4. Kapitel - Im Licht des Tages
Am nächsten Morgen wurde Lara von ihrem kleinen verschmusten Haustyrann aufgeweckt. So wie sich Destiny benahm, hatte sie Hunger. Deshalb bekam die Katze ihren Becher Futter, bevor die Anwältin selbst richtig munter wurde. Danach schlug sie den Weg zum Bad ein. Dort an der Tür drehte sie sich um, sah zurück zu ihrem Bett und legte den Kopf gegen den Rahmen.
Seufzend kam ein Name leise über ihre Lippen:" Akira."
Die letzten beiden Nächte waren wunderbar, ein Traum. Ob es dem Dämon gut ging? Oder waren noch immer Panther auf der Suche nach ihm. Jetzt erst wurde ihr bewusst, dass Akira eigentlich nichts erzählt hatte. Alles, was sie von ihm erfuhr, war ein Stück aus dessen Vergangenheit gewesen. Anderseits war auch sie verschwiegen. Dilara sprach eher über ihren Beruf und die Arbeit.
Ihr Blick streifte zum Fenster, dort wo sie den Dämon das erste Mal erblickte. Danach über das Bett, zur Couch und hinüber zur Kommode. Jetzt runzelte Dilara ihre Stirn. Am gestrigen Abend hatte Akira dort eine Handvoll Kondome abgelegt. Sie hätte es ja verstanden, wenn die Päckchen bei ihrer Vereinigung zu Boden gefallen wären, doch der Teppich war leer. Das konnte nur bedeuten Akira trug sie jetzt bei sich. Vielleicht um zurückzukommen? Wer konnte das schon ahnen. Zwar hatte der Dämon eine Andeutung gemacht, doch diesmal gab es kein Versprechen. Nein, nie würde es ein Wiedersehen geben. Wie sollte es auch funktionieren. Als Dämon konnte er nicht tagsüber auf Besuch kommen oder sie auf der Straße einfach so ansprechen. Immer nur nachts heimlich in die Wohnung von ihr zu schleichen, barg auch Risiken. Etwas das Akira sicherlich vermied.
Doch dann schüttelte Lara ihre Gedanken ab, begrub die Sehnsucht und Gefühle tief in ihrem Inneren. Es war vorbei, das Leben ging weiter und wartete bestimmt mit weiteren schönen Erlebnissen auf. Sie war noch nie jemand der in Erinnerungen lebte, wenn sie auch diese wie einen kostbaren Schatz behüten würde.
Später ging Dilara in die Küche um ihr Frühstück vorzubereiten, da blieb sie plötzlich stehen als wäre sie gegen eine Mauer gelaufen. Mitten auf dem Tisch stand eine Vase mit einer einzelnen orangefarbenen Rose. Daneben lag außer dem Akku ihres Handys ein handgeschriebener Zettel und eine Visitenkarte.
Dilara roch an der Blume. Ihr Duft war betörend. Diese Geste von Akira fand die Anwältin rührend. Wie konnte er nur ahnen das Orange ihre Lieblingsfarbe war. Obwohl einige Dinge in der Wohnung oder ihrem Schrank wiesen eigentlich darauf. Einem aufmerksamen Besucher fiel so etwas sicher ins Auge.
Mit einem Lächeln auf den Lippen nahm sie die Karte in die Hand. Sobald sie jedoch den Text darauf las, weiteten sich ihre Augen vor Überraschung. War schon das Firmenlogo ein Schock, so konnte sie es kaum glauben, welcher Name auf der Karte stand. Ihr nächtlicher Besucher war nicht irgendjemand, sondern der Multimilliardär Akira Taisho. Die Anwältin setzte sich auf einen Stuhl und starrte lange gedankenverloren ins Nichts.
Erst nach einer ganzen Weile las sie den Zettel:
Bitte verzeih! Um dich nicht in Gefahr zubringen, musste ich gehen.
Zwar vertraue ich auf deine Vorsichtsmaßnahmen, falls du doch mein Kind empfangen hast, wende dich an die Taisho Corporation und verlange ein Treffen mit dem Taisho. Man wird dich sofort vorlassen. Niemand dort wird dich abweisen egal, aus welchem Anlass du mich sprechen möchtest.
Sollten wir uns jedoch nicht wiedersehen, werde ich dennoch niemals diese unglaubliche Nacht mit dir vergessen. Du hast mir gezeigt was es heißt noch zu leben.
