Der abgetrennte Zopf
Kapitel 3
„Lügen ist leichter!"
Altair war heute ungewöhnlich lange fort.
Es war bereits zu dunkel um seine Wäsche heute noch zu waschen.
Und seit geraumer Zeit war es nach Einbruch der Nacht recht kühl. Das Wasser im Fluss war so kalt, dass meine Finger schnell klamm und taub wurden. Ich musste oft beim waschen Pausen einlegen.
Mir knurrte der Magen. Wo blieb er bloß?
Seit Altair und ich nach Masyaf zurückgekommen waren, hatte sich unser Miteinander gebessert.
Ich erledigte meine Arbeiten sorgfältiger und schneller, Altair schlug und trat mich nicht mehr und sprach neuerdings sogar mehr als nur zwei Worte mit mir.
Als ich die schmale Holztür knarren hörte, hob ich den Kopf.
Altair trat ein und brachte einen Schwall kalter Nachtluft mit.
Und einen Leinensack, den er mir zu warf.
Ich vermutete gleich zu wissen, was darin war.
„Schmutzwäsche?" fragte ich, doch er schüttelte den Kopf.
„Sieh hinein," meinte er und setzte sich auf sein Lager.
„Kleidung? Für mich?" fragte ich und griff in den Sack.
„Es sind nicht die schönsten, aber sie sollten dich warmhalten können."
„Danke," meinte ich und zog eine braune Tunika hervor sowie Beinkleider in grauweißer Farbe. Beide waren aus festen, robusten Stoff.
Doch da war noch etwas.
„Oh, Stiefel!" murmelte ich
entzückt.
Ich hatte seit Wochen keine Schuhe getragen.
„Es ist Männerkleidung," stellte Altair fest.
„Ach," machte ich überglücklich. „Mir glaubt so oder so keiner, dass ich eine Frau bin!"
Ich streifte mir die Hose über und zog mir völlig unbedacht mein altes, langes Hemd über den Kopf, um die Tunika über ziehen zu können.
Altair hatte den Blick sofort beschämt abgewendet.
„Warum hast du das gemacht?", giftete er sofort los und ich wunderte mich, warum er nun wütend war.
„Was?", fragte ich unschuldig und probierte die Stiefel aus.
„Mh, bequem!"
„Entblößt du dich immer vor Männern?", Altair war noch immer wütend und musterte mich zornig.
„Oh." Nun war mir klar, was er meinte. Ich errötete heftig und entschuldigte mich.
„Hältst du mich etwa für eine Frau?", fragte er.
Altair gab keine Ruhe. Er war wirklich beleidigt.
„Ich sagte doch, es tut mir Leid. Aber nun sag an, wo ist unser Essen?"
Altair musterte mich eindringlich und schwieg. Doch ich begriff, was er damit sagen wollte.
Unser Essensgeld hatte gegen die Kleidung getauscht.
„Das hättest du nicht tun müssen," nuschelte ich betreten und setzte mich mit nun schlechten Gewissen auf mein Lager.
„Was ich tue oder nicht ist noch immer meine Sache!"
Altair legte ich wieder hin und drehte sich zu der anderen Seite um mich nicht ansehen zu müssen.
Ja, mein Zusammenleben mit ihm war alles andere... aber nicht einfach.
Er war... hochnäsig, schnell beleidigt und sehr, sehr, sehr stolz. Ja, so würde ich ihn beschreiben.
Er geriet schnell in Wut und dann war es klüger ihn nicht direkt anzusehen und ihm nicht zu widersprechen.
Aber jetzt nachdem er mir die Kleidung besorgt hatte, und dafür sogar auf das Essen verzichtete, zeigte sich, dass er unter der rauen Schale ein Herz hatte.
Aber eine ganze Woche ohne Proviant auskommen zu müssen war für uns beide hart. Und das nur, weil er mir Kleidung besorgt hatte.
Am nächsten Morgen war Altair bereits verschwunden als ich wach wurde. Sonst versäumte er es nie, mich zu wecken. Warum hatte er mich schlafen lassen?
Ich verrichtete meine Arbeit im Stall und als ich Altairs Pferd auf die Koppel brachte, fiel mir ein alter, graubärtiger Ziegenhirte auf, der wohl Probleme mit eine seiner Ziegen hatte.
Er trug naturfarbene Kleidung, bestehend aus langen Roben und mit Fell besetzte Stiefel.
