I'll be there for you

Der Tag verstrich, jedoch bemerkte Mike nicht, dass es schon dämmerte. Er saß einsam in seinem Zimmer auf dem Bett. Er hasste sich. Sich und die Situation, in der er sich befand. Mike wies alle mit Schweigen ab. Von seinen Freunden kam keiner an ihn heran.

Nicht einmal Sulley erreichte ihn. Seine Sorge um seinen Freund machte ihn fast wahnsinnig. Schließlich mochte er ihn und Mike war ihm auch wichtig.

„Ist Mike noch immer nicht aus dem Zimmer gekommen?" Terri sah Sulley traurig an, der ins Wohnzimmer zurückkam.

Müde schüttelte der Angesprochene den Kopf. „Er antwortet nicht einmal." Seufzend ließ er sich auf einen Sessel fallen. „Und wenn ich eine Hand nach ihm ausstrecke, weicht er zurück. Er hat scheinbar Angst vor mir."

„Vor uns auch. Keiner kommt an ihn heran", antwortete Terry leise.

„Vielleicht sollten wir Randy Boggs dazuholen", warf der andere Zwilling ein. „Sie waren schließlich zu Beginn des Semesters in einem Zimmer."

„Keine gute Idee. Er hat ihn schließlich verraten." Sulley sah geknickt zur Treppe, die hoch zu den Zimmern führte. Traurig wendete er den Blick ab. „Das schaffen wir ohne Randy!" Der Ergeiz packte ihn. Er wollte Mike helfen und dieser Verräter würde ihm nicht gut tun. Sulley würde ihn nicht mehr in die Nähe von Mike lassen. /Irgendwas sagt mir, dass Randall Schuld daran hat/, dachte Sulley, während er hoch zum Zimmer ging. „Mike? Ich komme jetzt rein." Vorsichtig öffnete er die Tür und fand seinen Kumpel zusammengekauert auf dem Bett vor. „Mike? Sollen wir ein bisschen an die frische Luft?"

Wie zu erwarten, blieb der Angesprochene stumm. Nicht ein Laut kam über seine Lippen. Mike schaute nur stur auf sein Kissen in seinen Armen.

Sulley setzte sich zu ihm. Als er seine Hand nach ihm ausstreckte, um ihn sanft zu streicheln, wich Mike schreiend zurück.

„NEIN! Fass mich nicht an", wimmerte er. Panisch drückte er sich an die Wand hinter sich. „Bleib weg…ich will nicht mehr." Völlig am Ende seiner mentalen Kräfte brach Mike weinend zusammen.

„Hat man dir was angetan?" Sulley rutschte ein wenig weg von ihm, um ihn noch mehr zu ängstigen.

„Nein…bleib weg…", schniefte das grüne Monster und hält sein Kissen fest an sich gepresst.

„Ach Mike…ich bin doch dein Freund. Ich will dir helfen." Der blaue Riese seufzte schwer. „Wie kann ich dir denn helfen? Soll ich doch Randall holen?"

Wieder schrie Mike auf. „Nein…neinneinnein…ich kann nicht…ich darf nicht."

„Was darfst du nicht?" Nun wurde Sulley hellhörig. Etwas stimmte nicht und Randall hatte wie vermutet etwas damit zu tun.

„Ich darf Randall nicht mehr sehen…sonst…", fing Mike dann an.

„Sonst was?"

„Sonst tut Johnny mir was an...ich will nicht mehr dazu gezwungen werden."

„Wozu zwingt er dich, Mikey?"

„Sollte ihm…m…mit dem Mund…", stotterte der Kleinere verlegen und unsicher.

„WAS", explodierte Sulley. „Den knöpfe ich mir vor!" Wütend stürmte er aus dem Zimmer.

„Sulley! Tu das nicht!" Mike kletterte aus dem Bett. Wie konnte er es ihm nur sagen? Er wollte es für sich behalten. Er MUSSTE es für sich behalten, um Randy und sich zu schützen. „Bitte nicht, Sulley…", flüsterte kraftlos.

„Passt mir auf Mike auf, Jungs", befahl der blaue Riese den anderen Mitgliedern, als er aus dem Haus rannte.

„Auf Mike aufpassen", fragten alle im Chor. Sie wussten nicht was los war aber wenn ihr bester Mann schon so aufgefühlt das Haus verließ, musste es was ernstes sein. Die siamesischen Zwillinge schauten nach Mike, der auf dem Boden lag.

„Michael! Hast du dir wehgetan?" Sie halfen dem grünen Monster wieder auf.

„Haltet Sulley auf…", kam es müde von ihm.

„Der ist schon weg", erklärte Terry. Er strich ihm über die Stirn und zog die Hand sofort weg. „Du glühst ja!"

„Was?! Er hat Fieber? Aber warum?" Terri schaute Sorgenvoll zu seinem Freudn.

„Haltet ihn auf", wiederholte Mike müde, als er ins Bett gelegt wurde. Er hörte weitere Stimmen in seinem Zimmer und fühlte kurz darauf etwas Kühles auf seiner Stirn. Es kühlte nicht nur, sonder beruhigte ihn, sodass er einschlief.

„Er ist einfach nur sehr erschöpft. Körperlich und Geistig", folgerte Ms. Squibbles. „Lasst ihn schlafen, ja?" Lächelnd nahm sie die Zustimmungen der Mitbewohner zur Kenntnis. Sie schickte dann alle raus und blieb als einzige im Zimmer zurück und kümmerte sich rührend um ihn.

Sulley hatte in der Zwischenzeit das Haus der ROR erreicht. Wild entschlossen Johnny für seine Aktion bluten zu lassen. „JOHNNY", brüllte er über den allgemeinen Lärm hinweg, als er vor dem Haus stand.

