Kapitel 4
Ich schreckte hoch.
Irgendwas hatte mich geweckt, doch jetzt wo ich wach war konnte ich nicht mehr genau sagen was es war. Es hatte keinen Sinn, noch weiter zu schlafen, also schwang ich die Beine über die Bettkante und machte mich auf den Weg ins Bad.
Harrys Auto sprang an und fuhr aus der Ausfahrt. Verwundert sah ich auf die Uhr, es war erst halb sieben. Ich zuckte mit den Schultern und ging zum Kleiderschrank.
Mein zerknautschtes Spiegelbild, das mir schon im Badezimmerspiegel entgegen geguckt hatte war nicht verschwunden. Nachdem ich mir eine einfache dunkle Jeans und einen dunkelblauen, viel zu großen Pullover übergezogen hatte, schlüpfte ich in meine flauschigen Hausschuhe und ging runter in die Küche um zu Frühstücken.
Es war offensichtlich, dass Harry hier nicht viel Zeit verbrachte. Ich würde erst einmal aufräumen müssen, wenn ich etwas anständiges zum Essen bekommen wollte.
Während ich mich an die Berge von schmutzigem Geschirr machte begannen meine Gedanken abzuschweifen.
Sam hatte sich ein Jahr nachdem ich gegangen war zum ersten mal verwandelt und Paul nur zwei Monate später. Das alles hatte auch nichts mit dem Vollmond zu tun, soviel wusste ich schon. Ich fragte mich, was dazu geführt haben könnte, denn auch wenn ich die Zukunft sehen konnte, ich konnte nur die Zukunft derer sehen, die ich kannte.
Irgendwas war in Forks passiert, als ich weg war und es juckte mich in den Fingern es heraus zu finden. Aber heute war die Schule dran. Morgen würde mein erster Schultag in der neuen High School sein und ich hatte noch einiges vorzubereiten. Die Küche war jetzt tadellos sauber und ich schlang eine Schüssel Cornflakes runter, bevor ich mich an meine alten Aufzeichnungen setzte. Ich hatte keine Lust mich an meinem ersten Tag zu blamieren.
Meine Mathematik-, Englisch-, Biologie-, Physik-, Geografie- und Kunstzettel waren schnell durchgearbeitet, doch für Spanisch brauchte ich mehr Zeit, um alles durchzulesen.
Als ich endlich fertig war setzte bereits die Dämmerung ein, also ging ich in die Küche um das Abendessen zu kochen. Die Kartoffelsuppe köchelte vor sich hin, als Harry nach Hause kam. „Hallo Alice. Kochst du etwa?" „Ja, ich dachte ich übernehme das, solange ich hier bin." Mein Vater tauchte im Türrahmen auf und schien überrascht. „Ich hätte nicht gedacht, dass du so schnell zurechtkommen würdest. Aber es ist schön zu sehen, dass du zurechtkommst." Ich biss mir auf die Unterlippe. Damit konnte er nur meinen, dass ich noch keine `Einbildungen` gehabt hatte, oder wie auch immer er es nannte. Damit nichts anbrannte rührte ich noch ein paar mal im Topf, bevor ich das Essen dann servierte. Es schien Harry zu schmecken und auch ich verschlang gleich zwei volle Teller. Das entging meinem Dad nicht. „Du hast aber einen gesunden Appetit. Ich hatte erwartet, dass du kaum etwas essen würdest." Mein erzwungenes Lächeln schien er mir abzunehmen und er räumte sogar den Tisch ab, bevor er wieder vor dem Fernseher verschwand. Auch ich verschwand in meinem Zimmer und machte mich bereit fürs Bett. Es kam mir so vor, als hätte ich nichts gemacht, aber die Erschöpfung machte sich in mir breit und ich versank schnell in einem meiner verrückten Träume.
Ich ging einen Flur entlang und ließ mich einfach vom Strom leiten. Immer wieder kamen mir andere Schüler entgegen und musterten mich neugierig. Dann wurde ich durch die Türen in die Cafeteria geschoben und konnte fast die ganze Schülerschaft sehen. Besonders hatte es mir eine abseits sitzende Gruppe angetan. Es waren drei Jungen und drei Mädchen, alle atemberaubend schön. Ich wandte den Blick schnell ab, bevor einer bemerken konnte wie ich sie anstarrte. Das Mädchen neben mir schien es trotzdem bemerkt zu haben. „Das sind die Cullens, Emmett und Rosalie, Edward und Bella und dann noch Jasper und Victoria." Mein Blick blieb bei dem letzten Paar hängen. Victoria war nicht die Schönste, doch ihre flammend roten Haare leuchteten durch den ganzen Raum. Genau in dem Moment drehte sich der Junge neben ihr um und starrte mich an. Verwirrung und Wut spiegelten sich in seinem Blick und...
...ich wachte auf. Mein Wecker würde in weniger als fünf Minuten klingeln und so stand ich auf um den ersten Schultag über mich ergehen zu lassen.
