A/N: Halli hallochen! Reviews! Dankeschön! Ich fühl mich etwas geritterschlagt (Bin halt einfach glücklich zu machen).
Das Kapitel hat einiges an Metamorphosen durchgestanden und ich bin halbwegs zufrieden. Wäre schön zu erfahren, was ihr davon haltet.
Im vorletzten Abschnitt gibt es kursiv geschriebene wörtliche Rede. Es wird im Text erwähnt, dass es sich hierbei um Elbisch handelt und das werde ich auch in Zukunft so weiterführen. Ich finde es wahnsinnig beeindruckend, wenn Leute sich die Mühe machen und ganze Dialoge übersetzen, aber ich habe echt keine Ahnung von Sindarin-Grammatik. So ziemlich jeder meiner Namen hat auf die ein oder andere Weise eine Bedeutung oder Bezug zu einer anderen Person, aber weiter werde ich nicht gehen. Einzelne Worte ja, aber ich will keinem mein grottig übersetztes elbisches Gefasel antun ;)
Da das nun gesagt ist: Viel Spaß!
Kapitel 3
Im Morgengrauen
„Laurelin! Komm' runter und begleite mich zum Essen! Eilith sucht dich seit zwei Stunden. Sie wird keine Ruhe geben, bis sie dir erklärt hat, warum es unpassend wäre deinem Zukünftigen in Hosen unter die Augen zu treten."
Die klare Stimme riss Sie aus ihren Gedanken und Laurelin blickte nach unten. Im Schatten der Bäume stand ein junger Elb mit goldenem Haar und grinste zu ihr hinauf.
„Wenn er eine kleine Dame in seidenen Kleidchen will, hätte er sich eine Andere ausgesucht und das weiß er sicher auch", antwortete die Elbe, während sie von ihrem Aussichtspunkt herabstieg, „aber wenn es Eilith so wichtig ist, dann kann sie von mir aus so viel Stoff um mich herumwickeln wie sie möchte." Ohne dabei ein Geräusch zu produzieren landete sie auf dem trockenen Waldboden und die beiden machten sich auf den Rückweg.
Wehmütig blickte Laurelin sich um und fragte sich wie lange es wohl dauern würde bis sie ihren geliebten Wald wiedersehen würde. Es war spät im Sommer und die ersten Blätter würden bald beginnen sich einzufärben. Gerne wäre sie noch ein paar Wochen hier geblieben um den Wechsel der Jahreszeit mitzuerleben, aber es wäre unklug eine so lange Reise erst im Herbst zu beginnen und sich dann unterwegs über das unstete Wetter und die Kälte zu ärgern. Sie würde wohl mit dem Herbst in Imladris zufrieden sein müssen, auch wenn er kaum so prachtvoll sein konnte wie in Eryn Galen.
Legolas seufzte neben ihr und legte einen Arm um ihre Schulter. Die Geste war einfach und sagte mehr als Worte es vermocht hätten. Sie würde am nächsten Morgen abreisen um zu heiraten. Ihr Vater erzählte ihr gern, was sie durch diese Hochzeit alles dazugewinnen werde, aber Laurelin konnte nicht anders als ständig daran zu denken, was sie alles zurücklassen musste.
Sie lehnte sich enger an Legolas und zwang sich wieder zu Lächeln, als der Eingang zu den Grotten hinter den Bäumen sichtbar wurde.
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„Liebes, ich habe dich nie gezwungen mir mehr zu erzählen, als du wolltest und ich werde heute nicht damit anfangen, aber ich kann dich nicht beschützen, wenn ich nicht weiß vor was." Baan sprach ruhig und ließ sie für keinen Moment aus den Augen. Sie würde nun nicht mehr umhin kommen ihm zumindest einen Teil ihrer Geschichte zu erzählen. Lianna setzte sich auf und strich ihren Rock glatt. Ihr Begleiter saß schweigend neben ihr und sah zu wie sie angestrengt überlegte, wo sie anfangen und wie viel sie preisgeben sollte.
Die Begegnung auf dem Marktplatz ließ ihr keine Ruhe. Sie wusste natürlich, dass Legolas ein Freund des Königs war, deshalb wollte sie sich auch nicht zu lange in der Stadt aufhalten. Aber Minas Tirith war riesig und sie hatte einfach nicht mit ihm gerechnet.
