Anmerkung der Autorin: Es tut mir Leid, dass dieses Kapitel solange auf sich warten ließ. Im Grunde liegt das an genau einer Sache: ich schreibe dort, wo ich studiere, und meine kompletten Harry-Potter-Bücher sind bei meinen Eltern. Sprich: mir fehlt manchmal sehr viel Detailwissen und ursprünglich sollte dieses Kapitel noch viel, viel mehr beinhalten. Allerdings habe ich euch Leser schon lange genug warten lassen (finde ich zumindest) und habe nun beschlossen, es dabei zu belassen. Es ist nicht unbedingt lang geworden und (auf den ersten Blick) vermutlich auch nicht sonderlich aussagekräftig, aber glaubt mir, dass der Professor/die Professorin einiges herausholen kann.
Zum zweiten ist es mir ein wenig schwer gefallen, Briefe aus der Sicht von Elfjährigen zu verfassen. Ich hoffe, es lässt sich trotzdem halbwegs gut und flüssig lesen. Falls ihr euch wundert, dass erstaunlich viele Informationen aus den Büchern fehlen, an die ich mich erinnern müsste (wie etwa das nicht stattfindende Mitternachtsduell zwischen Harry und Draco; die ganze Suche nach Nicolas Flamel; das richtig fies bockige Verhalten von Harrys Besen; was genau in der ersten Flugstunde passiert ist und vieles mehr) - dann sei euch gesagt: ich erinnere mich durchaus und wenn Details fehlen, ist das hier auch beabsichtigt. Denn: würdet ihr euren Eltern all das haarklein erzählen? Würdet ihr alles gestehen, was ihr so ausgefressen habt? Eben. Alles hat seinen Sinn.
Ich verspreche, dass das nächste Kapitel nicht so lange auf sich warten lässt wie dieses. Die Uni hat wieder angefangen und ich bin am kreativsten, wenn ich eigentlich keine Zeit dafür habe...
Viel Spaß beim Lesen!
Anmerkung:
Liebe Studierende,
anbei finden Sie eine kleine Auswahl von Briefen, geschrieben von Hermione Granger, Neville Longbottom, Draco Malfoy und Ronald Weasley (allesamt Jahrgangskameraden – wenn auch im weitesten Sinne – von Harry Potter), aus dem Jahre 1991, Harry Potters erstem Schuljahr. Die Briefe wurden über einen relativ kurzen Zeitraum verfasst, nämlich von Beginn des Schuljahres (September 1991) bis kurz vor den Weihnachtsferien (Dezember 1991).
Mir ist bewusst, dass eine derart eingeschränkte Auswahl selbstverständlich auch nur einen eingeschränkten Blickwinkel wiedergeben kann und ich möchte Sie daran erinnern, dies beim Lesen im Hinterkopf zu behalten.
Bitte studieren Sie die Briefe sorgfältig für die nächste Vorlesung und machen Sie sich gegebenenfalls Notizen, wenn Ihnen etwas auffällt, das Sie für wichtig erachten.
Bitte stellen Sie sich desweiteren darauf ein, dass unsere nächste Sitzung um einiges interaktiver ablaufen wird als die bisherigen zwei Veranstaltungen. Bringen Sie Fragen mit, bringen Sie Anmerkungen mit. Lassen Sie Ihre Köpfe nicht zu Hause im Bett, sondern nehmen Sie sie mit. Ich freue mich auf rege Beteiligung und auf eine interessante Diskussion.
Ihnen eine schöne Woche und bis zur Vorlesung.
oOo
Anlage 1 zur Zweiten Vorlesung
08. September 1991
Hallo Oma,
tut mir Leid, dass ich dir erst jetzt schreibe. In der ersten Woche war so viel zu tun, wir haben ja gleich mit dem Unterricht angefangen und ich habe mich ständig verirrt und dann ist Trevor andauernd verloren gegangen.
Ich bin nach Gryffindor gekommen, genauso, wie du es dir gewünscht hast! Die anderen Jungs in meinem Schlafsaal sind alle nett und weißt du, wer auch da ist? Harry Potter, Oma!
Ich hab' ihn schon im Zug getroffen, als ich nach Trevor gesucht habe. Er hat ganz höflich gelächelt, Oma. Und kannst du dir vorstellen, dass er gar nicht gewusst hat, dass er ein Zauberer ist?
Der Unterricht ist ok, bisher. Professor Sprout ist echt nett zu uns und Professor McGonagall kümmert sich darum, dass wir uns langsam einleben. Aber vor Professor Snape hab' ich ein bisschen Angst. Er war ganz gemein zu Harry in unserer ersten Stunde und die Slytherins haben nur gelacht. Das war richtig unfair!
