Erst mal ein großes Entschuldigung an alle die auf den Abschluß von das Versteck so lange gewartet haben.
"Leider" hatte mich meine Inspiration gepackt und mich mit Eifer dazu gebracht an einer geschichte zu schreiben, die nicht nur sehr lang ist, sondern auch noch lange braucht um fertig zu werden. Vor kurzem muste ich mir eingestehen dringend eine Pause zu benötigen. Da fiehl mir dann auch auf das ich diesen Teil noch gar nicht gepostet habe. Es tut mir echt leid ich bin in solchen Situationen extrem vergesslich.
Aber schluß damit und auf zu neuem Lesevergnügen.
Übrigens ist der Anfang, wenn auch durch zufall so entstanden, tatsächlöcih so beabsichtigt.
Teil 04
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"Siehst du was Tristan?" Thea flüsterte leise damit die beiden auf der anderen Seite der Tür sie nicht hörten. Sie selbst versuchte mit einem Ohr an der Tür Gesprächsfetzen aufzufangen.
"Ja aber die beiden sitzen nur rum. Was ist bei dir?" Tristan kniete indessen vor dem Schlüsselloch und beobachtete Marik und Joey von dort aus. "Leider auch nichts."
"Glaubt ihr wirklich wir sollten das tun?" Zaghaft erklang Yugis Stimme. Er und Ryo waren mal wieder von den beiden mitgeschleift worden. Keiner von ihnen fühlte sich beim bespitzeln ihrer Freunde besonders wohl.
"Klar Yugi. Irgendetwas geht hier vor. Ich glaub das mit den verschiedenen Routen einfach nicht." Ihr Tonfall machte klar, dass Thea nicht weiter vorhatte darüber zu diskutieren.
Das brauchte sie auch nicht. Dem Lehrer der nach den beiden Nachsitzern schauen wollte, reichte der Anblick völlig. Ohne zu zögern brüllte er los. "Was glaubt ihr vier eigentlich was ihr da tut? Wenn ihr solch reges Interesse am Nachsitzen habt, könnt ihr gleich rein gehen und mitmachen."
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Erschrocken von dem Gebrüll im Flur rückten die beiden ein Stück voneinander ab. Dann flog auch schon die Tür auf. Erstaunt sahen Joey und Marik, wie ihre vier Freunde und ein Lehrer hereinkamen. Der schaute sie nur streng an und ging wieder hinaus.
"Was wollt ihr denn?" In Joeys Stimme und Blick war der Argwohn leicht zu erkennen. Sofort setzte Thea zu einer Erklärung an. "Wir wollten nur mal kurz bei euch vorbeischauen. Da hat uns der Lehrer erwischt und wegen Rumstreunends auch hier rein gesteckt."
Er glaubte Thea kein Wort. Vor allem da er an Yugi genau erkannte, dass es gelogen war. Trotzdem setzte er ein Lächeln auf. "So n Pech aber auch."
Nach seinen Worten entspannte jeder im Raum sich merklich. Nur Joey konnte das nicht. Mittlerweile wusste er nicht mehr worüber er sich mehr Gedanken machen musste. Theas ausgeuferte Neugier, dass Marik ihn anscheinend mochte oder das er Mariks Gefühle vielleicht erwiderte.
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Samstagnacht
Wie er vermutet hatte. Die beiden waren wieder hier. Diesmal würde er herausfinden was sie vorhatten. Ishtar zieht sich in die Schatten zurück um sich zu verkleiden. Keiner hatte ihn bis jetzt bemerkt.
Dabei hatte Wheeler bestimmt schon tausendmal in seine Richtung geschaut. Erbärmlich. Dabei war er gar nicht mal so weit entfernt. Zwischen ein paar Büschen war er gut versteckt.
Ah, Ishtar war endlich fertig mit seiner lächerlichen Verkleidung. Es ging endlich los. Irgendetwas stimmte nicht. Die beiden verhielten sich anders als den Rest der Woche. Er zog also wirklich sein altes Spiel ab. Aber nicht mit ihm. Er war vorgewarnt. Seine Gedankenkontrollspielchen würde er verhindern.
Wheeler konnte ihm dankbar sein.
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"Meinst du nicht wir sollten aufgeben Thea?" Fragte Tristan mit hängenden Schultern. "Nein das werden wir nicht." Der befehlsmäßige Ton ließ seine Schultern noch tiefer hängen.
Irgendwie hatte er sich mehr von dieser Nacht versprochen als Thea anrief. Sie wollte zu Joeys Arbeitsplatz um nach dem rechten zu schauen und hätte Angst alleine zu fahren. Das war die Gelegenheit seinen männlichen Charme spielen zu lassen.