Danke
Keine Unterschrift und kein Hinweis darauf, dass dieser Industrielle sie überhaupt wiedersehen wollte. Nur im Fall einer Schwangerschaft. Dennoch empfand sie ein unbestimmtes Glücksgefühl. Der Dämon hatte ihr mehr offenbart als er es hätte müssen. Als er sagte das er sie nicht anlog, war das auch die Wahrheit. Sein Ruf und sein Leben lag nun praktisch in ihren Händen. Für dieses Vertrauen begann sie ihn zu lieben.
Noch am selben Vormittag fand sie dann unter dem Küchentisch ein Bild, eine Fotomontage, die aus zwei Fotografien bestand. Sicherlich war es keine Absicht, dass sie zurückblieb. Vermutlich verlor Akira das Bild, als er die Visitenkarte seinem Etui entnahm.
Die Wesen auf den beiden Fotos zeigten Youkais. Auf dem Linken konnte man Akira mit seinen beiden Söhnen und dem Enkel sehen. Nur das sie real aussahen, so wie sie sich der Öffentlichkeit nie zeigten. Wenn Dilara genauer hinschaute, erkannte sie bei dem einen sogar weiße Ohren, wie bei einem Hund. Dann konnte das nur der Sohn sein, den Akira mit der menschlichen Prinzessin Izayoi hatte.
Auf dem anderen Bild war die zweite Hälfte der Familie. Jiro mit seiner Frau, ihren beiden Töchtern und dem Schwiegersohn. Kouga war der Einzige der ganzen Dämonen, der schwarze Haare hatte. Er unterschied sich auch in anderen Dingen. Vermutlich handelt es sich bei ihm nicht um einen Hundedämon. Wenn Lara richtig lag, dann tippte sie auf Wolf.
Nachdem sich Dilara die Dinge in Erinnerung holte, was sie aus dem Fernsehen und der Presse kannte, konnte sie auch den Personen Namen zu ordnen.
Eines verwirrte sie, Akemi, die Frau von Jiro sah Akiras Sohn sehr ähnlich. Besonders der lilafarbene Sichelmond verband beide. Keines der anderen Wesen hatte einen, selbst Sesshomarus Sohn nicht.
Sie wurde neugierig auf diese Familie. Interessant war sie auf jeden Fall.
Dilara beschloss dieses Bild so wie ihre Gefühle für Akira zu behüten. So hatte sie nicht nur Erinnerungen.
Doch so einfach wie sich die junge Frau das vornahm war es am Ende nicht. Ihr Leben ging weiter. Beruf, Freunde und ihre Katze. Dennoch gab es einige Veränderung. Dilara merkte es am Anfang selbst nicht. Langsam begann Akira Taisho zum Mittelpunkt
bei ihr zu werden. Zwar erledigte sie ihre Arbeit weiterhin in ihrer üblichen professionellen Weise, doch einige Dinge waren nun anders bei ihr.
Zwar hatte sie gelegentlich Nachrichten angesehen und in diesem Zusammenhang Auftritte der Familie Taisho mitbekommen, doch bis zu dieser Nacht interessierte es sie nicht wirklich. Doch jetzt hoffte Lara immer auf den im Fernsehen übertragenen Pressekonferenzen den Firmeninhaber zuerblicken. Leider wurde sie immer wieder enttäuscht. Es war als wenn Akira, wie vom Erdboden verschwunden war. Sämtliche öffentliche Auftritte übernahm plötzlich dessen Bruder.
Sobald Dilara irgendwo eine Zeitung oder Klatschblatt sah, wo etwas über die Taishos drin stand, kaufte sie diese. Es ging ihr nicht um Klatsch, sondern um Informationen. Es war ihr einfach nicht möglich ihren Lieblingsdämon aus den Gedanken zuverbannen. Deshalb versuchte sie nun so viel wie möglich herauszufinden, den Menschen kennenzulernen, den er versuchte in der Öffentlichkeit darzustellen.
Es war offenbar auffällig das sich Akira Taisho nicht mehr in der Öffentlichkeit zeigte. Die wildesten Vermutungen waren schon im Umlauf.
Dilara saß mit einigen Bekannten nach der Arbeit noch in einem Café. Hauptgesprächsthema, der Singlefrauen, gut aussehende Männer. Früher beteiligte sich die Anwältin daran, jetzt beschränkte sie sich aufs Zuhören.