Sein Gesicht sprach von Entbehrungen und Wetter, doch seine Fältchen um Mundwinkel und Augen sagten mir, dass er trotz allem wohl noch nicht seinen Humor verloren hatte.
Ich beschloss, zu ihm zu gehen.
„Hallo,
kann ich helfen?", fragte ich unbesonnen und der Alte sah zu mir
auf.
„Ah, Junge, du kommst mir gerade Recht. Hier, pack den Bock
an den Läufen! Er hat sich die Zehe verletzt!"
Ich half dem Hirten seinen Bock zu versorgen.
„Danke mein Junge! Hier, nimm. Du siehst hungrig aus!"
Er reichte mir einen kleinen, aber frischen Fladen.
„Oh! Vielen Dank!", rief ich überrascht aus und griff danach.
Er beobachtete zufrieden wie ich hinein biss und die Hälfte davon sofort aß. Die andere Hälfte sparte ich mir auf.
„Sag an, wie heißt du? Ich habe dich noch nie hier gesehen!"
„Oh, äh," ich stutzte kurz. Wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass ich Elessa hieß, würde er sich in seiner Ehre als Mann gekränkt fühlen, weil ihm eine Frau geholfen hatte.
Um den Ärger aus dem Weg zu gehen, log ich.
„Cem, mein Name ist Cem!"
Der Alte lächelte sanft.
„Wohl an Cem. Vielen Dank für deine Hilfe! Mein Name ist Rahir."
Ich hatte zwar gelogen, aber ich hatte dafür etwas Essbares !
Zufrieden kehrte ich nun zurück um im Hause ein wenig aufzuräumen. Ich wollte das Alte Stroh von Altairs Lager auswechseln. Von Zeit zu Zeit roch das komisch.
Doch Altair war ebenfalls zurück. Er runzelte die Stirn, als ich ihm das Stück Fladen übergab.
„Woher hast du den?", fragte er und ich erzählte ihm die Geschichte vom Hirten, erwähnte allerdings nicht, dass ich mich für einen Jüngling ausgegeben hatte.
„Iss nur! Ich habe schon ein Stück gegessen!"
Er gab mir den Fladen wortlos zurück.
Da war männliche Stolz. Lieber verhungern, statt sich helfen zu lassen.
„Ähm? Keinen Hunger?", fragte ich,
doch er stieß mich nur wütend bei Seite und stürzte aus dem
Haus.
Was sollte das?
Ich eilte nach draußen, doch er war
schon außer Sichtweite.
Wo er wohl hingegangen war?
Später entdeckte ich, dass sein Pferd ebenfalls weg war. Merkwürdig.
Als ich auf den Rückweg vom Stall war, traf ich in der Nähe der Backhäuser den Hirten erneut. Er winkte und rief mich zu sich.
„Hallo Cem, mein Junge. Komm doch herüber!"
Er stand mit mehreren Männern zusammen.
„He," sagte ein Bärtiger, der nach Geflügel roch. „Dich kenne ich!"
Oh weh... jetzt würde ich auffliegen! Ich zog schon schuldbewusst die Schultern nach oben, doch was nun kam, überraschte mich.
„Du bist doch der Kleine, der bei Altair wohnt, oder?"
Der Kleine? Natürlich!!!
Mit aufgehellter Miene nickte ich und lächelte erleichtert.
„Das ist ein guter Junge!" warf der Hirte ein. „Ist kräftig und sieht die Arbeit!"
„Nun, dass ist mir gerade recht. Wie wäre es, wenn du mir mal gleich mit dem Holz für die Öfen zur Hand gehen würdest? Es winkt auch ein kleiner Obolus für dich."
Den Dicken kannte ich.
Er kümmerte sich mit seiner Familie, bestehend aus sieben Töchtern, um die Teigwaren, die im Ort verteilt wurden.
Er stellte mich seiner Familie vor und
alle kannten daraufhin meinen Namen.
Cem!
„Wie kommt es, dass du bei Altair lebst, Cem?" fragte Memeth, so hieß der Bäcker.
„Oh, eh. Naja, meine Eltern wurden von... Templern getötet. Altair ist ein entfernter Cousin, er kümmert sich ein wenig um mich und dafür gehe ich ihm zuhause zur Hand."
Memeth nickte.
„Dann willst du sicherlich auch in den Orden aufgenommen werden?"
„Orden?" fragte ich und Memeth
musterte mich verwirrt.
