Anmerkung der Autorin: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling. Sämtliche Figuren sind ihr Werk.
Über Kommentare freue ich mich immer.
Teil 3. Denn die Liebe ist jetzt
Sie saß in der Küche.
Doch heute nicht allein.
Irgendwie, dachte sie, hatte sich die Atmosphäre geändert. Sie war fröhlich – beinahe – überglücklich.
Teddy sprang aufgeregt hin und her. „Hogwarts, Hogwarts, warzenschweiniges Hogwarts!" Er stoppte abrupt, drehte sich zu seiner Großmutter um. „Ich hab den Rest des Textes vergessen. Wie geht's weiter, Grandma?"
Andromeda lächelte. „Bring uns was Schönes bei. Aber jetzt ist nicht die Zeit, dir die Hogwarts-Hymne beizubringen. Los, geh dich umziehen, damit Hogwarts auch dir etwas Schönes beibringen kann und wir nicht zu spät am Bahnhof sind."
„Grandma, du kannst einem Hogwartsschüler doch nicht ausschlagen, etwas zu lernen!", demonstrierte Teddy gespielt empört. Dann, von einem Moment zum anderen, wurde er ernst. „Ich hab Angst."
Andromeda glaubte, sich verhört zu haben, doch an Teddy's ernstem Gesichtsausdruck konnte sie feststellen, dass dem nicht so war. Einladend strecke sie ihre Hände aus. „Komm her, Teddy."
Zögerlich und beinahe beschämt kam er auf sie zu und stellte sich vor seine sitzende Großmutter, sodass er auf gleicher Höhe mit ihr war. Seine roten Wangen und Haare zeigten deutlich, dass er sich schämte, als „großer Junge" seine Angst zugegeben zu haben. Zärtlich fuhr Andromeda mit einer Hand durch sein Haar und lächelte nostalgisch.
„Wenn du erst einmal in Hogwarts bist, dann wirst du bald keine Angst mehr haben. Am Anfang wird es dir riesig vorkommen, mit all seinen Treppen und Geheimgängen – die du bitte nicht betrittst. Aber du wirst dich daran gewöhnen. Du wirst Freunde finden in deinem Haus, du wirst viel Spaß haben. Und sie werden alle über deine tolle Schweineschnauze und deine pinken Haare lachen." Andromeda erinnerte sich noch gut daran, wie beliebt diese Dinge zu Tonks' Zeiten gewesen waren.
Ein schüchternes Lächeln stahl sich auf Teddy's Lippen. „Echt?"
Andromeda erwiderte sein Grinsen. „Natürlich. Ich habe schon einen Metamorphmagus aufgezogen – und ich kenne mich damit aus, was gern gesehen ist." Sie zwinkerte ihm zu.
Teddy's Lächeln wurde zu einem Lachen und er sprang aufgeregt zurück. „Ich zieh mich um!"
Als Teddy den Raum verlassen hatte, schloss Andromeda für einen Moment die Augen. Sie wusste, in Hogwarts würde Teddy die beste Ausbildung bekommen, Freunde finden, Menschen seines Alters treffen, glücklich werden, auch ohne Eltern. Aber der Gedanke, allein die Vorstellung, eine so lange Zeit ohne ihn zu verbringen... Die letzten elf Jahre war er immer bei ihr gewesen, jeden Tag, jede Nacht. Die Leere, die sie erwartete, schien beinahe greifbar.
Wie sollte sie es nur bis Weihnachten schaffen?
Der erste Schnee ohne ihren Enkel. Sie erinnerte sich lebhaft und gerne, wie Teddy jedes Mal beim ersten Schneefall aus dem Haus stürmte und wild umhertanzte. Jedes Jahr hatte sie schon im November auf Schnee gehofft. (Manchmal hatte sie ihn auch herbeigezaubert, wenn sie zu ungeduldig war.)
Doch um Teddy's Willen schwor sie sich, eine Arbeit zu suchen – eine Aktivität, irgendetwas, das sie den Tag über beschäftigt hielt. Untätigkeit würde sie in ihrer Einsamkeit nicht aushalten; und ihre Zeit nur in der Küche zu verbringen und nachzudenken, das würde ihr auch nicht weiterhelfen. Wenn sie auch nicht endgültig über den Verlust ihrer Familie hinweggekommen war, für Teddy wollte sie stark sein, ja, musste sie stark sein.
Just in diesem Moment betrat jener wieder die Küche, besorgt die Haarfarben wechselnd.
„Was meinst du, Grandma..." Er färbte seine Haare pink. „Das..." Sie wurden braun. „So..." Und nun blond. „Oder diese Farbe? Ich kann mich nicht entscheiden! Was sieht am besten aus? Ich kann mich nicht gleich am erste Tag blamieren!"
Er stockte überrascht, als Andromeda laut loslachte. „Grandma?", fragte er besorgt. „Ist alles okay?"
Sie nickte, beinahe unter Tränen. „Ja – ja, alles in Ordnung. Ich musste nur daran denken, wie To- deine Mutter an ihrem ersten Schultag zu mir kam und stolz verkündete, sie wolle mit pink-gelb-gestreiften Haaren zur Schule gehen."
Teddy's Augen wurden groß. „Sowas würde ich nie machen!", sagte er feierlich, mit vor Stolz geschwellter Brust. Dann wurde er sofort wieder klein. „Aber meinst du, die anderen würden über mich lachen, wenn ich pinke Haare habe?"
Andromeda schüttelte den Kopf, erhob sich, ging zu Teddy und kniete sich vor ihm hin. Ernst sah sie ihm in die Augen, und aus vollster Überzeugung sagte sie:
„Sie werden dich lieben."
Sofort färbten sich Teddy's Haare erneut pink. Andromeda spürt einen kleinen Stich im Herzen, als sie plötzlich statt des Enkels ihre Tochter vor sich da, doch diesen Gedanken schüttelte sie schnell fort – die Zeit, da sie sich abends in den Schlaf weinte, war vorbei. Teddy war, was zählte, Teddy und die Zukunft.
Dieser griff nach ihrer Hand. „Lass uns gehen, Grandma."
Gemeinsam verließen sie das Zimmer.
Und dann, nach einem kurzen Zögern, fügte Teddy hinzu: „Ich hab dich lieb."
Andromeda lächelte und schloss die Küchentür.
