Ich möchte danken, für mein erstes Review… hoffentlich bleit es nicht lang allein ;)
4. Abschied
Als sie am nächsten Morgen erwachte taten ihr alle Knochen weh. Und nach dem ersten verschlafenen Öffnen ihrer Augen wusste sie auch den Grund.
Sie war begraben.
Begraben unter Draco Malfoy. Sie lagen Wange an Wange und als sie sich versuchte zu bewegen, merkte sie erst, wie bemitleidenswert ihre Position war. Er lag mit zu beiden Seiten ausgestreckten Armen auf ihr und sein linkes Bein war angewinkelt, sodass ihre Hand auf seinem Knie lag. Sofort zog sie ihre Hand weg, auch wenn es die Lage nicht bequemer machte. Mit seinem Becken lag er halb seitwärts zwischen ihren Oberschenkeln, das rechte Bein ausgestreckt. Sie betrachtete dieses Kunstwerk aus Verdrehungen und versuchte ihn von sich hinunter zu schieben, ohne dass es ihr wirklich gelang. Mit einem weiteren Versuch, wenigstens ihre Arme zu befreien, stellte sie geschockt fest, dass er dabei war zu erwachen. Nicht wissend, was sie tun soll, drehte sie ihr Gesicht von ihm weg und stellte sich schlafend. Dabei achtete sie sehr auf ihre Atmung.
Schmerz. Mehr empfand er nicht. Einfach nur Schmerz. Als er die Augen öffnete und feststellte, dass sein Gesicht in einem Meer aus Braunen Haaren lag, rümpfte er angewidert die Nase. Granger. Er hatte es fast vollständig geschafft zu verdrängen, dass er nicht in seinem Bett im Manor nächtigte.
Als sich sein Körper regte, wurde er sich erst gänzlich seiner Lage bewusst. Er lag auf ihr und peinlicherweise irgendwie auch zwischen ihr. Und das Schlammblut machte bereitwillig die Beine breit. Er sah sie an und es ärgerte ihn, dass sie selbst am frühen Morgen es nicht schaffte, so schrecklich wie zur Schulzeit auszusehen. Ihre Haare waren zwar alles andere als geordnet oder gekämmt, doch sie wollten einfach nicht wie früher zu allen Seiten buschig von ihrem Kopf abstehen. Unwillkürlich musste er an ein Muggelbuch denken, welches er letztens in der Auslage eines Geschäftes gesehen hatte. ‚Edward mit den Scherenhänden' er grinste. Ja, genau so sah sie damals aus. Locker hätte sie auch als Hagrids Schwester durchgehen können.
Als er die schlafende weiter mit seinen Augen erkundete, fiel sein Blick auf ihr Nachthemd. Es war einfach, fast hätte er geschworen, es wäre eines seiner weißen T-Shirts. Der Typ, der es ihr vermacht hat, musste einen guten Geschmack besitzen. Selbst bei Frauen, gestand er sich ein. Es war ein wenig verrutscht und er konnte ein schwarzes, einfaches Höschen erkennen. Na wenigstens hatte sie sich die Mühe gemacht sich etwas zu bedecken. Trotzdem regte sich etwas in ihm. Wohl nur die Triebe. Sein Blick wanderte wieder hoch. Zu ihrem Gesicht. Ein leichter rosa Schimmer war auf ihren Wangen zu sehen, und die dunklen, dichten Wimpern ruhten auf ihnen, so lang waren sie fast.
Na wenigstens schien sie angenehme Träume in dieser Position zu haben, was er zweifelsohne sich zuschrieb. ‚Geht doch, so brauch' ich mir heute wenigstens keine Gedanken um eine gute Tat machen' dachte er und sprang vom Bett auf, wohlwissend, dass er sich auf ihrem Oberschenkel hochstemmte. Wenn er Glück hatte bekam sie einen schönen blauen Fleck.
Und mit diesen Gedanken ging er ins Bad.
Fast hätte Hermione aufgeschrien, als er sie so weit oben auf ihrem Schenkel berührte. Die ganze Zeit während seiner ‚Leibesvisite' wartete sie darauf, dass er endlich verschwand. Sie hatte sehr wohl bemerkt, wie er immer wieder sein Gewicht verlagerte, besonders das der Lenden. Deswegen war es ihr zu peinlich, einfach die Augen zu öffnen und ihm zu sagen, er solle gefälligst von ihr hinunter steigen, außerdem kannte sie sich gut genug, um zu wissen, dass sie es niemals geschafft hätte so zu tun, als wäre sie in diesem Moment erst erwacht.
