Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Titel: Ein Leben wie die Zukunft

Autor: Momixis

Zeit: spielt nach „Halbblutprinz"

Kapitel: 3

Teil: 2/9

Paare: Es kommen viele der typischen Paare vor, aber Hauptpersonen werden Harry und Draco sein… (später auch als Paar)

Warnungen: Slash, Charadeath, lange Geschichte, unterschiedlich lange Kapitel….

Inhalt: Harry ist im 7. Schuljahr und will nach Dumbledores Tod nur noch den Krieg beenden, aber was wird er dafür opfern und wird er mit den Verlusten leben können? Wird er die Kraft und das Wissen dazu haben erfolgreich zu sein? Und welche Rolle werden Snape und Malfoy einnehmen?

MIR GEHÖRT NICHTS UND ICH VERDIENE DAMIT AUCH KEIN GELD!


Teil II

Tödlicher Himmel

Kapitel 3

Zeitlicher Raum

Diesmal war es nicht mal ein weißer Raum, sondern ein angenehm blauer mit pechschwarzen Möbeln aus dem 18. Jahrhundert. Er strahlte eine Wärme aus, die so Gegensätzlich zu dem vielen weiß von draußen wirkte, dass die Jungen tief durchatmeten.

Alle drei Jungen waren überrascht stehen geblieben und sahen sich nun neugierig um. Ein begeistertes „Hui, diesen Raum kannte ich ja noch gar nicht" von Fred, ließ Harry schmunzeln. Aus Freds Stimme war deutlich die Begeisterung und Neugier zu hören und Harry wusste zu gut, dass er dieses Geheimnis am liebsten sofort mit George teilen wollen würde. Nur George war nicht hier. Noch nicht. Fred müsste warten. Und Fred würde warten…

Auch in Harrys Augen war dieser Raum etwas Besonderes. Nicht nur, weil er so anders war als die anderen, sondern weil er ihn an einen Raum im Ministerium erinnerte. Zum Glück nicht der Raum mit dem Torbogen, sondern der große Saal mit den vielen unterschiedlichen Uhren.

Denn auch hier standen und hingen überall Uhren. In den schwarzen Regalen und den Vitrinen, an den Wänden und in schwarzen Körben. Alle Uhren waren so unterschiedlich, allerdings waren alle relativ klein. Keine Stand- oder Turmuhren waren hier. Es waren Taschenuhren, Armbanduhren, Wecker, Wanduhren und andere… alle handlich und analog.

Während Harry und Fred sich neugierig in den Regalen umschauten, trat Draco vorsichtig durch die nächste Wand und war erst einmal verschwunden. Die zwei neugierigen Gryffindors bemerkten dies nicht, sie waren zu gespannt und gefesselt von diesem merkwürdigen Raum. Sie öffneten vorsichtig ein paar Schubladen und Vitrinen.

„Warum hast Du uns da weg geholt?" fragte Harry und sprach damit ein ihm sehr wichtiges Thema an. Auch wenn er von dieser neuen Örtlichkeit fasziniert war, so hatte er die Geschehnisse von vorhin noch nicht vergessen.

Fred schloss den kleinen Schrank wieder und blickte auf. Er sah jetzt ziemlich traurig aus und Harry ging die wenigen Schritte zu ihm hinüber und nahm den größeren und älteren Jungen fest in den Arm. Fred erwiderte diese rein freundschaftliche Umarmung ohne zu zögern.

„Weißt Du Harry, ich hatte vor auf George zu warten. Egal wie lange es dauern sollte, aber ich würde kein Abenteuer ohne ihn beginnen. Diese 'Engel' sahen das nicht ein und ich bin halt bei einer sich bietenden Gelegenheit getürmt. … Ich habe mittlerweile einige nette Räume gefunden, und etwas experimentiert. Dann habe ich Dich und Malfoy gesehen und wusste sofort, dass ich Dich nicht in den SAAL gehen lassen dürfte. Jeder der diesen Raum betrat, kam nicht wieder raus und das müssten sie, wenn sie in den Himmel gehen wollten. Der Zugang zum 'Himmel' ist gut bewacht und viel südlicher. Süden ist dort, wo es wärmer ist…" grinste Fred schief und wurde dann aber sofort wieder ernst. Harry mochte diesen ernsten Zug nicht im Gesicht des Weasley-Zwillings. Er gehörte nicht dort hin.

