Kapitel 3

4. Oktober 1707, Mittelmeer Erde

H.M.S. Enterprise

Als er seine Augen öffnete, wusste er zunächst nicht, wo er war. Eine hölzerne Decke erfüllte sein gesamtes Blickfeld. Er atmete einen tiefen Zug durch die Nase ein. Die Luft roch salzig. Sein Gleichgewichtssinn teilte ihm mit, dass er sich bewegte, obwohl er still lag. Es war eine seltsame schwankende Bewegung, die ein gewisses Unwohlsein in seiner Magengegend aufsteigen ließ. Nun fingen auch seine Ohren ein Geräusch auf. Es war das Rauschen von Meereswellen, die sich am hölzernen Rumpf eines Schiffes brachen. Doch um welches Schiff handelte es sich? Die Kajüte, in der er sich befand, war hell und geräumig. Sie sah nicht aus wie die dunkle Zelle des Piratenschiffes, an die er sich erinnerte. Das alles ließ nur einen Schluss zu: Er befand sich an Bord der britischen Fregatte.

Vorsichtig hob er seinen Kopf um sich umsehen zu können. Ein leichtes Schwindelgefühl begleitete diese Bewegung. Als erstes fiel sein Blick auf einen großen Holztisch in der Mitte des Raumes, auf dem eine Karaffe stand, außerdem zahlreiche Papierrollen, welche vermutlich Karten enthielten. Daneben lagen ein Kompass und ein Sextant. Die Wand hinter dem Tisch war mit prächtigen Säbeln geschmückt. Auch befand sich dort ein Regal, welches zahlreiche Bücher enthielt. Das muss wohl die Kajüte des Captains gewesen sein, dachte er.

Links von seinem Bett befand sich ein kleinerer Holztisch. Darauf stand eine Schüssel mit Wasser. Ein feuchter Schwamm lag daneben. Er spürte, wie sein Körper nach Wasser verlangte, doch war er zu schwach um seine Hand nach dem Schwamm auszustrecken.

Um einem weiteren Schwindelanfall zuvor zu kommen, drehte er seinen Kopf diesmal ganz langsam zur rechten Seite. Dort stand ein weiteres Bett. Auf dem Bett konnte er deutlich die Konturen einer jungen Frau erkennen. Ihr Körper, der von einem eleganten, ledernen Wams umhüllt war, schien unversehrt zu sein. Ihre zarten Hände ruhten unter ihrem Kopf. Ihre langen schwarzen Haare bedeckten teilweise ihr Gesicht, doch konnte er erkennen, dass ihre Augen geschlossen waren. Ihre gleichmäßigen Atemzüge teilten ihm mit, dass sie schlief. Dennoch wollte er versuchen ihre Aufmerksamkeit zu erwecken.

"Hoshi", brachte er leise hervor. Er war überrascht, wie heiser seine eigene Stimme klang.

"Hoshi", versuchte er es noch einmal etwas lauter.

Hoshi öffnete ihre Augen und er konnte erkennen, wie ein Lächeln auf ihrem Gesicht entstand. Dieses Lächeln ließ ein warmes Gefühl in ihm aufsteigen. Er freute sich Hoshi zu sehen, doch spürte er, dass es mehr als nur bloße Wiedersehensfreude war.

"Malcolm", flüsterte sie zart. "Endlich sind Sie aufgewacht."

Langsam erhob sich Hoshi. Als sie sich aufgerichtet hatte, strich sie sich die Haare aus dem Gesicht. Diese Bewegung war ihm seit Jahren vertraut, doch erst in diesem Moment fiel ihm auf, wie elegant es bei ihr wirkte. Ebenso elegant schwang sich die Asiatin von ihrem Bett. Mit sanften Schritten ging sie zu dem kleinen Tisch auf der anderen Seite seines Bettes. Sie tauchte den Schwamm in die Schüssel und fuhr damit über sein Gesicht und befeuchtete seine trockenen Lippen. Normalerweise empfand er solche Berührungen als unangenehm. Doch diesmal war es anders. In diesem Moment war alles anders. Es fühlte sich gut an. Er genoss es, wie Hoshis zarte Hände über sein Gesicht strichen und er kostete jeden Tropfen Wasser, als wäre es das köstlichste, was er je getrunken hatte.

