Shizune starrte gebannt auf den Brief in ihren Händen und hob langsam eine Augenbraue. Schon wieder Post aus Suna? Was konnten die dort so dringendes mit Tsunade zu besprechen haben? Oder besser gesagt wer? Denn diesmal sah der Brief sehr wichtig und förmlich aus. Nachdenklich drehte sie den Brief in ihren Händen hin und her, während sie durch die Gänge zu Tsunades Büro ging. Kurz verweilte sie vor der Holztür um sich auf das kommende vorzubereiten, denn seit sie den letzten Brief aus Suna gebracht hatte, war ihre Herrin mehr als nur leicht reizbar. Shizune bezweifelte, das überhaupt nur ein Möbelstück gab, das noch nicht durch die Luft geflogen war, nachdem Tsunade den ersten Brief gelesen hatte. Ein letztes Mal atmete sie noch durch, bevor sie sanft klopfte. Nach einiger Zeit antwortete ihr ein wenig einladendes knurren und Shizune steckte ängstlich den Kopf in das Büro des Hokage der fünften Generation. „Tsunade?"
Sofort wurde sie mit einem genervten Blick festgenagelt und sie spürte wie sich ihr Hals zuzog. Vielleicht sollte sie später wiederkommen? Aber nein! Der Brief war diesmal vom Kazekage persönlich. Sie musste ihn ihr sofort bringen, egal ob sie nachher einen Kopf kürzer war oder nicht.
„Ein Brief vom Kazekage.", hauchte Shizune und wedelte mit dem Brief wie mit einer weißen Fahne in der Luft herum.
Tsunades Augen weiteten sich ein klein wenig, aber noch blieb sie ungerührt sitzen und streckte lediglich einen Arm aus um das Papier in Empfang zu nehmen. Kaum aber hatte sie es in Händen, riss sie es schon ungeduldig auf und ihr Blick flog regelrecht über die fein säuberlich geschrieben Zeilen. Zu Shizunes Überraschung huschte ein kurzes Lächeln über das Gesicht ihrer Herrin. Sofort, ohne auch nur weiter nachzudenken griff die Hokage nach einem leeren Stück Papier und begann eifrig darauf herumzukritzeln. Sie war so vergessen in ihr tun, dass sie nicht bemerkte, wie sich Shizune hinter sie stahl und ihr über die Schulter lugte um den Brief lesen zu können. Erschrocken keuchte die schwarzhaarige Frau auf, als sie den Inhalt des Briefes begriff und schlug sich entsetzt auf die Brust. „Aber…", stammelte sie, ohne den Satz zu ende bringen zu können. Nun sah Tsunade langsam von ihrem Dokument auf und lenkte ganz langsam (und vergleichbar mit einer Natter die gleich zubeißt) den Blick auf die Frau, die noch immer direkt hinter ihr stand. Ihre Lippen kräuselten sich missfällig, als müsste sie sich mit Gewalt daran hindern, die andere anzuschreien und starrte sie schließlich wortlos an. Shizune überkam ein kalter Schauer nach dem anderen, aber sie konnte nicht aufhören immer wieder „aber" zu stammeln. Wie war Sakura nach Suna gelangt und warum hatte sie dort einen Mann umgebracht? Sie sah wie eine Augenbraue des Hokages nach oben wanderte. Millimeter für Millimeter und beinahe konnte sie die Bombe bereits ticken hören, die direkt vor ihr saß und sie anstarrte. Verkrampft schluckte sie und wich so unauffällig wie sie konnte zurück.
„Sakura ist auf meine Bitte hin nach Suna gegangen und sollte dort die Beziehungen zwischen Konoha und Suna stärken, verstanden?"
Das war keine Frage, sondern ein Befehl. Sofort nickte Shizune und versuchte ein kleines Lächeln. „Natürlich. Wie hatte ich das vergessen können?"
Immer noch böse wandte sich Tsunade wieder ihrem Brief zu und ignorierte die atemlos erstarrte Frau in ihrem Büro. Erst als sie fertig war, reichte sie den Umschlag Shizune.
„Schicke ihn so schnell wie möglich nach Suna. Er ist ausschließlich für den Kazekagen bestimmt und von äußerster Wichtigkeit. Sakuras Leben hängt daran, also beeil dich."
Die Angesprochene nickte eifrig und floh regelrecht aus dem Zimmer.
Jetzt liegt es nur noch an dir Gaara, dachte Tsunade bei sich, als sie Kankuros Brief, der erst am Vorabend eingetroffen war, noch einmal herausholte und mit der Zunge zwischen den Lippen eingeklemmt, las.