„… Viele gingen mit dem festen Vorsatz hinein, nicht ein Jahr als Schutzengel zu arbeiten und sie kamen nicht wieder raus. Keiner von ihnen und einige waren echt stur. Zum Beispiel Pansy Parkinson oder auch Neville und Hermione. Ich glaube, dass der Raum den Willen manipuliert, oder etwas ähnliches."

Die Traurigkeit aus Freds Worten schnitt tief in Harrys Bewusstsein. Er zog Fred wieder fester in die Umarmung und der Rothaarige genoss sie sichtlich. Sie gaben sich gegenseitig Kraft, die in diesem Krieg schon viel zu sehr verbraucht worden war.

„Der Krieg ist schuld, dass man selbst nach dem Tod nicht mal seine Ruhe hat", flüsterte Harry Fred ins Ohr. Harry spürte das Nicken. Beide hielten sich aneinander fest und wollten sich nicht so schnell wieder loslassen, denn sie wussten nicht, wann sie das nächste Mal so eine Umarmung haben würden.

„Ich hasse diesen Krieg", nuschelte Fred nun und Harry konnte ihm nur mit vollem Herzen zustimmen. Ja, er hasste diesen Krieg wirklich aus voller Überzeugung und aus tiefsten Herzen. Er hatte ihm alles genommen, was man nehmen konnte… sogar das Leben… und Harry würde es jederzeit wieder geben, wenn er dafür den Frieden sichern könnte…

Fred löste sich langsam aus der Umarmung und strich Harry brüderlich durch die Haare. „Weißt Du eigentlich, wie sehr ich Dich bewundere, Harry? Ohne eine Familie gehst Du durch das Leben, erlebst Abenteuer und gerätst in Todesgefahren und findest doch immer wieder den Mut und die Kraft weiter zu machen. Ich hätte gerne mehr für Dich getan, als … als…"

Harry unterbrach ihn mit roten Wangen, da Fred eindeutig nicht die richtigen Worte fand, aber er wusste doch genau was er ihm sagen wollte. „Du hast genug getan. IHR habt genug getan. Ihr habt mir das Gefühl gegeben, doch eine Familie zu haben. Ihr ward meine Brüder und Ihr seid so toll. Aber ich musste meinen Weg gehen, auch wenn ich wünschte, ich hätte den Krieg früher beenden können."

Jetzt war Fred es, der Harry in eine feste Umarmung zog. „Ich… und auch George wären gerne Deine Brüder gewesen. Bill und Charly bewundern Dich genauso, von Ron gar nicht zu sprechen. Was mit Percy ist, weiß ich allerdings nicht, der ist ja noch immer etwas versnobt!"

Harry grinste traurig und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die in seinen Augen brannten. Daher lenkte er schnell von diesem sentimentalen Thema ab: „Wofür sind denn bloß die ganzen Uhren?! Irgendeinen Sinn müssen sie doch haben."

Das Kribbeln in seiner Nase ließ nur langsam nach, aber er war wieder auf sicherem Terrain, wenn Fred diesen Themenwechsel akzeptierte.

„Angeblich ist dies eine Art Museum", schnarrte Draco, der gerade wieder den Raum betrat. Harry sah überrascht zu ihm hin, er hatte ihn ganz vergessen und dann so eine komische Information. Seltsam.

