Wirst du für mich da sein, egal was passiert?", fragte Sara, als sie ins Labor platzte.

Nick blickte vom Mikroskop auf. „Ja, immer."

Sara schloss die Tür hinter sich. „Nick, ich glaube, wir müssen reden."

Nick zog den Stuhl hervor und deutete Sara sich zu setzten, aber sie tat es nicht. Nick hatte Angst, er wusste nicht, was als nächstes passieren würde.

Ist alles in Ordnung?", fragte er.

Sara blickte ein wenig verwirrt rein. „Ich weiß nicht, vielleicht. Woran arbeitest du gerade?"

Nick ging einen Schritt auf sie zu. „Sara, lenk nicht ab. Was ist los?"

Sara holte tief Luft. „Ich bin schwanger."

Es war so, als würde über Nick etwas hereinbrechen. Er konnte nichts sagen, er musste es erst einmal sacken lassen.

Ich war beim Arzt und der hat es mir bestätigt. Und ich weiß nicht, was ich jetzt machen soll.", erklärte Sara.

Nick blickte sie an und ging noch einen Schritt auf sie zu. Sara konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren. „Willst du das Baby haben?"

Sara brauchte nicht zu überlegen. „Ja."

Mehr brauchte es nicht, damit Nick sie in den Arm nahm und in einen Freudentaumel verfiel. Kurz darauf stellte er Sara wieder auf ihre Füße und küsste sie.

Danach flüsterte er ihr mit einem Lächeln ins Ohr: „Wir bekommen ein Baby."

Nick wachte schweißgebadet auf. Er hatte schon sehr lange nicht mehr daran gedacht. Er schlug seine Bettdecke zurück und ging ins Bad.

Als er seine müden Augen im Spiegel betrachtete, fragte er sich, ob er sich jemals wieder so fühlen würde wie an diesem Tag.

Er wusch sein Gesicht mit kaltem Wasser ab. Er traute sich nicht seine Augen zu schließen, da er genau wusste, was er dann sehen würde.

Sein Blick fiel auf die Uhr. Es war mitten in der Nacht. Er beschloss wieder zurück ins Bett zu gehen. Doch als er auf seinen Kissen lag, war ihm klar, dass er nicht schlafen würde.

Er ging zu seinem Koffer und holte etwas heraus. Er hatte es all die Jahre gehütet wie ein Schatz und das war es für ihn auch.

Als er das Fotoalbum aufschlug, blickte ihm seine kleine Tochter entgegen. Sie war auf dem Arm der Frau, mit der er den Rest seines Lebens verbringen wollte, doch leider hatte das Schicksal andere Pläne.

Er blätterte durch die Seiten und wusste, dass er es Sara schenken würde. Auch wenn sie ein neues Leben begann, er wollte nicht, dass sie diesen Part ihres alten Lebens in der Vergangenheit bewahrte.

Denn das würde bedeuten, dass sie ihn und ihre gemeinsame Tochter vergessen würde.

Und das konnte er nicht ertragen.


Sara lächelte Alex an. Sie liebte diese mitternächtlichen Mahlzeiten.

„Sara, warum hast du mir nie etwas über Claire erzählt?"

Sara verschluckte sich fast, als sie diese Frage hörte. Sie ließ die Gabel sinken und blickte Alex an.

„Woher weißt du von ihr?" Sie hatte die Antwort auf ihre Frage bereits. Es gab nämlich nur eine Lösung.

„Nick hat es mir erzählt.", erklärte Alex.

Sara stand auf. „Er hatte kein Recht es dir zu erzählen." Ihre Stimme wurde langsam zu einem Schrei.

„Sara, beruhig dich." Alex verstand nicht so recht, warum sie jetzt so ausrastete.

Sara rannte in den Flur, schnappte sich ihre Jacke und verließ das Haus. Alex folgte ihr nicht. Er hatte im Moment eh keine Chance sie zu beruhigen.

Er wusste, wo sie hinging. Er hoffte, dass sie trotzdem noch seine Frau werden wollte.


Sara hämmerte an die Hoteltür. Es dauerte eine Weile, bis Nick aufmachte.

„Sara, was ist los?", fragte Nick überrascht.