Bis er bemerkte das ihr Weg schnurstracks zu Yugis Haus führte. Wo sie ihn auch gleich als Vorwand vorschob. Von wegen er wollte unbedingt nach Joey schauen. Dabei wollte sie doch nur das Yugi und Bakura nicht alleine blieben. Glücklicherweise hatte Yugis Großvater eingegriffen. Er wollte nicht das sein Enkel sich um diese Zeit noch in der Gegend rumtrieb.
Seit dem war Theas Laune auf einem Tiefpunkt. Sie waren bestimmt schon zum Hundertsten mal um dieses bescheuerte Fastfood Geschäft geschlichen. Er wusste ja nicht mal wonach sie überhaupt suchte.
Plötzlich blieb Thea vor ihm stehen, zog ihn in die Hocke und flüsterte. "Da vorne ist er." Etwas weiter entfernt erkannte er einen Mann in den Schatten eines Hauses. Auffällig war der lange Mantel, der Hut sowie die Sonnenbrille. Wer zur Hölle trug mitten in der Nacht eine Sonnenbrille? Und woher kannte Thea den Typen? "Wer ist das?"
"Na Joey." Völlig entnervt konnte Thea nur den Kopf schütteln. Tristan kapierte manchmal wirklich gar nichts. Dieser wusste mittlerweile gar nicht mehr was er sagen sollte. Das konnte unmöglich Theas ernst sein.
Trotzdem versuchte er ruhig nachzufragen. "Woher willst du das wissen? Der sieht Joey nun wirklich nicht ähnlich."
Mit wütendem Gesichtsausdruck starrte sie zu Tristan und zischte ihn an. "Frauen wissen so was eben. Wenn du mir nicht helfen willst dann geh. Ich schaffe das auch gut alleine."
Wie betäubt sah er wie seine geliebte Thea dem Typen hinterher schlich. Was hatte er den getan? Der fremde hatte nicht die geringste Ähnlichkeit mit Joey. Nicht mal die Statur war die gleiche. Thea war nicht grad in der Stimmung in der er ihren Sturkopf umstimmen konnte. Ganz allein war es für eine Frau Nachts nicht sicher. Also musste er wohl oder übel hinterher.
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Wie letzten Samstag liefen sie größtenteils schweigend durch die spärlich beleuchteten Gassen. Nur war es diesmal eine andere Art von schweigen. Sie dachten beide über gestern nach. Als Joey ihm vorhin den Rucksack mit den Klamotten überreichte, hatten sich ihre Hände kurz berührt. Sofort war Marik rot angelaufen und in die Schatten des Spielplatzes geflüchtet. Seitdem war kein Wort mehr zwischen ihnen gefallen.
Was sollte er auch sagen? Das er in ihn verliebt war? Soweit würde er nicht gehen. Er sah schon gut aus. Das war ihm bereits aufgefallen als sie ihn unter dem Namen Namu kennen gelernt hatten. Für seine damaligen Taten konnte er ihm vergeben. Er hatte sich mit eigenen Augen davon überzeugt, dass er keine bösen Absichten mehr hegte.
In der letzen Woche hatten sie Spaß zusammen gehabt. Er schien wirklich nett zu sein. Aber konnte er dem trauen? Eine Woche war zu wenig, um herauszufinden ob er etwas von ihm wollte. Es war eh müßig jetzt darüber nachzudenken.
Zu aller erst mussten sie wieder mal einen Verfolger abhängen. Vielleicht sogar den gleichen wie letztes mal. Möglichst leise begann er zu flüstern. "Wir werden wieder verfolgt. Diesmal nehm ich eine andere Strategie um ihn abzuhängen. Also mach was ich sage OK?"
"OK." Wispernd antwortete er Joey. Das zweite mal wurden sie jetzt verfolgt. Wusste diese Person etwa was sie taten? Folgte er ihnen deshalb? Schluss damit. Konzentrier dich lieber auf Joey und was er vorhat.
Kaum merklich begann der sich vom beleuchteten Teil der Straße zu entfernen. Bis sie an den Häusern entlang in den Schatten gingen. Dann blieb Joey vor einem völlig unbekannten Hauseingang stehen und öffnete die Tür. Etwas verdutzt was sie hier wollten, folgte Marik ihm hinein. Kaum im Haus griff Joey nach seiner Hand. So schnell es der enge Flur erlaubte, zog er ihn hinter sich her.