„Ein Uhren-Museum? Wie verrückt ist das denn?" sprach Fred den Gedanken der zwei anderen mit aus. Man sah ihm allerdings auch die Freude über dieses Rätsel an. Es schien hier doch sehr langweilig mit der Zeit zu werden, wenn man so alleine war. Was sollte man hier auch tun? Weiße Wände betrachten?

Harry erkannte in Freds Augen aber auch die ungestillte Sehnsucht nach George. Die zwei waren eine Einheit und konnten gar nicht ohne den anderen. Harry fragte sich nur, wann George hier eintreffen würde, denn dann würde es hier garantiert nicht mehr ruhig bleiben.

Um Fred allerdings weiter abzulenken, ging Harry wieder auf Abstand und blickte Draco jetzt skeptisch an. „Wie kommst Du denn zu dieser Information?"

Deutlich war Harrys Gesicht anzusehen, dass er den Wahrheitsgehalt dieser Aussage von Draco anzweifelte. Außerdem war er nun auch nicht gewöhnt einem Slytherin zu vertrauen, warum also sollte er jetzt damit beginnen?

„Pff… Potter. Nur weil Du nicht diese Entdeckung gemacht hast, brauchst Du nicht gleich zu flennen." Dracos Stimme war giftig und Harry verdreht nur die Augen. Darauf wollte er jetzt doch nicht eingehen.

„Nun sag schon Malfoy, weißt Du noch mehr, als das? Ein Uhrenmuseum ist nicht sehr spektakulär, oder?" Fred war umhergegangen und wirkte jetzt wieder traurig und ernst. Harry wollte das nicht, er wollte Fred lachen sehen. Er sollte mit George Streiche spielen und neue Schwänzleckereien erfinden. Ein tiefer Seufzer entkam seiner Seele, aber niemand vernahm ihn.

Draco wandte sich ab und begutachtete die Regale und die Wanduhren. „Nein", schnarrte er leise. Harry lächelte, na wenigstens etwas. Eine kleine Weile sahen sich die Jungen schweigend um.

Fred trat gerade zu Harry, als dieser etwas murmelte: „Dies kann doch kein stink normales und langweiliges Museum sein. Wofür und für wen, sollte es denn interessant sein?!" Fred nickte nur und sah zu, wie Harry den Glasdeckel der einen Vitrine öffnete. Sie war wohl die kleinste hier im Raum, aber hatte auch immerhin 14 Uhren auf rotem Samt aufgebahrt.

Fred hatte keine Ambitionen Harry aufzuhalten, da er keinen Sinn oder Unsinn darin erkennen konnte. Und für Unsinn war er ja eh immer bereit, aber Draco schnarrte spöttisch: „Na… kann unser allseits geliebter Held der Zaubererwelt nicht mal die einfachsten Regeln befolgen?! Ach nein, ich vergaß, Du bist ja der große Harry Potter und darfst alles anpatschen mit Deinen schmutzigen Gryffindor-Fingern…"

Etwas peinlich berührt, da Draco nun nicht ganz unrecht hatte zischte Harry nur ein kaltes: „Ach halt doch Deine Schnauze, Malfoy. Regeln gibt es hier nicht." Er hatte trotz seines schlechten Gewissens einen kleinen schwarzen Wecker aus der Vitrine genommen und betrachtete ihn nun genauer.

Er hatte vier silberne Zeiger und rot-glühende Stundenstriche. Im Hintergrund war eine schwarze Raubkatze abgebildet, die mit ihren silbernen Augen direkt in den grünen von Harry versank. Harry war mehr als fasziniert. Diese Uhr schien ihn magisch anzuziehen. Sie war für ihn gemacht. Und ehe jemand reagieren konnte, hatte Harry den kleinen Wecker aufgezogen und lauschte nun den leisen Geräuschen der Uhr.

Fred hatte es gar nicht wirklich mitbekommen, denn er hatte einen dünnen Ordner gefunden und stöberte nun in den Papieren. Er hoffte dort vielleicht eine Antwort auf ihre Fragen zu finden. Ein zischendes Geräusch entstand, als er die Luft zwischen den Zähnen einzog. Er hatte etwas Interessantes gefunden!