Er hatte nicht geschlafen, aber immerhin war es mitten in der Nacht.

„Wie konntest du es Alex erzählen. Das mit Claire geht nur uns beide etwas an." Sara war wütend.

Nick griff sie am Arm und zog sie ins Hotelzimmer. Er wollte nicht, dass ganz Iowa die Unterhaltung mitbekam.

Er wartete, bis Sara sich aufs Bett setzte. „Darf ich was sagen?", fragte Nick.

Sara rieb sich die Augen und nickte. Sie war zu wütend um zu antworten.

„Unterbrich mich bitte nicht, okay?" Sara nickte. Sie hatte ihm Moment auch nicht die Motivation.

Nick ging auf und ab und überlegte, wie er seinen Standpunkt am Besten darlegen sollte.

„Sara, ich liebe dich immer noch. Ich weiß, es ist schon so lange her, aber es ist sehr wichtig für mich, dass du das weißt. Ich liebe dich und ich liebe Claire, auch wenn ich niemals die Chance haben werden es ihr wieder zu sagen. Wir waren eine Familie und als diese Familie zusammengebrochen ist, war das das Schlimmste, was mir je passiert ist.

Du willst jetzt mit Alex eine Familie gründen und ich weiß, dass ich nichts daran ändern kann. Ich will, dass du glücklich bist. Und ich konnte dich nicht glücklich machen, also hast du dich anders entschieden und in all den Jahren, habe ich mich damit abgefunden."

Nick schluckte, er wagte es nicht Sara anzublicken. „Eine Ehe sollte auf Vertrauen aufgebaut sein und nicht auf Lügen. Und dir ist bewusst, dass etwas zu verschweigen genauso schlimm ist wie zu lügen."

Sara weinte. Nick setzte sich zu ihr und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. „Nick?" Ihre Stimme war schwach.

Nick nahm sie in den Arm und antwortete: „Ja."

Sara löste sich aus seinen Armen und sah ihm in die Augen. Dann sagte sie mit weinerlicher Stimme: „Ich und Alex können keine Familie gründen. Als wir zusammen gekommen sind, habe ich mich sterilisieren lassen. Ich wollte kein anderes Kind bekommen."

Nick blickte sie an. Ihm fiel etwas ein, was schon eine Ewigkeit her war.

Sara lag im Bett. Ihre Füße waren geschwollen. Sie hoffte, dass ihre Tochter endlich bald das Licht der Welt erblicken würde, weil sie die Schwangerschaft nicht mehr lange aushalten konnte.

Gerade als sie versuchte ein weiteres Kissen unter ihre Füße zu bekommen, betrat Nick den Raum.

Eh, ich mach das schon." Er eilte zu ihr und packte vorsichtig das Kissen unter ihre Füße.

Danach legte er sich neben sie und küsste sie. „Nick, irgendwann werde ich dich dafür bestrafen, was du mir angetan hast. Du hättest mir ruhig vorher sagen können, dass Stokes- Babys so langsam sind."

Sara hatte ein Lächeln auf den Lippen. Nick küsste sie erneut. „Tut mir leid. Dann musst du dich wohl oder übel das nächste Mal von einem anderen schwängern lassen."

Oh ja, und das ganze noch mal durchmachen? Was ist, wenn es noch eine Steigerung gibt?", fragte Sara und malte sich dabei schockiert aus, was sein würde, wenn sie noch mal die ganze Zeit das durchmachen musste.

Nick legte seine Hand auf ihren Bauch. „Ich kann es kaum noch erwarten.", flüsterte er in ihr Ohr.

Sara legte ihre Hand auf seine und sagte leise: „Ich liebe dich."

Er liebte Sara. Er wusste nicht, was er tun sollte. Sie heiratete einen anderen. Vielleicht sollte er sich so lange auf den Boden legen und warten, bis diese ganze Sache mit der Liebe vorbei war.

As er Saras Atmen auf seiner Haut spürte, wurde ihm bewusst, dass er dies nicht durchhalten würde.

Saras Atem wurde flacher. Nick schloss die Augen, dann murmelte er: „Du solltest nach Hause gehen."

Als Sara nicht antwortete, bemerkte er, dass sie eingeschlafen war.