Ihre Gefühle waren wirr. Einerseits wusste sie, wie viel Glück sie gehabt hatte, dass ihr Versteckspiel nicht aufgeflogen war, andererseits schrie ihr Herz danach zurück zu gehen und sich ihm wie früher in die Arme zu werfen, wenn sie sich so verloren gefühlt hatte wie heute Nacht.
Ginge sie jetzt zu ihm würde sie über kurz oder lang die Konsequenzen ihrer Feigheit tragen müssen und das machte ihr Angst.
Sie blickte wieder zu Baan auf und holte tief Luft. Es war Zeit ihm eine Geschichte zu erzählen, nicht weil er sie beschützen musste, sondern um das ohrenbetäubende Brüllen in ihrem Kopf zu übertönen.
„Ich habe dir erzählt, dass ich in Düsterwald aufwuchs und von dort fort ging um nicht weiterhin dem Willen meines Vaters unterworfen zu sein." Baan nickte und blieb still.
„Das war so nicht ganz richtig... Ich war verlobt mit einem Elb aus Bruchtal und mein Vater schickte mich zu ihm. Du musst wissen, dass zwei Elben den Bund nicht einfach unvorbereitet eingehen, wir leben einige Zeit miteinander und erst dann binden wir uns. Wenn es sich dabei um eine arrangierte Ehe handelt, wie in meinem Fall, ist es Brauch 20 Mondzyklen abzuwarten bevor der Bund vollzogen wird. Diese Zeit sollen die Partner nutzen um sich kennen zu lernen und zu prüfen, ob die Verbindung tatsächlich ihr Wunsch ist." Lianna machte eine kurze Pause und wartete auf eine Reaktion von Baan. Als diese ausbliebt fuhr sie fort: „Ich war meinem Verlobten nur einmal zuvor begegnet und anfangs alles andere als glücklich darüber, dass mein Vater mich vor vollendete Tatsachen stellte, aber es ging um das Wohl meiner Familie also fügte ich mich.
Ich lies alles was ich kannte zurück und reiste nach Bruchtal. Anfangs verlief alles wie geplant. Ich war nicht verliebt, aber wir verstanden uns gut und ich begann mich mit der Idee anzufreunden ihn zu heiraten." Ihr Blick begann abzuschweifen und wie in Trance spielte sie mit der silbernen Kette, die sie immer um den Hals trug.
„Ich weiß noch, dass es spät im Herbst war, als sich das änderte. Es waren nur noch wenige Monate bis zur Hochzeit und weil bisher alles gut verlaufen war, wurde bereits das Fest geplant. Je näher es rückte desto sicherer war ich, dass ich nicht bereit war diese Ehe einzugehen, allerdings wagte ich auch nicht die Verbindung zu lösen. Mein Vater und ich hatten immer ein kompliziertes Verhältnis und nach dem Tod meiner Mutter war es noch schlimmer. Ich brachte es nicht fertig ihn schon wieder zu enttäuschen, also tat ich das einzige, was mir zu diesem Zeitpunkt einfiel und ging fort. Ich fuhr über das Meer und änderte meinen Namen." Baan hatte bisher keine Regung gezeigt, aber nun schoss eine dunkle Augenbraue nach oben, er blieb jedoch weiterhin still und nickte schlicht.
Lianna fuhr zögerlich fort: „Das ganze ist über zwei Jahrhunderte her und ich habe seit dem kein Wort mehr darüber verloren. Aber heute Abend auf dem Fest habe ich jemanden gesehen,..." Lianna geriet ins Stocken. Bei dem Gedanken an tief blaue Augen, die sie warm anlächelten bildete sich ein unangenehmer Klos in ihrem Hals, der ihr das Sprechen fast unmöglich machte.
Es schien eine Ewigkeit zu vergehen bis Baan sich endlich regte und sich mit der rechten Hand nachdenklich über sein Kinn strich.
„Der Elb, vor dem du dich heute versteckt hast, ... Jetzt sieh mich nicht so entsetzt an, ich bin nicht blind! Ich habe gesehen, wen du so angestarrt hast!... das war nicht dein Verlobter, oder? Ich mag mich irren, aber er war in Begleitung eines Zwerges. Man erzählt sich der Elb aus der Ringgemeinschaft sei mit einem Zwerg befreundet und der war nicht aus Bruchtal, sondern aus einem der Waldreiche." Baan hatte seine Stirn in Falten gelegt und erwartete ihre Antwort.
