Veela-Zauber
Auch in der nächsten Zeit fühlte Ted sich nicht gerade besser. Anfangs hatte er sich noch eingeredet, dass er sich bloß daran gewöhnen müsse, doch Toby hatte kaum noch Zeit für Ted, da er ununterbrochen bei Victoire war und Lorin brachte auch nicht gerade einen Ersatz für seinen besten Freund.
Mit Victoire hatte Ted bisher noch nicht ein einziges Wörtchen gewechselt und er ging ihr so gut er konnte aus dem Weg. Er war sauer auf sie, weil sie ihn seit das Schuljahr angefangen hatte wie Luft behandelte, was Ted wirklich nervte.
Das erste Mal, das sie wieder miteinander sprachen, war Anfang Oktober, als sie zufällig allein im Gemeinschaftsraum saßen. Es war schon später Abend und die meisten anderen waren bereits zu Bett gegangen, so wie auch Toby.
Gerade als Ted sich auch erheben wollte, öffnete Victoire den Mund und Ted war ziemlich überrascht, als er sie sprechen hörte.
„Bleib doch noch", sagte sie und deutete auf den Platz neben sich.
Ted sah sie an und ihre Blicke trafen sich.
Fast mechanisch setzte er sich neben sie, so als wäre es ein Befehl gewesen, dem er gehorchen musste.
War das der Veela-Zauber ihrer Urgroßmutter?
Von dem hatte Ted sich bisher eigentlich nur in einziges Mal einwickeln lassen und damals war er 13 gewesen.
„Du bist so komisch dieses Jahr", sagte Victoire und klappte ihr Buch, in dem sie bis vor Kurzem gelesen hatte, bedeutungsvoll zu.
„Ich hatte eher den Eindruck, dass du nicht mit mir reden willst", sagte Ted angriffslustig.
Normal war so etwas nicht seine Art und sie musterte ihn mit ihren großen tiefblauen Augen.
„Du gehst mir aus dem Weg", stellte sie fest.
„Kann sein", antwortete Ted nur und betrachtete ihr zugeklapptes Buch, als ob es interessant wäre.
„Du hältst es nicht mal mehr für nötig mir einen guten Morgen zu wünschen!"
„Du hieltst es auch nicht für nötig mir zusagen, dass du mit Toby gehst", platzte es aus Ted heraus.
Erstaunt öffnete sie den Mund und schien etwas sagen zu wollen, doch sie schloss ihn wieder.
„Ich habe nichts gesagt, weil es eine Überraschung werden sollte", sagte sie.
„Die ist gelungen", fiel ihr Ted bissig ins Wort.
Victoire sah ihn eine Weile lang leicht verunsichert an, sagte allerdings nichts mehr.
Nach einiger Zeit packte sie eilig ihre Sachen zusammen und verschwand dann im Mädchenschlafsaal.
Am nächsten Morgen erschien Victoire auch nicht zum Frühstück und Ted wäre es fast nicht aufgefallen, hätte Toby nicht ihre beste Freundin Belicia McLaw angesprochen, wo Victoire denn bleibe.
„Oh, die hat gesagt ihr geht es nicht so gut", antwortete Belicia und warf Toby einen entschuldigenden Blick zu.
„Sie ist in den Krankenflügel gegangen, aber sie hat gesagt, sie möchte keinen Besuch."
Toby legte die Stirn in Falten, fragte jedoch nicht weiter nach.
Im darauf folgenden Unterricht konnte Ted sich nur schwer konzentrieren, zu sehr quälte ihn die Frage, ob er am Vorabend nicht doch etwas zu hart zu Victoire gewesen war und er beschloss, auch wenn es gegen ihren Willen sein würde, sie in der nächsten Freistunde die er hatte zu besuchen.
So erklärte er Toby nach dem Unterricht, er müsse kurz zurück in den Gemeinschaftsraum und lief in dessen Richtung, nahm jedoch kurz darauf einen Geheimgang, der ihn im Nu zum Krankenflügel brachte.
„Mr Lupin, was kann ich für Sie tun?", fragte die mittlerweile nun schon sehr alte Madame Pomfrey.
„Ich wollte nur kurz zu Victoire Weasley, Ma'am", antwortete Ted und blickte auf die umher stehenden Betten in der Hoffnung sie irgendwo zu erkennen.
„Tut mir Leid, aber die war heute nicht hier, warum? Stimmt etwas nicht mit ihr?"
Ted runzelte die Stirn und überlegte, was er antworten konnte.
„Ich glaube, da hat man mich hereingelegt. Entschuldigen Sie die Störung, wird nicht wieder vorkommen."
Und bevor Madame Pomfrey etwas antworten konnte, hatte er sich schon aus dem Staub gemacht.
Wenn Victoire nicht im Krankenflügel war, wo war sie dann?
Ted begann sich Gedanken zu machen, so etwas hatte Victoire noch nie getan.
Plötzlich traf er im Korridor auf Belicia und Julie Sawyer, die ebenfalls eine gute Freundin von Victoire war und bevor er darüber nachgedacht hatte, sprach seine Zunge es schon aus.
„Victoire ist gar nicht im Krankenflügel. Raus mit der Sprache, wo ist sie wirklich?"
„Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Lupin", erklärte Belicia und Julie kicherte dämlich. Danach zogen die beiden schnell davon.
Erst überlegte Ted, ob er ihnen vielleicht folgen sollte, entschied sich jedoch dagegen und machte sich lieber auf in die Eulerei, wo er nach seinem Uhu Bert suchte, den ihm sein Pate Harry zu seinem ersten Schuljahr geschenkt hatte. Wenn er schon nicht mit Victoire reden konnte, dann sollte er wenigstens einen Brief schreiben.
So kramte er hastig Feder und Pergament aus seiner Tasche, die er immer noch mit sich trug.
Liebe Victoire,
ich möchte mich in diesem Brief bei dir für mein Verhalten in letzter Zeit entschuldigen.
Es tut mir Leid, dass wir uns gestern Abend gestritten haben.
Ich hoffe du verzeihst mir, denn ich wünschte, dass wir wieder so wir früher befreundet sein können. Das vermisse ich nämlich.
Ich weiß ich war ein Idiot,
dein Ted
Er band den Brief um Berts Bein und schickte diesen dann los. Schließlich machte er sich seufzend wieder zurück in den Gemeinschaftsraum im Keller, wo er einfach versuchen würde, seine Hausaufgaben zu erledigen.
