Mortis: Sorry, hatte deine Frage ganz übersehen. Ich bemühe mich jede Woche mindestens einmal ein neues Kapitel hochzuladen.
Mandragora: Danke für dein Lob freu.
Sturmwarnung: Danke für den Keks, da schreibt es sich gleich viel besser. J In diesem Kapitel gibt es noch nicht ganz so viel Lucius, aber im nächsten bestimmt.
4. Malfoy Manor
Eine kühle Hand berührte seine Stirn. Eine angenehme kühle, sanfte Hand. Eine bekannte Hand. Noch mit geschlossenen Augen nahm Severus diesen Hauch einer Berührung wahr wie durch einen Nebel und nur langsam hob er seine Hand ein wenig an, um nach der der Frau zu greifen, die neben ihm auf dem Bett saß, während sein noch immer schmerzender Körper auf weiche Kissen gebettet war.
"Narzissa…", kam es nur flüsternd über seine Lippen, die noch immer etwas bleich waren. Er mußte die Augen nicht öffnen um zu wissen dass sie es war, deren Hand er in seiner hielt. Daß es ihr Körper war, dessen angenehme Wärme er an seinem spüren konnte.
Dennoch tat er es, erfüllt von dem Wunsch, sie sehen zu wollen. Das erste Mal wieder sehen zu wollen nach ihrer Hochzeit vor zwei Wochen. Fast schon erwartungsvoll schlug er die Augen auf und fürchtete sich doch im selben Moment davor das in ihrem Gesicht sehen zu müssen, das er immer gefürchtet hatte, seit er von den Plänen Voldemorts gehört hatte, Narzissa Black mit Lucius Malfoy zu verheiraten.
Leise stöhnend mußte er feststellen, dass genau das aus ihren Augen sprach, auf welche er nun seinen Blick gerichtet hielt, um ihre Hand in selben Moment unwillkürlich etwas fester zu umschließen.
Für einen kurzen Moment schloß Narzissa die Augen. Wen störte es, wem tat es weh, wenn sie sich diese wenige Sekunden stahl? Seine Hand zu spüren, die sie einfach nur festhielt, ihr Sicherheit gab, wo eigentlich keine zu finden war. Zögernd nur öffnete sie die Augen wieder, hob ihre schmale, bleiche Hand an, um ihm mit den Fingerspitzen sanft, fast ohne die Haut dabei zu berühren, über die Schläfe zu streichen.
"Geht es dir besser?"
Severus nickte langsam, ohne dabei die Augen von Narzissa zu nehmen und wieder fühlte er diese Schuldgefühle tief in seinem Inneren. Schuldgefühle, dass er es zugelassen hatte, wenngleich er keine Möglichkeit gehabt hatte, es zu verhindern.
"Ich sollte dich fragen, wie es dir geht, nicht du mich…"
Ein freundloses Lachen entwich Narzissas Kehle, begleitet von einem leichten Kopfschütteln, das dennoch eine Strähne ihres hellen Haares in ihr Gesicht fallen ließ.
"Es geht mir gut Severus", versicherte sie ihm schnell, zu schnell. Aufseufzend, wohl wissend, dass er ihr nicht glauben würde, zuckte sie leicht mit den schmalen Schultern.
"So gut eben, wie es einer Frau gehen kann, die mit Lucius Malfoy verheiratet ist. Du kennst ihn."
Wieder nickte Severus, wieder verstärkte sich dieses ungute Gefühl in seinem Magen. Ja, er kannte seinen 'Freund' Lucius Malfoy. Er wusste um die Art wie dieser Frauen behandelte und seiner eigenen Frau erging es sicher eher noch schlechter als besser, als all den anderen. Noch heute konnte er nicht verstehen, was Voldemort sich dabei gedacht haben mochte die sanfte, stille Narzissa mit dem aufbrausenden, gewalttätigen und fast unkontrollierbaren Lucius Malfoy zu verheiraten, wohingegen Bellatrix Lestrange, Narzissas Schwester, die Ehefrau des ruhigen, gemächlichen Rodolphus Lestrange geworden war. War deren Charakter dem Lucius' doch viel näher.
Es hatte ihn getroffen, als er von den Plänen Voldemorts erfahren hatte, die Familien, die ihm am treuesten ergeben waren durch Heirat auch untereinander aneinander zu binden. Zwei Töchter der Blacks für die Söhne von Malfoy und Lestrange. Doch wenn dies schon hatte sein müssen, warum dann in dieser Unglück bringenden Konstellation?
'Weil es Voldemort nicht interessiert', gab er sich im Gedanken selbst die Antwort und seufzte erneut auf, um für einige Sekunden die Augen zu schließen.
"Es tut mir leid…", brachte er schließlich hervor und sprach damit zum ersten Mal aus, was er seit Wochen fühlte.
"Es tut mir leid, dass ich es nicht verhindern konnte. Ich hätte…"
Narzissa fühlte einen leichten, sanften Stich in ihrem Herzen, als sie Severus Worte vernahm. Alles konnte sie ertragen aber nicht, ihn so gequält zu sehen, seine Stimme schuldbewusst zu hören. Schnell hob sie ihre freie Hand, legte den rechten Zeigefinger auf seine Lippen, um so ein Weitersprechen seinerseits zu verhindern.
"Sch… Nicht Severus, akzeptieren wir, was nicht zu ändern ist. Du hättest es nicht ändern können. Es war der Wunsch des Dunklen Lords und diesem haben wir alle uns zu beugen."