Er bemerkte ein leichtes Zittern in Hoshis Bewegungen. Er blickte in ihre großen, dunklen Augen. Fast war ihm, als könne er alle ihre Sorgen und Hoffnungen darin sehen.

"Sie hatten fast zwei Tage lang hohes Fieber. Wir haben uns schon Sorgen gemacht, dass … dass Sie es nicht schaffen würden."

Bei letzteren Worten meinte Malcolm eine kleine Träne in Hoshis Augen gesehen zu haben. Langsam schob sich eine Erinnerung in Malcolms Bewusstsein. Eine Erinnerung an einen wilden Korsaren. Dieser Pirat hatte sich an Hoshi vergriffen. Malcolm wollte sie beschützen. Doch er hatte keine Waffen. Dann tauchte das britische Schiff auf. Eine Möglichkeit um den Piraten zu entkommen. Malcolm erinnerte sich daran, dass er einen Säbel erbeuten konnte. Der gleiche wilde Korsar stellte sich ihm in den Weg. Malcolm erinnerte sich an ein heftiges Duell. Er wurde verletzt. Hoshi war in Gefahr. Er musste sie unbedingt beschützen. Malcolm erinnerte sich an ein Gerangel, einen Sturz und an Blut. Sein Blut. Und dann verschwamm die Erinnerung in Dunkelheit.

Malcolm blickte an sich herab. Sein Körper sah jetzt unversehrt aus. Kein Blut war zu sehen. Als wäre nichts gewesen. Nur das Schwindelgefühl war noch da.

"Es geht mir gut …, denke ich. Ich fühle mich nur noch etwas schlapp."

Eine sanfte Berührung holte Malcolm wieder zurück in die Gegenwart. Hoshis Hand hatte sich auf seine gelegt. Das warme Gefühl in ihm stieg noch ein wenig höher und ließ ihn auf einen Schlag jedwede Form von Übelkeit und Schwindel vergessen.

"Das kriegen wir auch schon wieder hin."

Mit der freien Hand wischte sich Hoshi über die nun doch eindeutig feuchten Augen. Ihr Mund formte aber wieder ein Lächeln. Es war das schönste Lächeln, dass er je gesehen hatte. Er fragte sich, warum ihm noch nie vorher aufgefallen war, wie schön Hoshi aussah, wenn sie lächelte.

Malcolm versuchte seine Hand zu bewegen. Er schloss nun seinerseits den Griff um Hoshis Hand. Sie wirkte so zart und zerbrechlich für eine so durchsetzungsstarke Frau wie Hoshi. Er fühlte einen für ihn ungewöhnlichen Kloß in seinem Hals aufsteigen, doch schluckte er ihn schnell herunter um eine eventuell alles verändernde Frage zu stellen.

"Hoshi, haben Sie die ganze Zeit an meinem Bett gewacht?"

Auch die Asiatin brachte nur schwer ein Wort heraus. So nickte sie nur und hauchte ein leises Ja. Doch das reichte ihm als Antwort.

Seine Hand schloss sich noch fester um die Hoshis. Die Asiatin ließ den Schwamm auf den Boden platschen. Ihr Gesicht näherte sich dem seinen. Ihre Augen schlossen sich ganz langsam. Seine taten es ihren gleich. Er spürte ihren warmen Atem auf seinem Gesicht und dann spürte er ihre Lippen auf den seinen.

"Chronitonen."

Etwas irritiert blickte Archer seinen Wissenschaftsoffizier an.

"Was sagten Sie?"

"Das Gerät von Mr Daniels sendet starke Wellen von Chronitonen aus."

T'Pol unterstrich ihre Behauptung damit, dass sie Archer die Anzeige ihres Tricorders vor die Nase hielt. Manchmal hatte die Vulkanierin eine sehr direkte Art ihre Analysen kundzutun. Einerseits schätzte er sie, wenn es darum ging in einer kritischen Situation schnell auf den Punkt zu kommen. Andererseits ging ihm diese Art ziemlich auf die Nerven, wenn es darum ging komplizierte physikalische Sachverhalte zu erklären, die jenseits seines Wissens lagen. In diesem Fall verstand er weder den Zusammenhang von T'Pols Bemerkung, noch die vulkanischen Schriftzeichen auf dem Bildschirm des kleinen Handscanners vor ihm.