Oh nein, ich muss aufhören, Trevor hüpft gerade durch den Gemeinschaftsraum.
Tschüss, Oma!
Dein Neville
oOo
Anlage 2 zur Zweiten Vorlesung
10. September 1991
Hallo Mum, hi Dad,
ihr werdet es nicht glauben, was mir passiert ist!
(Achso, ja, tschuldigung, dass ich erst jetzt schreibe. Aber Percy hat euch bestimmt schon genau beschrieben, wie ich mich so aufführe. Und ich bin in Gryffindor!)
Wisst ihr noch, der Junge mit diesen schwarzem Wirrwarr auf dem Kopf, der uns an King's Cross angesprochen hat, weil er keine Ahnung hatte, wie er zu Gleis 9 ¾ kommen sollte?
Und wisst ihr auch, wer das war? Ich wollte es Fred und George ja nicht glauben, aber es war tatsächlich HARRY POTTER! (Schönen Gruß an Ginny! Er schläft jetzt im Bett neben mir.)
DER Harry Potter. Der Harry Potter, der Ihr-wisst-schon-wen besiegt hat. Ist das nicht irre? Wir waren im Hogwarts-Express in einem Abteil, er hat seine Schokofrösche mit mir geteilt und jetzt ist er mein bester Freund.
Harry Potter!
Natürlich ist er auch in Gryffindor, klar, bei DEN Eltern! In der ersten Woche sind wir ein paar Mal gemeinsam zu spät zum Unterricht gekommen (wir haben uns verlaufen, Mum, es war keine Absicht, egal, was Percy dir gesagt hat. Frag' mal die Zwillinge, die können dir bestätigen, dass ich einfach nur die falsche Treppe erwischt habe.), aber langsam kennen wir uns besser aus und finden die Räume meistens schon beim zweiten Versuch.
Harry ist echt cool. Gar nicht eingebildet oder so, weil er ja berühmt ist. Er hat mir erzählt, dass er gar nichts (nichts! Könnt ihr euch das vorstellen?) von der Zaubererwelt gewusst hat, bis Hagrid an seinem 11. Geburtstag aufgetaucht ist und ihm alles erzählt hat. Seine Tante und sein Onkel sind wohl eher konservative Muggel und haben es nicht so gerne, wenn jemand aus der Familie ein Zauberer ist. Ich kann das gar nicht verstehen. Zauberei ist doch so praktisch!
Letzte Woche hatten wir übrigens zum ersten Mal Zaubertränke, zusammen mit den blöden Slytherins. Snape kann Harry jetzt schon nicht leiden und hat ihn vor der ganzen Klasse fertig gemacht. Nur, weil er so ein paar komische Fragen nicht beantworten konnte. Ich hätte auch nicht gewusst, wo man nach einem Bozoar oder wie das heißt suchen soll.
Die Slytherins fanden es jedenfalls wahnsinnig witzig und sind vor Lachen fast von ihren Stühlen gekippt. Blöde Kerle. Snape bevorzugt sie total und lässt ihnen alles durchgehen. Kein Vergleich zu dem, was die McGonagall mit uns anstellt, sag ich euch! Die ist immer streng. Und sie zieht uns Gryffindors genauso Punkte ab wie Schülern von anderen Häusern. Das könnte Snape ruhig auch mal versuchen.
Dass nach Slytherins nur Blödiane kommen, hab ich auch gleich am ersten Tag gemerkt. So ein Vollidiot (jaja, ich weiß, Mum, ich soll nicht fluchen, aber der Kerl hat's nicht besser verdient! Wenn du gehört hättest, was er über unsere Familie gesagt hat, würdest DU ihm bestimmt auch noch ganz andere Namen geben.) hat sich über mich lustig gemacht. Schätze, ihm hat meine Nase nicht gepasst. Oder die roten Haare. Oder der Umhang. Der kann mich mal.
(Danke, übrigens, dass ihr mich „Ronald" genannt habt. Ihr wisst, ich konnte den Namen noch nie ausstehen, aber er ist um Längen besser als „Draco". Echt, Mum, Dad - danke!)
Naja, ich hör dann mal auf. Ich habe Harry versprochen, ihm noch ein bisschen was über Quidditch zu erzählen.
Tschüss!
Ron
oOo
Anlage 3 zur Zweiten Vorlesung
21. September 1991
Liebe Mutter, hallo Vater,
ich habe mich nun gut in Hogwarts eingelebt. Der Unterricht ist zuweilen etwas öde, wenn man bedenkt, dass es wirklich nicht das erste Mal ist, dass ich einen Zauberstab in Händen halte und einen Spruch dazu sage, um etwas zu hexen. Nunja, bei den vielen Schlammblütern hier ist es kein Wunder, dass die Lehrer bei Null anfangen müssen. Allerdings langweilt sich eben der reinblütige Rest von uns.