An der Treppe vorbei, zur Hintertür zu einem verkommenden Hinterhof. Dort sah sich Joey einige Sekunden lang um, dann zog er ihn hastig weiter. Quer über den Hof bis zu einem verlassen aussehenden Gebäude. Mit einem Tritt öffnete Joey die morsche Tür. Nachdem Marik hindurch war, schloss er sie gleich wieder. Er zog ihn in die Hocke um durch ein kleines Fenster neben der Tür zu spähen. "Vielleicht sehen wir ja so wer uns die ganze Zeit über verfolgt."
Zustimmend schaute Marik zu der Tür aus der sie gerade erst gekommen waren. Es dauerte eine Ewigkeit bis sich etwas regte. Die Gestalt die aus der Tür in die Schatten huschte, verblüffte die beiden. Keiner von ihnen hatte einen dermaßen auffällig verkleideten Verfolger erwartet.
Etwas an ihm kam Marik allerdings bekannt vor. Das Gesicht konnte er zwar nicht erkennen, aber ihn beschlich da so eine Ahnung. Es musste Kaiba sein. Während der ganzen Schule fühlte er das ihn jemand beobachtete. Jedes mal wenn er sich umdrehte, starrte Kaiba ihn an.
Fast so als wolle er ihm etwas sagen. Und zwar nichts nettes. Auf dem Schulflur war er auch ein paar mal von ihm angerempelt worden. Die anderen versicherten ihm, dass er zu allen so unhöflich war. Tatsächlich beleidigte er ständig Joey. Der Unterschied war allerdings, dass er ihn dabei nicht so bedrohlich anschaute.
"Oh nein, schau da." Von Joeys Flüstern aus den Gedanken gerissen, konzentrierte er sich wieder auf die Schatten. Mittlerweile kontrollierte Kaiba systematisch jede Tür und jedes Fenster. Dann lenkte eine Bewegung sein Auge zurück. Das hatte Joey in Wirklichkeit gemeint. Thea und Tristan duckten sich da in die Schatten. Verfolgte sie heute eigentlich jeder?
"Lass uns verschwinden, bevor der Typ bei uns angekommen ist." Da er Marik immer noch an der Hand hielt, zog er ihn weg vom Fenster und weiter in das alte Haus hinein. Sie schlichen bis zum Vordereingang, wo er versuchte die Tür zu öffnen.
"Verdammt. Sie ist verschlossen. Mit einem ordentlichen Tritt bekomme ich sie zwar auf, aber dann weiß der Typ wo wir sind. Das Versteck ist nicht weit entfernt. Am besten wir laufen so schnell wir können und benutzen es als das, was es ist. Einverstanden?"
"In Ordnung." Nachdem er Mariks Zustimmung bekam, wich er ein Stück von der Tür zurück. Mit vollem Schwung trat er zu. Ein lautes Krachen und der Weg war frei.
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Er dachte schon, er hätte die beiden verloren, als er ein lautes Geräusch hörte. Sofort rannte er los. Durch ein altes Haus wieder auf die Straße. Wild schaute er in alle Richtungen.
Gerade noch rechtzeitig, um Wheeler und Ishtar um eine Ecke rennen zu sehen. Sie mussten ihn bemerkt haben. Nun gut. Dann würde er es eben gleich hier beenden. Sofort nahm er die Verfolgung auf. Die beiden waren schnell, aber langsam holte er auf.
Als er ihnen wieder um eine Ecke folgte, waren sie verschwunden. Versuchten sie etwa wieder diesen dämlichen Trick? Das war doch reine Zeitschinderei.Einem Seto Kaiba entkam niemand. Ganz gemächlich und ohne hast begann er wieder Türen zu überprüfen. Hinter einer von ihnen waren sie. Bei dem Gedanken das sie wahrscheinlich in der Falle saßen, machte sich ein hämisches Grinsen auf seinem Gesicht breit.
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"Ich ... kann ... nicht ... mehr." Zwischen ihren keuchenden Atemzügen war Thea kaum zu verstehen. Durch den Verfolgungslauf war sie erschöpft in die Knie gegangen. Tristan war selbst außer Atem, beugte sich jedoch zu ihr hinunter, um zu sehen ob alles in Ordnung war. Früher hatte sie ein kleiner Lauf nicht so schnell aus Gefecht gesetzt. Als sein Blick auf ihre hochhackigen Schuhe fiel, begriff er wieso es jetzt anders war.
"Bei dem Tempo ist der Typ bestimmt über alle Berge. Tut mir leid." Als er die Worte sprach, hoffte Tristan das sie endlich genug hatte. Er wollte in dieser Gegend bestimmt keinen Fremden verfolgen, der ein gesuchter Verbrecher sein konnte.