Mit Schmerzen richtete sie sich auf und streckte ihre Glieder. Es war Zeit für eine heiße Dusche.
Währenddessen im Jungenbad:
Während der Strahl heißen Wassers auf seine Schultern hinab prasselte, hing er seinen Überlegungen nach.
Wieder mit Granger in die Schlacht zu ziehen war wirklich das letzte was er wollte, lieber würde er sich mit ihr zum Kaffeekränzchen treffen, und das war so ziemlich das schlimmste was er sich vorstellen konnte. Abgesehen vom Krieg.
Er konnte sich nur vage daran erinnern, was ihn dazu bewegte die Seiten zu wechseln. Natürlich fragte er sich immer wieder, wie ein Schlammblut, welches (nach Ansicht der Todesser und damals auch seiner) nicht würdig war zu leben, immer wieder besser sein konnte als er. Der reinblütige Stolz der Slytherins.
Doch er hatte sie damals viel zu sehr gehasst, als dass grade sie ihn dazu bewegt haben könnte.
Er entsann sich, wie er damals, gerufen vom dunklen Lord, durch Malfoy Manor stolzierte, hinab in den Kerker, welches wegen der vielen Fallen und Schutzzauber das neue Hauptquartier Voldemorts war. Inzwischen hatte er den ganzen Kerker mit Beton zugießen lassen, mit samt Utensilien der Todesser. Das kostete ihn ein kleines Vermögen und verwirrte Blicke der Muggel, die er für diese niedrige Arbeit in sein Haus geordert hatte. Wenn er daran dachte, welch Arbeit es war die Pflanzen, Bilder und selbst die Treppe so zu verzaubern, dass die Muggel unbeschadet das Haus wieder verlassen konnten, hätte er das mit dem Beton auch gleich selbst erledigen können.
Generell hatte das Manor sich sehr verändert. Alles war viel heller und jegliche Bilder wurden durch andere, teilweise nicht-magische ersetzt.
Damals ging er also die Stufen des Kerkers hinab, um dem Befehl des dunklen Lords zu folgen. Er hasste es, Befehlen anderer folge zu leisten, was sicherlich auch ein Grund des Seitenwechsels war. Doch ausschlaggebend war wohl, dass der junge Malfoy, als er die Tür zum Verlies des Lords öffnete, mit ansah, wie der seine Schlange liebkoste. Viele hatten ihre Haustiere gern, auch wenn Draco dem nichts abgewinnen konnte. Doch was er sah, war so suspekt, dass er nicht anders konnte, als sich zu fragen, was er wohl gesehen hätte, wenn er die Stufen hinuntergerannt wäre, so wie die anderen seiner Untergebenen.
Für ihn war klar: Dieses hässliche Schlangengesicht war nicht nur krank, sondern auch pervers. Als er dann noch hörte, wie Voldemort hinter verschlossener Tür schrill lachte, kam er nicht umhin ihn mit Pansy zu vergleichen. Sie war mindestens genauso pervers. Bei dem Gedanken schüttelte er sich. Wäre sie nach Meinung des Lords nach nicht unwürdig gewesen, hätten sie bestimmt ein tolles Paar abgegeben.
Ohne zu zögern ging er damals nach oben in sein Schlafgemach und packte mit einem Schwenk seines Zauberstabs all seine Sachen. Er machte sich nicht die Mühe, aus seinem Zimmer hinaus und weg vom Manor zu apparieren. Sollten sie doch alle seine Entscheidung mitkriegen. Er stolzierte, so wie er es von seinem Vater gelernt hatte, die Treppen in den Salon hinunter, seinen Koffer in der Hand haltend. Seiner Mutter, welche ihn als erste sah, entwich hinter vorgehaltener Hand ein spitzer Schrei. Womit sie auch die Aufmerksamkeit seines Vaters auf ihn zog.
Der bedachte ihn nur mit einem ausdruckslosen Blick, Draco vermutete er hatte gar keinen anderen drauf, als Draco zu den letzten Worten, welche seine Eltern jemals von ihm hören würden ansetzte.
„Viel Spaß mit eurem Pisskopf eines Lords. Ich bin dann mal weg."