Selbst Dilaras Freundin, die nun seit zwei Monaten mit ihrem derzeitigen Schwarm zusammenlebte, träumte noch immer von einem ganz bestimmten One-Night-Stand. Sie war eine von denen die behaupten zu Sesshomaru Taishos Favoritinnen zu gehören, nur weil dieser ihr vor zwei Jahren einen Drink spendierte. Dieses Privileg bekam nicht jede junge Frau, für die meisten hatte der Firmenteilhaber nur einen verachtungsvollen Blick übrig.
Gerade fragte sich Dilara, ob dieser Sesshomaru wirklich so ein Schürzenjäger war, wie man behauptete. Immerhin war er alleinerziehender Vater und wollte sicher nicht seinen Sohn ein schlechtes Vorbild abgeben. Vielleicht war das auch der Preis der Berühmtheit.
Nachdem die Frauen genug über Sesshomaru geplaudert hatten, kam eine der Gerichtssekretärinnen plötzlich auf Akira zu sprechen.
" Sein Vater ist auch nicht zu verachten. Man sieht ihnen die Familien Änlichkeit an. Meiner Meinung nach schaut der große Chef viel freundlicher." Diese junge schwarzhaarige Frau hatte ein Wirtschaft Magazin aufgeschlagen wo man wieder einmal Akira Taisho betrachten konnte. Auf einem anderen Foto war Sesshomaru abgebildet. Deutlich strahlten die Augen des jüngeren härter und mit viel Fantasie sogar kälter.
Da sprach die Sekretärin schon weiter:" Was ich mich frage, weshalb man keine Frauengeschichten über ihn hört. So viel ich weiß ist er doch Witwer."
Eine der anderen Frauen, deren Vater ein hoher Regierungsbeamter war, berichtete:" Akira Taisho ist Witwer. Man kann gelegentlich beobachten, wie andere Frauen ihn anhimmeln, egal in welchem Alter. Es heißt auch das er genug eindeutige Angebote bekommt, die er alle ablehnt. Glaube mir, gegen seinen Blick ist der von Sesshomaru, den ich letzten Monat auf dem Wohltätigkeitsball bekommen habe, noch harmlos. Das letzte was Akira will ist eine Bettgeschichte oder ein dummes Blondchen das nur auf sein Geld aus ist."
Diesmal mischte sich Dilara zum ersten Mal in das Gespräch ein um eine Frage zustellen:" Was mich wundert bei so vielen weiblichen Fans über ihn hört man keinerlei Gerüchte oder wagt es einfach niemand über ihn zu plaudern."
Es war die Beamtentochter, die ihr antwortete: " Bis vor Kurzen war das auch so. Laut den Reportern soll Akiras Leben perfekt sein. Alles läuft in geordneten Bahnen. Doch neuerdings munkelt man in der in der High Society, das Akiras derzeitiges Verschwinden mit einer Frau zutun hat. Es heißt er hat eine heiße Affäre."
Dilara die gerade einen Schluck Tee trank, gab einen Laut von sich, wurde rot und hustete gleich darauf. Besorgt wurde sie von allen angeschaut. Kaum hatte sich die Anwältin gefangen, beschwichtigte sie die anderen Frauen. " Entschuldigt. Ich habe mich nur am Tee verschluckt."
Jeder außer Laras Freundin gab sich mit der Aussage zufrieden, Tama hingegen sah sie mit einem intensiven Blick an. Deshalb wiederholte Lara bestimmt:" Es geht mir wirklich gut. "
Kaum hatte sich ihre Freundin abgewandt, holte Dilara tief Luft. Das war wirklich knapp gewesen. Als die Sekretärin von der Affäre sprach, wurden Laras Gedanken von erotischen Bildern überflutet. Diese unvergesslichen Gefühle, die sie empfunden hatte. Der Anwältin war heiß geworden bei dem bloßen Gedanken an Akira und seine zärtlichen Berührungen.
Für einen Moment gab der jungen Frau die Sache mit der Affäre zudenken. Dennoch war sich Lara zweierlei sicher. Niemand wusste von ihr und es gab auch keine andere Frau. Eigentlich konnte Lara froh sein, dass nur ein Gerücht kursierte und die Presse nicht von ihr Wind bekam. Es wäre schrecklich, wenn sie jeden Tag von duzenden Journalisten belagert werden würde.
