Veränderte Perspektive

von Callista Evans

Kapitel 4: Verraten

Disclaimer: Das Hogwarts-Universum und seine Figuren sind geistiges Eigentum von J.K. Rowling und ich habe es mir nur ausgeliehen.

A/N.: Wie in jedem Kapitel gilt mein besonderer Dank Simone, die unermüdlich ihren Rot-Grün- oder auch mal Blaustift schwingt und so die größten Fehler ausmerzt. Wenn diesmal doch noch etwas falsch ist, liegt es daran, dass ich noch nachträgliche Veränderungen vorgenommen habe.
Liebe Reviewer, ihr sorgt dafür, dass selbst bei Regen meine Stimmung sonnig ist durch eure Begeisterung und euren Zuspruch. Danke und macht doch bitte weiter so. Ich bin allmählich süchtig nach Reviews :-). Viel Spaß beim Lesen! Callista

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Hermione wachte mit Kopfschmerzen auf. Schon wieder eine Nacht voller merkwürdiger Träume. Doch dieses Mal konnte sie sich zum Glück an keine Details erinnern. Nur das Gefühl, vor etwas davon gelaufen zu sein, blieb. Doch heute war Weihnachten und sie entschloss sich, nur an den Feiertag zu denken und sonst an gar nichts anderes. Am Rand ihres Bettes lagen diverse, hübsch verpackte, bunte Weihnachtspäckchen, die die Hauselfen dort deponiert hatten. Sie stieg schnell aus dem Bett und begab sich ins Bad. Ron und Harry würden auf sie warten und egal, was gestern passiert war, die beiden wären zu Tode beleidigt, wenn sie nicht zu ihnen herüber käme, um gemeinsam die Geschenke auszupacken.

Harry und Ron hatten beschlossen, ihrer Freundin eine Gnadenfrist zu gewähren und dem Intermezzo vom Vortag erst nach den Feiertagen auf den Grund zu gehen. Als es an der Tür zu ihrem gemeinsamen Schlafraum klopfte, riefen beide im Chor Sie waren erleichtert darüber, dass Hermione ihnen trotz allem nicht auswich. Mit viel Papiergeraschel, fröhlichen Weihnachtswünschen und herzlichen Umarmungen begannen die drei Freunde nun das Weihnachtsfest. Als sie später zum Essen herunter gingen, trug jeder von ihnen den obligatorischen Weasley-Pullover. Der ganze Tag verlief in bester Harmonie, zumal ihre Erzfeinde (sprich Malfoy und seine Gorillas) nicht anwesend waren. Wenn man natürlich von Rons üblichen Kommentaren zur Farbauswahl seiner Mutter mal absah.

Es war inzwischen Abend geworden. Die meisten der Gryffindors saßen satt und träge im Gemeinschaftsraum herum, und hörten den singenden Tannenbäumen aus dem neuen Sortiment der Weasley-Zwillinge zu. Oder besser sie mussten zuhören, da diese nicht ohne weiteres abzustellen waren nach erstmaliger Inbetriebnahme. Entfernen konnte man sie auch nicht, da sie bereits Wurzeln geschlagen hatten. Zum Glück wurden sie allmählich leiser. Hermione wurde unruhig. Nach einem Blick auf die beiden Jungen, sie spielten 'Snape explodiert', verschwand sie leise.