"Schon gut. Wahrscheinlich war es gar nicht Joey. Ich glaube er treibt sich bei der Arbeit rum wie er gesagt hat." Ihre Stimme war eher trotzig, als sie dies eingestand. Dann hob Thea die Hand und Tristan ergriff sie um ihr aufzuhelfen.
Während des Aufstehens schaute sie sich etwas genauer um. Zum ersten mal seit ihrer Verfolgungsjagd fiel ihr auf in was für einer Gegend sie sich befanden. Leicht ängstlich hielt sie Tristans Hand weiter fest anstatt sie loszulassen.
"Sag mal Tristan. Wo sind wir eigentlich?" Da er sich bei Theas Reaktion nicht groß etwas dachte, antwortete er ganz unbedacht. "In der Nähe des Industriegebietes. Genauer auf der nördlichen Seite. Wenn du die Straße ein paar Blocks weitergehst, müssten schon die ersten Lagerhäuser kommen."
Deutlich sah er wie Thea blass wurde. Mit zitternder Stimme sprach sie weiter. "Ist das nicht Gegend in der es so viele Banden geben soll? Hier ist es doch sehr gefährlich, oder?" Zuerst wollte er Thea beruhigen. Dann bemerkte er, wie sich Theas Hand bei den Worten noch fester um seine schloss.
Die Idee die ihm dabei kam, konnte nur funktionieren. "Ja, leider ist diese Gegend genau dafür bekannt." Dank der ernsten Stimme die er benutzte, drängte Thea sich näher an ihn heran. Statt seiner Hand, hielt sie nun seinen Oberarm fest. Für Tristan war es einfach der Himmel.
"Keine Angst ich beschütze dich und bring dich heil nach Hause." Da Thea nicht antwortete, marschierte er einfach los. In seinen "wilden Tagen" war er oft genug in dieser Gegend gewesen. Er wusste wo er gefährliche Stellen umgehen musste. Bei dem Gefühl, wie sich der kleine Körper sich gegen seinen drückte, wurde ihm ganz anders. Vielleicht sollte er sich doch Zeit für den einen oder anderen Umweg nehmen.
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Laut keuchend zwängten Joey und Marik sich in den kleinen Raum. Die Tür warhinter ihnen fest verschlossen. Ihr Verfolger schien nicht bemerkt zu haben, dass sie hierher geflohen waren. Die Hetzjagd war ziemlich rasant gewesen. Joey war froh, dass das Versteck so nahe war. Sonst hätte der zwielichtige Typ sie am Ende noch eingeholt.
Langsam kam er wieder zu Atem und ihm wurde ihre Situation bewusst. Wie sollte er es mit Marik hier raus schaffen, wenn der Typ da draußen rumschlich? Marik. Er hielt ja immer noch seine Hand. Hatte er sie wirklich die ganze Zeit über nicht losgelassen? Komisch. Sie war so warm. Kam das vom rennen?
"Es gibt draußen versteckte Kameras. Soll ich nachschauen was der Mann draußen macht?" Marik hatte sich zusammen reißen müssen, um laut und deutlich zu sprechen. Es dauerte einige Sekunden, aber dann lies Joey seine Hand los. Am liebsten wäre er ewig so stehen geblieben. Das Gefühl von seiner in Joeys Hand war einfach wundervoll gewesen. Nur leider suchte Kaiba draußen nach ihnen. Ein nicht zu unterschätzender Gegner.
"Wär nicht schlecht." Meinte Joey leise. Als Marik aufschaute sah er, dass er ihn nicht anschaute. War das jetzt gut oder schlecht? Vorsichtig schob er den Stuhl von der Computeranlage zurück. Wegen des knappen Platzes drückten sich beide gegen die Wände. Nach einiger Mühe schaffte er es sich auf den Stuhl zu setzten. Er rückte mit ihm weit nach vorne um Joey wieder mehr Platz zu lassen.
Ohne zögern, begann er die Tastatur zu bearbeiten. Nacheinander erschienen verschiedene Bilder bis er eines mit der vermummten Gestalt fand. Um ein wenig besser zu sehen, beugte sich Joey ein wenig über Mariks Schulter. Gebannt verfolgten beide seine hektische Suche. Als er in die kleine Gasse ging, hielten beide die Luft an. Doch der Mann rüttelte nur an der Tür neben ihrem Versteck. Da er sie nicht aufbekam, ging er wieder zur Straße.
Laut atmete Joey auf. "Das war knapp. Ich frag mich nur was dieser komische Typ so dringend von uns will. Sind diese komischen Papiere denn so wertvoll?" Bei der Frage stutzte Marik ein wenig. Bis jetzt hatte er noch gar nicht darüber nachgedacht, was Kaiba eigentlich wollte. Er konnte unmöglich wissen, was er hier versteckt hatte. Sollte er Joey vielleicht erzählen, dass er wusste wer da draußen war? Nein lieber nicht.