Lianna schüttelte den Kopf und fragte sich, wie sie nur auf den Gedanken gekommen war ihm etwas vormachen zu können. Sie seufzte und beantwortete seine Frage, denn sie konnte ja offensichtlich sowieso keine Geheimnisse vor ihm haben: „Du hast Recht, das war nicht mein Verlobter. Sein Name ist Legolas und er ist der Sohn des Königs von Düsterwald. Er ist mein Bruder."
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In der Festhalle des Königs wurde noch ausgiebig gefeiert, als Legolas durch die Türen stürmte. Der Prinz steuerte mit eiserner Miene zielstrebig die Tafel der Hoheiten an und zog damit einiges an Aufmerksamkeit auf sich. Durch die erhabene Position auf einem Podest am Ende des Raumes, bemerkte König Aragorn den aufgewühlten Elb sofort bei dessen Eintreten und legte besorgt seine Stirn in Falten. Herr Elrond an seiner Seite verstummte als der Elb sich an einer erschrockenen, rundlichen Gräfin vorbei schob, welche diese Unverfrorenheit mit einem schrillen „Hu!" quittierte, die drei Stufen des Podests erklomm und vor den König trat.
„Aragorn, ich störe dich ungern, aber ich muss etwas mit dir besprechen. Jetzt!" Legolas betonte das letzte Wort ausdrücklich, wobei Aragorn bereits durch Legolas formlosen Auftritt klar geworden war, dass sein Freund ein dringendes Anliegen hatte. Der Elb war im privaten Umgang zwar meist recht ungezwungen, aber große Menschenansammlungen machten ihn nervös, was er gern unter Förmlichkeiten versteckte.
Aragorn nickte kurz und bedeutete Legolas ihm zu folgen. Gemeinsam verließen sie die Halle durch eine Nebentür, verfolgt vom kritischem Blick des Herrn von Bruchtal.
Durch einen langen, schmalen Gang, der für gewöhnlich von den Dienstboten genutzt wurde, erreichten sie bald das private Schreibzimmer des Königs und Aragorn schloss die Tür hinter ihnen. Der kleine Raum wurde durch einen prächtigen Kamin beheizt, vor dem zwei Sessel positioniert waren. Am anderen Ende, mit der Fensterfront im Rücken, stand ein Schreibtisch auf dem sich diverse Papiere und Bücher stapelten.
„Hier sollten wir ungestört sein. Nun sag mir Legolas, was dich so verstört hat. Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen!" Aragorn übertrieb nicht, Legolas Haare waren zerzaust, als wäre er einmal quer durch die Stadt gerannt und seine Augen blickten gehetzt durch den Raum, während er vor dem Schreibtisch in langen Schritten auf und ab trabte.
Der Elb blieb stehen, blickte ihn direkt an und sagte in herrischem Ton: „Es müssen sofort mehr Wachen an allen Ausgängen der Stadt postiert werden. Sie sollen jeden kontrollieren der hinaus will und wenn sie eine blonde Elbe entdecken, will ich dass sie ohne Umweg direkt zu mir gebracht wird!"
Aragorns starrte seinen Freund ungläubig an. Es kam nur noch selten vor, dass jemand versuchte dem König Befehle zu geben und der letzte von dem er das erwartet hätte war Legolas. Ihm selbst schien sein Fauxpas nicht aufzufallen, er begann einfach wieder auf und ab zu gehen. Der König wusste nicht, wen sein Freund suchte, aber die Dame schien ihn schwer aus der Fassung zu bringen. Er überlegte kurz ob Legolas jemals eine Frau besonders erwähnt hatte, aber ihm fiel beim besten Willen nichts ein.
Aragorn räusperte sich: „Nun gut, vielleicht erzählst du mir erst einmal wen du suchst. Ich kann nicht einfach ohne ersichtlichen Grund die Stadt verriegeln! Vor allem nicht heute Nacht, wenn wegen des Festes so viele Fremde in der Stadt sind. Im schlimmsten Fall wird es falsch verstanden und es kommt zu einer Panik." Als Legolas sich daraufhin wieder zu ihm umdrehte und sein Gesicht unwillig verzog fügte er hinzu: „Mein Freund, ich will dir ja helfen, aber im Moment verstehe ich nicht wobei?"