„Hey, ich weiß, was dies ist. Es sind keine normalen Uhren, sondern…." Fred blickte auf und sah, wie Harry die Uhr an sein Ohr hielt. Dann trafen sich die Blicke und Harry wusste sofort, dass er wieder in etwas hineingeschlittert war, dass nicht wirklich geplant gewesen war. Jetzt blieb nur noch die unschuldige Frage in was?!

Das gleichmäßige Tick-Tick, Tick-Tick, beruhigte ihn auf seltsame Art und Weise, machte ihn aber gleichzeitig auch nervös. Und der Blick von Fred setzte ihn in Alarmbereitschaft. Was hatte er wieder getan? Was war daran Falsch? Oder Gefährlich?

„Leg die Uhr weg Harry!" flüsterte Fred. Er sprach sehr leise, aber Harry verstand jede Silbe klar und deutlich. Er ließ die Uhr sofort mit kalten Fingern auf das Samtkissen in dem Glaskasten gleiten.

Der Blickkontakt zwischen den beiden Gryffindors blieb dabei bestehen.

„Was ist los?" Harry wusste, dass seine Stimme etwas zitterte, aber es war ihm schnurz.

„Na was hat denn das Narbengesicht wieder angestellt? Na fliegt gleich der ganze Himmel in die Luft? Was für ein Feuerwerk das doch wäre…" fragte Draco gehässig und stellte sich dabei provozierend grinsend neben Harry. Er sah zwischen Harry und Fred hin und her und wartete ungeduldig auf eine Erklärung. Seine Augen glühten schadenfroh und die Lippen waren zu einem höchst spöttischen Grinsen verzogen.

Fred sah nur Harry an und beachtete den Slytherin nicht. „Diese Teile sind angeblich Zeituhren", gab Fred den Inhalt des Ordners wieder.

„Ach, wirklich? Zeituhren? Ich dachte schon es wäre etwas Gewöhnliches wie Armbanduhren. Aber Zeituhren geben die Zeit an, wie sensationell!" hinterfragte Draco spöttisch die Aussage des Weasleys.

„Zeituhren bedeutet, dass es keine normalen Uhren sind, weder normale Muggeluhren noch normale Magieruhren. Nicht wahr?" sprach Harry leise. Er war kreidebleich im Gesicht und der Blickkontakt bestand auch weiterhin. Als hätte er Angst vor dem was kommen würde und als könnte er es vielleicht so verhindern.

Das nur angedeutete Nicken genügte, um Harry noch mehr Blut aus dem Gesicht weichen zu lassen. Bald könnte er mit den Wänden konkurrieren, nur waren sie in diesem Raum ja blau.

„Was sind Zeituhren?" fragten Harrys Augen ängstlich, er wollte die Antwort nicht wirklich erfahren. Aber er wusste auch, dass er es wissen musste.

Fred senkte den Blick und unterbrach so den lang anhaltenden Blickkontakt. Er blätterte im Ordner und begann nach einem tiefen Seufzer laut vorzulesen:

„ … Die Zeituhren

1841 wurde von Salmia Gregoria die erste Zeituhr erstellt. Nach Jahrelanger Forschung ist es ihr endlich geglückt ein Ergebnis vorzuweisen und die Behörden zu überzeugen.

Laut ihren unzähligen Forschungsberichten sei es jetzt möglich mit den Uhren in die Vergangenheit zu reisen. Sie erstellte fortlaufend neue Uhren in verschiedenen Designs und Größen.

1911 wurden die Forschungsergebnisse offiziell in Frage gestellt und bis auf weiteres eingeschläfert. Keine der angeblich 20 freiwilligen Zeitreisenden kamen zurück oder haben irgendwie einen Bericht formulieren können. Auch wurden keine Veränderungen in den geschichtlichen Abläufen festgestellt. Zumal persönlichen Erinnerungen an die Reisenden nicht mehr vorhanden waren. Der Verdacht der Dokumentenfälschung belastete Salmia Gregoria schwer.

