. Als sie sich den Jungs näherte zuckten diese vor ihr zurück. Cameron lächelte trotzdem. „Es tut mir leid, normalerweise ist Riley-Sarah nicht so", sagte sie.

Die Mutter der Beiden trat vor und legte eine Hand auf Camerons Schulter. „Keine Sorge Cameron, das kam für mich nicht unerwartet und war auch nicht unverdient", sagte sie und klapste ihren Sohn auf den Hinterkopf." Wieder sah sie Cameron an."Du solltest hinter deiner Tochter her, die braucht Dich jetzt mehr.

Cameron lächelte die Frau dankbar an. „Danke Jenny, wir machen das wieder gut", sagte sie und stürmte aus dem Raum.

„Ich habe gehört was ihr über Cameron und John Connor gesagt habt. Darüber reden wir zu Hause noch." Hörte Cameron hinter sich Jenny Argutter wettern.

Riley-Sarah hatte gewusst, dass ihre Mommy eine Maschine ist. Sie hatte auf Mommys Schreibtisch die Lehrpläne entdeckt. Dieses Skynet und die Maschinen waren das erste Thema, dass im Unterricht durchgenommen werden sollte. Ihr war sofort klar, wenn die Monster gar keine Monster waren, dann konnte ihre Mommy auch kein Engel sein. Zuerst saß sie bei der Erkenntnis Minutenlang da und wusste nicht, ob sie weinen sollte weil man sie belogen hatte. Dann wurde ihr klar, dass sie es sonst nicht verstanden hätte. Sie hätte nicht verstanden, dass ihre Mommy etwas ganz besonderes war. Sie war zwar eine Maschine aber sie war ihre Mommy und ihre Mommy liebte sie und Daddy.

Heute aber hatte sie begriffen, das sie selbst aber auch anders war. Sie wusste nicht, was sie war aber sie hatte heute zwei Kinder verletzt. Das hätte nicht passieren dürfen. Wenn man etwas besonderes war, musste man ganz besonders aufpassen was man tat. Sie hatte etwas Besonderes getan damals als sie Allison, Kyle und ….......Dreck gerettet hatte und als sie Mommy und Daddy gerettet hatte. Da war es gut gewesen, dass sie anders war. Nun aber wollte sicherlich kein Kind mehr etwas mit ihr zu tun haben und das machte sie traurig. Einige von den Mädchen hätten vielleicht ihre Freundinnen sein können. Nun würde sie weiterhin nur mit Älteren wie zum Beispiel Savannah zusammen sein können. Allerdings wollte sie wenigstens ab und zu mal etwas machen, was auch andere Kinder in ihrem Alter taten.

Cameron hatte eine vage Vorstellung davon, wohin Riley-Sarah gelaufen war. Seit man sie zum ersten mal bei den Hunden gefunden hatte gab es eigentlich keinen anderen Platz, wo man sie suchen musste, wenn sie alleine sein wollte.

Als Cameron zu den Hundezwingern kam sah sie ihre Tochter in der Ecke sitzen und vor sich hin starren. Sie hielt ein Schäferhund-Welpen im Arm. Die Hunde in den Zwingern waren auf Cameron aufmerksam geworden und sahen in ihre Richtung. Einige von ihnen ließen ein grollendes Knurren hören während Andere die Zähne fletschten.

Riley-Sarah war das Verhalten der Hunde nicht entgangen. Sie wusste dass es für dieses Verhalten nur einen Grund geben Konnte. Es musste eins der Monster...... nein, korrigierte sie ihren Gedankengang, eine Maschine musste in der Nähe sein oder....... Sie blickte von den Hunden auf zum Eingang. „Mommy!" rief sie, setzte den Welpen ab und krabbelte aus dem warf sie sich in die Arme ihrer Mommy.