Zum Glück setzt wenigstens Professor Snape ein gewisses Grundvermögen voraus. Zaubertränke ist im Moment mein Lieblingsfach.
Alle führen sich auf wie wildgewordene Hauselfen, nur weil Harry Potter jetzt in Hogwarts aufgetaucht ist. Vollkommen überzogen, wenn ihr mich fragt. Er ist doch nur ein kleiner Elfjähriger, der bisher von der Zauberwelt nichts gewusst hat. Er konnte die einfachsten Fragen nicht beantworten, die ihm Professor Snape gestellt hat!
Und so etwas wird als Held gefeiert. Lächerlich.
Wie er sich aufspielt! Ihr müsstet ihn mal sehen. Beim Flugunterricht letzte Woche habe ich mir einen kleinen Scherz erlaubt, aber Sankt Potter ist sofort ausgerastet, hat sich auf seinen Besen gestürzt und hat den Retter der Unterdrückten gespielt.
Angeblich hat ihn die McGonagall als neuen Spieler für das Gryffindorquidditchteam vorgeschlagen. Dabei dürfen Erstklässler gar nicht in der Hausmannschaft spielen! Aber für unseren Helden werden die Regeln natürlich verbogen.
Ekelhaft.
Gestern beim Frühstück kam dann sein Besen an, unglaublich schlecht verpackt und vermutlich bezahlt von dem Geld, das Förderer der Schule an Hogwarts gespendet haben – und bestimmt nicht in der Absicht, damit den ersten Rennbesen (den Gerüchten zufolge übrigens ein Nimbus Zweitausend!) zu finanzieren, den Potter in Händen halten darf.
Er und seine Bande glücklicher, mutiger Gryffindors! Da bin ich nur froh, dass er nicht in meinem Haus gelandet ist. So habe ich wenigstens ein bisschen Ruhe vor ihm.
Ich muss nun aufhören, der Unterricht beginnt gleich.
Ich hoffe, es geht euch gut.
Draco
oOo
Anlage 4 zur Zweiten Vorlesung
05. Oktober 1991
Liebe Mum, lieber Dad,
jetzt bin ich schon seit über einem Monat in Hogwarts! Ich hoffe, ihr vermisst mich nicht allzu sehr und erschreckt euch nicht mehr so furchtbar, wenn die Eule gegen das Fenster klopft und meinen Brief überbringt.
Der Unterricht gefällt mir immer noch sehr gut. Ich lerne sehr viel, unsere Lehrer sind wirklich toll und die Bibliothek ist riesengroß! Zum Glück habe ich sieben Schuljahre Zeit, um all die Bücher zu lesen.
Meine Klassenkameraden scheinen das Lernen eher nicht so ernst zu nehmen. Naja.
Ich habe euch ja schon erzählt, dass es hier in Hogwarts vier Häuser gibt und ich zu Gryffindor gehöre. Am Anfang dachte ich ja noch, dass würde nicht so einen großen Unterschied machen, schließlich haben wir ja auch gemeinsam Unterricht und all das, aber mittlerweile glaube ich, dass es ziemlich wichtig ist, in welchem Haus man ist.
Die Slytherins scheinen uns Gryffindors beispielsweise nicht zu mögen. Immer, wenn Professor Snape (das ist der Hauslehrer von Slytherin) jemandem aus Gryffindor Punkte abzieht (und das tut er oft. Ich denke, er kann uns nicht leiden. Er reagiert immer gleich so furchtbar über, wenn ein Gryffindor etwas fragt oder falsch macht. Und wenn das bei den Slytherins vorkommt, lächelt er nur aalglatt und erklärt es geduldig nochmal. Ihr findet das doch auch unfair, oder?), dann lachen sich die Slytherins kaputt und feixen.
Das ist ungerecht! Ich lache schließlich auch nicht, wenn einer von ihnen die einfachsten Anweisungen von Professor McGonagall nicht versteht.
Ich begreife nicht, was das soll. Ein bisschen Konkurrenzkampf ist ja in Ordnung, da wird man eher angetrieben, aber die scheinen uns regelrecht zu hassen.
Die anderen aus meinem Jahrgang stören sich nicht daran. Die meisten von ihnen sind aus Zaubererfamilien und sind offenbar damit großgeworden, dass es diese Häuserrivalität gibt. Für mich ist das fremd. (Und es ist blödsinnig! Ich kenne niemanden aus Slytherin, die wollen mit uns ja auch nichts zu tun haben. Zauberer sind ganz schön voreingenommen und verstaubt in ihren Ansichten!)