Da sie Akira richtig einschätzte, würde sicherlich keine Silbe über ihre gemeinsame Zeit über dessen Lippen kommen. Wenn er sie vor den Panthern beschützt, dann sicher auch vor neugierigen Reportern. Die zweite Sache, jemand wie Akira, der trotz seines hohen Alters nur so wenige weibliche Lebewesen beschlafen hatte, würde nicht aus ihrem Haus gehen und mit der nächst Besten eine Liebschaft anfangen. Weshalb konnte sich die Anwältin selbst nicht erklären, doch sie vertraute dem Dämon.
Dieses mysteriöse Untertauchen des Hundedämons hing allein mit den Panthern zusammen. Bestimmt versteckte sich Akira um seine Feinde in die Irre zuführen. Was sie jedoch wunderte, dass man das Ganze nur mit einer Frau in Zusammenhang brachte und nicht einem Verbrechen.
Nur wenig später verabschiedet sich die Anwältin, da es noch einige Dinge zu erledigen gab. Sie beschloss vorsichtiger zu sein, wie schnell hätte sie sich heute verraten können.
Nach diesem kleinen Vorfall drängte Lara die Erinnerung an Akira tagsüber beiseite und widmete sich verstärkt ihrer Arbeit. Nur nachts, in ihrer Wohnung, lag sie oft stundenlang wach, einsam und in Gedanken starrte sie zum Fenster hinaus. Seit ihrer Begegnung mit dem Dämon waren nun schon fast sieben Wochen vergangen. Immer wieder redete sich die junge Frau ein, wenn ihm etwas passiert wäre, gäbe es ich eine Pressemitteilung. Deshalb konnte es dem Dämon nur gut gehen.
In diesem Moment ahnte sie noch nicht, dass Lara nur zwei Tage später tatsächlich eine versteckte Botschaft ihres Dämons erhalten sollte, auch wenn sie nicht direkt von ihm kam.
Bei so großen Imperien, die viele Firmen umfasste und jede Menge Mitarbeiter hatte, gab es auch immer wieder unzufriedene Angestellte. Einer von ihnen prozessierte zurzeit gegen Taisho Securitas, einem Firmenzweig dem Jiro Taishos Schwiegersohn Kouga vorstand. Dennoch wurde dieser von Jiro begleitet. Abgeschirmt von einigen Leibwächtern, verfolgt von unzähligen Reportern betraten die beiden Dämonen das Gerichtsgebäude. Auf einem der Flure wo die Taishos durchgehen mussten, stand gerade Dilara und unterhielt sich mit einer Staatsanwältin. Beide Frauen unterbrachen ihr Gespräch und wichen in eine Türnische aus, als die Massen an ihnen vorbei strömten. Das musste man den Taishos lassen, sie ließen sich nicht nehmen immer persönlich vor Gericht zuerscheinen anstatt nur Anwälte zuschicken.
Jiro der neben Kouga lief blieb plötzlich stehen und zog die Luft ein. Der blauäugige Hundedämon vergaß nie einen Geruch und dieser war der Gleiche, der auch seinem Bruder anhaftete nach dem Katzenüberfall. So versuchte er das Wesen zu identifizieren, dem dieser Geruch gehörte. Sein Blick blieb nach einer Weile bei zwei Frauen hängen. Kurz darauf war er sich sicher, dass es diese braunhaarige Frau mit den blauen Augen sein musste. Doch er wollte sie nicht offensichtlich anstarren und vermied es jemanden wissen zu lassen, dass er sich für diese Unbekannte interessierte. Scheinbar neugierig musterte Jiro deshalb noch andere Menschen im Gang.
Kouga war ebenfalls stehen geblieben, doch er konnte sich keinen Reim machen." Jiro?", eine unausgesprochene Frage darin versteckt.
Der ältere Dämon lächelte kurz und entgegnet:" Es ist nichts. Wir sollten uns beeilen." Damit ging er weiter.
Doch der Wolf warf noch einmal einen Blick in die Richtung, der sein Schwiegervater zuerst seine Aufmerksamkeit schenkte. Diese Frau hatte er einmal kurz gesehen. Sie kam aus einem Haus, neben dem Blumenladen, wo er kürzlich eine Alarmanlage auf Wunsch des Taisho modernisierte. Ob es da einen Zusammenhang gab. Weitere Überlegungen konnte der Kouga nicht anstellen, da ihr Gerichtstermin vorging.