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Severus Snape hatte fast den gesamten Tag in seinen privaten Räumen verbracht. Er wollte es auf jeden Fall vermeiden, mit der 'Friede-Freude-Eierkuchen' Mentalität, die im ganzen Schloss herrschte, auch nur in entferntester Form in Kontakt zu kommen. Er ließ seine schlechte Laune an diversen zerbrechlichen Gegenständen aus (gut dass es den Zauberspruch 'Reparo' gab!) und tyrannisierte die arme Winky. Doch am späten Abend stellte er fest, dass seine Beine etwas Bewegung vertragen könnten. So beschloss der Zaubertranklehrer seinen üblichen Rundgang durch die Burg zu starten, obwohl die Sperrstunde noch nicht begonnen hatte. Unterwegs philosophierte er über seinen Drahtseilakt als Doppelagent. Er wunderte sich, warum er schon seit längerer Zeit nicht mehr zum dunklen Lord gerufen worden war. Längere Pausen zwischen den Treffen waren nicht unüblich, gab es doch seit der Bekanntwerdung seiner Rückkehr für Voldemort noch mehr Gründe im Geheimen zu agieren. Gewöhnlich besagte eine längere Pause zwischen den Zusammenkünften der Todesser, dass der dunkle Magier wieder eine neue Idee ausbrütete. Das wiederum bedeutete viel unangenehme Arbeit für Severus. Wahrscheinlich ging es um eine erneute Falle für Potter. Über den, wollte er jetzt überhaupt nicht nachdenken. Da fiel dem grübelnden Mann ein, dass er für einige Recherchen noch die entsprechenden Bücher aus der Bibliothek benötigte. Um diese Uhrzeit würde kein Kollege dort sein, und die Schüler hatten keinen Zutritt außerhalb der Öffnungszeiten. Mit wehendem Umhang machte er sich sofort auf den Weg.

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Hermione hatte es sich in der Bibliothek gemütlich gemacht. Um nicht wieder in Ärger zu geraten, war sie in Harrys Zimmer geschlichen, um sich den Tarnumhang 'auszuleihen'. Dieser lag nun fein säuberlich zusammen gefaltet und unschuldig aussehend auf dem Stuhl neben ihr. Sie wusste, ihr Freund hätte nichts dagegen. Sie hatte den Umhang schon mehrfach von ihm erbeten und er hatte ihn immer großzügig mit seinen Freunden geteilt. Ungestört und in aller Ruhe, auch hier kam der modifizierte Silentium-Zauber wieder zum Einsatz, vertiefte sie sich in verschiedene Bücher zum Thema Erinnerung und Manipulation des Geistes. Sie machte Notizen und lachte plötzlich laut auf. In einem Buch fand sie einen Fluch, der sie sofort an die Weasley-Zwillinge denken ließ. Sie nahm ein neues Pergament hervor, um den Zauber für sie zu notieren. Fred und George waren immer auf der Suche nach neuen Methoden, Sprüche und Flüche auf Gegenständen zu manifestieren, um ihr Sortiment im Scherzartikel-Laden zu erweitern. Ein Fluch, der die innere Hemmschwelle herunter setzte, also ähnlich wie Alkohol reagierte (ohne dabei einen Kater zu verursachen), würde die Besitzer des beliebten Scherzartikel-Ladens in der Winkelgasse sicher interessieren. Der Anteil am Gewinn, den die beiden dem Entdecker verwertbarer Zaubersprüche anboten, würde ihrem Konto bei Gringotts gutgeschrieben werden. Sie konnte für ihr Studium jede finanzielle Unterstützung gebrauchen, wollte sie ihren Eltern doch nicht länger als nötig auf der Tasche liegen. Endlich fand sie die gesuchten Informationen zum Obliviate-Zauber, die ihr noch fehlten, und konnte ihre Aufzeichnungen vervollkommnen.

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Auf seinem Weg in die Bibliothek begegnete der Zaubertränkemeister zwei Sechstklässler aus Hufflepuff, die nicht schnell genug in Deckung gehen konnten, da sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Mit einem befriedigten Lächeln fuhr er die beiden an. Mr. Thorn und Miss Miller, was haben Sie auf dem Gang zu suchen? Das engumschlungene Paar fuhr auseinander und schaute ihn erschrocken an. Nach dem unvermeidlichen Punkteabzug ging er schnellen Schrittes weiter, bevor die zwei Schüler auch nur eine Silbe hervorbringen konnten. Als er die Tür zur Bibliothek öffnete, bemerkte er ein Licht in der Nähe der verbotenen Abteilung. Es war kein Laut zu vernehmen. Neugierig bewegte er sich vorwärts. Da er selbst die Fähigkeit besaß, sich lautlos zu bewegen, würde die Person ihn erst bemerken, wenn er es wollte. Sie saß mit dem Rücken zu ihm. Natürlich, nur ein Bewohner von Hogwarts würde um diese Uhrzeit, an diesem Tage, seine (bzw. in diesem Fall ihre) Nase in die Bücher stecken. Hermione Granger. Neugierig sah er über ihre Schulter, um zu erkennen, was sie gerade schrieb. Und er wurde zornig. Er hätte sich denken können, dass sie recherchierte, wie eine Erinnerung ausgelöscht wurde. Er wusste auch genau, um welche Erinnerung es sich handelte. Er hatte allerdings nicht geahnt, dass der Gedanke daran so unangenehm für sie gewesen war. Im Gegenteil, ihm war, als hätte sie sich an ihn geschmiegt. Von Abwehr hatte er nichts gespürt. Na warte, die Suppe werde ich dir versalzen, dachte er. Laut äußerte er die Worte: Miss Granger, was machen Sie um diese Uhrzeit in der Bibliothek?