Wütendes Donnern schallt ihm hinterher, als er einfach die Tür hinter sich zuwarf. Er hörte Sachen wie ‚Verräter', ‚Enterbung' und ‚Tod' und unter einem Grinsen beschlich ihn das Gefühl, dass sein Abgang mehr als Gelungen war. Schnell apparierte er, weil er sich nicht sicher war, was sein Vater mit ihm anrichten würde, wenn er ihn zu fassen bekäme.
Er apparierte direkt nach Hogsmeade, von wo aus er den Weg zu Fuß zu einem ihn allzu bekannten Schloss zurücklegte.
Dem Alten brauche er nicht allzu viel erklären. Was ihn nicht wunderte. Meist wusste Dumbledore sowieso schon alles bevor man den Mund aufmachte. Nicht lang und er berief eine Sitzung mit allen Mitgliedern des Vogelor… Phönixordens ein und erklärte ihnen alles, was sie wissen mussten, um zu aktzeptieren dass Draco Malfoy nun auf ihrer Seite war. Die älteren Mitglieder sahen den Alten nur an und hörten schweigend zu. Potty klappte seinen Mund immer wieder auf und zu, sodass er aussah wie ein sehr hässlicher Fisch. Bei dem Wiesel war er sich nicht sicher, welche Farbe hässlicher war. Die seiner Haare, oder die seines Gesichts. Lovegood sah mehr als gelangweilt drein und blätterte summend in einem Magazin, auf dessen Titelseite etwas über kackende Schnarcher oder schnarchende Kackler stand.
Doch Granger starrte ihn die ganze Zeit Wortlos an. Endlich hatte wohl auch der Bücherwurm gemerkt, wie umwerfend gut er aussah.
Nachdem alle überzeugt waren, erstellte Dumbledore einen Schlachtplan. Na ganz toll, schonwieder musste er Befehlen Folge leisten. Auch wenn er zugeben musste, dass die des Alten nicht annähernd so schockierend und krank waren wie die des dunklen Lords. Außer vielleicht der Befehl, grade mit der jungen Frau Seite an Seite zu kämpfen, die die Todesser aufgrund ihres Blutes wohl anziehen würde, wie Gold die Nibbler.
Nur weil er sie nicht für unwürdig hielt, hieß das noch lange nicht, dass sie ihm gleichgestellt werden konnte. Was der Alte sich dabei gedacht hat war ihm wirklich schleierhaft. Wenn einer auf den Krieg vorbereitet war dann ja wohl er.
Doch heute wusste er, dass er sich damals maßlos überschätzt hat. Noch eine Zeile auf der Liste der Dinge, die er nicht mal unter Folter zugeben würde.
Wahrscheinlich wäre er bei der letzten Schlacht innerhalb von zwei Minuten durch einen Fluch getötet worden, wäre Granger nicht gewesen.
Egal zu welcher Tageszeit er durchs Schloss ging, Granger sprang regelmäßig hinter ihm aus dem Schatten und hetzte ihn einen Fluch auf den Hals. Manchmal ließ das Biest ihn eine halbe Stunde lang kopfüber in der Luft hängen, während sie ihm erklärte, wie wichtig es war immer auf der Hut zu sein, bevor sie ihn wieder hinunter ließ. Er, Draco Malfoy, war das Misstrauen in Person. Doch diese Hexe tauchte immer wieder urplötzlich auf und überraschte ihn.
Anfangs hat er sie dafür gehasst. Denn nun musste er sich eingestehen, dass sie ihm doch haushoch überlegen war. Doch er lernte schnell. Sie schaffte es sehr selten, ihn doch noch ein Mal zu überrumpeln, und im Gegenzug rächte er sich jedes Mal, wenn sie nicht schnell genug war.
Während die anderen Ordensmitglieder sich wirklich Sorgen machten, weil sie dachten, diese zwei jungen Menschen würden sich täglich aus Hass duellieren, hatten die beiden das stille Abkommen, sich gegenseitig so auf den Krieg vorzubereiten, dass selbst wenn alles verloren war, sie die beiden letzten stehenden Krieger auf dem Schlachtfeld wären.
Auch wenn es sich noch nicht ganz bis in alle seiner Gehirnwindungen vorgearbeitet hatte, seit dieser Zeit empfand er einen kleinen Funken Sympathie für Granger.
Er shampoonierte sich die kurzen Haare ein.
Manchmal während der besagten Schlacht, verspürte er sogar ein wenig Angst vor Granger. Aber wirklich nur ein bisschen.