„Immer cool bleiben, James. Sonst zerstörst du noch deine herrliche Schrecker-Stimme", lachte Johnny, als er auf der Treppe erschien. „Außerdem lernen hier welche."

Sulley platzte der Kragen. Wie konnte dieser affektierte Mistkerl so ruhig bleiben, nachdem er Mike so grausam behandelt hat und dieser jetzt darunter litt? Und zu denen wollte er unbedingt gehören? „Du Dreckskerl!" Das blaue Monster war in wenigen Sätzen bei dem Anführer der RORs und schlug mit einer Faust so fest zu, wie er konnte.

Johnny brach, durch die Wucht des Schlages, durch die Tür und landete hart auf dem Boden im Flur. Ächzend rappelte er sich wieder auf.

Sulley stand knurrend vor ihm, bereit ihm den nächsten Hieb zu verpassen.

„Spinnst du?!" Das ältere Monster stand auf und erhielt gleich den nächsten harten Schlag. Diesmal in die Magengrube. Röchelnd ging er in die Knie.

„Mike eine Lektion erteilen wollen, ja", knurrte das pelzige Monster außer sich vor Wut. „Dir prügel' ich die Scheiße aus dem Leib, Worthington!" Bedrohlich knackte er mit seinen Fingerknöcheln.

„Ich habe…dem kleinen Scheißer nichts getan", röchelte Johnny unter Schmerzen.

„Du wagst es wirklich hier zu lügen, während mein Freund darunter leidet, was du ihm angetan hast?!" Er packte seinen Gegenüber grob am Kragen und zog ihn wieder auf die Beine, nur um wieder zuzuschlagen.

„James! Das reicht", drang Javiers Stimme an sein Ohr. „Du kommst hier her, beleidigst unseren Präsidenten und prügelst auf ihn ein? Bist du noch ganz Gesund?!"

„Dann wisst ihr also gar nicht, was er meinem Kumpel angetan hat?"

„Was denn schon?" Javier verschränkte seine Arme ineinander.

„Er hat Michael missbraucht!" Gerade als er wieder auf Johnny losgehen wollte, wurde er von den anderen Monstern der ROR gepackt und von ihm weggezogen.

„Da ist nichts passiert, was er nicht auch wollte. Er hätte sich wehren und weglaufen können." Johnny strich sich über die schmerzenden Stellen an seinem Körper und ihm Gesicht.

„Weglaufen?! Gib nicht Mike die Schuld daran! Du hast ihn unter Druck gesetzt und ihn gezwungen deinen…", Sulley stockte.

„Meinen ‚was'", fragte der Ältere amüsiert.

„Deinen widerlichen Schwanz zu lutschen", knurrte das blaue Monster, als er seine Fassung wiedererlangt hatte. „Ich bringe dich um!"

„Er hat sich nicht gewehrt. Und…James? Eifersucht steht dir nicht. Diese grüne Kugel ist es nicht wert, dass man sich um ihn sorgt. Er hat sich sogar von Boggs ficken lassen. Wer weiß, wen er noch an sich ran, bzw. rein gelassen hat?" Lachend kam Johnny näher.

„Rede nicht so von ihm! Dazu hast du kein Recht! Du kennst ihn doch gar nicht!" Sulley wehrte sich gegen die anderen ROR-Mitglieder. „Mike ist keine Schlampe!"

„Träum weiter, Kleiner. Ich weiß, was ich gesehen UND selbst gespürt habe."

„Hör auf", brüllte Sulley und riss sich los. Der nächste Schlag wurde von Johnny abgewehrt und er spürte kurz darauf selbst eine Faust im Gesicht.

„Tu-das NIE WIEDER, Sullivan", knurrte der Ältere aggressiv. „Ich lasse mir doch von einem Frischling wie dir nicht sagen, was ich zu tun oder zu lassen habe!".

Die Wange schmerzte, denn sein Gegenüber hatte mehr Kraft als er selbst. „Ich melde dich bei der Dekanin."

„Mach ruhig. Aber die kann mir gar nichts. So lange ich nichts direkt vor ihren Augen mache, passiert mit nichts!" Selbstsicher baute er sich vor Sulley auf. „Meine Eltern sind ebenfalls Schirmherren dieses Schrecker-Programms."

Entsetzt starrte der Jüngere ihn an. So weit ging also der Einfluss von ihm. In Sulleys Kopf arbeitete es. Aber ihm fiel nichts ein, um Johnny einer gerechten Strafe zukommen zu lassen. So schwer es ihm fiel. Er musste zugeben, dass Mike derjenige mit den Ideen war.

„Geh in dein Wohnheim zurück, James. Ausnahmsweise lasse ich Gnade walten", fügte der Spross der Worthingtons zuckersüß hinzu. „Und ihr geht auch auf eure Zimmer, Jungs! Die Show ist vorbei!" Nach diesen Worten verabschiedete er sich und zog sich in sein eigenes Zimmer zurück.

/Kann ich gar nichts machen/, dachte Sulley auf dem Rückweg betrübt und sah auf seine Pranken. Er war nur für das ‚Grobe' zu gebrauchen, während Mike das Denken übernahm.

Ohne wirklich was erreicht zu haben, betrat er das Haus und setzte sich im Wohnzimmer auf die Couch. „Mike…", flüsterte er und vergrub sein Gesicht in seinen Händen.

Dieser war inzwischen allein im Zimmer, da die anderen ihn in Ruhe schlafen lassen wollten, damit er sich erholte.

Mike bemerkte nicht, dass sich das Fenster leise öffnete und jemand hinein huschte. Die dunkle Gestalt hielt sich im Schatten und wachte über Mikes Schlaf.