Sie schreckte auf, und sah in das grimmige Gesicht des Mannes, dem sie es zu verdanken hatte, dass sie jetzt hier den Zauber recherchierte, anstatt an ihren anderen Projekten weiter zu arbeiten. Madame Pince gab mir eine Sondererlaubnis, die Bücherei auch außerhalb der Öffnungszeiten zu benutzen, sprach sie mit lauter Stimme, nachdem der Geräusche-Dämpfungszauber von ihr beendet worden war. Sie hob stolz den Kopf und sah ihn an. Diesmal hatte sie sich nichts zu Schulden kommen lassen und würde es mit ihm aufnehmen. Er ging nicht näher auf das Thema ein, sondern kam gleich zum Punkt: Als Ihr Lehrer, bin ich für Ihre Erziehung zuständig und da ich bemerkt habe, dass Sie eine Erinnerung von sich auslöschen wollten, bin ich gezwungen einzugreifen. Miss Granger, ich verbiete Ihnen den Obliviate-Zauber leichtsinnig anzuwenden. Unangenehme Erinnerungen gehören zum Leben dazu. Sein Gesicht verzog sich wie im Schmerz, doch schnell hatte er sich wieder unter Kontrolle. Sie würden es später bereuen oder Sie verfallen der Leichtigkeit des Problemlösens durch ständige Auslöschung schlechter Ereignisse und das wollen Sie doch nicht!

Obwohl seine Stimme am Anfang seiner kurzen Rede noch den typischen kalten und sarkastischen Tonfall enthielt, wurde sie gegen Ende deutlich wärmer und fürsorglicher, als er es geplant hatte. Voller Erstaunen und Neugier über seinen Stimmungswandel starrte sie ihn an, als würde er sich sogleich in jemand anderen verwandeln. Zum ersten Mal, seit sie an dieser Schule war, waren keine negativen Emotionen zu erkennen, als er mit ihr sprach. Und trotzdem hatte er sie so schlecht behandelt, als sie beide zusammen gearbeitet hatten. Oder war das etwa ein Schutzmechanismus von seiner Seite? Sie wusste nicht, was sie von der ganzen Sache halten sollte, doch eines war sicher, sie würde verrückt werden, wenn sie die Sache nicht klären konnten. Sie beschloss ihr Glück noch einmal zu strapazieren und antwortete ihm: Sie scheinen sehr um mein Wohl besorgt zu sein, Sir, und ich danke Ihnen dafür. Ein kleines Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Es würde mir noch mehr helfen, wenn Sie mir, trotz der Tatsache das es eine Strafarbeit ist, bei unserer gemeinsamen Arbeit nicht so sehr das Gefühl geben würden, absolut unwissend zu sein. Ich weiß, dass meine Kenntnisse in Zaubertränke bei weitem noch nicht perfekt sind, aber immerhin habe ich bei allen Examen und den OWLs (ZAG) gut abgeschnitten und ich bemühe mich doch, Sie zufrieden zu stellen. Erleichtert den ganzen Monolog ohne Stottern bewältigt zu haben, stand sie wartend vor ihm, um seine Antwort zu erwarten.

Er sah sie zögernd an. Noch vor wenigen Minuten hätte er nicht gezögert sie anzuschreien, doch mit einem Mal erschien ihm das sinnlos und uneffektiv. Es würde sehr viel angenehmer und auch wirksamer sein mit Hermione als Partnerin zu arbeiten. Dass sie das Zeug dazu hatte, wusste er genau und warum sollte er nicht auch einmal den bequemen Weg gehen. Es war schließlich nicht so, dass er sie im Unterricht vor allen Schülern anders behandeln würde, sondern nur wenn die zwei alleine arbeiteten. Einverstanden, Miss Granger, ich werde um der Effektivität wegen auf weitere erzieherische Maßnahmen während der Strafarbeit verzichten. Er musste wenigstens sein Gesicht wahren. Im Nu hatte er die benötigten Bücher heraus gesucht und verließ dann, so schnell es seine Würde erlaubte, die Bibliothek.