"Ja. Da stehen Spieler mit einigen der seltensten Karten drin und wie jeder sie besiegen kann." Obwohl das die Wahrheit war, glaubte er nicht, dass Kaiba an so etwas interessiert war. Er besaß genug Geld, um sich jede Karte zu kaufen, die er wollte. Nur was war es dann?
"Ich hoffe nur der Typ gibt auf, wenn er uns nicht findet. Mit dem ganzen Zeug beladen, hängen wir ihn im laufen jedenfalls nicht ab." Die Endgültigkeit in Joey Stimme ließ Marik aufhorchen. Jemand wie Kaiba gab nicht auf. Selbst wenn er sie jetzt nicht fand, würde er sie noch die ganze Nacht nach ihnen suchen. Die Chance, dass sie ihm dabei tatsächlich über den Weg liefen, war erschreckend groß. Und was dann? Er musste sich etwas einfallen lassen.
Sie beobachteten den Fremden weiter, bis er an die letzte Tür kam. Seine Gestik zeigte deutlich, dass er nicht sehr erfreut über seine erfolglose Suche war. In seiner Wut lief er die Häuserreihe noch einmal ab. Als er wieder am Ausgangspunkt seiner Suche angekommen war, blieb er ganz ruhig stehen. Eine Ewigkeit schien es zu dauern, bis er sich wieder bewegte und um die nächste Ecke bog.
"Er ist weg." Sagte Marik mit erleichterter Stimme. Umso mehr fiel es Joey schwer ihm zu widersprechen. "Oder er versteckt sich und wartet bis wir rauskommen. Bleib mit der Kamera auf der Ecke. Falls ich recht habe, wird er gleich nach uns schauen."
Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis jemand einen verstohlenen Blick in die Straße warf. Verzweifelt ließ sich Marik zurück in den Stuhl sinken. "Was machen wir jetzt?"
"Weiß nicht. Solange der da rumhängt, haben wir keine Chance unbemerkt auf die Straße zu kommen. Aber keine Panik, ich lasse mir schon etwas einfallen."
Sofort legte Joeys Stirn sich in Falten. Seine Gedanken kreisten weniger um einen Fluchtweg, als mehr um diesen Fremden. Es war bestimmt nicht der gleiche, wie beim letzten mal. Trotzdem kam ihm dieser Kerl irgendwie bekannt vor. Wer immer dieser Mann war, er konnte nichts gutes im Sinn haben.
Bei dem Gedanken, er könnte Marik etwas antun, drehte sich Joey der Magen um. Er wollte auf keinen Fall, dass ihm etwas passierte. Erstaunlich, wie sehr ihm Marik in den letzten Tagen ans Herz gewachsen war. Dabei war er hier um zu kontrollieren, ob er wieder unter Einfluss seiner dunklen Seite stand.
Vor nicht allzu langer Zeit wäre es ihm recht gewesen, wenn ihm etwas zustieß. Jetzt wollte er ihn beschützen, wie er seine kleine Schwester beschützte. Obwohl es war auch irgendwie anders. Er wusste einfach nicht wie er es sich erklären sollte. Als hätte sich vor ihm eine ganz neue Tür aufgetan. Eine Tür?! Das war die Lösung!
"Marik. Weißt du wo die Tür neben dem Ausgang hingeht?" Etwas erstaunt über die aufgeregte Frage schaute er zu Joey auf. "Sie führt über einen kleinen Hinterhof, wie der über den wir vorhin gekommen sind. Die Tür ist aber fest verschlossen, da kommen wir nicht durch."
"Nicht, wenn ich das Schloss knacken kann. Hab einfach ein Auge auf die Bildschirme und sag mir ob jemand kommt O.K.?" Sofort drehte sich Marik um und begann die Straße abzusuchen. Er schaute wieder zu Joey auf um ihm sein OK zu geben.
"Alles klar. Du kannst raus." Ein paar Sekunden hielten beide den Blick, bevor Joey ihm aufmunternd zulächelte und sich umdrehte. Mit leisem Zischen glitt die Tür in die Wand hinein. Vorsichtig warf Joey einen Blick die kleine Gasse hinauf bevor er hinaustrat. Dann ging er vor der Tür in die Knie, um das Schlüsselloch besser untersuchen zu können.
Von der Tür selbst blätterte zwar die Farbe ab, dass Schloss war aber noch in einem guten Zustand. Es wäre doch gelacht, wenn er das nicht aufbekam. Das Taschenmesser in seiner Jacke würde mit ihm kurzem Prozess machen.