„Natürlich. In der Festung werden
Assassinen ausgebildet. Altair ist einer von ihnen. Al Mualims bester
Mann, so munkelt man jedenfalls. Wusstest du das nicht?"
Nein, wusste ich nicht, aber das würde ich jetzt nicht zugeben.
„Ach so, das! Hehe, ich tauge eher zum Stall ausmisten und so. Zum Töten bin ich nicht geeignet. Gewissen zu stark!"
„Ja, dass kann ich verstehen!"
Bis zum frühen Abend wussten viele plötzlich, dass es mich gab. Nun, zumindest Cem.
Memeth stellte mich vielen seiner Freunde vor, und mit ihm war durch sein Handwerk praktisch das ganze Dorf befreundet.
Memeth gab mir später einen Beutel mit fünf großen Fladen.
Diese würden für mich und Altair locker 4 Tage genügen!
Altair war immer noch unterwegs.
Ich war am Fluss und nahm mich gerade seiner Wäsche an, als er zurück kam.
Er setzte sich zu mir und sah mir wortlos bei der Arbeit zu.
„Woher kommt das Essen?", fragte er
nach einer ganzen Weile und ich antwortete ohne meine Arbeit zu
unterbrechen: „Von Memeth, dem Bäcker. Ich habe ihn mit dem Holz
geholfen, darauf hin gab er es mir für uns mit. Ich soll dich
grüßen!"
„Für uns?", fragte Altair und ich sah zu ihm
herüber und nickte.
„Du hast doch sicherlich auch Hunger, nicht wahr?"
Altair starrte mich einen Moment aus seinen grauen Augen an, ehe er schließlich den stolzen Blick senkte und kaum wahrnehmbar nickte.
Wir kehrten gemeinsam vom Fluss zurück. Ich hing noch die Wäsche auf und folgte Altair ins Haus.
Er saß bereits auf seinem Lager und aß ein Stück vom ersten Fladen.
Ja ja, so siegte der Hunger über den männlichen Stolz.
Er schwieg lange und ich war fast eingeschlafen, als er dann doch noch mal das Wort an mich richtete.
„Hör zu! Ich muss für ein paar Tage verreisen. Ich breche morgen früh auf und werde wahrscheinlich die ganze Woche weg sein!"
Ich sah zu ihm herüber. Altair lag auf den Rücken und starrte an die Decke.
Unmerklich nickte ich.
„In Ordnung. Wohin geht die Reise?"
„Stell... bitte keine Fragen, wenn
ich verreisen muss, ja?", fragte er und ich seufzte.
„Ja,
entschuldige bitte!"
Ich drehte mich um und holte mir meinen verdienten Schlaf, da ich ohnehin keine Lust hatte mit Altair jetzt zu streiten.
Ich begleitete ihn am frühen Morgen in den Stall und sattelte das Pferd für ihn.
„Ich habe dir was zu Essen eingepackt, falls du unterwegs hungrig werden solltest."
Altair nickte lediglich und saß auf.
„Sei vorsichtig," murmelte ich noch. Die Erinnerung an die Templer war noch recht frisch.
Altair ließ seinen Blick einen Moment lang undefinierbar auf mir ruhen. Dann streckte er seine Hand aus und berührte federleicht mit seinem Zeigefinger meine Oberlippe. Anschließend trieb er das Tier aus dem Stall und galoppierte durch das Stadttor.
Ich berührte die Stelle an der sein Zeigefinger kurz geruht hatte. Dieser Mann wurde von Tag zu Tag immer merkwürdiger.
Es wurde recht einsam ohne Altair. Auch wenn der nur selten ein nettes Wort übrig hatte.
Ich wunderte mich über seinen Verbleib. Was er wohl dort tat, und ob er Geld dafür bekam?
Ich vertrieb mir in der Woche die Zeit, indem ich hier und dort den Dorfbewohnern zur Hand ging.
Manche entlohnten mich mit Essbaren und am Ende der Woche war „Cem" im ganzen Dorf bekannt und ich hatte das Gefühl, sogar beliebt zu sein. Man grüßte mich, winkte mir zu, wünschte mir einen schönen Tag... das gefiel mir. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte ich nicht das Gefühl eine Last zu sein, oder einfach gehasst zu werden.
Als ich eines Morgens wach wurde, entdeckte ich Altair schlafend auf seinem Lager.