Die junge Hexe stieß die Luft aus den Lungen. Ihr war gar nicht bewusst gewesen, sie angehalten zu haben. Sie hatte es geschafft und dem meist gefürchteten Lehrer der Schule die Stirn geboten. Und sie hatte es überlebt. Sie wusste immer noch nicht recht, was sie von seinem Verhalten denken sollte. Zuerst hatte sie wütend auffahren wollen, als sie seine Einmischung entdeckte. Doch obwohl sie seine Motivation in der Angelegenheit nicht nachvollziehen konnte, musste sie ihm Recht geben. Es war normalerweise auch nicht ihre Art, Problemen aus dem Weg zu gehen. Sie würde sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass sich ihre Gefühle für den dunklen Zaubertränkemeister geändert hatten. Was sie genau für ihn empfand, musste sie noch herausfinden, aber nicht mehr heute Abend. Mit einer Hand eine Gähnattacke unterdrückend, räumte sie schnell auf und schloss dann die Tür der Bibliothek. Mit Hilfe des Tarnumhangs gelangte die Schulsprecherin unbehelligt zu ihrem Schlafraum.

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Professor Dumbledore lächelte bei dem Gedanken an Severus. Kein Wunder, dass der Kollege so schlecht gelaunt und durcheinander war. Wer so lange Zeit so menschenscheu vor sich hingelebt hatte, den musste so etwas ja emotional aus dem Gleichgewicht reißen. Doch wenn Miss Granger es geschafft hatte, den Zaubertranklehrer aus seiner Lethargie zu bringen, wollte er, Albus, alles dafür tun, damit der junge Mann nicht wieder in dieselbe verfallen würde. Auch wenn das bedeutete, dass er ein Auge zudrücken musste, was die normalen Vorschriften dieser Schule angingen. Hermione war dem Gesetz nach bereits erwachsen und Severus ein Mann von Ehre, der seinen Beruf sehr ernst nahm (wenn auch auf seine eigene Art). Er würde einer Schutzbefohlenen niemals zunahe treten. Der Schulleiter beschloss, den beiden Gelegenheit zu geben, sich besser kennen zu lernen. Minerva war schließlich auch früher seine Schülerin gewesen.

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Auf dem Rückweg in die Kerker dachte Snape darüber nach, was ihm gerade passiert war. Er hatte Miss Granger dabei erwischt, wie sie eine ganz bestimmte Erinnerung aus ihrem Gedächtnis löschen wollte. Zuerst war er einfach sauer darüber, dass sie es sich so einfach machen wollte. Er musste sich schließlich genauso mit den Konsequenzen auseinander setzen wie sie. Doch sie hatte den leichteren Weg gehen wollen und das gefiel ihm gar nicht. Dann wurde ihm seine eigentliche Motivation klar. Er wollte nicht, dass sie den Kuss einfach vergaß. Hinzu kam ein Gefühl der Traurigkeit, weil sie die Erinnerung an denselben loswerden wollte. Für ihn war das ein deutliches Signal, wie schrecklich es für sie gewesen sein musste. Trotzdem hatte er in den Waffenstillstand eingewilligt, den sie vorschlug, obwohl er noch nicht wusste, wie er sich in ihrer Gegenwart unbefangen benehmen sollte, zumindest wenn sie beide allein waren.