Mariks Augen wurden groß, als er ein Klicken hörte und die Tür aufschwang. Er hatte noch nie gesehen, wie ein Türschloss auf diese Weise geknackt wurde. Ein Schwingen mit dem Millenniumsstab war das einzige, was er getan hatte, um Türen zu öffnen.
"Ich schau mich kurz um und komm gleich wieder. Pass solange weiter auf." Von Joey aus seinen Gedanken gerissen, wurde ihm klar, dass er den Bildschirm gefährlich lange ignoriert hatte. Schnell überprüfte er die Straße und stellte erleichtert fest, dass sie immer noch ruhig dalag. Gleich kam Joey und sie konnten von hier verschwinden.
Mit ihm zusammen fühlte er sich sicher. Ein Gefühl, das er sonst nur in Odeons Gegenwart hatte. Aber das war kein Wunder, denn in den letzten Tagen hatte Joey ihn in mehr als einer Hinsicht beschützt. Sogar in der ersten Nacht, als er ihn getroffen hatte. Es wäre ein leichtes für Joey gewesen, ihn dort in sein Verderben laufen zu lassen. Stattdessen erzählte er ihm wie gefährlich die Gegend war und hatte ihn sogar von dort weggebracht.
Schon als er sich Namu genannt hatte, war Joey hilfsbereit gewesen. Es war ihm egal ob jemand ein Fremder oder ein Feind war. Ein Teil von Joeys Persönlichkeit, den er sehr beeindruckend fand. Die ganze Zeit über hielt er zu ihm, obwohl er seine Freunde belügen musste. Und was tat er? Gar nichts. Er saß hier auf seinem Hintern und wartete das Joey alles wieder hinbog.
Da draußen saß Seto Kaiba in einer dämlichen Verkleidung, um ihnen diesen ganzen Ärger zu machen. Irgendetwas musste es geben, um Joey zu unterstützen und Kaiba in seine Schranken zu weisen. Was könnte einem Firmenboss schaden? Oder besser gesagt: Was könnte seinem Image schaden? Von seiner eigenen Idee beflügelt, begann Marik alles in die Wege zu leiten. Allerdings musste er sich beeilen, da Joey jeden Augenblick zurückkommen konnte. Gerade als er die letzten Worte eintippte, hörte er Joey hinter sich.
"Auf der anderen Seite ist alles klar. Ich hab einen Weg gefunden auf dem wir von hier verschwinden können." Marik war froh, dass er nur ein kleines Fenster auf dem Bildschirm geöffnet hatte, um die Nachricht zu verfassen. Denn so gelang es ihm das Ganze verschwinden zu lassen, bevor Joey es bemerkte.
"Bleib ruhig sitzen und pass weiter auf. Ich stopf das Zeug schnell in die Rucksäcke." Das war die Chance. Während Joey beschäftigt war, tippte er das letzte Wort und versand die Nachricht. Kaiba würde sein blaues Wunder erleben, wenn alles klappte. Und da sie heute Abend das letzte mal hier waren, konnte er sie auch nicht weiter belästigen. Das letzte Mal allein mit Joey. Bei dem Gedanken krampfte sich sein Herz ein bisschen zusammen.
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Nicht mehr lange und sie waren wieder bei dem Spielplatz. Die Straße auf der sie entlanggingen, war gut ausgeleuchtet. Keine der Lampen war demoliert und nirgends war Graffiti zu sehen. Zwei Straßen weiter würde Joey wieder seine eigenen Wege gehen. Die Akten waren vernichtet, also gab es keinen Grund mehr für ihn mit ihm zusammen zu sein.
Außer wenn sie sich nach der Schule trafen. Da waren aber auch alle anderen und um ehrlich zu sein wollte er lieber Zeit alleine mit ihm verbringen. Er mochte Joey. Sogar sehr. Nur wie sollte er es ihm sagen. Wobei die Wahrscheinlichkeit, dass er es wusste ziemlich hoch war. Seine eigene Reaktion beim Nachsitzen war so schrecklich durchschaubar gewesen.
Seit sie das Versteck verlassen hatten, war kein einziges Wort mehr zwischen ihnen gefallen. War es deswegen? Hasste er ihn? Oder konnte er mit dem ganzen genauso wenig anfangen wie er? Was sollte er nur tun? So weitermachen wie bisher? Es ignorieren? Nein!!
Das konnte er nicht ertragen. Wie früher, alles ignorieren bis er explodierte. Allein der Gedanke, zu was ihn das gemacht hatte, ließ ihn von dieser Idee Abstand nehmen. Also was dann? Es Joey ins Gesicht sagen? Auf gar keinen Fall. Nur was sollte er dann tun? Er musste diskret sein. Genau.