"Ich kann Ihnen nicht ganz folgen", gab Archer offen zu.

Aus dem Augenwinkel sah er, wie T'Pol kurz die Stirn runzelte. Eine recht menschliche Regung, die sich die Vulkanierin durch ihren jahrelangen Umgang mit Menschen angewöhnt hatte. Etwas schmunzeln musste Archer schon dabei.

"Gestern habe ich meinen Tricorder auf kontinuierlichen Scan gestellt, damit wir rechtzeitig vor Gefahren gewarnt werden können", hob die Vulkanierin zu einer Erklärung an.

"Eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme."

"Was ich dabei aufgefangen habe, ist ein konstanter, modulierter Fluss von Chronitonen. Da sich die Quelle offensichtlich mit dem Schiff mitbewegt, kann sie sich der Logik nach nur an Bord befinden. Heute Morgen habe ich das Schiff abgesucht und die Quelle lokalisiert."

"Das EMMAD", vervollständigte Archer den Gedanken seines Wissenschaftsoffiziers.

"Das Energy-Matter-Master Device, oder kurz EMMAD, wie Mr Daniels es nennt, kontrolliert ganz offensichtlich nicht nur Energie und Materie, sondern auch den Fluss der Zeit."

"Soviel habe ich auch bereits mitbekommen."

Ohne viele Worte zu verlieren, justierte T'Pol ihren Tricorder auf eine andere Anzeige. Nachdem sie mehrere Kontrollen auf dem kleinen Gerät bedient hatte, hielt sie es Archer erneut vor die Nase. Diesmal waren darauf einige Zahlen zu erkennen, die der Captain der Enterprise als Angaben von Datum und Uhrzeit deutete.

"Ich habe außerdem den Lauf der Sonne und der Sterne verfolgt um unsere Position bestimmen zu können", fuhr die Vulkanierin fort. "Basierend auf der Annahme einer konstanten Geschwindigkeit und eines nahezu westlichen Kurses, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass der gestrige Tag für uns länger als vierundzwanzig Stunden dauerte."

"Sind Sie sich da sicher?", fragte Archer mit einem ungläubigen Blick zu seinem Wissenschaftsoffizier.

"Captain, die Fakten sind eindeutig. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen meine Berechnungen darlegen."

"Das wird nicht nötig sein."

Archer versuchte den Eifer T'Pols zu bremsen. Er wusste, dass er sich voll und ganz auf die Berechnungen seines Wissenschaftsoffiziers verlassen konnte. Jedoch bewirkten diese bei ihm eine gewisse Verunsicherung. Ein Tag, der länger als vierundzwanzig Stunden dauerte. Nachdenklich blickte Archer auf das sich vor dem Bug der Enterprise erstreckende Meer.

"Von wieviel länger als vierundzwanzig Stunden sprechen wir hier?"

"Nach meinen Berechnungen addieren sich die temporalen Verzerrungen zu einer Differenz von etwa sechs Stunden."

"Heißt das, wir hatten gestern einen Tag von dreißig Stunden?"

Etwas ungläubig blickte er die Vulkanierin an. Er dachte an den gestrigen Tag zurück und versuchte sich daran zu erinnern, was er alles in den sechs zusätzlichen Stunden gemacht hatte.

Zuerst hatten sie versucht die stark beschädigte H.M.S. Enterprise wieder flott zu bekommen. Malcolms Wissen um antike Segelschiffe fehlte ihnen dabei sehr. Der Brite wurde von Daniels mit seinen Geräten aus dem 31. Jahrhundert behandelt, ebenso Hoshi. Immer wieder hatte Archer nach den beiden gesehen. Nachdem seine beiden Offiziere außer Gefahr waren, trafen sich er, T'Pol und Daniels in der Kajüte des Captains.

Nachdem sie vergeblich versucht hatten mit ihrer Enterprise Kontakt aufzunehmen, hatten sie eine lange und teilweise hitzige Statusbesprechung. Daniels erzählte Ihnen von seinen Entdeckungen die H.M.S. Enterprise betreffend und seiner Zeit an Bord des Segelschiffes. Sonderlich schlüssig fand Archer die Geschichte des temporalen Agenten nicht. Letztendlich hatten sie es also dessen unstillbarer Neugier zu verdanken, dass Sie in ihrem derzeitigen Schlamassel steckten. Doch über die Fehler der Vergangenheit nachzugrübeln half ihnen im Moment überhaupt nicht. Es galt nun den Blick auf die Zukunft zu richten und, vor allem, zu klären wie sie in ihre Zukunft zurückkehren konnten.