Der Prinz von Düsterwald blickte einen Moment lang trotzig auf seine Schuhe und Aragorn befürchtete schon, er würde gleich einfach aus dem Raum stürmen. Doch dann atmete er einmal tief durch und ging zum Kamin hinüber um lies sich in einen der Sessel fallen. Als Aragorn sich zu ihm gesetzt hatte, begann Legolas ihm zögerlich von seiner Schwester zu erzählen; von ihrer Verlobung mit Elladan, ihrer Reise nach Bruchtal und wie sie eines Tages plötzlich ohne Abschied verschwand. Legolas hatte Jahrzehnte mit der vergeblichen Suche nach ihr verbracht, auch noch lange nachdem sein Vater und auch Elladan jede Hoffnung aufgegeben hatten sie wiederzufinden. Eine Erklärung für ihr Verschwinden hatte sie nie gegeben, weder ihrer Familie noch dem Mann dessen Frau sie hätte werden sollen.
Und heute Abend auf dem Volksfest stand sie plötzlich vor ihm, in Begleitung eines Mannes aus dem Süden und in ein Tuch gehüllt um ihre elbische Abstammung vor neugierigen Augen zu verstecken. Doch Legolas hatte seine Augen nicht gebraucht um sie zu finden. Das eigenartige Gefühl, dass ihn seit zwei Tagen belästigte, hatte ihn geradewegs zu ihr geführt, eine höhere Macht hatte gewollt, dass die Geschwister sich wiedersehen, dessen war er sich sicher. Doch noch war sie nicht greifbar für ihn. Sie war erneut davongelaufen und wenn er sie nicht aufhielt, würde sie so schnell wie möglich wieder untertauchen. Dass konnte er nicht zulassen, nicht nach so vielen Jahren der Ungewissheit.
Aragorn wusste nicht was er dazu sagen sollte. Es war gewiss das Letzte mit dem er gerechnet hatte. Diese Geschichte war ihm völlig neu, nie hatte ihm gegenüber jemand erwähnt, das König Thranduil zwei Kinder hatte. Dass es Legolas schwer fiel darüber zu sprechen, konnte er verstehen, aber er war in Imladris aufgewachsen! Elladan und Elrohir waren wie Brüder für ihn, doch keiner der beiden hatte je davon gesprochen.
Irgendetwas an der Geschichte ergab keinen Sinn, aber Aragorn konnte noch nicht ganz erfassen was es war. Er würde sich später noch einmal damit beschäftigen müssen, doch jetzt ging es erst einmal darum den aufgewühlten Elb neben ihm zu beruhigen.
Was er zu Legolas gesagt hatte war sein Ernst, er sah keine Möglichkeit die Stadt zu verriegeln oder jeden Bürger zu kontrollieren, aber er konnte auch nicht einfach ablehnen. Er kannte seinen Freund, wenn es nötig wäre, würde er jedes Gasthaus der Stadt persönlich auf den Kopf stellen, solange bis er fand, was er suchte.
Ob er dann mit seinem Fundstück zufrieden sein würde, war eine ganz andere Frage. Laurelin versteckte sich sicher nicht grundlos und es war fraglich ob sie überhaupt gefunden werden wollte. Als ein Mann der für den Großteil seines Lebens seine wahre Identität geheim gehalten hatte, konnte Aragorn es kaum verantworten dem Mädchen diese Entscheidung abzunehmen.
„Legolas, ich kenne natürlich nicht alle Umstände, aber glaubst du wirklich, dass sie gefunden werden will? Vielleicht will sie unerkannt bleiben, weil sie gute Gründe dafür hat?", wagte er sich vorsichtig vor.
Legolas musste für seine Antwort nicht überlegen, streitlustig zischte er ihm zu: „Natürlich will sie nicht gefunden werden! Aber das ist mir gleich! Genauso wie es sie nicht interessiert hat, was ich von ihrem Verschwinden hielt. Was sie damals angestellt hat war egoistisch und falsch und sie wird mir dafür Antworten liefern!"