Salmia Gregoria versuchte ihr Projekt am Leben zu erhalten, indem sie selbst ihre persönliche Lieblingsuhr aufzog. Keine 10 Minuten später verschwand sie und mit ihr sämtliche Unterlagen und Aufzeichnungen.

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Projekt endgültig eingestellt und der Raum versiegelt. Er steht unter einem Geheimniszauber, der das Eindringen und Erinnern verhindern soll…"

Fred hatte geendet und blickte langsam wieder hoch, um Harrys Blick zu suchen. Den Ordner schloss er langsam und legte ihn auf eine Vitrine. Harrys Augen waren weit aufgerissen und Unglauben und Unverständnis waren darin zu lesen. Er senkte den Blick allerdings schnell wieder und sah den kleinen Wecker an, der leise vor sich hin tickend auf dem roten Samt lag.

„Zeitreise in die Vergangenheit?" hauchte Harry nur. Er traute sich nicht den Weasley anzusehen. Unsicher zeichnete er die Einfassung vom Vitrinenglas mit dem Zeigefinger nach.

Fred beobachtet Harry skeptisch, was ging in seinem Kopf bloß vor? Die Zeitreise würde nur beginnen, wenn er die Uhr im richtigen Moment fest in der Hand hielt. Aber das würde Harry doch nicht wagen, oder?

„Natürlich würde er es", schalt sich Fred selbst. Es war doch so deutlich in Harrys Gesichtszügen zu erkennen. Harry Potter würde alles tun.

Draco hatte wieder Abstand genommen, es achtete ja ohnehin niemand auf ihn. Er hatte auch eine Uhr entdeckt, die ihm sehr gefiel, aber er würde sie da still liegen lassen. Es interessierte ihn nicht weiter, was Fred und Harry da besprachen. Es waren Gryffindors, was sollte da schon Produktives bei raus kommen?!

„Tu es nicht!" flüsterte Fred dicht neben Harry. Er legte seine Hand auf Harrys Arm und hoffte so, dass Harry ihn wieder anblickte.

Aber dieser sah nur auf seine Finger und flüsterte ganz leise: „Wenn es auch nur den Bruchteil einer Chance geben sollte, etwas in der Vergangenheit zu verändern, dann muss ich es doch versuchen, oder?" Traurig blickte der Schwarzhaarige wieder auf. Er blickte allerdings bewusst an Fred vorbei.

Dieser sah aber den Schmerz, die Trauer, die Wut und so viele andere Gefühle in diesen grünen Augen und zog seinen Freund spontan in eine feste Umarmung. Auch in seinen Gesichtszügen waren diese Gefühle zu lesen, wenn auch nicht so ausgeprägt, wie bei Harry.

Natürlich konnte er sich vorstellen, dass es eine Chance war. Aber es war doch viel zu riskant. Fred musste fast über sich selbst lachen, wann hatte er oder George schon etwas auf Risiko oder Gefahr gegeben? ‚Dann erst recht' war oft ihre Devise gewesen. Ein dicker Kloß bildete sich in seinem Hals, als er an George denken musste. Er bereute nicht, dass er Hermione und den anderen gefolgt war. Ganz im Gegenteil, aber warum musste es denn so ausgehen?

Harry hatte die Gefühle Freds wahrgenommen und löste sich jetzt aus der Umarmung. „Ich werde schon auf mich aufpassen, so wie immer", versuchte er Fred Mut zu machen. Dieser nickte nur leicht und Harry sah die Tränen in den braunen Augen blitzen. Schnell wischte auch Harry sich über die feuchten Augen.

Vielleicht, ganz vielleicht würde Harry ja wirklich etwas zum Guten ändern können.

Aber sicher war Fred sich nicht, denn immerhin war Harry auch tot. Was würde passieren?

