4. Kapitel: Das Leben der einfachen Leute
Am nächsten Morgen trieb der Barde Fleur schon sehr früh hinaus: „Besorge nun das Haus. Außerdem hast du den Kessel auf der Feuerstelle noch nicht geschrubbt. Nimm die Wurzelbürste hier und sieh zu, dass er blitzt und strahlt, wenn ich nachher von der Arbeit heim komme."
Ein paar Tage lebte das Paar auf diese Art mehr schlecht als recht. Da sprach der Barde: „Frau, so geht's nicht länger, dass wir hier zehren und nicht genug verdienen. Du sollst Körbe flechten." Er ging in den Wald hinaus zu einem alten peitschenden Weidenbaum, der jedoch stille hielt, sobald er den Baum bei der Wurzel berührt hatte. Er schnitt ein paar Äste ab und brachte sie zu seiner Frau. Da fing Fleur an zu flechten, aber die harten Weiden stachen ihr die zarten Hände wund.
„Ich sehe, das geht nicht", sprach ihr Mann, „nimm lieber die Flubberwürmer aus, die sich im Graben hinter der Hütte tummeln. Vielleicht kannst du das besser." So ging sie mit verzogener Mine nach draußen, sammelte im Graben einige braune Würmer und versuchte, diese auszupressen und den Schleim in einem kleinen Kupferkessel aufzufangen, doch das meiste rann ihr daneben. „Siehst du", sprach der Barde, „kochen und putzen kannst du nicht, zum Körbe flechten bist du zu ungeschickt und nicht einmal einem elenden Wurm kannst du beikommen. Das Schicksal hat mich arg getroffen!"
Am nächsten Morgen sprach der Barde dann erneut zu seiner Frau: „Nun will ich's versuchen und einen Handel mit gebrauchten Kesseln, die mir Hogwarts Schulleiter in seinem Erbarmen überlassen hat, anfangen. Du sollst dich im Dorf auf den Markt setzen und die Ware feilbieten."
„Ach", dachte sich Fleur, „wenn auf die Markt Bekannte von meine Onkel komme und sehe misch da sitze, wie werde sie misch verspotte!" Aber es half nichts, sie musste sich fügen, wenn sie nicht des Hungers sterben wollte. Das erste Mal ging's gut, denn die Hexen und Zauberer kauften der jungen Frau, weil sie schön war, gern ihre Waren ab und bezahlten, was sie forderte. Ja manche gaben ihr sogar die Sickel und ließen ihr den Kessel noch dazu.
Am nächsten Tag setzte sich Fleur mit ihren Kesseln an eine andere Ecke des Marktes. Da kam plötzlich ein Todesser ganz ohne Besen flink wie der Wind dahergeflogen geradezu in die Kessel hinein, so dass sie allesamt in tausend Scherben zersprangen. Da fing Fleur an zu weinen und wusste vor Angst nicht mehr ein noch aus. „Ach, wie wird es mir ergehe!" jammerte sie, „was wird meine Ehemann dazu sage!" Sie lief heim und erzählte ihm das Unglück. „Wer ist denn auch so dumm und setzt sich an die Ecke des Marktes mit irgendeinem Geschirr!" ,zürnte der Barde, „Lass' gefälligst das Weinen Weib. Ich sehe schon seit Anbeginn unserer Verbindung wohl, du bist zu gar keiner ordentlichen Arbeit zu gebrauchen! Daher bin ich auf dem Schlosse gewesen und habe dort gefragt, ob sie nicht eine Küchenmagd brauchen könnten, denn viele ihrer Hauselfen haben auf wundersame Weise die Freiheit erlangt, so dass es nicht mehr genug Personal in der Küche gibt. Sie sagten, sie würden dich nehmen. Dafür bekommst du freies Essen."