Aber wie formuliert jemand auf diskrete Art und Weise "Ich mag dich mehr als die anderen?" Oh nein. Da vorne war die Stelle, die zum Spielplatz führte. Nicht jetzt schon. Er wusste doch gar nicht was er sagen sollte. Komm schon Marik. Denk nach. Denk nach! "Ähm ... Joey ... ich muss dir was sagen."
"Ja." Prima Marik du hast seine Aufmerksamkeit. Jetzt mach weiter so. "Ich wollte mit dir über das Nachsitzen reden." Mariks Stimme ließ Joey zusammenzucken. Er wollte nicht nur über diesen verdammten Tag reden, nein er musste auch noch so ernst klingen. So auffällig wie er sich selbst verhalten hatte, kaum ein wunder. Schließlich hatte er so wenig wie möglich mit Marik geredet und ihn nicht einmal angeschaut. Wenn er auf sein Verhalten zurückschaute, war die Situation wohl wirklich ernst und es war besser die Sache hier und jetzt zu klären.
"O.K." Besonders begeistert hört sich das ja nicht an. Ob er mich wirklich hasst? Wieso warten? Besser ich finde es gleich raus. Zum Teufel mit dem diskret sein. "Ich hab so reagiert, weil ich dich mag. Viel lieber als die anderen. Es gefällt mir einfach in deiner Nähe zu sein und ich wünschte, wir könnten viel mehr Zeit alleine zusammen verbringen. ... Aber ich habe dir schlimmes angetan und verstehe, wenn du das nicht willst. Es tut mir leid, dass ich dich damit belästige."
Joey wusste gar nicht, was er tun sollte. Marik war einfach stehen geblieben und hatte so schnell gesprochen, dass er eine Weile brauchte, um ihn überhaupt zu verstehen. Hatte Marik ihn belästigt? Ein komischer Gedanke. Als er darüber nachdachte, war es eher das Gegenteil. Die letzte Zeit mit Marik hatte ihm gefallen und er würde es vermissen, wenn er ihn nicht mehr "belästigte".
Joey nahm all seinen Mut zusammen, um sich umzudrehen und ihn anzuschauen. Was er sah erschreckte ihn. Starr blickte Marik zu Boden. Er schien sogar zu zittern. Am liebsten wollte er sofort zu ihm gehen, um ihn zu trösten. Trotzdem zwang er sich dazu ruhig zu bleiben. Das war er ihnen beiden schuldig. Einzig seine Hand legte er beruhigend auf Mariks Kopf. Dieser zuckte zusammen als er die Berührung spürte. Er hätte eher erwartet, dass Joey anfing zu schreien oder so etwas.
"Ich würde ... dich vermissen, wenn du nichts mehr mit mir unternimmst. In so kurzer Zeit bist ein guter Freund geworden." Das war es. Joey sah ihn nur als Freund nicht mehr. Immerhin besser, als von ihm gehasst zu werden.
"Was damals passiert ist kann ich genauso wenig ignorieren, wie die Tatsache das du nicht mehr diese Person bist. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht, was ich von deinen Worten oder meinen Gefühlen halten soll." Er weiß es nicht? Heißt das ich hab vielleicht doch eine Chance?
"Aber wir können es ja zusammen herausfinden." Bei diesen Worten ließ Joey seine Hand von Mariks Kopf gleiten, um damit Mariks Hand zu umklammern. Wieder fühlte er diese Wärme die von ihr ausging. Etwas, das er noch nie erlebt hatte und ihm doch gefiel. Als Marik diese Umklammerung endlich erwiderte, lief ihm ein warmer Schauer den Rücken hinab. Als wäre es ein Beweis, dass er sich richtig entschieden hatte.
Unter Aufbietung all seiner Selbstkontrolle schaffte er es sich von diesem Gefühl zu lösen. Es war mitten in der Nacht und sie mussten nach Hause. "Komm Marik. Es ist ziemlich spät." Durch Joeys leichtes ziehen an seinem Arm, wurde Marik wieder in die Realität zurückgeholt.
Der vernünftige Teil von ihm sagte, dass es wichtig war zu Hause zu sein, bevor Odeon bemerkte das er weg war und begann zu gehen. Der unvernünftige war vor Freude immer noch nicht in der Lage zu sprechen. Joey gab ihm tatsächlich eine Chance! Am liebsten wäre er ewig so stehen geblieben. Und da vorne kam schon die Straßenecke an der sie sich trennen würden. Das konnte doch nicht sein. Er wollte sich noch nicht von Joey trennen. Trotzdem blieb ihm wohl nichts anderes übrig.