Daniels' Mittel waren nur begrenzt und bei Weitem nicht in der Lage ein Raumschiff inklusive Besatzung durch die Zeit zu transportieren. Der temporale Agent erwähnte aber eine Gruppe zeitreisender Historiker aus seinem eigenen Jahrhundert, welche sich in diesem Jahrhundert befanden und die ihnen eventuell helfen konnten. Das einzige was sie tun mussten war, sie zu finden. Nach Daniels' letzten Informationen befanden sie sich auf den britischen Inseln. Der Weg dorthin war weit und würde sie noch weiter von ihrer gestrandeten Enterprise wegbringen.

Archer dachte an die Enterprise, an Trip und daran, was sie in diesem Moment wohl gerade taten. Warum meldeten sie sich nicht? Archers Gedanken kehrten wieder in die Gegenwart zurück und zu dem, was ihm sein Wissenschaftsoffizier als letztes gesagt hatte. Was hatte T'Pol gesagt? Ein modulierter Chronitonenfluss? Eine Differenz von sechs Stunden?

"Könnten die temporalen Verzerrungen, die uns gestern einen längeren Tag beschert haben, auch dafür verantwortlich sein, dass wir keinen Kontakt mit der Enterprise aufnehmen konnten?"

"Das ist sehr wahrscheinlich, Captain. Die Funkwellen unserer Kommunikatoren würden so stark verzerrt, dass man auf der Enterprise nicht viel mehr als zufälliges Rauschen auf verschiedenen Frequenzen empfangen dürfte."

Archer runzelte die Stirn.

"Meinen Sie, Daniels versucht mit Absicht zu verhindern, dass wir Kontakt zur Enterprise aufnehmen?"

"Ich denke nicht, dass sich Mr Daniels bewusst ist, welche Effekte sein Gerät verursacht", erwiderte die Vulkanierin. "Sein Verhalten bezogen auf das EMMAD ist höchst irrational. Er selbst hat zugegeben, dass das Gerät ein ungetesteter Prototyp ist und dass sein Einsatz sehr gefährlich sein kann, insbesondere nachdem es im Kampf mit den Piraten beschädigt worden ist. Dennoch hütet er es, als ob sein eigenes Leben davon abhängen würde."

"Nicht nur mein Leben hängt davon ab."

Erschrocken drehten sich Archer und T'Pol um. Sie hatten den temporalen Agenten gar nicht kommen hören.

"Ich habe die Verletzungen ihrer Crewmitglieder damit behandelt", sagte Daniels. "Wenn man es richtig einzusetzen weiß, kann das EMMAD Leben retten."

Archer und T'Pol blickten einander an. Sie wussten, dass sie in diesem Moment dasselbe dachten.

"Dieses Gerät ist Schuld an dem ganzen Schlamassel, in dem wir uns derzeit befinden", erwiderte der Captain der Enterprise mit klaren Worten. "Es ist dafür verantwortlich, dass die Enterprise in diesem Jahrhundert gestrandet ist. Es ist verantwortlich für die Zerstörung des Korsarenschiffes. Es ist dafür verantwortlich, dass unsere Zeitwahrnehmung massiv gestört wird und wir keinen Kontakt mit der Enterprise aufnehmen können. So wie ich das sehe, Mr Daniels, richtet dieses Ding mehr Schaden an, als es Nutzen bringt. Es ist eine tickende Zeitbombe, die nur darauf wartet uns alle ins Verderben zu stürzen."

"... oder gar das Gefüge des Raum-Zeit-Kontinuums zu zerstören", ergänzte T'Pol.

Der temporale Agent dachte kurz über die Worte nach.

"Was schlagen Sie vor, Captain?"

"Deaktivieren Sie das Gerät! Nehmen Sie es auseinander! Was weiß ich. Hauptsache es richtet nicht noch mehr Schaden an."

"Das kann ich nicht tun."