Es lag an dem Ausdruck ihrer Augen.
Er duellierte sich seit Ewigkeiten mit Bellatrix, als er aus den Augenwinkeln sah, wie Granger einen bedeutungslosen Todesser erledigt hatte, und auf einen Punkt, nicht weit hinter ihm starrte.
Sein Vater, wie er später zweifelsohne feststellte. In dem Moment, in dem er Bellatrix mit einem Fluch, welchen Snape ihm beigebracht hatte (wohl auch eher der Gattung: schwarze Magie) erledigt hatte, drehte er sich um. Er wollte sich voll und ganz seinem Vater widmen, seine persönliche Rache nehmen.
Doch alles was er sah, war wie die Muggelstämmige seinen Vater mit einem lächerlich einfachen Fluch gegen einen Baum, 6 Meter von ihnen entfernt, schleuderte. Er würde das Geräusch, welches das gequetschte und aus dem Körper drängende Fleisch seines Vaters, während er auf den Ästen aufgespießt wurde, nie vergessen.
Und was tat Miss Wunderlich? Selbst über die weite Entfernung spritzte das Blut seines Vaters auf ihre Kleidung. Ihr kalter Ausdruck in den Augen blieb. Und da! Die hatte doch tatsächlich mit dem linken Mundwinkel gezuckt! Entweder sie hatte vorrübergehende Gesichtsentgleisung, oder sie hatte tatsächlich gelächelt, nachdem sie seinen Vater aufgespießt hatte.
Alles was er tun konnte, war sie mit offenem Mund anzustarren. Wäre er nun hinterrücks angefallen worden, wäre er verloren gewesen. Außer natürlich wenn die wütende Amazone vor ihm einen erneuten Anfall von Tobsucht hatte.
Sie sah ihn entsetzt an. Wahrscheinlich, weil er immer noch aus der Wäsche schaute wie der letzte Depp. Nun hatte sie einen ängstlichen Gesichtsausdruck. Mensch Granger. Sie stellte sich aber auch an. Knapp nickte er ihr zu, um ihr verständlich zu machen, dass er ihr unendlich dankbar war. Zum einen, weil sie ihn schon wieder vor dem Tod rettete, und weil er insgeheim Angst vor einem Duell mit seinem Vater hatte. Dennoch reichte diese Geste für seine unausgesprochenen Worte vollkommen aus, fand er. Kurz überlegte er, ob er ihr sagen würde, dass man sie mit dem ganzen Malfoyblut an sich fast für einen Reinblüter halten könnte, doch da ertönte das grausigste Heulen, welches er jemals gehört hatte.
Und wäre er Fenrir Greyback gewesen, hätte er, bei Grangers Anblick, mit eingezogenem Werwolfsschwanz die Flucht ergriffen. Nicht weil sie schrecklich aussah. Sondern weil sie keine Gnade zuließ. Mit keinem Wort. Keiner Tat. Und keinem Augenaufschlag.
Hätte er nicht gewusst, dass sie Dumbledore anhimmelte und eine (nicht grade heimliche) Verehrerin der Hauselfen war, hätte er sie in manchen Momenten der dunklen Seite zugeordnet.
Er wusste es als wäre es Gestern gewesen. Sie hatte die Haare zu einem strengen Dutt frisiert, den sie sich wahrscheinlich von Mac Gonagall abgeschaut hatte. So konnte man jeden einzelnen ihrer Gesichtszüge sehen. Das hatte er sich natürlich nur eingeprägt, damit er sie nicht ausversehen verhexte und sie schnell erkannte. Ganz klar.
Doch sie sah in diesen Tagen aus, als wäre genau dies ihr Platz. Ein Schlachtfeld, umgeben von Feinden. Schreiend. Mordend. Und helfend.
Manchmal fragte er sich heute noch, was Granger dazu bewegte genau in dieser Schlacht so herzlos und erbarmungslos zu handeln.
Und er war fest überzeugt, dass diese Schlacht ihre persönliche Rache an all diejenigen war, welche ihr Jahre lang das Leben zur Hölle gemacht hatten mit ihren abfälligen Worten und ihren Taten.
Etwas schämte er sich. Sicher hätte Granger ihn am liebsten gleich neben seinem Vater am selben Baum aufgespießt.
Ehrfurcht. Das empfand er damals.