„Was ist, wenn es nicht funktioniert? Was ist, wenn Du nicht zurück kannst?" Die Vernunft schien beim Weasley-Zwilling Einzug gefunden zu haben und Harry verfluchte den Zeitpunkt dafür. „Du willst wirklich alles aufs Spiel setzen? Harry? Wirklich alles?" mit ernster Stimme sprach Fred auf Harry ein.

Aber er sah die dunklen Schatten, die sich über Harrys Augen legten und er wusste die Antwort bevor Harry nur den Mund geöffnet hatte. Etwas betroffen senkte er wieder den Blick schluckte schwer. Mit erstickter Stimme nuschelte er: „Pass auf Dich auf Harry. Und versprich mir bitte, dass Du heil wieder kommst. Hörst du Harry?!"

Harry blickte wieder zu der kleinen Uhr und nahm sie vorsichtig in die Hand. Sie tickte leise vor sich hin und niemand wusste, wann es denn losgehen würde.

„Ich werde auf mich aufpassen", versprach Harry mit fester Stimme, aber danach schwieg er und mied den Blick von Fred. Sein Blick war fest auf Harry gerichtet und er wollte gerade ansetzen, als Harry doch leise weiter sprach.

„Ich werde kaum zurückkommen, wie auch?! … Aber ich bin mir sicher, … dass wir uns … wieder sehen… wie das Schicksal es will. Aber ich kann und werde Dir nichts versprechen, was ich nicht halten kann." Zwischendurch hatte Harry Fred mit einem Handzeichen zum Schweigen gebracht.

Auch Draco hatte wieder Interesse an den Beiden gefunden und hatte versucht etwas von dem seltsamen Gespräch zu verstehen, aber sie hatten zu leise gesprochen. Bis jetzt hatte er es als Gag empfunden. Es war bisher witzig und vielleicht auch etwas nervig, aber die plötzliche Ernsthaftigkeit konnte er sich nicht erklären.

Er hatte schon verstanden, dass es hier um Zeitreise-Uhren ging. Aber selbst wenn Potter diese Teile benutzen wollte, woran Draco trotz allem was er gehört hat, zweifelte, dann soll er es doch machen. Es ist schließlich sein Leben.

Draco wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Fred Harry heftig durchschüttelte. „Was soll das heißen Harry? Du wirst doch wieder kommen?! Harry was glaubst Du, was ich für einen Ärger bekomme, wenn ich Dich gehen lasse und Dir etwas passiert. Oh man, Mum wird mich in der Luft zerreißen. Was geht in Deinem hübschen Kopf vor, Harry? Was weißt Du, was ich nicht weiß?" Zu Anfang war Fred noch außer sich und wütend, dann verzweifelt und am Ende war pures Unverständnis in seiner Stimme zu hören.

Fred sah Harry weiterhin ernst an, dieser hatte nur zögernd den Blick erhoben. Harry sah in Freds Gesicht keinen Funken Humor oder Schalk. Aber auch bei ihm konnte man diese Gemütsregungen vergeblich suchen.

„Ich werde gehen, Fred! Ich werde gehen und alles versuchen, was in meiner Macht steht. Du bist nicht für mich verantwortlich. Ich entscheide ganz allein, oder glaubst Du, dass irgendeiner von Euch mich hätte gehen lassen, als ich zu IHM auf den Weg war? Selbst Snape hätte mich aufgehalten. Und leider bist Du nicht mein Bruder oder sonst wie Aufsichtsberechtigt. Ich gehe und Du weißt genau, dass Du mich nicht aufhalten kannst. Bitte versuch es auch nicht."

Fred hatte sich von Harry abgewandt und schien deutlich geknickt zu sein. Ja er wusste, dass er alleine keine Chance hatte Harry aufzuhalten. Aber er hatte auch gar kein Recht dazu, das hatte Harry gerade sehr deutlich gesagt. „Geh doch, und mach was Du willst", nuschelte Fred patzig und drehte sich wieder zu Harry um.