Die Ruhe, mit der Daniels diese Worte erwiderte, versetzen Archer nur noch mehr in Wut. Er widerstand dem Drang Daniels gegenüber gewalttätig zu werden. Stattdessen fuhr seine Faust auf die Reling der Enterprise herab. Der Schmerz half ihm sich etwas abzureagieren.

"Wieviel muss denn noch passieren, bevor Sie endlich zur Einsicht kommen?"

"Ich kann Ihre Wut verstehen, Captain", fuhr Daniels in dem gleichen ruhigen Ton fort. "An Ihrer Stelle würde ich wahrscheinlich genauso reagieren. Aber Sie müssen auch versuchen meinen Standpunkt zu verstehen. Dieses Gerät war für mich die einzige Hoffnung darauf von den primitiven Projektilwaffen dieses Jahrhunderts unversehrt zu bleiben. Und ohne das EMMAD wäre ich wahrscheinlich nicht in der Lage gewesen Ihren verletzten Crewmitgliedern zu helfen."

"Rechtfertigt das bereits eine Manipulation der Zeitlinie?", mischte sich nun T'Pol in die Diskussion ein. "Wenn ich mich recht an unsere letzten Begegnungen erinnere, war es stets Ihr primäres Ziel die Integrität der Zeitlinie zu bewahren."

"Lassen Sie es mich so formulieren", erwiderte der temporale Agent. "Ich habe persönliche Gründe."

"Die würden mich aber schon sehr interessieren", warf Archer ein.

Die hitzige Diskussion an Deck entging natürlich nicht den Insassen der Kajüte direkt darunter. Vorsichtig, um sich nicht zu sehr zu belasten, kam Malcolm aus der Tür der Kajüte heraus. Dabei stützte er sich leicht auf Hoshi. Der Anblick des einst so stolzen und nun stark beschädigten Schiffes entlockte dem Briten einen tiefen Seufzer. Doch schnell konzentrierte er sich wieder auf die aktuelle Situation. Seine Ohren versuchten der Debatte auf dem Oberdeck zu folgen. Doch die Aufmerksamkeit seiner Augen wurde von etwas anderem auf sich gezogen, was sich noch etwas undeutlich am Horizont abzeichnete. Malcolm richtete sich zu seiner vollen Größe auf um dieses Etwas besser sehen zu können.

"Siehst du auch was ich sehe?", fragte er Hoshi an seiner Seite.

Die Asiatin folgte seinem Blick zum Horizont.

"Sieht aus wie eine Meerenge", gab sie ihre Beobachtung weiter.

"Das ist nicht alles."

"Was siehst du?", fragte nun Hoshi mit besorgtem Blick an den Briten gewandt.

"Ärger."

Schnell wandte sich Malcolm an die noch immer diskutierenden Kameraden auf dem Oberdeck.

"Captain, wir haben ein neues Problem."

Sich der Präsenz seines Waffenoffiziers nicht bewusst, wandte sich Captan Archer erschrocken um. Er spürte, wie Malcolms Warnung das Adrenalin in seinen Blutkreislauf strömen ließ. Dadurch und durch die ohnehin schon aufputschede Debatte mit Daniels wäre er sofort zum Kampf bereit gewesen. Doch was er jetzt sah, ließ seinen Mut wieder sinken. Aus den Augenwinkeln nahm er wahr, wie T'Pol und Daniels neben ihn traten.

"Die Straße von Gibraltar", sagte Archer leise. Etwas lauter wandte er sich an Malcolm: "Was sind das für Segel dort vor uns?"

"Franzosen, Sir", antwortete der Brite. "Sie haben eine Seeblockade errichtet."

"Das hat uns gerade noch gefehlt", brummte Archer. "Was denken Sie werden die Franzosen tun, wenn wir versuchen mit einer britischen Fregatte durch die Blockade zu fahren?"

"Sie werden uns angreifen, das Feuer auf uns eröffnen und schließlich das Schiff versenken."

"Gibt es keine Chance eine friedliche Passage auszuhandeln? Ich habe keine Lust noch eine Enterprise zu verlieren."

"So wie ich die Franzosen einschätze, Sir, werden sie erst feuern und dann Fragen stellen."

Archer blickte der Reihe nach in die Gesichter seiner Offiziere, welche ebenso ratlos aussahen, wie er sich gerade fühlte. Sollte ihre Reise hier ein jähes Ende finden?