Zum ersten mal sah Cameron Tränen in den Augen ihrer Tochter, die sich dann wie eine Ertrinkende an sie klammerte. Die Hunde knurrten weiterhin und Riley-Sarah sah auf in die Augen ihrer Mutter, die in Resignation die Hunde anstarrte. Riley-Sarah lächelte und löste sich von ihrer Mutter. Sie ging zu dem Zwinger mit den Welpen zurück. Sie nahm eines der Welpen auf die Arme und näherte sich dann Cameron. „Riley-Sarah nicht, die Hunde können mich nicht leiden", sagte Cameron und wich bis zur Tür zurück. Genau in dem Moment als Cameron mit dem Rücken an die Tür stieß drückte ihr Riley-Sarah den Welpen in die Arme um den Cameron augenblicklich die Arme schloss. Cameron starrte mit aufgerissenen Augen auf das Fellknäuel, dass in diesem Moment von ihrem Arm aus ihre Brust hochkletterte um von dort aus ihre Wange abzulecken.

Cameron sah mit aufgerissenen Augen auf den Rücken des Tieres und spürte die Zunge an ihrer Wange. „Wie....?" Fragte sie Riley-Sarah.

Riley Sarah lächelte ihrer Mommy ins Gesicht. „Es ist noch ein Baby, es kennt den Unterschied noch nicht und jetzt wird es ihn auch nie kennen. Es ist jetzt Dein Hund Mommy, den müssen wir mitnehmen", sagte Riley-Sarah mit einem Grinsen.

Die Leute staunten nicht schlecht, als ihnen Cameron Connor mit einem Hund auf dem Arm entgegenkam.


Am nächsten Morgen war wieder Schule. Die anderen Kinder sahen Riley-Sarah nur scheu an und mieden ihre Nähe. Auch in der Pause blieb Riley-Sarah ganz alleine. Schließlich war der Unterricht zu Ende. Riley Sarah war als erste aus der Tür, während die Anderen noch fröhlich quatschend zusammen standen. Riley-Sarah war in Gedanken versunken schon um die nächste Gangbiegung als hinter ihr eine Explosion ertönte. Die Druckwelle schleuderte Riley-Sarah gegen die gegenüberliegende Wand. Fast augenblicklich war sie wieder auf den Beiden. Und starrte auf ein loderndes Feuer, dass den Durchgang zum Schulzimmer versperrte.

Sekunden später kamen die ersten Leute angerannt, starrten aber genau so hilflos auf das Feuer wie Riley-Sarah. Mit Feuerlöschern versuchten die Leute das Feuer zu löschen aber in einem der Räume waren brennbare Flüssigkeiten gelagert, so dass das Feuer immer weiter Nahrung erhielt. Die Löschanlage war auch ausgefallen, da die Wasserleitung zu diesem Bereich ausgerechnet an diesem Tag wegen Wartungsarbeiten trocken war. Außerdem waren mehrere Ventile zum überarbeiten entfernt worden.

„Bist du in Ordnung?" Fragte Cameron ihre Tochter, als sie am Ort des Geschehens eintraf.

Riley-Sarah nickte nur. „Sie sind noch da drin", sagte sie.

„Wer, deine Klassenkameraden?" Fragte Cameron.

Wieder nickte Riley-Sarah nur. Cameron blickte auf das Feuer. Selbst sie konnte nicht durch dieses Inferno, ohne dass sie ihre komplette Haut verlieren würde.

Cameron zog alle Leute zurück bis hinter die nächste Feuerschutztür.

Cameron hatte sich schließlich dazu entschlossen, den Bereich zu versiegeln, bevor der Rauch die Luft in der ganzen Bunkerstadt vergiftete.

Kurz bevor sich das Feuertor schloss, huschte Riley-Sarah durch die Lücke.

Cameron hatte die Bewegung aus den Augenwinkeln gesehen und sprang zu der Lücke. „RILEY-SARAH!" Schrie sie noch, dann krachte ihr Körper gegen das geschlossenen Tor.

Riley-Sarah hatte gehört, dass ihre Klassenkameraden aufgegeben werden sollten. Sie wurde zwar von den anderen Kindern nicht gemocht , dass hieß aber für sie noch lange nicht, dass sie sie auch aufgeben würde. Sie hatte sich ein tragbares Atemgerät geschnappt und war schnell durch das sich schließende Tor gehuscht.