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Ginny Weasley verbrachte die Weihnachtsfeiertage in einer seltsamen Stimmung. Sie war sich nicht ganz klar darüber, was sie von Harrys Verhalten denken sollte. Sie war bei den Jungen sehr beliebt und hatte, seit sie ihre kindliche Schwärmerei gegenüber dem 'Jungen-der-überlebte' aufgab, eine Reihe von Dates gehabt. Mit einigen Jungen war sie befreundet gewesen, aber meistens nur für kurze Zeit. Sie hatte nach spätestens drei Monaten begonnen, Dinge an ihrem jeweiligen Freund zu entdecken, die ihr nicht passten und kurze Zeit darauf trennten sie sich. Erst vor kurzem fand sie heraus, dass sie alle anderen mit Harry verglichen hatte und dieser Vergleich immer zu seinen Gunsten ausgefallen war. Sie war nicht mehr verknallt in Harry, sie liebte ihn. Als er dann auch noch anfing, sie zu beobachten, am Anfang noch heimlich, doch später dann offensichtlich für alle, schlug ihr Herz jedes Mal schneller. Sie musste sich dann gedanklich schnell abwenden, sonst wäre sie errötet. Nach der wilden Küsserei unter den Misteln, hatte sie gehofft, er würde sie nun offiziell um ein Date bitten. Doch er hatte sich zurückgezogen und sie wusste nicht, ob er sich einen Scherz erlaubt hatte, ob er ihnen beiden etwas Zeit geben wollte nach seinem 'Überfall' oder ob er immer noch so schüchtern war wie früher. (Sie hatte mit Hermione darüber getuschelt). Am besten fragte sie ihre Freundin um Rat, diese kannte Harry schließlich besser. Die rothaarige Gryffindor machte sich auf den Weg zum Zimmer der Schulsprecherin.

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Hermione rannte den Gang entlang. Sie war auf dem Weg zum Kerker. Nachdem sie den Nachmittag und den frühen Abend mit Ginny verbracht hatte, um eins dieser typischen Mädchen-Gespräche zu führen, hätte sie beinahe die Zeit vergessen und musste sich nun beeilen. Professor Snape war zwar bereit, sie zivil zu behandeln, doch Unpünktlichkeit konnte sie sich deshalb nicht erlauben. Mit großem Schwung ging sie um die nächste Kurve und konnte gerade noch bremsen, sonst wäre sie in eine hohe schlanke Gestalt hineingelaufen. Nicht so stürmisch, junge Dame sagte eine freundliche Stimme, die die besagte junge Dame sofort erkannte. Professor Dumbledore, es tut mir Leid, ich habe Sie nicht gesehen! Schon gut, mein Kind. Ich vermute, Sie wollen zu Professor Snape. Da haben wir beide den gleichen Weg. Mit diesen Worten nahm er ihren Arm und legte ihn in den seinen. Gemeinsam stiegen sie hinunter zum Klassenzimmer für Zaubertränke.

Sie kommt zu spät. Reiche einem Gryffindor den Finger und er nimmt die ganze Hand. Mal sehen, was sie zu ihrer Entschuldigung zu sagen hat! Im selben Moment als Snape diese Worte vor sich her murmelte, klopfte es an der Tür. , rief er in seiner besten 'Ich fresse kleine Schüler zum Frühstück'-Manier. Zu Severus' Erstaunen wurde Miss Granger vom Schulleiter begleitet. Er biss sich auf die Zunge, um sich seine so schön geplante Schimpfkanone zu verbeißen. Dumbledore ließ ihm keine Zeit etwas zu sagen. Mein lieber Severus, meine liebe Hermione, da wir hier privat sind in einer Angelegenheit des Ordens, brauchen wir ja nicht so förmlich miteinander umzugehen. Hermione schluckte. Ihr war schon aufgefallen, dass die Mitglieder des OdP privat sehr vertraulich miteinander sprachen. Mit Molly und Arthur war das ja auch kein Problem. Selbst bei Remus, der doch früher auch als Lehrer hier unterrichtet hatte, kam es ihr inzwischen natürlich vor, ihn mit Vornamen anzusprechen. Aber meinte Professor Dumbledore tatsächlich, dass sie ihn mit Albus ansprechen würde, selbst in diesem privaten Umfeld? Ganz zu schweigen von Snape, der sie von der Seite her beobachtete, als wüsste er genau, welche Gedanken sie gerade bewegten. Sie beschloss, den Schulleiter genau zu studieren und auf seine Worte zu achten, um dann die richtige Entscheidung der Anrede zu treffen. Normalerweise achtete er darauf gerade die älteren Schüler nicht zu vertraulich anzureden, um keine Bevorzugung erkennen zu lassen. Bisher hatte er sie nicht anders als Miss Granger und Sie genannt. Zumindest seit sie sechzehn Jahre alt war.

