Kapitel 4

Der Tag verlief ziemlich schleppend, Mary konnte es kaum aushalten so aufgeregt war sie. Sie ging ihren Freundinnen möglichst aus den Weg, sie wollte keine Fragen beantworten, was mit ihr los war. Es fiel ihr zwar schwer, nicht mit Maggie oder Laura über Lupin reden zu können, aber sie war sich sicher, dass es so einfacher wäre.

Es war erst Mittag und sie saßen alle in der Halle als Elaine sie ansprach.

„Musst du nicht heute zu Professor Lupin?"

„Ja", sagte Mary teilnahmslos.

„Ich weiß ja nicht aber irgendwie finde ich ihn eigenartig", meinte Laura.

„Er ist nicht eigenartig!", rief Mary aufbrausend, Laura Maggie und Elaine schauten sie nur Stirn runzelnd an.

„Ich meine... ich finde, er ist halt ein guter Lehrer." i'So ein Mist, hoffentlich merken sie nichts',/i dachte Mary.

„Ja, das stimmt, die erste Stunde bei ihm war wirklich gut! Besser als bei den meisten anderen, die wir bis jetzt hatten", stimmte Maggie ihr zu und damit war das Thema vom Tisch. Maggie und Laura fingen gerade wieder an zu streiten, weil Laura meinte, dass Maggie verknallt in Martin Taylor sei, der als einer der unbeliebtesten Kerle in Hogwarts galt. Darauf hin beschimpfte Maggie sie als blöde einfältige Kuh und warf ihr vor in den gesamten männlichen Teil der Ravenclaw Quidditch- Mannschaft verknallt zu sein. Wo sie wiederum nicht ganz unrecht hatte, mit den meisten war Laura wirklich schon aus gegangen. Doch Laura schmollte den restlichen Tag und schwieg.

Mary quälte sich durch die restlichen Stunden, ihre Aufregung wurde immer größer, sie bekam die einfachsten Sachen nicht mehr hin, bei Zaubertränke explodierte sogar ihr Unsichtsbarkeitstrank. Professor Snape quittierte dies jedoch nur mit einem strengen Blick und ließ den Schaden an Marys Platz mit einem Zauberstabschwenker verschwinden. Wütend ging sie aus dem Kerker, sie konnte diesen Kerl noch nie leiden! Doch auch bei Marys Lieblingslehrer Professor Flitwick, der zwar äußerst langweilig war, aber ihr die ganzen Jahre hier geholfen hatte sich zurecht zu finden, erging es ihr nicht besser. Sämtliche Zaubersprüche waren wie weg geblasen.

„So ein Mist, wenn das so weiter geht, schaff ich die Prüfungen nie!", stöhnte Mary beim Abendessen.

„Wenn meine Leistungen so bleiben, kann ich gleich packen gehen..."

„Ach Mary, das kommt doch immer mal vor so ein Durchhänger! Du warst doch sonst auch so gut", munterte Maggie sie auf.

„Du hast ja Recht, ich glaub ich muss mich einfach nur mehr anstrengen."

„Da hast du ja gleich die Gelegenheit, musst du nicht zu Lupin?", fragte Laura.

„Ach, sprichst du doch wieder mit uns?", fragte Maggie bissig zurück.

„Oh stimmt, ich muss ja noch meine Sachen holen!", unterbrach Mary Laura und Maggie, die gerade wieder anfangen wollten zu streiten.

Mary rannte hoch in den Ravenclaw Turm. Sie ging in ihren Schlafsaal und holte ihre Tasche. Bevor sie wieder ging, drehte sie an der Tür und ging noch mal an den Spiegel. Sie betrachtete sich, bürstete noch einmal ihre schwarzen, langen Haare durch, machte sich einen Zopf, was sie etwas älter erscheinen ließ und atmeten noch einmal tief durch. Dann verließ sie den Schlafraum.

Mary klopfte an Lupins Tür, sie war zwar zehn Minuten zu früh, aber draußen auf dem Gang zu stehen kam ihr auch blöd vor.