So beugte er sich zu einem seiner Leibwächter und flüsterte ihm einen Befehl ins Ohr. Der braunhaarige Wolfsyoukai sah kurz zu der Anwältin und nickte dann. Es würde sicher nicht schwer werden herauszufinden, wer diese blauäugige Frau neben der Staatsanwältin war.
Gerade verabschiedete sich Dilara von der Staatsanwältin. Zwar bekam sie mit wie einer der Leibwächter, die in den Diensten der Familie Taisho standen, zu der anderen Frau trat, doch Dilara dachte sich nichts dabei. An der Tür zum Ausgang warf sie noch einen kurzen Blick zurück. Offenbar war der braunhaarige schwarz gekleidete Mann nur auf einen Flirt aus. Danach setzte die Anwältin ihren Weg fort. Ihre Arbeit im Gericht war noch nicht beendet. Nach der Mittagspause hatte sie eine weitere Verhandlung. Da es aber nur eine Vorverhandlung war, ging sie schnell vorüber.
Am frühen Nachmittag verließ die Anwältin das Gebäude, um zu ihrem Auto zugehen, wurde aber außerhalb noch ein Mal von ihrem Klienten und dessen besorgter Familie aufgehalten.
Gleich danach strömten aus dem Gericht eine Menge Leute heraus. Dann blieben viele auf dem Vorplatz stehen. Ein wenig neugierig tat es auch Dilara.
Es war Kouga Wolf, der vor die Presse trat und diesmal eine Erklärung abgab. Der ehemalige Mitarbeiter wurde einiger Vergehen überführt und musste nun mit einer Anklage wegen Einbruch rechnen. Mithilfe der Polizei fand man Beweise, dass der Mitarbeiter für eine Einbruchserie verantwortlich war. Diese Objekte gehörten, zu denen die Taisho Securitas schützte. Sein Prozess gegen die Sicherheitsfirma wegen der fristlosen Entlassung hatte er heute ebenfalls verloren.
Danach beantworteten Kouga und auch Jiro noch andere Fragen. Zum Ende der Pressekonferenz verabschiedeten sie sich. Doch da gab es noch jemand der unbedingt etwas wissen wollte.
Aus der Menge erklang plötzlich eine Stimme:" Verzeiht meine Neugier! Viele fragen sich, wo ihr Bruder Akira Taisho steckt. Normalerweise lässt er sich diesen Medienrummel nicht entgehen. Er ist doch nicht etwa indisponiert." Wenn man genau hinhörte, vernahm man ein wenig Spott und Genugtuung in der Stimme des Fremden.
Jiro hatte sich schon halb abgewandt, als dieser jemand seine Frage stellte, sodass der Youkai schnell herumfuhr und den vermeintlichen Reporter anschaute. Sicher fiel es einer Menge Wesen auf, in Jiros Blick war plötzlich keine Freundlichkeit mehr. Die blauen Augen blitzten eisig. Beide, der Reporter und der Geschäftsmann starrten sich an. Dann begann Jiro mit verständlicher Stimme zu sagen:" Ich kann gern ein Treffen für sie mit meinem Bruder arrangieren. Wie wäre es heute Abend im Park...", dann folgte eine kurze Pause:" Beim See wäre vermutlich ein guter Treffpunkt.", fuhr der Hundedämon fort. In diesem Moment erblickte der jüngere Bruder von Akira Dilara in der Menge. Es war zwar nicht auffällig aber Jiro erkannte das sich die Anwältin sorgte. Vielleicht würde ein Hinweis ihre Angst etwas mildern. Dennoch durfte der Hundedämon nicht allzu offensichtlich mit ihr Kontakt aufnehmen. Ganz besonders der Panther durfte keinen Verdacht schöpfen.
Sobald Dilara diese Worte vernahm, war sie sich sicher das der angebliche Journalist nur ein Pantherdämon sein konnte. Sie musterte ihn genauer, doch leider stellte sie nicht fest, was ihre Vermutung bestätigte. Das einzige Indiz war der harte Blick in den dunklen Augen und eine leichte Kälte, die von der Katze ausging. Sie wusste nicht das Personen die direkt in Jiros Nähe standen das gleiche Gefühl empfanden. Beide Dämonen zeigten nur einen geringen Teil ihrer Energie. Es war der Panther, der zuerst aufgab und sich entspannte. Gleichzeitig lehnte der Reporter das Treffen ab." Das wird nicht nötig sein."