Riley-Sarah bereute ihren Entschluss in dem Moment, als sich die Feuerschutztür entgültig schloss. Zwar war das Feuer gut 10 Meter von ihr weg aber die Hitze, die ihr nach Schließen der Tür entgegenschlug war mörderisch. Außerdem wurde der Sauerstoff sehr schnell knapp, da sich der Gang schnell mit Rauch füllte. Riley-Sarah atmete kurz aus der Sauerstoffflasche und ging zu der Stelle, zu der sie wollte. Zwei Meter von der Feuerschutztür entfernt war ein Lüftungsschacht. Riley-Sarah wusste, dass dieser am Boden entlang von Raum zu Raum lief. Aus dem Schacht kam ihr kühle Luft entgegen, die sie ein wenig frösteln lies. Sie ergriff das Gitter und zog heftig daran, bis sich dieses aus seinen Halteklammern löste. Das Gitter selbst warf sie achtlos hinter sich.

Cameron gab sofort Anweisung die feuersichere Panzertür zu öffnen nachdem diese sich hinter Riley-Sarah geschlossen hatte. Als die Tür soweit offen war dass Cameron den Kopf hindurchstecken konnte war von Riley-Sarah nichts mehr zu sehen. Nur das Gitter eines Lüftungsschachtes lag auf dem Boden. Cameron analysierte die Lage und zog die richtigen Schlüsse. 'Pass auf dich auf meine Kleine", dachte sie bevor sie die Anweisung gab die schwere Tür wieder zu schließen. Sie musste nun den eintreffenden Eltern erklären, dass ihre 6-Jährige Tochter die einzige war, die ihnen ihre Kinder zurückbringen konnte, die Einzige, die klein genug war durch den engen Lüftungsschacht zu kommen, die Einzige, die überhaupt eine Chance hatte.

Riley-Sarah kroch durch den engen Lüftungsschacht. Sie war schon öfters durch diese Schächte gekrochen auch in diesem Bereich. Sie wusste, in jedem Raum gab es eine Öffnung. So kroch sie weiter, in Richtung des Klassenzimmers.

Die Lehrerin hatte die Kinder in der Nähe des Lüftungsschachtes zusammengedrängt, wo die Luft noch am Besten war. Die Tür war so heiß, dass man sie nicht anfassen konnte. Die Kinder hatten alle große Angst. Die Tür war zwar fast Luftdicht aber eben nur fast. Deshalb wurde die Luft in dem Raum immer schlechter. Die Lehrerin zeigte Zuversicht, wenn sie diese selbst auch nicht fühlte.

Fast alle Kinder hörten schlagartig auf zu weinen, als das Gitter des Lüftungsschachtes mit Wucht aus dem Rahmen getreten wurde. Zum Vorschein kam ein Kleiner Fuß, der in einem Kampfstiefel steckte. Der Fuß wurde zurückgezogen und Sekunden später steckte eine grinsende Riley-Sarah den Kopf heraus. Sie war kaum aus dem Schacht heraus als eines der Mädchen fast in ihre Arme sprang und anfing haltlos zu weinen.

Riley-Sarah war erstaunt, dass sie plötzlich so viel Anklang fand. Nicht nur dass Susan ihr das Shirt vollweinte, nein selbst die Jungs scharten sich um sie. „Okay, hört mir mal zu!" Rief sie. „Der Lüftungsschacht führt bis zur Feuerschutztür. Weiter geht es nicht, da da das nächste Gebläse ist. Ihr müsst etwa 20 Meter durch den Schacht kriechen und dann muss einer den Schacht verlassen, dann seht ihr die Feuerschutztür. Ihr müsst nur dagegenklopfen und schreien, dann wird meine Mommy euch hören. Aber passt auf, es ist sehr warm da und den Qualm dürft ihr möglichst nicht einatmen." Sie drückte einem der beiden 8-Jährigen Brüder das Atemgerät in die Hand. „Wenn einer Sauerstoff braucht die Maske vor den Mund halten. Das Ventil nur kurz öffnen. Ein Atemzug muss reichen", erklärte Riley-Sarah. „Und nun los!" Sie schob den Jungen Quasi in den Schacht. Dann drängte sie die restlichen Kinder hinein. Schließlich waren nur noch sie und die Lehrerin anwesend.

Die Lehrerin sah sie traurig an. „Ich kann nicht mit Euch kommen, der Schacht ist nicht groß genug für mich."

„Aber..........", begann Riley-Sarah.

