Keyhole part 1
Es klopfte leise an der Arbeitszimmertür des 5. Hokages.
"Tsunade-Sama, bist du da?"
Ohne eine Antwort abzuwarten trat Shizune in das kleine Büro, in dem Tsunade den größten Teil des Tages und zu ihrem Leidwesen auch der Nacht verbrachte.
Lächelnd betrachtete Shizune die Szenerie.
Wie üblich schlief der Hokage auf dem Schreibtisch und besabberte in aller Seelenruhe höchst wichtige Dokumente, die als notdürftiges Kissen missbraucht wurden.
Tsunade hatte sich in den letzten Tagen völlig Verausgabt und für die bevorstehende Versammlung, über die "Uchiha-Affäre", wie das ganze liebevoll von den Ältesten genannt wurde, würde sie ihre gesamte Kraft brauchen.
Trotz allem räusperte sich Shizune, worauf hin der Hokage gemächlich den Kopf hob und ein verschlafenes „ Was'n los?" von sich gab.
Shizune versuchte möglichst diskret den Bericht einer S-Class Mission, welcher an der Wange der Legendären Sannin klebte, zu ignorieren. Dies erwies sich jedoch als äußerst schwierig, denn nachdem Tsunade den lästigen Schriebsel endlich entfernt, zierte die unverkennbare Signatur eines gewissen Gai Maitos ihr Gesicht.
„Tsunade-Sama, ich wollte mit dir noch mal über Sasuke-Kun sprechen.", fing sie an.
„Bist du dir sicher dass-"
„Absolut.", wurde sie von ihr unterbrochen.
„Aber, was ist wenn-"
„Shizune ich weiß was ich tue!" Tsunade strotzte nur so vor Autorität und ihre Stimme duldete keinen Widerspruch. Ihr scharfer Ton ließ Shizune leicht zusammenzucken und erinnerte sie daran, warum Tsunade die Position des Hokages inne hatte und kein anderer.
„Es ist wichtig, dass der Junge die Wahrheit erfährt.", fügte sie etwas sanfter hinzu.
„Aber Tsunade! Müssen wir uns nicht gut überlegen was wir ihm sagen und was nicht? Denk doch an all die Möglichkeiten die wir haben!"
Ein leiser Seufzer entschlüpfte dem Kage des Feuerreichs.
„Das ist schon richtig, jedoch ist es langfristig für jeden das Beste, wenn er ALLES weiß..."
„Du meinst für Naruto und Sakura ist es das Beste?" ein leichter Vorwurf schwang in Shizunes Frage mit.
Tsunade schüttelte müde den Kopf.
„Glaubst du wirklich ich würde das wohl einzelner über das des ganzen Dorfes stellen?"
Shizune wurde schlagartig so rot wie eine Tomate, doch sie antwortete auf die Frage nicht, sondern mied nur Tsunades Blick.
„Sasuke ist gefährlicher denn je.", fuhr der Hokage fort.
„Zwei der mächtigsten Augen, die die Ninjawelt je gesehen hat in dem Körper eines verwirrten Teenagers... nicht auszudenken was passiert, wenn sie in die falschen Hände geraten. Und damit meine ich nicht nur die unserer Feinde, auch in den eigenen Reihen gibt es gewisse Personen, die dieser Macht nicht widerstehen können und bereit sind so einiges dafür zu tun..."
Shizune starrte weiterhin beharrlich auf ihre Füße.
„Ist es denn wirklich so schlimm von Sasukes Gabe Gebrauch zu machen? Warum können wir sie nicht nutzen?", wollte sie kleinlaut wissen.
„… von der Tatsache einmal abgesehn, dass ich nicht glaube, dass er überhaupt in der Lage ist seine Sharingan so perfekt zu meistern um eine Gefährdung für alle Beteiligten auszuschließen, befürchte ich, dass die anderen Dörfer damit keines Falls einverstanden währen. Sie sorgen sich um ihre Position und das zu Recht. Die Kraft, das Neunschwänzige Biest zu zähmen, bereitet den Kages mehr angst, als sie zugeben wollen, denn was könnte den Uchiha-Bengel davon abhalten auch ihre Jinchuuriki zu kontrollieren?"
„…aber ich dachte die Jinchuuriki werden von allen gehasst?"
„Ja, zumindest auf der einen Seite, aber auf der anderen stellen sie ein Symbol der Macht dar. Ist dir nicht aufgefallen, dass jedes der großen Dörfer sein eigenes Schoßtierchen für den Notfall hat? Der Frieden für den wir so hart gekämpft haben ist wie ein Kartenhaus, nur ein falscher Zug und es bricht in sich zusammen und ich bin ehrlich gesagt nicht bereit das aufs Spiel zu setzen!", sagte Tsunade ernst.
„Verstanden, Hokage-Sama!"
Mit einem leisen rascheln erhob sich ein Krähe, die bis dato still auf dem Ast eines nahegelegenen Baums gesessen hatte, in die Lüfte.