Die aus Ravenclaw und Hufflepuff (das sind die anderen zwei Häuser) sind immer nett zu uns. Nur die Slytherins bleiben ganz für sich und wollen mit keinem reden oder zu jemandem freundlich sein. Vielleicht kommt man nur nach Slytherin, wenn man von Natur aus schlecht gelaunt ist...?
Ich hoffe, dieses Konkurrenzding ändert sich noch. Es macht nämlich wirklich keinen Spaß, wenn man ständig aufpassen muss, wo man hinläuft, wen man grüßt, an wessen Tisch man sich in der Bibliothek setzt, um zu lesen...
Ich muss jetzt leider Schluss machen, meine Hausaufgaben warten auf mich.
Ich schreibe bald wieder!
Kuss,
eure Hermine
oOo
Anlage 5 zur Zweiten Vorlesung
09. November 1991
Mum, Dad,
WIR HABEN GEWONNEN!
Gryffindors erstes Quidditchspiel der Saison und wir haben gewonnen! Wird die Slytherins vermutlich mächtig nerven, dass sie verloren haben.
Harry hat den Schnatz gefangen, ist das nicht irre? Sein allererstes Spiel und er sorgt gleich dafür, dass sein Team gewinnt.
Okay, das war's auch schon wieder, Percy hält euch ja bestimmt auf dem Laufenden, was ich alles anstelle und was ihm alles nicht passt.
Tschüss!
Ron
oOo
Anlage 6 zur Zweiten Vorlesung
09. November 1991
Liebe Mutter, hallo Vater,
Potter hat tatsächlich einen Nimbus Zweitausend. Und wir haben im Quidditch gegen Gryffindor verloren, einfach nur, weil sie Glück hatten. Ich meine – Potter hat den Schnatz fast verschluckt! Keine Glanzleistung, meiner Meinung nach, aber natürlich feiern ihn alle als den großen Helden des gesamten Spiels, weil sein blöder Besen irgendwelche komischen Sachen gemacht hat und er es ja trotzdem geschafft hat, nicht herunterzufallen.
Wirklich toll für einen Quidditchspieler. Fällt nicht vom Besen und fängt den Schnatz mit dem Mund.
Da wünschte ich mir natürlich, ich könnte mithalten.
Furchtbar. Wie sie ihn anhimmeln!
Ich hoffe nur, beim nächsten Quidditchspiel zeigt ihm jemand, dass man als Sucher auch etwas leisten muss und sich nicht darauf verlassen kann, dass einem der Schnatz entgegenfliegt.
Er hat einfach nur Glück gehabt. Und trotzdem feiern ihn alle.
Das ist doch unfair, findet ihr nicht?
Bis bald,
Draco
oOo
Anlage 7 zur Zweiten Vorlesung
12. Dezember 1991
Liebe Mum, lieber Dad,
ich freue mich ja schon so sehr, wenn ich euch an Weihnachten wiedersehen kann! Ich bin mir zwar sicher, dass ich Hogwarts, Harry und Ron vermissen werde, aber Weihnachten ohne euch wäre doch sehr, sehr komisch.
Harry tut mir Leid; er hat ja nur seinen Onkel, seine Tante und seinen Cousin und bei denen will er Weihnachten bestimmt nicht verbringen, deswegen bleibt er in Hogwarts. Ron und seine Brüder bleiben auch hier, also hoffe ich, dass Harry nicht zu traurig sein wird, dass er ohne seine Familie feiern muss. Ich kann mir das gar nicht richtig vorstellen, es muss schrecklich sein, wenn man seine Eltern niemals kennengelernt hat.
Gryffindor hat im Quidditch (erinnert ihr euch? Das ist das Spiel, von dem ich euch geschrieben hatte, das auf Besen gespielt wird.) gegen Slytherin gewonnen, dank Harry, und jetzt haben die Slytherins nichts Besseres zu tun, als Harry damit zu ärgern, dass er keine wirkliche Familie hat. Das ist gemein. Sie sind bloß wütend, weil sie verloren haben, und weil ihnen nichts Anderes einfällt, machen sie sich über Harry lustig, nur weil er Weihnachten hier in der Schule verbringen wird.
Ich glaube, Harry kommt ganz gut damit zurecht, obwohl es bestimmt sehr schwierig für ihn ist. Aber ich denke, er ist lieber in Hogwarts als bei seinen Verwandten. Er sagt, er freut sich schon darauf, Weihnachten im Schloss zu verbringen, mit Ron und den Zwillingen und ganz viel Essen.
Ich muss jetzt leider wieder los, ich habe noch ein paar Hausaufgaben zu erledigen. Ich melde mich noch einmal, bevor ich nach Hause komme.
Alles Liebe,
eure Hermione
tbc