Draco hatte sich wieder direkt neben dem Schwarzhaarigen hingestellt und blickte etwas nachdenklich drein. Er versuchte die Situation genau zu verstehen.

Also wollte Harry Potter mal wieder aus dem Rahmen fallen und in ein Abenteuer stolpern?! Sich vermutlich wieder in Gefahr begeben. Ein Abenteuer erleben? … und sofort hallte in Dracos Ohren der letzte Satz von Severus Snape wieder: „…und pass auf Potter auf, damit er keine Scheiße baut oder in Schwierigkeiten gerät." Aber war das wirklich ernst gemeint? Potter war nun wirklich auf dem direkten Weg in Schwierigkeiten. Sollte er ihn aufhalten? Ging es ihn eigentlich irgendetwas an, was Potter machte? Aber …

Er musste Harry die Uhr entreißen, dann gäbe es keine Probleme. Harry würde hier bleiben und er würde kein schlechtes Gewissen zu haben brauchen, wenn er an Severus dachte. Schon streckte er seine Hand aus und berührte den kühlen Wecker, aber Harry hielt ihn fest und starrte Draco jetzt sauer an.

„Finger weg, Malfoy! Sonst kommst Du noch mit. Oder was denkst Du, was Du da tust?" Harry schrie den blonden Jungen hart an, aber dieser zuckte nicht mit der Wimper und seine Hände blieben um den Wecker gekrallt.

„Lass diesen Scheiß, Potter. Und mach einmal in deinem verdammten Leben das, was von Dir verlangt wird." Draco wusste nicht so recht, warum er dies sagte, aber das kalte Funkeln in den grünen Augen ließ ihn dann doch etwas erschaudern. War Draco vielleicht sogar etwas eifersüchtig auf Harrys Ruhm und Erfolg?

Das Japsen von Fred ließ sie auseinander fahren, aber noch immer berührten ihre Finger das kühle Material vom Wecker. Harry realisierte sofort was passierte.

Es ging los!

HPHPHPHPHPHPHP

Zu ihren Füßen hatte sich schwarzer Nebel gebildet und stieg langsam dicht an ihren Körpern empor. „Lass endlich los Draco, sonst kommst Du wirklich mit und ich habe keine Ahnung, was dort passieren wird", fauchte Harry den Slytherin panisch an. Nicht mal seine Freunde wollte er bei so einer Reise in Gefahr bringen, und auch Draco sollte ihn nicht begleiten. Aber genau dieser sah es gar nicht ein, sich die Uhr entreißen zu lassen und hielt sie noch fester. Immer verzweifelter zog Harry an der Uhr und versuchte Draco wegzuschubsen.

Ein helles Schrillen ließ sie plötzlich erstarren, es wurde vom flackern der Wände begleitet.

„Der Alarm?!" fluchte Fred und sah sich gehetzt um. Er stolperte einige Schritte zurück, bevor er sich mit einem letzten Blick in Harrys grüne Augen verabschiedete und hinter einer blauen Wand verschwand.

„Gib's auf Potter, Dich kann man doch nicht alleine lassen. Einer mit Vernunft muss doch auf Dich aufpassen, sonst schaffst Du es noch deine Vorfahren in den Tod zu schicken. Und wir wollen doch nicht auf unsern wertvollen Helden verzichten", zischte Draco und der Spott war direkt an Harry gerichtet. Harrys Augen blitzten auf und ließen den Blick aus den grauen Augen nicht los.

Der schwarze Nebel war jetzt gut einen Meter über den Boden und langsam hatte Harry das Gefühl, dass er keine Luft mehr bekam. Die Luft wurde ihnen aus dem Körper gedrückt. Kalter Schweiß brach bei ihm aus und auch in Dracos Augen konnte er Entsetzen und Angst erkennen.