Severus presste die Lippen aufeinander. Wenngleich er widersprechen wollte so wusste er doch tief in seinem Inneren, dass Narzissa Recht hatte. Ein einziges Widerwort von ihm hätte vermutlich schon ausgereicht um seinem Leben ein Ende zu bereiten. So war ihm nichts anderes geblieben als zuzusehen. Ein weiteres Mal zuzusehen wie er eine Frau an einen anderen verlor. Wenngleich der Schmerz dieses Mal bei weitem nicht so tief, nicht so stark, nicht so vernichtend gewesen war wie das erste Mal, damals in Hogwarts…
Ehe seine Gedanken wieder abschweifen konnten, rief Severus sich selbst zur Ordnung, entließ Narzissas Hand aus der seinen und richtete sich ein wenig auf.
"Wie bin ich eigentlich hier hergekommen?", erkundigte er sich nun bei Narzissa.
Das letzte, an das er sich erinnern konnte waren Schmerzen, Dunkelheit und Voldemorts schrilles Lachen, wie von weit, weit weg…
"Lucius hat dich hergebracht. Es war der Wunsch seiner Lordschaft, dass sich um dich gekümmert wird…"
Narzissas Stimme war während sie sprach, immer leiser geworden. Zu oft schon hatte sie Todesser zu versorgen gehabt, die sich Voldemorts Zorn auf sich gezogen hatten. Ihren Vater, ihren Mann und… Severus. Doch so sehr sie es auch hasste, immer wieder das Resultat von Voldemorts Grausamkeiten zu sehen, so mußte sie bei solchen Situationen doch immer wieder daran denken, dass eben eine solche Severus damals in ihre Arme geführt hatte. Ein schnelles Kopfschütteln sorgte dafür, dass diese Erinnerungen wieder in den Hintergrund treten mußten.
"Wirst du über Nacht bleiben Severus? Es ist schon recht spät und morgen ist die Party. Bellatrix und Rodolphus werden ebenfalls morgen früh schon eintreffen."
Severus konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen. Narzissa vermochte es perfekt immer wieder ihre Gedanken und Gefühle zu überspielen und ganz die perfekte Gastgeberin zu mimen.
"Natürlich", stimmte er mit einem ehrlichen Lächeln zu.
Auch wenn er ihrer Schwester, Bellatrix Lestrange, lieber aus dem Weg ging, so hegte er doch eine gewisse Sympathie für deren Mann Rodolphus.
Wieder griff er nach ihrer Hand, richtete seinen Blick in ihre Augen. "Narzissa…", begann er leise, um jedoch nur einen Bruchteil einer Sekunde später durch die auffliegende Tür unterbrochen zu werden. Noch ehe er zur Tür sah, sah er in Narzissas sofort gehetzt, fast panisch wirkenden Augen wer ihn besuchen kam.
Noch ehe er den Blick zur Tür wenden konnte, kam Lucius Malfoy näher an das Bett getreten, um sich in süffisantem Tonfall zu erkundigen: "Störe ich euch gerade…?"
"Lucius."
Severus Stimme war von einer Sekunde auf die andere wieder kühl, berechnet, ausdruckslos geworden, was Narzissa eine leichten Schauer über den Rücken laufen ließ. Manchmal konnte selbst sie nicht entscheiden, was nun der 'wahre' Severus Snape war. War es der sanfte Mann, dessen Zärtlichkeit, dessen Wärme sie für ein paar Monate hoffen ließ, oder war es der kalte, emotionslose Todesser. Der Tränkemeister des Dunklen Lords? Vor zwei Minuten hatte sie es noch zu wissen geglaubt und nun… nun glaubte sie wieder das Gegenteil.
Die Augenbrauen nach oben gezogen sah Lucius mit einem spöttisch anmutenden Lächeln auf Severus hinab. Zu dumm, dass Narzissa bereits den Staub und den Schmutz von diesem entfernt hatte. Ihm hatte es durchaus zugesagt Severus genau da zu sehen wo er hingehörte. Ganz unten. Kriechend im Dreck vor den Füßen Voldemorts, sich unter Schmerzen windend. Ja, das war ein Anblick gewesen, der ihm mehr als nur zugesagt hatte.
"Severus, wie geht es dir mein 'Freund'? Ich hoffe Narzissa konnte dir… helfen."
Ausdruckslos ließ Severus seinen Blick für einen Moment auf Lucius gerichtet, ehe er leicht nickte.
"Natürlich. Ich danke dir, dass du mich hergebracht hast."
"Es war der Wunsch des Dunklen Lords", entgegnete Lucius mit einem aufgesetzt wirkenden Lächeln, "der dem meinen entsprach natürlich."
'Sicher… wer soll das glauben? Dir wäre es doch lieber gewesen, er hätte es dieses Mal endgültig zum Ende gebracht', schoß es Severus durch den Kopf, wobei er nicht zu sagen vermochte, ob das nicht vielleicht genau sein Wunsch gewesen war…
Narzissa schluckte. Irgendwie hatte sie immer ein ungutes Gefühl, wenn die Situation zwischen Lucius und Severus so.. angespannt war. Unruhig glitten ihre Augen zwischen den beiden Männern hin und her, konnte die Spannung förmlich fühlen, glaubte fast, die nie ausgesprochenen Worte zwischen beiden zu hören.
"Lucius, soll ich das Abendessen anrichten lassen?"
Den Blick von Severus abwendend richtete Malfoy diesen lächelnd auf seine Frau umfaßte mit seiner Hand ihre schmale Taille und zog sie näher an sich.
"Gerne mein Liebes, unser Gast hat sicher Hunger."
Noch einmal umfaßte er sie fester, um dann einen leichten, demonstrativen Kuss auf ihre Lippen zu hauchen, ehe er den Blick zu Severus umwandte.
"Wir erwarten dich dann im Esszimmer."
Mit diesen Worten wandte er sich ab, zog Narzissa jedoch mit festem Griff mit sich und genoss still den Triumph, der ihm Severus Gesichtsausdruck eben wieder einmal gegönnt hatte…