So hatte er seinen Freund noch nicht erlebt. Es war ungewöhnlich für seinen sonst gefassten Freund so dünnhäutig auf Fragen zu reagieren, also versuchte er erneut ihn zu besänftigen: „In Ordnung, ich werde tun was ich kann. Die Wachen an den Toren zur und in der Stadt werden informiert und ich schicke einige Leute, die sich in den Gasthäusern im äußeren Ring umhören sollen. Wenn die beiden unbemerkt bleiben wollten, sind sie sicherlich dort eingekehrt. Aber du hältst dich zurück und bleibst hier!" Legolas Kopf fuhr zu ihm herum. Der Prinz wollte ihm gerade sehr deutlich sagen, was er davon hielt, als Aragorn beschwichtigend die Hände anhob und fortfuhr: „Ich will dich nicht ärgern, aber die einzige Möglichkeit jemanden zu finden, der sich so große Mühe gibt nicht gefunden zu werden, ist ihn zu überraschen. Und wenn du wie wild durch die Straßen rennst wird sie sofort wissen, was hier passiert und verschwindet. Hab Vertrauen zu mir, mein Freund!"
Der Elb schien mit der Situation höchst unzufrieden zu sein, sagte aber nichts dazu. Da sich seine Aufregung langsam zu legen begann, konnte er nun auch die Vernunft in Aragorns Plan erkennen. Zögerlich nickte er einmal und erhob sich. Mit steifen Schritten ging er zur Tür und wollte gerade den Raum verlassen, als Aragorn ihn noch einmal ansprach: „Legolas? … Wo ist Gimli?"
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In den Straßen von Minas Tirith wurde es langsam still, als sich ein Mann von bescheidener Körpergröße aber mit einem umso prächtigeren Bart fluchend auf den Heimweg machte.
Gimli, Gloins Sohn, hatte im Ringkrieg glorreiche Taten vollbracht und sich den Respekt von Mittelerde erworben und heute Abend wurde er von einem einfach sitzen gelassen … von einem Elben! Es war eine bodenlose Frechheit und wenn er diesen dreisten Kerl erst einmal in die Finger bekam, würde er ihm mal ordentlich die Meinung sagen. Es war mit Sicherheit das letzte Mal, dass er Legolas irgendwo hin begleitete. Diese verrückten, sprunghaften Elben; kaum sehen sie ein hübsches Gesicht, schon laufen sie kopflos davon.
Gimli schüttelte verständnislos den Kopf und stapfte wütend den Berg hinauf. Der Abend war nicht ganz vergeblich gewesen. Nachdem Legolas davon gerannt war hatte Gimli sich mit einigen anderen Gästen unterhalten und sich halbwegs gut amüsiert, allerdings nagte durchweg die Sorge um seinen Freund an ihm. Nach zwei weiteren Krügen und einem nun fast einstündigem Bergaufmarsch war die Sorge einer ziehenden Verstimmung gewichen.
„Guten Abend Herr Zwerg! So spät noch unterwegs? Ihr habt euch doch nicht etwa einen Krug zu viel gegönnt und findet nun den Weg nicht mehr?"
Gimli drehte sich nach der dreisten Stimme um und sah sich zwei Männern mit einem Gesicht gegenüber. Elronds Söhne, Elladan und Elrohir, waren in dunkelgraue Mäntel gehüllt und grinsten von ihren Pferden auf ihn hinab.
Gimli reckte stolz sein Kinn und antwortete dem Elb, der ihn angesprochen hatte, welcher der Brüder es war konnte er nicht sagen: „Das Bier, das einem Zwerg in einer Stadt aus Stein die Orientierung nimmt muss erst noch gebraut werden! Ihr könntet mir die Augen verbinden und mich irgendwo in Minas Tirith aussetzen, am Stein könnte ich erkennen wo ich bin!"
Der Elb lachte und stieg von seiner silbergrauen Stute. Als er abgestiegen war erkannte Gimli die silberne Stickerei in Form eines Baumes auf dem Sattel. Das war Ninquelóte, Elrohirs Pferd. Der Reiter reichte Gimli zur Begrüßung die Hand während auch sein Bruder abstieg um es ihm gleich zu tun. Gemeinsam gingen sie dann in Richtung der Stallungen und plauderten auf dem Weg.