Der Gedanke ihre Lehrer zu duzen, ließ ihr keine Ruhe. Innerlich schmunzelte sie bei der Vorstellung wie sie im Verwandlungsunterricht zu Professor McGonagall sagte:"Bitte, Minerva, kannst du mir eine neue Tasse geben? Neville hat meine zerschlagen!" Unterdessen sprach Dumbledore weiter: Ich habe einen neuen Auftrag für dich, Severus. Ich möchte, dass du einen hochpotenten Zaubertrank weiter entwickelst und braust, der in Form einer Kapsel oder ähnlichem an die Schüler verteilt werden kann, um sie vor Sprüchen und besonders vor Flüchen der dunklen Art zu schützen. Da Hermione eine der besten Schülerinnen ist, möchte ich sie bitten bei der Forschung und Zubereitung zu helfen. Er richtete seinen Blick nun auf die junge Hexe. Wir könnten es als Sonderstudien-Projekt erklären. Du hast doch ohnehin vor Zaubertränke als Studienfach zu belegen? Diese Frage war direkt an sie gerichtet und sie nickte Albus zu.

Also was sagt ihr beide zu meiner Idee? Kann ich euch beiden diese zusätzliche Arbeit zumuten? Mit einem Zwinkern in den Augen sah der Direktor von einem zum anderen. Die beiden Gefragten schauten sich gegenseitig an und begannen gleichzeitig zu reden. Du weißt doch, wie gerne ich mich für die gute Seite opfere, Albus, kam es im typisch sarkastischen Tonfall von Severus. Hermione war noch mit der Wortwahl beschäftigt: Ich ... ich werde mein bestes geben, ... A ... Albus stotterte sie. Gut, dann wäre das ja geklärt. Ich wünsche noch einen angenehmen Abend, sprach Dumbledore und verschwand. Fragend sah Hermione Severus an. Denken Sie nicht mal im Traum daran, Miss Granger! Diese Worte, besonders die beiden letzten so stark betonten, holten sie schnell zurück in die Wirklichkeit. Sie hatte noch eine Strafarbeit zu erledigen. ('Bei Severus', dachte sie und konnte ein leichtes Grinsen nicht unterdrücken).

Der Professor hielt sein Wort und ließ sie in Ruhe. Sie durfte selbstständig arbeiten und er sprach sie nur an, um professionelle Anweisungen zu geben. So verging der Abend wie im Flug und ehe Hermione sich versah, war es tiefe Nacht. Erschrocken blickte sie auf die Uhr. Nur noch einige Minuten bis zur Sperrstunde. Professor Snape, ich möchte Sie nicht unterbrechen, aber ich muss jetzt gehen, wenn ich noch vor der Sperrstunde im Gryffindor- Turm sein soll.

Miss Granger, wir können, wie Sie sehr wohl wissen, den Zaubertrank so nicht hier stehen lassen, und ich brauche Ihre Hilfe für die nächsten Zutaten. Man braucht vier Hände für das Hinzugeben und gleichzeitige Verrühren des Mandionus-Krautes. Ich werde Ihnen eine Sondererlaubnis zur Überschreitung der Sperrstunde geben. Natürlich nur für heute Abend. Einen Moment lang war Severus versucht gewesen, sie nach verrichteter Arbeit selber zu ihrem Turm zurückzubegleiten, doch das wäre so gar nicht sein Stil gewesen. Da musste er sich auch schon wieder auf den Kessel mit der dampfenden Flüssigkeit konzentrieren.

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Albus Dumbledore verließ händereibend die Kerker. Er war sicher, wenn er die beiden alleine und zusammen arbeiten ließ, würde die Zeit schon dafür sorgen, dass beide sich besser kennen lernten. Er würde in seinem Büro noch zu tun haben und erst später mit Minerva sprechen, die er über das Granger/Snape-Projekt informieren wollte. Sie bekam allerdings nur die offizielle Version zu Ohren. Dass beide für den Phönix-Orden einen besonderen Zaubertrank kreieren sollten. Minerva würde ihm das Leben zur Hölle machen, wüsste sie von seinen Kupplungsversuch, besonders, da es sich um eine ihrer Lieblingsschülerinnen handelte.