Zur selben Zeit im Mädchenwaschraum:
Sie erinnerte sich gut daran, wie sie am Fenster in dem Turm ihres Hauses saß und den blonden Jungen mit seinem Koffer zum Schloss empor stampfen sah.
Schickte Voldemort ihnen jetzt einen Spion?
Schnell zog sie sich ihre Schuhe an und rannte in die Eingangshalle. Ihre Neugier wurde leider nicht gleich befriedigt, weil Malfoy nach Aussagen der Ordensmitglieder mit Dumbledore in seinem Büro verschwand.
Als sie endlich von Dumbledore über Malfoys Seitenwechsel aufgeklärt wurden, sah sie ihn nur an. Sie suchte etwas in seinem Blick, welches ihn verraten würde. Eine Unsicherheit, irgendein Zeichen, dass er falsches Spiel trieb. Doch nichts. Er blickte gelangweilt durch die Runde und sah jeden einzelnen an.
Dann traf sein Blick den ihren.
Und es traf sie wie ein Blitz. Das Funkeln seiner Augen war kein Hass ihnen gegenüber. Es war keine Hochnäsigkeit oder Arroganz.
Alles was ihr aus seinen silber-grauen Augen entgegen sprang war die geballte, pure, ja nahezu beißende Intelligenz.
Ab diesem Moment glaubte sie ihm. Sie vertraute ihm noch lange nicht, doch sie sah in dieser Sekunde, dass er einfach zu intelligent war, als dass er sich den verschrobenen Idealen Voldemorts auf Dauer hätte verschreiben können.
Und sie wurden eingeteilt. Malfoy und sie sollten sich die Hand reichen und gemeinsam gegen das Böse kämpfen.
Da er viel zu sehr von sich selbst überzeugt war, und sie Angst hatte, einer würde ihr die Schuld zu schieben, wenn er ermordet wurde, während er sein Spiegelbild grade im Taschenspiegel überprüfte, nahm sie sich seiner an. Und natürlich, weil sie nicht wollte, dass er starb. Zu viel hatte er durchgemacht und es endlich verdient, wirklich auf der Seite des Lichts zu stehen. Insgeheim natürlich auch, weil es ihr unheimlich viel Spaß machte, ihn kopfüber in der Luft hängen zu lassen und ihn aufzuziehen, dass er besser acht geben musste.
Doch bald drehte er den Spieß um. Wahrscheinlich hätte nicht mal sie so schnell gelernt wie er.
Nicht mal 6 Tage und sie hing mehrmals täglich kopfüber in der Luft und versuchte verzweifelt ihren Rock zwischen den Knien einzuklemmen.
Als die Schlacht gekommen war bewunderte sie ihn für seinen Mut. Nicht nur ein Mal stellte er sich schützend vor sie, weil sie nicht schaffte so viele Flüche auf einmal abzuwehren.
Fertig frisiert und sich schon weniger platt fühlend kehrte Draco zurück ins Zimmer. Sie war nicht mehr da. Als er grade überlegte, ob sie wohl unten bei den Anderen zum Frühstück war, kam sie mit ihrem Nachtzeug unterm Arm und wieder geordneten Haaren zurück in ihr Zimmer.
Sofort wurde sie rot, und er überlegte, ob er sie durch seine Beleidigungen immer noch einschüchterte. Das wäre schade, weil er die Streitereien mit ihr insgeheim mochte, doch dann kam ihm ein anderer Gedanke.
„Na Granger, ich hoffe du hast so gut geschlafen wie ich?" züngelte er ihr entgegen.
„Ja, ganz okay…" gab sie in einer Octave von sich, welche selbst für eine Opernsängerin eine Herausforderung wäre.
Das bestätigte ihm seinen zweiten Gedanken. Nun würde er sie noch vor dem Frühstück vor Scham im Boden versinken lassen.
„Weißt du, als ich aufwachte hattest du so einen rosigen Ton auf den Wangen. Hast du etwas Besonderes geträumt?" fragte er mit aufgesetzter Höflichkeit und musterte belustigt wie sich ihre Gesichtsfarbe von rot in schneeweiß veränderte.
„Worauf willst du hinaus Malfoy?" fragte sie nun monoton und mit aschfahlem Gesicht.
Er zwinkerte ihr nur zu und verließ den Schlafsaal.
Zufrieden stellte er fest, dass sie ihm nicht gleich folgte, sie musste sich also sammeln.