„Wart ihr allein auf dem Fest? Ich hätte gedacht, dass Legolas sich das sicherlich ansehen möchte.", fragte Elladan und merkte schnell, dass er da wohl einen wunden Punkt getroffen hatte, denn Gimli gab ein verächtliches tss von sich und antwortete: „Der feine Herr Elb hat mich in der Tat begleitet, sich dann aber spontan umentschieden. In einem Moment sitzen wir noch am Tisch und unterhalten uns, im nächsten springt er auf wie vom Blitz getroffen und rennt dem nächstbesten Rock hinterher!"
Elrohir brach in schallendes Gelächter aus und auch Elladan konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, besann sich aber soweit zu fragen: „Das klingt aber gar nicht nach Legolas. Seid ihr euch sicher, dass ihr da nicht etwas falsch verstanden habt?"
„Ich bitte dich Elladan!", sagte Elrohir, während seine Schultern noch immer bebten, „Legolas ist kein Heiliger! Soll er sich doch amüsieren, es schadet ja keinem." Er überlegte kurz und fügte dann mit einem schiefen Lächeln hinzu: „...außer vielleicht Herrn Gimli."
Dieser grunzte verächtlich und antwortete auf Elladans Frage: „Es sah ziemlich eindeutig aus. Sie saß mit einem Mann einige Tische weiter. Legolas hat hinübergesehen und nicht nennenswert reagiert, aber kaum stehen die beiden auf um zu gehen, springt der Tor hinterher und stößt dabei sogar noch seinen Bierkrug um. Ich habe das Gesicht der Dame nicht gesehen, aber seiner Reaktion zufolge war es wohl sehr beeindruckend." Nun war es Elladan der mit dem Zwerg lachte. Elrohir lächelte nur oberflächlich und zog seine Stirn kraus.
Einige Minuten später erreichten sie ihr Ziel und die Brüder wiesen die Stallknechte in die Versorgung ihrer Pferde ein. Als sie einige Zeit später plaudernd den obersten Ring betraten und am Spross des weißen Baumes vorbeigingen, sahen sie Legolas am Rand des Felskeils stehen und mit verschränkten Armen über Minas Tirith hinaus blicken. Sie gingen zu ihm hinüber und Gimli begann sofort seinem Ärger Luft zu machen: „Ach da ist ja seine Hoheit! Ich hoffe die Dame war es wert deinen Freund so verräterisch zurückzulassen! Ich muss schon sagen..." Gimli verstummte, als sein Freund sich ihm zugewandt hatte. Legolas Augen waren glasig und besorgt, irgendetwas war im argen. Doch noch bevor er fragen konnte was geschehen war fiel Elrohir ihm ins Wort. Der Elb war die ganze Zeit still gewesen und nun da er Legolas Gesichtsausdruck sah, verfinsterte sich auch seine Miene.
„Bist du dir sicher, dass sie es ist?", fragte er und Gimli runzelte verwirrt die Stirn. Legolas antwortete nicht, schien jedoch zu verstehen worum es ging und nickte still. Gimli sah zu Elladan, der auch verständnislos zwischen den beiden Elben hin und her blickte. Dann schien der Groschen jedoch zu fallen. Elladans Augen wurden groß und seine Haut noch etwas heller. Er fuhr zu Legolas herum und sprach ihn auf Elbisch an: „Soll das heißen Laurelin ist hier? Hast du sie gesehen? Mit ihr gesprochen?" Gimli verstand kein Wort, aber Legolas schüttelte leicht den Kopf und antwortete: „Sie verschwand mit einem Fremden in der Menge, bevor ich mit ihr sprechen konnte." Es ging wohl um die junge Frau auf dem Marktplatz, aber Gimli verstand, dass es nicht der Zeitpunkt war um Fragen zu stellen.
Elladan atmete schwerer und stützte einen Arm auf der Mauer ab, während er versuchte seine Gedanken zu ordnen. Dann richtete er sich wieder auf und sah zu Legolas: „Wir... Ich meine, sollten wir sie nicht suchen?" Er war nervös und schien nicht recht zu wissen was er mit seinen Händen machen sollte. Legolas verneinte die Frage erneut mit einem Kopfschütteln: „Ich habe mit Aragorn gesprochen, jede Wache in der Stadt sucht bereits nach ihr. Er meint meine Anwesenheit würde sie nur warnen, wenn sie nicht sowieso schon weiß, dass wir sie suchen"
Elladan legte seine Stirn in Falten, nickte aber: „Und was sollen wir jetzt tun?" Legolas blickte auf den Boden.