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Ron merkte, dass mit seiner Schwester etwas nicht stimmte. So unsensibel er auch sein konnte, bei Ginny bemerkte er die verschiedenen Stimmungen sofort. Er hatte angefangen, sie zu beobachten, als sie nach ihrer Rettung vor dem Basilisken aus der Kammer des Schreckens zurückkamen. Das war in seinem zweiten Schuljahr gewesen. Der 'große-Bruder-Beschützer-Instinkt' verlangte von ihm, sie vor allem Bösen bewahren zu wollen. Er beschloss mit Harry über die Knutscherei unter den Misteln zu sprechen, da er wissen wollte, wie ernst sein Freund es mit seiner Schwester meinte. Als die beiden Freunde nach dem Quidditch Training zurück in den Gemeinschaftsraum gingen, bot sich ihm die passende Gelegenheit zu einem Gespräch 'unter Männern'.

Ginny sieht zur Zeit etwas bedrückt aus, meinst Du nicht auch, Harry? fragte Ron mit unschuldigem Tonfall. Harry sah den Freund unsicher an und schluckte. Ron war noch nie ein guter Schauspieler gewesen und auch jetzt war seine Absicht völlig offensichtlich. Er wollte Harry auf den Zahn fühlen. Die Erinnerung an die Reaktion des Rotschopfes auf die früheren Freunde von Ginny, ließ den Jungen-der–überlebte sich vorsichtig an das heikle Thema heran tasten. Ron, ich weiß nicht recht, wie ich ... Doch Ron ließ ihn gar nicht erst ausreden. Komm schon Harry, du kannst nicht erst hingehen und mit Ginny rumknutschen und dann so tun, als sei nichts passiert. Wäre es ein anderes Mädchen gewesen, würde ich mich ja auch nicht einmischen, aber es handelt sich um meine Schwester. Geh zu ihr, und verabrede dich mit ihr, sonst kriegst du's mit mir zu tun! Er klopfte auf Harrys Schulter als wäre diese eine Trommel.

Überrascht und mit großer Erleichterung stellte der junge Mann mit den unordentlichen Haaren fest, dass sein Freund nichts dagegen zu haben schien, wenn er mit Ginny zusammen käme. Oh, Ron, es ist schön zu hören, dass du es okay fändest, wenn ich mit deiner Schwester ginge. Aber da gibt es noch eine Sache, die mich zögern lässt, zu ihr zu gehen. Würde ich Ginny nicht noch einer größeren Gefahr aussetzen, wenn bekannt wird, wie viel sie mir bedeutet? Bei diesen Worten fingen die Ohren des jungen Mannes an zu glühen. Ich mache mir schon Vorwürfe wegen des Kusses. Wenn Voldemort Ginny etwas antut, würde ich mir das niemals verzeihen! Wir alle, allen voran Hermione, Ginny und ich, sind uns bewusst, was es bedeutet, zu dir zu stehen und mit dir befreundet zu sein. Es ist unsere Wahl! Keiner von uns käme auf die Idee, dich um irgendeinen Preis zu verleugnen. Auch wenn das eine zusätzliche Gefahr bedeutet. Das gilt besonders für meine Schwester. Hey, wir Weasleys sind nicht umsonst alle Gryffindors. Also geh jetzt endlich zu ihr, sie weint sich sicher schon die Augen aus, weil sie nicht weiß, woran sie bei dir ist! Ron zog seinen Freund in Richtung Mädchen-Schlafsäle und rief laut den Namen seiner Schwester.

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Schneller als gedacht war die Woche vorbei. Als Hermione zu ihrer letzten Strafarbeit in die Kerker hinab stiefelte, stellte sie sich vor, wie die Slytherins nach den Ferien wieder ihr Territorium zurückeroberten. Hastig stieg sie die letzten Stufen zum Eingang des Klassenzimmers herunter und überlegte wie sie in Zukunft, wenn sie an ihrem 'Ehrenprojekt' arbeitete, möglichst unbehelligt an den Erzfeinden der Gryffindor vorbei käme. Im Labor hatte Professor Snape bereits mit dem neuen Projekt angefangen und sah nur kurz hoch, als sie klopfte und dann eintrat. Miss Granger, dort drüben stehen die Zutaten und die Rezeptur für den Vielsaft-Trank. Da Sie vertraut sind mit der Mixtur, brauche ich Ihnen keine weiteren Anweisungen zu geben. Bitte stellen Sie genügend Zaubertrank für 10 Personen her.

