Selbstmord der Liebe?

4. Kapitel Die ganze Wahrheit

Drei Streifenwagen und ein Auto hielten mit Blaulicht und Sirene quietschend am Klippenrand und Kogoro, Eri, Inspektor Megure, Sato und Miwako sprangen mit drei weiteren Polizisten aus den Wagen und stürmten auf sie zu. Eri hatte den Abschiedesbrief von Ran gefunden und entsetzt Kogoro angerufen, der daraufhin sofort Inspektor Megure alarmierte und mit Eri und den Polizisten losfuhr, um Ran davon abzubringen zu umzubringen. Kogoro fiel ein Stein vom Herzen, als er seine Tochter sah. Gesund und munter, Hand in Hand mit…er wollte seinen Augen nicht trauen…Shinichi Kudo! Aber das war nebensächlich. Hauptsache seine Ran lebte! Eri brach in Tränen aus, als sie Ran um den Hals fiel. Kogoro musste sich nun auch die Tränen aus den Augen wischen und umarmte Ran ebenfalls. „Ran, wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht! Was hast du dir dabei bloß gedacht? Selbstmord, also wirklich…". „Paps! Es ist alles in Ordnung! Ihr müsst euch keine Sorgen um mich machen. Shinichi ist rechtzeitig gekommen und hat mich davon abgehalten zu springen." „Ach, hat er das?". Kogoro sah Shinichi misstrauisch an. Er hatte den besten Freund seiner Tochter noch nie gemocht. „Ja. Hat er. Er hat mir das Leben gerettet! Also spar dir deinen feindseligen Blick!". „Wo kommst du eigentlich auf einmal her, Shinichi? Wir haben monatelang nichts mehr von dir gehört. Du warst wie vom Erdboden verschluckt.", fragte Inspektor Megure. „Och, das…Das ist...", fing Shinichi an „…eine sehr lange und komplizierte Geschichte…", fuhr Ran fort „…die ich jetzt lieber nicht erzählen möchte.", beendete Shinichi seinen Satz. „Wieso das denn nicht?", wollte Takagi erstaunt wissen. „Weil ich jetzt jemand anderem eine Erklärung schuldig bin.", antwortete Shinichi und zog Professor Agasas neueste Erfindung aus der Tasche. Ein kleines Skateboard mit eingebautem Turbo, das sich auf Knopfdruck vergrößern ließ und ihm viel Laufarbeit erspart hätte, wenn er es in seiner Panik um Ran nicht vergessen hätte. Dann nahm er Ran bei der Hand und ging mit ihr zur Straße. Im Gehen drehte er sich noch einmal um und meinte gelassen zu Kogoro und Eri: „Das kann übrigens noch ne ganze Weile dauern. Ran wird wohl ziemlich spät nach Hause kommen…oder auch erst morgen!" Und bevor jemand etwas einwenden konnte, hatte er das Skateboard vergrößert und war aufgestiegen. Ran stellte sich hinter Shinichi, schlang die Arme um ihn und die beiden fuhren los, ohne sich noch einmal umzudrehen und ließen einen völlig verdutzten Inspektor Megure, eine überraschte Eri, einen entsetzten Kogoro, eine schmunzelnde Miwako und einen verständnislosen Takagi zurück. Nach einer halben Minute verblüfften Schweigens gingen die Erwachsenen langsam zu den Autos zurück. Die einzige Person, die die Lage richtig erfasst hatte, war Miwako, die Takagi jetzt grinsend etwas ins Ohr flüsterte, der daraufhin knallrot anlief und die restliche Strecke zu ihrem Wagen sehr nachdenklich aussah.

Flashback

Takagi: „Worum ging es da eigentlich gerade? Miwako sah ihn erstaunt an. „Hast du das echt nicht verstanden?" „Nee. Klär mich mal auf." Miwako grinste und meinte geheimnisvoll: „Das Schlüsselwort heißt...Liebe!" „Du …meinst…die beiden…Shinichi und Ran sind…?" Miwako grinste noch breiter „Ganz genau!"