„Wir warten.", erklang Elrohirs Stimme und alle drei drehten sich zu ihm um. Er war die ganze Zeit still an der Mauer gestanden und blickte in die Ferne, während sich das kalte Licht des Mondes in seinen Augen spiegelte und sie silbern leuchten ließ.
Legolas wandte sich ab und ging über den Hof zum Gästehaus.
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Es dämmerte bereits als Legolas seine Gemächer wieder verließ. Den Versuch zu schlafen hatte er bereits vor Stunden aufgegeben. Er fühlte sich aufgekratzt und fahrig und immer wenn er dann tatsächlich für einige Minuten in den Schlaf sank, wurde er von schlechten Träumen und Erinnerungen geplagt. Bilder von seiner Schwester, die lachend mit ihm durch den Wald lief und dann plötzlich im Nebel verschwand.
Nachdem er nun eine gute Stunde lang durch sein Zimmer gelaufen war, immer an den Wänden entlang, wie ein wildes Tier, dass bei jeder neuen Runde hofft doch noch einen Ausgang zu finden, hatte er eingesehen, dass er von Stein umschlossen keine Ruhe finden würde. Er brauchte Weite und Leben um sich. Leider waren sowohl Platz als auch Lebendigkeit auf den Straßen von Minas Tirith Mangelware.
Es gab jedoch einen Ort, der seinem Bedürfnis zumindest etwas näher kommen würde. Also hatte er sich wieder angezogen und stieg geräuschlos aus dem Fenster. Er hatte nicht vor sein Verhalten zu erklären, also war es wohl das beste den Wachen und Soldaten aus dem Weg zu gehen.
Als er die Häuserwand hinabgeklettert war duckte er sich in die Schatten und schlich über den Hof. An einer besonders dunklen Stelle stieg er über die Mauer und begann langsam und bedacht seinen Abstieg. Im sechsten Ring angekommen lief er zu den Häusern der Heilung.
Sie hatten die einzigen nennenswerten Gärten in der Stadt um Kräuter zu pflanzen und als Erholungsort für die Patienten.
Die Stadt schlief noch tief und fest. Seine eigenen Schritte und der Gesang der Vögel waren die einzigen Geräusche, die ihn über die letzte Mauer in die Gärten verfolgten. Die Stille war wie eine Liebkosung für seine Ohren in dieser sonst so unermesslich lauten Stadt. Kurz vor Sonnenaufgang verlieh das fahle Licht des Morgen allem eine traumhafte Unwirklichkeit. Die kühle Luft und die Blätter der Bäume hingen schwer vom Tau. Kaum berührten seine Füße den Rasen merkte Legolas wie auch sein Herzschlag stetiger wurde.
Langsam schlenderte er durch den Garten und sog die wohltuende Ruhe in sich auf. Es dauerte nicht lange, bis auch seine Gedanken sich beruhigt hatten und das unangenehme Ziehen in seiner Brust endlich abebbte. Er hatte gefunden was er so lange suchte.
Als sie leise Schritte hinter sich vernahm drehte sich die Gestalt an der Mauer zu ihm um. Die Sonne schob sich hinter ihr träge über den Horizont und verwandelte ihr Haar in warmes Gold.
Legolas hatte das Gefühl gehabt von seiner Schwester schon seit einer Ewigkeit getrennt zu sein, aber in diesem Moment hätte sich nichts natürlicher anfühlen können als das liebevolle Lächeln, das sich auf ihre Züge legte. Er benötigte nur wenige Schritte um die Distanz zwischen ihnen zu überwinden. Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, schien dann aber doch keine Worte zu finden und blieb still. Als er sah wie sie schwer schluckte und ihr Tränen in die Augen stiegen schüttelte er leicht den Kopf und nahm sie in seine Arme. Laurelin lehnte sich in seine Umarmung und schloss die Augen.
So standen beide schweigend unter den Bäumen bis die Sonne aufgegangen war und die Stadt sich unter ihnen zu regen begann.