„Herein!" Mary öffnete die Tür und trat ein.

„Hallo, Miss Lanchester! Setzen Sie sich doch bitte noch kurz! Ich komme gleich."

Mary trat an einen alten Sessel heran und suchte den Raum ab, doch sie konnte Professor Lupin nicht sehen. Sie setzte sich. Ihr Herz pochte und überall roch es nach ihm. So hatte sie sich sein Büro vorgestellt, keinen Firlefanz, aber trotzdem gemütlich. Drei große Sessel standen in dem Raum und ein großer Schreibtisch. An den Wänden standen viele Regale mit noch mehr Büchern und Geräten, die sie noch nie gesehen hatte...

„Möchten Sie etwas trinken, Mary?"

Sie erschrak, denn plötzlich stand Remus neben ihr

„Ja, gerne!"

Lupin stellte ihr und sich selbst zwei Flaschen Butterbier hin und setzte sich Mary gegen über in den Sessel.

„Ich habe mir einmal ihre Noten aus den vergangen Jahren angesehen. Mary, sie sind eine gute Schülerin! Warum haben sie zur Zeit solche Probleme im Unterricht?"

„Ich weiß es auch nicht, Professor. Ich kann mich nicht konzentrieren und vergesse einfach alles. Ich verspreche Ihnen aber, dass ich mich bessern werde!"

„Das glaub ich Ihnen. Ich denke, wir sollten heute mit etwas Theorie anfangen."

Sie ging mit Professor Lupin den Stoff des letzten Jahres durch und plötzlich war alles wieder da.

„Das sieht ja schon sehr gut aus!", lobte Lupin Mary.

Mary saß noch eine ganze Weile bei Lupin im Büro, er konnte so schön erzählen, er redete über seine Zeit in Hogwarts und Mary musste sehr lachen über die Streiche, die er und seine Freunde anderen Mitschülern und auch Lehrern gespielt hatten.

„Sie waren ja mal richtig wild!", lachte Mary noch immer.

„Nein, eigentlich hab ich nur versucht, James und Sirius vor Ärger zu bewahren, ist mir aber nicht sehr oft gelungen..."

Er sah ihr plötzlich sehr tief in die Augen.

„Mary, du kommst mir so erwachsen vor. Weißt du, eigentlich sollten Schüler und Lehrer nicht so beieinander sitzen."

„Aber wir tun doch nichts Verbotenes", flüsterte Mary.

Sie konnte seinem Blick nicht mehr standhalten, stand auf und ging ans Fenster.

„Bald ist wieder Vollmond..."

„Ja, leider..." Lupin war hinter sie getreten.

Sie sah ihn an.

„Wieso leider?

„Ach, nicht so wichtig. Mary, weißt du eigentlich, wie bezaubernd du bist?"

Remus konnte einfach nicht anders. Wie konnte etwas verboten sein, dass sich so gut anfühlte?

Er blickte ihr tief in die Augen, nahm ihre Hand und zog sie näher zu sich heran. Mary legte ihre Arme um seinen Hals und als sie sich küssten dachte Mary unter ihr versinke der Boden, doch Remus hielt sie fest an sich gedrückt.

Mary löste sich etwas von ihm und sah in seine dunklen Augen.

„Professor Lupin, ich..."

„Nenn mich bitte Remus", sagte er und küsste sie wieder, diesmal leidenschaftlicher.

„Remus..." Mary lächelte, sein Name gefiel ihr. „Remus, ich fühle mich so geborgen bei dir. Lass mich nicht mehr los, ja?"

„Niemals!" Er drückte sie fest an sich.

Die Uhr schlug Mitternacht als sie sich, auf Wolke sieben schwebend ,wieder auf den Weg in den Ravenclaw Turm machte.

Lupin lag noch lange wach. Er wusste, das durfte nicht sein, doch er wollte es auch nicht beenden. Noch nie hatte ihm eine Frau soviel bedeutet wie Mary. Irgendeinen Weg würde es sicher für sie beide geben.