Die Lehrerin stand auf und zog Riley-Sarah auch hoch. „Du bist das Tapferste Kind, dass ich jemals kennen gelernt habe und ich habe schon Tausende Kinder unterrichtet. Die Kinder zu retten, die dich heute Morgen so schlecht behandelt haben ist das Großherzigste, was ich je erlebt habe", sagte sie und zog Riley-Sarah in eine Umarmung. Sie drückte die Kleine fest an sich. „Und nun geh", sagte sie mit Tränen in den Augen. Ehe Riley-Sarah protestieren konnte schob sie die Lehrerin in Richtung des Lüftungsschachtes.

Riley-Sarah hatte schon den Mund geöffnet, um etwas zu sagen als eine weitere Explosion die Stahltür des Raumes aus den Angeln riss. Während die schwere Tür die Lehrerin in den Rücken traf, wurde Riley-Sarah von der nachfolgenden Stichflamme voll getroffen. Ihr kleiner Körper ging unmittelbar neben der Lehrerin zu Boden. Ihr Gesicht halb verbrannt, Die Kleidung lichterloh in Flammen.


Cameron wartete. Ihr Gehör lief auf Maximalleistung. Schließlich hörte sie ein Geräusch, dann ein Klopfen. „Türe öffnen!" Gab sie über Funk durch. Es dauerte ein paar Sekunden, dann begann die schwere Tür sich zu bewegen. Hinter der Tür ging gerade ein Junge hustend zu Boden. Schnell wurde er von den Helfern versorgt, während Cameron zu dem Luftschacht eilte, in dem die anderen Kinder warteten Sie half den Kindern heraus, die in die Arme der Helfer eilten. Als Letzte kam die kleine Susan herausgekrochen. „Wo ist Riley-Sarah?" Fragte sie das kleine Mädchen.

„Sie wollte mir folgen, hab sie aber nicht mehr gesehen. Hinter uns hat es ganz dolle geknallt", sagte das Mädchen und wurde dann von Cameron in die Arme der Helfer geschoben. Sie warf noch einen Blick in den Schacht und gab dann den Befehl das Tor wieder zu schließen. Zum Entsetzen der Eltern blieb Cameron hinter der Tür stehen. Sie hatte beschlossen ihre Tochter zu retten, selbst wenn es ihren Menschlichen Teil zerstören würde.

Julie Windham war Lehrerin aus Leidenschaft. Sie liebte Kinder. Insbesondere Problemfälle hatten es ihr angetan. Als sie erfuhr, dass Riley-Sarah Connor zu ihren Schülern gehören würde, hatte sie alles an Informationen über das Kind zusammengetragen, was sie irgendwie auftreiben konnte. Sie hatte erwartet, dass sie ein Problemkind wäre, schien aber das Gegenteil zu sein. Eine kleine Heldin wurde ihr versichert sei das Mädchen. War an der Befreiung von hunderten Gefangenen beteiligt. Außerdem schien sie außergewöhnliche Fähigkeiten zu besitzen. Und sie war nicht wie Julie mutmaßte adoptiert oder ähnliches sondern man versicherte ihr glaubhaft, dass Cameron Connor tatsächlich die Leibliche Mutter des Mädchens war. Julie Windham hatte sich auf die Begegnung mit dem Mädchen gefreut. Der gestrige Tag war unerwartet verlaufen und heute hatte sich leider keine Möglichkeit für ein Gespräch ergeben.

Nun lag sie hier und versuchte krampfhaft das Leben der Kleinen zu retten. Sie versuchte die Kleidung des Mädchens mit ihren Händen zu löschen., dass sie sich dabei selbst die Hände verbrannte spielte keine Rolle mehr. Die Tür, die sie getroffen hatte, hatte ihre Wirbelsäule zertrümmert, den Schmerz hatte sie noch spüren können, bevor ihr Unterleib jegliches Gefühl verlor. Schließlich brannte die Kleidung nicht mehr. Julie Windham war erstaunt, dass Riley-Sarah die ganze Zeit bei Bewusstsein geblieben war. Das Mädchen hatte gewimmert aber nicht ein mal geschrien. „Riley-Sarah, bist du in Ordnung?" Fragte sie das Mädchen.

Riley-Sarah sah ihre Lehrerin aus geröteten Augen an. Sie konnte nicht mehr richtig sehen. Einseitig war Alles verschwommen. Außerdem brannte fast ihr ganzer Körper und sie konnte fühlen, dass es wieder anfing zu Jucken. „Wir müssen gehen", sagte sie zu ihrer Lehrerin.