Sie ging sofort zu ihrem Arbeitsplatz und fing mit den Vorbereitungen für den komplizierten Trank an. Als sie anfing die Haut der Baumschlange klein zu schneiden, musste sie plötzlich daran denken, wie sie in ihre zweiten Schuljahr diesen Trank im Klo der Maulenden Myrte gebraut hatte. Sie sah hinüber zu Snape und musste grinsen. Sie war wegen der Schlangenhaut in seinen Vorratsraum geschlichen und hatte die Zutat gestohlen, während Harry ein Ablenkungsmanöver im Klassenraum inszeniert hatte. Der Professor war nie dahinter gekommen. Das nahm sie jedenfalls an. Na Miss Granger, werden da Erinnerungen wach? Sie schaute ihn an. Er wusste es. Wusste, dass sie den Trank schon einmal gebraut hatte, obwohl er im Lehrplan erst gegen Ende des siebten Schuljahres angesetzt war. Er wusste, dass sie ihn damals bestohlen hatte. Und er wusste, dass sie bei der Anwendung desselben so gründlich versagt hatte. Trotzdem schien er nicht ärgerlich zu sein, sondern amüsiert. AMÜSIERT. Snape und amüsiert in einem Satz. Sie musste noch einmal hinsehen, um sich zu vergewissern, dass sie dies nicht träumte.

Woher wissen Sie das und warum haben Sie uns damals gewähren lassen? Wie immer kam ihre Neugier durch. Miss Granger, glauben Sie tatsächlich, dass wir unausgebildeten Schülern so ohne weiteres Lektüren aus der verbotenen Abteilung überlassen, ohne sie im Auge zu behalten? Oder dass wir nicht mitbekommen, was sich in dieser Schule so alles abspielt. Sie sind in einer Zauberer-Schule, nebenbei gesagt in der Besten! Es gibt Mittel und Wege, die Schüler zu ihrem eigenen Schutz zu beobachten, von denen Sie nicht einmal den blassesten Schimmer haben. Sie haben doch sicher in dem Buch mit dem Rezept auch die Darstellung derjenigen gesehen, die einen nicht korrekt gebrauten Vielsaft-Trank zu sich genommen haben! Sein Tonfall verriet, dass dies keine Frage, sondern eine Feststellung war.

Ich hätte Ihnen schon lange Einhalt geboten, aber der Schulleiter war der Meinung, so lange keine Gefahr bestände, sollten wir uns heraus halten. Natürlich habe ich jeden Ihrer Schritte beim Brauen überprüft, um sicher zu stellen, dass Sie nicht in Gefahr waren. Doch selbst ich konnte nicht verhindern, was am Schluss mit Ihnen passierte. Als er den letzten Satz ausgesprochen hatte, erschien kurz ein Grinsen auf seinem Gesicht. Obwohl es hämisch ausfallen sollte, merkte Snape, dass ihm seine Gesichtszüge nicht ganz korrekt gehorchten.

Sie müssten mir eigentlich sehr dankbar sein, immerhin war ich es, der den Gegentrank für Ihren Katzenschwanz gebraut hat, sonst würden Sie noch immer damit herum laufen! Diesmal war das Grinsen unübersehbar. Später war sie sich nicht sicher, ob sie diesen letzten Satz wirklich gehört hatte oder ob es nur ein Traum war. Hatte Snape sie tatsächlich geneckt?

Ende des Kapitels

A/N.: An alle Snape-Fans. Kennt ihr schon PMs neue Webseite 'Dreams & Potions' ? Nein noch nicht. Da habt ihr aber was verpasst. Es ist eine wunderbare Seite über Alan Rickman und Severus Snape. Schaut doch unter www.rickman-snape.net einfach mal nach. Zufälligerweise :o) habe ich an dem Story-Wettbewerb dort teilgenommen und würde mich sehr freuen, wenn ihr die Geschichten dort lest und an der Abstimmung teilnehmen würdet. Ups, das war ein wenig Eigenwerbung:-).
LG Callista