Als er geschlagene fünf Minuten im leeren Gemeinschaftsraum der Gryffindores wartete, rief er genervt hoch: „Granger ich wollte nicht erst zum Abendbrot in der großen Halle erscheinen, beweg dich!"
Sie öffnete die Tür und flitzte hastig an ihm vorbei, worauf er ihr mit missbilligendem Blick folgte.
Heute hatte sie wieder normale Kleidung an, stellte er fest. Eine helle, enge Jeans und ein dunkelgrünen Pullover, allerdings hatte dieser kurze Ärmel. Das musste ja von Muggeln kommen. Wie in Trance beobachtete er, während er ihr stillschweigend folgte, wie ihr Hintern im Takt zu ihren Schritten wippte.
„Verdammt Malfoy! Was ist los mit dir?!"
Unschwer zu erkennen war sie stehen geblieben. Und da sein Blick immer noch an ihr Hinterteil geheftet war, lief er gradewegs in sie hinein. Dieses Gestarre tat er damit ab, dass er sich vorstellte, jemand Anderem würde dieser Hintern gehören.
Er murmelte irgendetwas, was sie wohl nicht ganz beschwichtigte, denn sie schnaubte nur und setzte ihren Weg fort.
In der großen Halle waren bereits alle Gäste am Tisch. Diesmal reichte einer, denn sie waren im Gegensatz zu gestern nur zwanzig Leute.
Die Augen Von Harry, Ron und Ginny waren auf sie geheftet. Ginny glücklich, Harry unsicher aber freundlich, und Ron schenkte ihnen seinen trainierten Ochsenblick.
Die kleine Samantha allerdings war sofort aufgesprungen, als sie die beiden erkannte und Hermine streckte schon freudig ihre Arme aus, um die kleine aufzufangen, als…
.. diese kleine Kröte doch tatsächlich auf Malfoy zulief. Schnurstracks an ihr vorbei. Ohne ein Wort.
Verletzt blickte diese sich um und sah grade noch, wie die Kleine Malfoy glücklich auf den Arm sprang. Dieser fing sie lachend auf und drehte sie im Kreis. Moment mal. Malfoy fing Harrys Tochter auf und spielte Flugzeug mit ihr? Irgendetwas lief hier schief.
Und nicht nur ihr stand der Mund offen bei diesem Anblick.
Ihre drei besten Freunde waren sprachlos. Selbst Ginny.
Doch der, den dieses Bild am meisten aus den Socken gehauen hatte war Harry. Fragend blickte er zwischen Hermione und seiner Frau hin und her. Doch letztere zuckte nur belustigt mit den Schultern.
Als Malfoy sich mit Sam auf dem Arm zu ihnen gesellte, und sie absetzte um Platz zu nehmen, hatte Ron seinen Mund immer noch nicht geschlossen.
„Was ist los Weasley, wartest du darauf, dass dich jemand füttert?" spottete Malfoy.
Alle Anwesenden am Tisch lachten. Sogar Ron kam nicht drum rum. Nun setzte sich auch Hermine dazu. Wohlwissend neben Malfoy. Nach seiner blöden Geschichte gestern wäre es zu auffällig, wenn sie sich zu Remus und Tonks setzte, was sie aber am liebsten getan hätte.
„Guten Morgen, Hermi" strahlte die kleine Sam ihr entgegen, während sie sich zwischen Malfoy und sie auf die Bank quetschte. Dieses Lächeln entschädigte jeglichen Verrat, den die kleine vor wenigen Sekunden an ihr begannen hatte.
„Malfoy woher kennst du meine Tochter?" fragte Harry nun eher interessiert, als baff.
„Aus der Winkelgasse" erklärte dieser schlicht. Er machte keine Anstalten sich weiter zu erklären.
Hermine erzählte also die Geschichte aus der Winkelgasse nun Harry, Ron, Lavender und auch Luna, welche sich grade zu ihnen gesellte. Ab und zu fiel Malfoy ihr ins Wort mit hilfreichen Kommentaren, wie dass sie sich an diesem Tag unsterblich in ihn verliebt hatte. Am liebsten hätte sie ihn an seinem blonden Schopf gepackt und ihn in die nächste Toilette getaucht. Sollte sie irgendwann Oberarme wie Hulk haben, würde sie dieses nachholen, beschloss sie.
Nun kam der für sie schwierigste Teil.
