"Jeden Morgen erwacht in Afrika eine Gazelle. Sie weiß, dass sie schneller sein muss als der schnellste Löwe. Jeden Morgen erwacht in Afrika ein Löwe. Er weiß, dass er nicht langsamer sein darf als die langsamste Gazelle. Egal ob wir Gazelle sind oder Löwe - wir müssen rennen!"

(Heinz Dürr )

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„Leg den Umhang ab!"

Hermine fühlte sich nackt in dem weißen nachthemdähnlichen Gewand, das sie darunter trug. Trotzdem öffnete sie ihren Umhang und zog ihn gehorsam von den Schultern. Während Snape aufstand und einmal um sie herumging, wie ein Raubtier um seine Beute, senkte sie den Kopf. Sie spürte seinen Atem in ihrem Rücken. Seine Finger machten sich an dem Kragen ihres Gewands zu schaffen, zogen ihn im Nacken ein Stück hinunter. Hermine hörte ihn einmal laut schnaufen, dann ließ er sie wieder los.

Er hatte nach ihrer Brandmarke gesehen: 20-7-1. Die 20 verriet Hermines Alter, die 7, dass sie noch Jungfrau war und die 1, dass sie zu den Schlammblütern gehörte. Hermine wusste nicht, was davon Snape dieses Schnauben entlockt hatte, aber es hieß bestimmt nichts Gutes. Er hatte ihren Barcode wie eine Ware gelesen. Zahlen die ihn nichts angingen. Aber das Recht auf Privatsphäre hatte Hermine schon längst verwirkt.

„Setz dich!"

Der nächste Befehl. Seit sie in das Zimmer gekommen war hatte es Befehle gehagelt. Und Hermine hatte sich nicht widersetzt. Jetzt folgte sie Snape zu seinem Schreibtisch und nahm ihm gegenüber Platz. Die Hände ängstlich ineinander verschränkt und auf der äußersten Stuhlkante sitzend, traute sie sich kaum zu atmen.

„Ich will ein Spiel mit dir spielen."

Snape ließ seine Worte auf Hermine wirken, bevor er aufstand und durch den Raum wanderte.

„Die Regeln sind leicht: Ich gebe dir eine Aufgabe, wenn du sie erfüllst, werde ich dir eine Frage beantworten. Du wirst mich einmal die Woche in diesem Zimmer aufsuchen. Alles was gesagt wird, bleibt in diesem Raum. – Was meinst du?"

Hermine schwieg, unsicher ob sie sprechen durfte, sah sie Snape nur fragend an. Dieser blickte sie durchdringend an. Als er Hermines Problem erkannte, zuckten seine Mundwinkel leicht.

„Du darfst hier drinnen reden."

Hermine gingen eine Menge Fragen im Kopf herum. Sie stellte die nächstliegende.

„Warum?"

Ihre Stimme war ein Flüstern. Sie hörte sich an, als wäre sie ewig nicht benutzt worden und so war es wohl auch.

„Es ist ein Spiel, Hermine. Man spielt zum Zeitvertreib."

Sie nickte eilig.

„Was ist? Gehst du auf mein Angebot ein?"

„Habe ich eine Wahl, Sir?"

„Du könntest gehen. Die Wächter werden dich finden. Was diese Männer mit dir anstellen, ist dann nicht mehr meine Angelegenheit."

„Nein."

Zum ersten Mal wurde Hermines Stimme lauter. Sie würden sie vergewaltigen - oder töten, wenn sie genug von ihr hatten. Es war ein gefährliches Spiel, auf das sie sich mit Snape einließ. Aber es war das kleinere Übel, wenn sie an die Wächter dachte.

„Was soll ich tun?"

Er schien einen Augenblick zu überlegen.

„Ich will, dass du eine von Narzissas Strumpfhosen klaust und sie eine Woche lang trägst. Du wirst sie mir bei unserem nächsten Treffen mitbringen."

Riskant und verboten. Es war offensichtlich, dass Snape die Vorstellung erregte. Aber es gab Hermine die Möglichkeit eine Frage zu stellen. Eine Frage über die sie sich den Rest der Woche Gedanken machen würde. Sollte sie nach ihren Freunden fragen? Oder wie die Welt dort draußen aussah? Ob der Krieg geendet hatte? All diese Fragen formten sich in ihrem Kopf, während sie Snape in seinem Arbeitszimmer gegenüber saß. Er ignorierte sie jetzt vollkommen, hatte sich in seine Arbeit vertieft, und Hermine erschien es nicht ratsam, sich bemerkbar zu machen. Sie hörte die Dielenbretter knarren, während die Wächter auf den Gängen nach ihr suchten. Einige Zeit später klopfte es zaghaft an der Tür zu Snapes Arbeitzimmer.

„Ist bei Ihnen alles in Ordnung, Sir."

Snape schaute nicht einmal auf, als er die Antwort bejahte und nach einer Ewigkeit entfernten sich die Schritte und es wurde wieder ruhig im Haus. Snape legte seinen Stift beiseite und blickte in Hermines braune Augen.

„Du kannst jetzt gehen!"

Eilig griff Hermine nach Umhang und Kopftuch und als Snape endlich die Tür aufschloss stürzte sie, ohne sich um die Lautstärke zu kümmern, auf den Gang hinaus in ihr eigenes Zimmer.

Sie schlief - ihre Schmerzen völlig vergessen - in dem Bewusstsein ein, eine große Dummheit gemacht zu haben. Eine Dummheit, die ihr Leben nicht angenehmer machen würde, aber auf jeden Fall ereignisreicher.