Julie Windham schüttelte den Kopf. „Mein Rückrad ist gebrochen und ich passe nicht durch den Schacht Kleines. Für mich ist hier Endstation. Aber", sagte sie und streichelte die unverletzte Wange des Mädchens. „Ich bin glücklich, Dich kennengelernt zu haben. Du bist wirklich ein außergewöhnliches Mädchen............. Und nun geh!" Sagte sie, bevor Riley-Sarah noch etwas erwidern konnte.

Statt einer Antwort küsste Riley-Sarah ihre Lehrerin auf die Wange. Sie hatte Tränen in den Augen als sie sich abwandte und nach einem letzten Blick zurück auf die sterbende Frau in dem Luftschacht verschwand.


Cameron stand keine drei Meter von der Flammenwand entfernt. Sie konnte fühlen, wie ihre Haut allmählich austrocknete, wie sich ihre Haare zusammenkräuselten. Ihr HUD brachte Warnmeldungen in flackerndem Rot.

Langsam hob sie das Funkgerät an die Lippen. „John?"

„Cam, was ist los?", fragte John von der Zentrale aus.

„Die Kinder sind in Sicherheit aber.......", Cameron zögerte. „Riley-Sarah ist noch drinnen."

„Verdammt und nun?" Fragte John ungeduldig.

„John, das Feuer ist fast 1000 Grad heiß", sagte Cameron

Am anderen Ende war es einen Augenblick lang still. „Cam, Nein!" rief John in Panik. „Ich weiß was du vorhast. Das ist Irrsinn, Du........."

„John, sie ist meine Tochter, ich muss das tun", unterbrach sie ihn.

„Bitte Cam, ich kann euch nicht Beide verlieren", sagte John und man konnte hören, dass er den Tränen nah war.

„Du wirst mich nicht verlieren. Nicht vollständig", sagte Cameron. „Ich muss jetzt gehen", sagte Cameron und schaltete das Funkgerät aus. Sie ging ein Stück in Richtung Feuerschutztür und legte das Funkgerät auf den Boden. Sie ging wieder bis an exakt dieselbe Stelle vor dem Feuer.

Gerade als sie den ersten Schritt machen wollte hörte seine Stimme hinter sich.

„MOMMY!" Schrie Riley Sarah , als sie ihre Mommy sah, die offenbar gerade in das Feuer gehen wollte. Sie sprang fast aus dem Lüftungsschacht und wollte ihre Mommy aufhalten, als ihr schwarz vor Augen wurde.

Cameron war herumgefahren und konnte ihre Tochter gerade noch auffangen, bevor diese auf dem Boden aufschlagen konnte. Einen Augenblick starrte Cameron auf ihre übel zugerichtete Tochter, bevor sie mit Riley-Sarah auf dem Arm aufsprang und schnell nach dem Funkgerät griff. „JOHN!" Schrie sie hinein, nachdem sie es eingeschaltet hatte. „Ich hab´ sie, ich hab´ sie! Mach die verdammte Tür auf!"

Eine Sekunde später begann die Tür sich zu bewegen. Cameron wartete kaum ab, bis sich die Tür weit genug geöffnet hatte bis sie hindurch sprang. „Cheri!" Rief sie der Ärztin zu.

Die mittlerweile 43 Jahre alte Ärztin, die sich gerade noch mit einigen Eltern unterhalten hatte hastete zu Cameron, die Riley-Sarah auf dem Arm hielt und diese gerade auf eine Bahre legte. Cheri sah entsetzt auf das halbverbrannte Bündel. Schnell überprüfte sie die Lebensfunktionen des Kindes und war erstaunt, dass sowohl Herzschlag wie auch Kreislauf stabil zu sein schienen. Schnell setzte sie dem Mädchen eine Sauerstoffmaske auf und sah dann Cameron an. „Soweit so gut, wir bringen sie erstmal zur Krankenstation", sagte sie und folgte den Helfern, die die Bahre weg rollten. Cameron stand wie erstarrt und sah der Bahre nach, während sich einige Eltern um sie schaarten.

Eine Stunde später kam Cheri Westin aus dem Behandlungsraum. Cameron, John und Sarah, sowie die meisten Eltern der Schulkinder sahen ihr erwartungsvoll entgegen.