Nur weil Lara den Dämon genau beobachtete, sah sie das leichte Nicken des Kopfes, was Jiro ebenso erwiderte. Sicherlich bedeute die Geste etwas unter dieser Rasse.
Der Hundedämon wandte sich direkt den Kameraleuten wieder zu, um mitzuteilen:" Kurz vor der Verhandlung habe ich mit meinem Bruder gesprochen. Er erfreut sich bester Gesundheit. Im Moment klärt er nur einige persönliche Dinge und ist geschäftlich unterwegs. Ich bin sicher nach seiner Rückkehr wird er eine ausführliche Erklärung abgeben."
In den blauen Augen des jüngeren der Taishobrüder blitzte es kurz erneut und es kam Lara so vor, als ob nur sie angeschaut wurde. Alles um Dilara versank in Bedeutungslosigkeit. Sie nahm nichts mehr wahr weder die Menschen um sich herum, das Gewitter der unzähligen Blitzlichter, noch hörte sie einen Laut. Für einen Moment existierten nur Jiro und die junge Frau. Dann war es vorbei und der Anwältin wurde ihre Umgebung wieder gewahr.
Wieso hatte Dilara das Gefühl, diese Worte haben nur ihr allein gegolten.
Doch dann verwarf die Anwältin das Ganze. Bestimmt hatte Akira nichts über sie erzählt. Wie konnte Jiro wissen, wie sehr sie sich sorgte. Dennoch war diese kleine Botschaft ausschlaggebend für ihren nächsten Schritt.
Am nächsten Tag nach der Arbeit fuhr Dilara zum Hauptsitz der Firma Taisho. Von nun an wurde das zum festen Bestandteil ihres Tagesablaufes. Sie blieb zwar immer vor dem Gebäude stehen und schaute sich nur um. Nach wenigen Minuten ging sie wieder fort. Noch brachte sie nicht den Mut auf hineinzugehen um direkt nach Akira zufragen.
So auch an diesem Tag. Heute war Dilara später als üblich. Über den Menschenauflauf vor dem Gebäude wunderte sie sich kurz. Es reichte schon das sie Gesprächsfetzen von anderen Passanten auffing und so erfuhr, dass nicht einmal eine halbe Stunde vor ihrem Eintreffen, Akira mit der Presse gesprochen hatte.
An dem Tag als Akira wieder offiziell zurückkehrte hielt er sich nicht lange in seinem Büro auf, da er noch am Abend nach Amerika fliegen würde. Der Besuch auf dem anderen Kontinent galt als Tarnung für ein wichtiges Treffen der ranghöchsten Dämonen der ganzen Welt. Es fand in regelmäßigen Abständen statt.
Sobald es Zeit war aufzubrechen verabschiedete sich Akira von seiner Familie und betrat den Fahrstuhl. Vor dem Gebäude gab er eine kurze Pressekonferenz, wo die Firma Taisho offiziell bekannt gab, das sie mit einer anderen hier in Tokio ansässigen Firma Handelsverträge abgeschlossen hat. Das war auch der Grund, weshalb er in den vergangenen Tagen der Öffentlichkeit eine Weile fern blieb.
Nicht lange danach verließ der Wagen die Tiefgarage und fädelte sich in den Verkehr ein als Akira plötzlich befahl:" Halt an!"
Der Fahrer war es gewohnt schnell zu reagieren, dennoch lenkte er den Wagen zur Seite, um den Verkehr nicht zu behindern. Zwar herrschte hier Parkverbot, doch das war ihm egal. Sein Herr gab nie solche Anweisungen ohne Grund.
Wie gebannt starrte Akira auf eine braunhaarige Frau, die vor dem Bürogebäude stand. Im ersten Moment war er versucht auszusteigen und zu ihr zu gehen. Bestimmt würde er es tun, doch dieses Treffen in Amerika war sehr wichtig und konnte nicht verschoben werden. Da er den Platz des Anführers der Dämon innehatte, durfte Akira nicht fehlen. Doch eines war sicher, nach seiner Rückkehr gab es nichts das ihn noch von Dilara fernhielt. So beobachtete Akira weiter. Es interessierte ihn, wie sich die Anwältin entscheiden würde, ob sie nur neugierig war oder es in ihrer Absicht lag zu ihm zukommen.