Fünf kräftige Engel in weißen Hosen und blauen Hemden stürzten in den Raum. Anscheinend funktionierte wenigstens hier der Alarm ausgezeichnet. Sie blickten sich kurz um und standen dann um die Jungen herum. Mit ihren polierten Speerspitzen bedrohten sie die beiden Jungen in der Mitte.

Kaum 3 Zentimeter waren zwischen den beiden Zauberern und den Waffen, aber um Angst zu verspüren war keine Zeit. Es gab jetzt kein Zurück mehr und Draco trat einen Schritt näher an Harry heran, um den Waffen zu entkommen. Sie hörten nicht, was die Engel sagten. Der schwarze Nebel schien alle Geräusche von außen zu verschlucken und beengte sie weiter.

Harry war etwas kleiner als Draco und atmete den schwarzen Nebel ein wenig früher ein. Ihm wurde sofort schwindelig und er suchte Halt. Mit klammen Fingern krallte er sich in Dracos Hemd fest. Dieser hatte ähnliche Probleme, sonst hätte er Harry ganz schön zusammen gestaucht, so hielt er sich an Harrys Körper fest, denn es war das einzige, woran er wenigstens etwas Halt finden konnte.

Der Nebel stieg immer höher und erreichte nun ihre Gesichter. Harry vergrub seine Nase an Dracos Seite, aber der schwarze Rauch drang immer weiter in ihre Atemwege ein und blockierte sämtliche Gedankengänge. Sie konnten sich nicht mehr bewegen… es gab kein Zurück.

Das rationale oder emotionale Denken und Handeln war schon lange nicht mehr möglich. Und das einzige was Harry fühlte war, dass er nicht allein war. Es war noch jemand da, jemand, der ihm Halt und Kraft gab, ob er wollte oder nicht.

Die Zeit lief, aber viel langsamer als es normal sein konnte. Die zwei Jungen verdrehten ganz langsam ihre Augen und verloren ihr Gleichgewicht. Ihre Umklammerung ließen sie dabei allerdings nicht los. Ihre Beine gaben in Zeitlupe nach und langsam, ganz langsam sackten sie in sich zusammen ohne auch nur etwas wahrzunehmen, außer dem warmen Körper an ihrer Seite. Sie würden zu Boden fallen und sich nicht darum kümmern können, was dann passieren sollte.

Nur sollten sie nie auf diesem unsicheren Boden aus kaltem Licht und Nebel aufkommen. Die schwarze Luft schützte und umschloss sie wie ein Kokon. Unter den ungläubigen und wütenden Blicken der fünf Engel verschwanden die ehemaligen Hogwartsschüler aus dem Raum der Zeit und verließen gleichzeitig die Erinnerung der Menschen.

Einen Augenblick später war nicht mal mehr ein Hauch vom schwarzen Nebel zu sehen und auch der Raum glich plötzlich jedem anderen Raum im Himmel. Niemand würde sich an den Raum der Zeit erinnern können, auch Fred Weasley nicht. Er hatte seine Aufgabe getan und wurde nun nicht mehr gebraucht.

Die Engel verließen den Raum ohne sich umzusehen. Keiner würde suchen, denn es war als ob es einen Harry Potter und einen Draco Malfoy nie gegeben hätte. Es war, als ob Harrys und Dracos Vernichtung mit diesem Verschwinden besiegelt sei. Eine Welt ohne zwei Jungen, die mehr waren, mehr erlebt haben und mehr bewegt haben, als normale Teenager. Was würde bloß aus der Welt werden, wenn sie nicht zurückkommen würden. Was würde sein, wenn sie nicht wieder kommen? Wenn sie nicht wieder ein Teil der Gegenwartsgeschichte der Zaubererwelt werden würden? Würde Voldemort dann weiterhin Tod und Schrecken über die Menschen bringen? Was wäre, wenn es sie nicht gibt oder sie nie geben wird?

- Ende Teil 2 -


Tbc.