Cheri Westin sah Cameron, John, Sarah und die anderen Anwesenden prüfend an, dann senkte sie den Kopf. „Bei ihren Verbrennungen müsste sie eigentlich tot sein. Sie ist......", Cheri musste kurz auflachen und schüttelte den Kopf. „....Sie ist während der Behandlung zu Bewusstsein gekommen und hat angefangen sich die Brandblasen aufzukratzen. Wir mussten ihre Hände festbinden. Sie hat gejammert, dass es so furchtbar jucken würde. Ich habe sie ersteinmal sediert. Sie schläft jetzt ein paar Stunden.

Cameron und John hielten sich in den Armen und konnten nichts sagen.

„Was noch?" Fragte Sarah Connor.

Cheri senkte wieder den Kopf. Ihre Augen haben auch viel Hitze abbekommen. Ihre Hornhäute sind durch die Hitze eingetrübt. Ein Auge ist geschrumpft. Ich bezweifle ...... Ich......", sie sah jetzt Cameron an. „Wenn sie nicht Deine Tochter wäre......." Cheri Westin atmete tief durch. „Ich habe einfach keine Ahnung", sagte sie resignierend. „Der Schock ist das gefährlichste. Nach allen Regeln der ärztlichen Kunst dürfte sie die Nacht nicht überstehen."


6 Wochen waren seit dem fürchterlichen Feuer vergangen, dass glücklicherweise nur drei Menschenleben gekostet hatte. Eines davon war das der Lehrerin.

Die Schule war erst einmal verschoben worden, bis die Kinder ihr Trauma überwunden hatten.

Cameron und John beobachteten Riley Sarah, die mit ihren zwei Augenklappen und ausgestreckten Armen durch den Wohnraum lief. Cameron schüttelte nur immer wieder den Kopf. Heute war der 13. September, der Geburtstag ihrer Tochter, die durch den Wohnraum stolperte und versuchte sie oder John zu fangen.

Riley-Sarah hatte lange im Krankenrevier gelegen, bis feststand, dass sie keinen bleibenden Schaden zurückbehalten würde. Ihre Verbrennungen waren spurlos abgeheilt und auch ihre Augen regenerierten sich, was allerdings etwas länger gedauert hatte, was sie dazu verdammt hatte längere Zeit Augenklappen zu tragen. Nun waren ihre Augen wieder in Ordnung aber sie spielte mit den Klappen gerne blinde Kuh.

Fast hatte sie John gefangen als es an der Tür klopfte.

Riley-Sarah war traurig. Außer Susan hatte sie keines der Kinder öfters besucht und auch Susan war heute an ihrem Geburtstag nicht gekommen. Sie war traurig, spielte deshalb mit Mommy und Daddy um sich abzulenken. Als es an der Tür klopfte unterbrach sie das Spiel, um die Tür zu öffnen. Als sie die Tür aufzog erstarrte sie. Die gesamte Klasse stand vor ihr. Alle lächelten und Susan vorne weg fiel ihr direkt um den Hals. Riley-Sarah schlang die Arme um das Mädchen.

Eine Stunde später als sie Durst hatte ging Riley-Sarah zum Kühlschrank. Sie schüttete sich ein Glas Wasser ein und drehte sich trinkend um. Was sie sah, lies sie lächeln. Ihr Daddy wurde gerade von drei ihrer Klassenkameraden ausgekitzelt. Ihre Mommy.....nein, in Gedanken korrigierte sie sich.....ihre Mom stand mitten im Wohnraum, die Arme waagerecht ausgebreitet und an jedem Arm hingen drei Kinder, die versuchten die Arme nach unten zu ziehen während einige Andere versuchten ihre Mom auszukitzeln. Riley-Sarah blickte auf ihre Freundin Susan mit der Schokobraunen Haut, dann auf die kleine Kim mit den mandelförmigen Augen und weiter auf jedes der Kinder, deren Vorfahren aus allen Teilen der Welt stammten, eingeschlossen die beiden Jungs, die sie am ersten Schultag so geärgert hatten und mit einem Blick auf ihre Mom wurde ihr Eines unwiderruflich klar:

Egal, wo jemand herkam und egal wer oder was man war, letztendlich zählte nur das, was man tat.