Flashback End

In der Zwischenzeit waren Ran und Shinichi bei ihm zu Hause angekommen. Sie gingen hoch in sein Zimmer und setzen sich aufs Bett. Shinichi im Schneidersitz ans Kopfende und Ran mit seitlich angewinkelten Beinen ans Fußende. Sie sahen sich eine ganze Weile schweigend an, dann begann Shinichi zu erzählen. Er erzählte Ran alles. Angefangen bei der Erpressung des Industriellen, die er im Vergnügungspark heimlich beobachtet hatte und alles was seitdem passiert war. Er beschrieb auch was er dabei gedacht und empfunden hatte, damit sie verstehen konnte, warum er so gehandelt hatte und endete schließlich mit dem Gegengift das Ai entwickelt und ihn zurückverwandelt hatte.

Als er fertig war, war es bereits weit nach Mitternacht. Schweigen erfüllte den Raum. Dann brach Ran die Stille: „Also bleibst du jetzt für immer groß?" Shinichi lehnte sich gegen die Wand, sah zur Decke und sagte leise: „Ich…weiß es nicht. Das Mittel kann jeden Moment aufhören zuwirken. Vielleicht aber auch erst morgen…nächste Woche…in einem Monat… oder auch gar nicht. Aber wenn ich mich wieder zurückverwandle, muss Ai das Mittel neu brauen, obwohl es schon schwierig genug war, die Zutaten für ein kleines Fläschchen zu besorgen, oder… wir müssen die Organisation endlich ausfindig machen und uns von dort das Gegenmittel holen. Aber ich denke, das lässt sich sowieso nicht vermeiden…", fügte er seufzend hinzu, „Bist du sicher?" „Ja. Ich will, dass diese Mistkerle im Knast verschimmeln! Das habe ich mir gleich geschworen, als ich das erste Mal zum kleinen Conan wurde." „Aber ich…ich hab Angst um dich!" Er nahm sie in die Arme und flüsterte ihr ins Ohr: „Das musst du nicht. Mir passiert schon nichts." „Sicher?", gab sie genauso leise zurück und sah ihn besorgt an. „Ganz sicher!", antwortete Shinichi und gab ihr einen extralangen Kuss, der sie zwar etwas beruhigte, aber nicht alle Zweifel verschwinden ließ. Aber sie war zu müde, um jetzt noch darüber nachzudenken. Die Ereignisse des Tages hatten sie sehr erschöpft und nur ein paar Minuten später war sie eingeschlafen. Den Kopf an Shinichis Brust gelehnt, der sie im Arm hielt und fest an sich drückte. Ab und zu strich er ihr sanft über das Haar, während er darüber nachdachte, dass er Ran schon wieder belogen hatte. In Wirklichkeit hatte er auch Angst. Angst vor der Organisation. Wenn sie davon Wind bekamen, dass er noch lebte, würden sie alles daran setzen, ihn dieses Mal endgültig zu erledigen. Diese Schweine taten alles, um an ihr Ziel zu kommen. Sie schreckten selbst vor einem Mord in den eigenen Reihen nicht zurück. Dabei musste er besonders an Ai's Schwester Akemi denken. Dieser Dreckskerl Gin hatte sie sie eiskalt abgeknallt. In seine Trauer und den Zorn mischte sich auch Angst. Würde ihrer Schwester dasselbe Schicksal ereilen, wenn man sie fand? Oder würden sie Ran sogar als Geisel nehmen und als Druckmittel benutzen, um ihn zu kriegen? Schon bei der bloßen Vorstellung lief es ihm eiskalt den Rücken runter und er drückte Ran noch fester an sich. Nein, sagte er sich. Das kann ich nicht riskieren. Ich muss mir irgendwas überlegen, um das zu verhindern. Sie müssten sich irgendwo verstecken, bis alles vorbei ist… Aber wo nur? Wo? Wo? Irgendwann schlief auch er ein. Den Kopf voller schlechter Vorahnungen und Bildern von Akemi, wie sie tot in ihrem Blut lag und immer wieder das schreckliche Grinsen und die eiskalten Augen von Gin und das düstere Gesicht von Wodka.