„Leute, wir werden wohl für die nächsten Wochen verreisen." Eröffnete Hermione ihren besten Freunden in einem entschuldigenden Tonfall
„Vielleicht auch ein paar Monate" setzte Malfoy einen drauf.
Sie bedachte ihn mit einem nicht sehr dankbaren Blick.
„Was?!" schrie Ron. „Wo wollt ihr denn hin?"
„Weasley. Hermione hat sieben Schuljahre damit verbracht neben dir zu speisen. Es dauert eine Weile, bis ich ihr wieder gesittete Tischmanieren beigebracht habe" sagte Malfoy trocken.
Die einzige mit einem klar zu definierenden Gesichtsausdruck war Ginny. Samanthas Gesicht konnte Hermine nicht sehen, da diese immer noch den ehemaligen Slytherin anhimmelte. Doch Ginny verstand sofort, dass dies mit ihrem streng geheimen Gespräch mit Dumbledore zutun hatte, denn auch mit Malfoy hatte dieser, sich verschwörerisch umblickend, gesprochen.
„Scherz beiseite Weasley. Hermione und ich haben beide anstrengende Jobs und diese Reise ließ sich mit ihrem verbinden. Wir wollen einfach ein wenig Zweisamkeit genießen und uns näher kennenlernen" sagte Malfoy nun in seinem charmantesten Tonfall und Harry sah auf ein Mal unglaublich beruhigt aus. Auch wenn er sich die nächsten Wochen von Ginny anhören durfte, dass diese es ja schon immer gewusst hatte.
Ron hingegen sah immer noch nicht überzeugt aus, schwieg aber. Seine Zweifel galten eher Malfoy, als dem Urlaub und der Angezweifelte schien sich nicht daran zu stören, solang ihre Mission in Sicherheit war.
Während des ganzen Spektakels wunderte Hermione sich, wie einfach Malfoy ihren Vornamen über die Lippen brachte. Ob sie auch..? Draco. Sprach sie in Gedanken. Kurzerhand beschloss sie, ihm bei Gelegenheit den Vornamen anzubieten. Nachdem sie seinen Kopf ins Klo getaucht hatte natürlich.
Schon Morgen müssen sie ihre Reise antreten. Sie musste also bald nach Hause apparieren und ihre Sachen packen. Minerva verkündete beim Frühstück, dass Albus schon unterwegs nach Brasilien war, wo auch bei den Zauberern eine riesige Kluft zwischen arm und reich herrschte und es somit viele Verfeindungen gab.
Sie fand es schade, dass er ihr keine genaueren Hinweise auf ihre besondere Macht und dem Ort, an dem sie verborgen war, geben konnte. Doch sie würde ihr Buch über die ägyptischen Gottheiten mitnehmen und wahrscheinlich noch heute Nacht von vorn bis hinten durch wälzen.
Ihre Freunde verabschiedeten sich von den beiden und ihr kam es vor, als würden Harry und Ron denken, dass sie nie mehr zurückkehren würde. Wer wusste das schon? Sie selbst wusste nicht, was sie erwartete. Doch diese zwei dachten doch, sie würde nur mit Malfoy in den Urlaub fahren. Endlich dämmerte es ihr und sie musste grinsen.
Ginny umarmte Malfoy und küsste ihn auf die Wange. Hermione empfand dabei ein komisches Gefühl der Erleichterung. Wenn Ginny ihn mochte, konnten Harry und Ron auch nicht mehr weit davon entfernt sein. Warum sie das interessierte? Nun ja, schließlich könnte ihr ja wirklich etwas passieren. Als sie sich von Samantha verabschiedete, konnte Hermione die Tränen nicht mehr unterdrücken. Seit 5 Jahren hatte keine einzige ihrer Tränen jemals Tageslicht erblickt, doch nun brach es aus ihr heraus und sie liefen ihr stumm über die Wangen.
Malfoy tätschelte ihr beruhigend den Rücken, was auch etwas half, auch wenn sie wusste, dass er dies tat, weil er die Farce aufrecht erhalten musste.
Mit wehmütigem Blick winkte sie ein letztes Mal und apparierte in ihr Apartment.
Sie war für den nächsten Morgen um 9.00 Uhr ins Manor bestellt. Pünktlich. Wie er ihr klar machte.
Ich wollte Dracos Einblicke auch mal festhalten, deswegen hab ich oft die ‚Denker' getauscht. Ich hoffe es ist nicht zu undurchsichtig…