Ein Bündel mit Kleidung lang neben meiner Schlafstätte.
Das war dann wohl ein stummer Befehl zum waschen.
Ich seufzte, schnappte das Bündel und ging zuerst zum Stall.
Mit dem Pferd stimmte etwas nicht. Es wirkte geschunden und müde. An seinen Flanken war das Fell abgerieben und seine Fesseln waren warm und geschwollen. Ich fütterte und tränkte es nur und ließ es im Stall.
Als ich Altairs Wäsche reinigte entdeckte ich an der Brust seiner weißen Robe einen langen Schnitt und verkrustetes Blut darum.
War er verletzt?
Ich kehrte bald zurück und sah mir den schlafenden Altair genauer an. Er war recht blass im Gesicht, seine Lippen waren rau und rissig und er schwitzte stark.
Langsam kniete ich mich zu ihm.
„Altair?"fragte ich leise und berührte ihn vorsichtig mit meiner Hand an seiner Schulter.
War es ein Schrei? Mit einem fremdartigen Geräusch wirbelte Altair herum und riss mich unter sich zu Boden. Ich war so erschrocken, dass ich nicht mal schreien konnte. Sein ganzes Gewicht ruhte auf mir und presste mir die Luft aus den Lungen.
Und dann war da diese versteckte und doch schon längste bekannte Klinge, die er mir schneidend gegen meinen Hals presste.
In seinen Augen war ein merkwürdiger Ausdruck zu sehen. Diesen kannte ich noch nicht.
Er erkannte, dass es sich um mich handelte und ließ mich aufstehen, ehe er wieder keuchend auf seine Stätte zurück sank.
Ich kniete erneut zu ihm und gab ihm ein Gefäß mit Wasser. „Hier, trink!" Ich hob seinen Oberkörper an und er trank den Becher in zwei Zügen aus.
Der Mann glühte förmlich und ich erkannte sofort dass er fieberte.
„Du bist verletzt," sagte ich und wollte an die Stelle greifen, wo ich den Schnitt entdeckt hatte, doch er hielt meine Hand fest und sein Blick sagte mir, dass dieses Vorhaben mehr als Tabu war und er mir die Hand abhacken würde, wenn ich weitergehen würde.
„Lass mich dir doch helfen," meinte ich nur, doch Altair ließ keine Berührung durch mich zu.
„Geh und schicke nach Malik," murmelte er nur und stieß mich weg.
Ich wusste nicht wer Malik war, darum fragte ich Memeth.
Der kannte ja schließlich das ganze Dorf.
„Malik? Den wirst du oben in der Festung finden!"
Festung?
In die Festung kam ich gar nicht erst rein.
Die Wachen hielten mich am Tor auf und es wurde nach Malik geschickt, allerdings erst als ich Altairs Namen nannte. Malik kam schnell herbei. Mir fiel auf, dass er ähnliche Kleidung wie Altair trug, weiße Robe, graue Tunika, doch auf die Kapuze verzichtete er, Altair hingegen setzte diese nur beim schlafen ab.
„Wer bist du?" fragte er und ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als er die Hand hob und lächelte.
„Ah, ich weiß. Du bist Altairs Cousin, dein Ruf ist dir bereits vorausgeeilt. Was kann ich für dich tun?"
Ich schilderte schnell Altairs Zustand und Malik ließ keine Zeit verstreichen und eilte los.
Altair ließ mich draußen warten. Er wollte nicht, dass ich dabei war, wenn Malik sich um meine Verletzungen kümmerte. Doch Malik holte mich bald rein.
„Er ist stur wie ein alter, fauler
Esel!", sagte dieser.
„Du bist sein Cousin, du kannst dich um
seine Wunden kümmern! Ich verstehe gar nicht, warum er sich dir
gegenüber benimmt, als seist du eine Frau!"
„Naja.. um ehrlich zu sein..." dachte ich und folgte dem Araber ins Haus.
Altair lag mit entblößten Oberkörper vor uns und Malik deutete auf eine große Stichwunde über den linken Brustmuskel.
„Die musst du zweimal am Tag säubern. Sie ist entzündet. Daher auch sein Fieber. Ich bringe dir die nötigen Kräuter für seine Medizin. Zerstampfe sie und gib sie ihm zu trinken. Die Entzündung sollte bald zurück gehen, die Prellungen und blauen Flecken sind unangenehm, aber nicht so schlimm. Er wird es überleben!"