"Hier sind wir ... Kaum zu glauben, dass ich das sage, aber ich freue mich schon auf Montagmorgen. Gute Nacht." Bei Joeys Worten fasste er seine Hand noch ein wenig fester. Er musste erst einmal tief durchatmen, bevor er sich überwinden konnte sie loszulassen.
Außerdem hatte er immer noch kein einziges Wort gesagt. Es war Zeit das zu ändern. Von neuem Willen erfüllt, schaute er endlich auf und fühlte sich wie im Himmel. In Joeys Augen konnte er etwas erkennen was vorher nicht da gewesen war. Etwas das nur für ihn dort war.
Ohne darüber nachzudenken, überbrückte er das kleine Stück zu Joey. Er schloss seine Augen und schon berührten seine Lippen ganz sanft Joeys. Wie in Trance verfallen, schien es eine Ewigkeit zu dauern, obwohl es nur Sekunden waren, bis er sich wieder von ihm löste.
Erst Joeys überraschter Gesichtsausdruck machte ihm bewusst, was er getan hatte. Als sich dieser dann zu einem Lächeln verwandelte, war es endgültig vorbei. Hitze schoss ihm plötzlich in die Wangen und er wusste das er knallrot war. Er sollte jetzt irgendwas intelligentes oder geistreiches sagen um die Situation zu erklären.
"Gute Nacht." Oder er drehte sich einfach um und lief so schnell wie möglich nach Hause. Er konnte förmlich spüren, wie sich Joeys Blick gerade in seinen Rücken bohrte. Was hatte er nur getan? Er hatte ihn geküsst. Aber Joey hatte auch gelächelt. Sein erster Kuss! Mit dem breitesten Grinsen, das je auf Mariks Gesicht gewesen war, lief er überglücklich nach Hause. Sein neues Leben war wundervoll.
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Epilog
"Kaiba in zwielichtige Geschäfte verwickelt?"
"Was soll die Maskerade?"
Wutentbrannt warf Seto Kaiba die Zeitung auf den Boden. Er stand vor seinem Schreibtisch auf dem noch mehr Zeitungen mit ähnlichen Titeln lagen. Auf allen prangte ein Bild von ihm in der Verkleidung, in der er gestern Marik und Joey verfolgt hatte.
Er hatte die beiden schon fast gehabt. In einem Versteck hatte er nur noch darauf gewartet, dass sie aus ihrem Loch gekrochen kamen. Aber plötzlich, wie aus dem Nichts, waren diese verdammten Reporter aufgetaucht. Sie hatten Fotos geschossen und Fragen bombardiert, die er nicht beantworten konnte.
Wie zur Hölle, sollte er erklären, dass er Nachts in so einer Verkleidung herumlief? Jedes Wort aus seinem Mund hätte es nur noch schlimmer gemacht. Also schwieg er. Und die Presse zerriss sich nun das Maul über ihn. Die Telefone standen nicht mehr still. Viele der Investoren waren nicht gerade erfreut über den Gedanken, dass er in illegale Geschäfte verwickelt sein könnte.
Das Image der Kaiba Corporation hatte jetzt schon Verluste in Millionenhöhe erlitten. Und weswegen? Weil rein zufällig ein Haufen Reporter aufgetaucht war? Wohl kaum. Das war Mariks werk.
Er konnte vielleicht Joey und seine dämlichen Freunde, mit dieser Unschuldsnummer reinlegen, aber nicht ihn. Irgendwie würde er diesen Trotteln wohl die Augen öffnen müssen. Besonders Wheeler. Der war Marik ja regelrecht verfallen.
Dieser verdammte Bastard würde für alles bezahlen. Er wusste noch nicht wann und wie. Aber der richtige Augenblick für seine Rache würde schon kommen. Und wenn er dabei nachhelfen musste.
FIN
Ja ich weiß, ein offenes Ende. Ich konnte mal wieder nicht wiederstehen.
Tatsächlich möchte ich hier gerne einmal weiterschreiben. Allerdings liegt mir ein gewisses Monster an Geschichte immer noch schwer im Magen. Deshalb kann das noch ein wenig dauern.
Davon abgesehen würde es mich sehr Interessieren, wie ihr das Ende findet. Gut oder schlecht? Und wieso?
Mir selbst gefällt dieses Ende zwar, aber ich habe es so oft umgeschrieben, das ich das Gefühl hatte estwas zu vergessen. Das ist wohl bei jeder Geschichte so. Etwas hätte noch besser oder anders sein können. Trotzdem bin ich hiernit zufrieden.
Auf das wir uns beid er nächsten Story wiedersehen.