Eines wusste er jedoch genau. Bei der Pressekonferenz war sie noch nicht zugegen. Dem Taisho wäre ihre Anwesenheit selbst in einer großen Menge aufgefallen. Einige Augenblicke eher, vielleicht hätte es eine Menge beschleunigt. Nun blieb keine Zeit mehr.
Dann traf die junge Frau eine Entscheidung und ging wieder einmal wie so oft nach Hause. Nur ein kurzer Blick hinüber auf die andere Straßenseite war von Nöten. Doch die Anwältin ging ohne sich umzusehen direkt zu ihrem Auto und fuhr fort.
Kaum war die junge Frau verschwunden gab auch der Taisho eine neue Anweisung:" Zum Flughafen!"
Der Wagen fuhr auch sofort los.
Der silberweißhaarige Hundedämon lehnte sich zurück, schloss die Augen und murmelte:" Dilara.", in Gedanken fügte er hinzu.' Du hast mir ein Zeichen gegeben. Bald sehen wir uns wieder.'
Takeo hatte seinen Herrn genau beobachtet. Diese junge Frau musste ihm viel bedeuten. Der Leibwächter dachte an die Nacht zurück, als sein Herr nach Hause zurückkam. Damals war sein Körper von mehreren Verbänden bedeckt. Außerdem war dieser weibliche Duft an Inu no Taisho. Deshalb schlussfolgerte der blonde Dämon: " Sie hat euch gerettet, Herr?"
Akira lächelte zweideutig und entgegnet:" Nein, ich fürchte ich bin hoffnungslos verloren."
" Das kann ich nur zu gut nachvollziehen." stimmte Takeo zu und lehnte sich ebenfalls zurück, um kurz die Ereignisse der letzten Wochen Revue passieren zu lassen.
In den letzten Wochen geschah etwas, was niemand für möglich gehalten hätte. Der Herr der Pantherdämonen wurde von Akira in einem Zweikampf besiegt und getötet. Dessen einzige Tochter und neue Herrin des Clans verschenkte ihr Herz an einen Hundedämon. Deshalb und weil schon länger die meisten Panther endlich die ewigen Streitereien mit dem Dämonenrat beilegen wollten, herrschte nun endlich Frieden.
Takeo war der Hund, der die neue Herrin der Panther zähmte. Die schwarzhaarige Youkai, wohl die Einzige im Clan mit grünen Augen, schleppte sich nach einem Überfall schwer verletzt davon. Zufällig fand der Leibwächter die ohnmächtige Katze und brachte sie als Geisel in ein Lagerhaus. Damit hatten sie endlich eine Hand habe gegen die gegnerischen Dämonen. Sharifa war zwar eine Katzendämonin aber nur zur Hälfte Panther. Dennoch war sie die einzige Erbin des Reiches und ihrem Vater wichtig.
Weil sich später seine Tochter weigerte, zu ihrem Vater zurückzukehren, da sie sich in Takeo verliebte, nutzte Akira die Gelegenheit und forderte den Anführer der Pantherdämonen zu einem Zweikampf heraus.
Nach dem Sieg der Hunde gaben sich die Katzen endlich geschlagen. Sobald Akira aus Amerika zurückkam, würden die Panther Verträge unterzeichnen, die ihren Beitritt zum Dämonenrat beinhalten und sich dem Taisho unterordnen. Sicherlich würde Takeo einige Wochen darauf mit Sharifa den Bund eingehen und sie offiziell als seine Gefährtin annehmen. Es war nicht die erste gemischte Verbindung, die unter Dämonen geschlossen wurde aber keine hatte die Zustimmung des Dämonenrates eingeholt.
Akira hatte dieser Verbindung als letzte Instanz erst zugestimmt, nachdem er sicher war, dass beide es wollten und sich tatsächlich zugetan waren. Aufgrund seiner eigenen Erfahrung lehnt der Taisho Zwangshochzeiten strikt ab.
Kaum waren sie am Flughafen angekommen, verbannte Takeo seine Gedanken und widmete sich seiner Aufgabe. Den Job als Leibwächter bei Akira würde er auch in Zukunft nicht aufgeben.
5. Kapitel - Die, die mein Herz erobert
Wer macht nun den ersten Schritt? Dilara oder Akira.
Gibt es für beide ein Happy End?