Malik verabschiedete sich und ich blieb
mit Altair allein zurück.
Trotz seiner Erkrankung schaffte er es
mich so giftig anzuschauen, als wäre er eine Natter, die eine Maus
anspringen wollte.
„Hallo," stieß er zwischen zusammengebissenen Zähne hervor. „Cem!"
Oh-oh...
Ich wollte Malik hinter herlaufen und ihn bitten, Altair mit nachhause zu nehmen.
Aber ich saß nur da und ließ mich von Altair wütend anschreien.
„Ich kann das erklären," murmelte ich betreten und Altair lehnte sich müde zurück.
„Ich bin ganz Ohr," sagte er lediglich und ich begann „Cems" Geschichte komplett zu erzählen.
„Als Frau hätte ich nicht mal helfen dürfen, aber jetzt schau doch. Wir haben doch zu essen bekommen, man grüßt mich und redet mit mir. So haben wir es doch viel leichter!"
Altair schnaubte wütend.
„Für eine Lüge in diesem Ausmaß steht das herausreißen der Zunge, oder gar gleich der Tod! Ist dir klar was sie mit dir machen, wenn herauskommt, dass du kein Kerl bist?"
„Aber es muss doch keiner wissen! Außerdem habe ich meine Arbeit mindestens genauso gut gemacht wie jeder Mann!"
„DAS! Genau DAS sag bloß nicht zu
laut, Elessa!"
„Es ist unfair! Ich wollte dir doch bloß
helfen! Du hast ein ganzes Geld für mich ausgegeben damit ich nicht
frieren muss. Ich wollte nicht, das du für mich hungerst!"
„Du bist so ein Gott verdammter
Narr!", schrie Altair mich an.
„Wie willst du jemals wieder
als Frau auftreten? Du wirst hier niemals dein Pseudonym ablegen
können!"
„Na und?", fragte ich leise und trotzig.
„Ich habe keine Chance mehr zu heiraten, und außerdem lebt es sich als Mann viel einfacher. Das weißt du selbst!"
Altair schüttelte resigniert den Kopf.
„Du kannst dich unmöglich für immer als Mann ausgeben!"
„Wieso nicht?"
„Weil... du einfach einige Dinge hast, die kein Mann hat, und bestimmte Dinge nicht hast, die ein Mann haben müsste!"
Ich gab nicht auf.
„Na, das sieht doch so oder so keiner. Ihr rennt doch nicht nackt herum."
„Elessa, wir müssen das klären, bevor es außer Kontrolle gerät!"
„Unsinn!", meinte ich wütend.
„Du bist ja nur wütend weil es mir gelungen ist, etwas zu Essen nach hause zu schaffen!"
Altair drehte sich um und machte den Mund auf, um etwas zu erwidern, doch er sprach es nicht aus.
Altair war wütend, ich war wütend und keiner von uns beiden wurde in dem Moment klar, dass wir uns lediglich umeinander sorgten.
Altair war eigentlich viel zu sehr geschwächt, um sich mit mir noch streiten zu können.
Doch auch ich wurde nun wieder
ruhiger.
Altair hatte Recht.
Über kurz oder lang würde es herauskommen.
„Es tut mir Leid," murmelte ich schließlich.
„Du hast ja Recht! Was mach ich jetzt?"
Altair seufzte erneut. „Ich weiß es nicht. Das ganze Dorf kennt dich bereits als Cem. Du steckst eigentlich schon viel zu tief drin um noch mit heiler Haut davonkommen zu können. Hoffe erstmal, das keiner etwas herausfindet!"
„Ich mache dir eine Menge Ärger,
nicht wahr?", fragte ich leise und er nickte.
„Ja, das tust
du. Du bist wirklich merkwürdig!"
„Ich wollte wirklich nur helfen," murmelte ich geknickt und Altair schwieg einen Moment, ehe er sich stöhnend aufsetzte und tief durch atmete.
Ich beobachtete ihn schweigend dabei. Er hatte wirklich Schmerzen.
Sanft legte ich ihm meine Hand auf den nackten Oberarm. „Schlaf Altair. Du musst bald wieder gesund werden!"
Altair ergriff sanft meine Hand und lehnte seine fiebrige Wange dagegen.
„Was stimmt mit euch denn nicht?"
Wir fuhren erschrocken auseinander als Malik plötzlich in der Tür stand!
Ende Kapitel 3
